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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"

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UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 

AT CHAPEL HILL 




ENDOWED BY THE 

DIALECTIC AND PHILANTHROPIC 

SOCIETIES 
BUILDING USEONLY 



PA 3 
.P6 
Bd. 13 
1883 



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in 2013 



http://archive.org/details/philologischeran13gtti 



PHILOLOGISCHER 



ANZEIGER. 



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™<? 



ALS ERGÄNZUNG 



DBS 



PHILOLOGUS 






13 






HERAUSGEGEBEN 



VON 



ERNST von LEUTSCH. 



DREIZEHNTER BA 



1883. 




GOTTINGEN 

VERLAG DER DIETERICHSCHEN BUCHHANDLUNG. 

1883. 




Druckfehler. 

P. 38, zeile 2 : Tergesiuin] lies Tergestrwn. 

„ 39, „ 5 : falso] lies salso. 

,, 39, „ 32: Hanon] lies Anon. 

„ 40, ,, 14: Naust Ahmus] lies Naustathmus. 

„ 41, „ 1: ixgeftH] lies ixTgt^tt. 



Druckfehler. 



38, zeile 2: Tergestuin) lies Tergestrum. 

39, „ 5: falsa] lies sahö. 

39, „ 32: Hanori] lies Anon. 

40, „ 14: Naust Ahmus~\ lies Naustathmus. 

41, ,, 1 : Ixpj^ft] lies ixiotysi. 



Nr. 1. Januar 1883. 



Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



1. Etymologisches Wörterbuch der lateinischen spräche von 
Alois Vanicek. Zweite umgearbeitete aufläge. Leipzig, Teub- 
ner 1882. 8. VIII, 388 p. 

Die Zeiten ändern sich , aber die bücher Vaniceks nicht. 
Von den neuen resultaten, die in den letzten jähren so manchem 
dogma der vergleichenden Sprachwissenschaft verhängnisvoll ge- 
wesen sind, ist das buch unberührt geblieben, wenn man es mit 
der ersten aufläge aus dem jähr 1874 oder besser noch mit dem grie- 
chisch-lateinischen etymologischen Wörterbuch des jahres 1877 
vergleicht. Mit der anläge des letzteren ist die des vorliegenden 
buches wesentlich identisch, gegen das erstere weist sie manchen 
fortschritt auf. Die wurzel oder die grundform ist in der er- 
schlossenen indogermanischen form an die spitze jedes artikels 
gestellt und zwar in der reihenfolge des sanskritalphabets , die 
auch Fick für sein vergleichendes Wörterbuch gewählt hat. Die 
neueren forschungen über den indogermanischen vocalismus sind 
von .lern Verfasser hiebei nicht berücksichtigt worden. Daher 
erscheinen die wurzeln durchaus mit dem einförmigen a, obwohl 
man jetzt ziemlich allgemein auch dem e und o zutritt in das 
indogermanische vocalsystem verstattet hat ; sie erscheinen durch- 
weg in der schwachen form (bhugh) , obwohl man sich mehr zu 
der anschauung neigt , die stärkere (bheugh) als die ursprüngli- 
chere zu betrachten. Man mag zugeben, daß ein buch von dem 
zwecke des vorliegenden vorläufig noch davon absehen konnte, 
von diesen dingen notiz zu nehmen. Anders steht es wohl mit 
einem andern. Wenn man, wie der Verfasser thut, an eine 
europäische grundsprache glaubt, so muß man den darin aufge- 
Philol. Anz. XIII. 1 



2 1. Etymologie. Nr. 1. 

führten worten den vocalismus geben, der längst für sie allgemein 
anerkannt ist; es geht also nicht an, wenn auf p. 207 hinter 
dem indogermanischen madhja „mitten" auch als europäisch die- 
selbe form mit zwei a angesetzt wird statt mit e und o. Daß 
alle die lautwandelungen, welche innerhalb der einzelnen artikel 
angenommen werden, um die darunter vereinigten Wörter auf 
gemeinsame wurzel zurück zu. führen, auf die dauer stichhaltig 
sein werden, daran wird man billig zweifeln, zugleich aber dar- 
auf hinweisen dürfen, daß für die wissenschaftliche erforschung 
der lateinischen lautlehre bisher noch sehr wenig geschehen ist, 
ja daß gegenwärtig das lateinische in dieser hinsieht das Stief- 
kind unter den europäischen sprachen arischen Stammes ist. 

Der Verfasser hat diesmal , und das ist sehr dankenswerth, 
kurze vergleichungen aus den andern indogermanischen sprachen 
hinzugefügt, die_ sich hie und da sogar auf das albanische er- 
strecken. Es. ist nur zu loben, daß der dieser spräche gebüh- 
rende platz unter ihren Schwestern auch hier anerkannt wird ; 
nur ist bei vergleichungen aus derselben große vorsieht geboten, 
weil noch keine wissenschaftliche lautlehre vorliegt und es oft 
nicht leicht ist, urverwandtes und entlehntes zu unterscheiden. 
So ist kos (p. 61) ebenso wie das gleichlautende, dort auch an- 
geführte rumänische wort slavisches lehnwort ; nip, (nicht nippi 
p. 140, was die form mit dem angehängten artikel ist) ist aus 
dem lateinischen entlehnt, ebenso wie pesk oder pisk (p. 170) 
„fisch." In einem etymologischen Wörterbuch der lateinischen 
Sprache dürfte man vielleicht an erster stelle vergleichungen aus 
den übrigen italischen mundarten erwarten, deren erforschung 
ja doch so weit vorgeschritten ist, um häufig sicheres und zu- 
verlässiges bieten zu können. Sie fehlen in dem buche Vaniceks 
gänzlich. Ein sehr hübscher anfang dazu ist neulich in dem 
Lexicon italicum Büchelers (Bonner Universitätsfestschrift zur ge- 
burtstagsfeier des kaisers 22. märz 1881) gemacht worden. 

Die etymologische literatur erscheint, im unterschiede von 
der ersten ausgäbe, in großer ausdehnung angeführt und wir 
müssen dem Verfasser für diese zugäbe aufrichtig dankbar sein. 
Man wird mit ihm nicht darüber rechten wollen, daß des guten 
hier vielleicht manchmal zu viel geschehen ist, während doch 
andrerseits die anführungen auf Vollständigkeit keinen anspruch 
machen dürfen. Ich will nicht urgieren, wogegen sich der ver- 



Nr. 1. 1. Etymologie. 3 

fasser in der vorrede auch verwahrt, daß manche einzelschriften 
nicht zu seiner kenntniß gekommen zu sein scheinen; man wird 
billig die Schwierigkeiten in betracht ziehen , die mit dem be- 
schaffen der literatur in einem kleinen landstädtchen verbunden 
sind. So habe ich bei bellum p. 126 die abhandlung von Lud- 
wig Lange, de duelli vocabuli origine et fatis, Leipzig 1877; 
bei consul consulere p. 298 das programm von Hainebach über 
consul und consulere, Gießen 1870, bei den compositis von facio 
p. 129 das programm von Deecke facere und fieri in ihrer com- 
position mit andern verbis, Straßburg 1873, bei wz. dhä p. 
128 James Darmesteter, de conjugatione latini verbi dare, Paris 
1877 (dazu jetzt Thielmann das verbum dare im lateinischen als 
repräsentant der wurzel dha, Leipzig 1882) vermißt. Die schrift 
von Brunnhofer (p. 80) hat den titel: „Fulu. Lac. Der graeco- 
italische name der milch." Aber auch die Zeitschriften sind 
nicht vollständig ausgebeutet worden; so fehlt zum beispiel fast 
alles , was Breal in den Memoires de la societe de linguistique 
an etymologischen combinationen über lateinische Wörter veröf- 
fentlicht hat, obwohl die Zeitschrift selbst ein paar mal citiert 
wird. Auch die beitrage zur künde der indogermanischen spra- 
chen von Bezzenberger sind bei weitem nicht vollständig ausge- 
zogen. Ich erlaube mir dies durch einige beispiele zu erweisen, 
die zugleich als nachtrage zu den fleißigen Zusammenstellungen 
Vaniceks gelten mögen. P. 24 zu elementum : Fick, Kuhns Zeit- 
schrift 22, 384; L. Meyer, Bezzenbergers beitrage 2, 86, wozu 
neuerdings Havet, Memoires de la socidte de linguistique 5, 44 
kommt. — P. 35 igitur Bugge in Curtius Studien 4, 349. — 
P. 39 teere Fick, Bezzenberger 1, 59. aeger Breal, Rivista di 
filologia 2, 449. — P. 41 uterus Fick, Bezzenberger 1, 332 nach 
L. Meyer, vgl. Gramm. 1, 38. superbus Breal, Memoires 2, 48. 
— P. 44 quirquir H. Jordan , kritische beitrage zur geschichte 
der lateinischen spräche , p. 89 ff. — P. 49 forceps Zeyß, KZ. 
19, 161. — P. 59 culpa Bezzenberger, 2, 157. — P. 72 cliens 
L. Meyer, Bezzenberger 5, 176. glöria Bugge, KZ. 19, 421. 
Bezzenberger, beitrage 2, 156. — P. 78 gingiva Bugge, Curtius' 
Studien 4, 347. — P. 79 glutus Pauli, KZ. 18, 24. — P 83 
glacies (fehlt im register) Pott, Etymologische forschungen II, 2, 
768. — P. 100 tälus Osthoff, Forschungen im gebiet der indo- 
germanischen nominalen Stammbildung 1, 195. — P. 101 an- 

1* 



4 1. Etymologie. Nr. 1 

tenna O.Keller, Fleckeisens Jahrbücher 115,125. — tempus Use- 
ner, ebda 117, 59; Brdal, Memoires 2, 380. — P. 105 triticum 
Ascoli KZ. 18, 443. — P. 133 indulgere Breal, Memoires 2, 
383. — P. 148 päla „spaten", Osthoff Forschungen 1, 123. — 
P. 156 praesto Br^al, Memoires 2, 44. — P. 174 Unter ist allgemein 
anerkanntes griechisches lehnwort , s. jetzt Weise , die griechi- 
schen Wörter im latein p. 450. — P. 194 fücus J. Schmidt KZ. 
22, 314. — P. 206 mentula Zeyss KZ. 19, 188. — P. 214 
mülier Fick, Bezzenbergers beitrage 1, 63. — P. 217 multa Bröal, 
Rivista di filologia 2, 453. — P. 220 semita Breal, Memoires 
2, 47. — P. 227 juxta Breal, Memoires 2, 45. jubeo Th. Ben- 
fey, Iubeo und seine verwandte. Göttingen 1871. — P. 254 
Über Ueecke, Bezzenberger, Beiträge 3, 52. G. Meyer, Zeit- 
schrift für die österreichischen gymnasien 1880, p. 124. — P. 
255 vannus Fick, Bezzenberger, Beiträge 1, 335. — P. 262 ve- 
lum Ascoli, Rivista 2, 451. Osthoff, Forschungen 1, 196. — 
P. 271 urbs Bezzenberger, Beiträge 1, 342. — P. 278 urna 
Bezzenberger ebda. — P. 288 secus Clemm, Fleckeisens Jahr- 
bücher 101, 26. sepelire Zeyß KZ. 19, 179. Corßen, Aussprache 
u. s. w. 2, 153. Osthoff, Forschungen 1, 112.— P. 320 clau- 
dere Br^al, Memoires 1, 406. — P. 335 püum G. Curtius Sym- 
bola philologorum Bonnensium p. 277. — O. Keller, Fleckeisens 
Jahrbücher 107, 605. — Manche Wörter sind gar nicht aufgeführt, 
obwohl etymologische versuche darüber vorliegen, so aprilis (die 
ableitung in Vaniceks erster aufläge ist unmöglich, aber die alte 
herleitung aus aperire empfiehlt sich durch die analogie des neu- 
griechischen avoihg für „frühling" und des friaulischen avierte 
„frühling", H. Sckuchardt, Zeitschrift für romanische philologie 
6, 120); asper (Postgate, Transactions of the philological So- 
ciety 1880/81, p. 339); bonus (Fick p. 91. Wörterbuch 1, » 627), 
fistula (Bugge KZ. 19, 442), instar (Breal, Memoires 2, 45), 
lappa „klette" (Pauli KZ. 18, 10), macellum (Osthoff, Forschungen 

1, 194), maccus (Pauli KZ. 18, 14), masticare (Breal, Memoires 

2, 381), optnor (Bröal, Memoires 2, 48), töles tonsillae (Osthoff, 
Forschungen 1, 198). 

Das buch Vaniceks wird als eine fleißige, wenn auch nicht 
erschöpfende Zusammenstellung des materials aus der etymolo- 
gischen literatur immer ihren werth behalten. Der wissenschaft- 
liche Standpunkt, den es einnimmt, wird in nicht allzu ferner 



Nr. 1. 2. Griechische grammatik. 5 

zeit ein veralteter genannt werden müssen. Ich gebe der hoff- 
nung ausdruck , daß der Verfasser es nicht verschmähen wird 
für eine neubearbeitnng sich soviel von den ergebnissen moder- 
nerer forschung anzueignen , um ein dem jetzigen stände der 
Wissenschaft auch in einzelheiten mehr entsprechendes bild latei- 
nischer Wortforschung zu geben. Mag man über die morpholo- 
gischen leisümgen der neueren grammatischen schule denken, 
wie man will, mit wirklich strenger beobachtung der lautgesetze 
hat sie erst angefangen ernst zu machen. Darum wird manche 
noch jetzt zuversichtlich vorgetragene etymologie aus diesem 
buche verschwinden müssen. Wenn die anordnung nach wur- 
zeln aufhörte und die alphabetische an seine stelle träte, so wäre 
das meines erachtens ein weiterer vorzug für die weiterentwicke- 
lung des buches. Rasurzeichen lassen sich dann leichter an- 
bringen als jetzt , wo jedes wort seinen bestimmt angewiesenen 
platz bekommt. Ableitungen, wenn deren aufführung überhaupt 
für nothwendig erachtet wird , könnten dabei immer noch unter 
dem grundwort platz finden. Kluge gibt uns soeben in seinem 
etymologischen Wörterbuch der deutschen spräche ein treffliches 
muster eines so eingerichteten etymologischen hilfsbuches Auch 
das romanische von Diez , das englische von Müller ist so ein- 
gerichtet. Der praktische zweck würde entschieden dabei gewin- 
nen, die wissenschaftlichkeit nichts verlieren. Gustav Meyer. 

2. Zur geschichte des griechischen perfectums von dr. 
Hermann von der Pfordten. München 1882. 64 p. 8. 

Der durch seine abhandlung über den thessalischen dialekt 
bekannte Verfasser bietet der gelehrten weit eine wohl durch- 
dachte und sorgfältige abhandlung dar, welche sich die aufgäbe 
stellt verschiedene punkte in der lehre vom griechischen per- 
fectum näher zu beleuchten und wo möglich weiter aufzuklären. 
Er hat die Sammlungen von formen, die sich in dem buche von 
Georg Curtius über das verbum und in meiner griechischen 
grammatik finden , zu vervollständigen gesucht und manchen 
dankenswerthen nachtrag geliefert. Was die erklärung der sprach- 
lichen thatsachen anlangt, so ist er im herzen durchaus der neueren 
sprachwissenschaftlichen richtung zugeneigt, ohne immer den ent- 
schiedenen ausdruck dafür zu finden. Daß er nicht alle ergebnisse 
der neueren forschung ohne weiteres für richtig hält, ist nur zu 



6 3. Lateinische grammatik. Nr. 1. 

billigen ; aber ebenso lobenswerth ist es, daß er das princip der 
ausgleichungen , formübertragungen und neubildungen für das 
maßgebende hält. Er hat sich im besonderen die aufgäbe ge- 
stellt, den weg, welchen gewisse neubildungen innerhalb der 
perfectbildung und perfectflexion genommen haben , darzulegen 
und hat durch festhalten der chronologischen momente in der 
aufftihrung der formen mancherlei klarer gestellt als es bisher war. 
Für eyotjjriQdaai, p. 20 ist die erklärung in Hartmanns abhand- 
lung de aoristo secundo p. 29 beachtenswerte Ein ^ztßcoxa 
(p. 27) durfte man doch als ursprüngliches perfect von Ti&qfAi 
nicht erwarten, sondern höchstens ein *rsBcoa i das — x — ist ja 
jüngere bildung. Daß ytvaiuto für ein griechisches ohr densel- 
ben hiatus enthielt wie ßtßltjuTo (p. 35), darf mit hinsieht auf 
die natur der r-diphthonge und die behandlung derselben im 
auslaut vor vocalischem anlaut billig bezweifelt werden. Erwä- 
genswerth ist die hinweisung auf den rhythmus als causa mo- 
vens von Umbildungen (p. 45). Die ganze arbeit muß als ein 
werthvoller beitrag zur griechischen grammatik bezeichnet werden. 

G. Meyer. 

3. Eduard Wölfflin, die alliterierenden Verbindungen 
der lateinischen spräche. Aus den Sitzungsberichten der königl. 
bayer. akademie der Wissenschaften, philos.-philol histor. Classe. 
1881. Bd. II, lieft. München. In commission der G. Franz'- 
schen buch- und kunsthandlung (J. Roth). 1881. 94 p. 8. 

Im eingange seiner verdienstlichen abhandlung bemerkt der 
Verfasser, wie die poesie der Römer , die in dem quantitätsprin- 
cipe ein genüge gefunden, die allitteration als schmuck in freie- 
rer weise nur über die verse ausgegossen habe , ohne dieselbe 
zu einem nothwendigen bindemittel zu machen , wie die poesie 
im verlaufe der Jahrhunderte dann diese beigäbe immer mehr 
eingebüßt habe ; aber auch die prosa habe , wohl ehe es eine 
poesie gegeben , die allitteration besessen. Dann geht er zur 
begriffsbestimmung über. Er ist der ansieht, daß mit ausnähme 
des diphthongen au, der bald zu a, bald zu o gezogen wurde, 
nur identische laute mit einander allitterieren , nicht auch ver- 
wandte , also nicht etwa bonus mit probus. Dagegen kann 
ein einfaches Stammwort mit einem mit einer präposition zusam- 
mengesetzten worte allitterieren {figura und conformatio)\ es kann 



Nr. 1. 3. Lateinische grammatik. 7 

aber auch die präposition mitgerechnet werden, namentlich wenn 
das compositum nicht mehr deutlich in seine zwei bestandtheile 
zerfällt (cura und cogitatio). Die allitteration kann sich auch 
auf zwei (fundere und fugare) und mehr (castigare und castrare) 
buckstaben ausdehnen , auf mehr als zwei glieder erhöhen (felix 
faustum fortunatumque). Wörter, die mit gleicher präposition be- 
ginnen (conferre und comportare), glaubt er außer acht lassen zu 
sollen, weil ihre zahl sich in's unendliche steigern würde, weil 
von einer freiheit der erfindung bei gleichem gedanken nicht 
mehr die rede sei , und weil kein besonderer Scharfsinn in sol- 
chen Verbindungen zu bewundern sei •, anders wenn auch die 
stammworte allitterieren (diversus und divisus). Auch Verbindun- 
gen wie ortus occasus, virtutes vitia, tunica toga hat er nicht auf- 
genommen {tunica toga ist freilich im alphabetischen Verzeich- 
nisse doch aufgeführt) , weil die allitteration eine bloß zufällige 
sei und man sich eben nicht anders hätte ausdrücken können. 
Die weitere beschränkung legt er sich sodann noch auf, daß er 
bloß von der allitteration syntaktisch koordinirter glieder spricht. 
Nachdem dann eingehender die möglichen Verbindungen solcher 
syntaktisch koordinirten glieder durch kopulative oder disjunk- 
tive partikeln besprochen und als die älteste form der Verbin- 
dung das asyndeton bezeichnet worden , wird auch die gestal- 
tende Wirkung des Wohlklangs erörtert. Rücksichtlich der aus- 
spräche glaubt der Verfasser, daß b und r in der kaiserzeit sich 
berührt , v und / aber nie gleich gesprochen und zur allittera- 
tion verwandt worden , die ausspräche des c wie k werde aus 
den allitterierenden Verbindungen leicht erwiesen. Der Ursprung 
der allitteration ist nicht wohl in der poesie zu suchen; die sa- 
kralsprache, der curialstil , die gerichtssprache , die Volkssprache 
und das Sprichwort , sogar schließlich die christliche litteratur 
haben alle neue allitterierende Verbindungen geschaffen. Nach- 
dem dann die Schicksale der allitteration von der archaischen 
latinität an bis in die modernen litteraturen verfolgt worden, 
folgt p. 46—93 ein alphabetisches verzeichniß der allitterierenden 
Verbindungen. 

Dieses ist kurz der inhalt der tüchtigen und anregenden 
arbeit. Freilich nicht in allen punkten vermochte der Verfas- 
ser uns zu überzeugen. Sollte wirklich (p. 4) „bei den muten 
nur tenuis mit tenuis, media mit media allitterieren?" Ich 



8 3. Lateinische grammatik. Nr. 1. 

finde allerdings kein beispiel, daß je b und p allitteriert hätten, 
wie etwa für die meisten deutschen „pulver und blei" ; dagegen 
scheint mir die allitteration von d und t unbestreitbar, es schei- 
nen eben diese laute in der ausspräche nicht so scharf geschie- 
den gewesen zu sein. Wie in deutschen formein wie : kurz und 
gut , groß und klein , dichten und trachten auch jetzt noch 
beispiele wirklicher allitteration sind und nicht bloß zufäl- 
lig mit verwandter tenuis und media anlauten , so sind im la- 
teinischen die beliebten Verbindungen von tectum und domus, 
templa und delubra , defendere und tegere, tueri und defendere, 
(ebenso wie tueri und tegere), tollere und delere, teneri und duci, 
trahi und duci gewiß durch den verwandten klang nicht zum 
wenigsten empfohlen worden. Sollte wirklich Cicero Cat. 3, 9, 
22 nicht mit vollem bewußtsein die schöne chiastische Verbin- 
dung: non solum vestris domiciliis atque tectis , sed etiam deorum 
templis atque delubris gebraucht haben ? 

Weiter glaube ich nicht, daß man recht thut, die Wörter, 
welche mit gleicher präposition beginnen , in denen aber die 
Stammsilben nicht allitterieren , so ohne weiteres außer acht zu 
lassen. „Ihre zahl steigert sich freilich ins unendliche", gewiß ; 
dieses beweist aber doch wohl bloß , welchen werth dieses alli- 
terierende moment selbst in seiner rohesten und kunstlosesten 
form für ein römisches ohr hatte. Solche Wendungen wie divelli 
ac distrahi, cohibere atque continere , reficere et recreare sind nicht 
ganz so formelhaft geworden wie etwa die deutschen redensarten 
bekräftigen und bestätigen , gestunken und gelogen , verrathen 
und verkauft, zerrissen und zerfetzt, daß man aber solche und 
andere unzählige Verbindungen immer und immer wieder neu 
bildete , beweist nicht zum wenigsten die empfänglichkeit der 
Römer nach dieser seite hin. Einige bezeichnende beispiele eben: 
exemit, excussit, eripuit dolor, Plin. ep. 8,23; desertus, destitus sum, 
hostibus deditus, Curt. 9, 2, 11; congrediuntur, et consistunt et con- 
serebantur iam manus , Gell. 9, 11, 6; huc instamus , inculcamus, 
infigimus, Quintil. 11, 3, 111. 

Wölfflin sagt p. 22 „nie aber sind v und / gleich gespro- 
chen und zur allitteration verwandt worden , so daß Verbindun- 
gen wie fides et virtus, vis et ferrum , vita et fortuna u. a. für 
uns nicht in betracht kommen." Sicherlich sind diese buchsta- 
ben nie gleich gesprochen worden, verwandten klangs sind 



Nr. 1. 3. Lateinische gramtnatik. 9 

sie aber doch wohl gewesen und zur allitteration verwandt wor- 
den; es ist eben die zahl der Verbindungen eine zu große, als 
daß man solche für rein zufällig ansehen könnte. Zu den von 
Wölfflin selbst gegebenen füge ich noch hinzu: flagitia und vitia, 
ßagitiosus und vitiosus, ferrum und vincula, fides und veritas, virtus 
und fortuna (z. b. Cic. pro Mil. 29, 79 ; Cic. Phil. 14, 9, 25; Liv. 
1, 25, 2; 1. 42. 3; 6, 14, 3; 22, 29, 2; 23, 42, 4; 23, 43, 
10; Tac. Annal. 13, 37, bist. 4, 24; vgl. Seneca ep. 72) finitimus 
und vicinus , vallurn und fossa , venti und fluctus , vita und fama, 
vis und fama, vita und facta, victoria und fama, vis und facultas, 
ferrum und virtus, ferrum und venenum , florere und vigere. In 
dem abschnitte über die Schicksale der allitteration (p. 32) dürfte 
manches anzufechten sein. Wenn bei Plautus die allitteration 
ungleich wirksamer ist als bei Terenz, so ist wohl kaum daraus 
zu schließen , daß das Wohlgefallen überhaupt an derselben ab- 
genommen. Daß der Italiker Plautus, der mann aus dem volke, 
der kenner des tones und der empfindung des gemeinen mannes, 
ein anderes latein schreibt als der in Africa geborne Terenz, 
der liebling der vornehmsten kreise, ist selbstverständlich. Ab- 
genommen hat das Wohlgefallen an der allitteration sobald noch 
nicht : Sallust, Cicero , Cäsar und Livius , Velleius , Curtius, Ta- 
citus und Sueton, Plinius. Seneca, Justin und Gellius beweisen 
dieses zur genüge. Daß viele redensarten verschwinden und 
andere auftauchen, hat zum nicht geringsten darin seinen grund, 
daß diese redensarten zum allerkleinsten theile so fest gebunden 
und so unlösbar waren, wie die meisten unserer deutschen allit- 
terierenden formein. Wenn es im deutschen etwa neben gift 
und galle auch galle und gift, gift nebst galle heißen dürfte, so 
könnten wir uns nicht wundern, daß derartige formein ausster- 
ben und anderen platz machen würden. Was Quintilian angeht, 
so finde ich übrigens nicht bestätigt, daß er die bekanntesten 
Verbindungen geflissentlich gemieden habe (ich erinnere u. a. 
an : saxa silvasque, sordes et squalor, verba vultusque, vis et voluntas, 
primus praecipuus), ebensowenig finde ich, daß er auf dieses Schön- 
heitsmittel grundsätzlich verzichtet habe ; daß er weniger al- 
literierende Verbindungen anwendet als Cicero ist richtig ; sollte 
übrigens auch bei ihm nicht die heimath so manches eigenartige 
erklären helfen? Und was Tacitus angeht, der ,,in seiner hi- 
storischen darstellung mit ausnähme der mit Sallust und Livius 



10 4. Lateinische grammatik. Nr. 1. 

gemeinschaftlichen Verbindungen von dem mittel fast gar keinen 
gebrauch machen und nur noch nicht abgegriffene und abge- 
schliffene redensarten öfter wiederholen" soll, so verweise ich bloß 
auf solche gute Verbindungen wie saxa solitudines, legati litter ae, 
licentia libido , deliciae desidia , fortuna fama , forma, figura , purus 
pressua, die er mit Cicero gemein hat. 

Zu dem alphabetischen Verzeichnisse fügen wir einige we- 
nige stellen hinzu. Zur Verbindung von squalor und sordes hat 
Wölfflin bloß zwei stellen, beide aus Cicero, gebracht. Diese 
Verbindung , welche eine der gebräuchlicheren ist , findet sich 
außerdem noch Cic. pro Sestio 69, 144; pro Cluent. 6, 18 vgl. 
67, 192; in Verr. 5, 8, 21, ib. 5, 48, 127; Livius 29, 16, 6; 
umgekehrt gestellt bei Quintil. 6, 1, 33; vergl. auch Curt. 4, 
1, 4. Die formelhafte Verbindung von animus und amor findet 
sich nicht bloß je einmal bei Plautus und Gellius, sondern auch 
bei Cic. Lael. 9, 29; in Verr. 2, 47, 117; bei Gellius noch ein- 
mal 12, 1, 21 vgl. Enn. Trag. rel. 288. 

Von fehlenden Verbindungen erwähne ich: clamor concursus, 
situs senium, argutiae acumen, stare sentire cum, videre vigilare, acer 
ardens, acer attentus, tractare tueri. Bintz. 

4. Die allifteration in der lateinischen spräche, von Wil- 
helm Ebrard, königl. studienlehrer. Programm der studien- 
anstalt Bayreuth 1882, Druck von A. Peter. 64 p. 8. 

In der besprechung von Wölfflins abhandlung über „die 
allitterierenden Verbindungen der lateinischen spräche" (s. blätter 
f. d. bayer. gymnas bd. 18, p. 43 ff.) hat ref. bereits darauf 
aufmerksam gemacht, daß es außer den von Wölfflin ausschließ- 
lich behandelten syntaktisch koordinierten Verbindungen noch 
weitere gruppen alliterierender phrasen gebe , die sehr wohl 
systematisch zusammengefaßt werden könnten. Hingewiesen 
wurde dabei insbesondere auf die allitterierende Zusammenstel- 
lung eines Substantivs und attributiven adjectivs {caeca caligo), 
sowie auf diejenigen Wendungen, in denen das verbum mit sei- 
nem objekt allitteriert (poenas pender e) In dem zur besprechung 
vorliegenden programme hat es nun Ebrard unternommen, auch 
die von Wölfflin nicht berücksichtigten gruppen allitterierender 
Verbindungen festzustellen und mit beispielen zu belegen. Nach 
einer kurzen definition der allitteration als „des gleichklanges 



Nr. 1. 4. Lateinische grarnmatik. 11 

im anlaut" 'p. 3; bestimmt der verf. zunächst den unterschied 
zwischen allitteration und etymologischer figur und bezeichnet 
sodann als seine hauptaufgabe die betrachtung „der alliterie- 
renden Verbindungen ungleicher, syntaktisch nicht koordinierter 
satztheile " Die p. 5 f. gegebene disposition dieses ersten theiles, 
zu der p. 9 — 46 eine stattliche reihe von beispielen folgt, nennt 
zunächst die allgemeine Zusammenstellung nicht koordinierter 
nomina (beispiele dazu p. 9— 23j. Aus diesem kapitel ist be- 
sonders die Verbindung des Substantivs mit seinem adjectivischen 
oder substantivischen attribut (foeda fuga, c ornu copiae) her- 
vorzuheben, aus dem zweiten , allitterierende Verbindungen des 
verbums (beisp. p. 23 — 40j , die allitteration des verbums 
mit dem nähern objekt (cutem curare). Eine weitere unter- 
abtheilung (p. 40 — 45) enthält beispiele mehr g li edr ige r 
allitteration, insbesondere Verbindungen von zwei (oder 
mehr; Wortpaaren (mit verschiedenem anlaut: p ernix manibus, 
pedibas rnobüis), ein letztes kapitel p. 46 zählt eine anzahl 
belege für allitteriende komposition im lateinischen auf 
(largiloquus). In einem zweiten, weniger umfangreichen haupt- 
theil (p. 46 — 64 ) werden nachtrage zu Wölff lins belegen für die 
allitterierende Zusammenstellung syntaktisch koordinierter rede- 
theile gegeben. — Die beispiele sind vorzugsweise der altern 
periode der römischen litteratur, zum theil aber auch, nament- 
lich für Sprichwörter und sprichwörtliche redensarten, den spä- 
tem epochen derselben entnommen. 

Wie "Wöifflin a. o. p. 6 f. , so betont auch der verf. p. 7 f. 
mit recht, daß es sich nur um bewußte und beabsichtigte, nicht 
um willkürliche und zufällige allitteration handeln könne. Trotz- 
dem ist Ebrard in seinem eifer für aufspürung von allitteratio- 
nen öfters entschieden zu weit gegangen: redensarten wie facere 
fidera , facere finem waren nicht anzuführen , da ein verbum von 
so allgemeiner bedeutung und so ausgedehntem gebrauch wie 
facere kaum zur allitteration mitwirken kann. Aehnliches gilt 
von mens mala, pars parva und manchen andern Verbindungen, 
und bei asinus inter apes p. 22 kann , da es wörtliche Überse- 
tzung des griechischen oio^ er fit).iTtuig ist, von einer absieht 
nicht die rede sein. 

Es seien mir noch einige bemerkungen zu den von Ebrard 
gesammelten beispielen gestattet. In dem abschnitt von der al- 



12 4. Lateinische grammatik. Nr. 1. 

litterierenden Verbindung eines Substantivs und attributs (p. 9 ff.) 
ist der leichtern übersieht wegen das Substantiv dem attribut 
durchweg vorangestellt. Diese anordnung ist gewiß praktisch, 
hat aber leider verschiedene nachtheile zur folge. Mag immer 
der gleichförmigkeit halber fuga foeda gestellt werden , es ver- 
diente bemerkt zu werden , daß die solenne Stellung die umge- 
kehrte ist: Sali. Jug. 38, 7. 43, 1. Liv. 26, 41, 19. Tac. hist. 
3, 79. 4, 18 u. s. w. Dasselbe mußte bei einer nicht unbedeu- 
tenden anzahl von redensarten hervorgehoben werden (so z. b. 
immer dulce decus) , in denen das adjektiv konstant oder doch 
fast regelmäßig voranstellt; ja nach einer flüchtigen musterung 
will mich bedünken , als ob das adjektiv im ganzen öfter den 
vortritt habe als das Substantiv. Wenn übrigens die dichter 
hie und da von der solennen Wortstellung abweichen, so geschieht 
dies selbstverständlich unter dem zwange des metrums. — Dazu 
kommt, daß bei der von Ebrard befolgten anordnung zusammen- 
gehörige Wendungen leicht zerrissen werden : in mera mapalia, 
mera mendacia (auch PI. Pseud. 943 R. , Mart. 2, 56, 3) mera 
miracula (auch Gell. 14, 6, 3), wie in den vom verf. nicht an- 
geführten mora mera PL Capt. 2, 3, 36, mero meridie Petron. 37, 
mera monstra Cic. Att. 4, 7, 1 gibt doch wohl das adjektiv, das, 
wie man sieht , beinahe durchgängig voransteht , den ausschlag, 
ebenso wie z. b. caecus in den Verbindungen caeca caligo, caeca 
cupido [caecus cupido Sen. Phaedr. 528 Leo; unter eine andere 
gruppe allitterierender Zusammenstellungen wären einzureihen 
beispiele wie Lucan. 1, 87 nimiaque cupidine caeci und id. 7, 
747 aurique cupidine caecos), caeca caverna Ov. met. 5, 639. 15, 
299. Lucan. 5, 87, carcer caecus Verg. Aen. 6, 734. Sen. Troad. 
585 , caecus carcer Sen. Agam. 988 , caecum chaos Sen. Oed. 
572. Herc. Oet. 1 134, ine. trag. Octav. 391, Chaos caecum Sen. Med. 
741, caeco casu Lucan. 7,446, caeco cursu Lucan. 2, 567 u. s. w. 
Von interesse wäre es, bei den einzelnen Verbindungen im- 
mer genau zu wissen, welche nur einmal vorkommen, also muth- 
maßlich eigenthum des betreffenden autors sind, und welche öf- 
ter auftreten und demnach als stehende formein anzusehen sind. 
"Wer roseus rubor (immer in dieser Stellung !) bloß mit Ov. 
am. 3, 3, 5 belegt findet, muß glauben, diese Wendung sei nach 
Ovid nicht mehr gebraucht worden ; sie steht aber außerdem 
nicht nur bei Apulejus met. 11, 3, sondern noch in später zeit 



Nr. 1. 4- Lateinische grammatik. 13 

im Apolloniusroman cap. 2, p. 2, 14 und cap. 21, p. 25, 5 
(Riese); die anführung „nuptula novo, (vielmehr nova nuptula) 
Varr. sat. Men. 10" läßt nicht ahnen, daß nova nupta (regelmä- 
ßig in dieser Stellung!) stehende formel ist: PL Cas. 1, 1, 30. 
4, 2, 3. 4, 3, 1. 4, 4, 1. 5, 2, 17. Ter. Adelph. 4, 7,33. Sen. 
Oed. 497. Apul. met. 5, 4. 5, 6 u. s. w. 

Beachtenswerth ist die aus der Ebrardschen beispielsamm- 
lung sich ergebende thatsache , daß eine allitterierende Verbin- 
dung oft in verschiedenen formen auftritt, indem ein glied der 
allitteration dem andern sowohl koordiniert als subordiniert sein 
kann. So entspricht dem bekannten caecles cruor (vgl. cruoris 
aut caedis ine. trag. Octav. 514) ein cruenta caecles (Lucan. 7, 
826 f. Sen. Herc. für. 919. 1160, ine. Octav. 424), dem patria 
penates (vgl. Sen. Phoen. 663 patriam penates coniugem) ein patrii 
penates ine. Octav. 149. 665, dem lamentatio et luctus Vulg. Tob. 
2 , 6 (der Amiat. hat mit veränderter Stellung in lucturn et 
in lamentationem) ein lugubris lamentatio Cic. Tusc. 1,13, 30, dem 
clulce decus ein dulce et decorum, dem sidera ae solem Sen Oed. 
1017 ein sidera solis Ov. met 14, 172, dem silvae saltusque ein 
silvarum saltiis Enn. ann. 557 u. s. w. Ich weise noch darauf 
hin, daß die formel luctus lacrimae bei Cicero in der von Ebrard 
p. 22 c) besprochenen form erscheint: Flacc. §106 orat ne suum 
luctum patris lacrimis . . . augeatis. 

Interessante ergebnisse liefert die Untersuchung der frage, 
an av eichen stellen des verses, speziell des hexameters die dich- 
ter am häufigsten die allitteration haben eintreten lassen. Neh- 
men wir ohne weitere wähl die von Ebrard p. 9—12 aufge- 
zählten beispiele aus Lukrez, der ja außerordentlich reich ist an 
allitterationen , so ergibt sich bei näherer betrachtung die that- 
sache, daß ziemlich genau die hälfte der angeführten belege am 
schluß des hexameters sich findet. Die allitterierenden Wörter 
sind hier entweder unmittelbar mit einander verbunden : 5,1393 
arboris altae, 4, 456 caligine caeca, 6, 461 caligine crassa, 4, 511 
copia cassa, 3, 59 caeca cupido , 2, 352 delubra decora, 3, 460 
durumque dolorem , oder durch ein dazwischengeschobenes drittes 
wort getrennt: 3, 316 caecas exponere causas, 5, 1383 cavas in- 
flare cicutas, 6, 1109 percocto saecla colore, 5, 1064 duros nudan- 
tia dentes, 5, 113 doctis solacia dictis; vgl. 2, 514 finitis differre 
figtiris, wo übrigens differre mitallitteriert. Ans der übrigen 



14 4. Lateinische grammatik. Nr. 1. 

zweiten hälfte lassen sieh noch einige weitere gruppen ausson- 
dern. Einmal tritt die allitteration auch gern am anfang des 
hexameters ein : 1, 650 acrior ardor , 4, 233 consimili causa, 3, 
751 cornigeri incursum cervi (vgl. 6, 93 f. callida musa || Calliope 
und 4, 232 cernitur in luce et claro candore); anfang und ende 
des verses allitterieren 2, 736 corpora consimili sint eius tincta 
colore. Weiter findet sich allitteration häufig vor dem letzten 
fuß, wobei die zusammengehörenden Wörter abermals entweder 
unmittelbar verbunden sind : 3, 304 caecae caliginis umbra, 6, 
102 condenso corpore nubes, 5, 1400 lascivia laeta monebat, oder 
durch zwischengeschobene Wörter getrennt erscheinen: 6, 1016 
caecisque in eo compagibus haesit , 6, 418 infesto praeclaras f ul- 
mine sedes. Nur zwei beispiele lassen sich unter diese gruppen 
nicht einreihen: 5, 1368 . . . fructusque feros mansuescere terram 
und 6, 920 quo magis attentas auris animumque reposco, und beim 
letzten bin ich überdies sehr in zweifei , ob wir eine beabsich- 
tigte allitteration vor uns haben. Aehnlich wie bei Lukrez wird 
das Verhältnis wohl auch bei den übrigen hexametrischen dich- 
tem sein, zumal bei denen, die Lukrez als ihrem Vorbild folgen. 
Im folgenden gebe ich noch eine anzahl von nachtragen zum 
zweiten haupttheil (allitterierende Verbindung koordinierter satz- 
theile): Caput aut cervices Cat. r. r. 157, 10, soluta cervix . . ., caput 
ruptum Sen. Troad. 1115 (vgl. Cic. Arat. 295 capite et cervicum 
lumine und Hom. lat. 480 caput a cervice cucurrii). — In colles 
camposque Oros. 6, 2, 16. — Nee cor nee caput Sen. apocol. 8. 

— Crimen . . . et causas Sen. Agam. 277; crimine et culpa Sen. 
Thyest. 321. Med. 935, culpa . . . et crimen Sen. Herc. Oet. 
1603. — Cum domibus suis dominisque Sen. Herc. für. 1287 f. — 
Fatis atque fortunae ine. Octav. 253. — Alteram ferro, alteram 
fame Sen. apocol. 10. — Fervens et fremens Vulg. lob 39, 24. 

— Fidem foedusque Sen. Thyest. 481 f. (vgl. ib. 1024 hoc foe- 
dus? . . . haec fratris fidesf). — Fontes et flumina Vulg. Tob. 8, 
7. — Fraude . . . et furto Sen. Agam. 207. — Laie fuga et la- 
tius formido porrigitur Auson. 438, 3. — Furta . . . et fugas 
Sen. Agam. 123. — Quodcumque libuit facere victori licet \ Mini- 
mum decet libere cui multum licet Sen. Troad. 335 f., quibus quid- 
quid libuit lieuit Pseud.-Sen. ad Paul. XII, p. 48, 10 (Wester- 
burg). — Lacrimae luctusque Ov. met. 13, 282, auet. hist. Apol- 
lon. 41, p. 51, 7 R (im vers), redivivas lacrimas et renovatum 



Nr. 1. 5. Homer. 15 

luctum ib. 45, p. 58, 5 f . ; luctus et lacrimae Sen. Phaeclr. 851, 
que Sen. Troad. 1011. — Per mansuetuclinem et modestiam Vulg. 

2, Cor. 10, 1. — Per ora . . . atque oculos Sen. Oed. 350; ocu- 
losque et ora ine. Octav. 119. — In peeunia pollicitatione Cornif. 

3, 2, 3. — Leo rapiens et rugiens Vxilg. psalm. 21, 14. — Saxa 
. . . et süvas Sen. Med. 229; silvas . . . saxaque id. Herc. für. 
572. — Cum soeiis ac sodalibus suis Vulg. iudic. 11, 38. — Te- 
git ac tuetur Sen. Thyest. 189. — Terror ac tremor Vulg. gen. 
9, 2 ; timor et tremor Vulg. psalm. 54, 6. Ephes. 6, 5 ; timens et 
tremens Vulg. Marc. 5, 33. — Turres ac teeta carm. contr. pa- 
gan. 39 (Bährens poet lat. min. III, p. 289). — Verbere ac 
vinclis Sen. Phaedr. 882; vinciri verberari Petron. 117. 

Das verdienst der Ebrardschen arbeit bestebt darin, daß 
der verf. allitterierende Verbindungen , die man bisber nur ver- 
einzelt kannte, systematisch zu gruppen zusammengefaßt und zu 
weiteren forschungen auf diesem gebiet angeregt hat. 

Philipp Thielmann. 

5. Karl Sittl, die Wiederholungen in der Odyssee. 
Ein beitrag zur homerischen frage. Gekrönte preisschrift. Mün- 
chen, Theodor Ackermann 1882. 

Sittl untersucht in dieser schrift vollständiger als seine Vor- 
gänger die zahlreichen Wiederholungen in der Odyssee, um dar- 
aus sodann Schlüsse auf die entstehung und composition dieses 
homerischen epos zu ziehen. Mit recht hebt er die bedeutung 
dieser erscheinung für die homerische frage hervor ; denn ent- 
lehnungen bieten uns ein mittel, im epos frühere theile von spä- 
teren zu unterscheiden. Die Untersuchung hat dabei die auf- 
gäbe, die entlehnung nachzuweisen und bei den gleichlautenden 
stellen original und copie von einander zu scheiden , was nicht 
immer ohne weiteres klar ist. Die meisten dieser stellen hat 
Sittl mit glück behandelt ; nicht an allen stellen wird man ihm 
beistimmen können, wie denn auch seine Zusammenstellung nicht 
vollständig und daher auch seine Untersuchung nicht abschlie- 
ßend ist. Er beschränkt sich dabei wesentlich auf die wörtli- 
chen Wiederholungen; denn das capitel der sachlichen entleh- 
nungen wird nur kurz gestreift. Aber der gedanke , von dem 
er ausgeht, ist ohne frage richtig und fruchtbar. 

Im ersten theil (p. 9 — 72) untersucht Sittl auf grund der vor- 



16 5. Homer. Nr. 1. 

kommenden entlehnungen das verhältniß der Odyssee zur Ilias 
und gelangt zu einer bestätigung des schon bekannten satzes, 
daß diese älter ist, als jene. In einigen stücken, besonders in 
betreff der adla, des 23. buches der Ilias und des schiffskata- 
logs, bin ich nicht mit Sittl einverstanden; richtig scheint da- 
gegen der platz der Dolonie bestimmt zu sein, die nach Sittl 
jünger ist, als die ältere Odyssee, aber älter als die Telemachie. 
Gemoll, der eine andere ansieht aufgestellt hat, wird von Sittl 
mit erfolg bekämpft. 

Im zweiten theil geht Sittl zur Odyssee selbst über, zur 
bestimmung der reihenfolge ihrer einzelnen bestandtheile. Zuerst 
erscheint die Telemachie auch bei Sittl jünger, als die eigent- 
liche heimkehr des Odysseus , aber älter als der schluß der 
Odyssee. Das ist gewiß richtig. Wie er sich nun aber ihr ver- 
hältniß zur Odyssee denkt, ist nicht klar: er schreibt ihr (p. 
106) eine besondere existenz zu, meint aber zugleich, daß sie 
nicht für sich allein bestand , sondern eine art Vorspiel zur 
Odyssee bildete. Sittl bemerkt richtig gegen Kirchhoff, daß die 
Telemachie im ersten buch der Odyssee ihre wurzeln hat, also nicht 
von dieser losgelöst werden kann : aber zugleich selbständig und 
nicht selbständig , wie Sittl meint , kann die Telemachie doch 
nicht gewesen sein. Dieser Widerspruch wird auch damit nicht 
ausgeglichen, daß (p. 75) die Telemachie mit etwas räthselhaften 
Worten theils exposition der Odyssee genannt wird, theils binde- 
glied zwischen dem westgriechischen und troischen Sagenkreise. 
Was ist der westgriechische Sagenkreis? 

Weiter erörtert der verf. das verhältniß der bücher h — ju 
zu /, die Nekyia und endlich die zweite hälfte der epen, die 
ereignisse auf Ithaka. Er gelangt dabei zur Überzeugung, daß 
die in x — /i erzählten abenteuer mit einschluß der Nekyia eine 
einheit bilden, daß diese theile zwar etwas jünger sind, als der 
alte nostos (s — *')', daß sie aber ganz wohl von einem und dem- 
selben Verfasser sein können, daß, wie er sich ausdrückt, zwischen 
i und x nur eine cäsur in der abfassung liegt. Aber die zweite 
hälfte schreibt Sittl in ihren grundzügen dem dichter von x — fx 
zu. Er nimmt so ein einheitliches gedieht von etwa 7000 Ver- 
sen an. Dazu kommen dann nachdichtungen , größere in der 
Telemachie und dem schluß der Odyssee, kleinere vorzüglich in 
der zweiten hälfte. 



Nr. 1. 5. Homer. 17 

Diese ansieht ist jedoch nicht genügend begründet : sie er- 
gibt sich keineswegs aus den von Sittl mitgetheilten beobach- 
tungen und geht über das von ihm herangezogene material weit 
hinaus. Die cäsur zwischen i und k, wo der dichter eine weile 
athem geholt hat, ist eine sehr unwahrscheinliche auskunft, durch 
welche die überlieferte einheit mit gewissen dagegen sprechenden 
erscheinungen vereinigt werden soll. Daß die zweite hälfte der 
Odyssee vom Verfasser von x — fi sei , ist ein ganz unerwartetes 
resultat , für das keine beweise beigebracht sind, die wir um so 
mehr erwarten, als Sittl p. 128 uns gezeigt hat, daß die zweite 
hälfte für eine Odyssee nicht nothwendig sei. Daß die Nekyia 
mit ihrer Umgebung gleichaltrig sei, ist höchst unwahrscheinlich 
und wird auch ziemlich allgemein nicht angenommen. Sittl 
streicht •/. 528 — 530 und 532, aber diese athetese ist schwerlich 
statthaft. 

Es ist zu bemerken , daß Sittl trotz aller Opposition gegen 
Kirchhoff dennoch durchaus von der durch Kirchhoff aufge- 
stellten trennung des älteren und jüngeren Nostos ausgeht und 
zu jenem auch die bücher e — & rechnet, obwohl er selbst in s 
eine entlehnung aus •/. annimmt (p. 108). Er hält diese stelle 
für interpoliert , aber er selbst hat doch öfters andern gegen- 
über ein solches auskunftsmittel für verpönt erklärt : wo kein 
anzeichen einer interpolation vorliegt, durfte es nicht ergriffen 
werden. 

Es wäre wohl besser gewesen , wenn Sittl weniger umfas- 
sende Schlüsse aus seinen beobachtungen gezogen und sich stren- 
ger im rahmen seines materials gehalten hätte. Er ist nicht frei von 
vorurtheilen oder solchen behauptungen, deren begründung er uns 
vorenthält. Er ist zu willkürlichen Schlüssen geneigt: aus der that- 
sache, daß in Jüngern theilen der Odyssee zahlreiche entlehnungen 
aus der Ilias vorkommen, will er schließen, daß die Ilias eine zeit 
lang nicht recht gewürdigt wurde , bis sie dann wieder in der 
achtung stieg : er vermuthet, daß es geschah, als um 700 durch 
den einbruch der Kimmerier der kriegerische sinn wieder bei den 
Ioniern erwachte. Aehnlich ist die bemerkung (p. 168), daß die 
alte Odyssee ein großes aufsehen erregt haben müsse; vorher (p. 128) 
hat er gesagt, um zu beweisen, daß die zweite hälfte der Odyssee für 
das gedieht nicht nothwendig gewesen sei , man solle doch be- 
denken , daß die Odysseesage im griechischen volke lebte und 
Philolog. Anz. XIII. 2 



18 6. Homer. Nr. 1. 

nicht bloß aus büchern bekannt war. Warum soll denn da die 
Odyssee, eine bearbeitung derselben, ein so großes aufsehen er- 
regt haben? Und wie denkt sich Sittl darnach die Veröffentli- 
chung der gedichte? 

Nach p. 90 anmerk. 55 soll die Telemachie, in der der 
Taygetos ignoriert wird, vor dem ersten messenischen kriege 
gedichtet sein, weil durch diesen der Taygetos so bekannt wurde, 
wie zu unsern Zeiten der Balkan durch den russisch-türkischen krieg. 
Solche datierungsversuche einzelner homerischer stücke sind werth- 
los. Ueberhaupt gehört Sittl zu denen, die sich die homerischen 
gedichte theilweise recht jung und den Kyklikern gleichzeitig 
denken. 

Die gelegentlich gemachten culturhistorischen beobachtun- 
gen sind nicht alle zutreffend; wenn Sittl es p. 24 für be- 
merkenswerth erklärt, daß bei Homer nur die göttinnen und kö- 
niginnen die buntweberei verstehen , so muß man doch fra- 
gen, was denn sonst für trauen bei Homer vorkommen außer 
göttinnen und königinnen. Kurz es würde für diese arbeit vor- 
teilhaft gewesen sein, wenn sie sich mehr in der beschränkung 
gehalten hätte, auf die ihr titel hindeutet. 

Dadurch wird jedoch der werth der von Sittl mitgetheilten 
beobachtungen nicht berührt, unter denen nicht wenige sind, 
die man sich dankbar anzueignen hat. Benedictus Niese. 



6. CarolusRothe, de vetere quem ex Odyssea Kirch- 
hoffius eruit NOZTQI scripsit. (Programme d'invitation ä l'ex- 
amen public du College royal francais fixe' au 3. avril 1882). 
Berlin 1882. 4. p. 

Diese abhandlung enthält eine rechtfertigung und modifica- 
tion der Kirchhoff'schen ansieht über die Odyssee; eine recht- 
fertigung , indem Rothe einige unterschiede zwischen x — (x und 
dem vorhergehenden anführt und damit die trennung des alten 
Nostos weiter zu begründen sucht; eine modification, insofern als 
ßothe anfang und ende des alten Nostos herzustellen versucht 
und in denselben auch den freiermord in einer älteren Version 
hineinzieht, deren spuren er noch zu erkennen glaubt. Die zahl 
der freier betrug danach nur zwanzig und die räche des Odys- 
seus vollzog sich im haine des Apollo an dessen feste (nach 






Nr. 1. 7. Theognis. 19 

r 536 ff. v 156, 276 ff.). Der alte Nostos bestand aus tj 241 f., 
i 16 — 28, >; 243—297, / 29 ff., , 39—536; den abschluß bil- 
deten (x 403 — 414, 420 f., // 251—258, i 34 — 36. Wirklieb 
sebeint dieser Nostos reebt alt zu sein ; denn er ist sebr geflickt. 

C4ewiß bat Rothe darin reebt , daß er aueb die scenen auf 
Itbaka mit in die älteste Odyssee bineinziebt. Sonst babe icb 
in dieser abbandlung niebts gefunden, was neu und zugleicb 
richtig wäre. Bei seiner reconstruetion bätte sieb Rotbe die frage 
vorlegen können , die er einmal an Kircbboff richtet , wie näm- 
lich aus einer solchen älteren diebtung die jetzige wohl hätte 
entstehen können. 

Des lateinischen ist Rothe nur wenig mächtig; er würde 
weiser gehandelt haben, wenn er deutsch geschrieben hätte. 

Benedictus Niese. 

7. De locorum Theognideorum apud veteres scriptores ex- 
stantium ad textum poetae emendandum pretio. Diss. inaug. scr, 
Oscarius Crüger. Eegimontii ex ofücina Hartungiana 1882. 
82 p. 8. 

Bei der mehrzahl der in Bergks kritischem apparat gesam- 
melten stellen, an denen verse aus den Theognidea von griechi- 
schen autoren citiert oder für chrestomathieen benutzt werden, 
zeigt es sich sofort, daß die in ihnen vorkommenden abweichun- 
gen vom texte unserer handschriften ohne bedeutung und in- 
teresse sind. Indessen gibt es doch eine nicht ganz unbeträcht- 
liche zahl solcher Varianten, über deren werth verschiedene an- 
sichten geäußert worden sind. Eine besprechung aller von den 
Theognis-handschriften abweichenden lesarten jener stellen, nach 
den citirenden autoren angeordnet, bildet den inhalt der vorlie- 
genden sorgfältigen dissertation , welche im ganzen mit verstän- 
digem und besonnenem urtbeil angefertigt ist und auch für die 
exegese manchen beachtenswerthen beitrag liefert. Beinahe über- 
all ist der verf. bemüht, die werthlosigkeit der in citaten und 
chrestomathieen erhaltenen lesarten nachzuweisen ; in diesem stre- 
ben ist er, wie sich im folgenden zeigen wird, mitunter zu weit 
gegangen. Nach einigen einleitenden bemerkungen werden zu- 
erst die Varianten , welche Stobäus darbietet , durchgenommen, 
alsdann die bei den übrigen nach der zeit geordneten autoren. 
Ich lasse in der folgenden übersiebt alle diejenigen von diesen 

2* 



20 7. Theognis. Nr. 1 

lesarten unberücksichtigt, in deren Verwerfung der verf. mit 
Bergk tibereinstimmt, bemerke übrigens, daß die Verwerfung der- 
selben mehrfach vom verf. genauer begründet wird als es von 
Bergk geschehen ist, zuweilen auch in einer von Bergk etwas 
abweichenden weise. Die mehr literarhistorische frage, in wel- 
cher gestalt den verschiedenen in betracht kommenden autoren 
die Theognidea vorgelegen haben, zu erörtern, hat nicht in der 
absieht des verf. gelegen. 

Daß die bei älteren autoren befindlichen citate aus den 
Theognidea für den text von irgend welchem nutzen seien, stellt 
Crüger mit entschiedenheit in abrede, aber wohl nicht überall 
mit recht. So wahr es auch aus bekannten von Crüger richtig 
hervorgehobenen gründen ist, daß gelegentlich und beiläufig ver- 
wendete dichtercitate für die kritik nur mit größter vorsieht zu 
benutzen sind, so ist doch im vorliegenden falle auch der um- 
stand nicht zu übersehen, daß den autoren des vierten Jahrhun- 
derts v. Chr. exemplare der Theognidea zur Verfügung standen, 
welche an reinheit der Überlieferung unsere Sammlung weit über- 
trafen. — So ist am Schlüsse von v. 125 sicherlich nicht das 
in den Theognis-handschriften stehende sprachwidrige ovie, son- 
dern das in der Eudemischen Ethik überlieferte ovde für das 
ursprüngliche zu halten. — V. 177 findet sich näg statt xtu 
nicht nur in der Eudemischen Ethik, bei Artemidor, Plutarch 
und Lucian, sondern auch bei Stobäus, wo, wie auch Crüger 
zugesteht, ein anlaß zur änderung nicht vorlag. Ein triftiger 
grund, das kräftigere und mindestens nicht schlechter bezeugte 
näg dem Theognis abzusprechen , ist durchaus nicht vorhanden. 
— V. 189 haben die Theognis-handschriften ^ev, Pseudo-Xeno- 
phon yuQ. Crüger sucht ph mit der erklärung zu halten : „fa- 
cillime cogitatione suppletur enuntiatum huic respondens: sed utrum 
ndbili loco quis ortus sit necne nunc non interest." Schwerlich mit 
recht. Verbindet man nämlich v. 189 f. unmittelbar mit dem 
vorhergehenden , wie man wegen Pseudo - Xenophon doch wohl 
muß, so kann man, wenn man dem dichter nicht eine unerträg- 
liche tautologie zuschreiben will, das verhältniß der worte y?j~ 
fxai — avt uya&ov zu den Worten na) ix xaxov — s§ äya&ov nur 
so auffassen, daß die ersteren (uv [xei.e8a.ivet, ovde dvaiverm, ßnv- 
Xszai,) die gesinnung undneigung, die letzteren (eyijfiet*) die hier- 
aus hervorgegangene thatsache bezeichnen sollen, und sich hier- 



Nr. 1. 7. Theognis. 21 

durch im inhalt enge an die ersteren anschließen. Folglich bil- 
det der satz xy-tj/ActTo. 7i[t<x>at eine eingeschobene begründung, und 
für eine solche ist offenbar nur yag und nicht ph passend, fisv 
beruht wohl auf einem versehen des Urhebers unserer sylloge. — 
Etwas anders liegt der fall bei v. 472. Dieser vers wird in Ari- 
stoteles' metaphysik und in der Eudemischen Ethik mit der les- 
art nfjäyixa statt xql^a citirt und dem Euenos beigelegt. Hier- 
aus folgt, wie auch Crüger hervorhebt (p. 65), keineswegs, daß 
die verse 467 ff. von Euenos verfaßt seien. Aber bei diesem 
zugeständniß ist es ungerechtfertigt, ngäyfia auf flüchtigkeit beim 
citiren zurückzuführen (p. 59). Vgl. Jahrb. f. philol. 1881, p. 
478. — Ueber v. 256 kann man wohl mit etwas größerer Si- 
cherheit urtheilen als es Crüger p. 21 thut. V. 255 f. war ur- 
sprünglich, wie wir durch die Nikomachische und die Eude- 
mische Ethik (deren angäbe etwas genauer ist) wissen, ein Jq- 
Xtaxbv ini^Qa/Afia. Der pentameter lautet in der Nikomachi- 
schen Ethik tjdiazov 8s ns'yvx' ob zig sqü io tv%hv, in den hand- 
schriften der Eudemischen Ethik ndttojv 8' tJ8iözop ob rig igätai 
7v/£f>, in den Theognis-handschriften ngriyna 8s ttqnvö'iaiov iov 
rig squio (d. h. £(jü to) 7v%eii> . ijS/gtov ist also beiden citaten 
gemeinsam , und daß es wirklich auf der inschrift stand und 
nicht auf flüchtiges citiren aus dem gedächtnisse zurückzuführen 
ist , kann , wie mir scheint , aus dem inhalt der beiden stellen 
geschlossen werden. Es wird also wohl das citat in der Niko- 
machischen Ethik die inschrift genau wiedergeben , das in der 
Eudemischen Ethik auf einer weniger genauen erinnerung beru- 
hen, die fassung in den Theognis-handschriften eine spätere viel- 
leicht vom Urheber der Sylloge herrührende Variation sein. 
Eine weitere Variation findet sich bei Stobäus und ist auch in 
die Aldina der Nikomachischen Ethik übergegangen: ySiarov 8s 
rv%eiv dar (ob Aid.) rig sxaarog igä, — Zustimmung verdienen 
die gegen Bergk gerichteten bemerkungen des verf. , daß v. 35 
die existenz einer Variante anofid^sai aus Aristoteles nicht ge- 
folgert werden dürfe, daß v. 186 die lesart rig bei Pseudo-Xe- 
nophon zu verwerfen und daß endlich v. 432 ff. aus Piaton und 
den citaten bei späteren nicht auf eine ältere von unserer Über- 
lieferung verschiedene fassung dieser disticha zu schließen sei. 

Plutarch bietet beachtenswerthe Varianten besonders für 
die Solonischen verse 721 — 724. V. 721 steht in den Theognidea 



22 7. Theognis. Nr. 1. 

7« dsovra, bei Plutarch pöva tavta: was das ursprüngliche ist, 
muß wohl , wie Crüger bemerkt, dahingestellt bleiben. V. 722 
bieten (was Crüger nicht anführt) die Theognidea nlevgau, Plu- 
tarch nltvgf r V. 724 schreibt Crüger dem Solon wohl mit 
recht die lesart der Theognidea aorj ■ ovi> 5' tjßrj yiistat ägpto- 
dta zu (statt der Plutarchischen ■tjß-ijg ' avv ö' cogrj ylvsrat dg- 
(xovia). Zweifelhaft bleibt beim temporalsatze in v. 723 nicht 
der sinn , aber die form. In den Theognidea lautet er otav 
de x t x 6c v (Stobäus r&vS > ') dqixi/Tai, bei Plutarch int]v aal 
tavr d(f,Cx7]Ta(. Crüger entscheidet sich für die conjeetur von 
Ahrens xä'vi'av&' : leichter ist xut<\ to.it, wie Bergk in der vier- 
ten ausgäbe geschrieben hat. Ob oiar oder inrjv das ursprüng- 
liche ist, läßt sich nicht entscheiden. 

Sextus Empiricus citirt v. 428 mit der lesart yalav 
sqfeGöäfiHvtfv statt yf t v iftajitt]äd(4eiov. Das letztere soll nach Crü- 
ger zwar kühn, aber „non prorsus inauditum" sein ; ich kann in- 
dessen nicht finden, daß dies durch seine bemerkungen erwiesen 
und der überaus seltsame ausdruck irgendwie gerechtfertigt 
würde. Es ist daher wohl mit Bergk u. a., auf grund der les- 
art bei Sextus, anzunehmen, daß Theognis ytjv sjnsöaäfjisvov ge- 
schrieben hat. Die andere lesart kann auf den urheber der 
Sylloge zurückgeführt werden; vermuthlich war die stelle in 
dem ihm vorliegenden exemplare corrupt oder äußerlich be- 
schädigt. 

Einige Verbesserungen sehr leichter art bietet Athenäus: 
v. 216 nQoanfxil^arj statt /igoaofiil^asi , 457 av/sepogov ian statt 
avfxqgov evsari , 993 scpifAigov statt iqtjusQov, 999 8>j statt 8h. 
auch kommt in dem letzten dieser verse die lesart bei Athe- 
naios \rfloi (jtf'vog ov d.h. Xt'joifxsv oaov dem mit großer Wahr- 
scheinlichkeit hergestellten foav näher als das onov der hand- 
schriften. V. 478 bietet die beste Überlieferung der Theognidea 
o'vts ti yug trjqjco ovts Xitjv ftc&ixa, Athenaios ovrs ii vijqimv etp'' 
ovib llav fjn&vcor. Hierzu bemerkt Crüger seltsamer weise: „in 
Mutinensis lectione quid possis reprehendere non intellego: multae 
tarnen emendationes propositae, cum a plerisque nescio qua de 
causa partieipium videatur desideratum." Ist ihm denn der auf- 
fällige hiatus vollständig entgangen? Derselbe ist, wenigstens 
in der älteren poesie (trotz der bemerkungen von O. Schneider 
Callimachea II, 421), sonst unerhört. Will man die lesart des 






Nr. 1. 7. Theoguis. 23 

llutinensis dennoch aufrecht halten (so daß die lesart bei Athe- 
taios die beseitigung des hiatus zum zweck hätte), so kann man 
dies höchstens mit berufung auf das Ungeschick des uns unbe- 
kannten dichters thun. Denn daß die verse 476 — 492 mit ihrer 
(an v. 903— 930 erinnernden) breiten redseligkeit von demselben 
dichter verfaßt sein sollten , wie die schlichten , anmuthigen und 
knapp geformten verse 467 — 476 (an welche sich 493 — 496 
sehr gut anschließen können), vermag ich nicht zu glauben (vgl. 
Jahrb. f. philol. 1881 , p 477). Am wahrscheinlichsten bleibt 
aber in v. 478 doch wohl die annähme einer alten corruptel. 

Weitaus am zahlreichsten von den für den verf. in betraeht 
kommenden stellen aus den Theognidea sind endlich die, welche 
sich bei S t o b ä u s befinden. Daß für dieselben ein vollständi- 
geres exemplar der Sylloge zu gründe lag, ist bekannt ; die Va- 
rianten bei Stobäus aber sind trotz der ansehnlichen zahl nach 
Bergks richtiger bemerkung, von geringem gewichte. Als Ver- 
besserungen läßt Crüger gelten: v. 157 aXXm^ statt aXXqj, 457 
ai/xqioQÖv iari (mit Athenaios) statt ai>(ACp(joi> eveoti, 528 dnovio- 
eoinivqq statt des von Bergk bevorzugten a.7zoiiGOftsi>t]£ , 636 
ol statt 0Wj 1135 a.fd(jG)7ioi^ ftovvtj statt uv&Qcänoiai fxövtj. (V. 
963 ist bei Stobäus die endung -tag bewahrt.) Die hierdurch 
beseitigten corruptelen sind freilich sehr geringfügig ; indessen 
ist es doch verkehrt, wenn Crüger (p. 52) behauptet, die Ver- 
besserungen bei Stobäus könnten nur als conjecturen gelten ; es 
wäre vielmehr geradezu wunderbar, wenn das bei Stobäus zu 
gründe liegende vollständigere exemplar nicht hin und wieder 
die ursprüngliche Überlieferung aufbewahrt hätte. Auch ist die 
zahl dieser besseren lesarten wohl größer als Crüger zugeben 
will. V. 132 haben die handschriften fehlerhaft tTzlezo oti,-, Sto- 
bäus snltO" 1 oaoig: letzteres ist vortrefflich und wir brauchen 
keine conjecturen. Unbegreiflich ist die bemerkung von Crüger 
„quomodo accipienclum sit oootg, quod ad naigog xat ^rjTgag (!), non 
ad iv dvftQKiTioig referendum esse et sensus et cdllocatio verborum 
docent, omnino me non intellegere fateor." Eine erwiderung hierauf 
ist wohl überflüssig; der verf. wird sein versehen inzwischen be- 
merkt haben. Ueber v. 177 s. o. — Mit unrecht verschmäht 
Crüger ferner v. 956 das richtige medfcav statt nollmv : die 
wohlthat (iv i-odsit) muß ja nicht nothwendig eine große sein. 
— V. 1164 haben die handschriften iv avreznlg , Stobäus ev^i- 



24 8. Polybius. Nr. 1. 

vsrog. Hiernach hat Bergk wohl mit recht ev^vvimig vermuthet 
wodurch, wie auch Crüger zugesteht, das anstößige doppelte e* 
beseitigt wird; somit bietet hier Stobäus wenigstens in einer 
beziehung das richtige. Vermuthlich sind zwischen v. 1163 und 
1164 einige verse weggelassen. — An anderen stellen ist es 
zweifelhaft , wo wir das ursprüngliche zu erkennen haben. So 
muß es (bei der Übereinstimmung des Stobäus mit anderen zeu- 
gen) v. 425 dahingestellt bleiben, ob näviwv oder aQ%t]v f v. 509, 
ob xaxör oder ttaxns das ursprüngliche ist. V. 651 haben die hand- 
schriften x«), Stobäus xkxiJ. Letztere Schreibung wird von Crüger 
mit recht verworfen ; aber ich glaube auch nicht, daß die erstere, 
welche Ziegler zu rechtfertigen gesucht hat , von einem guten 
dichter herrühren kann. Zu der höchst anstößigen construction 
kommt noch der umstand, daß man wegen des pentameters auch 
für das gute eine doppelte bezeichnung erwartet. Hiernach ist 
eine alte corruptel anzunehmen, und es bleibt fraglich, welche von 
beiden lesarten der ursprünglichen näher kommt : vgl. Bergks 
Anm. in der 4. aufl. — Dagegen ist Crüger im rechte, wenn er, 
im gegensatze zu Bergk, an den stellen v. 175 (hier nach dem 
vorgange Heimsöths), 320, 332 und 606 die bevorzugung der 
lesarten des Stobäus für ungerechtfertigt erklärt. 

E. Hiller. 

8. Die präpositionen bei Polybius, von dr. Franz Krebs, 
königl. studienlehrer in Eegensburg. Würzburg, Stuber 1882. 
8. (1. heft der Beiträge zur historischen syntax der griechischen 
Sprache, herausgegeben von M. Schanz) 1 ). 147 p. 1 mk. 40 pf. 

Nachdem in der jüngsten zeit zwei arbeiten erschienen sind, 
welche den Sprachgebrauch Polybs , dieses ersten und größten 
Vertreters der xonrj im allgemeinen zum gegenständ hatten 2 ), 
macht es sich die vorliegende schrift zur aufgäbe ein specielles 
kapitel der polybianischen diktion „mit absoluter Vollständigkeit" 
zu behandeln. Verf. will „nach der (statistischen) methode Tycho 
Mommsens auch für Polybius das leben derpräpositionen, 

1) Zum theil schon als programm des königl. neuen gyrnnasiums 
in Regensburg für 1880/81 erschienen. 

2) Fr. Kaelker, Quaestiones de elocutione Polybiana. Abge- 
druckt in den Leipziger studien zur klassischen philologie. III, 2. 
Leipzig, S. Hirzel 1880. — Jo. Stich, De Polybii dicendi genere. Ab- 
gedruckt in den Acta Semin. philol. Erlangensis, Ff, 1882. 



Nr. 1. 8. Polybius. 25 

die ein hervorragendes element seines Stiles bilden, darlegen." 
Hiebei beschränkt sich verf. auf die eigentlichen präpositionen. 
Zunächst wird in einem allgemeinen theil die frequenz 
der präpositionen festgestellt , es ergibt sich aus einer verglei- 
chung mit den attischen rednern, daß Polybius sich durch 
reichthum an präpositionen auszeichnet — eine verglei- 
chung mit den attischen historikern wäre wohl passender ge- 
wesen und bätte einen minder bedeutenden unterschied ergeben ; 
liegt es doch in der natur des gegenständes , daß ein historiker 
mehr präpositionen braucht als ein redner. — Ferner wird durch 
zählen sämmtlicher stellen nachgewiesen , daß für Polybius 
genetiv, dativ und akkusativ bei den präpositionen sich zu ein- 
ander wie 2,2: 1 : 4, 5 verhalten, wodurch das überwiegen des 
akkusativs bei den späteren, das schließlich zu einer Verkümme- 
rung der andern kasus führte , auf's neue bestätigt wird. Im 
folgenden spricht verf. von der Verbindung der präpositionen 
mit ag soog a%Qi ^i'iQ'i so auß h von ä>g int mit genitiv und ak- 
kusativ ; hier wäre, wie oft, eine vergleichung mit den früheren 
historikern sehr erwünscht gewesen , da doch wohl die eigen- 
tbümlicbkeiten Polybs, nicbt aber was er mit andern gemeinsam 
hat, hervorgehoben werden sollen. Auch Xenophon gebraucht z. b. 
im mit genitiv und dativ anscheinend ohne unterschied, vgl. 
Hell. 1, 4, 8 avjjx&y im ^üftov und 1, 4, 21 unj^Otj in' "Av- 
dgor, so 1, 1, 19 neben 1, 6, 38, und auch bei Xenophon findet sich 
dog anscheinend pleonastisch vor präpositionen vgl. Hell. 2, 
1, 22 ff. ; 3, 4, 11: wg gibt dem gedanken eine leise subjektive 
färbung und ist für uns unübersetzbar, aber deswegen nicht pleona- 
stisch. 3, 47, 4 ] ) will verf. sag im tov tov naviag 'Adni'a \xv- 
%oi für mg im xt£. schreiben, p. 23 — 32 handelt vom hiatus, 
den verf. überall durch elision beseitigen möchte; da aber stel- 
len, wie 5, 74, 9 us} vtzsq und 5, 18, 5 /.tetiagoi ix diesem 
mittel unzugänglich sind, so muß die frage, ob bei Polybius j e- 
d e r hiatus anstößig sei, als eine offene betrachtet werden. An 
der ersteren stelle empfiehlt verf. übrigens die änderung Kälkers 

1) Nicht 3, 47, 5, wie p. 20 steht; auch p. 19 anm. 2 ist 5, 32, 
5; p. 75 ist 5, 82, 9; p. 102 anm. 2 ist 22, 4, 4; p. 131 anm. 3 ist 
22, 8, 5 zu lesen, endlich p. 145: 16, 16, 1, übrigens trifft dort gerade 
an den beiden zuletzt angeführten stellen nicht zu , daß „durch die 
Umschreibung des genitivs der hiatus verschwindet, der außerdem ent- 
standen sein würde." 



26 8. Polybius. Nr. 1. 

ael rrtg}, die nur wegen des unmittelbar vorausgegangenen tisqi 
weniger ansprechend ist. 

Im besonderen theil wird der gebrauch der einzelnen prä- 
positionen behandelt, wobei der gang von den seltener vorkom- 
menden wie diu und ava bis zu den häufigsten Tigb*,' und xaid 
eingeschlagen wird. Bei der masse des Stoffes müssen wir uns 
darauf beschränken , einzelnes hervorzuheben und einige belege 
aus andern Schriftstellern anzuführen. Die lokale bedeutung von 
ata hat bei Polybius nach dem verf. auta übernommen, genauer 
gesagt, die ausdehnung über einen ort wird nicht mehr durch 
ava. gegeben, wie bei den früheren ava. niiaav yijv xai däXaiTav, 
dagegen für ava rov Tlä&ov notafibv (3, 75, 5) könnte nicht 
xara stehen, avv xaigäi wird p. 38 erklärt: mit der zeit, ge- 
mach, allmählich, aber nicht sonderlich verschieden von sv xaigw 
genannt, das p. 71 übersetzt wird: im rechten moment. Insg 
mit akkusativ vom vorzug findet sich 3 , 79 , 8 , vgl. dazu das 
herodotische inisg av&gtanov , von den späteren Plut. Arist. 1 
vnsg tovg noXXovg vöftt^öfievog. Auch für cpoßeiaüat und cpoßog 
anö zifog finden sich belege bei den früheren, vom werthe steht 
die gleiche präposition Xen. Hell. 4, 2, 7: t« näv%a a&Xa ovx 
slarzov iynovzo tj dnh TETragwv taXavrmv. vnö uva ttvai steht 
auch 5, 26, 4, so findet sich in der LXX (Dan. 58) sogar vno 
ti 8sv8gov xa7p\aßei; airövg opiXovvTag aXXrjXotg ; vnh top dvfibr 
2, 19,10 möchte ich nicht temporal fassen, der genetiv, welcher 
sich 2, 30, 4 findet, scheint dort einfach wegen des hiatus um- 
gangen. Bei naud mit akkusativ erwähnen wir der konjektur 
Wölfflins zu 3, 116, 6 toih; nagd (für negi) tov notaixbv In- 
aslg, wo das nzg} der handschriften aus dem vorhergegangenen 
ol mgl rbv 'jdadgdvßar entstanden ist. Die für 3, 72, 9 nach 
Campe für <V a(i<fioisgcor (xegärcor) gegebene erklärung ,,in ei- 
ner gewissen entfernung von den beiden flügeln" halte ich für 
unmöglich, nur bei angäbe des maßes kommt 8td zu dieser be- 
deutung (Sid toaovrov u. dgl.). Während sonst verf. die man- 
nigfaltigkeit des polybianischen Sprachgebrauches zu würdigen 
weiß, (vgl. p. 76, 102 ff., 128, 130 anm. 4, 142) zeigt er sich 
p. 69 anm. 1 den nivellierungsvorschlägen Nabers zugänglich, 
indem er in dem ausdruck diu Toiavztjv («<,>) airtav (ag) jedes- 
mal das (abschwächende) ng verlangt *). Bei 8id verdiente auch 

1) Aehnlich verfährt verf. an andern stellen. Wenn Polybius 



Nr. 1. 8. Polybius. 27 

die stelle 5, 24, 5 diu t^v Tzagd&aaw T?jg noXemg (Schweigt.: 
quod adtinet ad propinquüatem urbis, vel: licet in proximo sit urbs) 
berücksichtigung. h anstatt des bloßen dativ instrumentalis mit 
der vom verf. angegebenen modificierung des gedankens haben 
schon die früheren, vgl. Xen. Hell. 3, 3, 11 iv kIvtco dtdsfÄt- 
vovg, in der LXX nimmt dieser gebrauch überhand, dort findet 
sich iv nvgl ivEnvQiae loig nvQyovg neben nvol (Macc. 1, 5, 5 
und 35), iaqiQayiaato ii> im daxTvlicp neben rw öuht. (Dan. 6, 
17 und Bei et Drac. 11). Auch g'f und sig 1 ) zur einführung 
des prädikates liebt die späte gräcität, für iv aalw Tiötodut war 
das iv ttaXqp tivat der früheren (z. b. Xen. Hell. 4, 3, 5) zu ver- 
gleichen, übrigens kommt auch iv 86£a, iv aSixrnAari, iv nagsgyep 
tidea&ai bei den alten vor. Daß iv bei bestimmten Zeitangaben, 
wie Top narr/. nii8i/.g iiiuvrco, ifj xutu nodug^ rjititja fehlt, ist 
nicht merkwürdig, sondern regel, ebensowenig ist im mit genitiv 
in fügungen wie im Titiitrjg yjjjg bXvixmddog „abweichend vom 
gebrauch der guten prosa" , vgl. Aeschin. in Ctes. 178 im rwv 
vvn xaigeov. 22, 10, 3 (nicht 4) im taug xoivuig avvodoig heißt 
wohl: bei gelegenheit u. s. w. Ob 1, 59,7 gq>' q> rrjv banüvi]v 
HOfAioliTui ein anklang an Thucydides ist, der 1, 113, 3 iqi cp tovg 
aiäfjug KOßiovvrai hat, ist mehr als fraglich, es ist vielmehr der 
übliche ausdruck bei abmachungen. P. 89 spricht verf. von 
einer phrase im tag oyjstg imartjcsat an = gegen die äugen 
hinhalten (10, 47, 8), ein offenbares versehen, in den handschrif- 
ten steht (öcj) nfjänot' inl rüg oxpeig tag ivog ixuotov tcöv ygapi- 
[Auzcav imoiqaai jov avayivtöoitovra , wobei oipeig = a^ptata, 
zonoi, idiui ist (der konjektur Casaubonus rag nxpsig iniaitjaai int 
zu a^ijfiara iwv ygu^fiärmv bedarf es nicht, Hultsch hat sie nicht 
einmal erwähnt) 2 ). 3, 19, 4 XQituvtsg ix nugazü^toig öiaxivöv- 

onovdrjy noitZaS-cu, sowie onovdaC,tiv ntgl zi und ntoi zwog gebraucht 
(p. 106), warum verdient dann 22, 4, 4 die konjectur Nabers ianov- 
ö'aCs ntgl to (statt tov) xat(c7ioQtv9rjvc<t> „volle billigung"? Es ist wohl 
zuzugeben daß zo und zov von den abschreiben! leicht verwechselt 
werden konnten, wie io und tu) bei yivtodai ngbg, aber woher soll 
denn die_norm für die änderungen abgeleitet werden? Vgl. p. 124 f. 

1) Überaus häufig in der LXX, z. b. avzbg hfjüv torai dg nctzega 
Macc. 1, 2, 65 ; oixodo/aHv tig olxow ßaoikiox; Dan. 4, 27 ; iyzvovzo ccvtw 
ilg (fi'iQov Macc. 1, 1, 4. 

2) Von kleineren versehen erwähnen wir: p. 23 die beispiele von 
ixzog und ivzbg gehören unter II, p. 50 die redensart heißt in' ctvyäg 
9taa&at an beiden stellen; p. 64 1. sx ze tov dnvlaßila&at ; p. 74 1. 
iv vip n&taSai,; p. 77 1. inl ztjg 9 afoizitjs ; p. 78 1. inl Qpcjxqs (übri- 



28 8. Polybius. Nr. 1. 

tevsiv TZQog tovg im tbv locpov will verf. elliptisch (seil. ra%&it>- 
zag?) fassen, wie an der parallelstelle 12, 25, 3 xa&iea&at zovg 
in) iijv zt(xoo()iuv ; es wäre dies jedenfalls eine erweiterung des 
gebrauches, der sich sonst auf Wendungen mit ausgelassenem 6v- 
7iv beschränkt; die erklärung der echten stelle durch assimila- 
tion erscheint leichter. P. 95 will verf. 38, 7, 3 ooßüv int, zi 
emendiren für den überlieferten dativ; wer die stelle aufmerk- 
sam liest, wird sehen, daß tag xaza ngodtaif ägfxrfAÖzmv zäv A^txmv 
besonders zu nehmen ist, während int reo naguSsty/xatl^siv den 
zweck angibt. Der unterschied zwischen eoaze mit indicativ und 
infinitiv (p. 97 und 112) ist für Polybius nicht aufrecht zu er- 
halten; 9, 29, 12 ist indes nicht der infinitiv bei icp' ooov an- 
zumerken, da der infinitiv von dem fortwirkenden öcpsiXete ab- 
hängt, dtöotat iavzbv stg (rag) X s ^ at ' (^2, 13, 2 steht es ohne 
artikel) heißt: sich nähern, nicht: sich vertraut unterhalten, rö 
Y.O.T ifxs im nämlichen sinne, wie zo in 1 ipol ist schon bei den 
früheren anzutreffen, vgl. Xen. Hell. 1, 6, 5 ov xcolixo zb xaz" 1 
Ejus , auch xktk mit akkusativ statt des bloßen akkusativ der 
beziehung findet sich, wiewohl selten, vgl. Soph. OT..1087 xaza. 
yvoajiav tdgtg, und ist aus dem ui natu cüft« i]8ova\ und ähn- 
lichem leicht zu erklären. 

Zum Schlüsse bringt uns der verf. eine entdeckung : „Um- 
schreibung des persönlichen eigennamens durch 
oi a at d ; dies dürfte neu sein, denn noch keine 
grammatik hat die erscheinung berührt, und auch 
sonst ist auf diese eigenthümlichkeit nicht hinge- 
wiesen worden; wir machen daher ganz besonders 
auf dieselbe aufmerksam." (p. 146). Daß die späteren 
oi nsgC ziva gebrauchen anstatt des nomens ist bekannt und es 
läßt sich dieser gebrauch in seinen anfangen bis zu Xen. 
zurückverfolgen, der diese formel liebt und vorzieht, auch wo 
das nomen für sich hinreichend wäre, vgl. Hell. 1, 7, 8 oi nsgl 
QijQUfiinj, 2, 4, 6 ol negi Qgaav^ovXor, 3, 2, 27 oi negi äevitxv 

gens auch bei den alten gewöhnlich); p. 86 1. (34, 12, 3) in avtoig 
dMtxößiot bydorixovTct = 4280 st.; p. 92 z. 10 1. Inl xavio; p. 104 z. 4 
ob. 1. ctvhxoi , z. 4 unt. 1. ib yiyovbc,; p. 110 z. 6 ob. 1. rgia; p. 113 
ist 3, 104,2 falsch gekürzt, die stelle heißt ov x«i9-' aiuov , noos ctvrov 
d« xrs, p. 144 ist die lesart der handschriften ungenau angegeben; p. 
126 bei der angezeigten stelle (5, 29, 4) fehlt ov; p. 140 anm. 3: 
Cobet will xaf fxkoyfjv als glossem entfernen. 



Nr. 1. 9. Gralenus. 29 

und öfter, ohne daß an diesen stellen die Umschreibung geradezu 
für den bloßen eigennamen steht. Bei Polybius jedoch und den 
späteren ist diese ausdrucksweise ausgeartet , immerhin aber zu 
erklären aus dem Sprachgebrauch der früheren. Wie aber soll 
man oi natu tlv EvQiniSav = 6 Evgtnfdag sich zurechtlegen? 
(4, 71, 5) An den andern stellen, welche verf. anführt, findet 
sich stets der genitiv , z. b. 9, 9, 1 to 5s naoanXr^iov äv ng 
smot v.o.) 7ibq) rtöi y.ur" 1 'Am'ßai. Das hätte den beobachter vor- 
sichtig machen sollen, noch mehr, daß sich 37, 1, 1 nicht bloß 
neo'i täv xaia tov tytvSocfiXtnnov sondern auch nsg) iäv xutu 
Kagyrjdotlovg findet; denn wenn schon oi y.aza rov Wnvdoqi- 
Xinnnv = o tyzvdoqtlntno^ recht neu und ungewöhnlich er- 
scheint, so bleibt oi xata Kaoyrfiaviovg = KaQ^fj86vioi ganz un- 
erklärlich. Um es kurz zu sagen , wir glauben nicht an die 
entdeckung und nehmen an sämmtlichen stellen als nominativ 
tu xuza an, tu x«t' 'Avvißav die thaten des Hannibal, eine aus- 
drucksweise, die freilich den vorzug der neuheit nicht hat, indem 
schon bei Thucydides (l,138fin.) sich findet tcl h\v xata. Tlav- 
curluv y.Ts. ovtmg st^it^gev. Damit bleibt natürlich die stelle 
4, 71, 5 unerklärt. Hultsch will (im nachtrag zu seiner aus- 
gäbe) dort neoi lesen für -autu , das aus dem folgenden hutu 
entstanden sein kann ; vielleicht wäre auch durch die annähme 
des sogenannten taktischen -/.ata („die auf der seite des Euri- 
pides stehenden") zu helfen, vgl. hierüber p. 134 sq., auch Xen. 
gebraucht so xazu überaus häufig. 

Wir schließen unsere bemerkungen über die von umfassen- 
den Studien zeugende arbeit mit dem wünsche , daß der verf. 
seine Untersuchungen auf den ganzen kreis der nachklassischen 
autoren ausdehnen möge , indem gerade durch die vergleichung 
das einzelne ins rechte licht gesetzt wird. Daneben muß freilich 
stets auf die Attiker zurückgegangen werden, weil sonst die ge- 
fahr nahe liegt, abgerissene, neue erscheinungen da zu vermu- 
then , wo in Wahrheit nur die modification einer früheren aus- 
drucksweise zu erkennen ist. H. Stich. 

9. Galeni qui fertur de partibus philosophiae libellus pri- 
mum ed. Ed. Wellmann. Berol. 1882. 36 p. 4. Progr. 
des Königstädtischen gymnasiums. 

Aus einer Florentiner und Pariser handschrift wird hier 



30 9. Galenus. Nr. 1. 

zum ersten male eine kleine pseudogalenische schrift Ttegl eidmv 
qnloaotping veröffentlicht. Sie handelt von den theilen der theo- 
retischen philosophie, die nach Aristoteles in physik, mathematik 
und theologie gegliedert wird und verbreitet sich dann ausführ- 
licher über die mathematik und ihre theile. Bei der geometrie, 
deren erfindung den Aegyptern zugeschrieben wird, brechen 
beide handschriften an der gleichen stelle ab , so daß uns also 
nur ein fragment der genannten schrift erhalten ist. Welches 
der inhalt des verloren gegangenen abschnittes war , kann man 
aus den prolegomena zur philosophie des Armeniers David 
(Schob in Aristotelem ed. Brandis, p. 12—16) ersehen, mit dem 
auch das erhaltene größtentheils wort für wort übereinstimmt. 
Da diese prolegomena bei Brandis nur im auszuge abgedruckt 
sind, hat Wellmann den betreffenden abschnitt aus einem codex 
Marcianus und einem Vaticanus unverkürzt mitgetheilt, p. 10 — 
23. Daran schließt sich ein dem wesentlichen inhalte nach glei- 
cher abschnitt aus dem commentar des Ammonius, des Her- 
mias söhn, zu Porphyrius , p. 23 — 27, dessen text nach der 
editio Veneta 1545 und einer Münchner handschrift constituirt ist. 
Daß 77fp/ tidäv qiilooocpiag keine echte schrift des nicht nur 
als medicinischen, sondern auch als philosophischen autors hervor- 
ragenden pergamenischen arztes ist, beweist abgesehen von dem 
unterschied des Sprachgebrauchs der umstand, daß § 8 Plotin 
citirt wird. Bei der auffallenden Übereinstimmung, die zwischen 
Pseudogalen , David dem Armenier, Ammonius und einem ano- 
nymen scholiasten bei Brandis p. 8 besteht , nimmt der heraus- 
geber für diese vier autoren eine gemeinsame quelle an , deren 
Verfasser der schule der neupythagoreer oder neuplatoniker an- 
gehörte. Referent dagegen ist geneigt , die pseudogalenische 
schrift für nichts weiter als einen größtentheils wortwörtlichen 
auszug aus den prolegomena des David zu halten. Der Ver- 
fasser desselben scheint, um seinem plagiat ein größeres an- 
sehen zu geben, ihm den namen Galen vorgesetzt zu haben, von 
dem es eine (gleichfalls unechte?) schrift von ähnlichem titel gab, 
von der uns nur noch ein fragment in der lateinischen Überse- 
tzung des Nicolaus Rheginus vorliegt , das betitelt ist : de par- 
tibus artis medicativae, was im griechischen originale gelautet ha- 
ben muß : nsg) eiömv zjjs /«t(hx^- 7?yrrj b \ Diese schrift scheint 
in der von Wellmann p. 4 anm. 1 citirten stelle gemeint zu sein. — 



Nr. 1. 10. Plautus. 31 

Zum Schluß noch ein paar kritische bemerkungen! p. 6, 6 ist 
wohl wie p. 10,26 und unmittelbar vorher der aorist iniygnxpsv 
statt des imperfekts zu schreiben, p. 7, 18 muß nach David cor- 
rigiert werden : oti oöco He%Qt]ßt!vovQ toi*; [Aa&ijfiaai diu iovtwp 
Öe! ßa8i<iai in) ro &soXoyixov. Ebenso ist im folgenden <5t' <x>v 
Ttjv aacöuarov cpvaiv ytvootixovatv zu verbessern, p. 7, 39 wird 
wie p. 10, 3 und 12, 35 tivog in rircov zu ändern sein. p. 8, 6 
ist nnlot statt notat zu lesen; ebendaselbst v. 12 ist, wie aus 
der gleichen stelle Davids hervorgeht, tönovg in Tofiovg zu ver 
bessern und p. 9, 31 die präposition in) mit nsgl zu vertauschen. 

G. Helmreieh. 

10. Adversaria Plautina ed. A. Weidner. Programm 
des Ludwig- Georg's-gymnasiums zu Darmstadt. Ostern 1882. 
24 p. 

Das schriftchen Weidner's ist das resultat einer mehr schnell 
hinwerfenden als sorgsam abwägenden, sicheres von unsicherem, 
wahrscheinliches von unwahrscheinlicbem genau sondernden kritik. 
Man sieht es demselben unschwer an , daß der Verfasser, der ja 
auf anderen gebieten recht tüchtiges geleistet hat, nicht Plau- 
tiner von fach ist , wie dies ja auch einleitungsweise von ihm 
selbst betont wird. Nichtsdestoweniger zeitigt sein programm 
einige recht hübsche fruchte und es ist im interesse der jetzt 
so schön blühenden Plautusstudien zu wünschen , daß auch an- 
dere Nichtplautiner, wenn sie namentlich so scharfen Verstandes 
sind, wie der verf. der adversaria Plautina, sich gelegentlich mit 
dem alten Sarsinaten abgeben möchten. 

Auf den gedanken der einleitung einzugehen , daß die lec- 
türe des Plautus wieder in umfänglicherer weise in den gymna- 
sien eingang finden möge, mangelt hier der räum. Um es kurz 
auszusprechen, so halte ich eine regelmäßige lectüre meh- 
rer plaut inischer stücke für durchaus unrichtig, so erfri- 
schend auch ein cursorisch gelesenes stück dieses dichters erfah- 
rungsgemäß auf das jugendliche gemüth eines primaners zu wir- 
ken pflegt. 

Um nun zu den von Weidner vorgeschlagenen conjecturen 
zu kommen, so scheinen mir allerdings nur ganz wenige dersel- 
ben schlagend und die hand des dichters wiederherstellend. In 
erster linie Ourcul. 55 (p. 17) qui e nitce nuculeum, exdsse volt, 



32 10. Plautus. Nr. 1. 

frangit nucem. Ohne bedenken möchte ich auch Menaechm. 242 
(p. 14) in diese kategorie setzen, nur wünschte ich istunc statt 
istum wiederhergestellt zu sehen , also : ergo istunc quaero , cirtum 
qui id faciät mihi. Zu Capt. 277 hatte auch ich mir angemerkt 
quod est genere gndtus illic Philocrates (p. 8). Richtig hergestellt 
ist vielleicht auch Menaechm. 210 (p. 14) gländionidem aüt suillam, 
läridum aut pernönidem. Die Schreibung euge perge Menaechm. 
150 (p. 13) hat vor den sonst gemachten vorschlagen mit aus- 
nähme des Schwabeschen perge perge, den ich jedoch nicht bil- 
lige, den Vorzug größerer leichtigkeit. Dagegen däucht mir der 
hiatus nach lavi Amph. 802 besser, als das von Weidner p. 13 vor- 
geschlagene doppelte euge. Einfach ist Capt. 440 (p. 9) atque 
huic inventum inveni, obwohl sich darüber zweifeln läßt. Nicht 
übel ist auch Capt. 373 (p. 13) behandelt sequere: em tibi liomi- 
nem. djfe grdtiam ut habeö tibi, wenn man hier auch an gratiam 
habeo ego tibi denken könnte. Hübsch , wenngleich nicht noth- 
wendig, scheint mir Capt. 940 (p. 13) pro benefactis eius , uti 
par pretium possim reddere. Mit der fassung Menaechm. 292 
(p. 15) nam equidem insanissumum esse te certö scio könnte man 
sich vielleicht ebenfalls befreunden-, O. Seyffert schlug stud. 
Plaut, p. 21 insanum insanum vor, ich möchte dafür lieber insane 
insanum schreiben , denn daß Plautus neben dem adverbialisch 
gebrauchten insanum auch das wirkliche adverb insane angewen- 
det hat, ist erstens an und für sich glaublich und zweitens wird 
es ausdrücklich von Varro bezeugt. Aul. 55 (p. 4) schreibt 
Weidner , unzweifelhaft besser als die von Götz aufgenommene 
Bothesche lesart abscidc etiam nunc, etiam nunc abscide! ohe. Die 
größere Wahrscheinlichkeit in diplomatischer rücksicht dürfte an 
dieser stelle folgende fassung haben abscede etiam nunc, dbscede 
etiam nunc! ohe. Aul. 312. 313 (p. 4) verth eidigt Weidner mit 
recht die handschriftliche lesart. Die verse Capt. 596 f. (p. 11) 
schreibt Weidner folgendermaßen, um die hier nothwendige Stel- 
lung atra pix beizubehalten dtra bilis dgitat hominem 4t : a * pol 
te si hie sapidt senex Atra pix a g at dpud carnuficem tuöque capiti 
inluceat. Indes möchte ich nicht nur die gleiche Stellung atra 
bilis — atra pix, sondern auch das gleiche verbum agitare bei- 
behalten wissen und schreibe daher Atra pix apud carnuficem agitet 
tuöque capiti inluceat. 

Es reihen sich andere conjeeturen an, die zwar, wie ref. 



Nr. 1. 10. Plautus. 33 

meint, nicht das richtige treffen, aber doch immerhin an und 
für sich beachtenswerth sind. Dazu rechne ich Pers. 648 (p. 8), 
Aul. 560 (p. 6), 623 (p. 7), Capt. 534 und 582, Menaechm. 1089 
(p. 11), Menaechm. 828 (p. 16), Curcul. 424 (p. 17), Trin. 504 
(p. 17), Amph. 319 (p. 22). Ich werde gelegeuheit haben, an 
anderer stelle mich über diese vermuthungen zu verbreiten , be- 
ziehendlich den Weidnerschen conjecturen eigene gegenüberzu- 
stellen. In der stelle Epid. 64 f. (p. 18), wie in einer anderen 
weiter unten anzuführenden berührt sich das programm mit einer 
gleichzeitig mit der Weidnerschen arbeit von dem unterzeich- 
neten referenten veröffentlichten und jetzt im Teubnerschen Ver- 
lage erschienenen abhaudlung ad Epidicum Plautinam coniectanea. 
Auch Weidner, der den vers deperit. 4£ perii! degetur cörium 
de tergö meo schreibt, spricht sich mit recht gegen das Fleck- 
eisensche irnmo aus. Die von ihm vermißte exclamation ist je- 
denfalls nicht nöthig, obgleich das vermuthete perii nach deperit 
sehr wohl hätte ausfallen können Indeß bleibe ich dabei , daß 
ich nicht einsehe, wie das verbum degere die bedeutung von de- 
trahere haben kann, indem ich annehme, daß Nonius im lemma 
sich geirrt hat und daß also an dem detegetur der Palatinen fest- 
zuhalten ist. Damit aber fällt die Weidnersche conjectur. Ich 
selbst hatte hier die alte form deperbitit wahrscheinlich zu machen 
gesucht. 

Indem ich eine reihe ganz unnöthiger conjecturen des vrfs. 
übergehe, muß ich doch wohl mehrere ganz verunglückte, nicht 
einmal metrisch richtige vermuthungen besprechen. Aul. 377 
(p. 5) abeo Mim iratus, quöniarn nihili süm qui emara. Es ist viel- 
leicht abito iratus Mine quia nil est qui emam zu lesen ; qaoniam 
und quia sind oft vertauscht. Die bücher haben abeo iratus il- 
linc quöniarn nihil est qui emam. Im übrigen ist hier nicht alles 
in Ordnung: vers 376 ist wohl sicherlich zu streichen. Aul. 613 
(p. 7) schreibt Weidner quin ubi ärcessat ab me extemplo filiam 
dueät domum. Es ist einfach mit älteren kritikern me zu strei- 
chen. Die stelle Epid. 365 (p. 18) hatte ich in meiner oben 
erwähnten abhandlung ad Epidicum Plautinam coniectanea behan- 
delt. Es dürfte mir nicht uls Voreingenommenheit für das ei- 
gene ausgelegt werden, wenn ich meine ansieht der Weidner- 
schen gegenüber aufrecht erhalte. Nebenbei bemerke ich , daß 
Weidner in v. 363 hanc astutiam astu institui schreibt, während 
Philol. Ans. XIII. 3 



84 10. Plautus. Nr. 1. 

mir die einfache von Pylades herrührende Umstellung astutiam 
hanc den vorzug zu verdienen scheint. Den vers 365 aber 
schreibt Weidner si quicum ad eum veniam, üt sibi datum esse ar- 
gentum dicat. Abgesehen von der schlechten betonung des eum 
verstehe ich nicht, warum die erste person des verbums durch- 
aus nothwendig sein soll. Die bücher haben si quid (oder qui- 
dem die schlechteren) ad eum adveniam. Ich hatte nun ange- 
nommen, daß die lesart der bücher adveniam entstanden sei aus 
adveniat, mit übergeschriebenem iam — dieses iam ist so wie so 
hier erforderlich — und daß also zu schreiben sei si qui dd eum 
adveniat iam ut sibi datum isse argentum dicat „ich richte den kupp- 
ler ab , daß er , wenn jemand kommt , sagen soll , das geld für das 
mädchen sei ihm schon bezahlt" quid statt qui ist eine oft vorkom- 
mende verschreibung. Die begründung der Men. 1125 (p. 15) 
vorgeschlagenen conjectur salve, mi germdne gemine fräter: ego 
sum Sösicles verstehe ich nicht. Die bücher haben salve hinter 
frater. Allerdings billige auch ich das Fleckeisensche salveto 
nicht. Es ist hier, sehr passend, hiatus. Wer ein abgesagter 
feind des meiner ansieht nach nicht immer zu tilgenden hiatus 
ist, mag meinethalb lesen mi germane g&mine frater, sdlve: ne ego 
sum Sösicles. Amph. 622 (p. 23) schreibt Weidner nön ego soleo 
sömniculose erile inperium persequi Vigilans vidi, vigilans video, 
vigilans tecum fdbulor. Weidner scandirt also sömniculose, es heißt 
aber sömniculose s. Capt. 227. Außerdem ist die änderung des hand- 
schriftlichen imperia in imperium ganz unmotivirt. An der einsetzung 
von mei nach eri ist daher festzuhalten. Im zweiten verse ist 
vielleicht mit Ussing ut einzusetzen. Ich schreibe den vers vi- 
gilans vidi ut vigilans te nunc video, vigilans fdbulor. In der 
letzten stelle Asin. 100 (p. 24) wird es wohl bei den bisherigen 
Herstellungen sein bewenden haben müssen : die Weidnerschen 
fassungen wenigstens sind in ihrer cäsurlosigkeit völlig unan- 
nehmbar. Er schreibt vendri aves tereti iaculo in mediö mari oder 
venäri apros reti iaculo in mediö mari. Im übrigen wird wie im 
deutschen fischen und jagen sowohl auch im lateinischen 
piscari und venari einander entgegengestellt worden sein so, daß 
man unter den jagdbaren thieren die thiere des waldes bzw. 
der luft versteht. Aves oder etwas dem ähnliches ist also hier 
wohl nicht nbthig. Außer den bei Götz - Löwe angegebenen 
möglichkeiten wäre auch noch iaculo aütem reti vinari in mediö 



Nr. 1. 11. Horatius. 35 

mari oder iaculö reti autem vinari in mediö mari oder et v4nari 
autern reti iaculod in mari statthaft. Wollte der dichter übrigens 
aves oder apros schreiben , so hätte er es thun können in dem 
wenigstens regelrecht gebauten verse et aves venari reticulo in 
mediö mari. Theodor Hasper. 

11. De metris Horatii lyricis. Dissert. inaug. quam con- 
scripsit Carolus Bock. Rendsburg, Ehlers, 1880. 70 p. 8. 

Der verf. geht mit recht überall von den Untersuchungen 
Lucian Müllers aus , bewahrt sich aber Selbständigkeit des ur- 
theils und fördert das verständniß mancher einzelheit. Nicht 
glücklich ist die behandlung von A. P. 251, wo Bock dem Horaz 
eine solche unkenntniß des Archilochischen trimeters nicht zu- 
traut, daß er diesen im Widerspruche mit den uns erhaltenen 
fragmenten aus reinen Jamben bestehen lassen könne. Denn 
einmal muß es dahingestellt bleiben, ob wir aus jenen fragmenten 
einen unbedingt richtigen Schluß auf den trimeter des Archilochus 
überhaupt ziehen können; sodann aber, dies angenommen, hätten 
wir es nur mit einer ungenauigkeit des dichters zu thun , die 
ihres gleichen hat. Grade in literarhistorischen dingen , auch 
in historischen , (vgl. die neuste literatur über C. IV , 8) ist es 
bedenklich , jedes wort des Horaz auf die goldwage zu legen : 
Sat. I, 4 z. b. verwechselt er das sujet der alten und mittleren 
komödie, und nennt in der Ep. ad Augustum den Thespis in 
einem athem mit Sophocles und Aeschylus, während er anderswo 
die alte komödie ganz richtig als die politische bezeichnet und 
in der A. P. den Thespis wohl vom Aeschylus zu unterscheiden 
weiß. Darum ist eine änderung nicht nöthig ; am wenigsten 
aber läßt sie sich in der vorgeschlagenen weise vornehmen 
(punctum nach 253 und 254 ohne interpunction) , weil non ita 
pridem untrennbar ist, ein unterschied von similis und par für 
die dichtersprache nicht besteht (vgl. z. b. Sat. I, 3, 121 — 23), 
der zusatz primus ad extremum, wie ähnliche zusätze immer (ab 
imo Summum totus moduli bipedalis ; talos a vertice pulcher ad imos • 
servetur ad imum qualis ab incepto processerit u. a.) den in rede 
stehenden begriff, hier also similis verschärfen, endlich ein non 
ita ut tardior graviorque fieret gar nicht zu verstehen wäre. Eben- 
sowenig kann ich mich mit dem Vorschlag des verf. befreunden, 
Epod. 2 die ersten 20 verse dem Horaz, die übrigen dem Alfius 

3* 



36 12. Lateinische satire. Nr. 1. 

in den mund zu legen. Dadurch wird der reiz des ganzen 
epodus zerstört. Aber einzelheiten lassen sich überall leicht be- 
mängeln , im ganzen genommen ist die arbeit so , daß man von 
fortgesetzten Studien auf diesem gebiete gutes erwarten darf. 

Th. Fritzsche. 

12. The Arnold Prize Essay 1877. The origin and 
growth of the Roman satiric poetry. By Alexander R. Mocewen, 
B. A, Balliol College. Oxford 1877. 52 p. gr. 8. 

Diese erst jetzt zur anzeige kommende schrift enthält eine 
klare und verständige Übersicht der entwickelung der römischen 
satire, berührt die wichtigsten controversen, indem sie selbstver- 
ständlich von Casaubon ausgeht und giebt durch gute auswahl 
der belegstellen ein anschauliches bild dieser einzigen spezifisch 
römischen dichtungsgattung in ihren verschiedenen Stadien. Im 
wesentlichen wissenschaftlich gehalten zeugt sie von gesundem 
urtheil und übt kritik, ohne neue gesichtspunkte aufzustellen; 
die ältere litteratur ist gut benutzt; in der neueren fehlt man- 
ches , namentlich für Lucilius ; ein tieferes eingehen auf einzel- 
heiten lag, wie der umfang zeigt, nicht im plan. Den deutschen 
leser befremdet das einstreuen der bekanntesten biographischen 
thatsachen, wenn auch oft nur in anmerkungen. Es mag das 
für das studirende englische publicum zweckmäßig sein , für 
welche die hübsch geschriebene und praktisch eingerichtete lite- 
rarhistorische skizze bestimmt scheint. 

Th. Fritzsche. 



13. Pomponii Melae de chorographia libri tres. recognovit 
Carolus Frick. Lipsiae in aedibus B. Gr. Teubneri 1880. 8. 

Nachdem Tzschucke und dessen Vorgänger den vielfach ver- 
dorbenen text Melas mit maaßloser freiheit behandelt, Parthey 
dagegen in der auf neue collationen alter manuscripte gestützten 
ausgäbe (1867) die lesarten seiner manuscripte fast überall auch 
da festgehalten, wo diese an offenbaren Verderbnissen leiden, er- 
halten wir in dieser neuen ausgäbe einen jene extreme in be- 
friedigendster weise vermittelnden text, für welchen Frick 
alles was in neuerer zeit für das bessere verständniß Melas ge- 
leistet ist, mit sachkenntniß und umsieht verwerthet hat. We- 
sentlich vereinfacht wurde die arbeit durch den von Bursian 



Nr. 1. 13. Pomponius Mela. 37 

gelieferten nachweis, daß alle unsere Codices aus dem codex Va- 
ticanus 4929 saec. X abzuleiten sind. Eine nochmalige von 
August Mau besorgte vergleichung dieses codex setzte den her- 
ausgeber in den stand überall genau anzugeben, was hier von 
erster, und was von zweiter und dritter hand stammt, worüber 
in der vorrede ausführlich berichtet wird. Ebendaselbst wird 
das , was F. Vogel über Mela als irnitator Sallustii beigebracht 
hat, um ein bedeutendes vermehrt, und ferner die für die zeit 
der abfassung des werkes maaßgebende stelle (3, 49) auf den 
bevorstehenden triumph Caligulas (40 p. C.) und nicht auf den 
des kaisers Claudius (44 p. C.) bezogen, weil Mela die theilung 
Mauritaniens in M. Tingitana und M. Caesariensis (40 p. C.) 
nicht erwähnt und daher auch wohl noch nicht gekannt hat. — 
Die grundlage also des jetzigen textes bildet der codex Vatica- 
nus (A bei Frick), dessen gröbste fehler an etwa 80 stellen 
schon von den Schreibern anderer Codices und an 90 stellen in der 
alten sogenannten vulgata getilgt sind. Dazu kommen zahlreiche 
Verbesserungen der herausgeber Barbarus , Pintianus, Voß ; Vi- 
netus, J. u. A. Gronov, Reinold und Tzschucke, einige von Curt 
Wachsmuth (p. 4. 18. 55. 65), Müllenhoff (p. 60), Th. Momm- 
sen (p. 69), etwa 25 von Bursian und endlich die des heraus- 
gebers, deren zahl sich auf einige 40 beläuft und denen wir in 
den meisten fallen unsere Zustimmung nicht versagen können. 
Nach allen diesen leistungen bleibt indessen immer noch gar 
manches zweifelhaft. Ich beschränke mich auf einige kurze be- 
merkungen. 

I, 12: Indis proxima est Ariane (Ariatne A 1 , Ariadne A 2 ), 
deinde Aria et Gedrosis et Persis.~\ Ich würde schreiben Arbiane, 
deinde Oria, denn Ariana enthält ja als theile auch Aria und Ge- 
drosien. — I, 13 : Super Amazonas et Hyperboreos Cimmerii, Cis- 
sianti, Achaei (Cissi, Antiacae A), Georgili.~\ Die Cissianti hat Voß 
aus Plinius 6, 35 entlehnt, wo: Cimmerii, Cisianti (Cisi Anti v. 1.), 
Gerorgi. Allein bei Mela ist nichts zu ändern, und bei Plinius zu 
schreiben Cissi, Anti (vgl. 6, 21: Cissii montes). Die Cissi sind 
die heutigen Cisti nördlich von dem Andischen gebirge, dessen 
anwohner die Anti oder Antiacae. — I, 15. Britannicum] Brit- 
tanicum A hier und an zwei anderen stellen, was beizuhalten 
war. Man vergleiche n^irravinri und B(j£tTavia in den besten 
manuscripten bei Strabo , Diodor und Ptolemaeus, und Bperra- 



38 13, Pomponius Mela. Nr. 1. 

videg itjoot bei Stephanus Byzant. — II, 55. Tergestum\ Ter- 
grestum A, was wohl aus Tergestum entstanden, welche namens- 
form sich in den besten manuscripten des Ptolemaeus findet und 
vor Stephanus Byzantius aus Artemidor citirt wird. — I, 19. 
Nostri maris litoribus} Nostris litoribus A , was durch die aufge- 
nommene conjectur unnötigerweise paraphrasirt wird. — 1,112. 
quam (regionem sc.) duobus alveis in lacum (Maeotidem sc.) et in 
mare (Pontum Eux.) profluens Coracanda paene insulam reddit.] 
Da ein fluß Coracanda nicht bekannt ist , und nicht von einer 
halbinsel, sondern einer von den armen des Hypanis gebildeten 
insel die rede sein muß , so ist die stelle offenbar verdorben. 
Dem sinne nach muß Mela geschrieben haben : per Coroconda- 
milim paludem profluens (oder Cor. pal. perfluens) Hypanis insulam 
reddit. — I, 114: Thatae, Sirachi] thae taes erachi A. Lies: 
lhaetae, Seraci. Das erste volk wird zwar im Corp. Inscr. n. 
2119 Qäzti^ genannt, aber bei Ptolemaeus (5, 8, p. 349, 6 
Wilberg) hat der beste codex Vaticanus 191 Qhai Maimiai, 
die meisten anderen Oaifxsmrai, was aus Qirai oder Qahai Mala- 
iin verdorben ist. Für das andere volk haben wir die form 
Seracoe in der tabula Peutingeriana. In Tacitus Ann. 12, 16,2 
schwanken die manuscripte zwischen Seraci und Siraci. Derselbe 
name ist herzustellen bei Plinius 6,16: Serri (lies Seraci) cepha- 
lotomi, bei Strabo 11, 14, 13: Ooaxwr (lies Ctgaxmv) iivag rovg 
TiQoaayoQtvo/Awovc 2!aQunuQag, oiov KecpaXoro/Aövg und bei Dio- 
dor. 20, 24, 4: IdQiocpÜQvtjg 6 töov Qgaxwv (lies Cfgax<äv ; nicht 
Oazmv , wie Boeckh C. Inscr. 2, p. 104 wollte) ßuaiXsvg. — 
II, 20: . . . paratigue, ut dictitant, cum fato jacentis , si detur in 
manus, vel pacisci vel decernere, ubi nee pugnae nee peeuniae locus 
sit, *** manentgue dominos (dominas vulgo) proci. nupturae virgines 
etc.] Hier ist wohl eher eine corruption der letzten worte als 
eine größere lücke anzunehmen. Vielleicht schrieb Mela : manent 
nihilominus procineti oder in procinetu, — II, 30 : urbs Acanthos 
et Echinia7\ Der zweite von iilvog abzuleitende name ist doch 
wohl nur eine andere bezeichnung für Acanthos, nohg Qoäxijg 
andfüc^ig nsqiQayfitir} (Steph. Byzant). Es würde also entweder 
urbs Acanthos [gwae] et Echinia zu schreiben sein, oder urbes Acanthos 
et Echinia, so daß dieses ebenso unrichtig gesagt wäre wie DI, 8 : 
Borysthenidem et Olbiam, graeca oppida; 11,22: portus Crunos (lies 
Crunoe, t\\>(ivvot), urbs Dionysopolis ; III, 80: Arabia et Oadanue 



St. 1. 13. Pomponius Mela. 39 

(liea Adanus, 'Ahäii] Philostorg. , i. q. Arabia Eudaemon, jetzt 
Aden). — II, 69 : Maticana, Hipponiurn Vibove.] Statt Maticana 
ist meicer meinung Dach Vaticana oder Manticlana zu schreiben. 
S. Fragm Rist. V, p. LXVII. — II, 84 : inter Pyrenaei promun- 
turia portus Veneris est (in statt est var. lect.) sinu falso] Frick 
schreibt sim salo, vielleicht richtig; da indessen dieser hafen, 
nach Strabo 4, 1, 6, im noXnoi; raXaztttog liegt, so liegt die ver- 
muthung nahe, es sei zu lesen in sinu Gallo oder Gallico. — II, 
126 aliudve quod virus'] aliudve qot verus A. Die von Tzschucke 
und Parthey aufgenommene conjectur aliud velut virus scheint 
mir passender zu sein. — III, 15: et Devales Tritino (Tricino 
v. 1.) Bellunte cingit, et Decium Aturia, Sonans Sauso et Magrada.] 
„Haec sanare non potui." Frick. Ich schreibe : Devales (jetzt Deva) 
Tricinum (jetzt Treceno , im Geogr. Rav. p. 308 , 13 Dracina) 
Bendumque (? portum Blendium bei Plinius 4, 111; jetzt portu 
Pendueles) stringit, et Decium (jetzt Deazain) Atur (oder Aturia, 
jetzt Oria) , Iasonarn Iaso ' (i. e. Oiaaäva Oiaaco , jetzt Bidasoa) 
et Magrada. Uebrigens liegt der ungenauen küstenbeschreibung 
hier eine confusion zweier Deva genannter flüsse zu gründe. — 
III, 39: sed qui famam habeat***, ex Ceraunis montibus uno alveo 
descendit, duobus exit in Caspium.] „Nonnulla de Caso aut de Al- 
bano dicta excidisse videntur." Frick. Wahrscheinlich ist nach 
habeat Abas ausgefallen, der name des flusses , in dessen nähe 
Pompejus die Albaner besiegte (Plutarch. Pomp. 15, Dio Cass. 
37, 3). — III, 54 : daß hier Codannovia in Scadinavia zu än- 
dern sei, bezweifle ich. — III, 67: Ab Colide (promunturio) ad 
Tamum (prorn.) recta sunt litora.~\ Der codex giebt ad Cudum. 
Allerdings muß das im folgenden erwähnte Tamus promunturium 
auch hier genannt sein , doch ist es nicht wahrscheinlich , daß 
Tamum in Cudum verdorben sei. Dieses Vorgebirge heißt bei 
Eratosthenes und Strabo Tamarum, bei Orosius und in der Cos- 
mographia Hanon. Samara. Bei Ptolemaeus entspricht ihm die nicht 
weit vom nördlichsten ende des Sinus Magnus gelegene Stadt 
Tonuoa, so wie dem Colis prom. bei Ptolemaeus die Stadt Kalt, 
bei Strabo die sitze der KcoXiaxoi entsprechen. In der gegend 
von Tomara aber sind nach Ptolemaeus 7, 2, 20 die Kov5ovTat an- 
zusetzen , deren name mit dem Cudum Mela's ohne zweifei in 
Verbindung zu bringen ist. Man darf also vermuthen: ad Cudum 
[Tamumve] recta mint litora. — III, 71 : inde (a Patalene regione) 



40 14. Geographen. Nr. 1. 

ad principia rubri maris pertinet [Ariana, et] ipsa invia atque äe- 
serta]. Es würde genügen statt pertinet zu schreiben pertinens et. 
Die länder dieser küste sind schon I, 12 genannt. — KI, 72: 
et ubi (ut cod.) non intrat {iret cod. ) internus.] Statt iret vielleicht 
zu schreiben init, wie III, 74 : init penitus introrsum. — ■ III, 75 : 
Saetis per Carmanios, supra Saudis et Corius (clioros A, Coros Voß. 
Tzsch.). Wenn hier Corios nach Ptolemaeus geschrieben wird, 
warum dann nicht auch Sabis und Andanis oder Sandanis statt 
Saetis und Sandis? — III, 80: inter promunturia Maenorenon et 
Coloba Philoteris et Ptolemais.] Ohne zweifei ist Maenorenon mit 
Tzschucke in Myosormon odor vielmehr in Myönormos zu verbes- 
sern. Es ist das neben dem oft genannten hafen Mfxog oofxog 
gelegene Vorgebirge Ras Abu Somer. Ebenso erwähnt Mela 
1, 40 an der Afrikanischen küste ein Vorgebirge Naust Ahmus 
ohne des daneben liegenden gleichnamigen und von andern geo- 
graphen erwähnten hafens zu gedenken. — III, 85 : corporis 
viriumque (parumque A) veneratores.] Weniger gewaltsam wäre 
corporis roborumque. — III, 107. Gilda, Volubilis, Banasa] gildavo 
dubritania A. Nimmt man an , daß die buchstaben du versetzt 
sind , so ergiebt sich : Gilda, Vobri, Tam[ud]a. Vobri ist Vobrix 
in Ptolemaeus 4, 1, p. 252 Wilberg; über lamuda siehe Plinius 
5, 18 und Not. Dign. p. 79 ed. Böcking. Der gleichnamige 
fluß wird bei Mela I, 5 Tamuada (lies Tamuda) genannt. 

C. Müller. 

14. R. Hansen, beitrage zur alten geographie. Pro- 
gramm des gymnasiums zu Sondershausen. 1879. 4. 

Im periplus des sogenannten Scylax wird nach erwähnung 
des im gebiete der Istrier ins adriatische meer fallenden Istros 
gesagt: ovrng ö noiauoc x«« elg tov IJortov ivtßälXsi ivöiaansv- 
vwq * elg A'lyvntoy. Hansen schreibt: . . . ixßdXXsi i» 8ia- 
attsvfj mg (in ähnlicher weise wie?) [o Nsilog sig tov maearnv 
Q£i xal] dg jt"yvntov. Aber statt tic A'lyvmov würde dann 
doch wohl gesagt sein *lg ?//;> irtog oder xa&' i]f*äg &äXaaauv. 
Doch davon abgesehen, beruht die conjectur auf der willkürli- 
chen Voraussetzung, daß der autor eine bifurkation des Nils an- 
genommen habe. Die zur stütze angeführten alten geographen, 
Hecataeus, Dicaearch und Euthymenes, sprechen nicht von einem 
in den Ocean mündenden arm des Nils, sondern sagen der 



Nr. 1. 14. Geographen. 41 

fluß komme aus dem Atlantischen meere (e'xpep/; , nach Euthy- 
menes, äva%ehai } nach Dicaearch, ex tijg ' Ai\av7ixr\g &a\ärtot]Q; 
ano rnv mxsavnv gut bei Diodor), wie andere den Tanais ans 
dem nördlichen Ocean herleiteten Wenn in einigen karten des 
mittelalters der Nil als ein sich gabelnder und theils ins Mittel- 
meer, theils in den Ocean mündender fluß dargestellt ist, so läßt 
sich diese wahrscheinlich aus einer nahe liegenden corabination 
verschiedener meinungen des alterthums entstandene ansieht nicht 
verwerthen zur ausfüllung einer vermeintlichen lücke in unserm 
alten periplus. Viel einfacher war es mit den meisten erklärern 
die fraglichen worte auf die herodotische ansieht zu beziehen 
nach welcher die Istrosmündungen im meridian von Aegypten 
liegen, wie nach anderen der Tanais vn^vanicog 7« M-A<p xa) rgn- 
nov tiva xard dtüutronr gei (Strabo 2, 1, 6). Wie indessen eV 
Siaaxtvi cöc in diesem sinne ohne gewaltsame an derung oder deu- 
tung verbessert werden könne, lasse ich dahin gestellt sein. Die 
einfachste änderung iv Stuaxuvfj mg ist bedenklich; y'| ivat/rlas, 
oder iravTioc xstfievog rtjg Alyvntov (wie nach Herodot 2, 34 
i} A'iyvnmg dvriij xhrai) entfernt sich zu sehr vom überlieferten. 
Da übrigens derartige notizen sich sonst in diesem periplus nicht 
finden und der auetor selbst die richtung der mündungen des 
Ister doch wohl nicht hier sondern in der küstenbeschreibung 
des Pontos erwähnt haben würde, so liegt die vermuthung nahe, 
daß wir es mit einer der in dieser schrift nicht seltenen glossen 
zu thun haben. Herodots worte (2, 34) ixdidni de (n "Iazgog) 
ig AiyvnTov sind eine gesuchte und auf effect berechnete phrase, 
welche ohne die nachfolgende erläuterung kaum verständlich 
sein würde. Möglich also , daß ein sciolus zu den worten des 
periplus sig i6r Ilovrov ixßtiXXit bemerkte: ivdiaoxsvfog sig jii- 
yvnror sc. ixßd^Xsir liysTai, so daß ivSiaGxsvmg = ivdtaöxevcp 
TQonm dirjyrjGtmg, iyxcnaöxe iop ixqgdaet, r) xi%gt]V7ai nghg sxtjXij- 
§«> reo*' ttKftvovtmv (s. Steph. Thes. s. h. v). 

Stephanus Byz. : Xagipidrai , sdvog ngog rat Uovtcp, Ffa- 
Xaicparog iv £" Tgoatxööv ' „Kegxszaiwv e%ovTat Mctynt xa) Xagi- 
/jurai * 70V riag&sflov xgctztovaiv eig iov Ev^sivov Tlvtzov. 
Hansen schreibt . . . Xagifiiiiat rh vnsg&sv [oj' ov] xgcttiovaiv, 
so daß Paläphatos sagt : „an die Kerketen gränzen weiter ober- 
halb , d. h. landeinwärts , die Moscher und Charimaten , welche 



42 14. Geographen. Nr. 1. 

nicht ihre macht bis an den Pontus Euxinus ausdehnen." Allein, 
daß die worte ro Znsodsv in einen eigennamen verdorben wären, 
wäre jedenfalls etwas sehr ungewöhnliches , und die eingescho- 
bene negation paßt schlecht zu den worten p&vog nyo^ reo növrep. 
Richtig bemerkt Hansen, daß der name Parthenius hier nicht auf 
den bekannten gränzfluß zwischen Bithynien und Paphlagonien 
(den heutigen Bartan - Tchai) bezogen werden könne ; daß aber 
Herodot (2, 104: 2?voioi oi, ntg) Qti>fim8ovTa xui Tlaudinov no- 
retfibv aa) Müxocortg) den Iris mit diesem weit entfernten Par- 
thenius verwechselt habe, wie Hansen meint, ist nicht glaublich. 
Herodots Parthenius scheint mir der zwischen dem Thermodon 
und den sitzen der Macrones bei Side , dem späteren Polemo- 
nium , mündende fluß zu sein, der bei Plinius 6, 11 Sidenus, 
jetzt Puleman-Tchai genannt wird. Denn in der nähe von Po- 
lemonium lag, nach der Peutingerschen tafel, ein ort Barta, des- 
sen name wohl die einheimische benennung eines Parthenium 
war, wie das heutige Bartan an der bithynischen gränze für den 
paphlagonischen namen des dortigen Parthenium gehalten wird. 
Wie in der corrupten stelle des Stephanus tov FlaQdttiov zu 
verstehen sei, läßt sich schwerlich ermitteln. Die Kerketen sind 
nach den älteren geographen die südlichen nachbaren der Sinder 
und nach Hesychius ein sindisches volk. Ihre nachbaren kön- 
nen nach Paläphatos nicht die Moschen des südlichen Kolchis 
und des angränzenden Iberien sein, sondern sind nordöstlich von 
den Kerketen an den südlichen Zuflüssen des Kuban zu suchen, 
wo jetzt die Mochosch und Mattu wohnen. In ähnlicher weise 
sagt Mela 1, 13: Supra Amazones et Hyperboreos Cissi . . . Moschi, 
Cercetae. Die sonst nicht genannten Charimaten sind wahrschein- 
lich die Sarmaten der andern geographen (vgl. Lucan. 3, 270: 
saevis adfinis Sarmata Moschis) oder doch ein sarmatisches volk. 
Von einem Parthenium oder einem fluß Parthenius in diesen ge- 
genden wissen wir nichts. Da indessen Sarmaten auch an der 
europäischen seite der Mäotis wohnten , so wäre es immerhin 
möglich, daß bei Stephanus an das am nördlichen ende des Cim- 
merischen Bosporus gelegene Parthenium zu denken und etwa 
zu suppliren wäre: Xayi(AMtai [oi ttal and] tov JJug&sriov xoa- 
tsovaiv [eoog] sig tov Tlöviov oder ot xai tvii II. xoaTeovai [toi 
sv ö«|«jj roiii sx lijg MaiwtiSog nXsovai] sig tov Tloviov. 

Im Stephanus v. Mi'qIfkk würden die worte oi ö' anb 



Nr. 1. 15. Petronius. 43 

MvgXttuc "Apu'Qövoq offenbar passender gleich nach anh MvnXnv 
7ov Kolnqan'cov t/ys/tnio*; stehen. Hansen wundert sich, daß 
kein herausgeber sie dorthin versetzt hat. Man hat eben ge- 
glaubt, daß in der redaktion dieser excerpte dergleichen Uneben- 
heiten nicht zu urgiren sind. 

Stephanus v. Avaia sagt : 'Evrtv&ev 1p Mere/.aog ö nfgi- 
nuTijrtxog qi).6ao(po^. Kai Ms'Aag ioTOQixög ' jävouog. Hansen 
tilgt ' Avaioc, läßt MsXag aus dittographie des namens Mevttaog 
entstanden sein und schreibt: qi).<'.aocpo^ xal iaiootxnc. Als hi- 
storiker kennen wir aber einen Menelaos ebenso wenig als einen 
Melas. Auf die bloße möglichkeit eines irrthums hin dürfen 
wir die an sich unverfänglichen worte nicht ändern. 

Mela 1, 6 : quo (sc. Bosporo Thracio) cum est accepturn (sc. 
Nostrum mare), ingens iterum et magno [se extendit ambitu et magnae] 
paludi ceterum exiguo ore conjungitur .] Die eingeklammerten worte 
finden sich, nach Parthey in den Prolegg. p. 22 , nicht in dem 
maaßgebenden codex Vaticanus. Hansen schreibt daher iterum 
\ßt\ et magnae paludi. In den notis criticis sagt aber Parthey 
der Vaticanus habe et magno et paludi, was in den prolegome- 
nis in der angegebenen weise vielleicht fälschlich berichtigt 
wird. Denn in der neusten ausgäbe von 0. Frick, für welche 
der Vaticanus nochmals verglichen worden ist, lesen wir eben- 
falls et magno et paludi, so daß entweder mit Bursian und Frick 
eine lücke anzunehmen , oder ingens iterum est magnaeque paludi 
zu lesen wäre. — Mit recht will auch Hansen bei Mela 2, 43 
legea statt des handschriftlichen Tenea gelesen wissen. Ferner 
wird von ihm die beschreibung des Sonnenaufgangs auf dem 
troischen Ida bei Mela 1, 94 und Diodor 17, 7 aus einem be- 
achtenswerthen gründe auf Ephorus zurückgeführt. Zuletzt be- 
merkt Hansen, daß Mela seine auf die Argonautensage bezüg- 
lichen notizen vielleicht aus den Argonauticis des Varro Atacinus 
entlehnt habe. 

C. Müller. 

15. Petronii satirae et über Priapeorum. Tertium edidit 
Franciscus Buecheler. Adiectae sunt Varronis et Senecae 
satirae similesque reliquiae. Berolini apud Weidmannos 1882. 8. 

Die mit recht allgemein geschätzte Bücheler'sche ausgäbe 
des Petronius sammt den erwünschten beigaben inhaltlich ver- 



44 15. Petronius. Nr. 1. 

wandter Schriften erscheint in neuer aufläge. An zahlreiche 
stellen hat der herausgeber mit vorsichtiger kritik die nachbes- 
sernde hand gelegt. Bei Petron p. 11, 14 hätte die Überliefe- 
rung et aliquem fratrem {== et alium quem fratrem) wohl nicht 
mit et alium fratrem vertauscht zu werden brauchen; p 52,23 
hospitium hospites capit kann kaum richtig überliefert sein , man 
vermißt eine zahl hinter hospites, paläographisch liegt hospitium 
hospites c(entum) capit am nächsten. Viele stellen des Petronius 
bleiben noch heillos verderbt. 

Um vieles unsicherer bleibt die herstellung der fragmente der 
Varronischen Satiren. Schon darüber, welche fragmente me- 
trische, welche aus prosa und poesie gemischte, welche prosaische 
form haben, wird sich nie eine völlige einigung erzielen lassen : vgl. 
z. b. 88. 141. 157. 158. 211. 397. 398 (wo verse resp. vers- 
theile durch prosaische ausführungen unterbrochen zu sein schei- 
nen). 493 (ein trochäischer septenar?). Der in der anmer- 
kung zu 237 vorgeschlagene trochäische septenar hat keine der 
von Varro sonst angewandten hauptcäsuren. 440 endigt ein 
jambischer octonar auf zwei jambische Wörter ; die herstellung 
hat davon auszugehen , daß diese art des versschlusses zu mei- 
den ist. 485 und 486 waren vielleicht nicht jambische senare, 
sondern octonare; 449 vielleicht ein jambischer septenar; 437 
stellt Bücheier die präposition per nicht wahrscheinlich an den 
Schluß eines glyconeus. 

Verderbt scheinen der eingang von 97 (ubi üla<6c>?)\ 
128, 2 (ob cui statt quid zu schreiben ist?). 

Varr. 119 ist wohl zu schreiben : Quae casta vestis, aetas quae adu- 
lescentium, | Quae Veneris species (die handschriften haben teneris); 
vgl. Plaut. Kuri. 421,Poen.V, 2, 153 *). In fragment 296 erwartet man 

1) Die mannigfachen berührungen der spräche der Varronischen 
satire mit Plautus harren noch immer der darstellung durch eine 
kundige hand: vgl. z. b. Varr. 5 mit Plaut, fragm. Cistell. in den 
mittheilungen von Studemund im Greifswalder ind. lectt. 1871, p. 13. 
Varr. 28 (schreibe rursus, haud prorsusf) mit Plaut. Pseud. 955; Varr. 
30 mitMil. Glor. 4; Varr. 91 mit Pseud. 989. 1200; Varr. 207 mit Rud, 
317 u. s. w. 

Vor allem aber sollten die berührungen mit anderen satirenschrei- 
bern zusammengestellt werden. Man vgl. z. b. die berührungen Var- 
ro's mit Petronius. Varr. 206: Petron. 26, 36; Varr. 579: Petron. 
36, 26; Varr. 261 : Petron. 47, 31; vgl. auch Bücheier im Rhein, mus. 
XX, 437. — Zu Varr. 2. 3 sind die bekannten tractate über die thier- 
etimmen zu vergleichen. 



Nr. 1. 16. Attinchea «taatsrecht. 45 

statt Ms ein Substantiv wie suris oder talis oder dergl. Statt 
saepe ist vielleicht sepelitur 376 zu schreiben. 428 ist mit hu- 
manam quandam gentem stirpis <per>coquit das richtige gewiß 
nicht getroffen ; man erwartet etwa humanae quandam gentis spe- 
ciem concoquit. In Seneca's Apocolocyntosis p. 235, 7 ist hin- 
ter celerius doch wohl der imperativ i einzuschieben. 



16. Joseph Starker, De Nomophylacibus Atbenien- 
sium. Diss. Breslau 1880. 8. 54 p. 

Vorliegende professor Reifferscheid gewidmete erstlingsschrift 
ist mit fleiß und Sorgfalt gearbeitet, der Verfasser ist mit seinem 
gegenstände gründlich vertraut und giebt eine denselben völlig 
erschöpfende darstellung. Wir kennen die attische behörde der 
nomophylakes nur aus einigen Zeugnissen der griechischen gram- 
matiker. Kein attischer redner, kein geschichtschreiber des fünf- 
ten oder vierten Jahrhunderts, kein comiker thut ihrer ausdrück- 
lich erwähnung. Auf grund jener Zeugnisse können wir nur im 
allgemeinen angeben , was die nomophylakes zu thun hatten. 
Die frage , wann sie eingesetzt wurden und wie lange sie be- 
standen haben , ist controvers. Während nämlich über ihre 
funktionen sämmtliche quellen einen ziemlich gleichlautenden 
bericht geben, enthält nur eine quelle eine angäbe über ihre 
zahl und die zeit ihrer einsetzung. Letztere tradition, die an- 
gäbe des lex. Cant. , daß die nomophylakes zur zeit der reform 
des Ephialtes eingesetzt seien , wurde insbesondere von Boeckh 
(plan der Atthis des Philochoros) als unglaubwürdig verworfen; 
er vermuthete , daß sie dem Demetrios von Phaleron ihre einse- 
tzung verdankten. Diese annähme suchte dann Strenge (Quaest. 
Philoch., Gott. 1868) näher zu begründen. Gegen Boeckh und 
Strenge wendet sich nun Starker. Er prüft zuerst die Zeug- 
nisse im ganzen und im einzelnen auf ihre glaubwürdigkeit hin 
und sucht alsdann die richtigkeit der tradition von der einsetzung 
durch Ephialtes (und Perikles) zu beweisen. Die beweisführung 
ist kurz folgende. 

1. Die Zeugnisse (lex. Cant. s. v. pofiöqpvXaxsQ , Phot. Suid. 
oi mfjocpvXuxtc, Harp. »o^oqri'A««?^, Pollux VIII, 94, Bekk. An. 
Gr. 283, 16. 191, 20) ergänzen einander und stimmen selbst 
im Wortlaut so vollständig überein, daß sie ohne zweifei aus 
einer quelle geflossen sind, wahrscheinlich einem commentar 



46 16. Attisches Staatsrecht. Nr. 1. 

zu den reden des Dinaren, wie F. v. Stojentin vermuthete. Nur 
die oben erwähnte angäbe des lex. Cant. (snra de rjoav atl.) 
ist aus einer andern quelle , da sie sich bei den übrigen nicht 
findet. Aber beide traditionen gehen schließlich auf denselben 
autor zurück: der Verfasser des berichts über die funetionen 
und insignien der nomophylakes (A) nennt als seine quelle das 
siebente buch (der Atthis) des Philochoros, der autor der an- 
gäbe über die zahl und zeit der einsetzung derselben (B) nennt 
ebenfalls Philochoros als seinen gewährsmann. Der name Phi- 
lochoros gibt nun zwar von vorn herein allem was unter seiner 
autorität berichtet wird eine gewisse garantie. Aber die genug- 
sam bekannte Unwissenheit der grammatiker und die leichtfer- 
tigkeit, mit der sie ältere werke benutzten, machen überall eine 
genaue prüfung der berichteten thatsachen durchaus nothwendig. 
2. Starker handelt zuerst über den aus quelle A geflossenen 
bericht. Der Verfasser desselben betont zuerst den unterschied 
zwischen vo(xoq>vXaxeg und deo/AO&eiai und beweist ihn durch 
die Verschiedenheit der insignien, welche beide bei ihrem ein- 
tritt in den areopag trugen : die thesmotheten (archonten) gingen 
bekränzt auf den areopag, die nomophylakes trugen weiße kopf- 
binden. Das avaßait'siv eis ihv " Aquov ndyor hat man bisher 
allgemein von der aufnähme der archonten (nach ablauf ihres 
amtsjahres) in den areopag verstanden. Starker beweist die Un- 
möglichkeit dieser erklärung , da einerseits die archonten nur 
bei ihrer amtlichen thätigkeit den kränz trugen und bei ihrer 
aufnähme in den areopag längst nicht mehr beamte waren, an- 
dererseits im areopag der kränz geradezu verpönt war. Starker 
erklärt den ausdruck nach dem einfachen wortsinne : die archon- 
ten trugen den kränz wie sonst in ihrer amtlichen thätigkeit so 
auch , wenn sie ex officio auf den Areshügel gingen , wenn sie 
eine amtliche funktion dort zu verrichten hatten. Diese funk- 
tion war vermuthlich eine sakrale, wie Starker aus der rede g. 
Neaer. 80 schließt. So ist denn auch bej den nomophylakes das 
ataßuivsiv sig rev " Aqsiov nüynv nicht von einer aufnähme in 
den areopagitischen rath zu verstehen (wie einige in allerdings 
consequenter Schlußfolgerung angenommen haben), sondern von 
einer sakralen funktion auf dem areopag. Starker bringt näm- 
lich damit die angäbe der grammatiker über die Veranstaltung 
einer nnpntj für die Athene Polias seitens der nomophylakes in 



Nr. 1. 16. Attisches Staatsrecht, 47 

Verbindung. Es ist daraus auf ein ähnliches Verhältnis der ge- 
setzeswächter zur Schutzgöttin Athens zu schließen , wie das des 
rathes auf dem areopag zu derselben und den mit ihr verbun- 
denen Eumeniden war. So erklärt sich auch die weiße binde, 
die sonst nur abzeichen der priester ist. Die nomophylakes 
hatten also eine auf den cult der Athena bezügliche priester- 
liche funktion auf dem Areshügel. Die worte "r? ko/ai^oito to 
inamv in] 7/}r ßi/.Xaaaav (bei Photios) deuten auf die plynterien 
hin. — Es folgen angaben über den ehrensitz der voiAoyvXattsq 
im theater (gegenüber den archonten) und über ihre eigentlichen 
politischen befugnisse , die in der nöthigung der beamten zur 
beobachtung der gesetze und in der Verhinderung 1 gesetzwidriger 
und schädlicher beschlüsse in der bule und ekklesie bestanden. 
In dem ganzen bericht findet sich nichts, was nicht vollkommen 
glaubwürdig erschiene und was nicht bei Philochoros gestanden 
haben könnte. 

3. Aus der quelle B, die sich ebenfalls auf Philochoros be- 
ruft, hat der Verfasser des lex. Cant. die nachricht, daß es sie- 
ben vi>(Aiiq;v).ux£i; gegeben und daß ihre einsetzuug zu der zeit 
erfolgte, als Ephialtes dem areopag die nichtrichterlichen befug- 
nisse entzog. Die zahl sieben , an der man anstoß genommen, 
erklärt Starker aus der analogie mit den thesmotheten : man 
habe die zahl um eine erhöht, um etwaige Stimmengleichheit bei 
ihren beschlüssen zu verhindern, ein verfahren, das auch bei 
Zusammensetzung von gerichtshöfen und sonst eingeschlagen 
wurde. Am meisten angefochten wurde, wie bereits erwähnt, 
die nachricht von der einsetzung durch Ephialtes. Starker wi- 
derlegt der reihe nach alle gründe , die für die annähme der 
einrichtung durch Demetrios Phalereus und gegen das bestehen 
der nomopbylakeo im fünften Jahrhundert angeführt werden. Daß 
Pollux VIII, 102 (wo augenscheinlich vofioqsvlausg und Stauo- 
gi'Aaxft; verwechselt sind) mit unrecht von den gegnern citirt 
wird, hat Stojentin (de Pollucis auctor. p. 29) gezeigt. — Daß 
die m^nq wXaxeg erst von Dinaren erwähnt werden, beweist nichts 
gegen die annähme, daß sie bereits früher einmal bestanden ha- 
ben. (Die betreffenden reden sind wahrscheinlich zur zeit der 
Verwaltung des Demetrios Phalereus gehalten). — Stichhaltiger 
scheint die anführung von rednerstellen, in denen der natur der 
sache nach die nomophylakes genannt werden mußten, wenn es 



48 16. Attische» Staatsrecht. Nr. 1. 

eine solche behörde gab : Andoc. myst. 84. Aesch. Ctes. 4. (Dem. 
Aristog. I, 90). Aber diese stellen (und ebenso Xen. Hell. I, 7) be- 
weisen nur, daß es zur zeit der attischen redner, also vom ende 
des fünften Jahrhunderts an, keine vofinqivXaxsg mehr gegeben, 
nicht aber, daß sie auch früher nicht bestanden. — Auch was 
mit berufung auf stellen des Aristoteles (Polit.) und Xenophon 
(Oecon.) wegen des oligarchischen Charakters einer solchen be- 
hörde gegen dieselbe eingewendet wurde , widerlegt Starker mit 
hinreichenden gründen. — Daß Philochoros im siebenten buch 
der Atthis über die vot.taqivXax.ss; handelte, beweist nicht, daß sie 
zuerst durch Demetrios Phalereus eingesetzt wurden; Philo- 
choros kann, wie Schoemann u. a. bemerkt haben, sie außerdem 
an einer andern stelle (im dritten oder vierten buch) erwähnt 
haben : und vermuthlich stammen die letzten worte im lex. Cant. 
eben aus dieser früheren stelle. Die Wiederholung der worte 
dag (friX/'^ngog selbst deutet darauf hin, daß diese nachricht nicht 
an derselben stelle bei Philochoros gestanden wie der voraus- 
gehende bericht. Es fragt sich nun , ob der in A gegebene 
bericht (aus dem siebenten buch des Philochoros) nur auf die 
zeit des Demetrios von Phaleron oder auch und vielleicht besser 
auf eine frühere zeit paßt. 

4. Im vierten abschnitt handelt Starker von der politischen 
bedeutung der thätigkeit der nomophylakes, wie sie in den Wor- 
ten tag uo%ag rjrüyxu^op rolg vöfxotg %QrjG&ai und xcoXvotTsg tm- 
■\priq:it,iitv, ei n frij nagärofiov r t aav(xqoQOV tj; noXsi ausgedrückt 
ist. Wie wir uns das ärayx,a£e iv zu denken haben, zeigt [Dem.] 
g. Neaer. 80 , wo von einer ähnlichen thätigkeit des areopags 
die rede ist : der areopag konnte (in jener zeit) über ungesetz- 
lich handelnde beamte eine Ordnungsstrafe (inißoXij) verhängen. 
Auch die andere funktion der nomophylakes hat ihr analogon 
in der von Dem. de cor. 134 erwähnten intercession des areo- 
pags: aus dieser stelle läßt sich auch schließen, daß die vofxo- 
fpuXaxeg nicht blos bei gesetzesanträgen und psephismen, sondern 
auch bei beamtenwahlen (durch cheirotonie) intercediren konnten. 
Mit berufung auf Photios fit/rumor (oder (itjTQctyvgiijg) glaubt 
Starker ihnen auch noch die aufsieht über das Staatsarchiv zuweisen 
zu können und bezieht hierauf mit C. Curtius die erwähnung der 
vofAocpvXuxeg bei Cicero de leg. III, 20, 46. Diese vermuthung 
erscheint mir in bezug auf das metroon zweifelhaft, weil dieses 



Nr. 1. 16. Attisches Staatsrecht. 49 

schwerlich schon im fünften Jahrhundert als archiv benutzt wurde. 
vofAOcpvkaxeiov (bei Phot.) bedeutet nicht „curia nomphylacum", 
sondern einfach aufbewahrungsort der gesetze. Daß die vopoqiv- 
Xaasg in einer engeren beziehung zum archiv standen, ist aller- 
dings eine an sich natürliche annähme. 

5. Der fünfte und sechste abschnitt erörtert nun die wich- 
tige frage, ob eine derartige aufsichtsbehörde in den plan der 
reform des Ephialtes und Perikles passe. In der besprechung 
der klar zu tage liegenden und oft genug erörterten gründe, 
die die aufhebung des areopags als aufsichtsbehörde veranlaßten, 
hätte Starker sich kürzer fassen können. Auch die politischen 
gründe , welche Perikles und Ephialtes bewegen mußten , jene 
bisher vom areopag geübte controle nicht vollständig zu besei- 
tigen und so auf einmal den Übergang aus der durch eine oli- 
garchische behörde sehr eingeschränkten demokratie in die schran- 
kenlose Ochlokratie zu bewerkstelligen, sind (von Grote, Curtius 
u. a.) genügend hervorgehoben worden. Aber gegenüber den 
starren Skeptikern schadet es nicht , immer wieder daran zu er- 
innern. Ein so schroffes vorgehen lag auch gar nicht im Cha- 
rakter des für radikale pöbelherrschaft durchaus nicht schwär- 
menden Perikles : der antrag des Ephialtes ging nur dahin, die- 
ses aufsichtsrecht vom areopag auf eine besondere behörde zu 
übertragen. So war die controle, an die das volk von je her 
gewöhnt war, formell beibehalten, thatsächlich aber beseitigt. Einer 
so mächtigen persönlichkeit wie Perikles gegenüber konnten diese 
sieben männer (ohne zweifei eine wechselnde behörde) nur ein 
Schattendasein führen : wir hören nichts von ihnen. Während 
der wüsten demagogenwirthschaft am anfang des peloponnesischen 
krieges werden sie dann auch faktisch beseitigt worden sein. Daß 
dies noch unter der Verwaltung des Perikles geschehen, wie 
Starker (p. 54) behauptet, glaube ich nicht. Bei der Wieder- 
herstellung der Verfassung unter Eukleides wurden ihre befug- 
nisse (oder ein theil derselben), wie es scheint, dem areopag zu- 
rückgegeben. Durch Demetrios Phalereus wurde dann wohl 
das amt der vopocpvXaxes erneuert, obgleich dies nirgends aus- 
drücklich überliefert ist. 

Bloße vermutbung ist Starkers behauptung (p. 50), daß die 
intercession der vopoqivlaxeg nicht aufhebende, sondern nur sus- 
pendirende Wirkung gehabt: er meint, die vo/xoyvlaxes hätten 
Philol. Anz. XIII. 4 



50 17. Archaeologie. Nr. 1. 

ihr einschreiten in der ekklesie durch eine ygayt] naQavöficav vor 
der heliäa begründen müssen. Ueber den nomophylakes hätte 
also die heliäa als höhere instanz gestanden. Das halte ich nicht 
für wahrscheinlich. Vielleicht wurde die ygayt] nagafö^mv erst 
nach abschaffung der voiA.ecpvXüyiss eingeführt, so daß die con- 
trole , die diese behörde bis dahin gehabt , nun gewissermaßen 
jedem Athener übertragen wurde. 

Abgesehen von diesen ausstellungen kann ich mich mit des 
verf.'s ausführungen fast durchweg einverstanden erklären. Gr. 
Gilbert hat, wie ich zu meinem bedauern sehe, sich durch die- 
selbe nicht überzeugen lassen und hält an der ansieht von Boeckh 
und Strenge fest (Handbuch der griechischen staatsalterthümer I, 
150. 153 f.). Es wäre sehr zu wünschen, daß man endlich ein- 
mal aufhöre, mit geringschätzung auf die grammatiker zu blicken, 
und das prineip aufgebe, alles kurzweg als unglaubwürdig ab- 
zulehnen , was mit irgend einer vorgefaßten meinung nicht im 
einklang steht. Den richtigen weg , wie man die grammatiker- 
zeugnisse für die griechischen alterthümer verwerthen könne, hat 
F. v. Stojentin in seiner Untersuchung über Pollux vorgezeichnet. 

Leopold Colin. 



17. Aug. Mau, Pompejanische beitrage. Mit drei tafeln. 
Berlin 1879. 261 p. 8. 

Das lesen von handschriften , die altersansetzung derselben, 
ihre werthbestimmung ist durch den andauernden fleiß von hun- 
derten und aber hunderten von philologen allmählich zu einer 
kunst ausgebildet, die ihre sicheren und bestimmten regeln hat, 
so daß bei deren richtiger auwendung der fehler immer weniger 
werden. Auch auf dem felde der bildenden künste und der al- 
terthümer lichtet sich das dunkel, welches ihre geschichte umgab, 
durch zahlreiche neue funde und immer wiederholte Untersuchung 
und vergleichung mehr und mehr. Fast nirgendwo aber auf 
diesem weiten gebiete giebt es einen festeren und umfangrei- 
cheren und dabei doch von sicheren grenzen umschlossenen bo- 
den , auf dem die Untersuchung fußen kann , als in den denk- 
mälern der verschütteten städte am fuß des vesuv. 

Seit Winckelmann vor mehr als 100 jähren den ersten be- 
richt über die ausgrabnngen in Herculaneum veröffentlichte, ist 
die zahl der beschreibungen dieser merkwürdigen trümmer des 



Nr. 1. 17. Arckaeologie. 51 

alterthums in den verschiedenen kultursprachen hoch angewachsen, 
Mit weit regerem eifer aber als in früheren zeiten ist die auf- 
deckung Poinpeis angegriffen vorden , seitdem die träge bour- 
bonische wirthschaft aus Neapel verdrängt ist, und der frische 
italienische Patriotismus es als eine ehrenpflicht ansieht, jene klas- 
sischen Überreste ihrem vielhundertjährigen grabe zu entreißen. 
Die fülle neuer denkmäler hat aber zugleich eine Vertiefung der 
forschung zur folge gehabt , und unter den männern , welche 
dieser ihre wege gewiesen haben, sind neben dem verdienten 
Fiorelli, dem obersten leiter der ausgrabungen, und seinen Schü- 
lern ganz besonders Deutsche zu nennen. 

Wie aber jedes gebiet der Wissenschaft seine eignen gesetze 
hat , nach denen es zu durchforschen ist , die erst im laufe der 
forschung selbst sich schärfer und schärfer herausbilden, so auch 
dieses, und gerade nach dieser richtung hin liegen die Verdienste 
des oben genannten buches von Mau. H. Nissen hatte , zum 
theil auf grund von vorarbeiten R. Schönes in seinen „Pompe- 
janischen Studien zur städtekunde des alterthums, Leipzig 1877", 
in einem werk von fast 700 seifen nicht allein die öffentlichen 
wie die privatbauten Pompeis nach stil und bauart, nach ma- 
terial und maaßen beschrieben und klassifiziert, sondern auf 
grund dieser arbeit die bauperioden der Stadt , ihre ganze an- 
läge, die Schicksale ihrer bauten im anschluß an die geschichte 
der Stadt zu behandeln gesucht. Das werk war reich an neuem 
stoff, reich auch an neuen gesichtspunkten, nach allen seiten war 
das forschungsgebiet erweitert und tiefer erkundet. Aber es 
war in manchen beziehungen auch ein erstlingswerk, dessen auf- 
stellungen durch detailforschung noch vielfach zu sichern und 
zu modifizieren waren. Suchte Nissen häufig von scheinbar ge- 
wonnenen grundlagen aus das detail zu beherrschen und zu er- 
klären, so geht Mau den umgekehrten weg , er studiert die rei- 
hen der einzelbauten bis in ihre elemente, er verschärft die me- 
thode der forschung und kommt dabei allerdings vielfach zu 
anderen resultaten. 

Die gebäude Pompeis sind fast ausnahmslos nicht werke 
aus einem guß, geschichtliche und physische katastrophen ha- 
ben an ihnen vielfach gerüttelt, die bedürfnisse des täglichen 
lebens und die wechselnden moden baben die ursprünglichen 
formen nur zu häufig verändert , jedes haus ist voll von flick- 

4* 



52 17. Archaeologie. Nr. 1. 

werk. Da ist eine arbeit nöthig, wie bei einem mehrfach re- 
scribierten codex oder wie bei einer von zahlreichen händen durch- 
corrigierten handschrift ; es gilt nicht allein , das einzelne mög- 
lichst scharf zu beobachten , das zeitlich verschiedene' klar von 
einander zu trennen, sondern auch das an vielen orten zerstreute 
gleichartige geschickt zu combinieren, und viele mühe kostet es, 
auf so zerklüfteter grundlage ein sicheres gebäude zu errichten. 
Wer Mau's schrift durchliest (sie ist übrigens weniger zum 
lesen als zum studieren), wird den eindruck gewinnen, daß er 
wirklich meister in diesen Untersuchungen ist. Gern und willig 
erkennt er an, was von seinen Vorgängern sicher begründet ist, 
aber unerbittlich ist er auch, wo er auf grund langjähriger, ge- 
wissenhaftester forschung die im ersten entdeckungseifer von jenen 
mit zu großer Zuversicht aufgestellten behauptungen und theo- 
rien zurückzuweisen hat. Manches, was sicher zu sein schien, 
ist da wieder in's wanken gerathen, vieles aber auch in ganz 
anderem sinne gedeutet. 

Von besonderer Wichtigkeit sind die alterskriterien , welche 
Mau aus dem von ihm zuerst auf wissenschaftlicher basis be- 
gründeten nachweise der chronologischen folge der verschiedenen 
arten von wanddecoration entlehnt hat. Auch in bezug auf die 
Verwendung von netzwerk im mauerbau und von gelbem tuff, 
so wie in der Untersuchung, ob römisches oder oskisches maaß 
angewendet sei, findet sich manche abweichung von den Vor- 
gängern. Ueber den weiteren inhalt des Werkes läßt sich bei 
der übergroßen fülle des details nicht kurz berichten ; es genüge 
die angäbe der kapitel : I. allgemeines ; II. ein ältestes bauwerk 
(ein später verbauter monumentaler brunnen, erst von Mau ge- 
würdigt); III. kalksteinatrien •, IV. der Venustempel; V. die Sta- 
bianer thermen ; VI. septa ; VII. die basilica ; VIII einige der 
basilica gleichzeitige bauten ; IX. die ersten bauten der römi- 
schen colonie ; X. zur entstehungsfrage ; XI. Chronologie der 
bauten östlich vom forum. Im wesentlichen wird in diesen ka- 
piteln die zeitliche folge festgehalten. 

Grade bei den Pompejanischen Untersuchungen gilt in her- 
vorragender weise das Sprichwort : dies diem docet. Auch Mau's 
ansichten werden nicht überall die endgültigen bleiben , ist er 
doch selbst bescheiden genug , sie nicht alle für sicher auszu- 
geben. Neue funde werden neue thatsachen bringen, die eine 



Nr. 1. 18. Archaeologie. 53 

ansieht bestätigen, die andere beseitigen. Möge aber der Pom- 
pej aniseben forschung noeb lange die eebt wissenschaftliche, durch 
und durch •wahrheitsuchende kraft erhalten bleiben , der wir 
das obige werk verdanken. D. 

18. Die entwicklung des naturgefühls bei den Griechen. 
Von Alfred Biese, dr. phil. Kiel, Lipsius und Tischer 1882. 8. 

Wenn heute allgemein zugegeben wird , daß erst in der 
zeit nach Alexander dem großen die beziehungen der alten 
Griechen zur landschaftlichen natur bewußter, absichtlicher und 
rhetorischer geworden, so darf man die ängstliche fürsorge, mit 
welcher schon an zwei dutzend deutsche gelehrte in unserem 
Jahrhundert das naturgefühl der Griechen untersucht haben, wohl 
als einen zug alexandrinischer Überbildung , die auch uns ei- 
gen ist, bezeichnen. Aber sei dem, wie ihm wolle-, daß wir 
uns für die frage interessiren , ist eine thatsache ; und daß sie 
gegenwärtig von allen berufenen so ziemlich im gleichen sinne 
beantwortet wird , ist eine erfreuliche thatsache. Durch die zu 
allgemein gehaltene Untersuchung von H. Motz „über die em- 
pfindung der naturschönheit bei den alten" (Leipzig 1865) war 
es notbwendig geworden, die entwicklungsstufen der griechischen 
naturempfindung in den verschiedenen kulturepochen des helle- 
nischen lebens nochmals zu prüfen. Ziemlich gleichzeitig hatten 
Heß (Beiträge zur Untersuchung über das naturgefühl im klas- 
sischen alterthum, Rendsburg 1871) und der Schreiber dieser 
Zeilen (Ueber den landschaftlichen natursinn der Griechen und 
Römer, München 1871) sich dieser aufgäbe unterzogen. Dann 
gab W. Röscher (Das tiefe naturgefühl der Griechen und Römer, 
in seiner historischen entwicklung, Meißen 1875) ein kurzes, hüb- 
sches resume der frage ; und jetzt beginnt A. Biese in dem oben- 
genannten buche , wie es scheint , eine reihe von abhandlungen, 
in denen er den gegenständ bis auf unsere zeit herab verfolgen 
will. Methodisch durchgeführt, wäre das ein interessantes un- 
ternehmen ; und die vorliegende schritt Biese's berechtigt zu der 
erwartung , daß er es mit einsieht und geschmack zu ende füh- 
ren würde. Zu wesentlich anderen resultaten, als der Schreiber 
dieser zeilen in seiner erwähnten schrift und in seinem buche 
über „die landschaft in der kunst der alten Völker", ist Biese 
freilich nicht gekommen. Er hebt jedoch hervor, daß er diesen 



54 18. Archaeologie. Nr. 1. 

Schriften, obgleich seine arbeit schon im grundriß eher entworfen 
war, als er auf sie aufmerksam geworden, viel anregung ver- 
danke. Biese ist also selbständig zu denselben oder ähnlichen 
resultaten gekommen ; und das ist im interesse der Sicherung 
dieser resultate natürlich nur mit genugthuung zu begrüßen. 
Uebrigens ging ich in meinen Schriften über die frage von 
besonderen, kunsthistorischen gesichtspunkten aus ; und auch aus 
diesem gründe war eine neue behandlung der frage in bezug 
auf das allgemeine empfindungsieben nicht überflüssig. Biese hat 
sich mit großem fleiße in die Schriftsteller vertieft, deren natur- 
gefühl er untersucht; er hat im einzelnen manche neue, interes- 
sante stelle an's licht gezogen ; und er hat das ganze klar und 
anschaulich in anziehender darstellungsweise abgerundet. Ob 
er aber recht hat mit seiner meinung , daß seine schrift nicht 
nur von den fachgelehrten, sondern auch von allen gelesen wer- 
den werde „die noch sinn für poesie in unserer prosaischen zeit 
sich bewahrt haben", das dürfte, wenngleich er in der regel die 
deutschen Übersetzungen vor den griechischen originalstellen ci- 
tirt , doch fraglich sein. Dazu stehn doch wohl noch zu viele 
griechische buchstaben und zu viele nackte citate darin. Daß 
Biese im einzelnen gegen den Verfasser dieses artikels , dem er 
im allgemeinen zustimmt, polemisirt, liegt in der natur derarti- 
ger wissenschaftlicher Untersuchungen ; und in manchen fällen 
kann referent Biese's belehrungen nur mit dank acceptiren : so 
wenn er ihn auf die stelle der Ilias (IX, 4) aufmerksam macht, 
in welcher direkt geistiges mit natürlichem parallelisirt wird ; 
so , wenn er hervorhebt , daß Homer , wenn er seine helden in 
trüben Stimmungen an's meer schickt, dies doch nicht nur zufällig 
thut, weil der meeresstrand nun einmal das lokal der handlung 
ist, sondern, wenn auch instinktmäßig und unreflektirt, doch, um 
das lokal der Stimmung seiner helden anzupassen. In anderen 
fällen muß referent dagegen seine eigenen auffassungen aufrecht 
erhalten oder kann er sich doch wenigstens die Biese'schen nicht 
aneignen: so muß er dabei bleiben, daß das „/JiSvxe psv <x rrg- 
Xäva aui nitfiadsg , (itaai de vvxteg , nagu ö' ?()^£r' cpQa ; ' der 
Sappho zunächst nur als Zeitbestimmung gemeint sei, wenngleich 
sich aus dieser melodisch vorgetragenen Zeitbestimmung von selbst 
die poetische mitternachtsstimmung ergiebt ; gerade die Übersetzung, 
welche Biese giebt : „schon sank zu des meeres gründe der mond. 



Nr. 1. 18. Bibliographie. 55 

Der sterne schein verblaßt und stunde auf stunde verrinnt" legt 
wieder eine fülle landschaftlicher anschaulichkeit in die Zeitbe- 
stimmungen , von der der griechische text offenbar nichts weiß ; 
und ebenso kann unmöglich zugegeben werden, daß die p. 52 
citirte stelle eines chorliedes aus Euripides' Hippolytos (v. 732 ff.) 
„die wonne des freien dahinschwebens über länder und meere 
d. h. also die Stimmung eines reinen , von nebenmotiven geläu- 
terten naturgefühls , das die beflügelung um ihrer selbst willen 
sich wünscht" ausspricht. So aufgefaßt wäre das chorlied im 
Zusammenhang absolut unverständlich. Phädra ist mit den furcht- 
barsten drohungen fortgegangen. Der chor ist darüber so er- 
schreckt, daß er sich flügel wünscht, um möglichst rasch mög- 
lichst weit zu entfliehen. Es scheint dem referenten unmöglich, 
daß Biese, wenn er das stück nochmals im zusammenhange liest, 
seinen Widerspruch gegen diese auffassung aufrecht erhalten 
sollte. Jedenfalls betreffen diese meinungsverschiedenheiten nur 
einzelne punkte. Die erkenntniß, daß das naturgefühl der Cfrie- 
chen sich stufenweise von der mythologisch-anthropomorphischen 
zur dekorativ-landschaftlichen auffassung entwickelt hat, und daß 
die erstere , zugleich die nationalere , die tiefere und innigere 
war, obgleich erst die letztere, welche in der hellenistischen zeit 
um sich griff, zu einer wirklichen, wenn auch nur dekorativen 
landschaftsmalerei führte, darf nicht wieder preisgegeben werden; 
und wenn Biese's schrift die entwicklung in diesem sinne auch 
vielleicht nicht scharf genug formulirt, so steht doch auch sie 
durchaus auf dem boden dieser erkenntniß. Wir werden ihren 
fortsetzungen mit vergnügen entgegen sehen. K. Woerrnann. 



Bibliographie. 

Die akademische buchhandlung von G. Koester, Heidelberg, 
wird zum 1. febr. 1883 ausgeben: Exempla scripturae Visigothi- 
cae XL tabulis expressa liberalitate ministerii cjuod regni Borussici 
rebus ecclesiasticis scholasticis medicinalibus praeest, adiuti eclide- 
runt Paulus Ewald et Gustavus Loev-e. Tabulas photographicas 
arte Antonii Selfa Escorialensis maximam partem confectas pho- 
totypi descripserunt A. Naumann et Schroeder Lipsienses. 
Heidelbergae A. 1883. Apud Gustavum Koester. Bis zum 1. 
febr. 1883 wird ein Subscriptionspreis von 20 mark statthaben, 
dann tritt der ladenpreis von 50 mark ein. 

Die publication ist besonders darum wichtig und werthvoll, 
weil sie zum ersten male in größerem maaßstabe und treuer 



56 Bibliographie. Nr. 1. 

wiedergäbe proben der wenig bekannten westgothischen cursive 
giebt. Vier tafeln sind allein aus dem berühmten codex Ovetensis 
ihretwegen gegeben. Hervorzuheben sind ferner die proben aus dem 
codex Escorialensis des S. Augustinus de baptismo (tafeln 1 ff.), der 
heute in Spanien als das autographon des heiligen gilt und da- 
her als reliquie verehrt wird. Auf tafel XXXI findet sich ara- 
bische schrift, eine probe der arabischen Übersetzung der spani- 
schen canonensammlung , hier reproducirt wegen der westgothi- 
schen cursive auf den rändern der handschrift. Tafel XXXVIII 
bezeichnet den Übergang zur fränkischen minuskel, die auf den 
beiden letzten tafeln vertreten ist, während hier noch westgothische 
minuskel mit der fränkischen untermischt erscheint. — Das ganze 
giebt einen überblick über die entwicklung der westgothischen 
schrift vom 7.— 12. Jahrhundert; 17 tafeln sind fest datirt. 

Paul Neff, Stuttgart, versendet eine subscriptionseinladung 
auf die 4. aufläge von Lübke's und v. Lützows denkmäler der 
kunst, die in 30 lieferungen zu 1 mk. erscheinen sollen. 

Wilh. Herta, (Bessersche buchhandlung) Berlin versendet ei- 
nen prospect über Leopold Schmidfs ethik der alten Griechen. 
2 bde. 15 mk. 

Schnakenburg' 's verlag in Riga beginnt die publikation einer 
Serie „Vorträge für die gebildete weit" hrsg. von Aug. und Paul 
Hagemann, z. b. über „Geschichte der griechischen tragödie — 
die Antigone des Sophokles" u. s. w. 

Le Monnier's nachfolger (N. Nobili) in Florenz treten mit 
dem deutschen buchhandel in direkten verkehr und übertragen 
K. F. Koehler in Leipzig ihre commission. Sie versenden den 
verlagskatalog ihrer werke für die jähre 1843 — 1882 auf die 
wir unsere leser besonders aufmerksam machen wegen der Pübbli- 
cazioni del r. Istituto di studi superiori in Firenze mit einer 
reihe vortrefflicher philologischer arbeiten ; ferner beachte man die 
werke über classische litteratur und kunstgeschichte. 

Kataloge der antiquare: C. Steyer, Stuttgart, no. VIII Grie- 
chische autoren. 

F. A. Brockhaus, mittheilungen 1882, no. 3 kündigt an Ed. 
Sachau's Schilderung seiner Studienreise nach Kleinasien und 
Mesopotamien. 

B. G. Teubner 1882, mittheilungen no. 5 kündigt an: Nektar 
und Ambrosia, dritte Vorarbeit zu einem lexikon der griechischen 
und römischen mythologie von Wilhem H. Röscher, gr. 8. — 
Geschichte und System der römischen Staatsverfassung. Von E. 
Herzog. Erster band. Die Staatsverfassung der königszeit und 
der republik, gr. 8. — Herodiani ab excessu divi Marci libri 
octo, edidit Ludovicus Mendelssohn, gr. 8. — C. Cornelii Taciti 
libri qui supersunt. Quartum recognovit Carolus Halm. 2 tomi. 
8. — P. Papinii Statu Thebais. Recensuit Philippus Kohlmann. 



Nr. 1. Bibliographie. 57 

[Vol. II Fase. 2 der gesammtausgabe des Statius nebst scholien . 
für die Bibliotheca Teubneriana.] 8. — Annae Comnenae Alexias. 
Ex recensione Augusti Reiff erscheid. 2 voll. 8. 

Verzeichniß der wichtigeren Publikationen auf dem gebiete der alter- 
thumswissenschaft. 1883. I. 

1. ' Aq kstot ekovg ntyl nonjnxtjs. Aristoteles über die dichtkunst 
Nach der ältesten handschrift hrsg., ins deutsche übersetzt, mit kriti- 
schen anmerkungen und einem exegetischen commentar versehen von 
Frdr. Brandscheid. Wiesbaden, Rodrian 1882. 8. IX, 163 p. 3 mk. 60 pf. 

2. Blümner, H., Laokoonstudien. 2. lieft. Ueber den fruchtba- 
ren moment und das transitorische in den bildenden künsten. Frei- 
burg i. Breisg., Mohr 1882. 8. VI, 99 p. 3 mk. 

3. Boetticher, Adolf, die neuesten ausgrabungen der griechischen 
archaeologischen gesellschaft. Breslau, Schottländer 1882. 8. 16 p. 
(Deutsche bücherei heft 13). 

4. Brandt, Sam., Eumenius von Augustodunum und die ihm zu- 
geschriebenen reden. Ein beitrag zur geschichte der römischen litte- 
ratur in Gallien. Freiburg i. Br., Mohr 1882. 8. 46 p. 2 mk. 

5. Burckhardt, Theodor, über das römische theater in Äugst (Au- 
gusta Raurica). — Burckhardt , Achilles, über den Unterricht in der 
geschichte am schweizerischen gymnasium. Aarau, Sauerländer 1882. 

6. Caesaris , C. Iulii, belli Gallici libri VII. Accessit A. Hirti 
über VIII. Rec. Alfr. Holder. Freiburg i. Br., Mohr 1882. 8. VII, 
396 p. 15 mk. 

7 — — , commentarii de bello Gallico. Für den schulgebrauch 
erklärt von dr. Alb. Doherenz. Mit einer karte , einer einleitung , ei- 
nem geographischen und grammatischen register. 8. auü. besorgt von 
G. B. Dinier. Leipzig, Teubner 1882. 8. XIV, 386 p. 2mk. 25 pf. 

8. Christ, W;, die Attikusausgabe des Demosthenes, ein beitrag 
zur textesgeschichte des autors. Mit 1 tafel. München, Franz in comm. 
1882. 4. 82 p. (Aus abhandlungen der bayer. akad. der wiss.). 

9. Ciceronis , M. Tullii , de offieiis libri III. Für den schulge- 
brauch erklärt von C. F. W. Müller. Leipzig , Teubner 1882. XVI, 
215 p. 

10. — — , orationes selectae XIV. Ed. XXI emendatior, quam 
post editiones Ernestii Seyfferti Ecksteinii curavit O. Heine. Pars I. 
Pro S. Roscio Amerino. Pro lege Manilia. Halle, Waisenhaus 1882. 
8. VIII, 66 p. 60 pf. 

11. — — , de oratore libri tres. Erklärt von Q. Sorof. Bd. I, 
buch I, 2. aufl. Berlin, Weidmann 1882. 8. VIII, 202 p. 1 mk. 80 pf. 

12. Cicero's rede f. Sex. Roscius aus Arneria. Für den schulge- 
brauch erklärt von dr. G. Landgraf. Gotha, Perthes 1882. 8. IV, 
104 p. 1 mk. 

13. Dieterici , Fr., die sogenannte theologie des Aristoteles aus 
arabischen handschriften zum ersten mal hrsg. Leipzig, Hinrichs 1882. 
8. XII, 184 p. 6 mk. 

14. Dütschke, Hans, antike bildwerke in Oberitalien beschrieben. 
V.: antike bildwerke in Vicenza, Venedig, Catajo , Modena, Parma 
und Mailand. Mit einem generalregister über alle 5 theile. Mit Un- 
terstützung der centraldirection des k. deutschen archäologischen in- 
stituts. Leipzig, Engelmann 1882. 8. VIII, 460 p. 11 mk. 

15. jEuler, Carl, de locatione conduetione atque emphyteusi Grae- 
corum. Diss. Lips. Gießen, Ricker 1882. 8. 45 p. 80 pf. 



58 Bibliographie. Nr. 1. 

16. Günther, Siegm., die quadratischen Irrationalitäten der alten 
und deren entwicklungsuiethoden. Mit 1 (lith.) tafel. (134 p.) In 
abhandlungen zur geschichte der mathematik heft 4. Leipzig, Teub- 
ner 1882. 8. 

17. Guggenheim, Mor., die bedeutung der folterung im attischen 
processe. Diss. Turicens. Leipzig, Simmel 1882. 8. 73 p. 1 mk. 60 pf. 

18. Haider, Edm., Terentiana. Quaestiones cum specimine lexici. 
Wien, Holder 1882. 8. 47 p. 1 mk. 40 pf. 

19. Herodotos erklärt von Heinr. Stein. 5. bd. Buch VIII und 
IX. Namenverzeichniß mit 2 lith. karten von H. Kiepert. 4. verb. 
aufl. Berlin, Weidmann 1882. 8. 260 p. 2 mk. 25 pf. 

20. Horatius Flaccus , des Q. , sämmtliche werke für den schul- 
gebrauch erklärt. I. theil : öden und epoden. Erkl. von C. W. Nauek. 
11. aufl. Leipzig 1882. 8. VIII, 271 p. 2 mk. 25 pf. 

21. Koch, Ernst, griechische schulgraramatik auf grund der er- 
gebnisse der vergleich. Sprachforschung bearb. 9. aufl. Leipzig, Teub- 
ner 1882. 8. XVI, 400 p. 2 mk. 80 pf. 

22. Lachmann, Carl, in T. Lucretii Cari de rerum natura libros 
commentarius quartum editus. Berlin, G. Reimer 1882. 8. 439 p. 7 mk. 

23. — — , Index copiosus confec. Franc. Härder. Berlin, Gr. Rei- 
mer 1882. 8. 62 p. 1 mk. 

24. Lichtenheld , Ad., das studium der sprachen, besonders der 
classischen und die intellektuelle bildung. Auf sprachphilos. grund- 
lage dargestellt. Wien, Holder 1882. XVI, 259 p. 8. 

25. Livii, Titi, ab urbe condita ex rec. Andreae Frigellii. Vol. II, 
fasc. 1, libr. XXI continens. Gotha, Perthes 1882. 8. 53 p. 40 pf. 

26. — — , — liber XXI. Für den schulgebrauch erklärt von 
Franz Luterbacher. Gotha, Perthes 1882. 8. III, 148 p. lmk.20pf. 

27. — — ab urbe condita. Recogn. H. J. Müller. Pars IV, 
libr. XXI. XXII continens. Berlin, Weidmann 1882. 8. XII, 92 p. 75 pf. 

28. Lübke, Wilh., grundriß der kunstgeschichte. 9. durchgesehene 
aufl. 2 theile in 1. bd. Mit 61 holzschnittillustrationen und dem por- 
trät des Verfassers. Stuttgart , Ebner und Seubert 1882. 8. XVII, 
390, VIII, 447 p. 14 mk. 40 pf. 

29. Marquardt, Joach. u. Theod. Mommsen, handbuch der römi- 
schen alterthümer. 7. bd. Theil 2. Das privatleben der Römer von 
Joach. Marquardt. 2. theil. Mit 33 holzschn. (XII, 373—858). Leip- 
zig, Hirzel 1882. 8. 10 mk. 

30. Müller, Franc, de Claudio Rutilio Namatiano stoico. (Solt- 
quellae, progr.). Leipzig, Teubner 1882. 4. 80 pf. 

31. Müller, Karl Otfr., geschichte der griechischen litteratur bis 
auf das Zeitalter Alexanders. Nach der handschrift des verf. hrsg. v. 
Fd. Müller. 4. aufl. Mit anmerkungen und Zusätzen bearb. v. prof. 
Emil Heitz. 1. 2. bd. 1. hälfte. Stuttgart, Heitz 1882. 8. XVI, 
636, VI, 212 p. 12 mk. 

32. Peter, Carl, Zeittafeln der römischen geschichte zum hand- 
gebrauch und als grundlage des Vortrags in höheren gymnasialklassen 
mit fortlaufenden belegen und auszügen aus den quellen. 6. verb. 
aufl. Halle, Waisenhaus 1882. 8. IV, 142 p. 3 mk. 60 pf. 

33. Plinii Secundi. C, naturalis historia. D. Detlefsen rec. Vol. 
VI. Index I, deorum et hominum. Index II, locorum. Berlin, Weid- 
mann 1882. 8. XXX, 307 p. 4 mk. 

34. Poelae Latini minores. Rec. et emendavit Aemilius Baeh- 
rens. Vol. IV. Leipzig, Teubner 1882. 8. 446 p. 4 mk. 20 pf. 

35. Porphyr ii quaestionum Homericarum ad Diadem pertinentium 
reliquias collegit disposuit edidit Herrn. Schrader. Fasc. II. Leipzig, 
Teubner 1882. 8. p. 181-496. 10 mk. 



Nr. 1. Bibliographie. 59 

36. Saalfeld, G. A. , Italograeca. Kulturgeschichtliche studien 
auf sprachwissenschaftlicher grundlage. 2. lieft: handel und wandel 
der Römer im lichte der griechischen beeinflussung betrachtet. Han- 
nover, Hahn 1882. 8. 78 p. 2 mk. 40 p. 

37. Sallustii Crispi, de Catilinae coniuratione über. Für den 
schulgebrauch erklärt von dir. J. H. Schmalz. Gotha, Perthes 1882. 
8. IV, 88 p. 1 mk. 

38. Schröder, Willi. , de Columella Vergilii imitatore. Jena, 
Deistung 1882. 8. 40 p. 80 pf. 

39. Sorani , Gynaeciorum vetus translatio latina nunc primum 
edita cum additis Graeci textus reliquiis a Dietzio repertis atque ad 
ipsum codicem Parisiensem nunc recognitis a Valentino Rose, 2. tabb. 
Leipzig, Teubner 1882. 8. XX, 423 p. 4 mk. 80 pf. 

40. Testamentum novum graece. Rec. inque usum academicum 
omni modo instruxit Const. de Tischendorf. Editio academica XIII 
ad ed. VIII criticam maiorem conformata. Cum tabula duplici terrae 
sanctae. Leipzig, Mendelssohn 1883. 8. LXXII, 393 p. 2 mk. 

41. Troebst, W., quaestiones Hyperideae et Dinarcheae. 2 partes. 
Hameln 1881. Berlin 1882, (Mayer und Müller). 4. 2 mk. 40 pf. 

42. Virchoio, Rud., Alttrojanische graeber und schädel. Mit 13 
tafeln. Berlin, üümmler 1882. 4. 152 p. (Aus abhandl. der Berliner 
akad. der wiss.). 12 mk. 20 pf. 

43. Wessely, Carolus, prolegomena ad papyrorum Graecorum no- 
vam collectionem edendam. Insunt disquisitiones palaeographicae an- 
tiquariae diplomaticae metrologicae chronologicae interpretationesque 
nonnullorum papyrorum. Wien, Gerold's söhn 1882. 8. V, 80 p. 
1 tafel. 3 mk. 

44. Xenophons Hellenika für den schulgebrauch erkl. von H. 
Zurborg. 1. bdch. Buch I und II. Gotha, Perthes 1882. 8. VI, 
g6 p. 1 mk. 

45. Zimmer, Frdr., concordantiae supplementariae omnium vocum 
novi testamenti graeci et classibus secundum terminationes distribu- 
tarum et derivatarum cum nativis verbis collocatarum compositae. 
Gotha, Perthes 1882. 8. VII, 76 p. 3 mk. 

Niederlande. 

46. Herwerden, Henricus van, Lectiones Rheno-Trajectinae. Lug- 
duni Batav. Brill 1882. 8. 4, 128 p. 1 fl. 

47. Mieville, A. de, Antoninus. Episode uit den Romeijnschen 
keizertijd. Leeuwarden. Wester 1882. 8. 108 p. 1,40 fl. 

48. Minucii Felicis Octavius rec. ./. J. Cornelissen. Lugduni Bat. 
Brill 1882. 8. XX, 74 p. 0,90 fl. 

49. Polak, H. J., Parerga. — Delinotte , L. P., etymologie et 
neographie. Roterodami , Kramers 1882. 8. 4, 63 p. 0,50 fl. ' \ (Eras- 
miani Gymnasii Programma litterarium). 

England. 

50. Ciceronis, M. Tullii, pro P. Cornelio Sulla oratio ad iudices. 
Edited for schools and Colleges by James S. Tteid. Cambridge,' 7 Uni- 
versity 1882. 12. 182 p. 3,6 sh. 

51. Davidson, T. , the Parthenon frieze and other essays. 'Lon- 
don, Paul, Trench u. co. 1882. 8. 232 p. 6 sh. 

52. Emerson, G. R., W. E. Gladstone a political and' literary bio- 
graphy. New ed. London, Ward und Lock 1882. 8. 320 p. 1 sh. 

53. Lysiae orationes XVI with analysis notes appendices and in- 
dices by Evelyn S. Schuckburgh. London, Macmillan 1882. 12. 
418 p. 6 sh. 



60 Bibliographie. Nr. 1. 

54. Michaelis, Adolf, Ancient marbles in Great-Britain, translated 
f'rom the Gernian by C. A. M. Fennell. Cambridge, university 1882. 
8. 854 p. 42 sh. 

55. Monro, D. B. , a grammar of the Homeric dialect. London, 
Frowde 1882. 8. 360 p. 10 sh. 6 d. 

56. Revisers , the, and the greek text of the new testament by 
two niembers of the new testament Company (Charles John JEUicott 
and Edwin Palmer). London, Macmillan 1882. 8. 80 p. 2,6 sh. 

57. Smith, J. Moyr, Ancient greek female costume illustrated 
by 112 plates and numerous smaller illustrations with explanatory 
letterpress and descriptive passages from the works of Homer, Hesiod, 
Herodotus, Aeschylus, Euripides, Aristophanes, Theocritus, Xenophon 
and other greek authors. London, Low 1882. 16. 270 p. 6 sh. 6 d. 

58. Wharton , Edward Ross , Etyma Graeca: An etymological 
lexicon of classical Greek. London , Rivingtons 1882. 8. 178 p. 
7 sh. 6 d. 

59. Wood, C. F. B., notes designed to illustrate some words and 
expressions in the greek testament by a reference tho the Septuagint 
and the Hebrew Scriptures. With a few words of preface suggested 
for the most part by a perusal of the revised version. London, Ri- 
vingtons 1882. 8. 28 p. 1 sh. 

Vereinigte Staaten von Nordamerika. 

60. Clarke, J. T. , Report on the investigations at Assos 1881. 
With an appendix containing inscriptions from Assos and Lesbos and 
papers by W. C. Lawton and J. S. Diller. With plates and illustra- 
tions. Boston 1882. 8. VIII, 215 p. 21 sh. 

Frankreich. 

61. Aristophane, Theätre d'. Traduction francaise d' Andre Char- 
les Brotier revue et corrigee precedee d'une introduction et augmentee 
d'une notice sur chaque piece par Louis Humbert. T. I. Paris, Gar- 
nier 1882. 18. 447 p. 

62. Aube, B., Polyeucte dans l'histoire, etude sur le martyre de 
Polyeucte d'apres des documents inedits. Paris, Firmin -Didot 1882. 
8. II, 121 p. 

63. Breal, Michel, Etymologies latines. Paris 1882. 8. 12 p. 
(Extrait des Memoires de la societe de linguist. t. V, fasc. 1). 

64. Catulle, Poesies de C. V., Traduction nouvelle par A. E. 
Billault de Gerainville. Premiere partie. Notice texte latin et tra- 
duction. Paris 1882. 18. 418 p. 

65. Couat, Auguste, la poesie alexandrine sous les trois Ptole- 
me'es (324—222 avant J. C). Paris, Hachette 1882. 8. XIII, 525 p. 

66. Curtius Rufus, Q., historiarum Alexandri Magni Macedonis 
libri superstites. Texte latin publie avec une notice sur la vie 
et les ouvrages de Quinte-Curce des notes explicatives des remarques 
grammaticales un dictionnaire des noms propres historiques et geo- 
graphiques une carte et des illustrations d'apres les monuments par 
8. Dosson. Paris, Hachette 1882. 16. XVI, 516 p. 2 fr. 25 c. 

67. — — , de rebus gestis Alexandri Magni libri qui supersunt 
etc. Nouvelle edition revue sur les meilleurs textes renfermant des 
notes grammaticales historiques geographiques et litteraires en fran- 
cais suivie d'un dictionnaire de geographie comparee par A. Aderer. 
Paris, Belin 1882. 12. X, 394 p. 

68. Demosthene et d'JEschine, Chefs d'oeuvre de, traduits sur le 



Nr. 1. Bibliographie. 61 

texte des nieilleures editions critiques par J. F. Stievenart. 10 ed. 
Paris, Charpentier 1882. 18. XVIII, 483 p. 3 fr. 50 c. (Bibliothe- 
que Charpentier). 

69. Dumuys , Leon , Puits funeraires de Genabuni ; fouilles des 
rues de la Bretonnerie et des Huguenots (mars-avril 1880). Orleans, 
Herluison 1882. 8. 52 p. 2 planches. (Extr. des Aternoires de la 
socie'te archeolog. et historique de l'Orleanais). 

70. Dupuis, F., le nombre geoinetrique de Piaton; seconde Inter- 
pretation. Paris, Hachette 1882. 8. 32 p. 1 fr. 

71. Edon, Georges, Etudes paleographiques. Restitution et nou- 
velle interpre'tation du cbant dit des freres Arvales. Extrait de l'ou- 
vrage intitu'.e ecriture et prononciation du latin savant et du latin 
populaire. Paris, Belin 1882. 8. 40 p. 

72. Horatii Flacci, Q., opera. Nouvelle edition d'apres le texte 
et le commentaire d'Orelli et de Dillenburger (1854) renfermant des 
arguments analytiques et historiques des notes grainmaticales etc. en 
francais par Ch. Aubertin. Paris, Belin 1882. 12. XIX, 400 p. 

73. Lauriere , Jules de, une inscription chretienne ä Auch suivie 
de: Une bague antique trouvee a Carhaix. Tours 1882. 8. 8 p. (Ex- 
trait du Bulletin monumental). 

74. Livii, T. , ab urbe condita libri XXI et XXII. Texte latin 
publie avec une notice sur la vie et les ouvrages de Tite-Live des 
notes critiques et explicatives des remarques sur la langue un index 
des noms propres historiques et geograpbiques des antiquites , deux 
cartes et des illustrations d'apres les monuments par O. Riemann et 
E. Benoist. Paris, Hachette 1882. 16. XXIV, 379 p. 2 fr. 25 c. 

75. Tite-Live, Livre 21 et 22. Nouvelle edition d'apres les tra- 
vaux les plus recents avec notice sommaires et notes historiques lit- 
teraires et philologiques par AI. Harant. Paris, Belin 1882. 8. 167 p. 

76. Martin, Albert, Les scolies du manuscrit d'Aristophane ä 
Piavenne; e'tude et collation. Paris, Thorin 1882. 8. XXVII, 231 p. 
(Bibliotheque des ecoles francaises d'Athenes et de Rome fascicule 27). 

77. Milliet, Et., Notices sur les ruines antiques du temple d'Izer- 
noire en Bugey. Bourg, Martin et Paris, Detaille 1882. 8. 17 p. 

78. Nicaise , Auguste , l'archeologie devant l'histoire et l'art. 
Tours 1882. 8. 16 p. 

79. Omont, H. , notes de paleographie grecque ä propos d'un 
livre recent de M. Gardthausen. Nogent le Rotrou 1882. 8. 9 p. 
(Extr. de la Bibliotheque de l'ecole des chartes). 

80. Phaedri Augusti liberti fabularum libri quinque texte latin 
publie avec une notice sur Phedre des notes en francais et les imita- 
tions de La Fontaine et de Florian par E. Tulbert. Paris, Hachette 
1882. 16. IV, 140 p. 80 c. 

81. Pierron, Alexis, Histoire de litte'rature grecque. 11 edition 
augmente'e d'un appendice bibliographique. Paris , Hachette 1882. 
18. VIII, 656 p. 4 frcs. 

82. Piaute, theätre de. Traduction nouvelle accompagne'e de 
notes par J. Kaudet. Nouvelle edition revue et corrigee. Tome I. 
Paris, Garnier 1882. 18. 325 p. 3,50 fr. (Bibliotheque latine- 
francaise). 

83. Pline le jenne , lettres choisies de , d'apres le texte de H. 
Keil avec des notes historiques et philologiques et une e'tude preli- 
minaire par Ch. Lebaigxie. Paris, Belin 1882. 12. XXIVII, 176 p. 

84. Regnaud, P., les antecedents indo-europeens de l'instrumen- 
tal (datif) pluriel grec. Lyon 1882. 4. 7 p. 



62 Bibliographie. Nr. 1. 

85 — — , note sur la formation des parfaits simples sans redoub- 
lement du latin. Lyon 1882. 4. 7 p. (Extraits des Annales du 
Musee Guimet). 

86. Remilly, Antiquites gauloises. L'Oppidum de Bibracte (Sou- 
venir du Morvan). Versailles, Lebon 1882. 8. 24 p. 

87. Seneque de vita beata. Texte latin d'apres l'edition de Koch 
precedee d'une notice sur la vie de Seneque avec un resume analy- 
tique de l'ouvrage accompagne de notes litteraires et philosophiques 
et suivi d'un appendice par E. Mailiet.. Paris, Belin 1882. 12. 
XLIV, 56 p. 

88. Serre, le contre-amiral, la triere athenienne. Paris 1882. 4. 
38 p. 2 pl. (Extr. des Memoires präsentes par divers savants ä l'aca- 
demie des sciences de l'Institut de France t. 28). 

89. Taine, H., Essai sur Tite Live. 4 ed. Paris, Hachette 1882. 
18. VIII, 368 p. 3 fr. 50 c. 

90. Thurot , Charles et Emile Chatelain, prosodie latine. Suivie 
d'un appendice sur la prosodie grecque. Paris, Hachette 1882. 12. 
IV, 144 p. 1 fr. 25 c. 

91. Virgile oeuvres completes de, traduites en francais par Th. 
Cabaret-Dupaty. Paris, Hachette 1882. 18. IV, 400 p. 3 fr. 50 c. 

92. Weit, Henri, les theatres d'autornates en Grece au Ile siecle 
avant l'ere chretienne d'apres les Aviofiuxonouxu d'Heron d'Alex- 
andrie par Victor Pron. Paris 1882. 4. 8 p. (Extrait du Journal 
des Savants 1882 juillet). 

Italien. 

93. Biuso , Carlo, de Terentio Varrone Romanorum eruditorum 
auctore praecipuo excursus historicus. Firenze , Loescher 1882. 8. 
0,80 L. 

94. — — , Varroniana nonnulla ex antiquitatibus derivantia quae 
in Macrobii Saturnaliorum libris inveniuntur prolegomenon de Ma- 
crobio. Firenze, Loescher 1882. 8. 62 p. 2,50 lire. 

95. Bresciani, Antonio, la reppublica romana. Milano, Muggiani 
1882. 32. 3 vol. 1,50 lire. 

96. Ceci , Luigi, Scritti glottologici fasc. 1. le voci greche «*V, 
viv\ il latino amentum. Firenze, Le Monmer 1882. 8. 40p. 2 lire. 

97. Cima , Antonio , Principii della stilistica latina. Milano, 
Briola 1881. 16. XXIII, 156 p. 2,50 lire. 

98. Comparelti, Domenico, due epigrafi greche alcaiche illustrate. 
Torino , Loescher 1882. 8. 17 p. 2 lire. (Dalla Rivista di filologia 
XI, fasc. 1/2). 

99. Dagna, Massimo, sopra la morale epicurea di Q. Orazio Flacco. 
Maddaloni 1882. 8. 169 p. 

100. Gladstone, W. E. , Omero. Traduzione di R. Palumbo e C. 
Fiorilli. Milano, Hoepli 1882. 16. VII, 196 p. 

101. Gubernatis, Angelo, storia universale della letteratura. Vo- 
lume I. Storia del teatro drammatico. Milano , Hoepli 1882. 16. 
598 p. 4 lire. Vol. II in due parti. Florilegio drammatico. Teatro 
Orientale antico e moderno. Milano, Hoepli 1882. 16. 775 p. 8 lire. 

102. Heibig, Wolfgang, sopra alcuni bronzi trovati a Cuma ed 
a Capua. Roma 1880. 8. 12 p. 4 tavv. (Dagli Annali del Instit. 
di Corrisp. archeolog.). 

103. Michelangeli, Aloysii Alexandri, ad Anacreontis quae fe- 
runtur 2vfinociaxa fj/unx/ußicc emendationes. Bononiae apud Zani- 
chellum 1882. 8. 1 lire. 



Nr. 1. Bibliographie. 63 

104. Rotta, Paolo, sulle sette antiche basiliche stazionali di Mi- 
lano. — Sant 1 Ambrogio (seconda basilica.) Cenni storici ed illustra- 
tivi, Milano 1881. 8. 74 p. 

105. Suetonio Tranquillo, C, le vite di dodici cesari volgarizzate 
da Giuseppe Rigutini col testo a fronte. Firenze , Sansoni 1882. 16. 
XXII, 633 p. 5 lire. 

106. Vannucci, Atto, Proverbi latini illustrati vol. Udo. Milano, 
Brigola 1882. 8. 295 p. 6 lire. 

107. Zambaldi, Francesco, Metrica greca e latina. Torino, Loe- 
scher 1882. 8. XV, 679 p. 12,50 lire. 

Spanien. 

108. Ferreiroa, Urbano, la trasformaciön de la Roma pagana 
estudiada en la Roma actual. Madrid , Aguado 1882. 4. 530 p. 
28 reales. 

109. Gonzalez- Garbin, A., Lecciones bistorico-criticas de la litte- 
ratura cläsica-latina para uso de los alumnos que cursan esta asigna- 
tura en la faculdäd de filosofia y letras y en la de derecho. Granada 
Jose Lopez Guevara. Madrid , Perdiguero 1882. 4. 483 p. 54 real. 

110. Nepos, Cornelius, vitae excellentium imperatorum. Novisima 
edicion revista y cotejada con los mejores textos e ilustrada con notas 
en espanol etc. por Don Juan B. Guim. Paris, Bouret 1882. 18. 
VI, 375 p. 

111. Thucydides guerra entre Peloponeses y Atbenienses se- 
gunda parte. Traducciön du secretario Diego Graciän edicion de 
1564. Madrid, libreria militar 1882. 8. 335 p. mapa. 5 reales. 

Beilage A. Schulschriften und programme. 

112. Festgruß dem rector des gymnasiums zu Nürnberg ober- 
studienrath dr. Heinrich Heerwagen zur feier seines amtsantritts in 
dankbarer Verehrung dargebracht von den lehrern der Studienanstalten 
Nürnberg und Fürth. Erlangen 1882 , verlag von Andreas Deichert. 
8. VIII, 101 p. 

(Inhalt: Guido Kiihleiuein, kritische bemerkungen zu Propertius, 
p. 1 — 17. — Friedrich Schmidt, der codex Tornesianus der briefe 
Ciceros an Atticus und sein Verhältnis zum Mediceus , p. 18 — 30. 
Carl Frommann , die Altdorfer deutsche gesellschaft , p. 31 — 58. 
Georg Osherger, kritische bemerkungen zu Thukydides , p. 59 — 90. 
Heinrich Wilh. Reich, über die Palimpseste der universitäts- und 
nationabbibliothek in Athen, p. 91 — 101). 

Beilage B. Academica und dissertationen. 
Heidelberg. 113. Festschrift zur begrüßung der in Carlsruhe 
vom 27 — 30. sept. 1882 tagenden XXXVI. philologenversammlung ver- 
faßt von den philologischen collegen an der Heidelberger Universität. 
Freiburg im Breisgau und Tübingen 1882, J. C. B. Mohr (Paul Sie- 
beck). 8. 

(Inhalt: Curt Wachsmuth, die Wiener Apophthegmensammlung, 
herausg. und bespr. , p. 1- 36. — Fritz Schoell, zu den sogenann- 
ten Proverbia Alexandrina des Pseudoplutarch (cod. Laurent, pl. 80, 
13), p. 37 — 58. — G. Uhlig, zur Wiederherstellung des ältesten oc- 
cidentalischen compendiums der grammatik, p.59 — 86. — Carl Zan- 
gemeister, die Periochae des Livius, p. 87—106. — F. v. Duhn, be- 
merkungen zur Würzburger Phineusschale. Mit 2 abbildungen. 
p. 107. 

München. 1881/82 dissertationen. 114. Atzberger, Leonhard, 
die logoslehre des heiligen Athanasios. Ihre gegner und unmittelba- 



64 Bibliographi. Nr. 1. 

ren Vorläufer. Eine dogmengeschichtliche studie. Gekrönte preis- 
schrift. München, Stahl 1880. 8. VIII, 246 p. 

115. Emersen, Alfred, de Hercule Homerico. Monachii 1881. 8. 

116. Gerber, Adolf, die berge in der poesie und kuust der alten. 
München 1882. 8. 37 p. 

117. Oberhummer, Eugen, Phoenizier in Akarnanien. Untersu- 
chungen zur phoeniziscben colonial- und handelsgeschichte. Mit be- 
sonderer rücksichc auf das westliche Griechenland. Abth. I: Marathos, 
Melite, Karnos. München 1882. 8. 

118. Rück, Carl, de M. Tullii Ciceronis oratione de domo sua 
ad pontifices. Monachii 1881. 8. 62 p. 

119. Schwab, Julius, das altindische thieropfer. Vorwiegend 
nach handschriftlichen quellen dargestellt. I. Erlangen 1882. 8. 35 p. 

120. Sittl, Karl, die Wiederholungen in der Odyssee. Ein bei- 
trag zur homerischen frage. Gekrönte preisschrift. Theill. München 
1882. 8. 72 p. 

121. Steinberger, Adolf, de catharsi tragica qualis ea fiat in Eu- 
ripidis fabulis. Pedepontii 1882. 8. 46 p. 

12.2. Sterrett, J. R. S. , Qua in re hymni Homerici quinque ma- 
iores inter se differant antiquitate vel Homeritate. Boston, Ginn 1881. 
8. XLVIII, 88 p. 

123. Stampf, Paul, de nesiotarum republica commentatio. Mo- 
nachii 1881. 8. 32 p. 

Würzburg. 124. Alma Iulia. Iilustrirte chronik ihrer dritten 
säcularfeier hrsg. vom comite für presse und drucksachen. Redaction: 
dr. August Schaeffler. Würzburg 1882. fol. 

125. Urlichs, L. von, das hölzerne pferd. Mit einer photogra- 
phischen abbildung. 14tes progr. z. Stiftungsfeier des von Wagner'- 
schen kunstinstituts. Würzburg 1881. 4. 21 p. 

126. — — , die schlacht am berge Graupius. Eine epigraphische 
studie. 15. progr. zur Stiftungsfeier des von Wagnerschen kunstinsti- 
tuts. Ebda. 1882. 8. 27 p. 

127. Ammer, Engelb., Herodotus Halicarnasensis quo ordine li- 
bros suos conscripserit. Virceburgi 1881. 8. 48 p. 

128. Dessonlavy , Paul, grammatisch - statistische betrachtungen 
über die redensart und die absichtssätze bei den attischen rednern. 
Würzburg 1881. 8. 89 p. 

129. Keck, Stephan, über den dual bei den griechischen rednern 
mit berücksichtigung der attischen Inschriften. Würzburg 1882. 8. 
64 p. (Vgl. Phil. anz. XII, p. 431, no. 642). 

130. Krebs, Franz, die präpositionen bei Polybius. Würzburg 
1881. 8. 61 p. (Vgl. ebda.). 

131. Nusser, Job., Inhalt und reihenfolge von sieben platonischen 
dialogen. Amberg 1882. 8. 64 p. 

132. Reiclelbach, Hans, über den Zusammenhang der christlichen 
kunst mit der antiken. (Erster theil einer preisschrift). München 

1881. 8. 73 p. 

133. Scholl, Eugen, die lehre des heiligen Basilius von der gnade. 
Gekrönte Preisschrift. Freiburg i. Breisg., Herder 1881. 8. VIII, 235 p. 

134. Sepp, Bernhard, die Wanderungen der Cimbern und Teuto- 
nen. München 1882. 8. 84 p. 

135. Stühle, Remigius, die lehre vom unendlichen bei Aristoteles 
mit berücksichtigung früherer lehren über das unendliche. Augsburg 

1882. 8. (Theil einer gekrönten preisschrift). 

136. Streißnger, Jos., de syntaxi Tibulliana. Würzburg 1881. 
8. 49 p. 



Nr. 1. Kleine philologische zeitüng. 65 

137. Sturm, Josef, die entwickelung der constructionen mit nglf. 
•Würzburg, Stuber 1882. 8. 52 p. (Vgl. Phil, anzeiger bd. XII, 

p. 625 uo. 766). 

138. Rudolfo Prinz Mouasterium discessuro valedicunt Palicolae 
Vratislavienses. Insuut K. Zacheri Mimnermea et Soloriea, Th. Thal- 
heimii Lycurgea et Antiphontea. Vratislaviae 1882. 4. 



Kleine philologische zeitung. 

Hamilton- Sammlung : Als die Veräußerung der kunstschätze 
des herzogs von Hamilton bevorstand , fand der direkter des 
königl. kupferstich-cabinets in Berlin, dr. Lippmann gelegenheit, 
die dazu gehörige handschriftensammlung einzusehen , die zwar 
eines großen rufs genoß , aber im wesentlichen unbekannt war. 
Er erkannte sofort ihren werth für die hierin bis jetzt armen 
preußischen Sammlungen , sicherte mit eigner initiative die mög- 
lichkeit eines enbloc-ankaufes und erstattete in diesem sinne ei- 
nen eingehenden bericht an die generalverwaltung der museen. 
Nach Zustimmung s. königl. hoheit des kronprinzen, des erlauch- 
ten protectors der museen , entsandte der cultusminister den di- 
rector Lippmann, den direktor dr. Bode vom museum, herrn A. 
von Beckerath zu Berlin , den professor dr. Alfred Schöne zu 
Paris zur prüfung der Sammlung nach Paris , letzteren mit der 
aufgäbe , ein verzeichniß sämmtlicher handschriften aufzustellen 
und ihre wissenschaftliche bedeutung und überschläglichen werth 
vorläufig festzustellen. Den übrigen mitgliedern der commission 
fiel die prüfung der miniaturenhandschriften zu. Diese erwiesen 
sich von unvergleichlicher bedeutung durch hohe künstlerische 
Vollendung, vorzügliche erhaltung und mannigfaltigkeit der schulen. 
Sodann zog der cultusminister über den werth der verschiede- 
nen handschriftengruppen auf grundlage des Schöne'schen Ver- 
zeichnisses und eines probeabzuges des auctionscataloges die 
gutachten der professoren dr. Tobler, dr. Mommsen, dr. Watten- 
bach, des bibliothekars dr. Rose, des ober-bibliothekars professor 
dr. Wilmanns in Göttingen ein. Im verein mit dem oberbiblio- 
thekar dr. Lepsius, dem generaldirektor der museen dr. Schoene 
und der nach London entsandten commission traten diese ge- 
lehrten — ohne professor dr. Wattenbach und prof. A. Schöne 
— zu einer berathung in Berlin zusammen und empfahlen den 
ankauf der gesammten Sammlung , um so gegenüber der gefahr 
einer auction die großen hauptstücke der Sammlung zu sichern 
und ein bis dahin fast ganz fehlendes material künstlerischer 
Studien und wissenschaftlicher forschung zu gewinnen. Direktor 
Lippmann vermittelte sodann den ankauf. Der transport er- 
folgte in 27 mit Zinkblech ausgeschlagenen und verlötheten ki- 
sten mittelst vier verschiedener dampfer. Am 1. november wa- 
ren sämmtliche kisten im museum zu Berlin eingetroffen. Im 
mittelsaale des kupferstichcabinets findet vom 3. dezember ab 

Philol. Anz. XIII. 5 



66 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

die ausstellung einer erlesenen anzahl von manuscripten und bil- 
derhandschriften der Sammlung statt. Als preis wird in deut- 
schen zeitungen die summe von 1 x \z millionen mark , in engli- 
schen von 1,800000 mark angegeben. Die Sammlung enthält 
handschriften aus dem 7. — 16. Jahrhundert, theils von ausge- 
zeichneter wissenschaftlicher bedeutung theils durch ihre ausstat- 
tung mit miniaturen von hohem künstlerischen werth. Unter 
den in letzterem sinne besonders werthvollen stücken ist beson- 
ders zu nennen das Psalterium der S. Salamberga aus der mitte 
des 7. Jahrhunderts, byzantinische miniaturhandschriften aus dem 
9. und 10. Jahrhundert, eine größere anzahl bilderhandschriften 
italienischen , französischen , niederländischen Ursprungs (ein un- 
geheuer umfangreicher Augustinus de civitate dei mit maiereien 
niederländischen stils), ferner miniaturen orientalischen Ursprungs 
zu indischen und persischen fabeln. Zum zweck der ausstellung 
sind im kupferstichcabinet an der einen fensterwand in zwei 
großen ungemein praktisch eingerichteten glaskästen 40 von den 
auserlesensten manuscripten ausgelegt , während an den beiden 
längsseiten des saales zwanzig montirte blätter aus dem pracht- 
stück der Sammlung, der von Sandro Botticelli illustrirten Dante- 
handschrift unter glas und rahmen aufgestellt sind. Dieses ma- 
nuscript in groß folio enthält 84 blätter, deren Vorderseiten die 
Illustrationen, die rückseiten den text tragen. Gestalten und 
gruppen der Zeichnungen sind von seltener frische und mannich- 
faltigkeit, die Zeichnung ein wahres meisterstück. Bei der mon- 
tirung dieser blätter hat man auch die schon in London ent- 
deckte inschrift wieder aufgefunden , welche die antorschaft des 
berühmten Florentiner meisters über allen zweifei erheben würde, 
wenn es noch eines äußern beweises für dieselbe bedürfte. Auf 
der Zeichnung welche die stelle im 28. gesange des paradieses 
begleitet , wo Dante die neun Ordnungen der engel sieht und 
Beatrice ihn über das geschehene aufklärt, trägt einer der engel 
in der untersten reihe ein blatt mit der von Botticellis eigenen 
hand geschriebenen inschrift: Sandro di Mariano. Sandro di 
Mariano di Filipepi ist nämlich der eigentliche name des mei- 
sters, während Botticelli nur ein bei- oder Spitzname ist. Noch 
wichtiger ist folgende entdeckuug. Man hat das originalmanu- 
script des Cyriacus von Ancona gefunden, jenes berühmten rei- 
senden, welcher um die mitte des 15. Jahrhunderts die klassi- 
schen Stätten Griechenlands namentlich Athen besucht und eine 
anzahl von inschriften und denkmälern aufgenommen hat, die 
heute zum theil nicht mehr existiren. Die wichtigste dieser 
Zeichnungen ist der ostgiebel des Parthenon. Die Zeichnung des 
Cyriacus der den giebel noch ziemlich unversehrt gesehen, klärt 
uns über seine composition auf. Dieselbe stellt bekanntlich den 
Wettstreit zwischen Poseidon und Athene dar. Auf demselben 
blatt ist ein theil des Parthenonfrieses skizzirt, welcher sich nicht 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 67 

unter den nach London gekommenen platten befindet. Professor 
Mommsen hielt in der archäologischen gesellschaft einen Vortrag 
über dies merkwürdige manuscript. — Ausgestellt werden noch 
die lateinische purpurhandschrift der vier evangelien, das oben 
genannte psalterium , zwei byzantinische bibeln , ein evangelien- 
buch aus dem zehnten Jahrhundert, Benedictiones episcopales 
aus dem 12, Jahrhundert, ein romanisches breviarium aus der 
zweiten hälfte desselben Jahrhunderts, die bibel des Johann von 
Eavenna (1350), Julius Caesar de bello Gallico mit arabesken- 
umrahmungen wahrscheinlich venetianischen Ursprungs, der fran- 
zösische Alexanderroman, die triumphe des Petrarca (1420) 
u. s. w. Wissenschaftlich werthvoll ist u. a. noch ein altfran- 
zösisch-glossar des X. Jahrhunderts. 

Zu den schönsten und farbenprächtigsten miniaturen der 
Sammlung gehört das titelblatt einer Horazhandschrift, eines ita- 
lienischen kunstwerkes aus dem ende des 15. Jahrhunderts. Nicht 
allgemeinverständlich ist eine der hauptfiguren des bildes, welche 
der figur des Augustus als gegenstück dient, ein jugendliches 
weib mit zwei kindern an der brüst und der unterschritt SALVS 
REIPVBLICAE, nachgebildet den kupfermünzen der kaiserin Fausta 
der gemahlin Constantins des großen, die eine ähnliche darstellung 
und dieselbe inschrift tragen. Die wissenschaftliche bedeutung 
der Sammlung ruht wesentlich auf dem gebiete der politischen 
kirchen- und kulturgeschichte des mittelalters und der frühre- 
naissance. Die ältere italienische, die altfranzösische und die 
provencalische litteratur ist reich und durch wichtige stücke ver- 
treten. Auch für die griechische und für die römische litteratur 
sowie für die alterthumsstudien des 15. Jahrhunderts bietet sich 
wichtiges Studienmaterial. (Nach Reichsanzeiger no. 282 (30. nov.) 
260 (4. nov.). Nationalzeitung no. 539, 17. nov. 1882. Post 
2. dezember 1882). 

Olympiafunde. In Berlin treffen aus Olympia die kisten mit 
den originalarbeiten ein , welche die griechische regierung als 
doubletten dem Berliner museum überläßt , naturgemäß kleinere 
stücke, aber doch wichtig für das Studium frühgriechischer kunst, 
bronzen, terracotten , münzen und ähnliches. (Augsb. allg. ztg. 
1882, no. 321). 

Vor dem Parthenon auf der akropolis ist , wie der „Pol. 
korresp." aus Athen mitgetheilt wird , am 6. november bei der 
hinwegschaffung des Schuttes eine statue der Juno oder der 
Aphrodite gefunden worden. Gleichzeitig verlautet aus Epi- 
daurus , daß endlich der vermuthete tempel des Asklepios auf- 
gedeckt worden sei , welcher reichliche reliefbilder mit motiven 
der centaurenschlacht aufweist. (Nationalzeitung 1882, no. 545 
21 nov.) 

Pergamon. Friedr. Thiersch, der zweite preisgekrönte archi- 
tect des reichstagsgebäudes hat im Pergamenersaale des Berliner 



68 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

museums eine reconstruction der akropolis in einem großen bilde 
aufgestellt. (Augsb. allg. ztg. 1882, no. 301). 

G. Hirschfeld in Kleinasien. Nach einem briefe Hirschfelds 
an H. Kiepert (nationalzeitung 1882, no. 431) durchzog derselbe 
die westhälfte des alten Paphlagoniens , das Vilajet von Kasta- 
muni, ein rauhes gebirgsland uud seiner mächtigen lorbeer- und 
kirschbaumwälder wegen schwer passirbar , auf einigen neuen 
Knien , ist jedoch jetzt durch den einsprach des gouverneurs 
Seri Pascha an der fortsetzung der reise gehindert. Aufgefunden 
wurden neue monumente urältester kultur , eine große begräb- 
nißstätte einheimischer fürsten im Devrikian - Tschai - thale mit 
Skulpturen von phallen, löwen, jagdscenen u. s. w. Im übrigen 
bedingte der waldreichthum von jeher holzbau und erklärt sich 
so das fehlen alter architectur. 

Kurl Humann in Kleinasien: Humann hat die gipsabgüsse 
des Monumentum Ancyranum und der felsreliefs von Pteria ge- 
borgen. Er kehrt nach Konstantinopel resp. Smyrna zurück 
und wird das itinerar der von ihm durchreisten strecken bear- 
beiten und herausgeben. — Auch von dr. Puchstein werden in- 
teressante archäologische funde gemeldet. — (Augsb. allg. zeitg. 
1882, no. 234, no. 301). 

Terracotte des herrn von Sahouroff. In der letzten sitzung der 
archäologischen gesellschaft zu Berlin legte von Sabouroff zwei 
Photographien einer von ihm erworbenen terracotte aus Corinth 
vor. Dieselbe ist einzig in ihrer art durch große und ihre 
künstlerische ausfährung. Sie stellt im drittheil der lebensgroße 
einen Jüngling dar in behaglicher müsse an einen baumstamm 
gelehnt. Die Statue ist ganz nach terracottamanier behandelt 
und im ganzen tadellos erhalten. Der typus erinnert mehrfach 
an die praxitelische weise. Die linke Schulter erhebt sich , der 
rechte Schenkel tritt vor, ähnlich wie am olympischen Hermes, 
auch hier finden wir dieselbe neigung des kopfes , denselben 
schwärmerischen ausdruck. Auch manches einzelne erinnert an 
den Hermes, die bildung des haars, die behandlung des gewan- 
des, das über die stütze des linken armes in senkrechten falten 
herabfällt. Deutliche farbespuren sind an haar und körper er- 
halten. Der statue einen namen zu geben ist unflmnlich ; gegen 
Hermes spricht die große Weichheit und weibischkeit der formen. 
(Nach Augsb. allg. zeitg. 1882, 317. Christian) B(elgers) cor- 
respondenz). 

Abusina. H. Arnold macht in der Augsb. allgem. zeitung 
no. 320 beilage „eine neugefundene Römerstadt in Bayern" 
bei dorf Eining am einfluß des Abensflusses in die Donau bei 
Abensberg nach dem berichte des pfarrer Schreiner „Eining und 
die dortigen Römerausgrabungen Landshut" mittheilung von den 
nacbgrabungen , die Schreiner zur aufdeckung der Römerstadt 
Abusina machte und erläutert die Wichtigkeit dieses unterneh- 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 69 

mens. Aufgedeckt sind das castrum und an 38 stellen umher 
gebäudereste und theile von fußböden. Die wichtigste eutdeckung 
ist die eines gebäudes 60 meter lang 30 meter breit, dessen 
ziegel die Stempel der cohors prima Flavia Canathenorum und 
der legio tertia Italica zeigen und seine gründang in der zeit 
des kaisers Marc Aurel voraussetzen lassen. Die heizeinrich- 
tungen , die bemalung der wände , fensterglas u s. deuten auf 
comfort und lassen vielleicht ein offizier-casino oder wohnung 
des commandirenden voraussetzen. — Die münzen gehen nicht 
über Constantius hinab , die vielen geräthe reichen bis in die 
anfange der Römerherrschaft in Bayern zurück. Auch skelette 
von drei erwachsenen und fünf kindern wurden entdeckt, erstere 
in einer läge als ob sie bei Zerstörung des gebäudes erschlagen 
sein. Schon vieles ist von dieser großen statte verschleppt, 
ganze Schiffsladungen von quadern sind zum bau von Regens- 
burg und Stadtamhof nach der erstürmung Regensburjjs im jähre 
1809 abgefahren, im ganzen scheint aber die schuttdecke imbe- 
rührt zu sein , so daß sie reiche schätze verspricht. Das ganze 
ist ein seitenstück zur Saalburg im Taunus. Das castell ist 
zwar kleiner (150 X 120 meter), die lagerstadt von Abusina 
aber bei weitem größer. 

Ausgrabungen auf dem forum. Die moderne mauer, welche 
den palatin auf der nordostseite abschloß, ist niedergeworfen und 
das umgebende terrain bis zum antiken niveau abgetragen wor- 
den. Gewaltige substructionen vom palaste des Caligula und 
eine reihe von privathäusern sind zu tage gekommen Auch 
wird die expropriation der kirche S. Maria Liberatrice zu stände 
kommen und sind bei aufdeckung des darunter befindlichen bo- 
dens, auf dem die baulichkeiten des Vestaheiligthums sich be- 
fanden, wichtige funde zu erwarten. — Augsb. allg. zeitg. 1882, 
no. 295. 

Karl Felix von Halm. In der Augsburger - Münchener allg. 
zeitung vom 2. nov. 1882 widmet W(ilhelm) C(hrist) dem zu früh 
verstorbenen Karl Halm einen warmen nachruf, der die großen 
Verdienste des verstorbenen als schulmann , gelehrter , Universi- 
tätsprofessor und bibliothekar würdig schildert und seinen werth 
als mensch und Charakter ehrend hervorhebt. „Er war nicht 
nur ein großer gelehrter und ein pflichttreuer diener des Staats, 
er war auch ein wahrhaft edler mensch, dem es nicht um den 
nutzen und die ehre seiner selbst, sondern um den der Wissen- 
schaft zu thun war ; er war vor allem der treueste freund sei- 
ner freunde." — 



Auszüge aus zeitschrifteil. 

Deutsche litt er atur zeitung hrsg. von Max Roediger. 1882, no. 21, 
sp. 754: O. Harnecker, Catull's Carmen LXVIIJ. (Progr. d. städt. 
gymn. zu Friedeberg i/Nm. 1881). 14 p. 4. Enthält vieles zutref- 
fende. Der letzte abschnitt von der echtheit des gedichts leidet unter 



70 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

zu großer subjectivität des Verfassers und der verfehlten auffassung 
des Unglücks von dem Attius dem Catull schrieb. F. Leo. 

No. 22, sp. 782: Euripidis Phoenissae. Recensuit et commentariis 
instruxit Reinh. Klotz. Ed. II quam curavit N. Wecklein. (Euripi- 
dis tragoediae. Recensuerunt et commentariis instruxerunt Aug. Jul. 
Edm. Pflugk et Reinh. Klotz. Vol. II, sect. IV). Leipzig, Teubner 1881. 
8. 173. p. 2 rnk. 25 pf. Die emendationen des neuen herausgebers 
sind an werth sehr ungleich. JE. Haler spricht sich gegen die be- 
handlung der verse 448. 1551 und die annähme einer Diaskeuase von 
774 — 77 aus. Die ausgäbe ist ein brauchbares hilfsmittel für das erste 
studium jüngerer philologen. — Sp. 783: Aug. Boltz, die hellenische 
oder neugriechische spräche. Darmstadt, Brill 1881. 8. 176 p. 4 mk. 
Boltz sucht die merkmale der neugriechischen Schriftsprache gegen- 
über den volksidiomen festzustellen. Die eintheilung der stilgattun- 
gen faßt die neugriechische spräche zu weit, weil sie das antike grie- 
chisch mit aufnimmt. Ueber die lebende Schriftsprache orientirt das 
buch in angenehmer form sehr gut. Eine reihe kleinerer fehler fin- 
den sich. Spyr. P. Lambros, 

No. 23. Sp. 818: Joh. Dembowski, Quaestiones Aristotelicae I de 
xoivov ala&tjirjoiov natura et notione, II. de natura et notione tov &v/uov 
quatenus est pars ogit-eiag. Königsberg 1881. 8. Dissert. Bonn. IV, 
112 p. Das verfahren des verf. entbehrt, wo es aufhört eklektisch zu 
sein, der nöthigen schärfe. E. Heitz. — Sp. 819: Aristotelis de coelo 
et de generatione et corruptione. Recens. Carolus Prantl. Leipzig, 
Teubner 1881. 8. 174 p. 1 mk. 20 pf. — Aristotelis quae feruntur 
de coloribus de audibilibus physiognomica. Rec. Carolus Prantl. Leip- 
zig, Teubner 1881. 8. IV, 67 p. 60 pf. Hauptverdienst der ersteren 
ausgäbe ist die Sammlung der lesarten des Simplikios, des Philoponos, 
des Alexandros und consequente begründung des textes auf die hand- 
schrift E. Aber eine neue collation fehlt, auch ist die Varia lectio 
von E nicht vollständig gegeben, das verhältniß der Überlieferung ist 
nicht zu klarer darstellung gebracht. Die interpunction Bekkers ist 
nicht genug verbessert, emendationen anderer sind vernachlässigt. — 
Für die zweite schrift ist unsere kenntniß der Überlieferung nicht ge- 
fördert. In der physiognomik vermißt man die benutzung des Pro- 
gramms von Hayduck. Meldorf 1877. Fr. Susemihl. — Sp. 822: 
A. Daub, studien zu den biographika des Suidas, zugleich ein beitrag 
zur griechischen litteraturgeschichte. Freiburg i. Br. und Tübingen, 
Mohr 1882. IV, 158 p. 8 4 mk. Die Voraussetzungen für die fol- 
gerungen Daubs betreffs der Zusammensetzung der biographischen Suidas- 
artikel sind nicht bewiesen. K. Boysen. — Sp. 829 : H. Blümner, Laokoon- 
studien. I. heft. Ueber den gebrauch der allegorie in den bildenden 
künsten. Freiburg i. Br., Mohr 1881. 8. VI, 91 p. 2 mk. G.Hirsch- 
feld findet daß Blümner in dieser skizze einer geschichte der ange- 
wandten allegorie seinen aesthetischen Standpunkt nicht scharf genug 
gefaßt und das aesthetische und historische nicht entschieden genug 
getrennt habe. — Sp. 830: Fontes iuris Romani antiqui edidit Ca- 
rolus Georgius Bruns. Ed. IV supplementum edid. Theod. Mommsen. 
Freiburg, Mohr 1881. 8. 8 p. 40 pf. Anzeige von J. Merkel. — 
Sp. 833: Jos. Durm, die baukunst der Griechen. (Handbuch der ar- 
chitektur. Unter mitwirkung von fachgenossen hrsg. von J. Durm, 
H. Ende, Ed. Schmidt, Heinr. Wagner. H. theil die baustile). Mit 
370 in den text gedr. abbild. sowie 18 tafeln. Darmstadt, Diehll881. 
VII, 247 p. 8. 16 mk. Das buch ist besonders ausgezeichnet durch 
hervorhebung des technisch-constructiven. Die aesthetischen urtheile 
sind zwar unmittelbar und selbständig, aber nicht glücklich. Die 



Nr. T. Auszüge aus Zeitschriften. 71 

neuere fachlitteratur ist nicht genügend herangezogen. Die beige- 
fügten zahlreichen skizzen sind werthvoll. R. Bahn. 

No. 24. Sp. 853: Cornelii Taciti dialogus de oratoribus. Reco- 
gnovit Aemilius Baehrens. Leipzig, Teubner 1881. 8. 103 p. 2 mk. 
Die mehrzahl der ausgeschütteten eme.idationen ist unnöthig, willkür- 
lich, trotzdem ist die ausgäbe für den philologen nothwendig. Ig. 
Prammer. — Sp. 854: Georgius Clemm, de breviloquentiae Taciteae 
quibusdam generibus. Praeruissa est: comnientatio critica de figuris 
grammaticis et rhetoricis quae vocantur brachylogia aposiopesis el- 
lipsis zeugma. Leipzig, Teubner 1881. 8. 158 p. 3 mk. Eine 
fleißige vielfach anregende arbeit. Ig. Prammer. 

No. 25. Sp. 890: G. Nathanael Bonwetsch, die geschieh te des 
Montanismus. Erlangen, Deichert 1881. 8. VIII, 210 p. 4 mk. 
Uebersichtliche Verarbeitung des meist schon vorliegenden stoffes. II. 
Holtzmann. — Sp. 893: Les harangues de Demosthene. Texte grec 
publie d'apres les travaus 'es plus recents de la philologie avec un 
commentaire critique et explicatif une introduetion generale et des 
notices sur chaque discours par Henri Weil. 2 ed. entierement revue 
et corrigee. Paris, Hachette et co. 1881. LEI, 484 p. 8. 8 Pres. 
Es ist diese neue ausgäbe ein erfreuliches bild des Fortschritts auf 
dem gebiet der Demostheneskritik. A. von Bamberg. — Sp. 893: 
Mich. Deffner, zakonische grammatik. 1. hälfte. Berlin, Weidmann 
1881. 8. 176 p. 6 mk. Enthält die lautlehre des zakonischen und 
weist dasselbe als aus dem lakonischen dialekte (glossen bei 
Hesychius) ohne fremden einfiuß entwickelt nach. Das werk wird ein 
wichtiger beitrag für die Chronologie und begründnng der griechischen 
dialekte Averden. Rangabe. 

No. 26. Sp. 929: R. Arnoldt, der chor im Agamemnon des Ae- 
schylusscenisch erläutert. Halle, Mühlmann 1881. 8. XIII, 89p. 2mk.40pf. 
Lobende anzeige von U. v. Wilamowitz - Multendorff. — Sp. 930 : Carl 
Meißner, die cantica des Terenz und ihre Eurythmie. (Aus dem 12. 
suppl.-bde der jahrbb. f. class. philologie). Leipzig, Teubner 1881. 
122p. 2mk.80pf. F.Leo kann weder die gruudtheorien der schritt 
anerkennen, noch mißt er ihr klare begriffe und sorgfältige erwä- 
gung bei. — Sp. 933: Leopold von Ranke, Weltgeschichte zweiter 
theil. Die römische republik und ihre Weltherrschaft. 1. und 2. ab- 
theilung. 1. und 2. aufläge. Leipzig, Duncker und Humblot 1882. 
VI, 413, IV, 416 p. 20 mk. Angabe des inhalts und gedankengangs 
von R. 

No. 27. Sp. 964 : Adct/jctvTiov Kogatj m /utia Süvaiov ivQ&ivra 
(fvyygaufiana ßnvlfi /Aiv xai dcmuvri tijs & MccoGctkict xiVTQixqg tniTQo- 
nrjg Kogurj, intfitXtia cJV« 'Avdgiov Z. Md fiovxa GvlliysvTct re xai Ix- 
didöfxhvti Tö/jog nguiTog ntoii/nv vhqv yaXXoygcayuxov ki^ixov xai mg 
iv tw It^iy.w itjg yaXlixtjg l4y.c(ö'rjfiiag MioyQÜqovg tov Kogur; ctj/LifKijßtig. 
Athen 1881. oi u. 528 p. 8. Das material eines hier veröffentlich- 
ten griechisch -französischen Wörterbuchs von Coray's band hat auch 
noch heute werth und giebt reiche belehrung. &/;yr. F. Lambros. — 
Sp. 969 : Carl Neumann , geschichte Roms während des Verfalls der 
republik. Vom Zeitalter des Scipio Aemilianus bis zu Sulla's tode. 
Aus seinem nachlasse hrsgg. von E. Gothein. Breslau, Koebner 1881. 
V, 623 p. 8. 12 mk. O. Seeck hält dafür, daß mit der publikation 
dem verstorbenen ein schlechter dienst erwiesen sei. Neumann sei 
nicht zu vollem quellenverständniß gekommen, das inschriftliche ma- 
terial sei ihm nur theilweis bekannt gewesen, ihm habe antike an- 
schauung gefehlt. Schließlich sei in folge Zeitmangels bei ausarbei- 
tung seiner hefte überflüssiges aufgenommen, dagegen oft wichtiges 
übergangen. 



72 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

No. 28. Sp. 1007 : v. Christ , die sachlichen widerspräche der 
Ilias, ein beitrag zur lösung der Homerischen frage. (Sitzungsberichte 
der philos.-philol. klasse der königl. bair. akad. der wiss. 1881, bd. II, 
heft 2, p. 125-171). München, Franz 1881. 8. 1 mk. 20 pf. Die 
arbeit macht auf die Verschiedenheit von figuration der scene und 
handlung aufmerksam in den älteren und jüngeren theilen der Ilias 
in betreff der flüsse, des schiffslagers der Achäer , der Lykier und ih- 
rer verbündeten. Ref. ist nur von punkt 2 und 3 überzeugt. Joh. 
Henner. — Sp. 1008: Babrii fabulae rec. Mich. Gitlbauer. Wien, Gerolds 
söhn 1882. VI, 160 p. 8. 3 mk. 60 pf. G. Kaibel tadelt das ganze 
unternehmen die paraphrase zu versinciren. Die verse wimmeln von 
Unmöglichkeiten , metrischen verstoßen , soloecismen , seltsamen struc- 
turen. Die arbeiten der Vorgänger sind oft vernachlässigt. Der text 
des erhaltenen Babrius zeigt neben vielem verfehlten manche gute 
emendation. — Sp. 1009: P. Ovidii Nasonis libellus de medicamine 
faciei edidit Ovidio vindicavit Antonius Kunz praemissa est de codi- 
cibus Ovidianis disputatio. Wien, Gerolds söhn 1881. IV, 92 p. 8. 
2 mk. 80 pf. (Diss. Vindob.). Eine gründliche und dankenswerthe 
arbeit die einen vortrefflichen handschriftlichen apparat giebt. Der 
commentar enthält keine unrichtige, manche gute bemerkung. Die 
autorschaft des Ovid ist nachgewiesen. F. Leo. — Sp. 1014: K. L. 
Roth, griechische geschichte nach den quellen erzählt. 3. verb. aufl. 
hrsg. v. A. Westermayer. Mit abbild. und karten. Nördlingen, Beck 
1882. XII, 531 p. 8. 7 mk. Rühmende die classicität der auffas- 
sung und darstellung hervorhebende anzeige von L. Müller. 

No. 29. Sp. 1045: Fridericus Beliehen, de Theoxeniis. Berlin, 
Weber 1881. Inaug. diss. 56 p. 8. 1 tafel. 2 mk. Die hauptre- 
sultate sind durchaus gesichert , die in jeder hinsieht lobenswerthe 
arbeit ist nebenbei auch lehrreich für die bedeutuug welche die pri- 
vaten eulte der familien und geschlechter hatten. A. Furtwängler. — 
Sp. 1045: E. Buchholz, das öffentliche leben der Griechen im heroi- 
schen Zeitalter. Auf grundlage der homerischen dichtungen dargestellt. 
(Die homerischen realien II. bd.) Leipzig, Engelmann 1881. XX, 
436 p. 8. 6 mk. Lobende anzeige von Joh. Rentier. — Sp. 1048: 
Festgabe für W. Crecelius zur feier der fünfundzwanzigjährigen lehr- 
thätigkeit in Elberfeld. Elberfeld 1881. 297 p. 8. Inhaltsreferi- 
rende anzeige von Th. B(irt.) — Sp. 1049 : Fastorum civitatis Tauro- 
menitanae reliquiae descriptae et editae ab E. Bormann. Marburg, 
Elwert 1881. 4. 32 p. Die publication dieses textes ist wichtig, 
noch wichtiger der resultatreiche commentar. Holm. 

No, 30. Sp. 1079: Galeni qui fertur de partibus philososophiae 
libellus. Primum edidit Ednardus Wellmann. Berlin , Weidmann 
1882. 4. 36 p. (Progr. des Königsstädt. gynm. zu Berlin). Die ar- 
beit giebt einen interessanten ein blick in die von Neupythagoräern 
und Neuplatonikern untersuchte frage nach den unterabtheilungen 
zur philosophie und ihrer Stellung zur mathematik. Der text des 
Galen mol fidiiuv tfiloaoqiag ist gut collationirt, in den abschnitten aus 
David ist Wellmann einer mangelhaften collation gefolgt. Iwan 
Müller. — Sp. 1081: Arnold Tlug, studien aus dem klassischen alter- 
thum. 1. heit. Freiburg im Breisgau, Mohr 1881. 8. VIII, 200 p. 
4 mk. No. 4 behandelt den aufstand des jahres 387 n. Chr. in An- 
tiochien. No. 3 widerlegt überzeugend Harteis hypothese von einer 
doppelten lesung in der attischen Volksversammlung. I schildert die 
Kleisthenische gemeindeordnung mit vollem verständniß. II schildert 
Demosthenes politische theorie und weist, was höchst merkwürdig ist, 
eine berührung derselben mit den von Aristoteles entwickelten an- 
sichten nach. U. v. Wilamowitz-Möllendorff. 



Nr. 2. Februar 1883. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als erganzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



19. E Wölfflin, die gemination im lateinischen. Sepa- 
ratabdruck ans den Sitzungsberichten der königl. bayer. aka- 
demie der Wissenschaften, philos.-philol. klasse. 1882. 3. heft. 
p. 421—491. 

Ausgangspunkt dieser neuesten Untersuchung des um die 
geschichte der lateinischen spräche hochverdienten Verfassers war 
die frage, ob die italienische elativbildung lungo lungo, piccolo 
piccolo und ähnliches ihre vorlauter schon im lateinischen habe 
oder ob sie als neuschöpfung der italienischen spräche anzusehen 
sei. Bekanntlich ist in letzterer spräche die Verdoppelung ein 
sehr beliebtes mittel der Steigerung und erstreckt sich nicht 
bloß auf adjektive und adverbien , sondern, wie man aus den 
von Vockerodt (Lehrbuch der italienischen spräche I, §. 170) 
gegebenen beispielen ersieht, auch auf pronomina , substantiva 
und verba. Und zwar ist diese art der Steigerung nicht etwa 
auf die volksthümliche redeweise beschränkt, sie findet sich ebenso 
gut im gehobenen ton, wie sie z. b. bei Dante oder in den pro- 
messi sposi des Manzoni oft genug auftritt. 

Wölfflin hat zur bezeichnung seines gegenständes den namen 
„gemination" statt des deutschen „Verdoppelung" gewählt, weil 
(nach seiner treffenden bemerkung) „fremdwörter gefäßen zu 
vergleichen sind, in die man hineinlegen kann, so viel man will" 
(p. 425). Ebenda werden auch die grenzen der Untersuchung 
näher bezeichnet: „die Wiederholung gleicher Wörter wird nur 
insoweit berücksichtigt, als dieselben unmittelbar, asyndetisch, 
oder bloß durch kopula verknüpftauf einander folgen, höchstens, 
daß noch eine schwache trennung, etwa durch eine interjektion 
Philol. Anz. XIII. ö 



74 19. Lateinische grammatik. Nr. 2. 

oder einen vokativ, mit in den kauf genommen wird". So han- 
delt denn der verf. von p. 427 an über die dreikapitel: 1) die 
affirmative (rhetorische, emphatische) gemination p 427 — 440; 
2) die plurativ - iterative gemination p. 440 — 471; 3) die inten- 
sive gemination p. 471 — 486. Ein anhang gibt einige notizen 
über triplikation. 

Im ersten abschnitt (affirmative gemination) werden die ein- 
zelnen Wortklassen durchgenommen, bei denen sich Wiederho- 
lungen finden; aus nahe liegenden gründen ist beim nomen der 
vokativ x ) , beim verbum der imperativ die am häufigsten gemi- 
niert auftretende form. Beispiele zu dieser ersten art der ge- 
mination finden sich in den von Wölfflin nur selten citierten 
tragödien des Seneca in einer häufigkeit , daß fast sämmtliche 
namhaft gemachten arten der rhetorischen gemination dort ver- 
treten sind. Zwar die Verdoppelung des Substantivs ist nicht 
besonders häufig: ich finde nur den accusativ arma arma Herc. 
für. 1242 Leo; die beispiele , die man sonst noch anführen 
könnte: o lares, miseri lares Herc. Oet. 756 und pro ferae, victae 
ferae Herc. Oet. 1201 , sind wegen des bei der Wiederholung 
neu hinzutretenden begriffes nicht ganz korrekt, entsprechen 
übrigens dem vom verf. p. 435 angeführten proeliare et fortiter 
proeliare (Apul. met. 2, 17). Um so reichlicher aber fließen die 
belege bei allen übrigen Wortklassen. Zunächst sind die perso- 
nalpronomina vertreten: tu tu Med. 266. Oed. 249, me me Herc. 
für. 110. Troad. 680. Phaedr. 1159, tete Herc. für. 900. Phaedr. 
663. 888. Oed. 642. Herc. Oet. 1435. Dem ausbruche des 
höchsten Schmerzes entspricht die triplikation Troad. 969 nos 
Hecuba, nos, nos, Hecuba, lugendae sumus. Noch häufiger sind die 
belege für die demonstrativen pronomina : hunc hunc furorem 
Thyest. 101 und mit eingeschobenem vokativ hunc, dextra , hunc 
pete uterum Oed. 1038; hoc hoc Herc. für. 99. Thyest. 916, haec 
haec Herc. Oet. 861 , hac hac parte Troad. 625, his Ms Phaedr. 
1230, has has Troad. 739; Me Me Troad. 721. Oed. 106. Herc. 
Oet. 753, Ma Ma ine. Octav. 23. Hierher gehören auch die 
abgeleiteten adverbia : hie hie Herc. für. 1313. Phaedr. 1268, 
huc huc Med. 980. Phaedr. 1247. Herc. Oet. 1759, hac hac 
Phaedr. 9. 83. Für die interrogativen pronomina und adverbien 

1) Das von Wölfflin p. 429 aus Petron 45 unter dem vokativ an- 
geführte beispiel Glyco, Glyco dedit suas gehört zum uomiuativ. 



Nr. 2 19. Lateinische grammatik. 75 

verweise ich auf: quis quis Herc. Oet. 1825, unde unde Herc. 
Oet. 1944 und cur te, cur Herc. Oet. 1959. Beim verbum ist, 
wie schon bemerkt, der imperativ am stärksten vertreten, und 
zwar erscheint die aufforderung zu gehen verhältnismäßig am 
öftesten verdoppelt: ite ite Troad. 191. 627. 1165. Med. 845, 
perge, ira, perge Herc. für. 75, vgl. Phoen. 403. Phaedr. 862; 
aber auch sonst sind die beispiele nicht selten : da da Med 32. 
Herc. Oet. 87 , ede ede Herc. Oet. 765 , duc duc Troad. 993, 
parce, genitor, parce Herc. für. 1314 (vgl Vulg. Joel 2, 17 parce, 
Domine, parce), flete, Argolicae, flete Cleonae Herc. Oet. 1891 
u. s. w. Da ii für den vers nicht verwendbar ist, so tritt da- 
für i vade Troad. 791 oder i perge Oed. 880 ein-, vgl. griech. 
ßüax i&i II. B. 8. Diese ,.permutatiou", wie man sich mit ei- 
nem auf anderm gebiet (vgl. Landgraf, de figuris etymologicis 
linguae latinae p. 10) gebrauchten terminus ausdrücken könnte, 
habe ich auch sonst bei Seneca beobachtet: die fare Troad. 933, 
laetare gaude Troad. 967. An den imperativ schließt sich zu- 
nächst der stellvertretende konjunktiv: fiat hoc, fiat nefas Thyest. 
265 (vgl fiat fiat Vulg. Judith 10, 9. 13, 26. 15, 12), dem je- 
doch der iudikativ an zahl der belege weit überlegen ist. Das 
stärkste koutingent stellt das präsens : est est Herc. für. 523. 
Herc. Oet. 1130, sequor sequor Phoen. 40, fallor fallor Herc. 
Oet. 1930, fugimus , Jason, fugimus Med. 447, iuvat iuvat Med. 
911, prohibet prohibet Thyest. 946, maeret maeret Herc. Oet. 
1595 f., trepidant trepidant Thyest. 828; aber auch für das fu- 
tur finden sich belege: ibo ibo Phoen. 12, 407, wie auch für 
das perfekt: vidi vidi Agam. 656. Herc. Oet. 207 (vgl. vidi ipsa, 
vidi Herc. für. 50 und ähnlich Troad. 170), parta iam, parta 
ultio est Med. 25; für den Infinitiv (ire ire Herc. Oet. 344) führt 
"Wolfflin keine stellen an. Die indecliuabilia sind vertreten durch 
sie sie Herc. für. 1218 i ). Med. 90. Thyest. 102. Herc. Oet. 846 J ) 
und nunc nunc Herc. für. 498. Troad. 107. Med. 13. Herc. Oet. 
550. 1880 (letzteres konstant in Verbindung mit einem impe- 
rativ). Das häufige vorkommen dieser art der gemination gerade 
bei Seneca hängt mit dem rhetorischen Charakter seiner tragö- 

1) Die beiden mit *) bezeichneten beispiele (sie sie agendwm est: 
inferis vädam JSerculem und eat per artus evsis exaetus meos: sie sie 
ayendum est) zeigen uns die auch in den ähnlichen redensarten sie 
ayum, sie dabo und ähnlichen behebte parataktische fügung, Vgl. meine 
schritt über „das verbum dare im lateinischen" p. 51. 

6* 



76 19. Lateinische grammatik. Nr. 2. 

dien zusammen und daraus erklärt sich auch die thatsache, daß 
die geminierten Wörter in der mehrzahl der fälle zu anfang des 
verses stehen. Wenn sich auch bei Lukrez eine sonst nicht ge- 
wöhnliche menge von belegen findet, so ist dies auf das be- 
streben , möglichst klar und eindringlich zu reden , zurückzu- 
führen : vgl. z. b. 1, 6 te, dea, te, 5, 298 f. tremere ignibus in- 
stant, || instant, 5, 950 f. proluvie larga Xavere umida saxa, || umida 
saxa. Die beiden letzten beispiele zeigen die Wölfflin p. 431 
besprochene form, wonach von dichtem ein wort gerne an das 
ende des hexameters gestellt wird, um zu anfang des folgenden 
verses wiederholt zu werden. — Im vorstehenden haben wir an 
der band neuer beispiele den gang des ersten abschnittes der 
fesselnden Untersuchung, wie auch einzelne resultate angegeben. 
Im zweiten kapitel (plurativ- iterative gernination) zieht zu- 
nächst eine anzahl der vulgata angehöriger formein (wie gens et 
gens 4 reg. 17,29) unsere aufmerksamkeit auf sich. Zwar haben 
diese beispiele, weil auf wörtlicher Übersetzung aus dem hebräi- 
schen beruhend, nur untergeordneten werth, allein der verf. be- 
merkt p. 443 richtig, daß diese ausdrucksweise kein spezifischer 
semitismus sei , sondern , wie dies namentlich beispiele aus dem 
sanskrit beweisen , auch in den indoeuropäischen sprachen sich 
finde. Ich mache noch besonders aufmerksam auf das homo homo 
de domo Israel Vulg. Ezech. 14, 4. 7, womit das hebräische 
UTN U3 1 N (d. i. = omnis quivis) wiedergegeben ist. Bemerkens- 
werth ist weiter, daß Hieronymus diese etwas allzu getreue 
wiedergäbe des Urtextes nur in den zuerst von ihm übertragenen 
theilen der schrift, d. h. in den büchern der könige und pro- 
pheten, angewandt hat, später bedient er sich anderer, dem geiste 
der lateinischen spräche mehr entsprechender ausdrucksweisen : 
während wir 4 reg. 3, 16 fossas et fossas oder Joel 3, 14 po- 
puli populi lesen, steht gen. 14, 10 puteos multos, entsprechend 
dem n'~)N2 ril&ta des Originals. Nur die Verdoppelungen der 
kardinalzahl , wodurch die formenarme hebräische spräche die 
mangelnde distributivzahl ersetzt, findet sich auch noch später 
bei ihm: gen. 7, 2. 9 duo et duo (vgl. unser volkstümliches 
„zwei und zwei" = je zwei oder paarweise). Wenn Hierony- 
mus gen. 7, 2. 3 schreibt septena et septena (im Amiatinus beide 
male septena septena ohne kopula, wie er auch 7, 2 duo duo hat) 
oder ib. 7, 15 Irina et bina, so ist hier der distributivbegriff 



Nr. 2. 19. Lateinische grammatik. 77 

doppelt ausgedrückt , ebenso wie in dem vom verf. angeführten 
cata mane mane Ezech. 46, 14. 15. 

Besonders eingehende betrachtung widmet Wölf'flin dem 
durch Verdoppelung gebildeten indefinitum quisquis. Nur die 
formen quisquis und quidquid sind immer lebenskräftig geblieben, 
dagegen sah sich der ablativ quoquo auf die Verbindung mit 
modo und (seltener) pacto beschränkt, andere formen vollends 
erscheinen nur vereinzelt oder fehlen ganz. Als ersatz trat 
quicunque ein, von dessen form p. 449 eine interessante erklärung 
gegeben wird. Wir berühren nur kurz die erörterung weiterer 
durch Verdoppelung gebildeter adverbia und pronomina (quoquo 
quaqua ubiubi utid quantusquantus quotquot u. s. w.) und nennen 
noch die gemination des komparativs p. 463 ff. (bekanntestes 
beispiel : magis magisque) , die zur bezeichnung eines successiven 
zuuehmens oder abnehmens dient. Zu der hier p. 466 ange- 
führten formel melius melius ominare (Pseud.- Apul. Asclep. 41) 
kann verglichen werden Sen. Med. 139 f. melius, a, melius, dolor 
furiose, loquere (id. ib. 930 ohne gemination und ohne verb me- 
lius, a, demens furor), zu semper semperque p. 468 das semper, a, 
semper des Seneca Troad. 1013. 

Mit dem dritten hauptabschnitt (intensive gemination) kommt 
der verf. zum ausgangspunkt seiner Untersuchung zurück. Die 
Verdoppelung von adjektiven und adverbien zum zwecke der 
Steigerung spielt namentlich wieder in den semitischen sprachen 
eine große rolle; vgl. z. b. Vulg. Jerem. 24, 3 ficus ficus bonos 
bonas valde et malas malus valde und psalm. 67, 13 dilecti di- 
lecti. Die gemination dient hier ebenso zur elativbildung wie 
anderwärts die triplication zur bildung des Superlativs , der be- 
kanntlich im hebräischen fehlt : so in dem bekannten sanctus 
sanctus sanctus Dominus Deus exercituum Vulg. Jes. 6, 3 (= der 
allerheiligste). Die bedeutung der triplication als Vertreterin des 
Superlativs ergibt sich klar aus der stelle Pseud. -Cyprian orat. I 
(Cyprian ed. Hartel 3 p. 144, 5): hagios hagios hagios 1 ), sancte 



1) Da die belege für triplication verhältnißmäßig selten sind, so 
seien hier noch einige aus der vulgata augeführt: Jerein. 22, 29 terra, 
terra, terra, audi sermonem Domini (im Aruiat. terra nur 2 mal), Jerein. 
7, 4 templum Domini 3 mal (im Amiat. nur 2 mal) ; heu heu heu 4 reg. 
3, 10. 6, 5 (im Am. eheu 3 mal) Jerem, 4, 10. 32, 17. Ezech. 9, 8. 
11, 13; a a a Jerem. 1, 6. 14, 13. Ezech. 4, 14 (Am. ha haha) 20, 49 
(Am. aha 3 mal) Joel 1, 15. 



78 20. Lateinische grammatik, Nr. 2. 

sanctorum (über die etymologische figur vgl Landgraf a. 0. 
p. 42). — Eine art permutation von dieser art der gemination 
sehe ich in formein wie bonus et optimus (p. 476), denen wohl 
auch das minimi ac modici des Herrn past. vis. 3,2,8 beige- 
zählt werden darf; denn bekanntlich ist im spätlatein minimus 
völlig zur bedeutung seines positivs herabgesunken und andrer- 
seits nimmt modicus die stelle des allmälilig absterbenden parvus 
ein. — Beispiele für die intensive gemination in lateinischen 
Originalschriftstellern finden sich am häufigsten noch bei den 
Afrikanern, eine thatsache, die wohl mit dem verf. auf den ein- 
fiuß des punischen zurückzuführen ist. Die römischen klassiker 
haben das äußerlich mechanische mittel der gemination zur Stei- 
gerung eines begriffes geflissentlich vermieden ; beispiele wie 
felix felix Sen. Herc. Oet. 202 oder avidis avidis id ib. 631 sind' 
nicht häufig, und totus totus Sen. Herc. Oet. 1873 ist eine mehr 
volksthümliche formel (vgl. Apul. met 10, 22 totum prorsus, sed 
totum und das italienische tutto iutto = tututto). — Schließlich 
bemerkt der verf. p. 485, daß für einen Zusammenhang der 
africitas, in der, wie oben bemerkt, die beispiele innerhalb des 
lateinischen am häufigsten auftreten ., mit dem italienischen noch 
nichts nachgewiesen sei; der nachweis sei deshalb schwierig, 
weil die gemination mehr der Volkssprache angehörte als der 
literatur. 

Nur einzelne punkte sind es, die wir bei der besprechung 
der vorliegenden abhandlung ins äuge fassen konnten; aber das 
gesagte wird wohl genügen, um einen begriff von ihrer Wichtig- 
keit zu geben. Philipp Thielmann. 



20. De praepositionum usu apud sex scriptores historiae 
Augustae ad summos in philosophia honores ab amplissimo phi- 
losophorum Vindobonensium ordine rite impetrandos scripsit 
Frid. Sal. Krauss Recatinensis. Vindobonae. Apud Car. 
Konegen. MDCCCLXXXII. XII. 108 p. 2 M. 80 Pf. 

Der gebrauch der präpositionen ist wohl das interessanteste 
kapitel der späteren latinität , da er mit einem tief eingewur- 
zelten trieb der spräche in engem Zusammenhang steht und uns 
zeigt, wie dieser in der klassischen litteratur künstlich niederge- 
halten , doch im volke weiter lebte und hier und da auch in 
den auf uns gekommenen Schriftwerken sich regt und Schößlinge 



Nr. 2. 20. Lateinische grammatik. 79 

treibt. Ich meine die neigung die vokallängen sowohl überhaupt 
als besonders im auslaut der Wörter zu kürzen abzuschwächen 
und die konsonantischen endungen zu verdunkeln oder gänzlich 
abzustoßen. Ritschi hat bekanntlich in den epigraphischen 
briefen (jetzt Opusc. IV, p. 402 ff.) erwiesen, wie weit diese 
abschwächung und abstumpfung bereits vorgeschritten war und 
wie der lateinischen spräche dieselbe verrottung drohte, der z. b. 
das umbrische wirklich verfallen ist , als nach vereinzelten ver- 
suchen der dramatiker Ennius diese Zügellosigkeit systematisch 
mit energie und erfolg bekämpfte und die lateinische Schrift- 
sprache vor einem ähnlichen geschick bewahrte. 

Auch im volke wurde so dem fortwuchern jener neigung 
einiger einhält gethan, erstickt natürlich nicht. Ritschi macht 
z b. (a. a. o. p. 407) auf die Pompejanische wandinschrift auf- 
merksam „Quisquis ama , ualia, peria qui parci amare" (C I. L. 
IV, n. 1173), in der die sämmtlichen auf einen konsonant aus- 
gehenden verbalformen ihr t eingebüßt haben , und gleiches ist 
ja auf zahlreichen iuschriften bemerkt worden. Daß in der 
litteratur diese Verwitterung uns seltener entgegentritt, erklärt 
sich leicht , teils aus dem streben der Verfasser alles schriftwi- 
drige nach kräften zu vermeiden teils aus der nivellierenden 
korrektur der abschreiber. Doch aber haben sich bei einzelnen 
autoren noch spuren der Unsicherheit in der anwendung der 
wortformen erhalten , z. b. unter den Zeitgenossen der klassiker 
bei Vitruv und dem Verfasser des bellum Hispaniense. 

Mit derzeit mußte indes auch im volke das bedürfniß wach 
werden , der an deutlichkeit immer mehr verlierenden spräche 
wieder aufzuhelfen : die ursprünglichen formen ließen sich nicht 
mehr zurückrufen und aufdrängen, so wählte der volksmund 
schwerere formen, welche die stelle der abgegriffenen ersetzen 
sollten und nicht so leicht abgenutzt wurden. Die substantiva 
werden mit vollen endungen versehn, cella in cellariurn, funda 
in funclibulum, aes in aeramentum gedehnt, die verba werden nach 
vorn und nach hinten erweitert, die adverbia selbst in den ad- 
jektiven der zweiten deklination gern mit iter gebildet, deminu- 
tiva mit Vorliebe gebraucht. Außerdem aber verwendete man 
die präpositionen , um die in ihrer Verwitterung nicht mehr er- 
kenntlichen kasusendungen zu ersetzen. Bekannt ist die nach- 
richt Suetons ( Aug. 86), daß der kaiser Augustus vor allem da- 



80 20. Lateinische grammatik. Nr. 2. 

nach getrachtet habe, deutlich zu sprechen, auch auf kosten der 
eleganz : „praecipuamque curam dvxit sensum animi quam apertissime 
exprimere. quod quo facilius efficeret aut necubi lectorem vel auditorem 
obturbaret ac moraretur , neque pr aep ositiones urbibus ad- 
d er e neque coniunctiones saepius iterare dubitavit , quae detractae 
afferunt aliquid obscuritatis , etsi gr atiam aug ent". Seh eute 
sich demnach sogar der kaiser nicht präpositionen einzuschieben, 
wo sie die grammatik der Schriftsprache verbot, so läßt sich 
leicht ein Schluß auf die ausdehnung ziehn , welche dieselben 
im munde des gewöhnlichen volkes damals schon gewonnen hatten 
und immer weiter im verlauf der zeit gewinnen mußten. Aus 
den inschriften können wir ermessen , wie große Schwierigkeit 
grade die schriftmäßige anwendung der präpositionen solchen 
autoren machte, welche ohne eine gründliche bildung sich in 
der schriftstellerei versuchten, und darum gewährt es einen be- 
sonderen reiz die spräche der Scriptores historiae Augustae zu stu- 
dieren. Der mangel an urteil, die kindliche satzbildung und 
das Unvermögen die gesammelten thatsachen in eine durch 
Sueton gegebene Schablone der biographie einzureihen, zeichnet 
sie hinlänglich als durchaus ungeschult, doch aber haben sie als 
hofhistoriographen das streben „korrekt" zu schreiben-, dies 
bringen sie in einzelheiten , die sich ohne feineres Sprachgefühl 
erlernen lassen, auch fertig, sonst aber sehn wir ihre spräche in 
immerwährendem schwanken und im Zwiespalt ihres wollens und 
könnens. Die assimilation hatte sich in der ausspräche der kom- 
posita schon längst allgemein festgesetzt, dennoch schrieb man 
möglichst nach der etymologie, dann aber oft verkehrt, z. b. 
quadtuor, Septenbris, menbrum; oder: man hörte das p nicht mehr 
in Ptolomais , ptisana und schrieb in falscher analogie pturmae 
(inschrift vom jähre 200 n. Chr., Schuchardt vokal. I, p. 144). 
Aehnlich ist der gebrauch der präpositionen bei den Scriptores 
historiae Augustae zu beurtheilen : wo die schriftmäßige spräche 
sie vermied , setzen sie nach dem Vulgärlatein eine solche ein, 
nicht selten aber lassen sie in der meinung, daß dies feiner sei, 
sie weg, wo sie grade richtig gewesen wäre, z. b. bei länder- 
namen Hadr. 2, 5 Germaniam superiorem translatus est, Gall. 2, 5 
Asiam primum venit, trig. tyr. 21, 1 Thessaliam concessit u. ö. 

Diese skizze lehrt, in wie lohnender weise sich die behand- 
lung des gebrauchs der präpositionen in der historia Augueta mit 



Nr. 2. 20. Lateinische grammatik. 81 

der allgemeinen entwicklung des lateinischen in Zusammenhang 
bringen läßt. Leider aber hat dies der Verfasser der uns vor- 
liegenden dissertation versäumt ; nach einer etwas unklar gehal- 
tenen einleitung p. VII — XII giebt er vielmehr nur eine Samm- 
lung der stellen, an welchen überhaupt präpositionen vorkommen, 
in vier kapiteln p. 1 — 54 Praeposition.es quae cum desiderativo 
coniunguntur, p. 55 — 87 praepositiones quae cum ablativo coniungun- 
tur , p. 88 — 102 praepositiones , quae cum desiderativo et ablativo 
coniunguntur, p. 103 nomina, quae praepositionum vice funguntur et 
cum genetivo construuntur ; worauf noch vier Seiten indices folgen. 
Vollständigkeit wenigstens der charakteristischen beispiele war 
erstrebt und ist auch erreicht, die anordnung ist an Hands Tur- 
sellinus, Drägers historische syntax und Rönschs Itala und Vul- 
gata angeschlossen worden , sodaß sich die arbeit als eine art 
lexikalisches Supplement namentlich zu dem ersten buch schon 
äußerlich darstellt. Auch will ich dem verf. alle gerechtigkeit 
widerfahren lassen und gern anerkennen, daß er für eine er- 
neute behandlun^- des themas eine nicht zu entbehrende Vorar- 
beit geliefert hat, indes nur soweit sich seine Sammlung auf die 
Scriptores historiae Augustae bezieht; denn in der hinzufügung 
von beispielen aus anderen autoren ist er durchaus willkürlich 
verfahren. Wozu das beispiel aus dem Corp. inscr lat. p. 10 
zu Hand p 102, 3 = Dräger I 2 , p. 580 für ad = circiter, 
während sich dies in der historia Augusta nicht findet? das 
aus Cyprian. ad Vigil. p. 118, 7 ed. Hartel. auf p. 31 für 
post = retro, oder das aus Fulgent. I, 11 a matutino = mor- 
gens Cp. 73), was auch beides in der historia Augusta nicht vor- 
kommt? wozu p. 49 die bemerkung, daß Rönsch 2 p. 408 
„exempla quaedam" von propter mit dem ablativ gesammelt habe, 
da keins derselben unsern Scriptores entnommen ist und auch 
Krauß keins aus ihnen beibringt? ebenso sind die auszüge aus 
Kampmaims abhandlungen über gewisse präpositionen bei Plautus 
auf p. 56. 57. 63 und 82 (allerdings nur in den anmerkungen) 
zwecklos. Nicht weniger vom zufall bestimmt ist die auswahl 
der beispiele von einer der historia Augusta ähnlichen anwen- 
dung der präpositionen bei anderen autoren: bei einer unge- 
wöhnlichen wird keins angegeben (z. b. p. 8 Marc. 20, 5 requi- 
rens ad verum), bei einer häufigeren zahlreiche , aber diese nicht 
nach einem festen grundsatz. Doch derartiges ist mit der ju- 



82 20. Lateinische grammatik. Nr. 2. 

gend des Verfassers , dem es natürlich noch an einem freieren 
überblick über die hier in betracht zu ziehende litteratur fehlt, 
zu entschuldigen. In der behandlung einzelner stellen der zu- 
nächst von ihm durchgearbeiteten historia Augutsta beweist er 
gründlichkeit, Sorgfalt und verständniß , namentlich in der ein- 
ordnung in die von Hand oder Dräger entlehnten rubriken 5 nur 
einzelnes wäre da zu ändern: Alex. 3, 5 „denique quos 
dignos ad id esse v idebat, singul a quaeque , quae pu- 
blice et privatim agebat, se ipso docent e v oleb at addi- 
scere" wird zusammengestellt mit Ver. 4, 3 „graviter se et ad Marci 
mores egit" , Gall. 18, 2 „tarn magna (sc. statua) coeperat fieri, ut 
duplex ad colossum videretur", Alb. 13, 1 „voce — prope ad eunucho- 
rum sonum" , während ad an der ersten stelle einfach heißt „für 
diese aufgäbe", an den übrigen ,, gemäß, im vergleich mit" ; die 
von Hand I, p. 105 angeführte Verbindung dignus ad ist ganz 
anderer art. Die Scheidung der beispiele von per in der bedeu- 
tung „mittelst, durch" nach Hand IV, p. 436 auf p. 25 und 
„de iis , qui in agendis rebus intercedunt aut vicem alicuius explent, 
et de rebus, quibus mediis aliquid perficitur" Hand p. 438 auf 
p. 26 ist kaum überall richtig durchgeführt; dasselbe gilt von 
den beiden gruppen des a p. 71 und 72, wo Claud. 1, 3 (nicht 
2) und 5 , 1 „a gubernaculis depulit und Max. 4,9a suo exer- 
citu dimoveret, Gall. 14, 5 a gubernaculis dimoverent" als verschie- 
dene anwendung der präposition angesehn werden. Wie Max. 
14, 4 inde per Carthaginem venu cum pompa regali dem herodia- 
nischen ig rl}v Kagxt]Sora t)nti'x^t] (VII, 6, 1) entsprechen und 
per „nach" heißen soll (p. 22), begreife ich nicht, ebenso wenig 
die Übersetzung von Gall. 3 , 2 „iuvenem occiderunt missoque per 
murum corpore Odenato se dediderunt" „warfen seinen Leichnam 
die Mauer herab" (p. 30) oder die erklärung von trig. tyr. 
32, 2 „de primis erga (= propt er) remp. laudabilis" , wo 
Krauß durch Hand II, p. 439 zu seinem irrthum verleitet 
sein mag. 

Indeß dies sind einzelheiten, am meisten zu bedauern bleibt 
immer, daß Krauß sich zu sklavisch im allgemeinen an Hand 
angeschlossen und die Übergänge zum romanischen zu wenig 
beachtet und hervorgehoben hat. Die Verdrängung des „ab" 
durch „de" ist noch nicht weit vorgeschritten , zeigt sich aber 
doch schon in mehreren der p. 55 f. im anschluß an Hand IT, 



Nr. 2. 20. Lateinische grammatik. 83 

p. 185 — 186 gesammelten stellen. Das interessante beispiel 
Firm. 3, 2 tantum hakiässe de chartis, in dem de schon ganz und 
gar für den genetiv steht (wie übrigens Krauß richtig erklärt), 
verschwindet p. 63 neben verschiedenartigen, die abundanz von 
„cum" hätte p. 78, die von „e" p. 84, die von „de" p. 60 (s. 
Rönsch p. 39 5 j als charakteristisch mehr hervortreten müssen. 

Beiträge zur kritik hat der verf. mehrfach gegeben; abge- 
sehen von weniger wichtigen änderungen erwähne ich als beach- 
tenswert!] p. 60 Pertin. 8, 4 „namque de ludo (für das hand- 
schriftliche e ludo) auro, ebore, argento citroque conposita" , wo ich 
jedoch de ludo nicht mit Krauß ^quibus in ludo utebatur Commo- 
dus" erklären möchte, sondern als eine Variation des vorherge- 
henden torques gla di atorias; p. 79 Aur. 26, 6 denique fati- 
gatus ac prae malt's (prom. die h and Schriften) fessus litteras ad Ze- 
nobiam mixit, p. 100 trig. tyr. 8, 9 iam vinum (in der hand- 
schrift laridum). Die meisten der übrigen kritischen versuche 
sind freilich unnöthig oder zweifelhaft, einzelne auch falsch 
(p. 34 Alex. 29, 4 permultam operam dabat, p. 45 sq. Car. 2, 6 
ut praeter mortalitatis mala praecordiorum timores sentiret , p. 58 
Alex. 28, 8 nedum a feminis nobilibus , p. 65 Heliog. 16, 5 pri- 
mum consensere de genere mortis, p 67 Aur. 3, 3 nee tarnen de 
magnorum prineipum viribus, p. 94 Get. 6, 7 in ferum pectus Bas- 
siani descendit), manche auch schon von anderen vorweggenommen 
(p. 36 Gall. 6, 3 satis nota apud populos von Bährens in Fleck - 
eisens Jahrbüchern b. CHI p. 658, p. 68 Gord 19, 6 a fortitu- 
dine in bonis von demselben a. a. o. p. 657, der außer dem von 
Krauß eben angeführten Jortitudivi auch die andere lesart vor- 
schlägt, p. 70 Diad. 7, 4 ab trium prineipum amore von Jordan, 
p. 75, Clod. Alb. 2, 5 habebis utendi coccini pallii facultatem im- 
praesentiarum von Unger in Fdeckeisens Jahrbüchern CXIX p. 496, 
p. 92 Tac. 2, 3 eadem in posteros — stupenda moderatio von Bährens 
a. a o. p. 662.) 

Endlich bemerke ich noch, daß ich Prob. 13, 1 nicht 
„Clossium interpretem Germanicum secidus' 1, (p. 54) seeunda oratione 
in den text gesetzt habe , sondern daß diese vermuthung von 
Salmasius herrührt, daß Pert. 11, 3 de vor castris bereits in der 
editio prineeps steht (p. 56), ebenso Tac. 11, 2 prae omnibus ho- 
leribus schon in älteren ausgaben (p. 79), daß Heliog. 23, 7 
cum vor pieeibva implevit in meiner aus?abp keineswegs getilgt 



84 21. Epigraphik. Nr.. 2. 

ist (p. 77), und daß zu Aurel. 39, 7 m Moesia die varietas im 
moesia lautet, nicht einfach moesia, daß also an einen druckfehler 
nicht mit Krauß p. 98 zu denken ist. 

Die zahl der eigenen druckfehler ist mit dem verzeichniß 
p. 107 bei weitem nicht erschöpft, indeß sind wenigstens die 
citate meist korrekt. Papier und typen sind vorzüglich, dafür 
aber auch der preis (2 m 80 pf. für 7*/2 bogen) sehr hoch. 

Hermann Peter. 

21. Domenico Comparetti, Iscrizioni greche di Olim- 
pia e di Ithaka. Reale Accademia dei Lincei anno CCLXXVIII 
(1880-81). 4. 18 p., mit 2 tafeln. 

Durch die redaction des „Philologischen anzeigers" aufge- 
fordert eine besprechung der vorliegenden schrift zu liefern, be- 
schränke ich mich darauf, den hauptinhalt derselben im auszuge 
mitzutheilen. 

1. Erster gegenständ der Untersuchung ist die inschrift aus 
Olympia n. 362, welche Roehl, Inscr. antiq. n. 112, im anschluß 
an Kirchhoff und Ahrens behandelt hat. Der italienische ge- 
lehrte schlägt folgende lesung vor : 

A pottTua voig raltioig. naigutv &agQi]v xat yetsar xai 
ravröö. 

Al £s Tig X(X7iaQiii(Jsis räoQtvoo paltiw, ai £s pujmfteiav ta. 
£ixaia oq utytarov li'ko^ 'i^oi xai tni ßaatXätg , ff'xrc ftvaig xa 
annrlvoi rwaamg tkiv fji^ninosövrmv , xadvratg 7w Zi OXvvniqp 
snsvn{o£)oi J^-' 1 ) x' *EXXato£txai; , xai zaXXa fy'xaia F7ier7i(n)foeo a 
^afAimgyia. eil Q /ii^n^fin^ntyoi , fcicpviot ano7ir?7(ß sp ftaaigan. 
al £ß rig rov alriadirta 1±iy.aimv Iftaaxru , sv rä ^sxa/itaia x' 
E)f'^o[/r]o, al c'C<w? luüaxnt. xai naiyiüg o ygncpevg ravrä x« 
näaxoi, [«/ ?]n' [«£'] «>'«['] o [w/Ji'tt? lagag QXvinia. 

Es handelt sich um die widmung eines weihgeschenkes 
durch einen Eleer, welcher in den olympischen spielen gesiegt hat. 
Eine vorhergehende rhetra hat vorgeschrieben, in welcher weise 
sich die behörden an einer solchen widmung, um ihr größere 
feierlichkeit zu geben , betheiligen sollen. Die vorliegende in- 
schrift setzt die strafen für das unterlassen dieser betheili- 
gung fest. 

1 Dieses wörtchen ist in Comparetti's Umschrift wohl durch einen 
schreib- oder druckfehler ausgefallen. 



Nr. 2. 21. Epigraphik. 85 

riargia und yevm sollen ausführen (&aQQsiv; denn „wagen" = 
„unternehmen") auch das, (was) hier (geschrieben steht) (xal ra 
al'Tov). Für &uoq7jv ist noch eine andere erklärung möglich : 
„beobachten", durch Verwandtschaft mit dsoogsiv. — äyQtji 1 Hlning 
ist kollektiv: „die tüchtige elische mannschaft" , und bezeichnet 
im besonderen eine art von genossenschaft derjenigen Eleer, 
welche in den olympischen spielen einen sieg davon getragen 
haben. Wenn einer aus dieser mannschaft {tig aggevog 'Hltiov) 
eine konsekration machen [xa&iegf'ca) will, so müssen die behör- 
den dabei mitwirken. Diese mitwirkung ist bezeichnet durch 
smri&ivai , inmnnh oder snifinoislv tu dixaiu. — Jeder, der 
die pflicht solcher mitwirkung versäumt, soll 10 minen strafe 
zahlen , und diese summe soll immer dem Hellanodiken ausge- 
händigt werden, der sie dann zu einem opfer für den olympi- 
schen Zeus verwendet. Dabei soll sich die öauiwyyia mit ihm 
vereinigen und alles übrige, was durch das gesetz vorgeschrieben 
ist, (täXXa dixaia) vollbringen. — aitiadsig dixui'wv ist einer, 
welcher schuldig ist an der heiligen handlung theil zu nehmen. 
Wenn einer einen solchen davon zurückhält (ifjüg „riemen", 
ipuaaeiv „mit riemen binden, festhalten"), so soll er auch 10 
minen strafe zahlen, vorausgesetzt, daß er absichtlich den an- 
deren zurückgehalten hat. — Etwas ähnliches kann nämlich auch 
unabsichtlich geschehen , durch nachlässigkeit , und zwar von 
Seiten des Schreibers der itaiutä. Dieser hat das verzeichniß 
{nivaX) derer aufzustellen, welche an der heiligen handlung theil 
nehmen sollen. Wenn er nun einen theilnehmer aufzuschreiben 
vergißt, so unterläßt dieser zu kommen, und so bringt ihn das 
verzeichniß zu schaden (u8ixei 6 niva'E). Trotzdem wird er 
nicht freigesprochen ; aber der Schreiber muß nun dieselbe strafe 
leiden. „E qui vediamo Vestremo rigore di questa gente che pare 
non avesse nulla da invidiare ai suoi prossimi Spartani" , fügt der 
italienische gelehrte hinzu. 

2. Es folgt die inschrift aus Olympia n. 56, zuerst von 
Fränkel herausgegeben, bei Kohl n. 115. Comparetti liest sie, 
wie folgt: 

03Ös v.o. %ipog infifißoi iv jiu[q6}> fi^no]8mg xa(^d)(tvaag im 
iw ßeofAtp. tu[8s 5<'x«](' aaodmg, s(a)t(»)^*'(r)oc ö £eVos ai dfc'xa? 
b]u.Qifiag anorivoi, ra} /}} OXvi^tqj rjo'a dmcov. ai ö° ixxutvg 
(in)f'[l.i)ßni, v.}\r t Tac t'i'tj] -au ja nü.Toa. 



86 21. Epigrapliik. Nr. 2. 

Die verbalformen insifjßoi, e(^)t(j)^f'(r)oo, (f'^)f'(^)^of gehören 
alle drei demselben verbum an. In der ersten ist i durch ein 
versehen eingedrungen ; die dritte ist stark verkürzt, wahrschein- 
lich absichtlich, als abbreviatur; die zweite muß dem zusammen- 
hange nach ein imperativ sein , hat also, wieder durch ein ver- 
sehen, das 7 eingebüßt. Die bedeutung ist „eintreten". — Kein 
fremder soll eintreten in den heiligen bezirk, der nicht opfer 
auf dem altar gebracht hat. Das opfer ist ausgedrückt durch 
ein substantivum xu(0)dvau oder xa{d){fva[l)a. Nachdem er die 
gebührenden opfer gebracht hat (?d Sixaia anodovv) soll der 
fremde eintreten, vorausgesetzt, daß er noch 10 (oder 12) drach- 
men bezahlt (anört*£i\ indem er nämlich so viel (röa = löaii) 
dem olympischen Zeus geben wird [pmoar = ömawt). — Zum 
Schluß steht eine besondere bestimmung für den fall, daß jemand 
als brandstifter (ixxaivg oder ixKaC^va) in das heiligthum ein- 
tritt. Dieser fall wird , wie der herausgeber selber findet, „con 
mirabüe breviloquenza" behandelt; es wird nur bestimmt, daß der 
brandstifter vor die närga. (= naryiti, ciqoltqCu) gerufen werden 
soll. Hier zeigt sich (Comparetti p. 13), daß der text unserer 
inschrift älter ist als sie selbst. Der Schreiber hatte eine ur- 
sprüngliche Urkunde, die ßovoTQoqqSöi geschrieben war, vor sich. 
Daher hat er aus versehen IA für AI, also tia nurgia für t« 
nätga, geschrieben. 

3. An dritter stelle ist behandelt die inschrift aus Olym- 
pia n. 363, bei Roehl n. 118, am anfang und am Schluß von 
Kirchhoff abweichend. Comparetti liest so : 

ji rgütga. 70Öi,' ^i'(ii'?(«[.] xai tq [.] IMtTitnioas' y (filtar ntv- 
raxovtupt-rea xanöragoi pt>ivnt8iömr , ano tcu (iwitm unopfi.4- 
oiav xa toi ngo^froi, xai toi fiüvtitg, ai to[i] o(ü)xmv na'yQ^tti- 
voiav yväfxitv, tmg\co r]cö vaüi tmlvvnia. 

Die besprechung dieser inschrift ist kürzer als die der bei- 
den vorhergehenden. Wenn ich den sinn richtig verstanden 
habe, so meint der herausgeber: die Anaeter und die Metapier 
(object) sollen , wenn die einen oder die anderen die fünfzigjäh- 
rige freundschaft nicht halten, die nuöltmt (subject) vom altar 
und, wenn sie den sinn der eidschwüre übertreten, die fjiävTfig 
(subject) aus den grenzen des heiligen gebietes {ogoi rav iu»v) 
entfernen. 

4. Den echluß bildet eine fiovotguqnßLt -inschrift aus 



Nr. 2. 22. Theokritos. 87 

Ithaka , nach einer von Stillmann angefertigten Photographie ; 
Comparetti hat die inschrift als identisch mit einer früher von 
Schliemaun veröffentlichten erkannt. Nach der von ihm mitge- 
theilten photographie hat Roehl n. 336 die inschrift wiederge- 
geben, in deren lesung er für die zweite hälfte von dem italie- 
nischen gelehrten abweicht, Comparetti las so : 

rüg *A\düvag 

nfe {'P)[e%ag) 

xa[! *](«)$ "Hq- 

ag tu (e)[i]r«a 

7<x> \i\ega ol 

w[e]«[»'] {K)ea- 

. . . . TT . . . 

Der herausgeber nimmt an, daß die priester der drei göttinnen, 
deren erster vielleicht Kijöiqäv geheißen habe, in kriegerischen 
Zeiten die heiligen geräthe an irgend einem versteckten orte 
in Sicherheit gebracht und die stelle durch vorstehende aufschrift 
bezeichnet haben. Paul Cauer. 

22. Theokrits gedichte. Erklärt von Hermann Fritzsche. 
Dritte aufläge, besorgt von Eduard Hiller. Leipzig, druck 
und verlag von B. G. Teubner. 1881. (358 p.) 8. 

Wenn eine neue aufläge einer ausgäbe nicht mehr von dem 
Verfasser besorgt wird , so hat dies seine eigentümlichen ge- 
fahren. Je hervorragender durch gelehrsamkeit und je selbst- 
ständiger und eigenartiger der neue herausgeber ist, um so mehr 
ist zu fürchten , daß die ausgäbe ihren ursprünglichen character 
verliert, durch welchen sie vielleicht vielen lieb geworden ist. 
Von vornherein bemerken wir, daß der herausgeber diese klippe 
glücklich vermieden hat. Die anmerkungen Fritzscbes haben 
manchmal , wir möchten sagen , einen kindlich - naiven character, 
wie er auch dem Theokrit trotz aller alexandrinischen gelehr- 
samkeit so wohl ansteht. Nur dann und wann finden wir an- 
mcrkungen der art ohne zwingenden grund weggelassen, wie III, 
v . 28—30. I, 27. IV, 31. VII, 137, 141. 

Der von Hiller gebotene commentar läßt den leser des 
Theokrit nirgends im stiebe. Denjenigen, welche sich zuerst mit 
dem liebenswürdigen Syracusaner beschäftigen, werden auch solche 
bemerkungen gute dienste leisten, welche mißverständnissen vor- 



88 22. Theokritos. Nr. 2. 

zubeugen dienen, wie zu VII, 85. I, 123. IV, 37. V, 96, 124. 
VII, 62, 73. VIII, 68. XI, 37. XII, 12. XV, 67. XXVIII, 8. 
Nur hier und da wüßten wir etwas nachzutragen wie zu den 
Worten in 8^/nvia &6Q[a<x Xinoiaav II, 137 die bemerkung, daß 
gzi zu &SQfJia gehört. Das neutrum in 'dgytag dxga rithtrsyoi 
XV, 142 konnte durch mehr beispiele erläutert werden mit Ver- 
weisung auf Krüger I, §. 43, 4 a. 15. Blomtield zu den Persern 
v. 1 giebt eine menge beispiele. Zu XVII, 137 ayerrjv ys ftsv 
in diog i^fig ist Callim. hynin. in Jov. v. 96 zu vergleichen 
oi/z' agtTtjg arsQ oXpog eaiötutat avögag ai£u,v övt «pf7// «qps- 
voio' 8l8nv 3' UQSTrjv 7g na) olßoi>. Auch der oi'ßng wird in 
Theokrits gedieht v. 75 und 95 als attribut des königs erwähnt. 
Sollte dies zusammentreffen zufällig sein? Zu der bedeutung 
von avfx<a I , v. 96 konnte Theognis v. 25 verglichen werden. 
Der gebrauch des artikels in tov xiaoor 8ia8vg xai ntv nifgiv 
a iv nvxaaßti III, 14 konnte durch vergleichung von IV, 50 
(« yuQ otxav&a ag/tol ,m' a><5' inuta^ vno in öqvyi'i) erläutert 
werden. Aber die parallelstellen zu iv rq>8t I, 14 (rag 8" alyag 
iydbv iv 7w8e vnfxevaw) Eur. Phoen. 292. 1445 sind nicht glück- 
lich gewählt; danach sollte man meinen, daß iv TwÖt die be- 
deutung „dann" hat; es heißt aber hier offenbar „unterdessen". 
Zu XI, 74 (uid srOai raXugmg te nkixoig xui {ralldi apnoug 
ralg (igitont qiigoig) vermissen wir den hinweis darauf, daß vücöv 
im sinne von reversus steht, wieso häufig in der Odyssee («, 168. 
|, 150. «, 286. y, 184. 8, 82. p, , 17. x, 267. ß, 176. r, 313. 
ß, 30.) Für die prosa geben die erklärer zu Xenophon anab. 
II, 1, 1 beispiele. 

Es kann nicht unsere absieht sein, im einzelnen auf die 
zahlreichen erweiterungen und berichtigungen hinzuweisen an 
denen wir uns bei der musterung der anmerkungen erfreut haben. 
Dieselben beziehen sich theils auf den inhalt und den Zusammen- 
hang der gedanken, theils auf grammatik und schärfere bestim- 
mung der Wortbedeutungen, theils auf die metrik. Der heraus- 
geber hat die eigenen Zusätze mit einem eingeklammerten K. be- 
zeichnet, doch wird der aufmerksame leser manche neue bemer- 
kung auch ohne das kennzeichen wahrnehmen. Wir bekommen 
den eindruck, daß der herausgeber in der interpretation nicht 
weniger als in der kritik alle neueren leistungen gewissenhaft 
benutzt hat, wobei ihm seine reiche belesenheit sehr zu statten 



Nr. 2. 22. Theokritos. 89 

gekommen ist. Dock möge uus gestattet sein bedenken gegen 
eine und die andere erklärung auszusprechen. Hat z. b. nollä- 
xig an stellen wie II, v. 88 (x«t (xsv j[oa,s per öpoiog iyiyvero 
noD.äxi &ä\pcp) , VI, 31 (ravta <5' icoag iaogsvau noisvvtü [xs 
noXXaxi ns^ipei ttyyekov), XXVII, 41 (xai owo/xa noXläxi reg- 
net) wirklich die temporale bedeutung? Meineke hatte in dem 
supplementum adnotationis p. 494 dies in abrede gestellt; sein ver- 
sprechen über die bedeutung anderswo zu reden hat er zu Cal- 
limachos p. 230 und 244 eingelöst. „Es hat eine so feine und 
ätherische bedeutung , daß es sich kaum mit einem worte voll- 
ständig wiedergeben läßt ; es entspricht meist dem deutschen 
,,wol etwa" und dem lateinischen si res ita ferebat". Zu I, 136 
(x/y| ogtmp 70} axäneg aijdoat dijgiaaivto) wird bemerkt, daß die 
bestimmung durch e|j ogimv nicht nur unnöthig, sondern auch 
unpassend und die Überlieferung vermuthlich fehlerhaft sei. Aber 
wenn der dichter als sitz der eule das gebirge bezeichnet, so wird 
dadurch ein gegensatz gegen die nachtigall gewonnen , die sich 
ja am liebsten in schattigen niederungen aufhält 1 ). Aehnlich 
nennt Aeschylos fragm. 291 den Wiedehopf ügaavv nerguiov 
ogviv. Ludwigs Umstellung (im Ehein. museum 1881 , heft IV 
(x«J rcög xvvag ai.uqiog ekxoi g| ogsmv %oi axänsg ar/86ai dtjgl- 
ttatvto) ist auf den ersten anblick sehr ansprechend, aber sie ist 
unnöthig und giebt überdies das ungeheuerliche bild , daß der 
hirsch nicht bloß an dem hunde zerrt, sondern ihn aus dem ge- 
birge in die ebene schleppt. Zu Tvgävra I, 58 {ivgävra \iiyav 
%BVxoio faXantog) ergänzt der herausgeber ugrov oder nlav-olvta. 
Zu einem käsekuchen ist der zusatz Itvxolo yülaxtog denn 
doch etwas sonderbar. Hiller bemerkt freilich: „Theocrit braucht 
in ungenauerer weise das wort nicht von einer kuchenartigen 
speise, zu welcher käse angewendet wird, sondern von einem 
käse von kuchenartiger gestalt". Wozu aber dem dichter eine 
ungenauigkeit ohne zwingenden grund aufbürden? Der scholiast 
sah schon das richtige, daß das paragogische adjectivum für das 
substantivum steht. Davon giebt Lobeck paralip. p. 306 bei- 
spiele. Die änderung von zvQoevza in Tvgävra ist auch nicht 
nöthig, wie Lobeck zu Soph. Ai. 184 gezeigt hat. 

1) In Heinrich Leos buch »meine Jugendzeit« lesen wir p. 131 
von einer studentischen turnfahrt auf den zohtenberg: »Neu war den 
meisten von uns , ehe wir einschliefen , das eulengeschrei, was mehr- 
fach ertönte«. 

Philol. Anz. XIII. 7 



90 22. Theokritos. Nr. 2. 

Zu III, 80 (rog «wo yvftvaffioio xuXov növov Ixgn Xmovtcov) 
lesen wir die bemerkung: „dno gehört zu kinövtcov , yvfivaaCoio 
hängt von növov ab. Die construction Xtnövrmv xaXbv növov 
anö yvfivaaCoio ist unlogisch und ungriechisch." Diese Wen- 
dung , bei welcher anö im sinne von „unmittelbar nach" steht, 
mag ja gegen die strenge logik verstoßen , deshalb braucht sie 
aber nicht ungriechisch zu sein. Die worte xaXov növov agu 
Xinövtmv stehen wohl in dem sinne von dnsX&övioav. Zu dno 
verglich Fritzsche stellen wie Theophr. char. 16 nsgiggavdfievog 
ano zo v isoov h. e. commode veniens a templo, II. VIII, 54 
anö o -1 avtov (znv Ssinvov) ■dcogijöGovTo , Plato rep. I, p. 327 
TIols/Aag^og ?jX&e cog dnö rijg nofinfjg' — Noch eins: ist yaXiai 
XV, 28 («t yaXsai /xalaxwg XQV^" vtl xa&evdnv) von katzen zu 
verstehen? liegt es nicht näher an die in Griechenland so ge- 
wöhnlichen wiesei zu denken? 

Um zu stellen überzugehen wo die interpretation das ge- 
biet der kritik berührt, so scheint es uns nicht nöthig mit 
Kreußler hinter XV, 127 sargarai xllvu to5 ' Aömviöi im xai&T 
aXXa den ausfall eines verses anzunehmen. Es liegt nahe, die 
vorhergehenden worte nogyigsoi de rdn^tsg dvco mit xXt'va zu 
verbinden , so daß sich das verbum nach xliva gerichtet hat. 
Man sollte nun eigentlich erwarten dXXa 8s Kvngt8i , aber die 
Sängerin fährt fort rdv fxsv Kvngig sfyet , rdv 8' 6 go8öna%vg 
*j48(ovig. — Wir haben uns gewundert III, 126 in der fassung 
zu lesen: Kai fx et fiiv x 1 iSi^so&e, rd8' rjg q>iXa' xal ydq 
iXaqioog xai xaXög ndvisaat /hst' rjl&soiai xaXeZfiaf ev8ov z 
et xs fiövov rö xaXov aröfia rsvg iqjlXtjoa. Der herausgeber 
giebt zu, daß der nachsatz rd ö' rjg qiiXa einen auffallend schwa- 
chen und matten eindruck macht und sieht sich genöthigt den 
durch ydg ausgedrückten causalen Zusammenhang als etwas 
freierer art zu bezeichnen. Die Überlieferung svSov bezeichnet 
der herausgeber nur als vermuthlich corrupt. Hermanns än- 
derung ev <5' tjg bringt alles in Ordnung. Der erste hypothe- 
tische satz ist ohne nachsatz und die worte td ö' rjg (piXa sind 
demselben eingeschoben , wie Ahrens erkannt hat. Zu der un- 
gewöhnlichen Stellung des artikels — dies idyll hat überhaupt 
manche auffallende Wortstellung — läßt sich Moschos VII, 6 
vergleichen (« <5' ovx, ol8s &äXa<soa\ Nun hat auch der fol- 
gende satz mit ydg worauf er sich bezieht. Neben Hermanns 



Nr. 2. 22. Theokritos. 91 

conjectur sv ö' rjg möchte ich den Vorschlag sva8e <5' stellen, 
welcher dem handschriftlichen tv önv <3' noch näher kommt. Auch 
die worte tu 5' rjg qlku lassen sich noch anders fassen. Es 
konnte das neutrum zu die person des Daphnis bezeichnen, wie 
in zu naiöixu , tk qn'XiuTu, tu uatixu bei Theocrit XX, 31. 
Es lag darin vielleicht ein ausdruck der bescheidenheit wie im 
deutschen „meine Wenigkeit", wie das neutrum bei Aristoph. 
Pac. 25 (tovro 6° vnb cpQOvrjfnaTog ßgerdveTai te aat giaysiv 
ovx ä^toi) die Verachtung ausdrückt. Also : wenn ihr mich 
aufnahmt und ich dir lieb war. 

Nicht annehmbar erscheint uns die erklärung der worte 
IV, 11 nttaui y.sv Mi) cor aal Toog Xvxog uvt'ixu Xvaatjv „Milon 
dürfte wohl (wie er den Aegon überredet hat nach Olympia zu 
gehen) auch noch die Wölfe überreden sofort (gegen Aegons 
herde) zu wüthen", so sehr scheint er das verderben der herde 
herbeiführen zu wollen. Hiermit spottet Battos , ebenso wie im 
folgenden, auf die schlechte fürsorge, welche Korydon der herde 
zu theil werden läßt." Davon, daß die Xvaaa der wölfe gegen 
die herde des Aegon gerichtet werden soll, findet sich keine an- 
deutung. Es wird offenbar etwas unmögliches als für Milo 
möglich bezeichnet; wölfe in wuth zu versetzen ist aber nicht 
schwer. Unter den bisherigen emendationsversuchen ist der von 
Er. Jacobs Tmg Xaybg der beste, Gräfe wollte rmg Xi&og , dann 
möchte ich lieber rmg Xvyog. Der fehler kann aber auch in 
"kvGüqv stecken. Ich vermuthe: ntioui xev Milmv na) tovg Ivxog 
avzt"/[ vlaxztiv , letzteres im sinne von „die herde bewachen" 
oder auch in dem sinne von VI, 29 atl~a Ö' vIuhteTv viv xcti 
tu xvv). Auch XXV, 70 — 84 erscheint das bellen der hunde 
als Wirkung der dressur. Die corruptel trat um so leichter ein 
wenn an die stelle von vXuxtsiv die form vXuaasiv getreten 
war, wovon sich freilich bei Theokrit keine spur findet. Eine 
andere stelle , wo die hunde und wölfe Verwirrung angerichtet 
haben ist Id. V, 38 ■doeipai y.al Xvxidsig , &Qs'tpai xvvag mg tv 
qinycopTi. Um die stelle lesbar zu machen schreibt Hiller marrsg 
nvvag. Theocrit schrieb wohl d~gs\pai hui XvdxiÖeig , ■dg^xpai' 
xvva o' mg tv tSoviat. War einmal der plural xivug in den 
text gekommen und mg als finale conjunction aufgefaßt, so lag 
die änderung des futurum fdovrai in cpüymvTi nahe. Hätte die 
in der griechischen bibel vorkommende form (fdyovtai eine bes- 



92 22. Theokritos. Nr. 2. 

sere autorität als Johannes Dainascenus, so wäre die herstellung 
noch einfacher. Die pronominalform ae wird man dem Theocrit 
neben te und tv wohl lassen müssen; dieselbe steht ohne Va- 
riante in diesem Idyll v. 44 und I, 85. Daß die Wiederholung 
des pronomen den Alexandrinern geläufig war , zeigt Apollonios 
Ehodios IV, 385 in de ae ndzgqg alt in' epai o' ildaeiev 'Egivveg. 
Der Hiat steht ebenso bei Empedocles (Plutarch. Quaest. conv. 
p. 663 o££» 5' sV 6%v eßt]), welche stelle Meineke zu Callim. 
hymn. in Dianam v. 248 zur begründung seiner conjectur svgv 
eöe&lov anführte. In dieser beziehung war Hartungs conjectur 
zu X, 34 rwg avlatg tv e%oiaa untadelig. Wie es bei Cha- 
misso heißt : „Gleich ! ich schieße sonst dich nieder , wie man 
einen hund erschießt" ! so konnte auch in einer griechischen 
fabel der wolf dem menschen drohen ihn wie einen hund aufzu- 
fressen. Zu XVIII, 48 ygdfAfio.za 8' iv qpAotöj yeygdxpetai, mg 
nugicov tig dvvsipy, 4cogiat'f aeßov (i 1 'EXivag qviov eifil lesen 
wir die erklärung : „nach dorischer art d. h. mit dorischer kürze. 
Ueber diese vgl. 0. Müller, die Dorier II, p. 377 fg. Kürzer 
konnte die inschrift in der that kaum sein." Gab es aber nicht 
auch in Attika kurze inschriften, und sind die dorischen in- 
schriften immer so kurz wie diese? Die conjectur von Moritz 
Haupt mgiare verdiente erwähnt zu werden ; sie giebt einen gu- 
ten sinn , man sieht aber nicht recht wie eine den abschreibern 
so geläufige wendung in das wunderliche dmgiatt übergehen 
konnte. Ich vermuthe devg* lade. Die corruptel lag um so 
näher wenn zu lade eine interlinear-bemerkung wie dmgwaig, 
vielleicht gar Jcogiarl selbst beigeschrieben war. Aehnlich ist 
die wendung XXIII, v. 47 ödoiTzöge, pt] nago8evat]g, dXXä ardg 
7Ö8e le^ov dnijvea el%ev etaigov. Der text der ausgäbe bedurfte 
mancher berichtigung ; es ist ja inzwischen manches für die 
kritik geleistet worden, insbesondere durch Bücheier. Der her- 
ausgeber zeigt in der aufnähme der emendationen ein feines ur- 
theil; auch ist ihm so leicht kein beachtenswerther Vorschlag 
entgangen, wie der kritische anhang (p. 319 — 358) beweist. 
Einzelne Idyllen erscheinen in einem ganz neuen gewande, ins- 
besondere Id. XX und XVIII. Es möge uns gestattet sein ein und 

1) Nach Tzschudi »Thierleben der Alpenwelt« liebt der wolf es, 
wenn er im kämpfe mit dem hunde meister wird, deu halbzerfleischten 
hund aufzufressen, während der siegreiche hund selbst den erlegten 
hund noch verabscheut. 



Nr. 2. 22. Theokritos. 93 

die andre lesart aufzuführen , die wir gern entweder aufgenom- 
men oder doch wenigstens erwähnt gesehen hätten. Zu I, v. 56 
(zegag rs rv &vfxov dtv^ai war zu bemerken, daß rsgag von 
einem kunstwerke sehr auffallend gebraucht ist und daß Mei- 
neke (zum Callimachos p. 296) dafür ytgag vorgeschlagen hat. 
Bei der von Fritzsche übernommenen erklarung des handschrift- 
lichen noTFfxd^azo rb nlatdyyfia III, 28 kommt das medium 
nicht zu seinem rechte. Es muß mit Schneider nozifia^afjiivq) 
nldzaytjasv gelesen werden. Zu XXIII, 59 vermissen wir die 
conjectur Meinekes lato für tarazo (zum Callimach. p. 123), 
XVII, 68 das von Stephanus hergestellte Tgionog für Tgionov, 
II, 24 verdiente die von Meineke aufgenommene Variante x«x- 
nvgiaaaa berücksichtigung und v. 74 die von Ahrens aufge- 
nommene lesart äpiqsiotBiXaftivi] , wodurch die toilette der Si- 
mätha angemessen vereinfacht wird. Auch erscheint uns der Vor- 
schlag von Kohlmann (de scholiis Theocriteis. Neu-Stettiner gym- 
nasialprogr. 1880) in id. III, 27 xai*e (U dnocp&ngm anstatt des 
handschriftlichen xa'ixa ju^' noddvca zu lesen sehr beachtenswerth. 
Aber von der richtigkeit der lesart Xinog III, 18 kann ich mich 
nicht überzeugen ; darüber habe ich meine ansieht schon früher 
ausgesprochen Die conjectur Meinekes igivot XV, 50 verdiente 
nicht aufgenommen zu werden. Ein sprüchwörtlicher character, 
wonach dieser bäum nichtsnutzige menschen bezeichnete , geht 
aus der von Meineke verglichenen stelle des Sophocles nicht 
hervor. Fritzsche behielt früher egttoi bei (sgsiog = igsovg) ; 
in der 1869 erschienenen größeren ausgäbe nahm er Meinekes 
conjectur auf. Auch XV, 37 scheint mir die handschriftliche 
lesart ngoTtÜEixa ohne noth verlassen ; die von Ahrens vergli- 
chenen stellen schützen sie ganz gut. Dasselbe gilt von Mei- 
nekes änderung 7«p«7<«7« XV, 79 und v. 145 von ri XQW a 
aoywTegov rj örjleia. Meineke verließ die handschriftliche lesart 
d &r']\ein, weil er an der bedeutung von &i]Xeia anstoß nahm, 
da dies wort nie im sinne von yvvrj stehe , sondern wie ägaqv 
immer eine scharf gegensätzliche bestimmung enthalte. An den 
von Blaydes zu Aristoph. av. v. 286 verglichenen stellen ist 
dies der fall , aber in der stelle der aves selbst steht es einfach 
für yvvt}. Meinekes änderung ist freilich der früher von Fritz- 
sche befolgten Schreibung vorzuziehen, wonach d ö/fista zum 
folgenden gezogen wurde. Aber die conjectur von Lambertus 



94 22. Theokritos. Nr. 2. 

Bos. I, 125 l EXt'xa ds "kin* jjgiov anstatt 'EXixag de Xtnz q'tov ver- 
diente in ihrem ersten theile Berücksichtigung. Meineke hat das 
nöthige zur empfehlung dieser emendation gesagt ; es kann noch 
hinzugefügt werden, daß das denkmal der Kallisto von dem des 
Areas weit entfernt war und Pan sich nicht wohl an beiden 
orten zugleich aufhalten konnte. — Sollte mit der von Hiller 
aufgenommenen conjeetur von Pflugk XVII, 120 rd ds fxvQia 
tijia, oaoa fxsyap Tlgiä^ioio 8o(aov xTsarmaav iXnvteg At.8i navia 
y.iy.Qvnxai o&sv näXiv ovasti voarog wirklich das richtige getrof- 
fen sein? Die stelle wird ja dadurch lesbar, aber man begreift 
nicht wie das handschriftliche asgi na daraus entstanden ist. 
Es scheint ein dunkler ausdruck alexandrinischer gelehrsamkeit 
verloren gegangen zu sein. Ich vermuthe degia niagyntai. 
Wir finden bei Apollonios von Rhodos das adjeetivum rjeging 
öfter in einer anderen bedeutung als in der, welche Buttmann 
für Homer erwiesen hat (Lexilog. I, p. 117); so lesen wir IV, 
1239 Tjggiq 5' äfjia&og naQaxixXttat ; IV, 267 und 270 heißt 
Aegypten tjugC?]. Im Etymologicum Magnum heißt es 421, 11 
mit anführung der stelle des Apollonius 'Hegirj r] Aqvntog zo 
TZQtv ixaXsho ' oji zoTg in avtrjv nlsovai xoCXtj ovaa ov qiaivstai^ 
nqiv av o%edov oQfiio&mai , xat tots ooanso s£ öfAi'j^g na) deyog 
ixx£xaXvf4fxeti] cpairerai. So konnte Theocrit in diesem gedichte, 
dessen spräche ja überhaupt etwas künstlich ist, rjegirj als be- 
zeichnung des dunklen todtenreiches gebrauchen, ähnlich wie 
Schiller von dieses thales gründen redet, die der kalte nebel 
drückt. 'AsQceig ist ja bekanntlich ein epitheton des Tartaros. 

Eigene conjeeturen hat der herausgeber nicht in den text 
aufgenommen mit ausnähme von XXX, 24, wo derselbe die gestalt 
bekommen hat dpnuvaai, 3' ivtavrog %aXsnäg oi%i 8vag o&e'vei, wo 
dftnavaai an die stelle von Mählys navaai zöv 8' getreten ist. 
Er hat sich damit begnügt sie in den kritischen anhang , zum 
theil mit einem fragezeichen versehen, zu verweisen. So finden 
wir zu XVI, 61 den Vorschlag oaa 1 avspog %£Qöovd8 an 6 yXav- 
xäg äXog m&ei anstatt fxsrd , XVII, 54 ' Agysia xvdvocpQV, av 
Xaoqiovov /lto^rjSsa fiioyo/jieva Tvdrjt riweg, Kalv8uiPiq> ävögl an- 
statt KaXvdmviov avdga^ XXI, 17 oldsig d' iv vt'jGqi yehmv nsXev 
anstatt iv pe'ooq). Dem beispiele des herausgebers folgend will 
ich mir auch erlauben einen mit einem fragezeichen versehenen 
Vorschlag zu machen. An den worten, welche Thyonichos an 



Nr. 2. 22. Theokritos. 95 

seinen freund Aeschines XIV, 68 richtet and nQnrärpav nt'ko- 
fieofta närrsg yyjgalsoi hat, so viel ich weiß , noch niemand an- 
stoß genommen. Die handschriftliche Überlieferung läßt sich 
aber nur dann halten, wenn nzlopiai die bedeutung des „Wer- 
dens" hat; so lange keine stelle beigebracht ist, wo ein zwin- 
gender grund zu dieser erklärung nöthigt, bin ich geneigt die 
stelle als verderbt anzusehen. Wir erwarten einen gedanken 
wie bei Lucilius Anthol. Pal. XI, 388 s'i 8s tiü iaai ßgotäv ovg 
aviixa yfjgag uintsi. Schrieb Theocrit vielleicht unb xQorüqcov 
neXöpea&a (p&dvrsG yiiQctltoil Nach Matthiä § 553 liegt in 
qi&dvsiv zuweilen bloß der begriff der Schnelligkeit. Bernhardy 
(Griech. syntax p. 476) nennt q'&rifA8vog oder cp&üaag unter den 
flüchtig angereihten participien, welche das verbum nur schwach 
erweiterten mit dem sinne von „rasch". Homer hat das particip 
im compositum vnoqt&dg (Theoer. XXV, 264 ngocp&äg); bei 
Herodot ist die form rp&ag ganz gewöhnlich. 

Als unecht bezeichnet der herausgeber [, 106—110 (von 
rrjvsi Ögveg an) II, 60. IX, 30. XIII, 24. XVII, 7 o. XX, 7, 
33. XXII, 122, 150, 178 — 180 (von äiäg 'älkoi bis rdads) 
XXIV, 16, 84 u. 85. XXVII, 29. 

Bemerkenswerthe interpunktionsänderungen finden sich IV, 
21. V, 14. 9. XI, 16. XII, v. 1 u. 2. XXIV, 136. An der 
stelle XV, 67 steht die interpunktion tzotsx avtä' (irj ti nla- 
raftij,,- in Widerspruch mit der erklärung passe auf sie auf, da- 
mit sie nicht von deiner seite im gedränge weggerissen werde. 

In der erwartung , daß auch die Anleitungen zu den ein- 
zelnen gedichten mancherlei berichtigungen und erweiterungen 
erfahren haben werden , wird man sich nicht getäuscht sehen. 
Insbesondere gilt dies von den einleitungen zu VII, VIII, IX, 
XIII, XXIV, XXV, XXVII. In den anmerkungen zu XVII 
finden wir manche auf die Chronologie bezügliche bemerkung. 

Was die gesammteinleitung betrifft, so können wir es nur 
billigen , daß der herausgeber von einer Umarbeitung im ein- 
zelnen abstand genommen hat und sich mit einigen durch eckige 
klammern bezeichneten Zusätzen begnügt hat. Es wird zeit die 
Vorstellung von idyll als genrebild , welche wir sogar noch 
in Bernhardys litteraturgeschichte finden , zu verdrängen •, dies 
geschieht p. 32 durch die Verweisung auf Christ Verhandlungen 
der 26. Philol.-Vers. in Wüzburg 1868, p. 49 flg. 



96 23. Aischylus. Nr. 2. 

Eine sehr dankenswerthe beigäbe ist die Umarbeitung 1 , 
welche der Zusammenstellung der dorismen Theocrits p. 299 — 
318 zu theil geworden ist. 

Noch einen wünsch möchte referent aussprechen, daß näm- 
lich öfter anstatt der verweise auf bücher die citierte stelle ab- 
gedruckt wäre. Bei citaten aus Homer , Virgil , Horaz u. drgl. 
mag dies überflüssig sein , aber bücher wie Mätzner zum Anti- 
phon (II, 145), die anthologia Palatino, (VII, 41, 139), Plinius hist. 
nät. (XIV, 22) sind nicht jedem gleich zur band; das fragment 
des Sophocles bei Athenäus 3 p. 76 C) zu XV, 50 nachzu- 
schlagen ist dann doch etwas unbequem. Fritzsche verfuhr 
darin anders. Von druckfehlern sind uns aufgefallen V, 5 noxa 
für noxa , V, 89 nsgeXavTa für nagslavTa , p. 125 zeile 15 
rechts I Cor. anstatt II Cor., p. 228 z. 3 dem Leukippos an- 
statt den. Ein störendes versehen ist p. 353: Madvig meint, 
der vers könne sich auf Pentheus beziehen, wo für Pentheus 
Bacchus stehen muß. In dem citat zu IX, 34 muß es heißen 
Krüger I, § 50, 8, 19. Ludwig Schmidt. 

23. Ric. Schenk, de genuini quem vocant genetivi apud 
Aeschylum usu. Berlin 1882. 8. 124 p. Diss 

Der lokalistischen theorie gegenüber hatte zu- 
erst Rumpel eine rein grammatische bedeutung 
der casus behauptet. Da er nur die griechische 
spräche als substrat nahm, so kam er zu einem nur 
th eilweise richtigen resultat. Grundlegend wurde für 
alle weiteren Untersuchungen Delbrücks arbeit (Abi. , Loc. , In- 
str. 1867.) Ausgehend von der vergleichung des altindischen, 
lateinischen, griechischen und deutschen wies er nach, daß der 
urspüngliche bestand an casus zusammengeschmolzen ist, indem 
mehrere zu einem sich vereinigten. So betrachtet er, was uns 
speciell angeht, den griechischen genetiv als einen mischcasus 
(synkretistischer casus) aus dem reinen (Schenk's genuinen) 
genetiv, dem alten ablativ, einem theil des alten localis und 
einem theil des alten instrumental. Hübschmann zur casuslehre 
1875 hat das von Delbrück außer acht gelassene zend heran- 
gezogen und will speciell für den griechischen genetiv keinen 
antheil an dem localis und instrumentalis zugestehen. (In seinen 
grundlagen der griechischen syntax 1879 hat Delbrück später 



Nr. 2. 23. Aischylus. 97 

p. 44 ff. seine ansieht, daß im griechischen genetiv auch ein rest 
des alten local und des alten instrumental stecke, zurückgezogen.) 

Neuerdings hat nochmals Holzweissig 1877 „Wahrheit und 
irrthum der lok. casusth." und progr. Bielefeld 1877 die frage 
erörtert , aber ohne die klare und besonnene beweisführung 
seiner Vorgänger. Die zwingende noth wendigkeit fehlt 
seinen bekauptungen Delbrück hatte für den griech. 
genetiv die linie , wie weit er reiner genetiv , wie weit alter 
ablativ sei, im allgemeinen gezogen. Holzweissig will (um die 
sicheren resultate in die schule einzuführen) detail- 
lieren und geräth dabei in bedenkliche Schwankungen. („Reiner 
genetiv steht sicher bei verben des erinnern s, wahr- 
scheinlich bei denen des zielens u. s. w., vielleicht 
bei denen des antheils u. s.w. Wahrheit u. s. w." p. 80). 

Schenk folgt nun bei seiner Untersuchung über den ge- 
brauch des ursprünglichen genetiv (der sich ungefähr mit 
dem lateinischen deckt) dem schema Holzweissigs, er be- 
nutzt also eine unsichere basis. Auch wird die erwartung , die 
man nach dem titel hegt, es werde etwa jene aufstellung auf 
grund des Aeschylus nach ihrer richtigkeit geprüft werden, nicht 
erfüllt. Holzweissigs schema dient nur als disposition. 

Bei genauerer betrachtung jedoch thut dies dem werthe der 
arbeit keinen abbruch. Ihr Schwerpunkt liegt nämlich nicht auf 
dem gebiete der vergleichenden syntax , sondern sie ist eine 
tüchtige Vorarbeit zu einer historischen syntax und ein sehr 
schätzenswerthes hilfsmittel für Sprachgebrauch, exegese und kri- 
tik des Aeschylus. Schenk hat sorgfältig die gebrauchsweisen 
des attributiven , prädicativen , mit adverbien verbundenen ge- 
netiv sowie einzelne gruppen des genetiv bei adjeetiven und 
verben zusammengestellt, und es gelingt ihm aus der Aeschylei- 
schen spräche selbst heraus (vielfach unter zuhülfe nähme 
der übrigen tragiker und des scholiasten M) dunkle 
stellen zu erläutern, zweifelhafte zu bessern. Er steht auf dem 
richtigen Standpunkt einer besonnenen , conservativen kritik. 
Man hat an Aeschylus zu viel corrigiert, weil man seine spräche 
zu wenig übersah. Schenk bahnt, so möchte man sagen, ein 
systematisches verständniß an. 

Wir heben nur einzelnes hervor. Sept. 631 (citiert nach 
Kirchhoff) ist dco/Adnov imargoqrai nur eine fülle des ausdrucks, 



98 23. Aischylus. Nr. 2. 

da imözQoqiui, concrete bedeutung hat = deversorium. Aehnlich 
Eum. 538 ösoptäv nsbai. Je nachdem der gen. appositiv 
oder partitiv, bedeutet yivog ßgoroov „ein Geschlecht 
der Menschen." oder „das G. d.M." Supp. 538 (p. 12) wird Her- 
manns änderung rag für tat 'AcfQoSiiag alav unterstützt. Sept. 
33,58 möchte wohl nvläv e<~o8ot gen. obj. sein (das thor ist 
vielfach ein dipylon) besonders auch wegen des danebenste- 
henden asi/Aaai nvgymv. p. 11 das über ngog gesagte be- 
ruht auf zufall, da beide namen wohl ursprünglich 
adjectivisch sind. Pers. 540 avdgwv dgti^vyia (concret) 
die jung verheiratheten gatten. Ag. 54 depvioTjjgT] növov ogra- 
Xi'%cov die mühsam erzogene brut. Suppl. 721 &smv apßrj = 
xovg &eovg (wie Prom. 1092 [Abrang e/iijg fießag) hat viel be- 
stechendes , wenn nicht etwa , worauf Schob M. zu 720 deutet, 
at'ßt] = ßcoyoig ist. Auf grund der statistischen erhebung 
p. 19 — 27 über den gebrauch der pronomina ist schwer ein 
gesetz auszusprechen , da wohl der zufall seine rolle spielt, 
p. 28 Ag. 995 dürfte dvdynr} itjaSt rv%tjg Gen. appos. sein, 
p. 45 ßata and nollmv scheint nicht zum gen. part. zu ge- 
hören. Daß die masculinform /jydstg bei Aeschylus fehlt , ist 
interessant, da auch Homer sie nicht hat. Fein sind die beob- 
achtungen über geschlechtsvertauschungen beim Gen. part. wie 
not'tav td "kmna statt oi "koinoi. Anschließend daran wird ent- 
sprechend der Steigerung , wie sie Sept. 833 növoi növcov, 
Suppl. 507 ava% ätdxrmv fiandgoov ua^dgrare^ Pers 661 de'anota 
Ssanozäv aufweist, die stelle Pers. 672 m niaid niarmv erklärt 
=== ihr allergetreuesten. Der Gen. part. hebt oft nur eine seite 
an einem gegenständ hervor (day/ta ßoyg); so ist Supp. 731 
nsiaftärmv amrrjgta = rettungsstrick , Sept. 100 wird nsn'kmv 
st (A7] äfiqsl Xitäv^ e^nfAsv (— bittgewand) mit Seidler gelesen. 
Aus dem anhang p. 53 ff. sei erwähnt der exkurs über die 
kühne Versetzung des adjectivs , die oft zu verkehrten con- 
jecturen veranlaßte. Dieser erste theil der arbeit berührt sich 
vielfach mit einer gleichzeitig erschienenen arbeit von Dr. P. 
Dettweiler , über den freieren gebrauch der zusammengesetzten 
adjective bei Aesch." Gießen Progr. 1882. 

p. 66. Ch. 962 verbindet sich arav einfacher mit xa&ag- 
fioiaiv. Nach einem excurs p. 72 — 78 über den transitiven ge- 
brauch der verbalia auf 70g (übrigens schon bei Kühner Gr. I 



Nr. 2. 24. Aischylus. 99 

§332, 6) wird Ag. 294 ^ugoanxov nogdfxnv xätontov ngäva erklärt: 
„der den Saronischen busen überschaut" und analog Pr. 464 
edyav aavtbg tvayrj oiquiov einen bequemen überblick ü. d. g. H. 
bietend, p. 80 Cb. 692 xshev&ov zu ngöocpoga = erquickung 
nach der reise, p. 82 wird Sept. 761 durch interpunction ge- 
heilt, p. 87 Eum. 679 wie auch p. 89 Suppl. 457 scheinen 
gegen Schenk für alten ablativ zu sprechen, p. 88 Pr. 1093 
würde auch ohne xoivov der gen. stehen, p. 90 Pers. 150 er- 
gänzt sich wohl am leichtesten qidsi hinter öemv. 

Bei besprechung der adverbia p. 92 ff. ist manches unter- 
scheidungsmoment zu unwesentlich, z. b. ob Siwnv bei le- 
bendem oder leblosem stehe. Warum dann nicht 
auch bei t qo n ov , %(tQiv% Ueberhaupt leidet bisweilen die 
Übersicht auf kosten einer vielleicht zu weit gehenden Vollstän- 
digkeit. — Erwähnt sei noch p. 113 ff. rvyiärm und xvgtiv 
absolut in prägnanter bedeutung wie Ch. 406 zi ö' uv cpävtsg 
Tv^oi/ASf ; (= verum assequi). 

Manches ist nicht neu , doch bietet sich des neuen recht 
vieles. Man braucht nicht überall beizupflichten, muß aber dem 
Verfasser für seine umsichtige , mühevolle und fruchtbare arbeit 
volle anerkennung aussprechen. Stellen- und Wortregister wür- 
den die benutzung der arbeit erleichtern. Hoffentlich bringt sie 
die fortsetzung mit. 

Druckfehler: p. 4, z. 18 lies nvXcov; 29, z. 5 nav- 
ddxQVTov; 30, z. 3 v. u. muß atsQyrj&Qov gestrichen 
sein; 41, z. 16 lies a av %vv ; 65, z. 20 oc fio cpgcov; 66, z. 16 
statt 898 lies 808; 68, z. 8 fehlt 'IXiov; 80, z. 16 lies 
T£%vui\ 86, z. 5 fehlt angäbe der stelle; 92, u. lies 
d v 8 q 6 s q>iTvn o i[*evog; 93, z. 5 v. u. ovv; 107, z. 16 \vv- 
aXi. drov t ug; 109, z. 3 (iv q [* elov ; 116, z. 12 v. u. diog- 
Öot(ov; 117, z. 16 ar e q on rj. Philipp Braun. 



24. Peter Dettweiler, übar den freieren gebrauch der 
zusammengesetzten adjectiva bei Aeschylus. Progr. des gymn. 
in Gießen 18811882. 18 p. 4. 

Wie das verständniß der zusammengesetzten adjectiva und 
überhaupt des freieren gebrauchs der epitheta bei den tragikern 
dem anfänger große Schwierigkeiten macht , so kennzeichnet 
überhaupt die richtige auffassung dieses gebraiichs den sach- 



100 24. Aischylus. Nr. 2. 

verständigen, der sich in den poetischen Sprachgebrauch hinein- 
gelebt hat. Die Schwierigkeit liegt besonders darin , daß der 
Sprachgebrauch der griechischen dichter in dieser hinsieht unse- 
rem Sprachgefühl nicht entspricht und sich in unserer spräche 
nicht widergeben läßt, wenn man nicht ungereimte ausdrucks- 
weisen hinnehmen will. Ich habe schon an einer anderen 
stelle (z. Eur. Bacch. 384) bemerkt, daß der Fritz Reuter'sche 
ausdruck „in nachtschlafender zeit", der für uns etwas humoristi- 
sches hat, recht griechisch ist. Der griechische dichter sagt 
vtqiooTißeig ^si/jävsg (Ai. 670) „schneewandelnde winter" d. i. 
„winter, in denen man über schnee wandelt", nicht wie es er- 
klärt wird, „über schnee hinfahrende winterstürme." Bei Aeschy- 
lus steht &7]Xvy.7nrcp " Agti „durch weibestötende blutthat" in dem 
sinne „durch blutthat, bei welcher weiber die mörderinnen sind." 
Der erklärung von Dettweiler „durch Ares, der durch weiber 
tödtet" können wir nicht beistimmen. Wie iajjtqohtovov fifaa^a, 
die „muttermordende befleckung", die vom muttermorden kom- 
mende befleckung , y.a&agping ftoigoxrovos, „ferkelschlachtende 
sühnung", die mit dem ferkelschlachten verbundene sühnung be- 
deutet, so ist auch al\xa ^oigoxrötov „ferkelschlachtendes blut" 
d. i. das beim ferkelschlachten fließende blut. Wenn Dett- 
weiler nifia xoignxToror accentuiert und darin ein vorzügliches 
beispiel für den fall findet, wo das compositum den genetiv des 
in ihm enthaltenen Substantivs nebst dem zugehörigen adjektivi- 
schen begriff vertrete („das blut getöteter Schweine"), so ist da- 
mit allerdings der ausdruck unserer denkweise näher gerückt, 
die griechische denkweise aber dürfte nicht erfaßt sein. Ent- 
sprechend haben wir gndga nagdEvöaqiaya „Jungfrau schlach- 
tende blutströme" zu erklären, nicht „blutströme der geschlach- 
teten Jungfrau." Ueberhaupt sind diese adjeetiva immer akti- 
visch aufzufassen, wie Ivxoxrovog das adjeetiv zu XvnoxTovsm, 
aargant]Qf>ngog zu aaiganrjqingMv ist. So heißt aargantiqtngov 
nvg eigentlich „blitzschleuderndes feuer" und sogar aagdahjcpo- 
qov Öegog (Soph. fr. 16) „das panthertragende feil" hat die be- 
deutung „das feil, das der panther trägt" (Ellendt und Dindorf 
corrigieren natürlich nngdaXijqiogov). In sehr freier, der deut- 
schen spräche nicht zustehenden weise werden also begriffe, 
welche zusammen eine Vorstellung bilden in dem zusammenge- 
setzten epitheton und Substantiv verbunden und man kann, um 



Nr. 2 24. Aischylus. 101 

die verschiedeneu fälle zu erläuteru , z. b. in dem einen fall 
sagen , das compositum vertrete als adjectiv den genetiv des 
durch das ganze ausgedrückten substantivbegriffs, nur darf man 
nicht vergessen, daß, wenn lnni6%a.g(iui xXovoi mit xXövot, In- 
moxagftmv erklärt wird, alle poesie wegfällt. Allerdings heißt 
eidviiOtfiog „eines leichten todes sterbend", nicht „facilem mortem 
afferens", aber die auffassung von aifxata tldvrjai^xa „die blut- 
ströme der eines leichten todes sterbenden" (Kassandra) liegt 
doch der freien poetischen anschauung ferne. Der dichter sagt 
„leicht sterbendes blut" und überträgt das , was von dem zu- 
stande der person gilt, auf dasjenige, was den zustand herbeiführt 
(aiftdrcov ev&vijoificov würde nicht gesagt sein ohne änoggvsvtoav). 
Dettweiler, von dessen abhandlung der erste theil vorliegt über 
die zusammengesetzten adjectiva , durch welche ein genetivver- 
hältniß ausgedrückt wird, unterscheidet folgende fälle : a) \nnw- 
%ag^ai xXövoi = xXovoi innio^agfimv , b) aroXog %iXioravTqg = 
aroXog ^iXicov ravTcöv (vsäv?) , c) snruTst^tig 8%o8oi = snta 
E^oöoi Jsixäv, d) rvxTKpQovgrjTov dgüaog = ögdcsog vvxrbg qigov- 
govvTCov (yoovgnvGwv), e) to^ovXxov Xrjfiu = Xijua tov t'Xxeiv tu 
rö<~a (eine mir sehr zweifelhafte erklärung). Der zweite ab- 
schnitt behandelt die composita, bei welchen das eine glied den 
genetiv vertritt , das andere aber seine bedeutung mehr oder 
weniger verliert, der dritte die s. g. hypallage. So sehr wir 
anerkennen , daß Dettweiler vieles richtiger erklärt als Dindorf 
und Frey, gegen die er öfter polemisiert , können wir doch we- 
der in der allgemeinen auffassung noch in der bestimmung ein- 
zelner ausdrücke die Untersuchung als abgeschlossen betrachten. 
Ich will einige deutungen, die uns besonders verfehlt erscheinen, 
namhaft machen: xoitrj dteXsv&egog Ag. 1456 „das lager eines 
unfreien", fteXavS^v^ ata „das verderben der dunklen ruder- 
bänke", dijuoügovg (so accentuiert der Verfasser) dvag%ta „der 
herrscherlose zustand des schreienden volkes", nötfxoo 8i%6qigovt 
= noTfjtcp tov 8i%a cpgoveh (es muß Sept. 875 oh diyöqjgoti 
nÖTfjkco heißen), vvxtinXuyxto^ bvvti „lager eines nachts umher- 
schweifenden." "Was den zweiten abschnitt betrifft , so ist wohl 
zu bemerken, daß der eine theil des compositums nur für unsere 
minder gewandte spräche seine bedeutung verliert, nicht für das 
griechische ohr : rjXiootißeig #fj|u<»»<«£ heißt „sonnenwandelnder 
aufgang" nicht „Sonnenaufgang", daxgvaiataxtov gtog „thränen- 



102 25. Sophokles. Nr. 2. 

träufelnder ström" , nicht „thränenstrom" , naiSörgiata nä&ea 
nicht „leiden von seiten der kinder", sondern „leiden von wunden, 
welche die kinder schlagen." Endlich würde die freiere art der 
traiectio epitheti gar nicht als eine besondere redeweise aufgefaßt 
werden, wenn nicht der genetiv dabei stände. Es unterscheidet 
sich nämlich %eiQoiövovg Xndg „händeringende bitten" in xXvets 
nag&evcov %8toor6vovg Xitdg in nichts von dem obigen to^ovXxov 
X?j/xa, von QixponXog aia, uXXqXoqovoi fiaviai, 6q)&aX(i03ov%oi dixau 
Wir zweifeln nicht, daß der Verfasser bei fortsetzung seiner 
Studien in diese frage noch volles licht bringen wird. 

N. Wecklein. 

25. Siegfried Mekler, lectionum Graecarum specimen. 
Vindobonae, Konegen. 1882. 16 p. 8. 

Conjecturen , die eine umfangreiche begründung erfordern, 
sind gewöhnlich nicht viel werth. Wirkliche emendationen em- 
pfehlen sich von selbst und sind in der regel sofort einleuch- 
tend. Es macht darum schon einen guten eindruck, daß Mekler 
auf wenigen 11 seiten 31 conjecturen vorlegt, ohne es an der 
nöthigen begründung fehlen zu lassen. Was das äußere er- 
warten läßt, besonders den, welcher die scharfsinnigen kritischen 
arbeiten des Verfassers kennt , das findet man bei weiterer ein- 
sichtnahme auch bestätigt. Ganz trefflich sind die Verbesserun- 
gen zu Soph. Phil. 187 ogsia ö' ä&VQoaTO/j.ova i a%c6 , zu Eur. 
frg. 587 aiö^o' iati , tov tov ro aoqsov, zu dem Gnomol. Urb. 
ed. Gu. Meyer p. 31 nsnTooxs va[x?QTsia y p. 32 dvrjg ansi&tjg 
eneaev sig £%&Q(äv dnXovg , p. 48 tov nartga ti/xa , trjv de 
t ixt ovo av apßov. Andere vermuthungen sind mehr oder we- 
niger wahrscheinlich. Sehr schön wird Eur. Med. 767 o'i [ie 
TZQOvdocav für i%&govg tovg ifiovg eingesetzt, weil tgop iftmv i%- 
&Qiöv kurz vorhergeht; doch ist der natur der sache gemäß 
diese änderung nicht so sicher. Die änderung von tov Xsyoviog 
in tov tviövtog O. T. 917 scheint unnöthig. Die annähme 
einer lücke nach ebd. 1526 scheint allerdings durch das particip 
s7iißXs7zmv gefordert zu werden, doch ist zu beachten, daß xal 
vor Tvftäig auch in dem texte ov rig ov &'/Xq? noXumv xai 7v%aig 
tmßXmcov <ixn(jt7ietg ydfxovg i&ovXsi xal tvgaviid' o}ßiav> nicht 
an seinem platze ist. Die Verwandlung von myeXovuievog in cp 
(fiXov fit'Xoi Phil. 1382 dürfte schon wegen des folgenden ocps- 






Nr. 2. 26. Sophokles. 103 

Xog rn8s bedenklich sein. Bei weiterer erwägung der stelle 
scheint mir jetzt die einfachste besserung taqtelovfxt'vovg zu ge- 
nügen. Neoptolemos versteht es von den göttern, denen mit 
der erfüllung ihres Spruches ein dienst geleistet wird, Philoktet 
aber nimmt es allgemein und fragt darum , wem der nutzen 
gelte. Einen bisher nicht geahnten sinn bringt Mekler in Eur. 
fr. 801 mit der ergänzung und Schreibung : <oo£ avto to£#' o zco 
veavia xalov>, fio^&rjgöv sgtiv dtSgi Tigsaßturj, Ttxixag SiScoaiv 
oang ovxs#' cögaioi; yapisl. Aber schon der ausdruck Tsxfxag 
8l8aaiv , der eines anderen beleges als der stelle aus Prom. 
823 f. bedürfte, scheint bedenklich. Auch ist das beispiel für 
den satz , daß für das greisenalter nicht das gleiche paßt wie 
für die Jugend , nicht gut gewählt. Es wird wohl der bisher 
angenommene sinn der richtige sein, der etwa fordert: fjio^&rjgov 
soziv arSgi ngtaßuzrj A s ][ o ^ vsävtv oarig ovxed cogalog ycifiei. 
In Theodekt. frg. 14 möchte ich die Verbesserung ta iiy.va aco- 
£ovo' ui. yovscov auußovliui der anderen yovtmv t« iiv.v sacooav 
ai avußavlCai vorziehen , da in dieser weder die Stellung noch 
der aor. gefällt. Sehr passend ist dagegen eneotv für ntnru 
in der oben erwähnten stelle gesetzt. N. WecMein. 

26. Adelbert Glaser, quaestionum Sophoclearum par- 
ticula altera. Osterprogramm des gymn. zu Wetzlar 1881. 17 p. 4. 

Eine gedehnte und weitschweifige erörterung läßt man 
sich immer noch gefallen , wenn man etwas daraus lernt oder 
das resultat von irgend einer bedeutung ist. Wenn aber der 
langen rede kurzer sinn keinen sinn hat , dann muß man nur 
die unnütz verlorene zeit bedauern. Um unseren lesern nicht 
den gleichen ärger zu bereiten, wollen wir die änderungen und 
erklärungen von Glaser in aller kürze angeben. Daß sie nichts 
bedeuten, wird jeder sofort erkennen. 0. K. 1083 soll aidsgiag 
rtqizXag in Aiya.~k.zia nquSmv verwandelt werden. Wer al&sgiag 
veqislcti,' an der stelle ändern, wer es gar so ändern kann, der 
zeigt, daß er zur textkritik keinen beruf hat. Nicht besser steht 
es mit der erklärung ; denn toIJjö' äycavcav aimgijaaaa tov/uop 
OfifAU soll bedeuten : horum certaminum gratia oculum tollens meum. 
Der „causale" genetiv wird mit beispielen belegt, die mit dieser 
stelle nichts gemein haben, und aimgtiv und a'igsiv wird ohne 
weiteres zusammengeworfen Ebenso werthlos sind die änderungen 



104 27. Eratosthenes. Nr. 2. 

der unmittelbar vorhergehenden verse, welche in dieser abhand- 
lung nur angeführt werden und in einer früheren „begründet" 
sind: dsg ngo^fäzai vi fxoi ytcöpia' t«^' avdmoei ia öeiva v\äaa, 
dstva ö' svQoiaa nobg uv&aCfxcov nd&t] vsXei vs Oqaevg xi holt' 
afiag. Schon das asyndeton yvc6(AW zätf avduaei hätte die än- 
derung des infinitivs avdcoaeiv und damit die weitere änderung 
vsXsi vs Otjasvg verbieten sollen. 

27. Die geographischen fragmente des Eratosthenes 
neu gesammelt, geordnet und besprochen von H. Berg er. 
Leipzig, Teubner 1880. 8. 394 p. 

Da die bereits im jähre 1822 erschienene letzte Sammlung 
der geographischen fragmente des Eratosthenes in Bernhardy's 
Eratosthenica p. 1 — 109 von ihrem Verfasser selbst mit recht spä- 
ter als eine übereilte und ungenügende arbeit bezeichnet worden 
ist , kommt das vorliegende werk gewiß einem wirklichen be- 
dürfniß entgegen. Sein erscheinen ist aber um so erfreulicher, 
als der Verfasser hierbei seine schon aus der bearbeitung der 
fragmente des Hipparch bekannte Sorgfalt wiederum bewährt hat. 

Prüfen wir zunächst die auswahl der fragmente, so ist es 
allerdings auffällig, daß Berger die von Stiehle im 2. supple- 
mentband des Philologus 1863 gelieferte Vorarbeit unbekannt 
gewesen zu sein scheint, welche die Bernhardy'sche Sammlung 
recht erheblich ergänzte und verbesserte. Irgendwie wesent- 
liche nachtheile hat dies indeß nicht gehabt, da mir wenigstens 
nur 3 stellen aufgefallen sind , welche bei Stiehle aufgeführt 
sind, während sie bei Berger fehlen. Eustath. ad Dion. perieg. 
219 über Kerne (zu fr. II A 9), Theo Smyrn. 56 (zu fr. II 
A 2) und Herodian. negi (xov. Xi%. 13, 22 p. 40 ed. Lehrs, 
(etwa zu fr. II B 104). Als ein wesentlicher fortschritt gegen- 
über den gewöhnlichen fragmentsammlurigen muß es dagegen 
angesehen werden , daß der Verfasser sich nicht auf die durch 
Eratosthenes namen gekennzeichneten stücke beschränkt hat, 
sondern dieselben durch alle diejenigen vervollständigt, deren 
inhalt mit Sicherheit auf eratosthenischen Ursprung schließen 
läßt. Durch dieses verfahren hat die zahl der fragmente na- 
mentlich aus Strabon einen bedeutenden Zuwachs erhalten, wie 
denn diese hauptquelle für die Geographica des Eratosthenes mit 
solcher Sorgfalt ausgebeutet worden ist, daß ein einigermaßen 



Nr. 2. 27. Eratosthenes. 105 

ins gewicht fallender gewinn aus ihr nicht mehr in aussieht 
steht. Vermißt habe ich nur 15, 1, 20 (zu fr. III B 11), eine 
stelle, deren direkten Zusammenhang mit den unmittelbar vorher 
und dahinter stehenden eratosthenischen stücken ich in mei- 
ner schrift de fontib. Strab. libr. XV p. 7 nachgewiesen zu 
haben glaube. Bei anderem wird man dagegen im zweifei sein 
können, ob es mit recht dem Eratosthenes zugewiesen ist, so ist 
es z. b. ungewiß, ob III B 15 und III B 24 nicht vielmehr 
von Arrian beziehungsweise Strabon unmittelbar aus Nearchos 
entlehnt sind, und auch III B 127 aus Diodor würde wohl 
besser weggeblieben sein. 

Ebenso sorgfältig und besonnen wie die auswahl ist auch 
die anordnung der fragmente. Durchaus zu billigen ist dabei, 
daß Berger im gegensatz zu Bernhardy und auch zu Stiehle 
die annähme des Eratosthenes bezüglich der entfernung der 
sonne und des mondes aus den geographischen fragmenten ent- 
fernt hat (p. 81 not.). 

"Was endlich die behandlung der einzelnen stellen betrifft, 
so ist es bedauerlich, daß die neueren, zum theil sehr hervorra- 
genden leistungen auf dem gebiete der strabonischen kritik 
keine umfassendere benutzung gefunden haben. Die arbeiten 
Madvig's, Cobet's, Miller's und Niese's würden an manchen 
stellen mit gutem nutzen verwerthet worden sein. Andererseits 
muß die große besonnenheit des Verfassers bei der besprechung 
kritisch schwieriger stellen hervorgehoben werden Ich brauche 
auf diesen punkt hier nicht näher einzugehen, da ich eine reihe 
hierher gehöriger stellen bereits im Philol. 41. Bd. 2, p. 336 
erörtert habe. Es mögen daher hier nur noch einige einzelne 
bemerkungen folgen. Ueber das verhältniß zwischen Eratosthenes 
und Dionys. periegeta vgl. A. Goethe, de fontibus Dionys. perieg. 
Gotting. 1875 und die anzeige im Phil. Anz. 1876 p. 295; 
über das verhältniß zu Pomponius Mela scheint mir C. Frick 
in Fleckeisen's Jahrb. 1882 p. 76 — 79 richtiger zu urtheilen. 
P. 93 wird Hanno etwas zu sicher als gewährsmann des Era- 
tosthenes angesehen, dagegen halte ich den nachweis dafür, daß 
Arr. Ind. 43 auf Eratosthenes zurückgeht, für wirklich erbracht; 
es konnte dabei noch auf die besondere erwähnung Kyrene's, 
der Vaterstadt des Eratosthenes, hingewiesen werden. — P. 227 
not. 1 wird bemerkt, die zahlen , die Plin. VI § 62 f. für die 
Philol. Anz. XIII. 8 



106 28. Plato. Nr. 2. 

einzelnen strecken (im innern Asien) nach Diognetus und Baeton 
anführt, sind durchaus nicht mit den Eratosthenischen zu verei- 
nigen." Dies wäre hei der schlechten Überlieferung der plinia- 
nischen zahlen gewiß vergebene mühe, um so mehr, als Plinius 
selbst hinzufügt : in quibusdam exemplaribus diversi numeri reperiun- 
tur; nur möchte daraus nicht der Schluß zu ziehen sein, daß 
Eratosthenes nothwendig andere gewährsmänner gehabt haben 
müsse. — P. 251 und p. 276 berührt Berger die frage nach 
der echtheit des Nearchischen berichtes bei Arrian. Wenn er 
p. 276 bemerkt, Eratosthenes habe andere zahlen als die des 
Arrianischen Nearch vor sich gehabt, so kann man diesem um- 
stand bei der art der Zahlenbehandlung in den alten autoren 
kein großes gewicht in dieser frage beilegen. Ernsthafter ist 
die p. 277 besprochene Schwierigkeit, denn die bei Strab. p. 767 
und bei Arr. Ind. 37, 3 vorliegenden berichte sind in der that 
nicht vereinbar, und ich glaube jetzt im gegensatz zu einer frü- 
her ausgesprochenen ansieht (Fleckeisen'sjahrbb. 1880, p. 819), daß 
hier nicht Arrian sondern Strabon das richtigere bietet. Trotzdem 
möchte ich den fehler bei Arrian eher aus seiner leichtfertigkeit 
im excerpiren als aus einer fälschung seiner vorläge erklären. 

So viel über diese trotz der berührten kleinen mängel durch- 
aus fleißige und verdienstliche arbeit. A. V. 

28. Piatonis Protagoras. Eecensuit, prolegomenis et com- 
mentariis instruxit Godofredus Stallbaum. Editio quarta 
emendatior edidit J. S. Kroschel. Lipsiae. In aedibus Teub- 
neri 1882. 211 p. 8. 

Unter den ausgaben des Protagoras behauptet die Stallbaum - 
Kroschelsche , oder besser die Kroschel - Stallbaumsche , die in 
verjüngter gestalt nach einem Zeitraum von 17 jähren von neuem 
ihre Wanderung antritt, durch eine reihe bemerkenswerther ei- 
genschaften ihren eigenthümlichen werth. Nicht in eigentlichem 
sinne Schulausgabe berücksichtigt sie gleichmäßig textkritik wie 
erklärung, und empfiehlt sich in beiden hinsichten durch gewis- 
senhafte Sorgfalt , eindringende gründlichkeit , Selbständigkeit 
des urtheils. Die Stallbaumschen bemerkungen sind, wie steine 
alter ruinen, je nachdem sie sich geeignet erwiesen, zu dem 
neuen auf bau mit verwendet, verschwinden aber fast unter der 
fülle des neu hinzugekommenen. 



Nr. 2. 28. Plato. 107 

Verglichen mit der vorhergehenden aufläge haben die be- 
deutendste Veränderung erfahren die prolegomena , quae ita re- 
tractata sunt, ut prope novo, dici possint, wie der verf. in der vor- 
rede sagt. Ueber alles , was man in solchen mühsam ausgear- 
beiteten und wenig gelesenen prolegomenen zu suchen berech- 
tigt ist, geben sie auskunft , zum theil sehr reichliche auskunft. 
Begriff und bedeutung der sophistik, Piatos Stellung zu derselben, 
der inhalt des gesprächs , das ästhetische momeut, das für die 
Würdigung des dialogs so sehr in betracht kommt , zweck und 
bedeutung des ganzen , abfassungszeit , fictive zeit des gesprächs 
— alles dies wird gründlich und besonnen erörtert. Sehr ein- 
gehend sind die auseinandersetzungen über die letzte frage, die 
dem verf. durch eine frühere specialarbeit besonders geläufig 
ist. In bezug auf die abfassungszeit freut es mich, jene vermu- 
thung der früheren ausgäbe (praef. p. 18, 19) aufgegeben zu 
sehen, wonach aus anlaß der erwähnung der Peltasten p. 350A 
auf eine abfassung des Protagoras nach den neuerungen des 
Iphikrates im kriegswesen geschlossen wurde. Ist diese unhalt- 
bare ansieht somit von ihrem Urheber aufgegeben, so ist sie 
damit doch noch nicht begraben. Sie versucht jetzt, wie ich 
sehe , unter der flagge von Teichmüller (Literarische fehden im 
vierten jahrhh. v. Chr. Breslau 1881, p. 20 f.) ihr glück aufs neue. 

In der constituirung des textes schließt sich Kroschel ge- 
bührender maßen an die schönen entdeckungen von Schanz an, 
durch welche die textkritik in bezug auf ihre grundlagen ebenso 
gesichert wie vereinfacht worden ist. Aber wenn er ihm folgt, 
so thut er es ohne sacrificio del intelletto. Er beschränkt sich, 
wie Schanz , auf B (Bodleianus) und T (Venetus app. cl. 4 
cod. 1) als auf die allein maßgebenden handschriften. Allein 
er schlägt den werth von T erheblich höher an als Schanz : in- 
dem er nämlich einerseits gegen Cobet mit triftigen gründen 
die annähme als unhaltbar zurückweist , daß der Ven. , sei es 
mittelbar, sei es unmittelbar aus der handschrift stamme, aus 
welcher der Clark, abgeschrieben wurde , und die möglichkeit 
in abrede stellt, daß die nicht wenigen lesarten inT., die gegen 
B das evident richtige bieten, auf conjeetur zurückzuführen seien, 
anderseits das verhältniß der beiden Überlieferungen zu Stobäus 
zu rathe zieht, kommt er zu dem resultat, daß der bach der 
Überlieferung sich schon vor dem fünften Jahrhundert in die 

8* 



108 28. Plato. Nr. 2. 

beiden , uns bekannten arme getrennt habe. Näher begründet 
ist diese ansiebt in einem schon vor der vorliegenden ausgäbe 
erschienenen , sehr lesenswerthen aufsatz in Fleckeisens jahrbb. 
1881, p. 553 — 561. Was das abstammungsverhältniß der hand- 
schriften anlangt, so hat mich die auseinandersetzung Kroschels 
überzeugt. Eine andere frage ist die nach dem verhältmißmä- 
ßigen werthe der beiden handschriften für die constituirung des 
textes. Zieht man den Protagoras allein in betracht, so könnte 
man allerdings versucht sein, dem Ven. den preis zuzuerkennen, 
wenigstens wüßte ich für diesen dialog , wie aus sich selbst be- 
trachtet , dem urtheil Kroschels nichts stichhaltiges entgegenzu- 
setzen. Ich begreife es daher, wie Kroschel zu der ansieht ge- 
kommen ist , daß dem Ven. der vorzug einzuräumen , und daß 
demgemäß in denjenigen fällen verschiedener Überlieferung, wo 
an sich die lesarten beider handschriften stehen könnten, dem 
Venetus zu folgen sei, wie z. b. 330 B. Allein die frage kann 
nur durch umfassende prüfung der gesammten in beiden hand- 
schriften überlieferten dialoge entschieden werden. In anderen 
dialogen stellt sich , so viel ich sehen kann , das verhältniß für 
den Ven. minder günstig. 

Kroschel theilt übrigens die von seinem text abweichenden 
lesarten von B und T nicht sammt und sonders mit, wie er 
praef. p. VI sagt : quae manifesto librariorum errore orta et iam 
pridem omnium consensu correeta sunt, omittenda censui — für den 
zweck seiner ausgäbe gewiß billigenswerth. 

Nicht minder selbständig und einsichtig als die beurtheilung 
der handschriftlichen grundlage ist die sonstige behandlung des 
textes. Namentlich muß man, meines erachtens, dem herausgeber 
dank wissen für die standhaftigkeit, die er der angriffslust der- 
jenigen entgegensetzt, die nicht genug aus dem texte ausscheiden 
können. Der Vorkämpfer dieser richtung ist bekanntlich Cobet, 
dessen verfahren, mit den jähren an Schonungslosigkeit zuneh- 
mend, unsere texte immer mehr in gefahr bringt, dem Schicksal 
des Tithonos zu verfallen. Ich habe mir das vergnügen gemacht, 
diejenigen stellen des Protagoras zu zählen, an denen Cobet, — 
theils früher, theils besonders in den aufsätzen Mnemos. 1880, 
p. 330 ff. und 391 ff. — sei es, wie in der mehrzahl der fälle, 
auf eigenen beschluß , sei es durch ausdrückliche billigung 
der vorschlage anderer, Wörter oder satztheilchen entfernt wissen 



Nr. 2. 28. Plato. 109 

will. Es sind 43 stellen mit zusammen 92 Worten. Allerdings 
tritt dafür eine kleine Vergütung ein durch einführung einiger 
ca v , 7iqoq, negi u. dgl. an andern — etwa 12 — stellen, aber 
im ganzen bleibt immer ein deficit von 80 worten, die als opfer 
der männermordenden feldschlacht gefallen sind. Nun wäre es 
heller Unverstand zu leugnen, daß, wie andere texte, so der Plato- 
text der grammatikerweisheit mannigfache bereicherungen ver- 
dankt, auf deren ausscheidung eine besonnene kritik bedacht 
sein muß , wie sie es vielfach auch mit glück gewesen. Dehnt 
man aber das vertilgungsrecht so weit aus , daß man alles ver- 
bannt , was allenfalls entbehrt werden kann , meist ohne genü- 
gende erklärung des Ursprungs der einschwärzung, oft mit einem 
bloßen macbtspruch wie „vexat aures", so sieht man keinen boden 
mehr unter den fußen Die grundlosigkeit der meisten athetesen 
Cobets im Protagoras einzusehen , braucht man wahrlich kein 
Cobet zu sein. So weit, wie er, geht denn auch kaum ein an- 
derer. Indeß das beispiel steckt an und die sache hat, bei der 
art , wie sie gehandhabt werden kann , entschieden etwas verlo- 
ckendes. Ein paar unschuldige klammern, wem können sie denn 
schaden? Willst du die eingeklammerten worte nicht missen, 
dann denk dir die klammern weg, die worte stehen ja noch da ! 
Gewiß ! Aber eben in dieser anscheinenden Unschädlichkeit der- 
selben liegt eine gewisse Verführung dazu, sie anzuwenden. Sie 
bieten einmal ein schonendes mittel , als glossem zu bezeichnen, 
was vielleicht ein fremder tropfen im blute des autors ist, 
dann aber gewähren sie auch die möglichkeit , sich mit schad- 
haften stellen abzufinden , ohne dem texte im ernste etwas zu 
leide zu thun. Das ganze übel würde erheblich vermindert 
werden, wenn 1) jeder textverkürzer auch textherausgeber wäre, 
2) aber auch jeder herausgeber verpflichtet wäre , das , was er 
als unächt erkannt hat, wirklich aus dem texte wegzulassen, wie 
es Kroschel thut. Denn gehört ein wort oder ein complex von 
worten nach der aus gewissenhafter erwägung hervorgegangenen 
Überzeugung des heraugebers nicht in den text, so darf es auch 
keine stelle in demselben haben , sollte vielmehr in ausgaben 
mit kritischem apparat unter dem text seinen platz erhalten, 
in andern ausgaben überhaupt nicht mit gedruckt werden. 

Dem herausgeber in alle einzelheiten der textesconstitui- 
rung zu folgen kann nicht unsere absieht sein. Mancher frühere 



110 28. Plato. Nr. 2. 

Vorschlag hat erneuter, genauerer erwägung weichen müssen, 
wie 334 C, wo die handschriftliche lesart ^oo»' wieder in ihr 
recht eingetreten ist. An andern stellen ist an dem alten fest- 
gehalten worden, nie ohne eingehende hegründung, wie 335 A 
an iXeyezo , 309 C an dem handschriftlichen aocpcozarov, 313 C 
an der Umstellung. Erscheinen an manchen stellen die gründe 
Kroschels auch nicht zwingend , so sind seine erörterungen für 
mich doch allenthalben lehrreich. Bemerkenswerth bei der gro- 
ßen fülle von Scharfsinn, der sich in den letzten Jahrzehnten an 
dem Protagoras versucht hat , ist es , daß es ihm gelungen ist, 
an einer mehrfach behandelten und von den meisten als geheilt 
angesehenen stelle durch eina überraschend einfache änderung 
nach meiner Überzeugung evident das richtige herzustellen, das 
ist 327 E, wo mit sW wanto für eld" 1 maneg die glücklichste 
heilung gefunden ist. Sehr bestechend ist auch der Vorschlag 
zu dem Simonideischen gedieht 345 C inet ovriv" 1 für snei^ vfilv; 
über ihn traue ich mir jedoch nicht mit Sicherheit zu urtheilen. 
Ich füge nur noch zwei bemerkungen hinzu , deren eine 
sich bezieht auf 313 B, wo in der kritischen note nach meinem 
dafürhalten, wenn anders es auf die sache ankommt, als Ur- 
heber des vno8Ö3v nicht Cobet, sondern Badham genannt werden 
mußte. Denn wenn dieser ad Phaedr. IX schrieb bnoüemv, so 
ist er der eigentliche entdecker, Cobet hat der sache nur noch 
den letzten schliff gegeben. Die zweite gilt der stelle 358 A, 
die man meist entweder ganz , wie Kroschel (wenn auch mit 
Verdächtigung des xat dvvazü beziehungsweise dvvazai) oder 
wenigstens theilweis im anschluß an Schleiermacher constituirt. 
Mich hat wiederholte betrachtung zu anderer ansieht geführt. 
Ich glaube , daß das handschriftliche Inoiei vertauscht werden 
muß mit inö&ei (vgl. z. b. Republ. 329 A zag sv zy veozrjzi 
fjdovag no&ovvzeg) , das abgesehen davon , daß ich mir die ver- 
derbniß desselben in inoiei viel leichter erklären kann als die 
von notsl in Inoiei, den anforderungen des Zusammenhangs weit 
besser zu genügen scheint und auch das folgende dvvazai schützt. 
Der gegensatz, um den es sich handelt, ist nicht der von „etwas 
eine zeit lang thun und dasselbe bei besserer erkenntniß nicht 
mehr thun", sondern der von „überhaupt entweder dieses thun, 
oder etwas anderes thun", indem das verlangen nach dem ei- 
nen durch stärkere gründe auf der andern seite überwogen wird, 



Nr. 2. 29. Plato. 111 

kurz: die richtige wähl zwischen lust und Unlust, wie es 357 A 
heißt, ist es, um die es sich handelt. Der ganze, stark sophi- 
stische abschnitt beruht im gründe auf der entgegensetzung der 
besseren, aus richtiger erkenntniß entsprungenen und mit ihr 
übereinstimmenden lust, und der aus augenblicklichen und zufäl- 
ligen antrieben hervorgegangenen lust. Dieses verbunden mit 
der gleichsetzung von t]8v und aya&öv, macht die ganze gedan- 
ken- und wortspielerei möglich. Unsere stelle würde also lauten : 
keiner, wenn er weiß oder glaubt, daß anderes besser ist, als 
das, wonach er verlangen trug und was zu thun auch in seiner 
macht steht , wird dies letztere thun , während es ihm möglich 
ist, das bessere zu thun." 

Von druckfehlern im texte habe ich, abgesehen von einigen 
abgesprungenen accenten , mir folgende angemerkt: p. 52, 7 
(312 D) bin ich nicht sicher, ob statt des fragezeichens nach 
denov Xsystv im sinne der auffassung Kroschels nicht ein punkt 
stehen müßte, wie bei Madvig. 60, 2 TIq o t ayögag. 67, 2 8v- 
vapsvovg. 112, 18 a m govcog. 113, 14 Tlco grayöga. 162, 19 
xa Xw g. 

Der exegetische theil der arbeit ist ziemlich ausführlich ge- 
halten und erweitert sich mitunter zu kleinen antiquarischen ex- 
cursen, die mir nicht immer von einem richtigen gefühl für das 
maß desjenigen, was für das verständniß des textes erforderlich 
ist, eingegeben zu sein scheinen. Bemerkungen und citate über 
die kleinheit des hauses des Socrates, über das verhältniß des 
Alcibiades und der Athener zur flötenspielerei, über einfangung 
entlaufener sklaven sind gelehrte arabesken, die zu lesen an sich 
recht lehrreich , aber für die einsieht in den gedankengang des 
dialogs überflüssig sind. Dagegen ist wieder manche andere 
antiquarische bemerkung sehr zur sache, wie z. b. die hübsche 
notiz 334 B über die anwendung des öls bei pferden im Homer. 

So wünschen wir denn der ausgäbe, daß sie in ihrer neuen 
gestalt sich zu den alten neue freunde erwerben möge. 

29. Rud. Kunert, Quae inter Clitophontem dialogum et 
Piatonis rempublicam intercedat necessitudo. Dissertatio inau- 
guralis philologica. Greifswald 1881. Verlag von Mayer und 
Müller Berlin. 37 p. 8. 

" Das schriftchen sucht bedeutung und entstehungszeit des 



112 29. Plato. Nr. 2. 

kleinen dialogs Kleitophon festzustellen und zwar vor allem durch 
klarlegung seiner beziehungen zu Piatos republik. Der gang 
der Untersuchung ist folgender : nach einigen polemischen be- 
merkungen gegen Susemihls und anderer annähme einer abfas- 
sung des dialogs nach Piatos tod , und einer kurzen Inhaltsan- 
gabe werden die unverkennbaren spuren eines Zusammenhangs 
des dialogs mit dem ersten buch der republik besprochen und 
dahin gedeutet, daß der Verfasser das Kleitophon durch das Stu- 
dium des zunächst allein veröffentlichten ersten buchs zu der in un- 
seren dialog formulirten frage nach dem eigentlichen werk der 
gerechtigkeit veranlaßt worden sei, wie anderseits die fortsetzung 
des platonischen werkes über den staat auf die anregung unse- 
rer kleinen schrift zurückzuführen sei. Sodann unternimmt es der 
verf. unter der Voraussetzung bestimmter persönlicher beziehungen 
diejenigen schüler und anhänger des Sokrates ausfindig zu machen, 
die sich der Verfasser des dialogs unter den nach einander dem 
Kleitophon antwortenden Sokratikern gedacht haben mag. 

Für den nachweis sodann der abfassungszeit hält sich der 
verf an Clit. 407 b, wo zwischen der belehrung und Übung als 
den zwei möglichen wegen zur gerechtigkeit zu gelangen unter- 
schieden wird. Diese Unterscheidung nämlich meint er, weise 
auf die zeit hin , wo Isokrates mit seiner sophistenrede hervor- 
getreten sei, in der er bekanntlich sich gegen die lehrbarkeit 
der tugend und für die aoxtjaie ausspricht. Nicht lange nach- 
her soll der Kleitophon abgefaßt sein, also um 390. 

Dies ergebniß sucht der verf. zu stützen durch die angeb- 
liche beziehung einer stelle in Xenophons memorabilien (I, 4, 1) 
auf den Kleitophon, durch welche die herausgäbe des Kleitophon 
vor den Memorabilien sicher gestellt werde. 

Die weiteren Untersuchungen dienen der beantwortung der 
frage, ob die folgenden bücher des platonischen Staats dem drän- 
gen des Kleitophon nach auskunft über das werk der gerech- 
tigkeit ihren Ursprung verdanken und welche spuren davon sich 
nachweisen lassen. Der verf. bejaht die frage entschieden in 
dem sinn, daß Plato direkt durch den kleinen dialog zu den Un- 
tersuchungen angeregt worden sei, die in dem zweiten bis sie- 
benten buch der politie niedergelegt sind. 

Der letzte theil der arbeit sucht auf grund des resultates, 
daß das erste buch der republik gesondert erschienen sei und 



Nr. 2. 30. Demostheties. 113 

zwar selbstverständlich vor 390, theilweis im anschluß an Krohn, 
theilweis im Widerspruch zu ihm die successive entstehung und 
herausgäbe des platonischen Staates in drei , vielleicht in vier 
partien zu erweisen. 

Einen gewissen Spürsinn wird man dem verf. nicht abspre- 
chen wollen , aber seine fbigerungen sind vielfach übereilt und 
ermangeln jener umsieht und vorsieht, die über die bloße mög- 
lichkeit hinaus zu dem , was man historische gewißheit nennt, 
zu führen vermöchte. Er bewegt sich auf einem äußerst schlü- 
pfrigen boden mit einer Zuversicht und kühnheit, die ihn das 
unzureichende und fadenscheinige vieler seiner beweise völlig 
übersehen läßt. Dabei ist es nichts weniger als erfreulich , die 
entwickelungen in einem latein vorgetragen zu sehen, das stel- 
lenweis noch schwächer ist als die gründe, zu deren darstellung 
es dient. Für sicher halte ich von allen seinen behauptungen 
über den Kleitophon nur die, daß er nach dem ersten buch 
der Republik abgefaßt ist. 

Indeß findet sich auch einiges beachtenswerthe Dahin 
rechne ich namentlich den abschnitt über die entstehung der 
republik. Gewisse beziehungen, die hier zwischen den einzelnen 
partien aufgespürt werden , scheinen mir zu verdienen , bei der 
frage nach der composition des werkes mit in erwägung gezogen 
zu werden. 

30. W. Christ, die Attikusausgabe des Demosthenes, ein 
beitrag zur textesgeschichte des autors. Mit einer tafel. Aus 
den abhandlungen der königl. bayer. akademie der wissensch. 
I. cl. XVI. bd. III. abth. München 1882. 4. 82 p. 

Die erbschaft Spengel's und Halm's an der Münchener Uni- 
versität ist, wie diese schrift zeigt, in würdige hände gekommen : 
W. Christ, indem er die Demosthenesstudien seiner hochverdien- 
ten Vorgänger aufnahm , hat alsbald eine entdeckung von nicht 
geringer tragweite gemacht Indem er nämlich eine neue durch- 
forschung des codex Bavaricus B sich angelegen sein ließ, fand 
er in demselben ganz beträchtliche reste einer antiken gramma- 
tischen bearbeitung des autors, durch welche reste sogleich das 
mit Sicherheit constatirt wird, daß B nicht, wie man immer an- 
nahm, eine abschrift des Venetus, sondern mit diesem aus einem 
gemeinsamen original abgeschrieben ist. Denn wie dem verf. 



114 30. Demosthenes. Nr. 2. 

seine erkundigungen in Venedig ergaben, ist das jetzt in B ge- 
fundene in F nicht zu finden. Es besteht aber dasselbe erstlich 
in einer partialstichometrie am rande der reden, zweitens in ein- 
zelnen kritischen zeichen ebendaselbst; die Unterschriften mit 
der gesammtzahl der art^oi für jede rede waren ja schon vor- 
her aus B (und F) bekannt. Indem sich nun der verf. mit 
prof. Weil in Paris in beziehung setzte, erfuhr er, daß auch der 
codex 2 sowohl von der partialstichometrie als von den kriti- 
schen zeichen vieles bewahrt, in wesentlicher Übereinstimmung 
mit B. Nun ist zunächst die partialstichometrie in vielfacher 
weise für die textesgeschichte zu verwerthen, wie dies auch Christ 
in vorliegender abhandlung allseitig zu thun bestrebt ist. Die 
bereits von mir, dann umfänglicher von Charles Graux festge- 
stellte normalgröße des arl^oc bestätigt sich vollkommen an den 
theilzahlen, wie wir sie hier von 100 zu 100 kennen lernen. 
Dieselben stehen in der that mit großer regelmäßigkeit, so daß, 
wo einmal eine auffällige abweichung, der verf. mit recht nach 
einer verderbniß oder sonst einem besonderen erklärungsgrunde 
sucht. Es ergiebt sich ferner aus den einzelzahlen noch deut- 
licher, daß die Urkunden und verse in der Originalhandschrift 
entweder fehlten, oder weil etwa am rande stehend, nicht mit- 
gezählt wurden. Indem Christ die sache genauer verfolgt (ab- 
schnitt V, p. 40 — 53) constatirt er folgende ausnahmen. Erst- 
lich seien in der Timokratea , während die übrigen Urkunden 
fehlten, doch das gesetz des Timokrates § 39 und vielleicht auch 
die mit demselben verglichenen andern gesetze § 40 — 63 mit- 
gezählt. Dieser annähme wird man sich in der that, bei der in 
den atijog 300 — 600 sonst hervortretenden starken abweichung 
von der normalgröße, nicht wohl entziehen können. Christ nimmt 
sodann ein gleiches für die gesetzesfragmente der Aristokratea 
an; nämlich wenn man sie mitzählt, ergibt sich eine so gut wie 
völlige gleichmäßigkeit des ortjog, allerdings aber andernfalls 
keine übergroße ungleichmäßigkeit. Endlich sollen die Urkunden 
der rede gegen Neaira mitgezählt gewesen sein ; da aber für 
diese rede eine partialstichometrie nicht vorhanden ist, so möchte 
ref. lieber die totalziffer der oityoi, auf welche Christ diese mei- 
nung baut , durch emendation erniedrigen. Der verf. verfolgt 
die frage nach der herkunft und echtheit der Urkunden noch 
weiter, und ist besonnen genvig, die echtheit derjenigen in den 



Nr. 2. 30. Demosthenes. 115 

privatreden gegen Westermann in schütz zu nehmen , während 
er andrerseits schön nachweist, daß die der Midiana nnd der 
Kranzrede den scholiasten noch gar nicht vorgelegen haben. — 
Der folgende abschnitt (VI) betrifft die , Interpolationen" der 
dritten philippischen rede. Auch hier wird die erkenntniß, daß 
die erweiterungen nicht mitzählten, durchaus bestätigt; daß die- 
selben aber nicht aus Demosthenes' erster redaktion , sondern 
von einem andern herrührten , folgt hieraus nicht und ist auch 
anderweitig , wie sehr sich der verf. bemüht es zu erweisen, 
weder erweislich noch (für den ref.) wahrscheinlich. — Bedenk- 
licher ist das andre , was der verf. mit hülfe der zahlen con- 
struirt. Er sucht (im siebenten und achten abschnitte) die alte 
anordnung der werke des Demosthenes und ihre vertheilung 
auf iofxoi festzustellen, mit beziehung auf die „Attikusausgabe", 
d. i. die uvriygucfu 'jiztmiavä , deren bei Harpokration und in 
der bekannten subscriptio in BF erwähnung geschieht. Diese 
*AiTix.iuvii spielten ja auch schon bei Voemel und andern eine 
bedeutende rolle ; Christ aber glaubt deshalb mehr als seine 
Vorgänger erkennen zu können, weil er fest annimmt, daß unsre 
Stichenzählung in und nach dieser ausgäbe gemacht sei. Aber 
wir wissen doch ganz sicher , daß schon Kallimachos und die 
Alexandriner zählten ; wie sollen sich nun die Zählungen der 
„Attikusausgabe" zu den alexandrinischen verhalten? Man ist 
doch sehr geneigt, identität der beiden berechnungen, d. h. über- 
nähme der alten zahlen in die neue ausgäbe anzunehmen , und 
es genügt nicht zur Widerlegung dieser meinung, daß Dionysios 
Demosth. c. 57 eine etwas höhere gesammtsumme der ari^oi im 
Demosthenes angiebt . als sie nach unsern zahlen herauskommt. 
Christ nämlich will eben daraus beweisen, daß die „Attikusaus- 
gabe" später als Dionysios sei (p. 22), während doch von dem 
rhetor nichts als ein gelegentlicher , billiger weise etwas nach- 
lässiger Überschlag der summe gemacht wird. Also , so viel 
Scharfsinn auch der verf. auf die construktion seiner „Attikus- 
ausgabe" verwendet : in dies dunkel kommt kein licht hinein. 
— Vielleicht am allerschätzbarsten aber sind von seinen funden 
die kritischen zeichen in B und S, die er im dritten abschnitt 
(p. 25 ff) bespricht. Es finden sich: Asteriskos in der vierten 
Philippika, obolos und 8mXrj coßsXiG^evT] in der Midiana, und 
zwar in dieser an recht vielen stellen. Ref. glaubt hierin die 



116 31. Plautus. Nr. 2. 

reste einer sehr alten Überlieferung erkennen zu dürfen , indem 
man das notirt hatte, was in gewissen alten exemplaren nicht 
stand; wir dürfen freilich nicht erwarten, diese Überlieferung 
unverfälscht, viel weniger, sie vollständig zu haben. Zur ver- 
anschaulichung dient sowohl für diese zeichen als für die sti- 
chenzahlen die beigefügte tafel, wo zwei stücke des codex B äu- 
ßerst deutlich und schön nachgebildet sind. F. Blaß. 

31. 32. P. Langen, Analectorum Plautinorum part. I 
et II. ind. lect. quae in acad. Monast. per menses aest. 1882 et 
hibern. 1882—83 habebuntur. 13 et 14 p. 4. 

P. Langen setzt seine bemühungen, uns über den Sprach- 
gebrauch des älteren lateins aufzuklären, den er in seinem schö- 
nen buche „Beiträge zur kritik und erklärung des Plautus" mit 
so großem erfolge begonnen , in zwei universitätsschriften fort. 
Auch in dem kleinen rahmen der Analecta Plautina spiegeln sich 
die eigenschaften wieder, die in dem genannten buche wohlthuend 
berührten : der scharfe blick , die solide , überall verläßliche ar- 
beit, die gründlichkeit der behandlung , die milde des urtheils 
und auch, wo man mit dem verf. nicht übereinzustimmen vermag, 
wird man diese kleinen Schriften wie jenes größere werk nicht 
ohne vielseitige förderung aus der hand legen. Indem ich mir 
vorbehalte in einer größeren studie, die im Philologüs erscheinen 
soll , auf das Langensche hauptwerk wie auf einige neuere er- 
scheinungen auf dem gebiete des Plautus tiefer einzugehen, 
werde ich in der besprechung der beiden programme um so 
kürzer sein dürfen. 

Das erste schriftchen erörtert, um zunächst den gesammtin- 
halt kurz anzugeben, an der hand der Plautinischen beispiele 
den Sprachgebrauch der worte moclestus mit zubehör, dispendium 
und compendium, das zweite beschäftigt sich mit der construction 
der partikel cur bei Plautus und Terenz, mit der declination 
des Wortes domus, mit dem gebrauche der adverbia fortiter male 
und oppido. 

In bezug auf den Plautinischen gebrauch des wortes mode-' 
stus bin ich allerdings nicht im stände Langen beizupflichten, 
während ich in den übrigen dingen zumeist mit Langen über- 
einstimme. Daß das Substantiv modus bei Plautus sich bereits 
in abgeblaßter bedeutung findet, darin gebe ich Langen voll- 



Nr. 2. 31. Plautus. 117 

kommen recht ; H. Schenkl irrt, wenn er in seinen Plautinischen 
Studien Wien 1881, p. 31 (637 der Sitzungsberichte bd. 98) 
anm. dem worte modo mit adjectiv (mit ausnähme der gewöhn- 
lichen ausdrücke aliqiio, alio modo u. dergl.) stets die bedeutung maß 
vindiciert. Aber auch Langen geht zu weit, wenn er glaubt, 
daß das von modus abgeleitete wort modestus nur den begriff 
maßhaltend bezeichne. Eine vorurtheilsfreie durchmusterung 
der Plautinischen stellen dürfte dies mit Sicherheit erweisen. 

Die ursprüngliche bedeutung, die das wort ja durch 
die ganze latinität festgehalten hat, liegt unzweifelhaft folgenden 
stellen zu gründe: Stich. 692 modeste facere sumptum, Merc. prol. 
48, Cure. 201 modestum amatorem der mit maßen liebt, wie 
der vorausgehende vers lehrt, wo immodestis moribus l ) gleichfalls 
in ursprünglichem sinne steht. Ferner Bacch. 1079 more modesto 
mit maß und ziel. So auch das Substantiv modestia Bacch. 
613 und Trin. 317 = moderatio temperantia. Die gleiche be- 
deutung zeigt auch das adverb Poen. I, 1, 15 amo immodeste ohne 
maß, sowie Rud. 193 und das Substantiv immodestia Amph. 163 
(der Übermut h), Merc. prol. 27. Freilich wird man auch 
sonst hie und da, wo das wort nach meinem urtheil in übertra- 
gener bedeutung sich findet , wenn man es durchaus will , die 
bedeutung maßhaltend unterlegen können. Ueber derartige 
bedeutungsiibergänge ein bestimmtes urtheil abzugeben ist kei- 
nesfalls eine leichte sache. Und was speciell das genannte wort 
betrifft, so ist auch unser moderner begriff bescheiden, den 
ja Langen für Plautus in abrede stellen will, ein solcher, daß 
er sich fast überall auf den ursprünglichen begriff des m a fi- 
nal tens, des sichbescheidens wird zurückführen lassen. 
Freilich pflegen wir nicht mehr an denselben zu denken, wenn 
wir jemandem das prädicat bescheiden ertheilen, sondern iden- 
tificieren dasselbe mit züchtig, sittsam. Für das lateinische 
aber kommt es darauf an, ob der Römer, auch der der späteren 

1) Ueber den vers Cure. 200 scheint mir noch nicht das letzte 
wort gesprochen zu sein. Die Pius'scbe conjeetur Potine fieri ist ge- 
gen den Plautinischen gebrauch der nur potine ut zuläßt. Langen's 
Vorschlag Beiträge 231, den er auch jetzt noch festhält, hat Brix mit 
recht zurückgewiesen : ut haud für ut ne ist ohne bespiel. Brix' con- 
jeetur ut ne immodestis hie m. m. billige ich auch nicht. Ueberhaupt 
scheint mir der exelamative infinitiv hocine fieri hier nicht am platze. 
Ich möchte vermutheD , daß ursprünglich hier stand Meine fiet immo- 
destis üt modereris möribus Im übrigen scheinen mir die verse 198 — 202 
durchaus den eindruck der nachdichtung zu machen. 



118 31. Plautus. Nr. 2. 

zeit, wirklich mit dem begriffe modestus genau denselben begriff 
verbunden hat , den wir Deutschen unter dem worte beschei- 
den verstehen. Es ist diese frage nicht so ohne weiteres zu 
bejahen, obwohl es zu weit führen würde, hier darauf des nä- 
heren einzugehen. Hinzukommt noch ein umstand, auf den ich 
aufmerksam machen möchte. Es ist die regel , daß wenn die 
spräche zwei formen von demselben stamme ausbildete , sie ge- 
neigt war dem einen der beiden ursprünglich gleichbedeutenden 
worte eine andere bedeutungsnuance zu geben. Es wäre ja für 
Plautus nach Langens annähme modestus nichts anderes als mo- 
dicus, mit dem es allerdings hie vind da identificiert wird, so 
wenn es bei Cic. de leg. III, 18, 40 heißt: quae cum populo 
quaeque cum patribus agentur modica sunto i. e. modesta atque se- 
data. Wie dem auch sei, jedenfalls glaube ich nicht — im ge- 
gensatz zu Langen — daß Plautus unter dem prädicate modestus 
sich etwas wesentlich anderes oder überhaupt etwas anderes dachte 
als Terenz und die folgende zeit. 

Es kommt darauf an stellen nachzuweisen , in denen wir 
mit der ursprünglichen bedeutung maßhaltend nicht oder 
doch nicht wohl auskommen. Und solche stellen giebt es un- 
streitig , auch Langen hat dies nicht in abrede zu stellen ver- 
mocht. Schon Pers. 346 , wo die virgo ihrem vater gegenüber 
ihre verständigen und edlen grundsätze entwickelt, wird man 
einen bedeutungsübergang nicht von der hand weisen können in 
dem verse modice et modeste meliust vitam vivere. Eingeschränkt 
und ehrbar — so deuten es mit recht sämmtliche Übersetzer, 
Langen faßt es jedenfalls zu eng, wenn er es erklärt vivere non 
indulgentem ventris voluptatibus. Auch Trin. 831 ist mit der ei- 
gentlichen bedeutung nicht recht auszukommen : semper mendicis 
modesti sint. Langen hält zwar mit Brix, Müller und neuerdings 
Spengel (in seinen reformvorschlägen) die worte für unplauti- 
nisch, indeß mit unrecht, wie ich glaube; vielmehr scheint mir 
Charmides nach den worten hoc dis dignumst die sache noch einmal 
wiederholen zu müssen, wenn auch seine apostrophe an die göt- 
ter nach schwatzhafter greisen art etwas breit ist, sodaß man 
versucht sein könnte einige verse als aus anderer bearbeitung 
hervorgegangen zu streichen. Wichtiger sind für unsern zweck 
die beiden stellen Most. 162 und Poen. V, 4, 52. In der er- 
steren findet sich modestia in der übertragenen bedeutung z u c h t. 



Nr. 2. 32. Plautus. 119 

Ich sehe keinen unterschied, wenn hier Philolaches von sich 
sagt o Venus venusta Haec Mast tempestas mea, mihi quae mode- 
stiam omnem Detexit tectus qua fui und wenn es bei Terenz Hec. 
165 von der Philumena heißt haec, ita uti liberali esse ingenio 
decet Pudens modesta, incommoda atque iniurias Viri omnis ferre et 
tegere contumelias. Nicht minder klar scheint mir die Pönulus- 
stelle, die Langen streichen will, obwohl auch A den vers hat: 
ganz mit unrecht, wie mich dünkt. Zwar hatte auch ich früher 
in meinem handexemplare des Pönulus hier gestrichen , näm- 
lich die worte ut pudice verba fecit cogitate et commode, da aller- 
dings die beiden verse 51 und 52 beim ersten anblick wie zwil- 
lingsbrüder aussehen, allein bei näherer prüfung wird man beide 
unangerührt lassen. Die worte certo haec meast tragen an und 
für sich durchaus nicht den Stempel des unächten. Man muß 
die worte nur anders vertheilen, als dies bisher geschehen. Nur 
bis ende von v. 51 reicht die rede des Agorastocles , v. 52 
spricht ohne zweifei Hanno-, die herausgeber xtnd mit ihnen 
Langen beziehen sie fälschlich auf Agorastocles , der allerdings 
nicht sagen kann certo haec meast ,,die wird meine frau". 
Aber bedeuten dies die worte wirklich ? können sie nicht oder 
müssen sie vielmehr nicht heißen „das ist ganz gewißlich 
meine tochter" bei seite gesprochen von Hanno, der durch 
die edle art, wie die tochter sich ausspricht, den letzten zweifei 
betreffs seiner Vaterschaft beseitigt sieht. Das folgende spricht 
er natürlich laut. An dieser stelle aber ist doch wohl das wort 
in übertragener bedeutung „sittsam, züchtig" gebraucht: 
„maßvoll" will hier nicht recht passen, würde auch dem vor- 
ausgehenden gegenüber eine gradatio ad minus bezeichnen. Es 
ist vielmehr genau so angewendet, wie an jener oben angeführ- 
ten Hecyrastelle sowie im Enn. 579 adnuo Terram intuens mo- 
deste. An einer stelle, die wohl das mal der Verderbnis an sich 
trägt Men. 971 tritt das wort ganz aus dem rahmen des gewöhn- 
lichen gebrauchs heraus : quoi cor modeste situmst. Bergk schreibt 
modeste modestumst, Langen selbst vermuthete früher scitumst, Us- 
sing im commentar expolitumst, Spengel in den reformvorschlägen 
p. 249 sedatumst. Vielleicht steckt der fehler vielmehr in mo- 
deste. Jedenfalls erwarten wir hier eine Wendung, die dem 
deutschen „dem das herz auf dem rechten flecke sitzt" 



120 33. Terentius. Nr. 2. 

entspricht, nicht aber wie Langen nach Brix erklärt „dessen 
Herzenswünsche, triebe maßvoll sind", was hier nicht 
paßt. Theodor Hasser. 

33. Terentiana. Scripsit Edm. Hauler. Vindobonae. 
48 p. Lexicon-8. 1882. 

Der in Buda-Pesth geborene Verfasser giebt in seiner do- 
ctordissertation verschiedene proben seiner eingehenden Terenz- 
studien. Den anfang machen einige sorgfältig erwogene und 
begründete conjecturen (Eun. 267 ante ostium huius stare tristem 
video. Phorm. 863 pone reprehendit pallio); dann folgt eine Unter- 
suchung über die vocativformen der griechischen eigennamen auf 
es, welche zu dem ergebnisse gelangt, daß Lache und Chreme 
an einigen 20 stellen auf grund der handschriften wie des Zeug- 
nisses bei Priscian. I, 288 herzustellen sei. Eine weitere Unter- 
suchung über die griechischen fremdwörter bei Terenz zeigt den 
dichter als „purae latinitatis studiosissimum" ; denn während die 
meisten schon bei Plautus und anderen erscheinen, ist von den 
wenigen bei Terenz zuerst uns entgegentretenden anzunehmen, 
daß auch sie nicht von Terenz in die lateinische spräche einge- 
führt worden sind , wie denn beispielsweise die psaltriae schon 
von Livius 39, 6 zum jähre 187 erwähnt werden. 

Die Verbindungen wie reppulit propulit ; cognoscere atque igno- 
scere, poliri expoliri, disperii perii, welche unter dem schlagworte 
bfiouorilivTov betrachtet und auch bei andern autoren als Terenz 
aufgesucht werden , erscheinen uns weniger wegen des gleich- 
klanges als durch das begriffliche verhältniß der verbundenen 
Wörter bemerkenswerth und daher etwa als eine nebenart der 
figura etymologica zu taxieren ; übrigens bemerkt der verf. mit 
recht, daß die nachstellung des simplex wie in abduc , duc nur 
aus der erregtheit des sprechenden zu erklären sei. Besonders 
interessant ist die Untersuchung über die Verbindung eines sel- 
tenen (auch wohl griechischen) ausdruckes mit einem gewöhnli- 
chen ihn erklärenden, z. b. maltam ac feminam, more (fiuiouig) 
atque stulte, vestem squalam et sordidam; merkwürdiger weise kommt 
es sehr oft vor , daß das ungewöhnliche wort an zweiter stelle 
steht, z. b. comedim et congraecem bei Plautus, hirto atque soloce 
bei Lucilius , discordiae et dividiae bei Accius. Wenn verf. bei 
Lucilius redisse ac repedasse die Verbindung eines classischen und 



Nr. 2. 34. Griechische alterthümer. 121 

eines vulgären ausdruckes annimmt, so wird dies dadurch bestä- 
tigt, daß repere, im spätlatein und mittellatein häufig, sich im 
portugiesischen (rebentar = repeditare, Romania 10, 489) erhal- 
ten hat. Man kann wohl beifügen , daß auch absterbende Wör- 
ter oft durch ein noch lebenskräftiges erläutert werden , z. b. 
incassum frustraque ; diu multoque tempore bei Gregor. Tur. hist. 
Franc. 4, 36, was sich am einfachsten daraus erklärt, daß diu 
abstarb und durch longo oder rnulto tempore ersetzt wurde. 

Eine große freude wird dem leser auf das ende aufgespart, 
wo verf. proben eines ausgearbeiteten Lexicon Terentianum giebt, 
und in einer Vorbemerkung den ganzen plan ausführlich be- 
spricht. Wir wünschen diesem zeitgemäßen unternehmen, dessen 
tüchtige ausführung die gründliche bildung des verf. verbürgt, 
den besten erfolg , und wollen nur noch bemerken , daß verf. 
die anläge nicht äußerlich nach den casus- und verbalformen 
(Cicero, Merguet), sondern nach den bedeutungen (Tacitus, Ger- 
ber - Greef ) ordnet. In der berücksichtigung der handschriftli- 
chen Überlieferung, der verschiedenen herausgeber, der programm- 
litteratur, der quantität der Wörter und ähnlichem geht verf. so 
weit als möglich, vielleicht hie und da zu weit-, ob die Wörter 
der didaskalien und der periochae des Sulpicius Apollinaris aufzu- 
nehmen seien, darüber kann man verschiedener ansieht sein; in 
formeller hinsieht würde es sich empfehlen, partikeln wie abhinc, 
actutum nicht in jedem angeführten verse auszuschreiben, sondern 
abzukürzen («•); auch macht es sich nicht gut, daß die griechi- 
schen buchstaben zur bezeichnung von handschriften (.T, J) cur- 
siv, die lateinischen (A, D) in antiqua genommen sind. 

34. Eine griechische schrift über Seekrieg zum ersten male 
herausgegeben und untersucht von dr. K. K. Müller. Würz- 
burg 1882. 8. 

Vorliegendes 53 seiten starkes werkchen enthält außer dem 
griechischen texte der schrift über Seekrieg zunächst p. 18 — 29 
eine genaue beschreibung des Ambrosianus B 119, einer perga- 
menthaudschrift des 11. Jahrhunderts, aus welchem Müller im 
herbst 1881 den text abgeschrieben hat. Der inhalt des codex 
besteht aus 23 verschiedenen griechischen kriegsschriftstellern 
entlehnten stücken, unter welchen unsere schrift die 20. stelle 
einnimmt und zwar fol. 346 a — 35 l b . Nach berichtigung der 
Philolog. Anz. XIII. 9 



122 34. Griechische alterthümer. Nr. 2. 

mehrfach falschen Zählungen umfaßt der codex jetzt im ganzen 
351 blätter, wie groß aber der verlust gewesen, den er erlitten, 
läßt sich nur durch vergleichung mit ähnlichen handschriften 
einigermaßen bestimmen ; Müller hat den versuch dazu gemacht, 
doch würde es zu weit führen, die Untersuchungen desselben im 
einzelnen hier zu verfolgen, es sei deshalb nur bemerkt, daß 
die ausführungen in derselben klaren weise geschrieben sind, 
wie jene über den Laur. LV, 4 in der festschrift für L. Urlichs 
Würzburg 1880 und daß sie wie mir scheint von unhaltbaren 
hypothesen frei sind. 

Von p. 29 — 39 behandelt verf. das verhältniß des Ambro- 
sianus zu anderen handschriftlich erhaltenen Sammlungen von 
kriegsschriftstellern und kommt zu dem vorläufigen ergebniß, 
daß der Ambrosianus zu den drei bisher bekannten gruppen — - 
poliorketischen , allgemein taktischen , taktisch-poliorketischen in- 
haltes als eine vierte gruppe hinzutrete , da er auch reden , die 
aus historikern excerpiert, und eine Sammlung von Schriften über 
Seekrieg enthalte. Aus eingehender vergleichung mit Laur. LV, 4 
gewinnt verf. betreffs der ursprünglichen gestalt des Ambrosia- 
nus die an schauung , daß derselbe 52 resp. 54 hefte und zwar 
sämmtlich quaternionen enthalten habe, so daß die zahl der 
blätter mindestens 406 habe betragen müssen-, über die reihen- 
folge der hefte lasse sich nichts bestimmtes nachweisen. 

Im dritten kapitel 39 — 53 wird die schritt über Seekrieg 
speciell besprochen und 1) die Stellung derselben in der hand- 
schrift erörtert. Sie stehe auf einem schwerlich an richtiger stelle 
befindlichen ternio, zu dessen ergänzung am eingange und Schlüsse 
je ein blatt genüge, so daß auch dieses heft ursprünglich ein qua- 
ternio gewesen. 2) wird ihr inhalt und verhältniß zu anderen 
schritten über Seekrieg behandelt. Die schrift beginnt mit dem 
zu anfang unvollständigen 4. cap. und endet mit dem gleichfalls 
unvollständigen 10. cap. Die ersten erhaltenen worte sprechen 
von der Ordnung beim besteigen und verlassen der schiffe, daran 
schließen sich Vorschriften über die ausbildung der seeleute na- 
mentlich im schwimmen ; mit großer ausführlichkeit handeln cap. 
5 — 9 von den pflichten des admirals, dem avisodienste, den Sig- 
nalen, der taktik, so wie von den gegen unzuverlässige leute zu 
ergreifenden maßregeln, cap. 10 bespricht mit wenigen worten 
das verhalten des geschlagenen admirales, es entbehrt, wie schon 



Nr. 2. 34. Griechische alterthümer. 123 

gesagt des Schlusses. Nimmt man hier mit Müller den ausfall 
nur eines blattes an, so wird dasselbe schwerlich den dienst auf 
der flotte bei belagerungen oder vertheidigungen voq Städten ge- 
schildert, vielmehr Vorschriften für den admiral enthalten haben, 
wie durch kleine aber glückliche gefechte der muth der leute 
wieder zu beleben und schließlich von neuem eine schlacht zu 
wagen sei. Ebenso ist des verf.'s ansieht, das erste verlorene 
blatt habe nach einer allgemeinen einleitung von den theilen, 
der ausrüstung und den manövern des einzelnen fahrzeuges ge- 
handelt , von der band zu weisen , weil diese gegenstände wohl 
nicht so kurz abzufertigen gewesen wären. Wir würden aller- 
dings die zu anfang und ende verloren gegangenen stücke mit 
größerer Sicherheit bestimmen können , wenn die literatur über 
Seekrieg reichhaltiger wäre, indeß lassen sich aus Vegetius doch 
wohl mehr Schlüsse ziehn als der verf. gestatten will, nur be- 
schränke man sich bei der vergleichung nicht auf das 4. buch 
des Vegetius, sondern ziehe die ganze epitoma heran; mir we- 
nigstens haben sich bei keineswegs erschöpfender betrachtung 
etwa ein dutzend stellen namentlich taktischen inhaltes ergeben, 
die bei Vegetius fast genau mit unserer griechischen schritt 
übereinstimmen. Es ist das wohl mit ein grund für die auch 
vom verf. p. 46 vorgebrachte vermuthung, die erhaltene schrift 
über Seekrieg sei nur ein buch eines größeren bezüglichen Wer- 
kes, dessen 1. theil (auch wohl einen quaternio umfassend) vom 
bau und der ausrüstung der schiffe , von wind und wetter , von 
der ausbildung der Soldaten und den zahlreichen auf der flotte 
nöthigen maschinen gehandelt haben, dessen zweiter theil unsere 
schrift und dessen letzter theil poliorketischen inhaltes gewesen 
sein mag. 3) spricht Müller über die zeit der entstehung un- 
serer schrift und ihren Verfasser. Für diese fragen ist in der 
handschrift selbst kein anhaltspunkt gegeben , auch die erwäh- 
nung einer historischen (?) thatsache läßt keine Schlüsse zu, 
selbst die nichterwähnung des griechischen feuers darf nicht mit 
verf. zum beweis herangezogen werden, weil sich zur anführung 
desselben keine veranlassung bietet ; aber das geht aus der 
schrift unzweifelhaft hervor, daß ihr auetor ein christ und das 
christenthum bereits Staatsreligion gewesen ist — man vergleiche 
auch 11, 9 ofxoaiarwv — . Daraus folgt, daß die schrift frühe- 
stens in's 4. Jahrhundert zu setzen ist. Berücksichtigt man 

9* 



124 35. Archäologie. Nr. 2. 

ferner die spräche, über welche Müller eingehende Untersuchun- 
gen angestellt hat, so ergiebt sich mit Wahrscheinlichkeit, daß 
die schrift zur zeit Konstantins des großen und wohl auf dessen 
speciellen befehl verfaßt ist, so daß uns in derselben die älteste 
erhaltene fachmännische bear bei tu n g d es Seekrie- 
ge s in griechischer spräche vorliegt. 

Daß dieselbe von späteren taktikern unberücksichtigt ge- 
blieben, erklärt sich aus nahe liegenden gründen, sagt doch be- 
reits Vegetius IV, 31 : de navalis belli artibus ideo pauciora di- 
cenda sunt, quia iam dudum pacato mari cum barbaris nationibus 
agitur terrestre certamen. Den kritischen bemerkungen Müllers 
p. 49 — 53 stimmen wir völlig bei. Schließlich sei noch be- 
merkt, daß der druck correct (ein accent ist ausgefallen laa für 
laa 10, 18) und die ausstattung vortrefflich ist. 

Hermann Bruncke. 

35. Die befreiung des Prometheus ein fund aus Pergamon. 
42stes programm zum Winckelmannsfeste der archäologischen 
gesellschaft zu Berlin von Arthur Milchhöfer. Berlin, G. 
Eeimer 1882. 4. III, 44 p. 2 mk. 40 pf. 

Mit glücklichem griff sind aus den funden der Pergameni- 
schen akropolis vom ende 1880 aas einer anzahl ähnlicher bruch- 
stücke drei figuren zu einer darstellung zusammengefaßt, in wel- 
cher, wie sie genau beschrieben und auf beigegebener tafel gut 
abgebildet ist, nunmehr jeder den gefesselten Prometheus leicht 
erkennt, von seinem peiniger, der wenigstens spuren hinterlassen, 
durch den jugendlichen Herakles befreit und dabei als theilneh- 
menden Zuschauer den berggott, den niemand wird entfernt wis- 
sen wollen. Ebenso einleuchtend wie diese erklärung ist der 
nachweis gemeinsamer tradition, welche mit der Pergamenischen 
composition ein relief und drei gemälde verbindet, deren eines 
von Achilles Tatius 1, 6 beschrieben 1 ), durch die hauptfiguren 
unsrer darstellung besser als bisher illustriert wird. Ein ge- 
meinsames original wird man voraussetzen dürfen , und dieses 
in einem gemälde des Parrhasios zu suchen ist un verwehrt; aber 

1) Wozu in den angeführten griechischen worten die irreführen- 
den klammern? Ich halte freilich die mit ihnen bezeichneten Zusätze 
Herchers für minder nothwendig als den Herakles statt röi-w xai dogaii 
vielmehr ?o|w xal doga auszurüsten. Ein pfeil heißt dem romanschrei- 
ber ja ßüog oder olatög z. b. 1,4, 4. 2, 22, 3. 4, 7, 3. 



Nr. 2 35. Archäologie. 125 

durch die ganze weitere ausführung dieses gedankens macht ihn 
uns der Verfasser um nichts plausibler. 

Daß mit dem begriff des malerischen in der plastik oft un- 
genau umgegangen wird, ist zuzugeben, aber auch der Verfasser 
ist sich darüber noch nicht recht klar. Offenbare verkennung 
hellenistischer kunstpraxis ist es, wenn er die darstellung des 
Herakles in der rückansicht durch gezeichnetes Vorbild erklären 
zu müssen glaubt ; und wenn auch Zeichnung einen linkshin 
schießenden Herakles in der rückansicht zu zeigen nöthigte, was 
nöthigte denn den Zeichner ihn linkshin schießen zu lassen? Der 
klarheit und präcision ermangelt auch was p. 12 von den „we- 
nigstens vier stellen" gesagt wird, an denen sich die einwir- 
kung des malerischen elements auf die plastik äußern könne. 
So unbillig ferner die forderung, daß alle personen einer gruppe 
gleichbetheiligt seien, so unzutreffend ist der Vorwurf, daß zwi- 
schen den drei figuren der Pergamenischen gruppe „kein zug 
der Linienführung vermittele." Gewiß ist unsre „gruppe" von 
gruppen des sechsten und fünften Jahrhunderts sehr verschieden ; 
gewiß sind die figuren , ob auch rund doch reliefartig compo- 
niert, und das griechische relief überhaupt aus der Zeichnung 
hervorgegangen. Das gilt aber von den meisten alten gruppen, 
vor allen den giebelgruppen : die Wechselwirkung zwischen pla- 
stik und Zeichnung, jene die naturwahre ausführung des einzel- 
nen körpers fördernd, wie diese die Zusammenstellung mehrerer, 
sie hat von anfang an bestanden. Das „malerische" aber ist 
noch etwas anderes. „Perspective und beleuchtung", ja; aber 
was ist davon in unsrer darstellung zu spüren? Ist nicht der 
berggott ein beweis des gegentheils? „Illusion" dagegen — 
wenn darunter wie z. b. bei dem löwenfeil des Herakles nur 
eine möglichst weit getriebene nachbildung des stoffreichen Cha- 
rakters eines wirklichen löwenfells zu verstehen ist, ist nichts 
malerisches. Was ferner im III. abschnitt über das nachlassen 
schöpferischer kraft, über Charakteristik von heroen durch Situa- 
tionen , über die beziehungen hellenistischer reliefkunst zur ma- 
ierei und über die pflege der maierei in Pergamon vorgebracht 
wird, ergiebt für den vorliegenden fall, wie bemerkt, so gut wie 
nichts. Ist auch an einem Prometheus des Parrhasios nicht zu 
zweifeln , so beruht doch die gleichung zwischen ihm und dem 
Pergamenischen vorzüglich auf dem was für beide nur voraus- 



126 Bibliographie, Nr. 2. 

gesetzt wird , nicht überliefert ist , dem gesichtsausdruck. Be- 
merkenswerth ist dagegen die mit vorsieht geäußerte vermuthung, 
daß dem Prometheus, wie anderswo andres, so in Pergamon eine 
Leda näher oder ferner entsprochen habe. — Im vierten abschnitt 
greift der verf. abermals aus, um, an die frage, ob unser Pro- 
metheus der älteren zeit Attalos' I oder der jüngeren Eumenes' II 
angehöre, wobei er für die spätere zeit sich entscheidet, anknü- 
pfend auseinanderzusetzen , daß sowohl die berühmten großen 
Keltenfiguren des capitols und der villa Ludovisi als auch die 
kleinen von Brunn so treffend behandelten giganten , amazonen, 
Perser und Kelten in Pergamon selbst gearbeitete nachbildungen 
der bronzeoriginale in Pergamon aus Athen seien. So anspre- 
chend hier mehreres ist, so bleiben doch manche bedenken, so 
z. b. gegen die erklärung, warum nur figuren von besiegten co- 
piert seien. Unklar wie der Zusammenhang dieser erörterung 
mit dem Prometheus , ist mir insbesondere auch die gedanken- 
wendung, welche zu diesem zurückführt, damit alsbald noch ein 
neues thema aufgestellt werde , mit welchem die kluft zwischen 
Attalischer und Eumeneischer kunst noch mehr sich erweitert. 
Dabei scheint aber (die anmerkung 63 gesteht es ein) nicht die 
gesammte kunst beider Zeiten zum vergleich gebracht zu sein, 
jedesfalls sind die eben angenommenen marmorcopien der Atta- 
lischen zeit schon wieder vergessen. 

Bei aller anerkennung vor des Verfassers gelehrsamkeit und 
streben nach allen seiten hin die äugen offen zu halten wäre 
ihm doch mehr Selbstbeschränkung und klärung der gedanken 
zu wünschen. E. Petersen. 



Bibliographie. 

Einen aufsatz über die buchdruckerkunst in der Türkei 
enthält Börsenbl. 1882, nro. 236. 

Neuigkeiten des ausländischen buchhandels verzeichnet Bör- 
senbl. 1882, nr. 278. 279. 280. 284. 

Eine kurze besprechung der denkmäler der kunst jetzt in 
verlag bei Paul Neff in Stuttgart giebt Reichsanz. 1882, nro. 271. 

Erschienen ist bibliotheca philologica oder geordnete Über- 
sicht aller auf dem gebiete der classischen alterthumswissenschaft 
. . . erschienenen bücher. Von E. Ehrenfeuchter. 35. Jahrgang. 
Heft 1 . Göttingen , Vandenhoeck und Ruprecht ; — Verlag von 
S. Calvary: philologische und archäologische bibliothek ... in 



Kr. 2. Bibliographie. 127 

Serien von 1 6 bänden ; — Verlag von Wilhelm Engelmann ; — 
Neuere erscheinungen der Herder 'sehen Verlagsbuchhandlung in 
Freiburg i. Br. •, — Neue publicationen der Verlagsbuchhandlung 
von J. C B, Mohr {Paul Siebeck) in Freiburg i. Br. und Tü- 
bingen; — Neue Veröffentlichungen von Otto Schuhe in Leipzig 
(meistens OrientaliaJ. 

Mitthtilungen der Verlagsbuchhandlung von B. G. Teubner 
1882, no. 6. Erste abtbeilung: anzeigen über künftig erschei- 
nende bücher : Lexicon Lucretianum edidit dr. J. Woltjer; — 
Die Platonische metaphysik auf grund der im Philebus gegebe- 
nen prineipien dargestellt von dr. Gustav Schneider; — Euclidis 
opera omnia. Recensuerunt J. L. Heiberg et H. Menge; — Clau- 
dii Galeni scripta minora. Eecensuerunt loannes Marquardt, 
Iwanus Mueller , Georgius Helmreich; — P. Ovidius Naso ex ite- 
rata R. Merkelii recognitione. Tom. III. Tristia. Ibis. Ex 
Ponto epp. Fasti. 

Prospecte : Zeitschrift für die gebildete weit . . . Braun- 
schweig bei Vieweg und söhn ; — W. Drugulin, buch- und kunst- 
druckerei , schrift- und stereotypengießerei in Leipzig versendet 
eine ankündigung mit proben, — der ornamentenschatz. Ein 
musterbuch stilvoller Ornamente aus allen kunst- epochen. 80 
tafeln mit über 1000 meist farbigen abbildungen und erläutern- 
dem text von H. Kolb. 

Cataloge der antiquare : A. Struber's antiquariat (Kadisch und 
Ziegert) in Würzburg, no 47; — A. Rente in Göttingen, an- 
zeiger 31; — Schletter (E. Franck) antiquariat in Breslau, no. 
181 ; — Carl Steyer in Cannstadt, no. IX. 

Verzeichniß der wichtigeren Publikationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft. 1883. 11. 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

139. Adamy, Rud. , architektonik auf historischer und ethischer 
grundlage. 1. bd. : architektonik des alterthums. 4. abth.: architek- 
tonik der Römer. Mit 95 eiugedr holzschn. und 15 Zinkätzungen 
Hannover, Helwing 1882. 8. X, 305 p. 9 mk. 

140. Antonini, d. imperatoris Marci, commentariorum quos sibi 
ipsi scripsit libri XII. Rec. Johs. Stich. Leipzig, Teubner 1882. 8 
XVIII, 211 p. 1 mk. 80 pf. 

141. Aristophanes ausgewählte komödien erkl. von Theod. Koch 
2. bdeh.: die ritter. 3. aufl. Berlin, Weidmann 1882. 8. 196 p 
1 mk. 80 pf. 

142. Aristoteles sophistische Widerlegungen übers, und erläutert 
von J. H. v. Kirchmann. Dazu: erläuterungen. Heidelberg, Weiß 
1883. 8. (Philosoph, bibliothek liefg. 310-312). 1 mk. 50 pf. 

143. — , die topik des. Uebers. von J. H. v. Kirchmann. Er- 
läuterungen dazu. Heidelberg, Weiß 1882. 8. (Philosoph, bibliothek 
liefg. 304—309). 3 mk. 

144. Avieni, Rufi Festi, Aratea ed. Alfr. Breysig. Leipzig, Teub- 
ner 1882. 8. XIX, 83 p. 1 mk. 

145. Becker, Wilh. Ad., Gallus oder römische scenen aus der 
zeit August's. Neu bearb. v. Herrn. Goell. Beidin , Calvary u. co. 
1882. 8. 112 p. 



128 Bibliographie. Nr. 2. 

146. Boetticher, Adolf, Olympia, das fest und seine statte. Nach 
den berichten der alten und den ergebnissen der deutschen ausgra- 
bungen. Mit vielen holzschnitten und 15 tafeln in kupferradirung. 
Berlin, Springer 1883 8. XII, 407 p. 20 mk. 

147. Brentano, Franz, über den Creatianismus des Aristoteles. 
Wien, Gerolds sobn 1882. 8. 34 p. 60 pf. 

148. Callimachi hymni et epigrammata. Udalricus de Wilamo- 
witz-Moellendorff recognovit. Berlin, Weidmann 1882. 8. 60p. 75 pf. 

149. Cicero's catiiinariscbe reden. Für den schulgebr. hrsg. v. 
Fr. Richter. 4. aufl. bearb. von Alfr. Eberhard. Leipzig , Teubner 
1882. 8. 120 p. 1 mk. 

150. Corpus inscriptionum Latinarum consil. et auctor. acad. 
litt. reg. Boruss. editum. Vol. VI, pars 2. Inscriptiones urbis Romae 
latinae collegerunt Guil. Henzen et Johs. Baptista de Bossi edd. Eng. 
Bormann, Guil. Henzen, Chrn. Huelsen. Pars 2. (VIII, 875 — 1746 p.). 
Berlin, Reimer 1882. fol. 90 mk. 

151. Corpus scriptorum ecolesiasticorum Latinorum. Editum 
consil. et imp. acad. litt. Caesar. Vindob. Vol. VIII: Salviani pres- 
byteri Massiliensis opera omnia rec. et comm. critico instr. Franc. 
Bauly. Wien, Gerolds söhn 1883. 8. XVI, 359 p. 7 mk. 

152. Duncker, Max, geschichte des alterthums. 7. bd. mit aus- 
führl. register üb. bd. I — VII. 3 - 5. aufl. Leipzig, Duncker u. Hum- 
blot 1882. 8. VII, 496 p. 9 mk. 80 pf. 

153. Eichert, Otto, vollständ. Wörterbuch zu den Verwandlungen 
des P. Ovidius Naso. 8. verb. aufl. Hannover , Hahn 1882. 8. IV, 
308 p. 2 mk. 40 pf. 

154. Engelmann, Wilh. , Bibliotheca scriptorum classicorum. 8. 
aufl. umfassend die litteratur von 1700—1878 neu bearb. von E. Preuß. 
2. abth.: Scriptores latini. Leipzig, Engelmann 1882. 8. (IV, 771p.). 
16 mk. 

155. Faulde, A., Electrae Sophocleae stasimi primi interpretatio 
critica et metrica. Neiße, Graveur 1882. 8. 31p. 50 pf. 

156. Flach, Hans, geschichte der griechischen lyrik nach den 
quellen dargestellt. I. Tübingen, Fues 1883. 8. XVI, 358 p. 
6 mk. 40 pf. 

157. Funde, die, von Olympia. Ausgabe in 1. bde, hrsg. von 
dem direktorium der ausgrabungen zu Olympia. 40 taf. Berlin 1882, 
Wasmuth fol. In mappe 60 mk. 

158. Georges, Karl Ernst, ausführliches lateinisch-deutsches und 
deutsch-lateinisches handwörterbuch aus den quellen zusammengetra- 
gen und mit besonderer bezugnabme auf Synonymik und antiquitäten 
unter berüeksichtigung der besten hilfsmittel ausgearb. Deutsch -lat. 
theil. 2 bde. 7. sehr verb. aufl. Leipzig, Hahn. VIII, 2032 u. 2052 sp. 
13 mk. 

159. Grote , Georg, geschichte Griechenlands. Aus dem engli- 
schen. 2. rev. aufl. Berlin, Hofmann 1882. 8. 4 bde. 30 liefgg. 
a 2 mk. 

160. Herne, Otto, de Stobaei florilegii excerptis Bruxellensibus. 
Freiburg i. Br., Mohr 1882. 8. 36 p. 2 mk. 

161. Heydemaiin , Heinr. , terracotten aus dem Museo nazionale 
zu Neapel mit 3 tat'., 1 holzschn. Halle, Niemeyer 1882. 4. 28 p. 
3 mk. (7. Hallisches Winckelmannsprogr.). 

162. Homers Ilias. Für den schulgebrauch erkl. von Karl Fr. 
Ameis. Bd. I, heft 2 und 4; bd. 2, heft 3. Leipzig 1882. 8. 3mk.30pf. 

163. Horaüi Flacci, Q., carmina selecta. Für den schulgebrauch 
hrsg. von Joh. Huemer. Wien, Hoelder 1882. 8. XXVI, 204 p. 
1 mk. 40 pf. 



Nr. 2. Bibliographie. 129 

1 64. Horatii Flacci, Carmina scholarum in usurn ed. Mich. Petschenig. 
Prag, Tempuky; Leipzig, Freytag 1883. 8. XIX, 218 p. lmk. 20pf. 

165. Huitsch, Fr., griechische und römische metrologie. 2. bear- 
beitung. Berlin, Weidmann 1882. 8. XIV, 745 p. 8 mk. 

166. Kauffmann- Hartenstein , J. . über die wichtigsten resnltate 
der Sprachwissenschaft. Solothurn, Jent und Gaßmann 1882. 8. 99 p. 
2 taff. 3 mk. 

167. Kiel, Fr., die Venus von Milo. Ein neuer versuch ihrer 
ergänzung, erklärung und Würdigung. Mit 1 holzschn.-tafel. Hanno- 
ver, Hahn 1882. 8. VII, 62 p. 

168. Koch, John, die Siebenschläferlegende, ihr Ursprung und 
ihre Verbreitung. Eine rnythol.-litteraturgesch. studie. Leipzig, Reiff- 
ner 1883. 8. VII, 215 p. 5 mk. 

169. Krieg, Cornelius, grundriß der römischen alterthümer. Mit 
einem überblick über die römische litteraturgesehichte. Ein lehrbuch 
für studirende der oberen gymnasialk lassen und für lehramtskandida- 
ten. 2. völlig umgearb. u. verm. aufl. Mit 64 illustr. u. Stadtplan. 
Freiburg i. Br., Herder 1882. 8. XV, 370 p. 4 mk. 

170. Lange, Ludw., de pristina libelli de republica Atheniensium 
forma restituenda commentatio. Pars 1. Leipzig, Hinrichs 1882. 4. 
32 p. 1 mk. 20 pf. 

171. Lehrs. K., de Aristarchi studiis Homericis. Ed. III. Leip- 
zig, Hirzel 1882. 8. V, 506 p. 9 mk. 

172. Meyer, Leo, vergleichende grammatik der griechischen und 
lateinischen spräche. Bd. 1. Hälfte 1. 2. aufl. Berlin, Weidmann 
1882. 8. VI, 640 p. 9 mk. 

173. 3Iilchhüfer, Artb. , die befreiung des Prometheus, ein fund 
aus Pergamon. 42. progr. zum Winckelmannsfeste der archäol. ge- 
sellsch. zu Berlin. Mit tafel u. 3 zinkdr. Berlin, Reimer 1882. 4. 
III, 44 p. 2 mk. 40 pf. 

174. Mommsen, Theod., römische geschichte 3. bd. 7. aufl. 
Berlin, Weidmann 1882. 8. IV, 708 p. 8 mk. 

175. Neumann, Carl, das Zeitalter der punischen kriege. Aus 
seinem nachlasse hrsg. von Gustav Faltin. Breslau, Koebner 1882. 8. 
VII, 59s p . 12 mk. 

176 Oeri, J. J., interpolation und responsion in den jambischen 
partien der Andromache des Euripides. Berlin , Weidmann 1882. 8. 
30 p. 1 mk. 

177. Overbetf;, J., abbildungen ans der geschichte der griechischen 
plastik zum gebrauche bei vorle.-tungen zusammengestellt. 7 ergän- 
zungstafeln nach der 3. aufl. Leipzig, Hinrichs 1883. fol. 7 mk. 

178. Perrot, Georges und Charles Chipiez , geschichte der kunst 
im alterthum. Aegypten — Assyrien — Persien — Kleinasien — 
Griechenland — Etrurien - Rom. Autorisierte deutsche ausgäbe. 
1. abth.: Aegypten. Mit ungef. 600 abbildd. im text, 4 färb, und 15 
schwarzen tafeln. Hearb. von dr. iü. Pietschrnann. Mit vorwort von 
Geo. Ebers. Liefg. 2-8. Leipzig, Brockhaus, ä 1 mk. 50 pf. (p. 
41—352). 

179. Pfänder, Ed., die Perthes'schen reformvorschläge für den 
latein. elementarunterricht gegenüber theorie und erfahrung. Bern, 
Fiula 1882. S. 80 pf. (Aus pädagog. archiv). 

180. Philostratus, Apollonius von Tyana. Aus dem griechischen 
übers, und erläutert von Ed. Baitzer. Mit einer Übersichtskarte. Ru- 
dolstadt, Härtung und söhn 1883. 8. 6 mk. IV, 403 p. 

181. Piatons ausgew. Schriften Für den schulgebrauch erkl. v. 
Chr. Croti und Jut. JJeuschle. Theil I : vertheidigungsrede des So- 
krates und Kriton. Erkl. von Chr. Cron. 8. aufl. VIII, 149 p. 1 mk. 



130 Bibliographie. Nr. 2 

Theil III. Heft 1 : Laches. Erklärt von Chr. Cron. 4. aufl. VIII, 
82 p. 1 mk. 

182. Piatons Alcibiades I IL Amatores Hipparchus Theages. Ed. 
Mart. Schanz. Ed. ster. (p. 107 — 197). Leipzig 1882. 8. 45 pf. 

183. Plauti, T. Maccii, coinoediae. Rec. , instr. crit. et prolegg. 
auxit Fr. Bitschelius, sociis operae adsuuiptis Gust. Loewe, Geo. Goetz, 
Fr. Schoell. Tom. II, fasc. II: Ainpbitruo. Rec. Geo. Goetz et Gust. 
Loewe. Leipzig, Teubner 1882. 8. XII, 131 p 3 mk. 60 pf. 

184. — — , ausgewählte komödien. Für den schulgebrauch erkl. 
von Julius Brix. 4. bdch.: Miles Gloriosus. 2. aufl. Leipzig, Teub- 
ner 1882. 8. IV, 176 p. 1 mk. 50 pf. 

185. Poetae lyrici Graeci. Rec. Theod. Bergk. Ed. IV, vol. III 
poetas melicos continens. Leipzig, Teubner 1882. 8. III, 747 p. 
13 mk. 60 pf. 

186. Polybii histoiiae. Editionem a Ludov. Dindorfio curatam re- 
tractavit Th. Büttner - Wobst. Vol. I. Leipzig, Teubner 1882. 8. 
(CXXV, 361 p.). 3 mk. 60 pf. 

187. Presuhn, Emil, die pompeianischen wanddecorationen. Für 
künstler und kunstgewerbtreibende sowie freunde des alterthums. 
Mit 24 taf. nach orig. - copien v. Discanno in färbendruck ausgeführt 
von Steeger, nebst einem plan der maiereien Pompejis. Neue wohlf. 
ausgäbe. Leipzig, Weigel 1883. fol. 24 mk. 

188. Bauchenstein , Hans, der feldzug Caesar's gegen die Helve- 
tier. Eine kritische Untersuchung mit einer vorausgehenden abhaud- 
lung über die glaubwürdigkeit der commentarien Caesars zum galli- 
schen krieg. Jena (diss.) 1882. 8. 102 p. 

189 Runke , Leopold von, Weltgeschichte. 3. theil: das altrö- 
mische kaiserthum. Mit krit. erörterungen zur alten geschichte. 2. 
abth. 1. u. 2. aufl. Leipzig, Duncker u. Humblot 1882. 8. VIII, 
546, XI, 356 p. 21 mk. 

190. Rebling, Oscar, versuch einer Charakteristik der römischen 
Umgangssprache. 2. mit einigen Veränderungen versehener abdruck. 
Kiel, Lipsius u. Tischer 1882. 8. 48 p. 1 mk. 20 pf. 

191. Roch, Geo., die schrift des alexandrinischen bischofs Diony- 
sius des großen „über die natur" eine altchristliche Widerlegung der 
atomistik Demokrits und Epikurs. Leipzig (Dresden, Naumann) 1882. 
8. 60 p. 1 mk. 

192. Sammlung Sabouroff, die, kunstdenkmäler aus Griechenland 
hrsg. von Adolf Furtwängler. 2 bde. (In 15 lieff.). 1. lieff. fol. 10 
tafeln u. 10 bl. text. Berlin, Asher u. co. In mappe. 25 mk. (Das- 
selbe französisch). 

193. Schüler, Herrn., geschichte der römischen kaiserzeit. Bd. I 
Abth. 1: von Caesars tod bis zur erhebung Vespasians. Gotha, Per- 
thes 1882. 8. VIII, 496 p. 9 mk. 

194. Sophoclis Electra. In usum scholarutn ed. O. Jahn. Ed. 3 
curata ab Adolf o Michaelis. Bonn, Marcus 1882. 8. VIII, 175 p. 
3 mk. 60 pf. 

195. Sophoclis Aiax scholarum in usum ed. Frdr. Schubert. 
Prag, Tempsky; Leipzig, Freytag 1883. 8. XVIII, 50 p. 40 pf. 

196. Starker, Paul, symbolae criticae ad M. Tullii Ciceronis epi- 
stulas. Diss. Nissae 1882. 8. 47 p. (Breslau, Görlich u. Coch). 

197. Stolz, Frdr., zur lateinischen verbalflexion. Studien. Heft 1. 
Innsbruck, Wagner 1882. 8. IV, 74 p. 2 mk. 

198. Tacitus Annalen. Schulausgabe von A. Dräger. Bd. I, 4. 
aufl.; bd. II, 3. aufl. Leipzig, Teubner 1882. 8. VI , 302 p. 2 mk. 
40 pf., 262 p. 2 mk. 25 pf. 



Nr. 2. Bibliographie. 131 

199. Tacitus Germania erkl. von Carl Tücking. 5. verb. aufl. 
Paderborn, Schöningh 1882. 8. 73 p. 60 pf. 

200. Thiersch, Frdr. , die königsburg von Pergamon. Ein bild 
aus der griech. vorzeit. Mit situationsplan und einer reeonstruction 
in licbtdruck. Stuttgart, Engelhardt 1883. fol. 14 p. 5 mk. 

201. Thukydides. Für den schulgebr. erkl. von Gottfried Böhme. 
Bd. I Heft 1. Buch 1. 2 besorgt von dr. Simon Widmann. Leipzig, 
Teubner 1882. 8. XXIV, 220 p. 1 mk. 50 pf. 

202. Unger, Georg Frdr., Kyaxares und Astyages. München 1882, 
Franz. 85 p. 4. 2 mk. 50 pf. (Aus abhandl. der baier. akad.). 

203. Usener, Herrn., philologie und geschichtswissenschaft. Bonn, 
Cohen u. söhn 1882. 8. 39 p. 1 mk. 

204. Wiedemann , AI fr. , die ältesten beziehungen zwischen Ae- 
gypten und Griechenland. Vortrag. Leipzig, Barth 1882. 8. 22 p. 60 pf. 

205. Zingerle , Anton, beitrage zur kritik der 3. dekade des Li- 
vius I. Wien, Gerold's söhn 1883. 8. 18 p. 40 pf. (Aus sitzungs- 
ber. d. Wiener akad.). 

Niederlande. 

206. Karsten, Herrn., Thomas, oratio de studiorum Latinorum 
ambitu. Lugduni Bat., Brill 1882. 8. 27 p. 0,40 fl. 

Skandinavien. 

207. Bang, A. C, Bidrag til de Sibyllinske Oraklers og den Si- 
byllinske Orakeldigtning. Historie i Middelalderen. 1. Lactants og 
Sibyllinerne. Christiauia, Jacob Dybwad 1882. 8. 24 p. 60 0re. 
(Aftrykt af Christiania Videnskabernes Selskabs Forhandlinger). 

208. Hammarstraud, S. F., Romerska rikets författningshistoria 
fran Augustus tili westromerske rikets fall. Förra afdelningen. 1. 
heft. Upsala, Edquist 1882. 8. IV, 156 p. 1 kr 50 öre. 

209. Piatons Teaitetos. Oefversatt med anmärkniugar af Jaf. 
Sülen. Upsala, Lundequista bokh. 1882. 8. 174 p. 2 kr. 

210. Saloman, G. , die statue des belvederischen und vaticani- 
schen Apollo. Den manen Winkelmanns gewidmet. Stockholm, G. 
Saloman 1882. 4. 74 p. 7 tafeln. 10 kr. 

211. Weiße, J. P., Romerska Caesarer. Populaere foerelaesninger. 
I. Populaere forelaesninger over Tiberius og Nero. Med 4 portraeter 
efter antiken. 2 bl. VIII, 376 p. 1 stamtavle. Christiana , Steens- 
balle 1882. 8. 

England. 

212. Charteris, A. H., The new testament scriptures. Their claims 
history and authority. London, Nisbet 1882. 8 2S0 p. (Croall 
Lecture). 7 sh. 6 d. 

213. Cicero pro Rabirio perduellionis reo oratio ad Quirites. 
With notes introduction and appendices by W. E. Heitland. Cam- 
bridge 1882. 8. 158 p. 7 sh. 6 d. 

214. Demosthenes against Androtion and against Timocrates. 
With introductions and english notes by William Waite. Cambridge 
1883. 8. 320 p. 7 sh. 6 d. 

215. Duncker, Max, The history of antiquity. Fromthe German 
by Evelyn Abbott. Vol. VI. London, Bentley 1882. 8. 412 p. 21 sh. 

216. Farrer, R. R., a tour in Greece 1880. With 27 illustr. by 
Lord Windsor. London, Blackwords 1882. 8. 220 p. 21 sh. 

217. Sophocles translated into english verse by Robert Whitelaio. 
London, Rivingtons 1883. 8. 454 p. 8 sh. 6 d. 

218. Tacitus Annais edited with notes by Geo. O. Holbrooke. 
London, Macmillau 1882. 8. 16 sh. 



132 Bibliographie. Nr. 2. 

219. Wordsworth, (Bischop of Lincoln), Greece. Pictorial descri- 
ptive and historical. With numerous engravings and a history of the 
characteristics of Greek art by George Scharf. New ed. Revised. 
With notices of recent discoveries by H. F. Tozer. London, Murray 
1882. 8. 480 p. 31 sh. 6 d. 

Vereinigte Staaten von Nordamerika. 

220. Berens, E. M. , Handbook of Mythology. New York 1882. 
16. 5 sh. 

221. Reber, Franz von, History of ancient art. Revised by the 
author. Translated and augmented by Joseph Thacher Clarke. With 
illustrations and a glossary of technical terms. London. New York 
1882. 8. 18 sh. 

Belgien. 

222. Henrard, Paul, Jules Cesar et les Eburons. Bruxelles 1882. 
8. 41 p. (Extrait des Memoires couronnes de l'acad. de Belgique. 
8. tom. 33. 

223. Willems, P. , le senat de la republique romaine. Tome II. 
Louvain, Peeters 1882. 8. 784 p. 20 frcs. 

Frankreich. 

224. Cagnat, R. , Exploration epigraphiques et archeologiques 
en Tunisie. fasc. 1. Paris, Thorin 1883. 8. 113 p. 11 heliogr. 
(Extraits des Archives des missions scientifiques et litteraires. 3. 
sene, tom. 9). 

225. — — , sur trois inscriptions inedites de Tunisie. Vienne 
1882. 8. 8 p. (Extrait du Bulletin epigraphique de la Gaule 1882 
mars avril). 

226. Cauvet, J. , Genie philosophique et litteraire des juriscon- 
sultes romains. Caen 1882. 8. 55 p. (Extrait des Memoires de l'a- 
cademie de Caen). 

227. Chauvet, la philosophie grecque ses rapports ä lamedicine. 
Caen 1882. 8. 28 p. (Extrait des Memoires de l'acad. de Caen). 

228. Ciceron. Notes sur les lettres de, par Charles Nisard. Ad- 
dition au tome V. Paris, Didot 1882. 8. II, 242 p. (Collection des 
auteurs latins publiee par Ch. Nisard). 

229. JEsmein, A., La table de Bantia traduction par M. Bueche- 
ler (dans les Fontes juris romani de Bruns); traduction et commen- 
taire par Michel Breal dans les Memoires de la Societe de linguisti- 
que 1881. Paris 1882. 4. 12 p. (Extrait du Journal des Savants 
1882 septembre). 

230. La Bordcrie, Arthur de, Geographie gallo-romaine de l'Ar- 
morique Diablintes; luriosolites et Corisopites (deuxieme memoire) 
Replique a M. Rene Kerviler. Saint Brieuc 1882. 8. 9 p. 

231. Larrounnt, G, de quarto Tibulli libro. Thesis. Paris, Ha- 
chette 1883. 8. 85 p. 

232. Leblanc, Joseph, Fouilles archeologiques faites ä Vienne en 
1881—82. Vienne 1882. 8. 11 p. (Extrait du Bulletin epigr. de la 
Gaule 1882, mars- avril). 

233. Leutheric, Charles, les voies antiquesde la region du Rhone. 
Avignon, Seguin 1882. 8. 163 p 

234. Marie, Maxim, histoire des sciences mathematiques et phy- 
siques. T. 1. De Thaies ä Diophante. Paris, Gauthier Villars 1883. 
8. 295 p. 

235. Mönard, Rene, la vie privee des anciens. Texte. Dessins 
d'apres les monuments antiques par Cl. Sauvageot. IV. Les institu- 
tions de l'antiquites. Paris, Ve Morel 1882. 8. 680 p. 720 fig. 



Nr. 2. Bibliographie. 133 

236. Monnier, Francis, Verein ge'torix et l'independance gauloise; 
Religion et institutions celtiques. 3e edition. Paris, Didier 1883. 18. 
295 p. 

237. Mourier, Ath. et F. Deltour, Catalogue et aöalyse des theses 
francaises et latines admises par les facultes des lettres avec index 
et table alphabetique des docteurs. Paris, Delalain 1882. 8. VIII, 32 p. 

238. Prowihon, P. J., Cesarisme et Christianisme de l'an 4 5 avant 
J.-C.al'an476 apres. Precede d'une pre'face par J. A. Langlois. 2 edi- 
tion. 2 vol. Paris, Marpon et Flammarion. T. 1. XXIV, 275. T. 2. 
312 p. 1882. 8. 7 fres. 

239. Ray et, Olivier, Monuments de l'art autique publies sous la 
direction de, Paris, Quantin. 1882. 1883. fol. (Complet en six liv- 
raisons. a 88 pl. — ä 25 fres.) 

240. Rochas d'Aiglun , A. de., Tartillerie chez les anciens. Tours 
Bousrez 1882. 8. 28 p. (Extrait du Bulletin monumental). 

241. Rowanet du Cail/aud , F., de la date de la loi Iulia Nor- 
bana. Paris 1882. 8. (Extrait des Comptes rendus de Tacademie 
des inscriptions). 

242. Taciti, Cornelii , ab excessu divi Augusti quae supersunt. 
Nouvelle edition revue et publiee d'aprea les travaux les plus recents 
avec introduetion commentaire et index par Emile Person. Paris, 
Belin 1882. 12. XII. 787 p. 

243. Terence , Comedies de , Traduction nouvelle par Eugene 
Talbot, avec le texte latin en regard et une introduetion du traduc- 
teur. Paris, Charpentier 1882. 18. 2 vols. XLVII, 443 u. 504 p. 
7 fr. 50 c. 

244. Virgilii, MaronisP., opera. Oeuvres de Virgile. Texte latin 
publie d'apres les travaux les plus recents de la philologie avec un 
commentaire critique et explicatif une introduetion et une notice par 
E. Benoist. Eneide livres VII — XII. 3 tirage. Paris, Hachette 1882. 
8. LE, 455 p, 7,50 fr. (Collection d'editions savantes). 

Italien. 

245. Atti della Societa di archeologia e belle arti per la pro- 
vincia di Torino. Vol. III, fasc. 5 con 3 tavv. Torino, Bocca 1882. 
7 lire. 

(Contiene: Berard , Ed , antiquites romaines et du moyen äge 
dans la vallee d'Aoste. Fantaguzzi, Gr., Lapide Astese relativa al 
duca Carlo d'Orleans. — Idem, di una tomba scoperta nel territorio 
di Costigliole d'Assi. — Ferrero, E., Sepolture romane scoperte a 
Torino. — Cornara , G. , di aleune tombe scoperte nel Campo di 
Cirie. — Angelucci, A., La piastra figurata di bronzo nel R. Museo 
di antichita di Torino. — Del Corno, V., le stazioni di Quadrata 
e di Ceste lungo la strada romana da Pavia a Torino). 

246. Aesopicarum fabularum sylloge curante H. Ottino. Torino 
Paravia 1882. 16. VIII, 184 p. 1,30 lire. 

247. Bonghi, Ruggero, Manuale di antichita romane per uso dei 
ginnasii e dei lieei. Napoli Morano 1882. 16. IV, 288 p. 2,50 lire. 

248. Butlafoco, de, Studio storico intorno alle origini degli Egi- 
ziani. Siena 1882. 8. 16 p. 

249. Caesaris , C. Julii , commentarii de bello Gallico con note 
italiane di Carlo Fumagalli. Verona Padova 1882. 16. 857 p. 
2,60 lire. 

250. Canini, M. A., Etudes etymologiques. Torino, Loescher 
1882. 8. XVI, 291 p. 10 lire. 

251. Capocasa, Savino, Saggio di lingna latina ed italiana, Ripa- 
transone 1882. 16. 67 p. 



134 Bibliographie. Nr. 2. 

252. Cesati, Enrico, Simonide di Ceo. Dissertazione, Casale 1882. 
8. 2 lire. 

253. Cocchia, E., Questioni di fisiologia latina. Torino, Loescher 
1882. 8. 72 p. 2,50 frc. 

254. Ellendt, Federico, Grammatica latina riveduta dal prof. 
Maurizio Seyffert. Parte I. II. ediz XXIV emendata dal dott. M. A. 
Seyffert e dal Prof. H. Busch, tradotta la prima volta e annotata 
dal dott. A. C. Firmani, Firenze, G. C. Sansoni 1882. 16. XI, 185 p. 
2 lire. 

255. Gentile , Iginio, Storia dell' arte greca. Milano, M. Hoepli 
1882. 16. 208 p. 2,50 lire. 

256. GiambelH, Carlo, sulle falsificazioni Anniane; breve saggio 
critico. Torino-Piüerolo 1882. 8. 40 p. 1,50 lire. 

257. Lucrezio Caro, T. , la natura libri VI tradotti da Marco 
Rapisardi seconda edizione riveduta dal tradnttore ed accresciuta di 
una prefazione di G. Trezza. Torino, Loescher. Firenze 1882. 8. 
419 p. 5 lire. 

257a. Moreschi, N. , le antichitä private dei Romani. 2a ediz. 
Milano, Hoepli 1882. 16. 131 p. 1,50 1. 

258. Nispi-Landi, Ciro, Marco Agrippa e i suoi tempi; le Terme 
ed il Pantheon: tavolo storico-archeologico-critico. Roma, Perino 
1882. fol. 75 p. 2 tavv. 2 lire. 

259. Piatone dialoghi tradotti da Rugghero Bonghi. Vol. III. 
Protagora o i sofisti. Roma, Bocca 1882. 16. XLV, 339 p. 5 lire. 

260. Saggio, primo, di catalogo Virgiliano pubblicato per cura 
dell'accademia Virgiliana nella ricorrenza del XIX centenario della 
morte di P. Virgilio Marone. Mantova 1882. 4. 31 p. 

261. Sliidi di filologia greca pubbl. da Enea Piccolomini, Vol. I. 
fasc. II. E. Piccolomini, osservazioni sul testo dell'epitafio d'Iperide 
V. Puntoni, Scolie alle orazioni di Gregorio Nazianzeno, derselbe, 
Postille sopra gli aurei versi dei Pitagorici, E. Piccolomini, Sul par- 
tenio d'Alcmano. Torino, Loescher 1883. 8. p. 107—205. 

262. Studii e documenti di storia e di diritto. Pubblicazione 
periodica dell'accademia di conferenze storico-giuridiche anno III. 
fasc. 3. (luglio-settembre 1882). Roma 1882. 4. 

(Contiene: Aliprandi, S. , sopra alcuni frammenti greci di anno- 
tazione fatte da un antico giureconsulto ai libri di Ulpiano ad Sa- 
binum. — Talamo , S. , la schiavitü secondo Aristotele e i dottori 
scholastici etc.). 

263. Trezza, G. , Epicuro e l'epicureismo. 2a edizione ampliata 
e corretta Milano. Hoepli, Firenze 1882. 16. 196 p. 2,50 lire. 

264. Vannucci, Atto, Proverbi latini illustrati. Volume secondo. 
Milano, Bligola 1882. 8. VIII, 295 p. 6 lire. 

Beilage A. Schulschriften und programme. 

265. Festschrift zur 36. Versammlung deutscher philologen und 
Schulmänner zu Carlsruhe in den tagen vom 27 — 30. September 1882. 
Mit 2 tafeln in lichtdruck. Karlsruhe 1882. 4. 121 p. 1 Mk. 

Inhalt: 1. Funk, die badische societas latina p. 1—14. — 2. 
Baumann , die antiken marmorskulpturen des grossh. antiquariums 
zu Mannheim. — 3. Schmitt, Qua ratione veteres et quot inter ac- 
tores Terentii fabularum in scenam edendarum partes distribuerint. 
p. 24 — 58. — 4. Hugo Stadtmüller, Emendationes in poetis Graecis. 
p. 71 — 75. — 5. Schmalz, über den Sprachgebrauch des Asinius 
Pollio. p. 76 — 101. — 6. Schellhammer, über aequivalente ab- 
bildung räumlicher gebilde. p. 102—121. 

266. Festschrift zur feier der ein weihung des neuen gymnasial- 



Nr. 2. Bibliographie. 135 

gebäudes den 18ten October 1882. Wesel 1882. 8. (Enthält: 1. A. 
Kleine, geschichte des Wesel er gymnasiurus von den ältesten zeiten 
bis zur gegenwart. — 2. G. Heidtmann, P., Vergilii Maronis Aeneidos 
liber secundus. — 3. 0. Rebling, lateinisches und romanisches. — 4. 
W. Braune, der Thyestes des Euripides). 

267. Festschrift zu der am 2. Nov. 1882 stattfindenden feier 
der einweihung des neuen gymnasiums zu Salzwedel. Salzwedel 1882. 
4. (Inhalt: Arthur von Oldenberg , ein wort über werth und Stel- 
lung von Luthers kleinem katechismus in der christlichen schule. 8 p. 
Fr. Müller, de Claudio Rutilio Namatiano Stoico. 12 p. Carl Brandt, 
de re metrica qua usus est Vergilius in eclogis. 8 p. Paul Schivartz, 
einiges zur geschichte des Salzwedelscben gymnasiums 20 p. O. 
Hentschel , über stationäre elektrische Strömung in einer lemniskati- 
schen platte. 8 p. Gustav Legerlotz , G. , etymologische studien. 
Jovlog und seine nähere und fernere Verwandtschaft. 18 p. Der- 
selbe, metrische Übersetzungen. 12 p.) 

268. Abert , Joh. , drei griechische mythen in Calderons sacra- 
mentspielen. Passau 1882. 4. 39 p. 

269. Adam, Cicero's orator und Horaz ars poetica nach ihrer 
inneren Verwandtschaft verglichen. Urach 1882. 4. (Evang.-theol. 
seminar). 31 p. (Teubner no. 519). 

270. Baran, A., zur quantitirenden ausspräche des lateinischen. 
Krems 1882. 8. 20 p. 

171. Bolle, L. , die realien in den öden des Horaz I. Wismar 
1882. 4. (Teubner no 580.). 

272. Both , Val , des christlichen dichters Prudentius schritt 
gegen Symmachus. Rastatt 1882. 4. 32 p. (Teubner no 543.). 

273. Braitenberg , Robert von , über das verhältniss Catull's zu 
seiner zeit. Prag (Gyrnn. der kleinseite) 1882. 8. 22. 

274. Breitling, bemerkuugen über die quellen des Dio Cassius 
LXVI— LXIX. Markirch. realprogr. 1882. 4. 11p. (Teubner no 461). 

275. Bullinger , Anton , Aristoteles nuslehre. (de anim. III. c. 
4—8. incl.) Dillingen 1882. 8. 73 p. 

276. Dreher, exegetische und kritische beitrage zur erklärung 
von Demosthenes rede für die Megalopoliten. Ehingen 1882. 4. 52 p. 
(Teubner no. 520.). 

277. Dundaezek , Raimund , beitrage zur geschichte der beiden 
ersten Messenischen kriege. Czernowitz 1882. 8. 36 p. 

278. Ebrard, Wilh., die allitteration in der lateinischen spräche. 
Bayreuth 1882. 8. 64 p. 

279. Emminger , Adam, der Athener Kleon. Eichstätt (gymn.) 
1882. 8. 78 p. 

280. Flessa , Ferd. , die prioritätsfrage der Sophokleischen und 
Euripideischen Electra und ihr verhältniss zu einander sowie zu den 
Choephoren des Aeschylus. Bamberg 1882. 8. 117 p. 

281. Fugger, Hans, Eros sein Ursprung und seine entwickluüg. 
Eine mythologische studie. Kaiserslautern 1882. 8. 38 p. 

282. Gerstenecker, Job., der krieg des Otho und Vitellius in Ita- 
lien im jähre 69. Beiträge zur erklärung des Tacitus und Plutarcb. 
München, Maxim, gymn. 1882. 8. 81 p. 

283. Graeser , Gustav, oi 'EXltjfbjy rt xai 'Pw/ucciwv /ueyiarnt, Oiol 
noog clXXijkovs av/ußäkkofT«t xara rovg b/uoiovs xal ditjorijufyovg yuocotirjQag 
avTwv. Schässburg 1882. 4. Teubner no 652. Progr. des gymn. zu 
Mediasch. 

284. Haas, Lorenz, leben des Sextus Empiricus. Burghausen 
1882. 8. 27 p. 



186 Bibliographie. Nr. 2. 

285. Heinrich, A., Quatenus carminum Buranorum auctores ve- 
terum Romanorum poetas imitati sint. Cilli 1882. 8. 19 p. 

286. Helmbold , Julius , über die successive entstehung des Thu- 
cydideischen geschichtswerks. II. theil Widerlegung der annähme 
einer redaction durch fremde hand. (Erste hält'te). Basel 1882. 4. 
Teubner no 449. Progr. aus gymn. zu Mühlhausen im Eis. 

287. Höhle, Arkadien vor der zeit der Perserkriege. Meerane 
in Sachsen 1882. 4. (Teubner no. 506). 

288. Huemer, Joh., mittellateinische analekten. Wien, staatsgym. 
im 9. bezirk 1882. 8. 20 p. 

289. Jan, Karl von, die griechischen Saiteninstrumente. Mit 6 
abbildungen in Zinkätzung. Leipzig 1882. 4. Progr. v. Saargemünd. 
Teubner no. 452. 36 p. 

290. Kausei, de Thesei synoecismo. Dillenberg 1882. 4. 24 p. 

291. Keif er, Philipp, die neuentdeckten inschriften über Cyrus. 
Zweibrücken 1882. 8. 37 p. 

292. Kettler, Georg, nonnullos ad Herodianum rerum Romana- 
rum scriptorum annotationes scripsit. Erlangen 1882. 8. 39 p. 

293. Klimscha, Phil. , Sallustianische miscellen. Kremsier 1882. 
8. 29 p. 

294. Knapp, Theokrit und die Idyllendichtung. Ulm 1882. 4. 
23 p. Teubner n. 528. 

295. Koeberlein, Karl , die frage nach dem Übersetzer des neu- 
platonischen dialogs Asklepios. Augsburg 1882. 8. 28 p. 

296. Krebs, Franz., die präpositionsartigen adverbia bei Polybius. 
Theil I. Regensburg 1882. 8. 35 p. (Neues gymn.). 

297. Kubitschek, Willi., kritische beitrage zur cosmographia des 
Iulius Honorius. Oberhollabrunn 1882. 8. 40 p. 

298. Kucera , Ed., über die Taciteische inconcinnität. Olmütz 
1882. 8. 26 p. 

299. Kuehnlein , Rud., de vi et usu precandi et iurandi formu- 
larum apud decem oratores Atticos. Neustadt a. d. Hardt 1882. 8. 77 p. 

300. La Roche, Jacob, das augment des griechischen verbums. 
Linz 1882. 8. 39 p. 

301. Lindner, Robert Ritter von, das eingreifen der goetter in 
die handlung der Ilias. Landskron in Böhmen 1882. 8. 34 p. 

302. Loebl, S., beitrage zur textkritik des platonischen Phaedrus. 
Troppau 1882. 8. 16 p. 

303. Majchrovicz, Franc, de Horatio et Iuvenale satirarum aucto- 
ribus. Lemberg 1882. 8. 33 p. (2. obergymn.). 

304. Maurer, Theod., Cruces philologicae. Beiträge zur erläuterung 
der schulautoren. Mainz 1882. 4. 28 p. 

305. Meichelt, probe einer Ovidübersetzung. Offenburg 1882. 4. 
Teubner no. 541. 14 p. 

306. Meusburger , EL, Quatenus Cicero in oratione pro Milone 
observaverit praecepta rhetorica. Ried 1882. 8. 20 p. 

307. Nager, Albinus, textkritische bemerkungen zu Servii gram- 
matici qui feruntur in Vergilii carmina commentarii rec. Gr. Thilo et 
H. Hagen. Vol. I, fasc. I. Lipsiae 1878. Graz, (erstes staatsgymn.) 
1882. 8. 18 p. 

308. Pichler, Benedict, über syntactische beziehungen Herodots 
zu Homer. Bielitz 1882. 8. 16 p. 

309. Placek, Franz, He in den compositis in Vergils Aeneis. 
Budweis, staatsgymn. 1882. 8. 36 p. 

310. Poschenrieder , Franz, die platonischen dialoge in ihrem 
Verhältnisse zu den Hippocratischen schritten. Landshut 1882. 8. 
70 p. (Progr. d. stud.-anstalt Metten). 



Nr. 2. Bibliographie. 137 

311. Rapp, Adolf, die beziehungen des Dionysuskultus zu Thra- 
kien und Kleinasien. Stuttgart 1882. 4. (Gymn.) 37 p. Teubner 526a. 

312. Roch, Fr., die tendenz des Platonischen Menexenos. Goerz 
1882. 8. 31 p. 

313. Rosenhauer, Joannes, Symbolae ad quaestionem de fontibus 
libri qui inscribitur de viris illustribus urbis Romae. (Festschr. zum 
Jubiläum der univ.-Würzburg). Campoduni 1882. 8. 61 p. 

314. Rubner , Henr. , de oratoris Tulliani codice Laurentiano. 
Speier 1882. 8. 67 p. (Gymn.) 

315. Reuss, Ferd., über griechische tachygraphie. Neuburg a. D. 
1882. 8. 56 p. 

316. Saueressig, de epigrammate sepulcrali in Athenienses apud 
Chaeroneam interfectos agitur quod in Demosthenis oratione de Co- 
rona habita legitur. Molsheim 1882. 4. 12 p. Teubner no. 450. 
(Progr. Oberehnheim). 

317. Schambach, die reiterei bei Caesar. Mühlhausen in Tb.. 

1881. 4. 36 p. (1881 no. 204 Teubner). 

318. Schneider, G. , beitrage zur erklärung des Philebus. Gera 

1882. 4. 23 p. Teubner no. 629. 

319. Schneider, P. Adalbert, lesefrüchte aus Venantius Fortunatus. 
Innsbruck 1882. 8. 23 p. (Progr. des Franciskanergymn. zu Hall). 

320. Schtieidertvirth , Heraclea am Pontus. Heiligenstadt 1882. 
4. 39 p. Teubner no. 209. 

321. Seck, Franz, de Pompei Trogi sermone H. Konstanz 1882. 
4. 24 p. 

322. Seyss, Emil, über den plural der substantiva abstracta in 
Vergils Aeneis. Iglau 1882. 8. 15 p. 

323. Soltau, Wilh., Curculionis Plauti actus III interpretatio- 
nem scr. Zabern gymn. 1882. 4. 31 p. Teubner no. 456. 

324. Steffen, Curt, zu Pind. Nem. VII u. Horat. carm. I, 22. 
Leipzig, Nicolaigymn. 1882. 4. 18 p. 

325. Steinberger, Alfons, de catharsi tragica et qualis ea fiat in 
Euripidis fabulis. Stadtamhof 1882. 8. (Kgl. lyceum und altes 
gymn. in Regensburg). 46 p. 

326. Stoz/e , Remig., die lehre vom unendlichen bei Aristoteles. 
Theil I. Augsburg. (Stud. anst. bei St, Stephan) 1882. 8. 28 p. 

327. Teutsch , Joh. , der absolute genitiv bei Homer. Rudolfs- 
werth 1882. 8. 13 p. 

328. Vogrmz, G., zur casustheorie. Leitmeritz in Böhmen 1882. 
8. 27 p. 

329. Wagner, Jos., die idee des guten und die gottheit bei Piaton. 
Nikolsburg 1882. 8. 56 p. 

330. Walter, Jos., M. Tullii Ciceronis philosophia moralis Pars 
altera. Sectio IV. Tullii ipsius quam maxime poterat, verbis ad viam 
quandam et rationem revocabat. Mies. 1882. 8. 52 p. 

331. Weinhold, Alfr. , Quaestiones Horatianae. Grimmae 1882. 
4. Teubner no. 479. 

332. Weiss, Adolf, die römischen kaiser in ihrem Verhältnisse 
zu Juden und Christen. Theil I. Wien (akad. gymn.) 1882. 8. 16 p. 

333. JVeissenborn , Edm. , gedankengang und gliederung von Ci- 
cero's Laelius. Mühlhausen in Th. (höhere bürgerschule). 1882. 4. 
13 p. Teubner no. 213. 

334. Jl'eissschuh. religion, Charakter und sitte der Deutschen nach 
der Germania des Tacitus. Leisnig 1882. 4. 23 p. (Teubner no. 504). 

335. Wimmer, J., die historische kulturlandschaft. München, 
(1. Ludwigsgymn.) 1882. 8. 60 p. (Festschrift znm Jubiläum der 
univ. Würzburg). 

Philol. Anz. XIII. i( > 



18$ Bibliographie. Nr. 2. 

Beilage B. Academica und dissertationen. 
Bonn; 336* Untersuchungen, historische, Arnold Schaefer zum 
25j. Jubiläum seiner akademischen Wirksamkeit gewidmet von früheren 
mitgliedern der historischen seminarien zu G-veifswald und Bonn. 
Bonh, Emil Strauss 1882. 8. VI, 364 p. 1 tafel. 

Inhalt: Benedictes Niese, zur geschichte Solons und seiner zeit 
p. 1. — Georg Loeschke, Phidias tod und die Chronologie des olym- 
pischen Zeus. p. 25. — Thomas Fellner , zu Xenophons Hellenica 
p. 47. — Adolf Bauer, antike ansichten über das jährliche steigen 
des Nils, p. 70. — Wilh. Soltau, die ursprüngliche bedeutung und 
cotnpetenz der aediles plebis, p. 98. — H. J. Müller, Onusa, p. 148. 
— P E. Sonnenburg , der historiker Tanusius Geminus und die 
annales Volusi. Ein Catullianum p. 158. — Konrad Panzer, die 
eroberung Brittanniens durch die Römer bis auf die Statthalter- 
schaft des Agricola, p. 166. Carl Hachtmann, zur Germania des 
Tacitus, p. 178. Julius Asbach, zur geschichte des coosulats der 
römischen kaiserzeit, p. 190. - Joh. Kreutzer, zu den quellen der 
geschichte des kaisers Septimius Severus, p 218. — Friedr. Philippi, 
zur reconstruction der weitkarte des Agrippa, Mit 1 tatel, p. 239. — 
Berthold Volz, Zum jähre der schlacht von Pollentia. Eine replik 
p. 246. — August Auler, Victor von Vita. p. 253. — Carl de Boor, 
zur kenntniss der weltchronik des Georgios Monachos, p. 276. — 
Paul Eivald , zum register Gregor VII. p. 296. — PuUl Hasse, 
zur erhebung könig Friedrich I. p. 319. — Hich. Tannert, die be- 
theiligung des herzogs Heinrich von Baiern an der wähl des jahres 
1257, p. 336. — Max Hoffmann , der friede zu Wordingborg und 
die hansische sundzollfreiheit, p. 314. — 

337. Luebbert, Ed , de Pindari carminum quibus Olympiae ori- 
gines canit fontibus. Bonn 1882. 4. 19 p. fProgr. acad.). 

338. — — , originutn Eliacarum cäpita selecta. Bonn 1882. 4. 
14 p. (Ind. lectt.). 

339. — — , commentatio de Pindaro Locrorum Opuntiorum amico 
et patrono. Bonn 1882. 4. 19 p. (Ind. lectt. hib.). 

340 Anspach , E. , de Bacchidum Plautinae retractatione scae- 
nica. Bonn 1882. 8. 61 p. 

341. Chambalu , Aug., de magistratibus Flaviorum. Bonn 1881. 
8. 31 p 

342. Duemmler, Ferd , Antisthenica. Halis 1882. 8. 78 p. 

343. Hoefer, Herrn., de particulis Platonicis capita selecta. Bonn 
1882. 8. 41 p. 

244. Liebenam , Guil., Quaestionum epigrapbicarum de imperii 
Romani administratione capita selecta. Bonn 1882. 8. 79 p. 

345. Marx, Frid., Studia Luciliana. Bonn 1882. 8. 98 p. 

346. Stephan, Christ., de Pithoeanis in Iuvenalem scholiis. Bonn 
1882. 8. 73 p. 

347. Sonnenburg, P. E., de Menaechmis Plautina retractata li- 
bellus. Bonn 1882. * 8. 45 p. 

348. Wolters , Paul , de epigrammatum Graecorum anthologiis. 
Halis 1882. 8. 36 p. 

Frei bürg i. Breisg. 349. Kimmig, Otto, de Sestianae Cicero- 
nianae interpolationibus. Friburgi Brisg. 1882. 8. 66 p. 

350. Leonhard, Rob., de codicibus Tibullianis capita tria. Mo- 
nachii. Ackermann 1882. 8. 65 p. 

Goettingen. 351 Diithey, Karl, festrede zur akad. Preisver- 
teilung (über die entwicklung der Wissenschaft der alten kunst bis 
auf Winckelmann). Goettingen 1882. 4. 31 p. 



Nr. 2. Bibliographie. 139 

352. Heyse , Max, de legationibus Atticis. Goettingen 1882. 
8. 72 p. 

353. Rosenstiel , Frid. , de Xenophontis historiae Graecae parte 
bis edita. Jeuae 1882. 8. 54 p. 

354. Troebd, Woldemar, Quaestiones Hyperideae et Dinarcheae. 
Jena 1882. 8. 46 p. 

Halle. 355. Keil, Henr, de libris mss. Catonis de agricultura 
disp Halle 1882. 4. XII p. Ind. lectt. aest. 

356 — — , oratio de iure et ratione institutorum acadeinicorurn. 
Halle 1882. 4. VIII p. (Ind. lectt.). 

357. Baege, Max, de Ptolernaeo Ascalonita. Halle 1882. 8. 66 p. 

358. bottermund, Guil. , de republica Rhodiorum commentatio. 
Halle 1882. 8. 46 p. 

359. Brinkmann , Adolf, de anacoluthis apud Aristophanem ca- 
pita quinque. Halle 1832. 8. 73 p. 

360. Clodius, Armin., Fasti lonici. Halle 1882. 8. 36 p. 

361. Dtssel, Karl, de Admeti et Alcestidis fabula commentatio 
archaeologica. Halle 1882. 8. 

312. Dittmar , Franc, Prolegomenon ad hymnum in Cererem 
Homericum specimen. Halle 1882. 8. 40 p. 

363. Eiste, Oscar, de dum particulae usu Plautino. Halle 1882. 8. 34 p. 

364. Hurdt, Guil., de Aeschinis emendatione. Halle 1882. 8. 66 p. 

365. Haustein, Alfred, de ^enetivi adjectivis accommodati in lin- 
gua Latina usu. Halle 1882. 8. 86 p. 

366. Hempel, Otto, Quaestiones de Xenophontis qui fertur libello 
de republica Atheniensium. Halle 1882. 8. 34 p. 

367. Junqblut, Henr., quaestionum de paroemiographis; pars prior 
de Zenobio. Halle 1882. 8. 42 p. 

36i. Karsten, Gualth., de titulorum Ionicorum dialecto com- 
mentatio. Balis 1882. 8. 33 p. 

369. Kleinecke, Paul, de penthemimere et hephthemimere caesuris 
a Vergilio usurpatis. Halle 1882. 8. 55 p. 

370. Koob, Herrn., de mutis quae vocantur personis in Graeco- 
rum tragoediis. Halis 1882. 8. 34 p. 

371. Kühn, Carl, de priscorum Romanorum poesi populari. Halle 
1882. 8. 46 p. 

372. Maaten, Otto, de gradu et statu quaestorum in municipiis 
coloniisque; quaestio epigraphica. Halle 1882. 8. 52 p. 

373. Matthias, Franc. , Quaestionum Blandiniarum capita tria. 
Halle 1882. 8. 72 p 

373. Muchau, Hem. , observationes de sermone inscriptionum 
Atticarurn saeculi quinti. Halle 1882. 8. 44 p. 

375. Mueller, Aug., de auctoribus rerum a M. Claudio Marcello 
in Sicilia gestarum. Halle 1882. 8. 45 p. 

376. Neubauer, Frid., Atheniensium reipublicae quaenam Roma- 
norum temporibus fuerit condicio. Halle 1882. 8. 46 p. 

377. Pachnike, Herrn., de philosophia Epicuri. Halle 1883. 8.48 p. 

378. Palm , Gustav , de Iuvenalis satira quinta decima. Halle 
1882. 4. 16 p. 

379. Plaehn, Gustav, de Nicandro aliisque poetis Graecis ab 
Ovidio in metamorphosibus describendis adhibitis. Halle 1882. 8. 52 p. 

380. Raebel, Otto, de usu adnorainationis apud Romanorum poetas 
comicos. Halle 1882. 8. 66 p. 

381. Rausch, Alfred, quaestiones Xenophonteae. Halle 1881. 
8. 43 p. 

382. Rose, Adolf, kaiser Anastasius I. Erster theil. Die äussere 
politik des kaisers. Halle 1882. 8. 68 p. 

10* 



140 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

383. Schindler, Herrn., observationes criticae et historicae in 
Terentium. Halle 1881. 8. 53 p. 

384. Schwartz, Paul, de Iuvenali Horatii imitatore. Halle 1882. 
8. 36 p. 

385. Thiemann, Maxim., Quaestiones Polybianae. Halle 1882. 
8. 44 p. 

386. Wehrmann, Martin, de Herodotei codicis Romani aucto- 
ritate. Halle 1882. 8. 42 p. 

387. Zander, Aug. , de imperfecti atque aoristi apud Herodotum 
usu. Halle 1882. 8. 43 p. 

Marburg. 389. Caesar, Julius, oratiunculas duas promotorias 
praemisit. Marburg 1882. 4. XI p. (Ind. lectt.). 

390. — — de Aristidis Quintiliani musicae scriptoris aetate. 
Marburg 1882. 4. XIV p. 

391. Boehling, Georg, Schicksale und Wirkungen des w-laute3 
in den indogermanischen sprachen. Marburg 1882. 8. 86 p. 

392. Hennen, Gerh., de Hannonis in Poenulo Plautina precationis 
quae fertur recensione altera Punica. Marburg 1882. 8. 48 p. 

393 Kausei, Theod., de Thesei synoecismo. Marburg 1882. 4. 23 p. 

394. Wolsc.ht, Aem., de Pseudo-Iosephi oratione quae inscribitur 
ntol avToxgciioQog koyicfiov. Marburg 1881. 8. 

Strassburg. 395. Dissertationes philologicae Argentoratenses 
selectae. Vol VI. Argentorati. C. J. Trübner 1882. 8. II, 330 p. — 
(1. Fr. Schroeder, de iteratis apud tragicos Graecos, p. 1 — 130. — 
2. Paulus Müllensieffen, de titulorum Laconicorum dialecto, p. 131 — 
260. — 3. Franc. Jos. Loefßer, de Calphurnio Terentii interprete, p. 
261—330.) — Vol. VII. ibid. 1882. 8. II, 320 p. — (1. Herrn. Crohn, 
de Trogi Pompei apud aatiquos auctoritate, p. 1 — 56. — 2. Adolfus 
C ramer, de Manilii qui dicitur elocutione, p. 57 — 146. — 3. Carolus 
Galland, de Arcadii qui fertur libro de accentibus, p. 147 — 232. — 4. 
Henricus Pioen, de copiae verborum differentiis inter varia poesis 
Romanae antiquioris genera intercedentibus, p. 23 — 318. 

Kleine philologische zeitung. 

Von der italienischen grenze, 25. juli 1882. Das in Rom 
bei Civeili erschienene reisewerk von O. Haimann über die Ky- 
renaiha, illustrirt durch vom Verfasser herrührende zeichungen 
und versehen mit einer meteorologischen und zoologischen tafel, 
verdient beachtung. Es hat auch gewissermaßen eine politische 
bedeutung, denn es ist daraus zu entnehmen , wie sehr sich die 
Italiener bestreben, in dem nachbarlande Aegyptens , der von 
den trümmern dreier civilisationen bedeckten und von der tür- 
kischen Verwaltung ganz verwahrlosten „Libyschen Pentapolis" 
fuß zu fassen. Näheres giebt Augsb. allg. ztg. 1882, no. 212. 

Eine anzeige von PI. Hallce, ,,einleitung in das Studium der 
numismatik". Berlin 1882 Verlag von F. und P. Lehmann, 
steht im reichsanzeiger 1882, Nr. 218. 

Ausgrabungen in Rom. Der cultusminister Baccelli in Rom 
beabsichtigt nicht bloß die letzten reste des forum romanum, 
sondern auch sämmtliche partien des palatins incl. das capito- 
linische tabularium bloßlegen zu lassen. Gegenwärtig ist man 
dabei, den viaduct zwischen der Via Bonella und der Consolazione 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 141 

aufzugraben. Diese partie erstreckt sich bis zur kirche San 
Maria liberatrice, welche am anhange der triumphstrasse am fuße 
der Caligulabauten liegt. Die reste von den alten Cäsaren- 
palästen, die bis jetzt schon freigelegt sind, machen einen überaus 
imposanten eindrnck. Sie sind übrigens auf der seite nach dem 
forum trefflich konservirt , ein umstand , welcher dem archäolo- 
gischen directions-comitd alle ehre macht. Es ist wahrlich keine 
kleinigkeit, sich in diesem labyrinth von ruinen und funda- 
menten zurechtzufinden. Ein einziger falscher Spatenstich kann 
unbeschreibliche Zerstörungen anrichten. Durch die freilegung 
der Cäsarenpaläste wird der topographische plan von dem alten 
Rom wieder um einen interessanten beitrag bereichert. Reichs- 
anzeiger 1882, no 224. 

Salzwedel. Zur einweihung des reuen gymnasiums hieselbst 
ist vom lehrer-collegium eine 7 abhandlungen enthaltende fest- 
schrift herausgegeben: wir nennen von diesen Frz. Müller über 
Claudius Rutilius Namatianus, von dr. Brandt, über die metrik 
in Virgil's eklogen, beide, wie sich gebührt, in lateinischer spräche; 
zum schluß giebt director dr. Legerlotz etymologische Studien 
und metrische Übersetzungen aus verschiedenen dichtem. Aus 
reichsanzeiger vom 11. december 1882, no. 291. 

In dem wissenschaftlichen kunstverein hielt professor Mi- 
chelet einen Vortrag über den vaticanischen Apoll vom Belvedere, 
den er als kunstwerk römischer zeit und in der Stellung eines 
bogenschützen nachzuweisen suchte. Weitere mittheilung giebt 
Reichsanzeiger 1882, nr. 209. 

Eine anzeige von Lübhe's und C. von Lützow's buch „denk- 
mäler der kunst" 1882, lieferung 1 findet sich in Reichsanzeiger 
1882, nr. 271. 

Berlin. Die kunsthandlung von Fr. Ghirlitt in Berlin 
liefert von neuem treffliche nachbildungen von terrakotten aus 
Tanagra, dießmal aber gehören die originale (sieben) dem Louvre 
an, welche mit den früheren elf aus dem Berliner museum eine 
köstliche reihenfolge bezaubernder figürchen ausmachen. Es 
sind fünf sitzende und eine stehende weibliche gestalt, wozu 
sich noch eine sehr edle gruppe gesellt, welche man wohl etwas 
willkürlich als „Ceres und Proserpina" bezeichnet. Namentlich 
in den sitzenden figürchen giebt sich eine bewundernswerthe 
mannichfaltigkeit der motive in Stellung , bewegung und aus- 
druck zu erkennen; die verschiedensten Stimmungen, träumeri- 
sches versunkensein, sinniges betrachten, schelmisches aufblicken 
kommen in ungezwungenster weise zur entfaltung. In den halb 
unbekleideten figürchen haben wir ohne zweifei idealgestalten 
von musen u. dgl. zu erkennen ; die übrigen aber führen uns 
reizende genrefiguren aus der griechischen frauenweit, und zwar 
in der auffassung des täglichen lebens, vor. — Augsb. allg. ztg. 
1882, nr. 352. 



142 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

Assyrisches. In der november-sitzung der Society of bibl. 
archeology zu London hat der rühmlichst bekannte englische for- 
scher Theo. G. Pinches einen von den ausgrabungen des H. 
Hormuzd Rassam auf dem gebiete der uralten sonnenstadt Si- 
para (Sephairaim) herrührenden cyünder mit 159 Zeilen wohl- 
erhaltenen keilschrifttextes besprochen. Derselbe ist datirt aus 
der regierung des letzten babylonischen königs Nabunahid, 
welcher bekanntlich im jähre 538 v. Chr. durch den Perser 
Kyros besiegt und entthront ward. „Im dritten jähre seiner 
(17 jährigen) regierung," sagt der text wörtlich (Lin. 26 — 29) 
bewirkte der gott Marduk (Merodach), daß Kurasch, der könig 
von Anzan, sein junger knecht, mit einem kleinen heere heran- 
gezogen sei und den könig Istuvegu (Astyages) des Volkes Erim- 
manda (Elwend nach Oppert) gefangen , sowie dessen schätze 
aus dessen hauptstadt Agvatanu (Ekbatana) nach seinem lande 
fortgenommen habe." Aber der kostbare fund gewährt uns 
noch weitere anhaltspunkte in der babylonischen geschichte Aus 
anlaß der erwähnung des heiligthums der göttin Anunit in Si- 
para, welches Nabunahid restaurirte, erwähnt er einer früheren 
Wiederherstellung, welche der könig Sagasalti-Burias, söhn des 
königs Kudurri-Bel veranstaltet hatte (um 1050 v. Chr.) Zwi- 
schen die beiden Zeitpunkte 553 und 1050 v. Chr. fällt Salmanu- 
ristan, wenn dieser Assyrer, wie Pinches annimmt, mit dem aus 
der langen inschrift der bronzethore von Balawat und sonst 
wohlbekannten könige Salmanasar II. 859 — 825 v. Chr. iden- 
tisch ist. Er faßt nämlich r i s t a n als assyrische Übersetzung des 
babylonischen a s a r. Allerdings gedenkt Salmanasar II seines 
zuges nach Babylon , und bei dieser gelegenheit mußte er 
auch Sipara berühren , welche stadt mit ihrem heiligthume des 
Sonnengottes für Nabonidus die veranlassung war, auf seinem 
cylinder des besuches von Salmanasar II zu erwähnen. Die 
überraschendste nachricht enthält der passus über die restau- 
ration des tempels durch den babylonischen könig Nabu- 
kudruzur (Nebukadnezar) , welcher 45 jähre vor Nabonidus 
fällt. Dieß stimmt zum astronomischen kanon des Ptolemäus, 
nach welchem Nabokodrosor von 604 — 561 regierte. Bei seiner 
nachgrabung stieß Nabonidus in einer tiefe von 18 eilen auf 
einen uralten cylinder, von welchem er wörtlich sagt: dieses 
denkmal gehörte dem Naram-Sin, dem söhne des Sargon I, und 
war seit 3200 jähren von keinem könige unter meinen Vorgän- 
gern geschaut worden, bis der Sonnengott in d*m tempel, wel- 
cher seine herzensfreude ist, es mir enthüllte." Die beiden ge- 
nannten könige waren schon längst anderweitig als uralte be- 
herrscher Babylons in der keilschrift-literatur bekannt. Na- 
mentlich über Sargon I. wußte man außer seiner an die aus- 
setzung des Moses erinnernden Jugendgeschichte, daß er als er- 
oberer im osten nach Elam , im westen nach Syrien Tand Phö- 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 143 

nicien vordrang , wo er am ufer des mittelmeeres sein Standbild 
errichtete. Wer hätte jedoch gewagt, ihn so früh anzusetzen, 
als es durch den neuen fund gebieterisch erheischt wird, näm- 
lich bis zum jähre 38ü0 v. Chr. hinauf? Jetzt erhält man erst 
den gehörigen zeitrahmen , um die hunderte von königen un- 
terzubringen, die derselbe Pinches vergangenes jähr entdeckt 
hatte. Von nun an wird auch die stattliche reihe der könige 
Babylons, wie Berosus sie überliefert hat , einer neuen Würdi- 
gung unterstellt werden müssen. Bleibt auch die annähme la- 
teraler dynastien selbst angesichts des neuen fundes nicht aus- 
geschlossen, so wird doch immerhin die geschichte Babylons da- 
durch in einen Zeithintergrund zurück verfolgbar, den man früher 
als mythisch anzusehen geneigt war. Zugleich wird dadurch die 
ägyptische geschichte und Chronologie, welche für die streng hi- 
storischen anfange einen horizont um das jähr 4000 v. Chr. herum 
beansprucht, aus ihrer bisherigen isolirtheit gleichsam erlöst, und 
dem gebildeten publikum etwas mundgerechter gemacht. So lange 
man es nur mit den Manethonischen dynastien des Memphitischen 
hauses zu thun hatte, mochte der in ausschließlich classischen 
Zeiträumen befangene philologe bedenklich den köpf schütteln 
und die achseln zucken wenn die zurnuthung an ihn herantrat, 
über seinen anfangspunkt um drei Jahrtausende weiter zurück 
zu gehen. Jetzt kommt auch Chaldäa mit der nämlichen for- 
derung ; denn offenbar waren Naramsin und Sargon I nicht pro- 
tomonarchen. Für den von den classischen Schriftstellern stets 
betonten parallelismus der geschichte Chaldäa's und Aegypten's 
darf 'iie neue entdeckung als erwünschte bestätigung betrachtet 
werden. — Augsb. allg. ztg. 1882, no. 354. 

Rom, 16. dec. (Winckelmanns-feier.) Das kaiserlich deutsche 
archäologische institut feierte gestern, wie alljährlich, den Jahres- 
tag der geburt Winckelmanns durch eine feierliche sitzung, mit 
der zugleich seine wöchentlichen Zusammenkünfte eröffnet wurden. 
Gatti besprach zunächst die historischen und monumentalen überr 
lieferungen , welche wir über die in der zweiten region Roms 
belegene localität caput Africae besitzen. Die ältesten derselben 
haben wir in den Inschriften der paedagogi a capite Africae, die 
bis auf die zeiten Hadrians und vielleicht selbst Trajans zurück- 
gehen. Der vortragende bewies sodann, daß der fragliche name 
nicht, wie man gewöhnlich annehme, eine Straße bezeichne, 
welche vom Colosseum nach SS. Quattro Coronati zulief, sondern 
ein öffentliches gebäude, da die regionarier sowohl, als die topo- 
graphie des bekannten anonymus Einsiedlensis , die nie Straßen 
anführen, das caput Africae unter den monumenten der zweiten 
region nennen. Freilich gab es eine städtische nach demselben 
benannte straße , an welcher das betreffende gebäude belegen 
war ; der name selbst jedoch bezeichnet nur dieses. Um die 
richtung des in mittelalterlichen docuraenteu oft erwähnten vicus 



144 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

capitis Africae festzustellen , erörterte Gatti die grenzhestimmung 
vieler an demselben gelegenen häuser und kam zu dem resultate, 
daß jene straße der heutigen via della Navicella entsprochen habe, 
die jedenfalls eine antike straße sei und die einzige, welche 
auf dem Caelius in den ältesten karten verzeichnet werde. Da 
nun aber auf dem ganzen terrain zwischen dieser straße und 
der kirche der Quattro Coronati und andererseits zwischen ihr 
und dem tempel des Claudius sich nur Überreste von privat- 
häusern gefunden haben , so zeigte der vortragende , daß noth- 
wendig das caput Africae sich in den grenzen jener dreieckigen 
area befunden haben müsse, welche durch den bogen des Dola- 
bella, den letzten theil der Wasserleitung, die südfronte des tem- 
pels des Claudius und die straße der Navicella umschrieben 
werde. Diese bestimmung werde dadurch gesichert, daß gerade 
hier die große , dem Caracalla von den paedagogi a capite Afri- 
cae errichtete ehreninschrift (C. I. L. 6, 1052) gefunden sei. 
Der vortragende schloß mit einer erörterung der bestimmung des 
gedachten gebäudes, in welchem er ein kaiserliches pageninstitut 
erkannte. Die paedagogi puerorum a capite Africae wurden für 
identisch mit den paedagogi oder praeceptores puerorum Caesaris 
erklärt, und der magister iatrolipta puerorum Caesaris, der Augusti 
libertus a supellectile puerorum Caesaris und ähnliche andere in 
Verbindung mit jener anstalt gebracht, wogegen die in der do- 
mus Gelotiana am Palatin gefundenen sgraffitoinschrifteu mit exit 
de paedagogio im gegensatze dazu auf pagen bezogen wurden, 
welche dadurch ihre freude ausgedrückt hätten, der erziehungs- 
anstalt entronnen und unter die eigentliche hofdienerschaft auf- 
genommen zu sein. Prof. Heibig las sodann über die Homerische 
beschreibung des Schildes des Achill. Dieselbe beruht nach ihm 
keineswegs auf einem wirklich vorhandenen , für den weder die 
altorientalische, noch die archäisch-griechische kunst irgend eine 
analogie bietet , sondern die decoration ist von dem dichter er- 
funden , besonders unter dem eindruck phönikischer metallar- 
beiten. Verwiesen wurde auf silberschalen phönikischen Ursprungs 
aus ky prischen und italischen gräbern, deren gliederung der Ho- 
merischen beschreibung entspricht. Ferner sind sowohl das mitt- 
lere rund, wie die es umgebenden concentrischen gürtel mit figür- 
lichen darstellungen verziert, und war es demnach nicht schwie- 
rig , einen ähnlichen schmuck auf einen schild zu übertragen. 
Die vom dichter geschilderten scenen entsprechen vielfach den 
reliefs solcher schalen. Namentlich hob der vortragende hervor, 
wie der einfluß eines bildwerkes in der beschreibung der bela- 
gerten Stadt (II. XVIII, 509 — 540) deutlich zu erkennen sei. 
Wenn der dichter zwei heere mit verschiedenen absiebten die- 
selbe belagern läßt, so erklärt sich dies aus einem bildwerke, 
wie es eine phönikische schale von Amathus zeigt, auf der die 
belagerte stadt den mittelpunct bildet und das feindliche heer 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 145 

in zwei theile theilt. Um dann die zuerst beschriebene scene 
mit der folgenden kampfscene zu verknüpfen, erfand der dichter 
die Volksversammlung, aus welcher die bürger zum gefecht eilen. 
Es wurde schließlich darauf hingewiesen , daß die beschreibung 
bereits die fähigkeit verräth , die scenen , welche sie schildert, 
künstlerisch anzuordnen, wie denn der schild des Achill ein 
glänzendes zeugniß sei für die künstlerische begabung der Grie- 
chen zu einer zeit, in der sie noch nicht im stände waren, einem 
derartigen reichen ideeninhalt nach ähnlichen principien bildli- 
chen ausdruck zu verleihen. Der Versammlung, welche von ein- 
heimischen und fremden gelehrten zahlreich besucht wurde, wohn- 
ten die botschafter Deutschlands und Oesterreichs , v. Keudell 
und graf Ludolf, sowie der preußische legationssecretair am 
päpstlichen stuhle, v. Rotenhan, bei. — Augsb. allg. ztg. 1882, 
no. 356. 

Prag, 21. dec. (Archäologisches.) Bekanntlich hat man auf 
siebenbürgischem boden wiederholt alterthumsreste gefunden, 
welche auf den betrieb der dortigen metallbergwerke interessan- 
tes licht werfen. Hiezu gesellt sich aus neuester zeit ein be- 
deutsamer fund. Im Hunyader comitat sind nämlich zwei sehr 
roh gearbeitete statuen von barbarischen grubenarbeitern mit dem 
grubenbeil, der grubentasche und noch anderen bergmännischen 
attributen gefunden worden. Unseres wissens fehlte bis jetzt 
eine antike darstellung römischer bergleute , wie denn bei An- 
thony Rieh z. b. sich keine Zeichnung findet. Denn den „Fossor" 
aus den christlichen katakomben wird man eher als todtengräber 
fassen können, denn als bergmann. Hoffentlich erhalten wir 
bald eine bildliche wiedergäbe jenes merkwürdigen fundes. — 
Augsb. allg. ztg 1882, beilage zu no. 357. 

Friedberg. Die stadt Friedberg in der Wetterau ist in der 
archäologischen weit als alte Römerniederlassung wohlbekannt. 
Im vergangenen sommer wurde dort eine neue Wasserleitung ge- 
legt , welche eine fülle wichtiger römischer funde ergab , über 
die jetzt Robert Schäfer in Friedberg in der ,,D. ztg." ausführ- 
lich referirt. Wir entnehmen seinem bericht die thatsache, daß 
die zahl der römischen truppentheile, die in Friedberg stationirt 
waren, durch eine cohorte, diejenige der Aquitaner, von der ein 
Stempel gefunden wurde, vermehrt wird. An vielen stellen der 
stadt wurden fündamente von wohngebäuden bloßgelegt, welche 
zum Schlüsse berechtigen , daß die römische anläge noch über 
den umfang der heutigen stadt, von der bürg, dem castrum ab- 
gesehen , hinausging. Ein säulenstumpf mit atticirender basis, 
doppeltem wulst und plinthe deutet auf einen tempelbau. Mitten 
in der straße wurde ein interessanter römischer töpferofen auf- 
gefunden. Er ist in den gewachsenen lehmboden hineingearbeitet 
und überwölbt; nach dem ersten brand erhielten wände und 
sohle die genügende festigkeit. Unter den urnen befinden sich 



146 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

gesichtsurnen und viele gefäße aus terra sigallata mit töpferstem- 
peln. Von Wichtigkeit ist eine seltene silbermünze des kaisers 
Pescennius Niger (194 — 195 n. Chr.) und eine solche des Geta, 
des mitregenten Caracalla's. Bronzeinstrumente , darunter auch 
chirurgische , geräthe aus eisen , knochen und bein , vermehren 
in mancherlei weise unsere kenntniß römischen wesens. Um die 
erhebung und bergung der funde hat sich Gustav Dieffenbach 
zu Friedberg , der gelehrten weit durch seine ausgrabungen in 
Nauheim, deren ergebnisse ein hauptbestandtheil des städtischen 
museums in Frankfurt geworden sind, bekannt, besonderes ver- 
dienst erworben. — Nationalzeitung no. 597 morgenausgabe 21. 
december 1882. 

Hamburg, 31. dec. Das neueste bulletin der hiesigen Ar- 
chäologischen gesellschaft enthält einige interessante aufschlösse 
über die letzten funde, die unter der aufsieht des ephoren Ca 
vadias in Epidaurus gemacht worden sind. Unweit des antiken 
theaters legten die arbeiter ein gemäuer bloß , das inzwischen 
als ein Artemis-tempel rekognoszirt worden ist. Auf den säulen 
welche das vestibül gebildet haben, befinden sich mehrere bis 
jetzt unbekannte inschriften , welche von einem altathenischen 
schriftsteiler namens Diomerles herrühren. Ueber die weiteren 
funde schreibt der ephor Cavadias folgenaes : nachdem ich die 
nachforschungen zurentdeckung des Polyklet-tempels beendigt hatte, 
gedachte ich, auch die nächste Umgebung genauer zu untersuchen, 
und dabei entdeckte ich den antiken Aeskulap - tempel. Dicht 
an dem eingange fanden wir mehrere frauenbüsten , zwei davon 
in knieender Stellung, und einen menschenkopf mit Vollbart, wel- 
chen die hand eines feindes triumphirend hochhält. Auf der 
ostseite der facade befindet sich ein relief, das den ceutauren- 
kampf darstellt, auf der Westseite der facade eine Nereiden- 
gruppe, von denen vier auf einem Hippopotamus sitzen. Mit aus- 
nähme des kopfes , der ihnen absichtlich abgeschlagen worden 
ist, sind die gliedmaßen von drei figuren noch intakt. Einer 
der vorliegenden köpfe ist erst nachträglich aufgefunden worden. 
Derselbe ist von großer Schönheit. Sämmtliche figuren stammen 
aus der attischen schule und dürften etwa im fünften Jahrhun- 
dert entstanden sein. Endlich entdeckten wir eine kolossalstatue 
Aeskulaps Der gott sitzt auf einem throne •, vor ihm steht Hy- 
gieia und seitwärts Victoria neben einer anderen frauengestalt, 
für welche leider keine zuverlässige definition erbracht worden 
ist. — Nationalzeitung no. 612 erstes beiblatt, 31. decemb 1882. 

München. Ueber neue ausgrabungen Schliemanns in Athen 
schreibt man der „Münchener allg. ztg." : wie wir hören, ist der 
unermüdliche dr. Schliemann in begriff, einen laug gehegten und 
oft ausgesprochenen wünsch aller freunde der attischen geschichte 
zu erfüllen : er will stellen im nordwesten von Athen umgraben, 
wo in der nähe der alten akaderaie der offizielle begräbnißplatz 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 147 

für die in den kriegen Athens gefallenen sich befand. Bekannt- 
lich ist bei zufälligen grabungen in diesem umkreise schon man- 
ches wichtige denkmal an todtenlisten gefunden worden. Wenn 
wir hinzufügen , daß dort zwischen dipylon und akademie das 
grab desPerikles sich befand und vielleicht noch unter der erde 
vergraben sich befindet, so glauben wir nichts weiter sagen zu 
müssen, um die Spannung zu rechtfertigen , mit welcher den zu 
erhoffenden resultaten entgegengesehen werden muß. Mit diesem 
unternehmen wird sich Schliemann ein außerordentlich großes 
verdienst und ein anrecht auf allgemeinen dank erwerben. Er- 
füllt sich ihm später gar noch der andere plan, die uralte kul- 
tur von Kreta durch ausgrabungen in Kreta wieder an das ta- 
geslicht zu bringen, so haben wir für die künde der ältesten 
griechischen kunst außerordentlich wichtige, epochemachende auf- 
schliisse zu erwarten, mehr als von Mykenae. — Nationalzeitung 
no. 18 erstes beiblatt 11. januar 1883. 

Neue erwerbungen des Berliner museum an antiken scul- 
pturen verzeicbnet Reichsanzeiger 1883, no. 33. 

Antike Wasserleitung in Neapel Regierun^s - baurneister R. 
Bassel berichtet aus Neapel im Centralblatt für die bauverwal- 
tung von der auffindung einer antiken Wasserleitung. Neben 
dem antiken tunnel , bekannt unter dem namen der grotte des 
Posilipo wird zur zeit ein neuer tunnel in etwa 50 m entfer- 
nung und 8 — 10 meter tiefer als jener behufs Herstellung einer 
pf'erdebahn nach Pozzuoli ausgeführt. Hierbei ist man am Schluß 
des vergangenen jahres auf eine antike Wasserleitung innerhalb 
des berges gestoßen die den tunnel unter etwa 60 grad schnei- 
det. Der kanal ist 1,5 — 2 m hoch, im oberen theile 0,5 — 0,6 m 
im unteren 0,3 m breit, die decke ist halbkreisförmig meist ohne 
besondere bedeckung, dagegen ist der übrige theil der wandung 
mit schönem harten und marmorartig glänzenden stuck überzo- 
gen, der bis zur halben höhe mit kalkablagerungen des durch- 
geflossenen wassers bedeckt ist. Der boden besteht aus gleich- 
mäßig dicht gelagertem kalktuff. Die herstellung des canals ist 
in der weise bewirkt worden, daß in gewissen abständen runde 
brunnen von etwa 0,90 m durchmesser (drei fuß römisch) von 
der erdoberfläche hinabgeführt sind , die zur fortschaffung des 
ausbruchsmaterials und wohl auch zum reinigen der leitung ge- 
dient haben. In dem nach Neapel zu gelegenen theile (ca500m) 
fand Bassel zwei derartige brunnen. In dem nach Capo Posi- 
lipo zu belegenen theile unter der grotte des Posilipo fort be- 
findet sich ebenfalls ein Schacht, der wohl zur materialausförde- 
rung vermittelst des antiken tunnels gedient hat, dieser müßte 
also gleich alt oder älter wie der canal sein. An diesem Schacht 
macht der kanal fast einen rechten winkel nach norden und 
setzt sich wiederholt seine richtung ändernd fort, um sich schließ- 
lich in drei zweigcanäle zu theilen. Schutt hinderte an beiden 



148 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

Seiten die weitere hegehung des canals, der im übrigen wohl er- 
halten ist. Auffallend ist der häufige Wechsel der richtung. 
Eine genaue aufnähme der ganzen anläge und freilegung der 
weiteren canalstrecken ist angeordnet. Besonders interessant 
ist das Vorhandensein von eingekratzten inschriften und zeichen 
auf dem stuck des canals. Es findet sich eine inschrift in buch- 
staben von 150 — 200 mm höhe, sowohl auf der rechten als lin- 
ken Seite , welche von Griulio Minervini und Alberto Avena in 
Neapel wie folgt gelesen ist MACEIN VS. DIADVMIINI. AVG.- 
(usti) L(iberti). PROC(uratoris). ANTONTANI. DlSP(ensator). 
HIC. AMBVLAVIT. — NIIRVA. — IIT. VIISTINO. COS. 
PK. IDVS IANVAPvIAS. 

Die inschrift auf der rechten seite hat nur statt ambulavit 
PVIT. Am wichtigsten unter den eingekratzten inschriften ist 
indeß eine dritte, welche folgendermaßen lautet: Macrinus Dia- 
dumeni. Aug(usti). L(iberti). Proc(uratoris). Antoniani. Dispfen- 
sator). Hie. Ambulavit. A. VILLA. POLLI. FIILICIS. QVAII. 
IIST. IIPILIMONIIS. VSQVII. AD. IIMISSARIVM. NIIRVA. 
IIT. VIISTINO COS. 

Außerdem finden sich verschiedentlich mit pinsel und rother 
färbe Liberi vivas sowie eingekratzte zeichen vor, zum theil zah- 
len wie C. CC. CCC. CCCC. D u. s. w. die letzteren sind in je 
29,5 m also 100 römische fuß entfernung. Endlich sind zeichen 
in kreuzform, in dreizackform, vier übereinand erstehende dreiecke 
u. s. w. vorhanden. Aus den inschriften geht hervor daß der 
canal im jähre 65 unserer Zeitrechnung entstanden ist. — (Nach 
Reichsanzeiger 7. febr. 1883 no. 33). 

Oesterr eichische archäologische expedition nach Kleinasien. Die 
folgende darstellung stützt sich auf einen „vorläufigen bericht 
über zwei österreichische archäologische expeditionen nach Klein- 
asien von Otto Benndorf", welcher in den „Archäologisch - epi- 
graphischen mittheilungen aus Oesterreich" (jahrg. VI, heft II) 
erscheint. Die erste dieser beiden expeditionen war eine von 
Benndorf unter begleitung des architekten prof. Niemann , dr. 
med. v. Luschan und hofphotographen Burger unternommene for- 
schungsreise durch Karien und Lykien. Die beschäftigung mit 
lykischer kunst hatte Benndorf nemlich auf einen aus dem jähre 
1842 stammenden reisebericht von J. A. Schönborn (verwendet 
und citirt in C. Ritter, Erdkunde von Asien IX, Kleinasien II, 
p. 1138 sqq.) geführt, der in bewunderndem und verständniß- 
vollem tone den hohen werth und die verhältnißmäßig vortreff- 
liche erhaltung der Skulpturen am Heroon in Gjölbaschi pries. 
Die auffindung und Untersuchung dieses monuments und daneben 
der trümmerstätte des Hekatetempels zu Lagina, der von L. Roß 
aufgefunden und von Ch T. Newton erwähnt worden war, wa- 
ren der hauptzweck der ersten reise. Sie wurde am 6. april 
1881 von Smyrna angetreten und führte über Scio, Halikarnaß, 






Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 149 

Kos (wo eine bisher unbekannte späte theateranlage entdeckt 
wurde), Knidos, Loryma, Rhodos an die südküste von Lykien 
nach der Kekowabai. Von hier aus gelang es Benndorf nach 
Schönborns absichtlich höchst beiläufigen angaben das gesuchte 
Heroon zu finden. Mit erstaunlicher Schnelligkeit wurde das- 
selbe untersucht, photographisch aufgenommen und dann die reise 
nach Makri (Telmessos) fortgesetzt; dieser zug durch Lykien, 
der verschiedene funde, besonders von inschriften, brachte, ging 
durch den ganzen westen und süden der landschaft, brachte auf- 
schluß über die läge des Kragos und Antikragos und führte über 
Kadyanda und den bisher nur dem namen nach bekannten Es- 
kereboghazpaß nach Karien und Lagina. Der Aktschai (Har- 
pasos) war dabei, den früheren Voraussetzungen entgegen, als 
längster nebenfluß des Maiander nachgewiesen worden. Die bei- 
den in Lagina befindlichen säulenbauten, der größere tempel der 
Hekate und das kleinere dem kaiserkult gewidmete heiligthum, 
wurden mit der Newtonschen planskizze verglichen und insbe- 
sondere der erstere „möglicher weise mit der anläge des beide 
umschließenden peribolos gleichzeitige" gründlich untersucht; es 
wurden wichtige, darunter auf Sulla und den mithridatischen 
krieg bezügliche inschriften aufgenommen und der am äußeren 
des tempels umlaufende fries nach inöglichkeit skizziert; er giebt 
durchweg mythologische darstellungen , über deren Zusammen- 
hang jedoch bei der Zerstreutheit der einzelnen blocke ein si- 
cheres urtheil nicht zu gewinnen war. Zu den schon früher be- 
obachteten reliefs kam insbesondere eine scene der Gigantomachie, 
zwei von einander abgewandte Jünglinge, welche die motive der 
gruppe von Ildefonso zeigen , und eine schöne weibliche figur 
mit erhobener rechter band und einem eros an der brüst hinzu. 
Stil und ausführung zeiten sich als hellenistisch. Im juli 1881 war 
diese erste expedition beendigt. 

Die zweite expedition, deren hauptaufgabe die Übertragung 
der skulpturen von Gjölbaschi neben der durchforschung von 
Karien und Lykien und etwa möglichen ausgrabungen in Lagina 
war, kam durch das zusammenwirken eines kreises hochstehender 
kunstfreunde, welchen hofrath Eitelberger die Photographien des 
Heroon vorgelegt hatte, zu stände Im anfang des Jahres 1882 
coustituierte sich „die gesellschaft für archäologische erforschung 
Kleinasiens." Sr. k. hoheit erzh. Rainer schloß sich fürst Liech- 
tenstein, graf Zicby, graf Lanckoronski, Nie. Dumba, die barone 
Rothschild und andere an, mit der absieht auch in zukunft ähn- 
liche aufgaben, wie die vorliegende, durchzuführen. Baron An- 
drian , Benndorf, Bucher, Eitelberger, Hochstetter , Kuudmaun, 
baron Warsberg Zumbusch wurden zugezogen und die expedition 
vorbereitet. Ende april waren alle expeditionsmitglieder (Benn- 
dorf, Petersen, iugenieur von Knaffl, dr. med v. Luschan , dr. 
R. Schneider, geologe dr. Tietze, dr. Em. Löwy und dr. Franz 



150 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

Studniczka , fünf geniesoldaten und arbeiter) mit ausnähme von 
prof. Niemann, der erst später folgte, zu Gjölbaschi eingetroffen. 
Während der ganzen Unternehmung blieb s. m. raddampfer 
„Taurus", commandant Baritz von Ikafalva, der gesellschaft zur 
Verfügung. Nachdem am südwestlichen fuß der akropolis ein 
vorläufiges lager aufgeschlagen war, begann die äußerst schwie- 
rige Übertragung des nöthigen materials , wie bretter , pfosten, 
seile , winden , flaschenzüge etc. , auf den 2400 fuß hohen berg 
von Gjölbaschi; sie währte wochen und nahm gegen hundert 
kameele in anspruch ; mit großen Schwierigkeiten war auch die 
herbeischaffung von lebensmitteln, insbesondere aber des wassers 
verbunden und auch die beibtellung der nöthigen hilfsarbeiter 
bereitete fortwährende Verlegenheiten. Ein geradezu gewaltiges 
hinderniß jedoch lag in dem fehlen jeglicher straße für die beför- 
derung der funde zum meere vor; diese straße mußte vom He- 
roon abwärts mit einem 23 kilometer langen umweg im halb- 
kreis um die akropolis , durch das hochthal von Tschukur in 
das Dembretschaithal über den steilen, fast durchaus bewachsenen 
abhang geführt werden-, abholzungen, felssprengungen, errich- 
tung von futtermauern waren allenthalben nöthig; und das alles 
in der sich fortwährend steigernden hitze der dortigen gegend; 
in der zweiten julihälfte war auch dieß überwältigt. Schon in 
der Zwischenzeit waren die einzelnen expeditionsmitglieder ihren 
vorläufigen beschäftigungeu nachgegangen. Peterseu untersuchte 
die stadttrümmer und ruinen , Niemann nahm das Heroon auf, 
vermaß akropolis und wege, Luschan photographierte die funde, 
Sehneider zeichnete die relieffriese und Tietze beschäftigte die 
geologische Untersuchung des Djmbreplateaus-, Benndorf war 
während dieser zeit von der leitung des ganzen , so wie kleine- 
ren und größeren touren in die umgegend vollauf in anspruch 
genommen. 

Schon auf seiner reise nach Gjölbaschi hatte Petersen mit 
dr. v. Luschan gelegenheit genommen, die bereicherung und be- 
richtigung der geographischen landeskenntniß zu fördern, welche 
aufgäbe auch später hauptsächlich diesen beiden herren zufiel. 
Am 17. april schon in Makri angekommen, nahm Petersen die 
bilingue inschrift des Apollonides und andere ab, untersuchte 
die felsgräber und die akropolis und setzte dann mit Luschan 
die reise über Xauthos, wo die ruinen studiert und unbekannte 
inschriften copiert wurden , und Kasch nach dem bestimmungs- 
orte fort. Auch während der zeit des wegbaues untersuchte er 
abwechslungsweise von ingenieur Knaffl, dr. Schneider und dem 
im mai zu besuch gekommenen prof. Zumbusch begleitet, die 
nähere Umgebung von Gjölbaschi, fortwährend grabdenkmale und 
ruinen aufnehmend. Auf einen kürzeren ausflug mit prof. Nie- 
mann nach Hoiran, wo griechische und lykische inschriften und 
ein Heraklesrelief gefunden wurden, folgte ein längerer mit dr. 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 151 

Löwy über Phineka nach Rhodiapolis , wo nebst anderen eine 
lange inschrift von den Verdiensten des Lykiers Opramoas ge- 
funden und reconstruiert wurde. Die größte, letzte tour, leider 
durch Petersens erkrankung unterbrochen, sollte durchs lykische 
hochland und Karien nach Smyrna führen; sie wurde am 13. 
juli, wieder mit dr. v. Luschan angetreten und zog sich über 
Kasch, Gjömbe , den Akdagh, Gürdef, das reichlich Sarkophage 
und grabsteine zeigte , nach Elmalü ; von da wurden züge nach 
süd- und nordosten unternommen, Podalia als antiker name der 
richtigen ruinenstätte zugewiesen , darauf nach westen gezogen. 
Nach den vielen späten grabstein- und sarkophagformen fand 
sich bei Jazyrgöll zuerst die griechische stele mit figuren oder 
Ornament und inschrift. Die Untersuchung der ruinen von ßal- 
bura und Kibyra lag wegen erkrankung Petersens schon dr. v. 
Luschan allein ob. Inzwischen hatte Schneider einen austrug 
nach Antiphellos und Tiissa unternommen, welcher der besichti- 
gung der ruinen des antiken theaters und des dorischen grabes 
von Antiphellos sowie der Sammlung von inschriften und andrer- 
seits der genaueren durchforschung des Xanthosthales und der 
ruinen von Tüssa galt. Ein zweiter ausflug mit Niemaun und 
Studniczka führte nach osten bis Aladja Assar , wo zwei alt- 
christliche ruinenstatten entdeckt und aufgenommen wurden. 
Löwy und Studniczka beobachteten insbesondere Myra, Dembre 
und die küste von Kekowa nach inschriften und antiken resten. 
Als Benndorf selbst von einem großen ausflug, der unter Über- 
schreitung des Alagirtschai über Kürdschekoi bis nach Adalia 
im osten geführt hatte , ende juli nach Gjölbaschi zurückkehrte, 
waren, durch außerordentliche Schwierigkeiten veranlaßt, die 
transportarbeiten in langsamem gange ; die größten hindernisse 
waren noch zu überwinden , da der bescheid über die theilung 
der funde noch fehlte und diese nun abgebrochen und über den 
gebauten weg zum meer befördert werden sollten •, dies alles 
mußte sehr schnell geschehen , wenn man noch sicheres wetter 
haben wollte ; nachdem nun die blocke bis auf eine dicke von 
25 cm hinten abgemeißelt, numeriert, verpackt, photographiert 
oder gezeichnet waren, mußten sie auf selbstconstuierten schütten, 
immer etappenweise, zur nachtzeit, denn der tag war zu heiß, 
in das Dembrethal bis Koitschi und dann vom flußbett des Dem- 
bretschai bis zum Andrakifiuß unter unsäglichster anstrengung 
geschleift werden. Am 8. September war diese schwerste arbeit 
vollendet. Nachdem nun der langwierige theilungsakt über- 
wunden , die kisten auf rasch hergestellten holzbahnen von der 
mündung des Andrakiflusses auf das depotschiff gebracht waren, 
konnte Benndorf, des vollendeten Werkes froh, am 13. september 
die rückreise auf dem Taurus antreten, indessen von Knaffl und 
dr. Löwy auch die letzte einschiffung der schätze überwachten ; 



J 52 Kleine philologische zeitung Nr. 2. 

anfangs october kamen dieselben wohlbehalten in den depots des 
kaiserlichen kunstmuseuras in Wien an. 

Kehren wir jetzt, nachdem der äußere verlauf der expedi- 
tionen in den weitesten umrissen gegeben ist, nach Gjölbaschi 
zur genaueren betrachtung des ortes und seiner monumente zu- 
rück, so finden wir denselben als höchste erhebung des Dembre- 
plateaus, das seinerseits wieder den vorbergen der mittleren von 
den drei großen berggruppen angehört , welche , die lykische 
berglandschaft beherrschend, sich bis zu 10000 fuß erheben; in 
dieser gebirgigen, unzugänglichen, wasserarmen und aller größe- 
ren städteanlage feindlichen natur finden wir die begründung 
für die so lange erhaltung uralter culturformen und fremder 
Sprache gegen das langsame eindringen griechischen wesens. 
Von der akropolis auf Gjölbaschi nun, die nur vom westabhang 
zugänglich ist , finden wir noch die reste einer polygonmauer, 
der späten kleinen kirche und mäßig großer Steinhäuser; daran 
schließen sich dann die grabmonumente. 

Dies sind zunächst über dreißig colossale kalksteinsarkophage 
„mit spitzbogigem dach, auf zwei oder mehrstufiger basis , die 
ein hyposorion enthielt", zwei mit Skulpturen verziert; dann eine 
große stele mit dem relief eines sitzenden hundes , ein hochal- 
terthümlicher, massiver grabpfeiler , durchaus dem harpyienmo- 
numente von Xanthos entsprechend, mit umlaufendem reliefband 
geschmückt. Sacrale monumente finden sich , wie an fast allen 
lykischen platzen , äußerst wenige. In dem Heroon , welches 
einem orte angehörte, dessen namen uns in einer einzigen basis- 
inschrift TPT2EUNÖAHMQZ nur, unsicher gegeben ist, da 
kein auch nur ähnlich lautender Ortsname in Lykien vorliegt, 
haben wir das grabmonument irgend eines „ortsgewaltigen" der 
voralexandrinischen epoche; es steht auf der ostseite der akro- 
polis, am ende und abschluß ihrer Umfassungsmauer, deren volle 
breite es hat ; es bildet ein nicht ganz rechtwinkliges mauer- 
viereck, welches sich bei der dicke eines meters drei meter er- 
hebt und den geebneten boden des inneren hofartig einfriedet ; 
diese wände sind zwei quadern stark und werden, je zwei selbstän- 
dige parallelmauern bildend, welche die unbehauenen innenseiten 
einander zukehren , oben von etwas vorspringenden deckplatten 
mit einander verbunden. Weder dübel noch klammern sind 
zur construction verwendet. In der mitte der südwand befindet 
sich die pforte ; diese sowohl als die nordwand war bei der 
auffindung vielfach gebrochen, die ostwand ganz zerstört; alle 
vier wände waren innen auf den beiden obersten quaderschich- 
ten mit forlaufenden reliefs verziert und bildeten die Umfassungs- 
mauer des beiläufig in der nordwestecke befindlichen , aus dem 
gewachsenen stein herausgearbeiteten, colossalen sarkopbags; 
außen trug die eingangsmauer denselben schmuck. Dieser fries, 
durchaus flaches basrelief, in der technik des hineinarbeitens 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 153 

in die bereits versetzten blocke ausgeführt, nimmt über hundert 
meter laufender fläche ein; die höhe der figuren wechselt mit 
der höhe der quadern zwischen einem viertel und einem drittel 
der naturgröße. „Singular ist die unmittelbar paarweise anord- 
nung der streifen übereinander , welche an vielen stellen durch 
ideelles oder factisches ineinandergreifen der composition wieder 
aufgehoben ist." Der stein (kalkstein) hat einen schönen grauen 
ton und ziemlich poröses aussehen, das sich wohl aus den vielen 
kleinen hohlräumen , die sich an allem lykischen gestein finden 
und dem bildhauer Schwierigkeit bereiten, erklären läßt. Nord- 
mauer und äußere südmauer sind am stärksten verwittert , die 
westwand und noch mehr die innere südwand sind trefflich er- 
halten. Obwohl der reiz der Oberfläche zumeist fehlt, ist doch 
die Wirkung der künstlerischen motive eine vollkommene , sowie 
glücklicher weise die abfolge der composition eine völlig sicher 
gestellte ; dies ist um so wichtiger , als ganz unvermittelt die 
mannigfaltigsten Stoffe einander ablösen. Die äußere südwand, 
deren thor an der Stirnfläche des thürsturzes mit den vorder- 
theilen vier vorspringender geflügelter stiere geschmückt ist, 
unter denen symmetrisch zwei ehepaare (kleine figuren in bas- 
relief) auf fein gedrechselten sesseln einander gegenüber sitzend, 
angebracht sind, zeigt uns im oberen streifen linkerhand, theil- 
weise fragmentiert, wahrscheinlich eine schlacht von Griechen 
mit Orientalen, vielleicht mit Amazonen ; in einer kämpferschaar 
fallen drei berittene auf, von denen einem , der mit helmkappe, 
eingebogenem schild , chiton und flatterndem mantel bekleidet 
ist, das pferd vom lanzenstich des gegners durchbohrt unter 
dem leibe zusammenbricht. Auch eine phrygische mutze und 
eine Streitaxt werden wahrgenommen. Der streifen darunter 
stellt Lapithen- und Kentaurenkampf, in gruppen von zwei bis 
vier figuren angeordnet , dar ; die gruppe des Kaineus ist deut- 
lich zu unterscheiden. Die composition zeigt Verwandtschaft 
mit der altattischen weise, wenn sie gleich in fallen specieller 
analogie , wie dort , wo ein Lapithe dem andrängenden nach 
links niedergebeugten gegner ein bein stellt, in der energie 
des motivs hinter dem Theseion- und Phigaliafries zurückbleibt. 
Der über dem thürsturz rechts befindliche friesstreifen , stark 
fragmentiert und zerfressen, gibt, nur den sachlichen zügen nach 
noch erkennbar, den kämpf der Sieben gegen Theben; Kapa- 
neus von einer gegen einen thurm gelehnten leiter herabstür- 
zend; ein salpinxbläser, der dabei typisch zu sein scheint; Am- 
phiaraos , auf dem von zwei pferden gezogenen wagen in den 
erdspalt versinkend, und noch einige figuren sind zu unterschei- 
den. Der untere streifen bietet uns in dem an den thürsturz 
grenzenden theil einen auf estradenartiger erhöhung sitzenden 
bärtigen herrscher, der, in griechischem gewand jedoch mit tiara, 
von zwei dienern und vier knieenden gerüsteten hopliten um- 

Philol. Anz. XIII. H 



154 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

geben , von einem herangekommenen bärtigen mann , welcher 
nach einer von Aelian überlieferten orientalischen sitte der wich- 
tigen angelegenheit wegen wahrscheinlich auf einen goldenen 
plinthos tritt, nachrichten über einen rechts dargestellten kämpf, 
in dem die angedeutete landung einer flotte eine rolle spielt, 
eben empfängt ; analogie zu dem auf dem plinthos stehenden : 
die Perservase des Museo nazionale zu Neapel. Wenden wir 
uns nun zur inneren südwand, so zeigt uns das thor mit bezug 
auf die grabstätte und ihren kult zwei tanzende symmetrisch 
componierte Jünglinge, den unteren theil in profil, Oberkörper 
in Vorderansicht , mit lang gelocktem haar , ärmellosem chiton 
und kalathos auf dem haupte ; der sepulcrale bezug zu der wohl 
dem Demeterkult entnommenen darstellung (vgl. Stephani, Compte 
rendu 1861, p. 63 sq.) dürfte lykisch sein, wie analogien zei- 
gen ; acht gnomenhafte nackte gestalten machen die zum tanze 
gehörige musik. Die osthälfte der südmauer zeigt eine noch 
nicht begründete Unregelmäßigkeit der anordnung, indem nach 
den drei der thür benachbarten blocken der fries gegen die ge- 
meinsame höhe um eine steinlage sinkt. Der erste dieser drei 
blocke trägt ein von einem mit rundschild , panzer und heim 
gerüsteten krieger gelenktes Viergespann; die pferde schieben 
sich perspectivisch nach rechts vor ; manches detail war der 
maierei überlassen. Der zweite block bringt die Verfolgung der 
Chimaira diirch Bellerophon ; er ist auf dem springenden Pega- 
sos lanzenschwingend dargestellt , die Chimaira als löwin mit 
Schlangenschweif und ziegenkopf auf dem rückgrat. Der dritte 
block zeigt einen krieger in chiton, heim und schild, der eine 
jugendliche gestalt mit ausgebreiteten armen, gewaltsam fortträgt. 
Der übrige tiefer laufende streifen, der auf die ostwand über- 
griff, stellt oben ein gelage bärtiger männer mit tanz und spiel 
nach art älterer griechischer vasenbilder, gleichwohl jedoch mit 
ausgesprochenem lokalcharakter, dar, unten einen ruhigen zier- 
lichen tanz, zumeist von weiblichen gestalten ausgeführt. 

Durch freie composition und durchgebildete klarheit im 
allgemeinen und ebenmäßige treffliche ausführung im einzelnen 
zeichnen sich die scenen der westhälfte der südmauer aus, welche 
künstlerisch und sachlich die wichtigsten des ganzen frieses sind ; 
künstlerisch vor allem der untere streifen mit der Meleagerjagd, 
der so wie der darüber befindliche vortrefflich erhalten ist; den 
mittelpunkt der ganzen scene, wenn auch in seinem laufe nach 
links etwas vorgeschoben , nimmt der durch kämm und gerin- 
gelten schwänz charakterisierte eber ein, der vorn und rück- 
wärts von zwei hunden und zunächst von drei Jägern bedroht 
wird; hinter ihm schwingt Theseus die keule , während Melea- 
ger, dessen unterer theil nicht erhalten ist, ihm gegenüber seine 
lanze zu schleudern im begriff ist; nun folgen beiderseits zwei 
kämpferpaare , theilweise mit trefflich gebildeten flatternden ge- 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 155 

wändern; Peleus und Atalante sind, ersterer mit Wahrscheinlich- 
keit, letztere ganz klar zu erkennen ; links wird der verwundete 
Aukaios von zwei genossen behutsam niedergelegt; außerdem 
sind noch zwei verwundete dargestellt, der eine rechts dem An- 
kaios entsprechend , der andere links noch stehend mit hilfe ei- 
nes freundes sich fortschleppend : ein motiv, das im Phigaliafries 
sich genau, nur entgegengesetzt orientiert, wiederfindet. 

Der darüber befindliche streifen, durch eine leergelassene 
stelle in zwei ungleiche hälften getheilt, führt uns auf der brei- 
teren rechten den kämpf des Odysseus mit den freiem in sei- 
nem ersten Stadium vor, da die waffen noch nicht herbeigeholt 
sind; mit scharfer befonung des Vorgangs ist der Schauplatz nur 
durch mehrere säulen und durch eine thüre am linken ende ge- 
kennzeichnet ; die freier ruhen auf sieben betten; das gelage ist 
durch die trinkgefäße angedeutet ; Odysseus steht in der gewöhn- 
lichen tracht schießend am eingang; pfeil und bogen waren 
gemalt; neben ihm Telemach , beide zusammen in der gruppie- 
rung an die tyrannenmörder erinnernd ; die freier sind in allen 
Stellungen der todesangst gegeben: mit tisch, schemel , gewand- 
stücken suchen sie sich zu schützen ; Antinoos ist schon todt, 
Eurymachos , auf dem ersten bett, fleht mit erhobener band um 
gnade : in beiden fällen genau ausgeführte Übereinstimmung mit 
der Odyssee , links schleicht Melanthios durch die halbgeöffnete 
thür. Um so wichtiger muß uns diese darstellung sein, als bis- 
her keine griechische reliefcomposition dieses Stoffes zu tage ge- 
kommen war, und mit ausnähme der bilder einer Berliner schale 
aus Corneto (5. jahrh. v. Chr.), welche die gleichen motive zei- 
gend auf typische durchbildung hinweist, überhaupt keine grie- 
chische darstellung des Stoffes. Die linke kleinere hälfte gibt 
in herrlicher composition, wie man mit Sicherheit vermuthen kann, 
Penelope mit ihren dienerinnen , welche dieselben, sie wie eine 
göttin überragend, eben in die treuen und untreuen zu scheiden 
scheint, indeß Odysseus mit schwert und fackel hinwegeilt. 

Beide friesstreifen der westwand führen uns kampfdarstel- 
lungen vor: im ersten drittel seh lacht zwischen Griechen und 
berittenen Amazonen , die mitte eine belagerte Stadt und links 
davon eine Griechenschlacht, von den schiffshiutertheilen einer 
gelandeten flotte begrenzt. Insbesondere die mitte läßt die bei- 
den über einander stehenden friesstücke ganz in einander über- 
greifen und auch die auf dem unteren streifen befindlichen 
schiffshintertheile laufen in dem oberen aus. Das bild der be- 
lagerten Stadt zeigt uns die mannigfaltigsten scenen in klarer 
composition; zwei spitzbogige thore, fünf thürme und zinnen 
über die Stadtmauer als bekrönung hinlaufend schließen sie ab: 
im inneren erblicken wir den tempel, vor «lern während der schlacht 
ein opfer dargebracht wird , in seiner nähe den thronenden al- 
tersgrauen herrscher, etwas weiter entfernt, durch pinen höheren 

11* 



156 Kleine philologische zeitung. Nr. 2 

thron hervorragend eine weibliche figur; um die mauer aber 
wogt der kämpf; auf der einen seite stürm, an anderer stelle 
bereits geglücktes eindringen, abwehr der stadtinsassen mit lan- 
zen und steinblöcken sind in wechselnden, oft wunderbaren mo- 
tiven geschildert; und auch die fluchtscene fehlt nicht. Singu- 
lar in der griechischen plastik ist die über das ganze bild sich 
erstreckende perspectivische darstellung. Sichelschwerter und 
der flügelschmuck der helme erweisen nach Herodots diesbe- 
züglicher angäbe (VII , 92) die Stadt als lykisch. Nach rechts 
hin schließt sich nun die Amazonomachie an, welche uns zu- 
meist in gruppen von je zwei kämpfenden, die Griechen zu fuß 
gegen die berittenen Amazonen andringend zeigt. Einzelne mo- 
tive erinnern an den stil der parthenonmetopen und des par- 
thenonfrieses. An entsprechender stelle rechts finden wir die 
große Griechenschlacht, welche uns die verschiedensten Situa- 
tionen des kampfes vorführt. Die nordwand trägt auf der rech- 
ten seite, welche vielfach fragmentiert ist , oben die darstellung 
einer jagd, darunter eine Kentauromachie. Auf der linken seite, 
die wiederum beide streifen einheitlich zusammenfaßt, erblicken 
wir die ausführlichste der uns erhaltenen darstellungen der Leu- 
kippidensage. In klarster composition legt sich das ganze in 
zwei mit feinstem detail der motive ausgestattete scenen zu bei- 
den seiten eines perspectivisch gestellten antentempels, welcher 
die ganze höhe beider streifen einnehmend vier figuren der obe- 
ren reihe überschneidet, aus einander. Während uns die eine 
seite in ausführlicher Schilderung eine Opferhandlung zeigt , in- 
deß die zugehörige festgemeinde, als deren mittelpunkt ein chor 
von zwölf Jungfrauen gelten darf, von aufregung und entsetzen 
erfaßt ist, die uns in allen abstufungen vorgeführt werden, bringt 
die andere die begründung in dem dargestellten raub zweier 
Jungfrauen durch die auf zwei vom heiligthum weg dahinjagen- 
den Viergespannen befindlichen Dioskuren, welche vorgebeugt 
die gespanne lenken, von je einem begleiter, der die sich sträu- 
bende Jungfrau hält, unterstützt; in heftiger Verfolgung stürzen 
ihnen von allen seiten bewaffnete nach, unter denen die Apha- 
riden, die bräutigame der mädchen , als berittene hervorragen. 
Auch ihr vater Leukippos und ihre mutter Philodike sind mit 
Sicherheit zu erkennen. Auch hier haben wir, von römischen 
Sarkophagdarstellungen abgesehen , die erste antike reliefcompo- 
sition dieser scene, die wohl auch Schlüsse auf das gemälde des 
Polygnot im Anakeion zu Athen gestatten wird. Interessant ist 
auch hier die vergleichung mit einer amphora Cat. Jatta 1096. 
Von der ostwand ist bereits gesagt , daß sie zerstört gefunden 
wurde; gleichwohl dürften die fragmente hinreichen, einen großen 
theil des fehlenden zu reconstruiren. 

So haben die prophetischen worte des ersten entdeckers 
Schönborn , daß diese reliefs jedem museum zu einer wahren 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 157 

zierde gereichen würden, durch die unermüdliche arbeitslust und 
energie des zweiten entdeckers Benndorf endlich ihre Verwirk- 
lichung gefunden. John Löwy. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Deutsche litter aturzextung hrsg. von Max Roediger 1882, no. 31, 
sp. 1109: Eugen Frohwein, verbum Homericum. Die homerischen ver- 
balformen zusammengestellt. Nach dem tode des verf. dem druck 
übergeben. Leipzig, Teubner 1881. IV, 144 p. 8. 3 mk. 60 pf. 
Bietet manche dankenswerthe ergänzungen zu Seber, doch liegen die 
vortheile nicht überall auf seite des nachfolgers. G. Hinrichs. 

No. 32. Sp. 1150: Cornuti theologiae Graecae compendium. Rec. 
et emendabat Carolus Lang. Leipzig, Teubner 1881. XX, 125 p. 8. 
1 mk. 50 pf. Stender sieht in der ausgäbe einen wesentlichen fort- 
schritt, meint aber daß die interpolationsschere stärker hätte gehand- 
habt werden müssen unter anleitung sprachlicher Untersuchung. — 
Sp. 1151: T. Maeci Plauti Menaechmi in usum lectionum suarum ed. 
Joh. Fahlen. Berlin, Yahlen 1882. 8. IV, 97 p. 2 mk. Die aus- 
gäbe soll nur grundlage für Vorlesungen sein und einen ausgewählten 
apparat bieten: ref. O. Seyffert notirt einige beitrage zu demselben 
die nicht hätten fehlen dürfen und differirt in der ansieht über die 
aufnähme resp. nichtaufnahme einzelner emendationsversuche. — Sp. 
1184: Hesychii Milesii onomatologi quae supersunt cum prolegomenis 
edidit Ioannes Flach. Accedunt appendix Pseudohesychiana. Indices 
spec. photolith. cod. A. Leipzig, Teubner 1882. LXXII , 263 p. 8. 
9 mk. Wesentlich ein abdruck der biographica des Suidas, die unter 
dem namen des Hesychius hier publicirt werden , ein Hesychius wie 
er sicher nie existirte, jedoch ist das buch eine brauchbare material- 
sammlung. R. Gropkis. 

No. 34. Sp. 1209 : Pauli Orosii historiarum adversus paganos 
libri VII accedit eiusdem liber apologeticus ex rec. Caroli Zangemei- 
ster. (Corpus scr. eccl. Latin. Vindob. Vol. V.) Wien, Gerold's söhn 1882. 
XXXIX, *19 p. 16 mk. Lobende anzeige von H. Holtzmann. — Sp. 
1215: Th. Birt, das antike buchwesen in seinem verhältniß zur litteratur. 
Mit beitragen zur textesgeschichte des Theokrit, Catull, Properz und 
anderer autoren. Berlin, Hertz 1882. IV, 518 p. 8. 12 mk. Birt 
sucht den einfluß des materials auf die schriftsteiler nachzuweisen, 
zieht aber zu starke consequenzen. Dies normalbuch läßt sich in der 
ausdehnung wie Birt will nicht erweisen, noch weniger der einfluß 
des raumzwanges auf den schriftsteiler. Im einzelnen ist viel beleh- 
rendes enthalten. H. Keil. 

No. 35. Sp. 1247: The Protagoras of Plato with an introduetion 
and critical and explanatory notes by E. G. Siehler. New -York, 
Harper 1881. XVII. 140 p. 8. Eine in vortrefflicher weise deutschen 
Schulausgaben nachgebildete und auf ihnen beruhende ausgäbe. E. 
Heitz. — Sp. 1247: Fr. Oscar Weise, die griechischen Wörter im la- 
tein. (Preisschritten der Jablonowskischen gesellschaft zu Leipzig. 
(No. XV der histor.-ökonom. section.) XXXIII. Leipzig, Hirzel 1882. 
VIII, 546 p. 8. 18 mk. Auf grund der griechischen Wörter in der 
lateinischen spräche soll der griechische eultureinfluß nachgewiesen 
werden. Die methode der Untersuchung vortrefflich. Als resultat 
werden nach eulturgebieten die gewonnenen ausdrücke geschieden, 
aber hin und wieder zu weit gehende folgerungen gezogen besonders 
in den kapiteln thiere, pflanzen, mineralien, im folgenden ist der ge- 
winn viel sicherer. Die darstellnng ist klar und übersichtlich. R. 
Thurneysen. 



158 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

No. 36. Sp. 1275: Novum Testamentum Graece et Germanice. 
Das neue testament griechisch und deutsch nach Tiscbendorfs letzter 
recension und deutsch nach dem revidirten Luthertext mit angäbe 
abweichender lesarten beider theile und ausgewählten parallelstellen 
hrsg. von Oskar von Gebharät. Leipzig, Tanchnitz 1881. XVIII, 914 p. 
8 5 m.k. Novum Testamentum Graece recensionis Tischendorfianae 
ultimae textum cum Tregellesiano et Wescottio-Hortiano contulit 
et brevi annotatione critica additisque locis parallelis illustravit Os- 
car de Gebharät. Leipzig, Tauchnitz 1881. XII, 492 p. 8. 3 mk. 
Sorgsame, die resultate der neutestamentlichen textkritik veranschau- 
lichende ausgäbe. Nowack. — Sp. 1277: A. Schwegler, geschichte 
der griechischen philosophie hrsg. von K. KUstlin. 3. verb. aufl. Frei- 
burg i. Br., Mohr 1882. VIII, 46? p. 8. 6 mk. Bei der neubear- 
beitung des nützlichen buches hätten die neuen arbeiten z. b. die 
bahnbrechenden arbeiten Diels' mehr berücksichtigt werden müssen. 
Freudenthal führt noch eine reihe irrthiimer an. — Sp. 1278: Lyco- 
phronis Alexandra rec. Ed. Scheer. Vol. I Alexandra cum para- 
phrasibus ad codicum fidem recensita et emendata indices subiecti. 
Berlin, Weidmann 1881. XXXII, 148 p. V. v. Wilamowitz - Möllen- 
dorff hebt die vielen Vorzüge der ausgäbe gebührend hervor, kritik 
der handschriftlichen grundlage, beigäbe der paraphrase, der directen 
citate, des genauen wortindex , im dialektischen hält sich Scheer mit 
recht an die tragiker, die auswahl der emendation ist streng. - Sp. 
1291: die antiken terracotlen. Im auftrage des archaeologischen in- 
stituts des deutschen reiches hrsg. von Reinhard Kekule. Bd. I: die 
terracotten von Pompeji bearbeitet von Hermarin von Rohden. Nach 
Zeichnungen von Ludwig Otto. 80 p. illustr. text und 50 taf. folio. 
Stuttgart, Spemann 1880. In mappe 60 mk. - Die publication der 
meist geringfügigen terracotten Pompeis rechtfertigt sich durch ihre 
bedeutung, die sie durch ihre feste datirbarkeit für die entwickelungs- 
geschichte dieser kunstgattung gewinnen zumal im anschluß an Olympia. 
Rohden behandelt diese allgemeinen gesichtspunkte in der ersten 
hälfte des textes vorzüglich. Die zweite hälfte behandelt die einzel- 
nen gegenstände unter beibringung alles nöthigen materials und aller 
nöthigen erläuterungen. G. Körte. 

Nr. 37. Sp. 1308: Friedr. Michelis , Piatons Theaetet, mit spe- 
cieller beziehung auf den commentar von H. Schmidt in Fleckeisens 
jahrbb. f. cl. phil. sowie auf Cartesius Meditationen und Kants kritik 
der reinen Vernunft als grundlage einer richtigen erkenntnißlehre be- 
arbeitet. Freiburg im Breisgau, Kiepert 1881. 220 p. 8. 4 mk. 
Michelis will die Übereinstimmung der Offenbarung mit der lehre 
Piatos darlegen, scholastisch und selbstinfallibel, nicht ohne Scharf- 
sinn, aber unglaublich flüchtig und nachlässig. E. Heitz. — Sp. 1308: 
Theobald Ziegler, die ethik der Griechen und Römer. Bonn , Strauß 
1882. XIII, 342 p. 8. 8 mk. Das buch beruht auf Zeller, erreicht 
ihn aber bei weitem nicht, die geschichtlichen reflexionen sind aner- 
kennenswerth. G. v. Gizycki. — Sp. 1311: H. J. Polak , ad Odys- 
seam eiusque scholiastas curae secundae. Emendationes ad Scholia 
in Homeri Odysseam. I. II. Leiden, Brill 1881. 1882. VIII, 542 p. 
7 fi. Erstaunlicher fleiß, große belesenheit, eindringender Scharfsinn 
und geuauigkeit im kleinen machen die emendation sicher und das 
buch werthvoll. Polak arbeitet auf eine genaue kritische geschichte 
der Odysseegrammatiker hin. G. Hinrichs. — Sp. 1312: Aug. Godfr. 
Engelbrecht, de scoliorum poesi. Wien, Gerold's söhn 1882. 8. 101 p. 3mk. 
Das fleißige buch befriedigt die fragen, die vorlagen, im wesentlichen. E. 
Hiller. — Sp. 1322: N. von Stackeiberg, Otto Magnus von Stackeiberg. 
Schilderung seines lebens und seiner reisen in Italien und Griechenland 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 159 

nach tagebüchern und briefen. Mit einer vorrede von Kano Fischer 
und Stackeibergs bildniß nach Vogel von Vogelstein. Heidelberg, 
Winter 1«82 8. XII, 444 p. 9 mk. Das buch giebt zuerst eine 
ausreichende Schilderung des bedeutenden kunstsinnigen edelmanns. 

No. 38. Sp. 1339: Rudolf Ritzel, Untersuchungen zu Cicero's 
philosophischen schritten. 2. theil: de finibus, de otficiis. Zwei ab- 
tneilungen. Leipzig, Hirzel 1882. 8. 913 p. 18 ruk. Die erste ab- 
theüung giebt eine entwickelung der stoischen philosophie von Zeno 
bis auf Posidonius ni.t genauerer charakterisirung ihrer einzelnen Ver- 
treter. In der zweiten abtbeilung untersucht er die quellen der ci- 
ceronischen schritten, aus Hekaton ntul Ttkovg sei Cic. de fin. 3. buch, 
aus Antiochus ntyi itXous buch 2 und 4, aus Panaitios Cic. off. 1. 2. 
buch, im 3. sei Hekaton hauptquelle. Die Untersuchung bietet viele rich- 
tige einzelresultate. Zu bedauern ist die äußere fbrmlosigkeit der 
schritt. Ad. Weltmann. — Sp. 1342: Benedictus Niest-, die entwick- 
lung der homerischen poesie. Berlin, Weidmann 1882. 8. VI, 261 p. 
7 mk. Der Kirchhoffsche gedanke der allmählichen weiterentwicke- 
lung der gedichte aus einem kern ist bis zu der läugnung eines 
präexistenten sagenschatzes durchgeführt, doch giebt er andererseits 
die möglichkeit einer volkspoe-ie zu. Der gedanke Niese's ist ver- 
fehlt nach allen ge«etzen epischer poesieentwickelung. Die detailaus- 
führung und -beobachtung enthält viel treffendes. Das sprachliche 
ist zu wenig berücksichtigt. — Sp. 1344: Fiutarque vie de Ciceron 
suivie du parallele de Demosthene et de Ciceron. Texte grec revu 
sur le manuscrit de Madrid accompagne d'une notice sur Plutarque 
et sur la source de la vie de Ciceron d'un argument et de notes en 
francais par Ch. Gruux Paris, Hachette 1882. 8. 192 p. 1 fr. 
Werthvoll durch die neue handschriftliche grundlage. H. D(ieis). 

No. 39. Sp. 1375: Paul Girard, l'Asclepieion d'Athenes d'apres 
de reeentes decouvertes. (Bibliotbeque des ecoles francaises d'Athenes 
et de Rome. fasc. 23). Paris, Thorin 1882. 8. IV, 134 p. 5fr. 50 c. 
Das buch ist nur in bezug auf das topographische von belang , für 
die darscellung und auffassung des cultus des Asklepios sind die Stu- 
dien des Verfassers nicht umfassend genug, und die kenntniß des wis- 
senschaftlichen materials zu gering. U. v Wilamowitz - Möilendorff. 
— Sp. 1377: Victor Cuchrvat , Histoire de l'eloquence latine depuis 
l'origine de Rome jusqu'ä Ciceron. D'apres les notes de Adolphe 
Berger. Ouvrage couronne par l'acade'mie francaise. II. ed. 2 tomes. 
Paris, Hachette 1881. 8 XV, 331 und 373 p. 7 frcs. — Das buch 
ist seicht, oberflächlich, das hauptthema, die entwickelung der römi- 
schen beredsamkeit, ist gar nicht studirt, und geht in massenhaften gar 
nicht in das buch gehörenden excursen unter, nur die diction ist gut, 
klar und erklärt den beifall den Berger bei seinen Vorlesungen fand. 
Aug. Reiff er scheid. — Sp. 1378: _ß. C. Jebb, Bentley. London. Mac- 
millan 1882. 8. XII, 224 p. 2 sh. 6 d. Der verf. schildert die ge- 
waltige wissenschaftliche und die groß angelegte aber durch theils 
kleinliche theils tyrannische züge nicht wenig verdunkelte mensch- 
liche persönlichkeit Bentley's in höchst gebildeter und anziehender 
darstellung, mit klarem philologischen verständniß und fein fühlendem 
entgegenkommen. — Sp. 1385: Alessandro Tartara, Dalla battaglia 
della Trebbia a quella del Trasimeno. Questioni di storia romana. 
Turm, Loescher 1882. 136 p. 8. Die schrift beruht auf eingehenden 
philologischen und staatsrechtlichen studien und tüchtiger kenntniß 
der litteratur. Holm. 

No. 40. Sp. 1416: Curl Wachsmuth, studien zu den griechischen 
florilegien. Berlin, Weidmann 1882. 4. 218 p. 12 mk. ./. Freu- 
denthai lobt Wachsmuths meisterhafte Untersuchungen, misbilligt den 



160 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

plan zur edition der byzantinischen florilegien'. Nicht einverstanden 
ist er mit der kritischen ausgäbe ix tu>p dtj/uoxoitov xrk. , wo die aus- 
wahl der yviäfxai bei der großen Verschiedenheit der einzelnen Samm- 
lungen nicht gerechtfertigt ist. — Sp. 1417: Martin Hertz, zur kritik 
von Cicero's rede für den P. Sestius. Leipzig, Teubner 1881. 8. 52 p. 
1 mk. 20 pf. Voll von anregung, wenn auch die positiven resultate 
nur zum theil stichhaltig sind. A. Eberhard. — Sp. 1420: Jordanis 
Komana et Getica rec. Theod. Mommsen. (Monumenta Germaniae hi- 
storica. Auctorum autiquissimorum tom. V, pars prior. Berlin, Weid- 
mann 1882. LXX1II und 200 p. 4. 8 mk. Iordanis de origine ac- 
tibusque Getarum ed Alfr. Holder. (Germanischer bücherschatz hrsg. 
von Alfr. Holder. Freiburg i. Br., Mohr 1882). 8. 83 p. 1 mk. 50 pf. 
Mommsen hat die resultate bisheriger forschung sorgfältig verwertbet. 
Eigentümlich ist ihm der versuch einer rehabilitirung des Ablabius 
und die bypothese vom specifisch mösischen Charakter und Ursprung 
der Getica. Die beweise für Ablabius sind durchaus ungenügend, 
zumal das was ihm sicher zukommt sich mit Dexippus deckt. Auch 
Mommsens beleg aus kap. 5 nicht stichhaltig. Auch den mösischen 
Ursprung leugnet Schirren ebenfalls. — Holders ausgäbe beruht auf 
dem Heidelberger und Pariser Codices. — Sp. 1425: K. B Stark, 
nach dem griechischen Orient. Reisestudien nebst einer situations- 
karte und photolithogr. taf. 2. ausg. Heidelberg, C. Winter 1882. 
8. XII. 408 p. 5 mk. Empfehlende anzeige B. — Sp. 1430: Ferd. 
Rosenberger, die geschichte der physik in grundzügen mit synchroni- 
stischen tabellen der mathematik, der chemie und beschreibenden na- 
turwissenschaften sowie der allgemeinen geschiebte. I. theil: ge- 
schichte der physik im alterthum und im mittelalter. Braunschweig, 
Vieweg und söhn 1882. 8. IX, 175 p. 3 mk. 60 pf. Der darstel- 
lung fehlt die obiectivität des historikers. Die rein chronologische 
folge ist zur darstellung der entwicklung nicht geeignet. Unzählige 
einzelne versehen hätten vermieden werden können Gerland. 

No. 41. Sp. 1451: Gustav Benseier, der Optimismus des Sokrates 
bei Xenophon und Piaton gegenüber den pessimistischen stimmen in 
der älteren griechischen litteratur. Chemnitz 1882. 4. 33 p. Von 
einem gegensatz von Optimismus und pessimismus war überhaupt nicht 
die rede. Nicht eine änderung der Stimmung sondern ein fortschritt 
der erkenntniß bedingt die unterschiede. E.Heitz. — Sp. 1454: Ca- 
rolins Rothe , de vetere quem ex Odyssea Kirchhoffius eruit vöetu. 
Progr. des königl. französ. gymn. zu Berlin 1882. 4. 29 p. Das 
sorgfältige programm entwickelt in klarer weise manche bemerkens- 
werthe beobachtung. G. Hinrichs. — Sp. 1455 : Anacreonte. Edizione 
critica di Luigi A. Michelangeli. Bologna, Zanichelli 1882. 8. XXXI, 
320 p. 6 lire. Voll mühe und anstrengung ohne die entsprechenden 
wissenschaftlichen resultate; immerbin ein brauchbares repertorium für 
die textgeschichte. E. Hüler. — Sp. 1456 : Philipp Thielmann, das 
verbum dure im lateinischen als repräsentant der indoeuropäischen 
wurzel dha. Leipzig, Teubner 1882. 8. VIII, 134 p. 2 mk. 40 pf. Bare 
kann nie vom stamme dha hergeleitet werden, im übrigen ist die schrift 
als beitrag zum lexicon eine vortreffliche leistung. R. Thurneysen. 
— Sp. 1459: Fr. Eyßenhardt, römisch und romanisch. Ein beitrag 
zur Sprachgeschichte, Berlin, Bornträger 1882. 8. XI, 204 p. Das 
buch enthält weder bezüglich der hauptfrage , (wie ist mit der that- 
sache, daß die ältesien lateinischen iuschriften auslautendes m s (t) schon 
im untergehen zeigen zu vereinigen , daß zwar das schriftlatein diese 
consonanten im wortauslaut nicht anerkennt, wohl aber in den roma- 
schen sprachen primäres s (t) fortlebte?) noch sonst für die romanische 
grammatik brauchbares. G. Groebcr. — Sp. 1465: G. Perrot et Ch. 



Nr. 2. Auszüge aus zeitschrifteu. 161 

Chipiez, bistoire de l'art dans l'antiquite. Tome I: L'Egypte. Paris, 
Hachette et co. 1882. 8. LXXvl, »79 p. 14 tafeln. 591 bolzsclm. 
29 t'rcs. Eine dankenswerthe kritische, unsere anschauungen über ae- 
gyptische kunst vielfach berichtigende arbeit. Adolf Er man. 

No. 42. Sp. 1483: Commentana in Aristoteleni Graeca edita con- 
silio et auctoritate acaderniae litteraruoi regiae Borussicae. Berlin, 
G. Reimer lö82. 8. IX. bd: Simplicii in Aristotelis Physicorum libros 
quattuor priores ed. Hermannus Diele. XXXII, 80U p. 27 mk. Bd. 
XI: Simplicii in libros Aristotelis de anima edidit Michael Mayduck. 
XIV, 362 p. Lobende aufzählung der Vorzüge der ausgaben. E. Heitz. 
— Sp. 1487 : Otto Ernst Hartmann, der römiscbe kalender. Aus dem 
nacblasse des verf. hrsg. von Ludw. Lunge. Leipzig, Teubner 1882. 
8. XXXI, 266 p. 8 mk. Das werthvolle buch enthält immerhin 
viel anfechtbares. Ein von Hartmann angenommenes mondsonnen- 
jahr mit 10 effectiven mondmonaten ist ein unding, die hypothesen 
über Umstellung d< s Januar und febrnar sind nicht besser. Die ab- 
schnitte über den geschriebenen kalender, die älteste Schaltung und 
die Schaltung des Servius Tullius haben bleibenden werth. — Hart- 
manns ansieht über nundinen und amtsjahr dürften keinen beifall 
finden, besser beurtheilt er die decemviralgesetzgebung. Wilhelm 
Sollau. — Sp. 14b9: Lettres francaises inedites de Joseph Scaliger, 
publiees et annotees par Philippe Tamizey de Larroque. Paris, Picard 
1881. 8. 428 p. Die 124 neuen briefe bieten wichtige und interes- 
sante beitrage zur geschichte der litterarischen zustände in der zweiten 
hälfte des 16. und anfang des 17. Jahrhunderts. Die ausgäbe ist auch 
wissenschaftlich bedeutend. A. Horawitz. 

No. 43. Sp. 1527: 31. Porci Catonis de agri eultura liber M. Te- 
renti Varronis rerum rusticarum libri tres ex rec. Henrici Keilii. 
Vol. I, fasc. 1. Catonis de a. c. liber. Lpz., Teubner 1882. 8. 
169 p. 2 mk. 40 pf. Catonis de agri eultura liber cp. VII et VIII 
cum adnotationibus H. Keilii. Index scholl. Halle 1881. 4. XII p. 
H. Keilii de libris manuscriptis Catonis de agri eultura disputatio. 
Halle 1882. 4. (Ind. leett.). Keil hat sich die herstellung der Über- 
lieferung zum ziel gesetzt, selbst wenig emendirt, in der Orthographie 
wäre engerer anschluß an die handschriften zu wünschen gewesen. 
Die ganze leistung ist eine vorzügliche. H. Jordan. — 8p. 1529: 
Gottfried Hermannus, lateinische briefe an seinen freund Volkmann. 
Herausgeg. von A. B. Volkmann. Heidelberg, Winter 1882. 8. IV, 
66 p. 2 mk. Aus der stndierstube erfahren wir nichts, wohl aber 
das reizende liebesidyll Volkmanns und seiner braut und die freundes- 
vermittlung Hermanns. F. Leo. — Sp. 1533: L. Friedländer, dar- 
stellungen aus der Sittengeschichte Roms in der zeit von August bis 
zum ausgang der Antonine. 5. neu bearb. und verm. aufl. 3 bde. 
Leipzig, Hirzel 1881. I. bd. XVIII, 524 p. , II. bd. XII, 592 p., III. 
bd. XVI, 736 p. 33 mk. Lobende anzeige der neuen aufläge. 

No. 44. Sp. 1564: Leopold Schmidt, die ethik der alten Griechen. 
In 2 bdn. 1. bd. V, 400 p. II. bd. VI, 494 p. Berlin, Hertz 1882. 
8. 15 mk. Nicht eine darstellung der philosophischen Systeme, son- 
dern der ethischen anschaunngen des griechischen volks. Sehr gedie- 
gen. — Sp. 1567: Herrn. Ziemer, junggrammatische streifzüge im ge- 
biete der syntax. In 2 abschnitten. Zur geschichte der junggramma- 
tischen litteratur. 2. abschn. : des psychologische moment in der bil- 
dungsyntaktischer sprachformen. Kolberg, Post 1882. 8. VIII, 156 p. 
2 mk. 70 pf. Ironische anzeige von H. Collilz. — Sp. 1569: Hans 
Theodor Piiiß, Horazstudien. Alte und neue aufsätze über Horazische 
lyrik. Leipzig, Teubner 1882. 8. XII, 367 p. 6 mk. Plüß will 
sich in die zeit und Stimmung der dichtungen hineindenken. Dem 



162 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

subjectiven wird dabei zuviel rauin gegeben. — Sp. 1580: Th. Burck- 
hardt- Biedermann , das römische theater zu Augusta Raurica. (Mit- 
teilungen der historischen und antiquarischen gesellschaft zu Basel). 
Neue folge II. Mit 5 abbild. Basel, Dettleff 1882. 4. 31 p. 4 mk. 
Eine sorgfältige Untersuchung der Amerbachschen ausgrabuugsberichte 
und messungen mit sichern resultaten. H Blümner. 

No. 45. Sp. 1608: Appiani historia Romana ed. Ludw. Mendels- 
sohn. Vol. II. Leipzig, Teubner 1881. 8. VI, p. 565 12'24. 4 mk. 
50 pf. Beruht gegenüber Hekker auf neuer kenntnißnahme der hand- 
schritten und richtigerer würdiguDg derselben. A. Niese. — Sp. 1608: 
Karl Friedr. Hermann, lehrbuch der griechischen privatalterthümer. 
3. verm. u verbesserte aufl. Nach der 2. von K. B. fctark besorgten 
aufläge umgearb. u hrsg. von Hugo Blümner. Freiburg, Mohr 1882. 
8. XVI, 556 p. Lobende besprechung der art der bearbeitung H. 
Büchsenschütz. — Sp. 1 (3 1 : IV. Pökel, philologisches sehrütsteller- 
lexikon. Leipzig, Alfred Krüger 1882. 8. VIII, 328 p. 6 mk. 
Dankenswerth aber mit mancherlei mangeln behaftet. P. Pulch. 

No. 46. Sp. 1642: Inscriptiones Graecae antiquissimae praeter 
Atticas in Attica repertas consilio et auetoritate academiae Htterarum 
regiae Borussicae ed. Hermann Roehl. Berlin , G. Reimer 18b2. XI, 
193 p. fol. 16 mk. Rühmende inhaltsangabe von G. Hinrichs. — 
Sp 1647: Max Duncker, geschichte des alteithums. VI. bd. 3. 4. 5. 
aufl. Leipzig, Duncker und Humblot 1882. 8. XIV, 681 p. 13 mk. 
Arnold ^chaefer rühmt besonders in der darstellung die scharfsinnige 
und eindringende prüfung der mit einander streitenden politischen 
gegensätze verbunden mit der Schilderung des unter ihrem einflusse 
reifenden geistigen lebens — Sp 1653: C Husse , die Venus von 
Milo. Eine u? tersnehung auf dem gebiete der plastik und ein ver- 
such zur Wiederherstellung der statue. Mit 4 lichtdruck- und 4 li- 
thogr. tafeln. Jena, Fischer 1882 fol. 13 p. 7 mk. Die arbeit ist 
leider nicht rein anatomisch gehalten, sondern läßt sich von archäo- 
logischen fundberichten und annahmen beeinflussen. R. Keku/e. 

No. 47. Sp. 1677: Alfred Biese, die entwickelung des naturge- 
fühls bei den Griechen und Römern. 1. theil: die entwicklung des 
naturgefühls bei den Griechen. Kiel, Lipsius und Tischer 1882. VIII, 
145 p. 3 mk. Lobende anzeige von Joh. Renner. — Sp. 1678: Ar- 
minn Koechly , Opuscula philologica. Vol. I: Opuscula Latina ed. God. 
Kinkel. VII, 597 p. 8. Vol II: Opuscula vernacule scripta ed. Em. 
Boeckel. Leipzig, Teubner 1881 und 1882. 8. 25 mk. 80 pf. Der- 
selbe, akademische vortrage und reden. Neue folge hrsg. von A". 
Bartsch Heidelberg, Winter 1882. 8. 264 p. 6 mk. Die anzeige 
macht besonders auf die vortrage über Demosthenes aufmerksam. — 
Sp. 1685: Josef Thacher C/arke , Report on the investigations at As- 
sos 1881. (Papers of the archaeological Institute of America. Classical 
series vol. I). With an appendix containing inscriptions from Assos 
and Lesbos and papers by W. C. Lawton and ./. S JHlter. Boston, 
Williams and co. 1882. 8. 215 p. 21 sh. 1 d M. Conze giebt den 
inhalt des buches und die hauptresultate der expedition an. 

No. 48. Sp. 1707: Bardenhewer , Otto, die pseudoaristotelische 
schritt „über das reine gute" bekannt unter dem namen „liber de 
causis". Im auftrage der Görresgesellschaft bearbeitet. Freiburg, 
Herder 1882. 8. XVIII, 330 p. 13 mk. 50pf. Enthält das arabische 
original und handelt über dasselbe, der zweite theil über die von dem 
Scholastiker benutzte lateinische Übersetzung und ihre benutzer, der 
dritte theil über die hebräischen Übersetzungen. Ein bestimmter Ver- 
fasser läßt sich nicht ermitteln, es ist aber auszug aus der croiytHncig 
{tiokoywi} des Proklos spätestens im 12. wahrscheinlich schon im 9. 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 163 

Jahrhundert. Die lateinische Übersetzung ist ohne zweifei von Ger- 
hard von Cremona gemacht 1167—1187. F. SusemihL — Sp. 1710: 
A. Spengel, reformvorschläge zur metrik der lyrischen versarten bei 
Plautus und den übrigen lateinischen scenikern. Berlin, Weidmann 
1882. 8 IV, 429 p. 10 mk. Das buch ist für die messung der 
cantica des Plautus grundlegend, nur das capitel über die Anapäste 
scheint nicht so gut gearbeitet als die anderen und Spengel muthet 
hier Plautus arge dinge zu. 0. Seyffert. — Sp. 1711: Joh. Gottfr. 
Herder, denkmal Joh. Winckelmann's. Eine ungekrönte preisschrift 
aus dem jähre 1778. Nach der Kasseler handschrift zum ersten male 
hrsg. und mit litterarhistor. einleitung versehen von Alhert Duncker. 
Kassel, Kay 1882. 8. XXXV, 61 p 2 mk. 50 pf. Die schritt so- 
lange unter den acten der Societe des Antiquites de Cassel verborgen 
ist für Herder wie er im jähre 1777 war höchst charakteristisch. 
Bernhard Suphan. 

No. 49. Sp. 1749: Aug. Coaat , la poesie alexandrine sous les 
trois premiers Ptoleme'es Paris, Hachette 1882. 8. XIII, 525 p. 
7,50 fres. Eine Sammlung einzelner Studien, die weder sehr in die 
tiefe gehen, noch des neuen viel bieten, aber bei dem noch schlum- 
mernden interesse für die poesie der Alexandriner dankenswerth sind. 
G. Kaihel. — Sp. 1755: M. R Cagnat, Etüde historique sur les im- 
pöts indirects chez les Eomains jusqu'aux invasions des barbares d'a- 
pres les documents litteraires d'e'pigraphiques. Paris 18^2. 8. XV, 
256 p. 3 karten. 10 fres. Fleißige und verständige bearbeitung der 
dürftigen nachrichten über die indirecten steuern im römischen reiche. 
O. Hirschfeld. — Sp. 1761: /. N. Madriff, die Verfassung und Ver- 
waltung des römischer Staates. 2 bde. Leipzig, Teuhner 1881 und 
1882. Bd. I, XIV, 596 p. 8. Bd. II, X. 805 p. 28 mk. Der Stand- 
punkt des Verfassers ist der von 1832 und das buch ein protest gegen 
die neuere besonders Mommsen'sche forschung Otto Seeck. 

Nr. 50. Sp. 1777: H. Cremer, bihlisch-theologisches Wörterbuch 
der neutestamentl. graecität. 3. sehr verm. u. verb. aufl. Lfg. 2-4. 
Gotha, Perthes 1881-1882. p. 129—512. Die m ehrzahl der worte 
gehört nicht in ein biblisch-theologisches Wörterbuch, auch die entwi- 
ckelung der bedeutungen ist vernachlässigt. Bei alledem gelehrt, 
fleißig und eine reihe ganz vortrefflicher artikel enthaltend C. Hül- 
sten. — Sp. 1778: Adoif Harnack, die Überlieferung der eriechischen 
apologeten des 2. j«brh. in der alten kirche und im mittelalter. (Texte 
und Untersuchungen zur geschichte der altchristl. litteratur von Oscar 
v. Gebhardt und Adolf Harnack. Bd I, heft 1. 2). Leipzig, Hin- 
richs. Eine für die geschichte der Überlieferung der apologeten und 
die litteraturgeschichte dieser periode ganz hervorragende leistung. 
H. Hiiltzmann. — Sp. 1781 : Wilh. Schrader, erziehungs- und unter- 
richtslehre für gymnasien und realschulen. 4. sorgf. ergänzte und be- 
richtigte aufläge. Berlin, Hempel 1882. 8. XIV, 590 p. 10mk.50pf. 
Anerkennende wenn auch von anderen ansichten ausgehende anzeige 
von Sallwürk. — Sp. 1783: Ring, Michael, altlateinische studien. Preß- 
burg, Steiner 1882 8. 142 p. 4 mk. Gemengsel mythologischer 
phantasien und erstaunlicher etymologien. R. Thurneysen. — Sp. 
1791: Victor Hehn, eulturpflanzen und hausthiere in ihrem übergange 
aus Asien nach Griechenland und Italien sowie in das übrige Europa. 
4. aufl. Berlin, Bornträger 1883. 8. IV, 522 p. 10 mk. Lobende 
anzeige. — Sp. 1792: Franz Bernhüft, staat und recht der römischen 
königszeit im verhältniß zu verwandten rechten. Stuttgart, Enke 
1882. 8. IV, 252 p. 8 mk. Enthält manches neue und anregende 
besonders durch seine stete bezugnahme auf andere rechte und kann 



164 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

gut als einleitung zur rechtsgeschichte dienen, eine streng wissen- 
schaftliche originale leistung ist es nicht. W. Soltau. 

No. 51. Sp. 1820: Petronii satirae et liber Priapeorum tertium 
edidit Franc. Buecheler. Adiectae sunt Varronis et feenecae satirae 
similesque reliquiae. Berlin, Weidmann 1882. 8. 252 p. 3 mk. 
Lobende anzeige von K. Schenk/,. — Sp. 1826: W. Tomaschek, zur 
künde der Haemushalbinsel. Wien 1882. 8. 73 p. 1 mk. 10 pf. 
Anerkennende anzeige von H. Kiepert, der gegen einzelne punkte be- 
denken ausspricht. — Sp. 1828: J. Overbeck, geschichte der griechi- 
schen plastik. 3. umgearb. und vermehrte aufl. II. bd. Leipzig, 
Hinrichs 1882. 8. VI, 563 p. 16 mk. Die Veränderungen rühren 
wesentlich von den neuen funden her. Diese passen nicht recht in 
das fachwerk des Overbeckschen werks. Eine gegenüber moderner 
kunstgeschichte vollständig veränderte art der darstellung muß bei 
dem stände des antiken materials nothwendig werden. R. Kekule. — 
Sp. 1832: August Heller, geschichte der pbysik von Aristoteles bis 
auf die neueste zeit. 2 bde. I. Von Aristoteles bis Galilei. Stutt- 
gart, Enke 1882. 8. XII, 411 p. 9 mk. Nur ziemlich unvollstän- 
dige vorarbeiten zn einer geschichte der physik. E. Gerland. 

No. 52. Sp. 1851: beitrage zur historischen syntax der griechi- 
schen spräche hrsg. v. M. Schanz. Würzburg, Stuber 1882. 8. Heft 1. 
Frz. Krebs, die präpositionen bei Polybius. 147 p. 2 mk. 40 pf. 
2. heft: Steph. Keck, über den dual bei den griechischen rednern mit 
berücksichtigungr der attischen inschriften. 64 p. 1 mk. 80 pf. Lo- 
bende anzeige von W. Dittenberger. — Sp. 1852 : T. Macci Plauti 
comoediae. Rec. et enarr. Jo. Ludw. Vssing. Vol. IV, pars prior. 
Militem gloriosum et Mercatorem continens. Kopenhagen, Gyldendal 
1882. 8. 356 p. Sowohl textkritik wie erklärung tadelnde anzeige 
P. Langen' s. — Sp. 1863: Albert Dumont et Jules Chaplain, Les Ce- 
ramiques de la Grece propre. Vases peints et terres cuites. Premiere 
partie: Vases peints. Paris, Didot 1882. 80 p. a 10 taf. groß-folio, 
20 fr. Das vorhandene material ist nicht vollständig ausgenutzt, ja 
stellenweis starke lücken. G. Kürte. 

Litterarisches centralb/alt für Deutschland. Herausgeber und 
verantwortlicher redacteur prof. dr. Fr. Zarnche. 1882. No. 28, 
sp. 934: Meister, Rieh., die griechischen dialecte auf grundlage 
von Ahrens' werk de Graecae linguae dialectis dargestellt. 1. bd.: 
Asiatisch-äolisch, böotisch-thessalisch. Göttingen 1882. Vandenhoeck 
und Ruprecht. VIII, 310 p. 6 mk. Lobende anzeige von G. M(eye)r. 
— Sp. 935: Aly, Friedrich, die quellen des Plinius im 8. buche der 
naturgeschichte. Marburg 1882, Elwert. 67 p 8. 1 mk. 85 pf. 
Ref. tadelt die art der beweisführung und giebt nicht zu , daß 
die quellenfrage so einfach liege wie Aly will, er lobt die fleißige ge- 
genüberstellung der worte des Plinius mit denen der quellen. — Sp. 
940: Lanqbehn , Jul., flügelgestalten der ältesten griechischen kunst. 
München 1881, Th. Ackermann. V, 143 p. 8. 2 mk. 40 pf. Bu(r- 
sian) findet des hypothetischen viel in der arbeit, wenngleich inter- 
essante fragen angeregt sind. — Sp. 941: Hultsch, Friedr. , Heraion 
und Artemision. Zwei tempelbauten Ioniens. Ein Vortrag. Berlin 
1881 , Weidmann. 52 p gr. 8. 1 mk 50 pf. Auf metrologischen 
theorien erwachsene darstellung der tempelbauten , gegen die Dörp- 
feld aber technischen einsprach erhoben hat. Bu{rsian). — Sp. 941 : 
Blümner, H. , Laokoonstudien. I. heft: über den gebrauch der alle- 
gorie in den bildenden künsten. Freiburg i. Br. 1881 , Mohr. VI, 
91 p. 8. 2 mk. Angabe des gedankengangs nebst widersprach ge- 
gen einzelne behauptungen. A. Milchhöfer. 

No. 29. Sp. 953: Lucius, P. E., der essenismus in seinem ver- 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 165 

hältniß zum judenthum. Straßburg 1881, Schmidt. 131p. 8. 3 mk. 
Lobende inhaltsangabe von V- {Lipsius.) — Sp. 956: Zeller, Ed., die 
Philosophie der Griechen. Register zu dem ganzen werke. Leipzig 
1882, Fues's verlag. 2 mk. 92 p. 8. Unentbehrlich iür die benu- 
tzung des buchs. — Sp. 970 : Pseudolysiae oratio funebris ed. Martin 
Erdmann. Leipzig 1881, Teubner. (30 p. lex. -8). 80 pf. Genaue 
bearbeitung des handschriftlichen materials. Eigne textesänderungen 
fast gar nicht. B(/aß.) — Sp. 971: P. Ovidü Nusonis libellus de 
medicamine faciei. Edidit Ant. Kunz. Praemissa est de codicibus 
Ovidianis disputatio. Wien 1881, Gerold's söhn. VI, 92 p. 8. 2 mk. 
80 pf. (Diss. Vindobon.). Der Verfasser giebt eine sorgfältige text- 
recension, wo freilich der titel der schrift anzufechten sein dürfte 
und tritt für die echtheit der schrift ein. A. R(iese). 

No. 30. Sp. 998: Boeder, W., über C. G. Cobets emendationen 
der attischen redner insbesondere des Isaios. Berlin 1882, Weber. 
88 p. 8 (Progr. v. Gnesen). Verf. bestreitet mit recht die über 
das maaß des erlaubten hinausgehenden textcorrecturen Cobets, ist 
aber selbst von wissenschaftlicher kritik weit entfernt. B(laß.) — 
Sp. 999: Lenchtenberger, G. , die positive Inhaltsübersicht der drei 
olynthischen reden des Demosthenes. Berlin 1882, Gaertner. 17 p. 
8. 40 pf. Eine recht daukenswerthe darstellung des logischen auf- 
baus dieser 3 reden für gynmasialzwecke. B(laß). — Sp. 999: P. 
Ovidii Nasonis Ibis. Ex novis codicibus edidit scholia vetera com- 
mentarium cum prolegomenis appendice indice addidit B. Ellis. Ox- 
ford 1881, Clarendon Preß. (LX1II, 204 p. 8.) Die arbeit voll von 
entlegener gelehrsamkeit , ausgäbe und commentar bezeichnen einen 
erheblichen fortschritt. A. Bliese ) — Sp. 1001 : Thode, Henry, die 
antiken in den stichen Marc- Antons Agostino Veneziano's und Marco 
Dante's. Leipzig 1881, Seemann. VI, 47 p. 6 tafeln. 4. 4 mk. 
Eine treffliche frucht sorgsamer auf dem grenzgebiete von classischer 
archäolo^ie und moderner kunstgeschichte gemachten studien über 
den einfluß der antike auf die renaissancekunst. H. J{anitschek.) — 
Sp. 1002: Brambach, W., das tonsystem und die tonarten des christ- 
lichen abendlandes im mittelalter , ihre beziehungen zur griechisch- 
römischen musik und ihre entwicklung bis auf die schule Guido's 
von Arezzo. Mit einer Wiederherstellung der musiktheorie Beruo's 
von der Reichenau nach einer Karlsruher handschrift. Leipzig 1881, 
Teubner. (53 p. 8.) 1 mk. 60 pf. Lobende anzeige von H. R{ie)- 
tn(a)nn. 

No. 31. Sp. 1020: Jung, Jul. , die romanischen landschaften des 
römischen reichs. Studien über die inneren entwickelungen in der 
kaiserzeit. Innsbruck 1881, Wagner. XXXII, 574 p. 12 mk. F. R. 
verurtheilt darstellung und inhalt des buches, jene sei salopp und un- 
disponirt, letzterer zeige keine wirkliche historische auffassung; es 
sei nur eine große materialsammlung, besonders gut für die zeit des 
vorherrschenden christentlmms. — Sp. 1031: iustiniani imp. novellae 
quae vocantur sive constitutiones quae extra codicem supersunt , or- 
dine chronologico digestae. Graecis ad fidem codicis Veneti castiga- 
tis ed. C. F. Zachariue a Lingenthal. 2 theile. Leipzig 1881, Teub- 
ner. XV, 564, 436 p. 8. 10 mk. 50 pf. Lobende anzeige. - Sp. 
1034: Heiberg, J. L., literargeschichtliche studien über Euklid. Leipzig 
1882, Teubner. Lobende anzeige von -z r. — Sp. 1036: Wachs- 
muth , Curt , studien zu den griechischen florilegien. Berlin 1882, 
Weidmann. DI, 218 p. 4. 12 mk. Lobende inhaltsanzeige von 
Bursian. 

No. 32. Sp. 1068: Heller. Aug., geschichte der physik von Ari- 
stoteles bis auf die neueste zeit. 2 bde. Bd. 1. Von Aristoteles bis 



166 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

Galilei. Stuttgart 1882, Enke. XII, 411 p. 8. 9 mk. Gute partien 
(besonders Plato , Aristoteles , Roger Baco , Keppler) daneben andere 
ganz kenntnißlos und nachlässig bearbeitet, besonders aber vernach- 
lässigt der verf. die Chronologie in ungeheuerlicher weise. — z — r 
(Moriz Cantor). — Sp. 1076: Frige'l, Andreas, epilegomena ad T. 
Livii librum vicesimuin primum. Upsala 1881. 8. 56 p. Akadem. 
buchhandl. (Upsala Umversitets ärsskrift 1881). Besonnenheit des 
urtheils und Vertrautheit mit Livianischem Sprachgebrauch documen- 
tiren sich, das buch ist eine fundgrabe grammatischer und lexikali- 
scher beobacbtungen. A. E(vßner). — Sp. 1078: Brendicke , Hans, 
genealogieen sämmtlicher griechischer götter und heroen in 18 Über- 
sichtstafeln mit erklärnngen zum handgebrauche etc. Cöthen 1881, 
Schettler. V, und anhing 6 p. 4 tat. fol. 2 mk. 40 pf. Wüste 
compilation. Bu(rsian). 

No. 33. Sp. 199: Klimke, Diodorus Siculus und die römische an- 
nalistik. Königshütte 1881 , Lowack. 40 p. 2 mk Bittere aber 
sachlich nicht zu vernachlässigende polemik gegen Mommsen's for- 
schungen II. Die positiven annahmen Klimkes sind nicht haltbar. 
F- R. — Sp. 1100: Urlichs, L. von, die Schlacht am berge Graupius. 
Würzburg 18*2, Stahel. 27 p. 8. Urlichs ergänzt und berichtigt in 
weitem umfange Hübner's aufstellungen über das römische heer in 
Brittannien. — Sp. 1110: Pappageorg. Peter N., kritische und palaeo- 
graphische beitrage zu den alten Sophoklesscholien. Leipzig 1881. 
8. Teubner 86 p. 2 mk. Verf. bestimmt den werth der nand- 
schriften für eine neue ausgäbe. Im zweiten theil giebt er viele wohl- 
begründete emendationen. Ref. •/. K(vicala) fügt einige hinzu. 

Hermes, bd. XVII, 3: U. v. Wilamowitz-Möllendorff, excurse zu 
Euripides Herakliden, p. 337. O. Roßbach, de Senecae dialogis, p. 
365. — H. Die/s, stichometrisches, p. 377. — H Buermann, zur text- 
kritik des Isaios, p. 385. — A, Breysiy, die Germanicushandschriften und 
ihre eintheilung, p. 401. — G.Kuihel, sententiarum liber secundus, p. 408. 

— O Richter, die Fabier am Cremera, p. 425. — J. Vahlen, Varia, p.441. — 
J H.Mordtmann, epiyraph. mittheilungen IV, p. 448. — Th. Mommsen, zu 
Fr. Lenormants lexicon geographicum, p 458. — H Röhl , in Fran- 
ciscum Lenormant inscriptionum falsarium , p. 460. — A. Kirchhoff, 
zusatz, p. 466. — Th. Mommsen und C. Robert, könig Philipp V und 
die Larisäer, p. 467. — Kühlewein, mittheilungen aus einer alten la- 
teinischen Übersetzung der aphorismen des Hippokrates, p. 484. — C. 
de Boor, der historiker Trajanus , p. 489. — Miscellen: F. Leo, 
Atilia Pomptilla, p. 493. — Th. Mommsen, schauspielerinschrift von 
Philippi, p. 495. 

Heft 4: Th. Koch, Horaz carm. I, 12, p. 497. — O. Roßbach, Ob- 
servationes in Iliadem latinam, p. 515. — Th. Mommsen, die Inschrift 
von Hissarlik und die römische sammtherrschaft in ihrem titularen 
ausdruck, p. 523. — E. Thomas, aristotelische Untersuchungen. I: 
beitrage zur textkritik, p. 545. — E. Fabricius, die skeuothek des 
Philon, das zeughaus der attischen marine in Zea (hierzu eine tafel), 
p. 551. — J. Vahlen, Varia, p. 595. - A. Kirchhoff, eine attische 
todtenliste (hierzu eine tafel), p. 623. — Th. Mommsen, das Augu- 
stiscbe festverzeichniß von Cumae, p. 631. — Miscellen: A. Schöne, 
verschiedenes, p. 644. — L. Colin, fxiviov, p. 645. — U.v Wilamowilz- 
Möllendorff, KvxXoßoyog, p. 647. — Th. Mommsen, nachtrag zu p. 537, 
anm. 1, p. 649. — Register p. 650. — Inhalt. III. — Verzeichniß der 
mitarbeitet- (bd. I - XVII). V. 

Neue Jahrbücher für jihilooqie und pädagogik von A. Fleckeisen, 
bd. 125, hft. 7: 66. Sophokles Elektra, von'«/. Renner, p. 433-442. 

— 67. Zu Solon (fr. 9 Bgk.) von F. Heidenhain, p. 442-446. - 68. Zu 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 167 

Theognis, von Ch. Ziegler, p. 446 — 448. — 69. Dionysios Periegetes, 
von G. F. Unger, p. 449— 464. - 70. Zu Apollodoros ßißfood-qxtj, von 
W. Gemoll, p. 464—466. - (44). Zu Athenaios (VII, 337 a ), von H. 
Rühl. p. 466. — 71. Anz. v. Ph. Thielmann, das verbum dare im latei- 
nischen als repräsentant der indoeuropäischen wurzel dha Leipzig 1882, 
von G. Landgraf, p. 467—471. — 72. Oonjectanea Lucretiana, von 
J. Woltjer, p". 471-472. — 73. Zu Ciceros rede pro Milone (29, 79) 
von A. Uppenkamp , p. 472. — 74. In Plauti Truculentum, von E. 
Baehrcns, p. 473 — 480. — 75. Bentleys ernendationen zu Senecas tra- 
gödien, von A. Stachelscheid, p. 481 — 493. — 76. Die verba stringere, 
juventare, lactizare, von H. Rünsch, p. 493—494 — 77. Zu Arnobius, 
von H. Wetisky , p. 495—496. — 78. Zum pauegyricus des Pacatus 
(cap. 44), von E. Klußmann, p. 496. 

Heft 8 u. 9: 79. Anz v. B. Niese.- die entwickelung der Homeri- 
schen poesie (Berlin 1882), von E. Kammer, p. 497 — 503. — 80. Ei- 
nige bemerkungen über die spräche der griechischen elegiker, von J. 
Sitzler, p. 504—518. — 81. Die aigis hei Homeros , von P. Stengel, 
p. 518—520. — 82. Anz. v. TL Rühl : iuscriptiones graecae antiquis- 
simae (Berlin 1882), von R. Meister, p. 521-525. — 83. Zu der neuen 
inschrift von Lama, von F. B'nß , p. 525 — 527. — 84. Zu Appianos, 
von B Hirschwälder, p. 527—528. — 85. Zu Aischylos. von ./. Ober- 
diecli . p. 529 — 533. - 86. Sprachliche kriterien für die chroDologie 
der Platonischen dialoge, von A. Frederking, p. 534 -541. — 87. Die 
tragische furcht bei Aristoteles, von R. Philippson, p. 541 — 544. — 
88. Zu Piatons Politikos, von Ä'. ./. Liehhold, p 545—550. — (39.) 
Die Tühinger Nonuos-handschrift, von E. Patzig, p. 550 - 552. — 89. 
Etruskische Studien, von J '. G. Cuno, p. 553 — 592. 90. Zu Iulius 

Firmicus Maternns, von B. Dombart, p 592. — 91. Anz. v. K. Rei- 
sigs Vorlesungen über lateinische Sprachwissenschaft neu bearbeitet 
von LT. LLaqen. Erster band (Berlin 1881), von K. E. Georges, p. 
593—599. — 92. Zu Julius Florus, von W. Gemoll, p. 599 600. — 
93 Cicero und die Attiker, von O. Harnecker, p. 6ül 611. - 94. 

Zu Cicero de inventione (I, 3, 4), von A. Eußner , p. 611-612. 

(25). Zu Catullus (64. 94), von P. Pabst, p 612. — 95. Zu Cicero de 
natura deorum, (I, § 49 f.), von P. Schwenke, p. 613 — 633. — 96. Zu 
Tacitus, von C. Meiser und A. A. Draeger, p. 634. - 97. Anz. von 
J. Grimm: der römische brückenkopf in Kastei bei Mainz und die 
dortige Römerbrücke (Mainz 1882), von F. Otto, p. 635-640). - 98. 
Zu Seneca (de benef. II 12, 2), von O. Weise, p. 640. — 

Heft 10: 99. Homerische Studien, von A. Kiene, p. 641 — 648. 

100. Zum fünften buche der Odyssee, von C. Gneiße, p. 649 — 658. — 

101. Eine seltene anwendung von puugere, von TT. Rönsch, p. 658. 

102. Zu Theokritos eidyllion XXVII, von Chr. F. Sehrwald, p. 659— 
660. - 103. Der vertrag der Athener mit den Haliern, von H. Mül- 
ler- Sir üb in g , p. 661 670. — 104. Zu Aristophanes wölken, (v. 528), 
von A. Drescher, p. 670 — 672. — 105. Käseopfer, von P. Stengel, p. 
672. — 106. Die metapber im lateinischen von Plautus bis Terentius, 
von P. Longen, p. 673 -692. — 107. Die einleitung des dritten buches 
von Vergilius Georcrica, von W H. Kolster, p. 691 — 719. — (96.) Zu 
Tacitus (bist. I, 50), von E. Grünauer, p. 720. — 

Heft 1 1 : 108. Drei Schriften von Leopold Wojewodsky, von K. 
Ltigehil. p. 721 733. Der kanuibalismus in den griechischen mythen 
(St. Petersburg 1874), p. 721-725. — Studien zur kritik und mytho- 
logie der Odyssee (Ode-sa 1880), p. 725 — 726. — Einleitung in die 
mythologie der Odyssee. Erster theil (Odessa 1881), p. 726—733. — 
109. Die opfer der fluß- und quellgottheiten in Griechenland, von P. 
Stengel, p. 733—736. — 110. Zenon von Kition, zu Laertios Diogenes 



168 Literatur. Nr. 2. 

VII, 1 — 12, 24—29, von F. Susemihl, p. 737—746. — 111. Zu Piatons 
apologie des Sokrates, von E. Goebel , p. 747 — 750. — (42). Zu Dio- 
nysios von Halikarnasos, von L. Sadee, p. 750 — 752. — (43). Zu Ho- 
ratius (carm. II, 11, 3), von Th. Piiiß in Basel, p. 752. — (106). Die 
metapher im lateinischen von Plautus bis Terentius, von P. Langen. 
Schluß, p. 753-779. — 112. Ad Plauti Militem gloriosutn (v. 488), 
von Th. Hasper, p. 780 — 784. — 113. Das antike buchformat der rö- 
mischen elegiker, von E. Baehrens , p. 785 790. — 114. Zu Q. Cur- 
tius Rufus, von J. Jeep, p. 791 794 — 115. Anz. von W. Pökel: 
philologisches jschriftstellerlexicon (Leipzig 1882), von R. Klußmann, 
p. 795—799. — 116. Zu Sallustius (Cat. 59, 2), von E. Grünauer, 
p. 800. — 117. Zu Teuffels römischer litteraturgeschichte , von L. 
Schwabe, p. 800. 



Literatur 1882. 
(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Christ, W., die Attikusausgabe des Demosthenes. Ein beitrag zur 
textesgeschichte des autors. (Mit 1 tafel). München 1882. 4. (Ab- 
handlungen der königl. bayer. akademie der wissensch. I. cl. XVI. bd. 
3. abth.). 

Breska, A. von, Untersuchungen über die quellen des Polvbius im 
3. buche. Berlin, Mayer u. Müller 1880. 8. 98 p. 

Edon , Georges, Etudes paleographiques. Bestitution et nouvelle 
interpretation du chant dit des freres arvales. Extraits de l'ouvrage 
intitule ecriture et prononciation du latin savant et du latin popu- 
laire. Paris, Belin 1882. 8. 40 p. 

Festgruß, dem rector des gymnasiums zu Nürnberg, oberstudien- 
rath dr. Heinr. Heerwagen zur 25. feier seines amtsantritts in dank- 
barer Verehrung dargebracht von den lehrern der Studienanstalten 
Nürnberg und Fürth. Erlangen, Deichert 1882. 8. 101 p. 

Ciceronis , M. Tullii, pro L. Cornelio Sulla oratio ad iudices for 
schools and Colleges by James S. Reid. Edited Cambridge 1882. 8. 

Wessely, Carolus , Prolegoinena ad papyrorum Graeeorurn no- 
vam collectionem edendam. Insunt disquisitiones paläographicae an- 
tiquariae diplomaticae metrologicae chronologicae interpretationesque 
nonnullorum papyrorum. Vindobonae, C. Gerold 1883. 8. 80 p. 
1 tafel. 

Bergk, Th. , die Verfassung von Mainz in römischer zeit. Sepa- 
ratabdr. aus Westdeutsche Zeitschrift für geschichte und knnst. 1882. 

Lichtenheld, Adolf, das studium der sprachen, besonders der clas- 
sischen und die intellectuelle bildung. Wien, Holder 1882. 8. 259 p. 

Willems, P., le senat de la republique romaine. Tome II les at- 
tributions du senat. Louvain, Peeters 1883. 8. 784 p. 

Brandt, Samuel, Eumenius von Augustodunum und die ihm zu- 
geschriebenen reden. Ein beitrag zur geschichte der römischen litte- 
ratuv in Gallien. Der 36. Versammlung deutscher philologen und 
schulmänner in Karlsruhe gewidmet. Freiburg in Tübingen, J. C. B. 
Mohr 1882. 8. 45 p. 

Abhandlungen des archäologisch-epigraphischen seminars der Uni- 
versität Wien, hrsg. v. O. BenndorJ und O. Hirschfeld. IL De ro- 
manarum tribuum origine ac propagatione diss. Wilh. Kubitschek. 
Wien, C. Gerold 1882. 8. 214 p. 

Anton, H. S., etymologische erklärung homerischer Wörter. Theill. 
Erfurt, Villaret 1882. 8. 139 p. 



Nr. 3. 4. * März. April 1883. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



36. Dr Adolf Fanta, der staat in der Ilias und Odyssee. 
Ein beitrag zur beurtheilung der homerischen Verfassung. Inns- 
bruck. Verl. der Waguer'schen univ.-buchh. 1882. 8. 97 p. 

Während gewöhnlich die Verfassungsverhältnisse , wie sie 
uns aus der Ilias und Odyssee entgegentreten , als ein zeugnis 
des ältesten Verfassungslebens bei den Griechen überhaupt auf- 
gefaßt werden, so daß der homerische Staat als ein bild des hel- 
lenischen Staates in der sogenannten heroischen vorzeit betrachtet 
wird, hat der Verfasser vorliegender schrift in der Voraussetzung, 
daß die dichter der beiden epen die politischen Verhältnisse ihres 
ortes und ihrer zeit auf den heroischen Staat übertragen haben, 
es unternommen , uns aus Homer den ältesten staat der 
Ioner in Asien mit berücksichtigung der s p äter en entwick- 
lung desselben, soweit sie in der Ilias und Odyssee vorliegt, zu 
rekonstruiren. Fanta, ein unbedingter anhänger der Lachmann- 
Kirchhoff'schen liedertheorie (vgl. p. 3), glaubt darnach in den 
ältesten theilen der beiden dichtungen Verfassungsverhält- 
nisse des 10. und 9. Jahrhunderts, in den jüngeren des 8. 
und 7 Jahrhunderts im asiatischen Ionien erkennen zu dürfen. 
So wenig ich selbstverständlich leugne, daß der epische dichter, 
unbekümmert um anachronismen , den kulturzustand seiner tage 
in die ferne vorzeit tiberträgt und sich auch in der darstellung 
politischer Verhältnisse den anschauungen seiner gegenwart nicht 
gänzlich entziehen kann, so sieht er sich doch gerade auf diesem 
gebiet wesentlich beschränkt durch die feste gestaltung der von 
ihm darzustellenden sage ; an den in dieser vorausgesetzten mo- 
narchischen formen kann auch der dichter einer bereits republi- 
Philol. Anz. XIII. 12 



170 36. Homeros. Nr. 3. 

kanischen zeit nicht rütteln. Darum wird auch der homerische 
Staat, der selbst „in den jüngsten theilen" auf dem princip der 
wenn auch beschränkten monarchie beruht, kaum mit den ioni- 
schen Staatsbildungen auch nur an der wende des 9. und 8. 
Jahrhunderts, geschweige denn des 7. Jahrhunderts, verglichen 
werden dürfen; denn daß in den dem mutterlande vorausschrei- 
tenden kolonien um diese zeit mindestens die aristokratische 
staatsform in völliger entwicklung bestand , möchte selbst aus 
der dürftigen Überlieferung hervorgehen. "Würden wir also in 
Ilias und Odyssee durchaus die politischen Verhältnisse zur zeit 
der dichter erkennen wollen, so wären wir zu dem Schlüsse ge- 
nöthigt, daß beide dichtungen in allen ihren theilen mindestens 
dem 9. Jahrhundert angehören, einem Schlüsse, den Verfasser um 
so weniger geneigt wäre zu seiner ansieht zu machen, da ihm 
offenbar weniger daran liegt , uns ernstlich den ionischen staat 
in seiner entwicklung vom 10. — 7. Jahrhundert zu schildern, als 
vielmehr die homerische liedertheorie durch seine antiquarischen 
Untersuchungen zu stützen. Mir allerdings scheint der von ihm 
versuchte nachweis , daß in verschiedenen theilen der Ilias und 
der Odyssee verschiedene Verfassungsverhältnisse vorliegen , am 
wenigsten gelungen, ja nicht einmal für Ilias und Odyssee hat 
er meines erachtens einen wesentlichen unterschied nach 
dieser seite des kulturlebens zu ermitteln vermocht. Obwohl 
ich mich nicht der hoffnung hingebe, den Verfasser von dem ge- 
gentheil zu überzeugen, da er mancher meiner folgerungen mit 
der waffe der höheren kritik begegnen dürfte, glaube ich ihm 
doch den nachweis schuldig zu sein, warum er mich nicht über- 
zeugt hat. 

Beginnen wir mit der zweifellos wichtigsten frage nach der 
bedeutung der homerischen ßaatlijsg. Verf. kommt in derselben 
zu dem resultat, daß in den „älteren theilen" der Ilias nur ein 
an der spitze des Demos stehender mann den titel puaiXevg 
führt, während in den , jüngeren liedern" wie in der ganzen 
Odyssee neben dem ßaaiXevg ein höherer adel der ßaatXijeg auf- 
tritt, ein beweis von anfangen aristokratischer staatsform. Zu- 
nächst bestreite ich , daß in bezug hierauf die „älteren" und 
„jüngeren" lieder der Ilias zu trennen sind. Wenn in dem 
„jüngeren liede" 7 69,160 Agamemnon ßaGtXevzaTos beziehungs- 
weise ßaailev7£Qog (als Achilleus) genannt wird , so deckt sich 



Nr. 3. 36. Homeros. 171 

diese bezeichnung vollständig mit der anschauung des 1. gesangs, 
in welchem Agamemnon dem Achilleus als der mächtigere (all 
o8e (ptQreQog ianv, insl nleörtaatv avüßoti v. 281) dem persön- 
lich tüchtigeren, als der fürst dem helden gegenübersteht. V. 392 
hätte Fanta nicht ohne die bemerkung citiren sollen, daß hier 
unter dem ßaatlsvisong nicht Agamemnon, sondern einer von 
Achilleus kollegen zu verstehen ist ; dann hätte sich seine be- 
weisführung von selbst erledigt. Ebensowenig ist es ihm gelun- 
gen, dem alten Phoinix zudem titel ßuadtvg zu verhelfen; denn 
wenn dieser T 311 zusammen mit mehreren ßaatlJjsg an letzter 
stelle genannt wird, so ist er doch schon äußerlich durch den Zu- 
satz j'f'pooj i7777rjlf(Ta von den übrigen getrennt-, wie sollte ihn 
denn der dichter noch schärfer trennen , da er ihn bei seinem 
Verhältnis zu Achilleus nun einmal in diese gesellschaft bringen 
wollte! Wenn aber Phoinix / 607 yegate dimgecfsg angeredet 
wird, so ist auch hier der vielleicht officielle titel der ßocoi- 
\tjsi; durch ysyaii modificiert. Endlich T 84 sind unter den 
T(jcömv ßuaiXljfii die selbständigen beherrsche!* troischer Städte 
zu verstehen, zu denen auch Aineias, der fürst von Dardania, 
zählt, der gewiß mit demselben recht den titel ßuatlsvg verdient, 
wie der königssohn Paris in dem „älteren liede" d 96. Ehe 
wir auf das Verhältnis dieser fürsten zu Priamos wie auf die 
Stellung der achäischen ßaailT^g zu Agamemnon eingehen, wen- 
den wir uns zur Odyssee und finden in „dem älteren Nostos" 
den Phaiakenstaat als den einzig überlieferten typus eines ho- 
merischen Staates in geordneten Verhältnissen. Hier treffen wir 
nun allerdings 12 ßaadr^g neben Alkinoos (£ 54, # 390), so 
daß der scholiast zu & 390 recht zu haben scheint, wenn er 
diese Verfassung als eine aristokratische bezeichnet. Und doch 
wird Alkinoos, dessen vater Nausithoos die Phaiaken nach Scheria 
geführt , mit land versorgt und beherrscht hat, ausdrücklich als 
der alleinige herrscher bezeichnet (£ 12) und zählen die ßuai- 
Xtjsg in erster linie unter die ihm untergeordneten tjyrjTogtg tjd?. 
fitdoir*!,-. Fragen wir, wie überhaupt der titel ßaaO.evi; außer 
dem könig seinen Geronten zukommen konnte. War er , wie 
Fanta anzunehmen scheint, von ihnen angemaßt, nachdem das 
königthum zu einem schatten geworden war? Ich bin der mei- 
nung, daß hier ein föderativsystem zu gründe liegt : wie Theseus 
dadurch, daß er an die spitze der attischen ßaailtlg (Plut. Thes. 

12* 



172 36. Homeros. Nr. 3. 

cap. 32) trat , den Staat begründet hat , so denke ich mir auch 
den Alkinoos an der spitze seiner ßaailr/sg, deren zahl 12 sicher- 
lich als unveränderlich gilt. (Nun wird auch klar, warum jeder 
von ihnen ein erbliches yigag besitzen kann tj 150). Wenn aber 
der oben citierte scholiast die Verfassung von Scheria der des 
griechischen lagers gleichstellt, so hat er, abgesehen von dem 
ausdruck aQiaToxQmia , vollkommen recht ; denn allerdings ist 
das lager von Ilios als ein ähnlicher föderativstaat zu betrachten, 
wie der Staat der Phaiaken. Die pabiXiieg, die zu gunsten Aga- 
memnons gewissermaßen auf ihre Souveränität verzichtet haben, 
führen, wie stets unter gleichen Verhältnissen, zwar ihren titel 
fort, um so mehr, da dieser vornehmlich ihre Stellung zum heer 
bezeichnet, und heißen auch noch Gxqvrovxoi B 86 (allerdings 
ein sogenannter jüngerer zusatz), wie 9 41 die ßaaiXt t eg von 
Scheria; aber andererseits werden sie, wie diese, zu ffQOVTeg B 
404 und ßovXtjqoQoi A 144 degradiert und mit dem übrigen 
adel fast auf gleiche linie gestellt (5 188, / 334). Einer nur 
ist könig [B 201); ihm hat Zeus GxijnzQov und 7i\ii\ verliehen 
(7 38. 98); dieser, Agamemnon, führt faktisch vor Ilios allein das 
axtjnTQOv nazgcotov aqtditov asi , welches Odysseus ergreift, um 
in des königs namen die aufgeregte masse zurückzuhalten (Z? 186). 
Wenn B 445 die obersten der Achaier als ol ä/uqp' ^TQsCoavß 
dtozQtyhg ßaaiXijsg bezeichnet werden, so ist dies der treffendste 
ausdruck für das besprochene Verhältnis : die ßaaiXqeg umgeben 
den Atriden, wie die zwölf den Alkinoos , wie die paladine den 
großen Karl. Daß sich dieses Verhältnis nach dem kriege wie- 
der lösen wird und auch während desselben — natürlich nur 
mit eidbruch — gelöst werden kann, kommt dabei nicht in be- 
tracht. Daß aber der dichter diesen dem Agamemnon zur zeit 
untergeordneten ßaatltjeg nicht noch andere ßaaiXijt-g, gleichsam 
dritten grades , unterordnet , kann nur der Verfasser zum aus- 
gangspunkt weiterer Schlüsse machen (p. 21). Indem wir das 
ähnliche Verhältnis, in welchem die troischen ßnatljjsg zu Priamos 
stehen , übergehen , wenden wir uns nach Ithaka. Hier scheint 
allerdings das monarchische prinzip stark gelitten zu haben und 
ein republikanischer geist zu spüren. 

ccÄX' r/zoi ßaöihjjeg A^mäv siat x«/ nlloi 
aoXXoi iv otfHfidlcp Idünrj^ t>s<>i tj8s nalatoi 
läßt der dichter Telemachos etwas tibertrieben sagen (a 394). 



Nr. 3. 36. Homeros. 173 

Aber selbst Antinoos muß zugestehen, daß des Telemachos ge- 
schleckt zur herrschaft über Ithaka am meisten berechtigt ist 
(« 387 vgl. o 533), und nicht ob einer oder mehrere, sondern 
wer herrschen wird, ist die streitige frage (u 401); auch dabei 
gilt es als selbstverständlich , daß nur einer aus der mitte der 
ßaaiXijsg durch die band der Penelope auf den erledigten herr- 
scherplatz gelangen kann. Wenn nun in der Odyssee selbst 
revolutionäre zustände geschildert werden, so braucht man ge- 
wiß nicht darin politische reflexionen des dichters zu suchen ; 
es genügt die erklärung, daß auch ein dichter des 10. Jahrhun- 
derts , wenn er die noth eines seines rechtmäßigen herrschers 
zwanzig jähre lang beraubten reiches schildern wollte, eben solche 
zustände schaffen mußte. Und ich bin überzeugt, daß derglei- 
chen schon in den monarchien des 11. oder 10. Jahrhunderts 
vorgekommen ist. Haben wir denn nicht auch eine ötäam im 
lager von Ilios? Wo Achilleus sich auflehnt gegen den träger 
des von Zeus verliehenen scepters, wo Odysseus seine warnende 
stimme ertönen läßt: ovx uyaftö* noXvxoiyavir} ' et$ xnigavog gdtto, 
wo selbst das volk einen Vertreter seiner Opposition findet ! 

Ferner behauptet der verf. , daß in der Ilias unbedingte 
erblichkeit auf grund der anschauung, daß Zeus dem geschlechte 
die rifir t verliehen habe, vorausgesetzt werde, während in der 
Odyssee die erblichkeit zurücktrete. Dennoch kennt er selbst 
aus der Ilias eine reihe von fällen, in denen sogar fremde durch 
die hand einer königstochter zur königlichen würde gelangen 
(p. 51) oder vom könig zum mitregenten angenommen werden 
(p. 50); dagegen läßt der dichter der Odyssee, wie wir gesehen, 
selbst den Ithakesiern das bewußtsein erhalten bleiben, daß die 
königswürde den Arkeisiaden gebühre. Des Verfassers beobach- 
tungen werden aber noch feiner; er glaubt nämlich gefunden zu 
haben, daß in den „älteren theilen" der Ilias von dem ßaadevg 
einfach göttliche abstammung, gleichviel von welchem gotte, ge- 
fordert wird, dagegen in den „jüngeren theilen" der Ilias und 
Odyssee die ßaaiXrjsg im weiteren sinne sämmtlich abkömmlinge 
des Zeus zu sein beanspruchen, so daß sie, nachdem sie mit dem 
verschwinden der erblichkeit alle gleiches recht auf den thron 
erlangt haben, nun um so mehr als abgeschlossene käste auftreten. 
Der beweis für diese behauptung erscheint mir wiederum unge- 
nügend. Sie kann nicht aus dem gebrauch der epitheta fitnTQtcpt'jC 



174 36. Homeros. Nr. 3. 

und dioysi?']g gefolgert werden. Denn in allen theilen der 
Ilias und Odyssee haben dieselben eine besonders auszeichnende 
bedeutung und kommen, ohne daß sich ihre etymologie im vollen 
bewußtsein erhalten hat — denn auch die von anderen göttern 
als Zeus abstammenden werden durch diese beiwörter ausge- 
zeichnet — in der regel nur fürsten zu. Die wenigen ausnah- 
men vertheilen sich gleichmäßig auf „ältere" und „jüngere" 
theile der Ilias [A 280 vgl. B 660. Patroklos wird in „älteren", 
Phoinix in einem „iüngeren" liede durch diesen titel ausgezeich- 
net; in wirklich bedeutungsvollem sinn werden die den göttern 
verwandten Phaiaken diotgsqisU genannt s 378). Noch weniger 
verstehe ich des verf. beweisführung aus einzelnen stellen. Denn 
wenn v 201 f. Philoitios sagt: „Zeus, du verderblichster aller 
götter, du erbarmst dich nicht der menschen (<iv8(ja^), die 
du selbst geschaffen hast!", so kann doch daraus unmöglich 
folgen, daß die ßa'atXljsi; von Zeus abstammen sollen. Was sollen 
ferner S 27 die worte der bewund erung beweisen, die den spros- 
sen zweier auch im alten sinn königlicher geschlecbter geltend 
nicht mehr sagen wollen , als daß Telemachos und Peisistratos 
(der abkömmling des Poseidon!) in ihrer äußeren erscheinung 
göttern gleichen ! Noch unbegreiflicher finde ich die herbeizie- 
hung der legende von Herakles' geburt in T 95 ff , als ob die- 
selbe auch in einem „älteren liede" hätte anders erzählt wer- 
den können , als unter aufnähme der alten Überlieferung , daß 
Herakles und Eurystheus abkömmlinge von Zeus sind. Fin- 
den wir denn in den „älteren liedern" den fall, daß ein könig 
von Zeus abstammt, seltner? Idomeneus (IV 449 ff.), Tlepolemos 
(E 631) und Sarpedon (E 635) stehen gegenüber dem Achilleus 
(</> 187 ff.) und Priamos (T 215 ff.), deren genealogie wohl nur 
durch zufall in „jüngeren liedern" gelesen wird. In der Odyssee 
wird meines wissens kein einziges noch lebendes geschlecht di- 
rekt auf Zeus zurückgeführt, auch nicht des Agamemnon und 
des Odysseus, obgleich es bei beiden nahe genug gelegen hätte. 
Dagegen finden wir ebendaselbst Poseidon als den Stammvater 
der Neliden (X 254 ff.) und des Alkinoos (/; 62 ff.) genannt. 

Ich kann demnach zu keinem anderen resultat gelangen, 
als daß in den homerischen gedichten die göttliche abstammung 
der fürsten häufig — aber nicht immer, auch wo es nahe gelegen 
hätte — hervorgehoben wird und vorzugsweise Zeus, aber au- 



Nr. 3. 36. Homeros. 175 

ßer ihm auch andere götter als ahnherrn erlauchter geschlechter 
genannt werden ; göttliche abstammung von einem nicht regie- 
renden ßaatltv^ läßt sich in der Odyssee nicht nachweisen. So 
wenig sich in dieser frage Ilias und Odyssee oder einzelne theile 
derselben von einander scheiden, ebensowenig ist es meines er- 
achtens dem Verfasser gelungen eine in den einzelnen theilen 
verschiedene anwendung des prädikats rjycai; aufzuspüren, wie 
sich schon daraus ergiebt, daß Verfasser p. 18 für die von ihm 
aufgestellte regel mehrere ausnahmen zugeben muß. Nicht 
glücklicher scheint mir Fanta die frage nach der Stellung der 
pnvltj gelöst zu haben. Nach ihm soll dieselbe erst in den 
jüngeren theilen, nachdem die mahlzeiten der Geronten im Kö- 
nigshause aufgehört haben officielle rathsversammlungen zu sein, 
als ein „neues constitutives element" in den homerischen Staat 
eintreten. Daß im lager von Ilios die mitglieder des rathes 
sich vorzugsweise im zelte des Agamemnon und zwar beim mahle 
versammeln, liegt in den Verhältnissen; ob übrigens die ßnvXtj 
bei dem schiffe des Nestor im 2. buch einfach als jüngerer Zu- 
satz zu streichen ist , bleibt für mich wenigstens noch zweifel- 
haft. In dem geordneten Phaiakenstaate finden wir die ßovltj 
ebenso beim mahle im palaste des Alkinoos wie außerhalb des- 
selben , wohl auf öffentlichem platze ; daß auf Ithaka die Ge- 
ronten nicht mehr an der königstafel zur berathung zusammen- 
treten, wie es früher der fall war, als Odysseus noch anwesend 
war (t 315), ergiebt sich aus der angenommenen läge der dinge, 
die vom verf. bei seinen abstraktionen viel zu wenig berücksich- 
tigt wird. Wie kann aber die ßovltj erst nach der ayogä. ein 
konstitutives element des Staates geworden sein ! Doch ich breche 
hier ab , um nur noch wenige einzelheiten anzuführen , so sehr 
ich mich auch versucht fühle gegen jede seite des buches zu 
polemisiren. — p. 12. Daß die primäre bedeutung von drj/xog 
„vertheiltes land", nicht „volk (populus)" ist, hat Bernhard Man- 
gold in Curtius' Studien VI, 401 ff. überzeugend nachgewiesen. — 
p. 35 ff. Aus der mehrmals in der Ilias vorkommenden zahl 
von fünf heeresabtheilungen gegen die herkömmliche Überliefe- 
rung auf fünf ionische phylen zu schließen , wie verf. zu thun 
scheint, ist sehr gewagt. — p. 39. oiy.r^g bezeichnet die sklaven 
als hausgenossen, nicht als „besitzobjekt." — p. 41. fierardarui 
bleiben „beisaesen", [a£toixoi. — p. 42. Wozu scheidet verf. das 



176 37. Euripides. Nr. 3. 

freie volk in noXlrai und ayonicörai , da er p. 44 selbst zuzu- 
geben scheint, daß bei Homer unter den letzteren stets sklaven 
verstanden werden? — p. 73. Die erklärung der wohl verdor- 
benen stelle 1 184 — 187 vermag ich nicht zu acceptiren, noch 
weniger die daraus gezogene folgerung, daß in „den jüngeren 
theilen" die mahlzeiten der fjnvXtj von den Geronten abwech- 
selnd dem könige gegeben worden seien. — p. 83 ff. Mag 
die erklärung von £ 501 wegen des ausdrucks im i<jtoqi 
auch streitig sein, nicht mißverstanden können die verse 503 — 
506 werden, nach welchen die geronten deutlich als die richter 
bezeichnet werden, die nicht bloß, wie Fanta meint, den 'immg 
berathen, der, ohne an ihre urtheil gebunden zu sein, die ent- 
scheidung allein fällen soll. — p. 85. Daß der verf. nicht mit 
recht aus A 233 folgert, daß nach „den älteren liedern" sämmtliche 
richter nur ein einziges , nämlich das königliche scepter geführt 
haben (im gegensatz zu 2 505), ergiebt sich schon daraus, daß 
jenes von Achilleus benutzte scepter zweiffellos das des herolds ist, 
welches der redner während seines Vortrags in der hand hält 
(^567, /? 37), ergiebt sich aber auch aus der sache selbst und 
wird nicht dadurch widerlegt , daß dort der singular gebraucht 
wird. — Wie wenig der verf. bei seinen interpretationen die 
Situation ins äuge faßt, beweist namentlich p. 91 seine auffas- 
sung der worte ft 297: EvQi>2p%', i t ftäXa 8/j f*e ^*«£*7e, finvvov 
soiTa, in welche der durch sein trauriges Schicksal aller könig- 
lichen würde beraubte dulder Odysseus ausbricht, als er sich 
von seinen durch die drangsale der meerfahrt ermüdeten gefährten 
genöthigt sieht in Aia zu landen. Wer denkt da an staats- 
rechtliche begriffe! Fanta aber folgert daraus den gesperrt ge- 
druckten wichtigen satz, daß für den dichter der Kirkesage ein 
Vetorecht des königs gegen den beschluß der Volksversammlung 
nicht mehr existirt! 

Eine sorgfältigere korrektur des druckes wäre wünschens- 
werth gewesen. 

Konrad Seeliger. 



37. Jo. de Arnim, de prologorum Euripideorum arte 
et interpolatione. Diss. von Greifswald 1882. 108 p. 8. 

Wir wollen nicht leugnen , daß der Verfasser vorliegender 
abhandlung verschiedene gute beobachtungen sowohl über ein- 



Nr. 8. 37. Euripides. 177 

zelne stellen der prologe des Euripides wie über die prologe 
überhaupt und die kunstweise des dichters macht, müssen auch 
eingehendes Studium und scharfsinnige combination anerkennen; 
können aber doch nicht umhin unser mißfallen auszudrücken 
über unwissenschaftliches , nicht nach der Wahrheit strebendes, 
sondern nur mit äußerem scheine sich begnügendes gebahren. 
Wenn z. b. Hipp. 29 ff. nicht anders als mit den änderungen 
xai nQiv (jifv sl&tiv Tf/fo, y^l T()Oi^t]viag [nhTQuv nau avitjv 
LlaWadoii) xuznipmv freut; rTjide taov Kvnoi8ng syxuxfiauro ge- 
rettet werden kann , dann werden wir doch lieber auf die seite 
der verurtheilenden treten. Es wird uns eingeredet, r^8e könne 
„hieher" heißen und es werden zur beglaubigung verschiedene 
stellen citiert. Sieht der Verfasser den unterschied nicht oder 
will er ihn nicht sehen? Könnte es im lateinischen hac für huc 
heißen ? Wer überhaupt dem dichter einen solchen stil zumu- 
thet, zeigt von vornherein, daß er nicht bemfen ist , über echt- 
heit oder unechtheit von versen zu urtheilen , wobei ein feines 
Stilgefühl die erste bedingung ist. Daß aber noch mehr als 
dieses fehlt, zeigen die erklärungen , welche zu Bacch. 30 f. 
,,sie renommierten mit ihrer aufklärung" und Phoen. 21 ijSovfj 
8ol\. seil. «i'7o gegeben wird. Das letztere würde ungefähr be- 
deuten: „er machte sich ein pläsier daraus." Es verräth auch 
einen mangel an methode, wenn dinge geändert werden, welche 
in keiner weise den eindruck der corruptel machen können, 
wie Ion 20 f. ano ngoyövmv oä^ovaa tov rs yrjyevov^ Eur/^do- 
viov x«jV cp 770$' f] diog üoqtj xöfjcp naoa^sviaaa xrg geschrie- 
ben wird. 

Drum obwohl wir schon an einer anderen stelle nachge- 
wiesen haben, daß die schrift von Klinkenberg de Eurip. pro- 
logorum arte et interpolatione . gegen welche unseres Verfassers 
abhandlung gerichtet ist, an vielfachen mangeln und unrichtigen 
Voraussetzungen leidet, und Arnim gegen Klinkenberg natürlich 
häufig im recht ist , ziehen wir doch den kühnen schnitt den 
schwachen palliativmitteln vor. Entweder muß nachgewiesen 
werden, daß die vermeintlichen fehler nicht vorhanden sind und 
der grund eines anstoßes wegfällt, oder wenn die mängel aner- 
kannt werden , zur annähme einer corruptel aber kein grund 
vorliegt, ist die interpolation anzuerkennen. Nur die eine frage 
ist noch statthaft und wohl zu erwägen , ob nicht dem dichter 



178 37. Euripides. Nr. 3. 

selbst die mangelhaftigkeit beizumessen sei. Als böcbst bedenk- 
lich muß es auch erscheinen , auf grund weniger fälle gesetze 
zu construieren und darnach ohne weiteres abzuurtheilen. So 
heißt es von den Herakliden , diese sein das einzige von den 
älteren stücken , in welchem eine bühnenperson innerhalb der 
parodos lyrische verse habe; deshalb werden die verse 75. 76 
dem chore vindiciert. Es scheint den Verfasser nicht zu küm- 
mern, daß die grammatik dagegen einspruch erhebt; denn we- 
gen '/Set? kann oo tnXag nicht anrede, sondern nur ausruf (,,o 
ich unglücklicher") sein. Zur parodos der Bacchen wird be- 
merkt, daß es nirgends in der griechischen tragödie vorkomme, 
daß eine neu auftretende person, ohne angekündigt zu sein oder 
durch ihre eigenen worte die aufmerksamkeit auf sich gelenkt 
zu haben, angeredet werde. Der Verfasser setzt darum vers 56, 
57 vor 53 und ergänzt vorher noch einen vers (//£/; ö' enyl&ov 
aaaov aids Sw/nnrayr). Daß dieses verfahren irgend eine Wahr- 
scheinlichkeit habe, wird niemand behaupten wollen. Es kann 
sich doch nur fragen, ob es nicht genügt, wenn Dionysos den 
eben einziehenden chor mit a\V a> linoüani xr£. begrüßt. Höch- 
stens kann man zweifeln, ob nicht Dionysos den noch abwesen- 
den chor in ähnlicher weise anrede wie Iph. T. 1446 Athena 
den Orestes, so daß die stelle nur eine ankündigung in anderer 
form gibt. Was soll man erst zu folgendem gesetze sagen : „in 
den stücken , welche vor der sicilischen expedition aufgeführt 
worden sind, gibt sich die den prolog sprechende person gleich 
in den ersten versen kund ; in den späteren stücken hat sich 
Euripides nachlässiger gezeigt"? Dieses gesetz reicht dem Ver- 
fasser hin, um den Phrixos der zeit nach der sicilischen expe- 
dition zuzuweisen ! Andere gesetze , welche entwickelt werden, 
stellen sich als sehr einfache dinge dar , wenn man sie beim 
rechten lichte betrachtet. So erscheint es dem Verfasser als 
ein hauptgesetz der Euripideischen prologe , daß die handlung 
niemals vor der parodos ihren anfang nehme. Nur die Hera- 
kliden machen eine ausnähme. Das hängt natürlich mit der 
theilnahme des chors an der handlung zusammen. Wenn der 
chor sein interesse für die handlung kundgeben soll, muß er 
dieselbe kennen. Nur wo der dichter den beginn der handlung 
nöthig hatte, um die Schwierigkeit, das auftreten des chors zu 
motivieren , zu lösen , mußte er von der normalen weise abwei- 



Nr. 3. 38. Iophoii. 179 

chen , nicht immer zum vortheile der Ökonomie. So gehört im 
Oed. Tyr. die ankunft des Delphischen Spruches dazu , um den 
chor mit gutem gründe einziehen zu lassen. Der auftretende 
chor ist voll neugierde, den spruch zu erfahren. Er erfährt ihn 
zuerst nur nebenbei und ungenau; genau erst nach der band, 
nachdem er schon wie ein wissender darüber gesprochen. Man 
darf auch die alten dichter nicht als in jeder hinsieht vollkom- 
men und unfehlbar betrachten. Dann wird man auch nicht 
alle Unebenheiten als beweise der interpolation und corruptel 
betrachten , womit übrigens nicht dem alten schlendrian eines 
verkehrten conservativen Standpunktes das wort geredet werden 
soll. Wecklein. 

38. 0. Wolff, quaestiones Iophonteae. Programm der 
realschule und des progymnasiums zu Meißen 1882. 24 p. 4. 

Das erste kapitel dieser abhandlung , welches den haupt- 
theil bildet, behandelt zwar eine schon viel besprochene sache, 
nämlich das gespannte Verhältnis beziehungsweise den proceß 
des Iophon gegen Sophokles, bringt auch kein neues ergebnis, 
untersucht aber die ganze frage mit solcher gründlichkeit und 
so sicherer methode , daß man einen wissenschaftlichen gewinn 
anerkennen muß. Das ergebnis der Untersuchung ist die fest- 
stellung des satzes, daß die anekdote der komödie ihren Ursprung 
verdankt und nicht auf Wahrheit beruht. Da die notiz des 
Bios 2ocf.ov.'ksovQ die zuverlässigste quelle ist, darin aber die 
nachricht, daß Sophokles die beschuldigung nagavoiag mit dem 
vorlesen des Oedipus Kol. zurückgewiesen habe , auf den un- 
glaubwürdigen Satyros zurückgeführt wird, so wird diese Vor- 
lesung als ein erfundener zusatz des Satyros hingestellt und 
nur ein streit zwischen vater und söhn bei irgend einer Ver- 
sammlung der phratrie, bei dem zuletzt der söhn sich soweit 
verstieg den vater für verrückt zu erklären, als eigenthum der 
komödie betrachtet. Wenn dem Iophon , der durch seine auf- 
führungen großes ansehen erlangt, etwa seine gegner nachrede- 
ten, er beneide seinen vater um seinen rühm, so sei das viel- 
leicht die anregung zu der erfindung für einen komiker gewe- 
sen , etwa für Nikophon , weil in dem Biog vor tot '[oqäita 
leicht Ntxoqxäv habe ausfallen können. Wir können uns mit 
dieser auffassung nicht ganz befreunden , weil der erfindung so 



180 39. Griechische komiker. Nr. 3. 

jede pointe und jeder zweck genommen wird. Gegen die an- 
sieht von Hermann, welcher xai nojs <AgtaTO(f><ittji;> iv dgü- 
liaai (für doct/iuii) tlcsrjyay?^ thv lotföovTa avröo q)&ovoi)V7a xai 
ngng tovg q>Q(X70Qag iyxalovrra xri. in dem Bios schreibt, wird 
bemerkt, daß der angäbe eines bestimmten Stückes jtots nicht 
entspreche, daß man, wenn man diese ansieht festhalten wolle, 
jedenfalls annehmen müsse , daß der biograph schon in seiner 
quelle das falsche dgüftati vorgefunden oder das mißverstandene 
dgünaai in Ugaührj geändert und nozs zugesetzt habe. Das ist 
richtig, immerhin aber besteht die meiste Wahrscheinlichkeit für 
diese annähme von Hermann , da wir aus dem schob zu Ran. 
810 wissen, daß in dem stücke dgävata die phratoren handelnd 
vorkamen. Wenn aber diese annähme glaubwürdig ist, dann 
macht der titel doä^ata auch die Vorlesung des Oed. Kol. 
wahrscheinlich, da damit erst ein eigentlicher zweck des streit- 
handels vor den phratoren ersichtlich wird. 

Der zweite theil bringt ein resultat, welches zwar nicht 
über jeden zweifei erhaben , aber doch sehr wahrscheinlich ist. 
In dem Schob des cod. Ven. zu Aristoph Ran. 330 wird er- 
zählt , wie die myrte um den preis der Semele den unterirdi- 
schen göttern zu eigen geworden sei. Am Schlüsse heißt es : 
örjlnl 8s xa) 'locpmv n igayixäi;. Daraus schließt der Verfasser 
auf ein stück des Iophon, welches die aufnähme der Semele in 
den himmel zum inhalt hatte. Recht passend wird in dem schob 
nach [Av&oloynixn 8' iv Zä\*CQ eine lücke angenommen und dann 
weiter geschrieben : ix 8s tov ix trjg fivgoivtjg nd&ovs 8stat8ai- 
fiotia ■dtfov (irj Trgoacfigsö&ai irj "Hga. inel yitg <^Egutji;>, mg 
qaaiv, . . vnoaisa&ai Xsyovaiv av7rj (für uvzw) xis. 

WecMein. 



39. Comicorum Atticorum fragmenta. Edidit Theodo- 
rus Kock. Volumen I. Antiquae comoediae fragmenta. Lip- 
siae, in aedibus B. G. Teubneri, 1880. XXII und 806 p. gr. 8. 

Eine neue Sammlung der attischen komikerfragmente war 
längst bedürfnis. Seit Meineke die große aufgäbe gelöst hatte, 
zu deren bewältigung wohl niemand in dem grade befähigt war, 
wie er , sind eine nicht unbeträchtliche anzahl neuer fragmente 
bekannt geworden, und auch gegenüber den bereits bekannten 
war die eonjecturalkritik nicht müßig geblieben und hatte viele 



Nr. 3. 39. Griechische komiker. 181 

beachtenswerte, zum theil evidente Verbesserungen zu tage 
gefördert. Ueberdies konnte man Meineke's editio maior nicbt 
benutzen, ohne stets die ergänzungen und berichtigungen im 
5. bände derselben und in der editio minor nachzuschlagen. Es 
gebührt also gewiß dem neuen herausgeber der wärmste dank 
dafür, daß er uns eine vervollständigte, verbesserte und, was 
durchaus nicht nebensächlich ist, bequem und übersichtlich ge- 
ordnete Sammlung der attischen komikerfragmente zu schenken 
beschloß, deren erster band, die alte komödie umfassend, uns 
von den beiden noch ausständigen, die der mittleren und neuen 
komödie gewidmet sein sollen , daß beste erwarten läßt. Vor 
allem sei bemerkt, daß der vorliegende band nicht weniger als 
125 fragmente enthält, welche weder in der editio maior noch 
in der editio minor von Meineke enthalten sind. Hiervon ent- 
fallen 85 bruchstücke auf Aristophanes, von denen nur 7 schon 
in Dindorf's letzter ausgäbe der Scenici aufuahme gefunden ha- 
ben. Selbstverständlich ist darunter viel zweifelhaftes gut, aber 
auch so manche perle , namentlich aus E. Miller's m^langes de 
HtteVature grecque (Paris 1868). Sehr zu bedauern ist es, daß 
Kock keine neue collation des codex Marcianus des Athenaeus 
zur Verfügung stand. Was die große menge von conjecturen 
betrifft , welche seit Meineke's ausgäbe erschienen sind , so sagt 
Kock praef. p. V, er habe die vollkommen sichern aufgenommen, 
die beachtenswerthen erwähnt, die ganz haltlosen unberücksich- 
tigt gelassen. Daran wäre nichts auszusetzen, wenn sich nur 
die sache wirklich überall so verhielte. Aber daß Piaton fab. ine. 
fr. 184, 3 noch immer zu lesen ist: axe^szöi,', unvyoi;, xald- 
fiiva oxfXt] (jioowp kann ich mir nur durch die annähme erklä- 
ren, daß Kock mein „prineip der silbenwägung" (Wien 1879) 
noch nicht kannte, sonst hätte er gewiß eingesehen , daß dieser 
vers einen metrischen fehler enthält und wohl auch meine leichte 
Verbesserung xaXaftivoo (a.a.O. p. 232) aufgenommen. Aus 
demselben buche p. 261 hätte er auch ersehen, daß seine con- 
jeetur zu Aristophanes Jaizalr t q fr. 224 pat/pari Ipso oevta 
statt des überlieferten %pav[Aatta nrsQosvra bereits von mir 
gemacht war, und zwar aus einem metrischen gründe. Er hätte 
dann auch bei Kratinos Nopoi fr. 124 mit xQ vrsi ^ 1 einen vers 
schließen und mit oittvdmv einen anderen beginnen lassen, um 
den metrischen anstoß zu beseitigen (vgl. prineip der silbenwä- 



182 40. Horatius. Nr. 3. 

gung p. 256). Ferner hätte er in Kratinos FIXovtoi fr. 165,3 
den offenbaren metrischen fehler bemerkt (vgl. a.a.O. p. 261). 
Endlich hätte er dann auch aus den Wiener Studien 1 (1879), 
157 anm. 2 in Aristophanes fab. ine. fr. 678 statt Ssvgo meine 
aus metrischem gründe nothwendige Verbesserung d sv gl auf- 
genommen. Zu Aristophanes rijgag fr. 135 hätte Kock aus 
meinem aufsatz „die ursprüngliche reihenfolge der komödien in 
den vollständigen Aristophanes-exemplaren (Zeitschrift für österr. 
gymn. 30 [1879], p. 904-907) erfahren können, daß das ci- 
tat ^Agirsroquivtjg sv rqj &' Ftjga durch den von Novati veröf- 
fentlichten index Ambrosianus der Aristophanischen komödien 
eine überraschende bestätigung erhält, da dort in der that A]- 
gag die neunte stelle einnimmt. Hierdurch wird die conjee- 
tur von H. Jacobi (o statt d) widerlegt. Zu Aristophanes fab. 
ine. fr. 589 vermuthet Kock, es sei statt cog 'Agiain^äirjg Jfqp»;- 
%iv zu lesen: mg l4giaTnc(art]g"H gooa ir. Näher liegt : mg ' Agi- 
aznqärtjg q>i]ai't>. Zu Kratinos KlsnßnvXTvai fr. 85, 2 nlrjyag, 
iav firj a v a r ge xp y tu ngäy^ata macht Kock die unmetrische 
conjeetur: nlriyng , ittv | 8iaaTQf(py | tu. ngiiyfiara. — Doch 
genug der einzelheiten ! Möge Kock die vorstehenden bemer- 
kungen nur als einen beweis meines lebhaften interesses an sei- 
nem eben so mühevollen als im ganzen wohlgelungenen werke 
betrachten. Am Schlüsse des dritten bandes würde ein index 
fontium für die ganze Sammlung sehr erwünscht sein. 

Isidor Hüberg. 

40. Q. Horatius Flaccus erklärt von H. Schütz. Zweiter 
theil: Satiren. Berlin, Weidmann'sche buchhandlung 1881. 8. 

Vorliegende ausgäbe der Satiren ist eine recht tüchtige, 
anerkennenswerthe leistung , welche die erklärung vieler stellen 
fördert und den leser zum eigenen nachdenken anregt. Beson- 
ders sind es die den gedankenzusammenhang vermittelnden bemer- 
kungen, welche am meisten gelungen erscheinen, z. b. zu I, 1, 
zu I, 3, 1, I, 3, 76 u.s.w. Nicht selten finden sich auch gute 
erklärungen des einzelausdrucks , wie z. b. II, 8, 18 und wo 
frühere ansichten wiederholt werden, tritt überall selbständiges 
nachdenken und verarbeiten, nicht selten mit guten Zusätzen, 
hervor, z. b. I, 3, 4, 7, 10 u. s. w. 

Leider werden diese Vorzüge von zwei fehlem gedrückt. 



Nr. 3. 40. Horatius. 183 

Die darstellung ergeht sich nicht selten in zu großer breite und 
Weitschweifigkeit, und die erklärung wird beeinträchtigt durch 
eine allzu große Vorliebe für kritik, welche auch den längst ab- 
geworfenen ballast wieder hervorholt, um ihn von neuem zu be- 
seitigen, vgl. zu I, 3, 25. Nicht selten stört auch die unent- 
schiedenheit des verf., wo eine entscheidung recht wohl möglich 
ist, z. b. I, 3, 57. 

Horaz ist im ganzen gut überliefert, so daß die kritik nur 
einen geringen Spielraum hat , wenn sie willkühr und dilettan- 
tismus ausschließt. Um so nothwendiger ist die forschung des 
interpreten. Ich sage forschung, denn die entdeckung der 
richtigen erklärung bedarf oft recht mühsamer arbeit. Um so 
dankenswerther ist eine selbständige leistung, wie sie uns Schütz 
geliefert hat , und um so erklärlicher ist es , wenn er nicht 
überall das richtige getroffen zu haben scheint. Ein abschtuß 
der erklärung kann eben nur durch das zusammenwirken vieler 
kräfte gewonnen werden. So wird zu II, 1,2 nimis acer et ultra 
legem tendere opus bemerkt: lex wie A. P. 135 operis lex, und 
unten v. 63 mos operis. Hier ist es aber absichtlich zweideutig 
gebraucht ; es handelt sich für den rechtskundigen Trebatius 
darum, „ob die schranken des gesetzes durchbrochen werden." 
Ja freilich und nichts anderes ! Denn eine lex satirae giebt es 
nicht , und von der künstlerischen anläge oder aufgäbe eines 
einzelwerkes , wie AP. 135 oder Juv. VII 102 sie ingens rerum 
numerus iubet atque operum lex, ist hier auch nicht die rede, 
sondern nur von einer schärfe des angriffs ? welche die schran- 
ken des gesetzes zu durchbrechen droht. Daher wird v. 81 
auf die folgen der inscitia legum , auf das klagerecht gegen 
mala carmina hingewiesen. Den besten beleg giebt Epist. II 1, 
150." doluere cruento dente lacessiti, fuit intactis quoque cura con- 
dicione super communi, quin etiam lex poenaque lata, malo quae 
nollet carmine quemquam describi. Zu v. 83 ist es erwähnens- 
werth , daß sich der witz des Horaz bereits bei Plautus Persa 
207 findet: quom ut dignas dico, bene, non male loquor, als ant- 
wort auf die mahnung mitte male loqui. 

Ebenso wenig scheint die annähme eines doppelsinnes v. 7 
berechtigt: verum nequeo dormire. Der dichter leidet wirklich an 
ayQvnria, gleichgültig ob momentan oder dauernd, ob aus die- 
sem oder jenem gründe. Wahrscheinlich hat er den thätigkeits- 



184 40. Horatins. 

drang eines geistig geweckten und fruchtbaren menschen. Zu v. 14 
halte ich die erklärung von Köchly am wenigsten für gesucht 
und für allein richtig. Wie der Parther nicht von selbst vom 
pferde sinkt , sondern von der waffe des feindes getroffen , so 
stirbt auch der Gallier nicht etwa weil seine gaesa gebrochen 
ist, er hätte ja noch Schwert und axt, sondern weil er von dem 
pilum des Römers tötlich getroffen ist. Und wer könnte be- 
haupten, daß cuspis der gaesa gleich sei? Auch die zu v. 35 
ausgesprochene vermuthung erscheint mir unglücklich. Sehr 
gut ist v. 39 die bemerkung „der stilus ist des Schriftstellers 
schwert," aber es mußte eben deshalb auf den blutigen gebrauch 
des stilus (yQttqtioi) hingewiesen werden, vgl. Plut. C. Grracch. 13 
und Suet Caes. 82 , dann ergab sich die anwendung auf eine 
richtigere entwicklung des Zusammenhangs ganz von selbst: ich 
stamme allerdings von kriegerischen ahnen, gleichgültig ob ich 
Lucaner oder Appuler bin , aber dennoch soll mein schwert 
niemand verletzen u. s. w. V. 54 erklärt sich mirum ut einfacher 
aus dem von Brix zu Trin. 495 erläuterten Plautinischen Sprach- 
gebrauch, und v. 60 die verschränkte Wortstellung aus dem der 
lateinischen prosa geläufigen Schema a(A)a, denn scribam alshaupt- 
satz hat quisquis erit vitae color als untergeordneten nebensatz um sich. 
Unbegreiflich ist mir, daß I 9, 78 der herausgeber von 
Derenburg's erklärung nicht überzeugt werden konnte. Daß 
der excurs von Fritzsche so viel einfluß gehabt haben sollte, 
kann ich kaum glauben. Thatsache ist es, daß Horaz durch 
das dazwischentreten eines rechtshandels, also von dem iuris peri- 
tus Apollo, nicht direct von dem dichterfreund Apollo oder Mer- 
curius, gerettet worden ist. Es muß also, wenn wir Horaz nicht 
eitel nennen wollen, mit dem Apollo dieselbe bewandnis haben 
wie mit dem Marsyas I, 6, 120. Zu II, 8, 26 nam cetera turba, 
nos inquam cenamus avis conchylia piscis erklärt Schütz ganz 
richtig und bemerkt dann: „wir anderen aßen tapfer darauf 
los. u Damit ist nahezu das richtige getroffen. Das komische 
liegt nämlich in dem ausdruck cenamus für gustamus, wo es sich 
doch um die gustatio handelt, = denn wir, die plebeier, aßen 
die feinsten leckereien förmlich mit löffeln, obwohl sie ganz be- 
sonders absonderlich bereitet waren , — wie wir erst nachher 
merkten! Damit sind, wie mir scheint, die bedenken und än- 
derungen Döderleins vollständig beseitigt. 



Nr. 3. 40. LToratius. 185 

Sehr schwierig ist v. 15 Alcon Chium maris expers. So 
viel ich sehe, und meine bemerkung bestätigt v. 70 ut omnes 
praecincti recte pueri comptique ministrent , ist das bemerkbare 
oder auffallende nicht der wein an sich , sondern der aufzug, 
in dem er von den dienern vorgetragen wird, Dazu gehört die 
pompa und die erscheinung oder ausstattung der sklaven. Der 
eine sklave ist ein schwarzer Indier, fuscus Hydaspes, wenn auch 
kein Mohr so doch eine auffallende Seltenheit, und dieser fremd- 
ling bringt den italischen wein, das sollte jedenfalls piquant 
sein! Der fuscus Hyclaspes war ein seltener luxussklave, folg- 
lich auch Alcon ! Wie aber der eine diener durch fuscus , so 
muß auch Alcon durch ein epitheton näher bestimmt sein. Da- 
für bleibt nur maris expers übrig , ein attribut , das mit Chium 
verbunden ganz zwecklos erscheint , man müßte denn einen be- 
trug des Nasidienus annehmen , was jedoch die Charakteristik 
des ganzen mannes nicht gestattet. Ist diese anschauung rich- 
tig, so war Döderlein auf richtigem wege, wenn er maris expers 
für virilitatis expers nehmen zu müssen glaubte : ein indischer 
Mohr bringt den italischen , ein spado den griechischen wein ! 
Sprachlich unmöglich ist maris expers in diesem sinne gewiß 
nicht, aber es fehlt an einem beispiel dieses gebrauchs, da auch 
Pers. 6, 39 (noch unerklärt !) und Suet. Claud. 33 weder für 
noch dagegen beweisen. Wenn indessen diese deutung unmög- 
lich erscheint, darf man darum die Verbindung des maris expers mit 
Alcon noch nicht aufgeben , die Zusammenhang und concinnität 
(vgl. fuscus) erfordern. Es bleibt noch zu erwägen, ob jene worte 
nicht nach Seneca Ep. 47, 7 (Haase) oder gar nach Ep. 95, 24 
erklärt werden können. Der name Alcon ist griechisch und 
weist auf einen feineren, jugendlichen Griechensklaven hin. Ist 
etwa der träger des milden Chierweins weiblich gekleidet (indu- 
siatus), so wie der träger des feurigeren Cäcubers als fuscus er- 
scheint? V. 50 non sine aceto quod Methymnaeam vitio mutave- 
rit uvam berechtigt der Wortlaut keineswegs zur annähme von 
lesbischem Weinessig. Es war essig , dem man , um ihm einen 
milderen geschmack und duft zu verleihen, einige lesbische trau- 
ben beigesetzt hatte, die im essig zur gährung gelangten (yitio 
mutare uvam). Aehnliches geschieht auch noch in unserer zeit, 
wenn auch nicht gerade mit lesbischen trauben. 

Iu I 10, 5 nee tarnen hoc tribuens dederim quoque cetera er- 
Philol. Anz. XIII. 13 



186 40. Horatius. Nr. 3. 

klärt sich die Stellung von quoque, wenn man an den prosai- 
schen gebrauch erinnert: nee hoc tribuens ideo (iccirco) cetera de- 
derim. So ist es III, 12 und Epist. II 2, 38 nicht überflüßig, 
die prosaische form herzustellen, aude Caesaris res dicere: multa 
feres praemia laborum. Zu I 10, 90 Demetri teque Tigelli disci- 
pularum inter iubeo plorare cathedras bemerkt Schütz ähnlich wie 
Fritzsche: „spöttisch vom gesanglehrer bei mädchen (Fritzsche 
plärren), zugleich aber ist plorare iubeo eine verwünschungsfor- 
mel wie oi fA.m£eip xtlsim. 11 Mit dieser form el drohte man seh läge 
an , und nur dies ist hier passend : der dichter wünscht dem 
Dem. und Tig., daß sie von ihren eigenen Schülerinnen mißhandelt 
werden — inter cathedras, wie die Sklavinnen von ihrer herrin. 
Der auffallende gebrauch von noster II 6, 48 beruht darauf, daß 
man mit noster eris oder noster esto jemand bei sich willkommen 
hieß , vgl. beispiele bei Lorenz zu Plaut. Mil. 890. Daher ist 
noster hier soviel als dein freund, der, den du in deinen 
freundeskreis aufgenommen hast. Zu dem Wechsel des ind. im- 
perf. zur bezeichnung einer gewohnheit mit dem potentialen conj. 
imperf. I 3, 10 zur bezeichnung einer handlung, welche nur 
allenfalls einmal, nicht regelmäßig vorkommt, liefert ein treffen- 
des beispiel Tac. Ann. I, 44 : si tribuni si legio industriam inno- 
centiamque adprobaverant retinebat ordinem, ubi avaritiam aut crude- 
litatem consensu obieetavissent , solvebatur militia. Kurz und tref- 
fend erklärt Schütz I 3, 38 illuc praevertamur , aber sollte in 
amatorem quod amicae turpia deeipiunt caecum vitia das quod nicht 
einfach als in wie fern aufzufassen sein, wie oft oii fast dem 
eog ähnlich erscheint, und Plautus quom gebraucht? Die schwie- 
rige stelle I 3, 69 — 72 interpungiert Schütz ganz richtig, aber 
ich kann mich nie bestimmen v. 70 cum als präposition aufzu- 
fassen. Ich bringe cum mea compenset vitiis bona in Verbindung 
mit dem epitheton dulcis (amicus) : wenn etwa ein lieber freund 
meine Vorzüge und fehler, wie es billig ist, gegen einander ab- 
wägt — in der regel wird ja der dulcis amicus seine liebe nicht 
erst berechnen — , aber wenn er eine solche vergleichung an- 
stellen sollte ; so soll er meine Vorzüge , wenn deren wirklich 
in größerer zahl vorhanden sind , liebevoll hinnehmen (inclinet 
factisch = amplectatur) , wenn er von mir geliebt werden will. 
Der räum gestattet nicht, alle Vorzüge der ausgäbe und 
alle bedenken dagegen zur spräche zu bringen. Darum be- 



Nr. 3. 41. Livius. 187 

schränke ich mich auf die benierkung', daß die Verhältnisse der 
Chronologie und der erwähnten rjersonen recht besonnen behan- 
delt sind. Wünschenswerth wäre freilich eine zusammenhän- 
gende und vollständige erörterung der frage, in wie weit Horaz 
personen, die er angriff, mit ihren wirklichen namen genannt, in 
wie weit er dafür andere aus Lucilius bekannt und typisch ge- 
wordene namen gebraucht hat. 

Es bedarf kaum der bemerkung, daß die ausgäbe von 
Schütz nicht für schüler gearbeitet ist und eine kurzgefaßte 
Schulausgabe der Satiren und episteln noch immer ein vielleicht 
lange unerfüllter wünsch bleibt. A. Weidner. 

41. Karl Zangemeister. Die Periochae des Livius. 
(= Heidelberger festschrift zur 36. philologen - Versammlung in 
Carlsruhe, p. 89—106) 1882. 

Entgegen der früher verbreiteten ansieht, daß die Perio- 
chae des Livius aus randlemmata verschiedener leser zusam- 
mengeflossen seien, bekennt sich der Verfasser, indem er die Un- 
tersuchung von Ed. Wölffiin (comment. in honor. Th. Mommseni 
p. 336 ff.) zum ausgangspunete nimmt, zu einer einheitlichen 
abfassung derselben , und gewinnt für diese these eine neue 
bestätigung aus dem von ihm im Wiener Corpus scriptorum eccle- 
siasticorum herausgegebenen Orosius. Beide stimmen nämlich 
oft gegen Livius miteinander überein, in einzelnen ausdrücken, 
in fehlem wie in der gruppierung des Stoffes ; doch bewährt 
sich hier eine von Niebuhr gelegentlich geäußerte ansieht, daß 
wir zunächst eine größere epitome in der art des Trogus-Justin 
anzunehmen haben , aus welcher einestheils die erhaltenen Pe- 
riochen ein auszug sind , und welche auch Orosius benutzt hat. 
Diese vollständigere epitome ist Verfasser geneigt in das 2. Jahr- 
hundert nach Chr. zu setzen , woraus sich von selbst ergiebt, 
daß ihr text der ersten dekade, so weit er sich restituiren läßt, 
unberührt sein muß von der Nikomachischen recension des 5. 
Jahrhunderts. Wenn daher eine vestalin bei Livius 2, 42 in 
den erhaltenen handschriften Oppia, in den Periochae ülia heißt, 
so benutzt Verfasser die Variante zur herstellung des namens 
Popillia, der auch der form bei Dionys 8, 89 'Om/tia nicht so 
fern steht. Da die größere epitome ebenfalls von Vopiscus, 
Obsequens , Eutrop , Augustin de civ. d. (dem das von Orosius 

13* 



188 42. Curtius. Nr. 3. 

benutzte exemplar vorgelegen zu haben scheint) benutzt ist, so 
stellt sich uns die dankbare aufgäbe , aus den Übereinstimmun- 
gen dieser die fragmente der ersten epitome zu reconstruiren. 
Sie ist einstweilen vom Verfasser nur angedeutet; doch bemerkt 
derselbe vorläufig zur characterisierung, daß der Verfasser der 
epitome hie und da die von Livius citierten quellenautoren an- 
führte, daß er aussprüche, verse, Orakel wörtlich wiedergab, den 
prodigien besondere aufmerksamkeit schenkte , der darstellung 
jedes jahres die namen der consuln im ablativ vorausschickte. 
Aber der epitomator hat auch einige zusätze gelegentlich ein- 
geschaltet, so nach Orosius 4, 17, 3 die erzählung von den rö- 
mischen matronen, welche sich im jähre 211 nach Chr. an der 
vertheidigung der stadt betheiligten (vgl. Silius Italicus 12,593), 
oder 3, 4, 2 die erklärung der pest {Malaria) des jahres 365 
v. Chr. aus physikalisch medicinischen Ursachen. 

Man folgt den deductionen des Verfassers mit zunehmender 
Spannung , je mehr man von den hauptsätzen überzeugt wird. 
Eine erschwerung für die fortsetzung der Untersuchung ist es, 
daß möglicher weise mehrere ausführliche Epitomae Livii cursiert 
haben. Dann wird man auch andere autoren wie Florus, Anon. 
de viris illustr. und ähnliche heranziehen müssen, und wenn 
die Übereinstimmung von Quintilian 3, 7, 5 quod abiectus (Ro- 
mulus) in profluentem non potuerit extingui mit Florus 1, 1 cum 
abiectus (nach cod. Nazar.) in profluentem non potuit extingui un- 
möglich eine zufällige sein kann, sondern wegen der verschie- 
denen fassung bei Livius auf eine gemeinsame dritte quelle zu- 
rückführt, so sieht man sich veranlaßt eine Epitome Livii schon 
für das erste Jahrhundert nach Chr. anzunehmen. Da diese die 
reden nicht mehr im Wortlaute wiedergab, so begreift sich dann, 
warum man dieselben für rhetorische zwecke separatim sammelte 
und herausgab, nach Suet. Domit. 10. 



42. Q. Curti Rufi Historiarum Alexandri Magni — libri 
qui supersunt. Recognovit Th. Vogel. Lipsiae 1880. 

Der herausgeber schließt sich der ansieht der gelehrten an, 
welche, wie Hedicke und Eußner, P (Parisinus 5716) für den 
zuverlässigsten codex halten , hat aber Wölfflin's und Hug's 
Warnung (Philol. anz. 1869. 1870), ihn nicht zu überschätzen, 
angeblich beachtet, aus dem Bernensis 451 durch den letztge- 



Nr. 3. 42. Curtius. 189 

nannten über mehrere stellen auskunft erhalten und conjecturen, 
nur wo sie von ihm aufgenommen worden sind, angeführt. Sehr 
selten weicht er im text von seiner Schulausgabe ab, in welcher 
er über seine eigenen Verbesserungen kurze rechenschaft giebt, 
die hier durch den mangel an räum ausgeschlossen blieb. In 
der nicht sehr umfangreichen annotatio critica, die dem buch 
vorangeschickt ist, fehlt es nicht an druckfehlern ; so p. VII, 
lib. III, 11, 23 veris Giunta], soll heißen veteri\ hier und da in 
den Ziffern, wie III, 13, 12 filiusque , muß heißen 13, 14, sed 
haud VII, 2, 9 (statt 7) etc. Auch in den nachweisungen linden 
sich irrthümer •, z. b. wird IV, 4, 8 tanta vi inpulsa est als eine 
konjectur von Foß angegeben, obgleich es schon in viel älteren 
ausgaben gelesen wird. 

Jene Pariser handschrift liefert in der that allein viele treff- 
liche lesarten ; einige hatte Hedicke noch nicht berücksichtigt, 
welche jetzt durch Vogel zu ihrem rechte gelangt sind; so evecta 
IV, 4, 8, postero die IV, 5, 20 (vergl. III, 12, 13), vinciri eum 
iussit VI, 7, 2ß } inclinantem ad misericordiam contionem für incli- 
natam VI, 9, 28 etc. Dagegen muß es bei sorgfältiger verglei- 
chung auffallen , daß dies manuscript , — wie es in ähnlichen 
fällen auch bei andern Schriftstellern sich herausgestellt hat ■ — , 
weil es von einem unwissenden copisten , der die worte nicht 
verstand , geschrieben zu sein scheint , häufig Wörter und silben 
wegläßt-, so quoque in IV, 11, 13, agmen für agmeiis (d. i. agmi- 
nis), princeps in IV, 13, 28, obliquum für agmen obliquum in IV, 
15, 1, et für et ne in IV, 15, 13, hae für quum hae in IV, 16, 
24, instructus für murus instructus in V, 1, 25, cum his für cum 
his quae in V, 2, 18, in für incussae in V, 3, 18 etc. Danach 
würde man, wo sich in diesem codex Wörter ausgelassen finden, 
welche in andern guten handschriften stehen, ihm nur wenig 
vertrauen schenken dürfen. Ich halte danach die von Vogel 
nach dem cod. P für gut befundene auslassung von et vor pro- 
cella in III, 13, 7, des iam in III, 10, 7 vor tot nicht für ge- 
rechtfertigt ; in der letzten stelle heißt es : Iam Granicum amnem, 
iam tot urbes — expugnatas — memordbat , und iam ist um so 
passender, weil in der aufzählung zu einem neuen gegenständ 
übergegangen wird , und die anapher des iam dem rhetorischen 
stile des Curtius, noch dazu in einer rede, höchst angemessen ist 
(s. Philol. auz. 1871, 172). Schwerlich ist demnach die lesart 



190 42. Curtius. Nr. 3. 

des P in III, 6, 19, welche Vogel adoptirt bat: Et quae leviora 
haberi solent , plerumque militari gratiora vulgo sunt der fassung 
der übrigen handscbriften : Et quae leviora haberi solent plerumque, 
in re militari gratiora vulgo sunt vorzuziehen. In diesen stellen 
ist denn auch Hedicke dem P nicht gefolgt, und Vogel hat hier 
wenigstens die ihm zugekommene warnung außer acht gelassen. 
Dagegen ist die auslassung des cum vor Dareo nach der Pariser 
bandscbrift in dem satze III, 11, 23 qui Dareo tabernaculum ex- 
ornaverant, wofür gewöhnlich gelesen wurde qui tum etc., nur zu 
billigen und schon von Hedicke angenommen. 

Aber wenn der Verfasser in einer anzahl von stellen wegen 
der lesart dieses codex , den man mit einigem recht lacunosus 
nennen darf , Wörter , die in andern guten handschriften stehen 
und einen guten sinn geben, ja bisweilen erforderlich sind, aus- 
läßt, dann muß man sich um so mehr wundern, daß er ohne 
noth und ohne den Zusammenhang zu bessern ganz willkürlich, 
und keiner handschriftlichen spur folgend , andere Wörter nach 
eignem ermessen zusetzt. Das sollte ein herausgeber nicht thun, 
besonders wenn er selbst über die interpolationen der kopisten 
klagt, denn er macht sich so selbst einer interpolation schuldig. 
So schaltet er At vor Leonnatus in IV, 12, 12 ein, magis vor ius 
in III, 12, 16 (was um so übler ist, da in der folgenden 
zeile wieder magis folgt, worauf sonst Vogel sehr achtet, siehe 
p. XV, zeile 31, XVI, 23, XX, 8.9), at hinter audiebat in VI, 
11, 9 (welches bei einer andern interpunction überflüssig ist), 
tum vor cum maxime in VI, 6, 10 (wodurch geradezu eine ab- 
schwäch ung hervorgebracht wird)-, iam hinter Philotan in VI, 11, 
37, dum vor anceps in VI, 11, 40 (wodurch ein anderer, aber 
keinesweges nothwendiger und durchaus nicht besserer sinn ent- 
steht). In IV, 1, 17 wird duo vor hospites eingeschoben; ganz 
unnöthig, da man aus dem folgenden alter ex his ohnehin schon 
erfährt, daß es zwei waren: was er weise verschweigt, zeigt mil- 
den meister des stils; vergl. Liv. XXI, 31, 6. In IV, 2, 24 
wird haud vor paucioribus eingefügt : hat Vogel die gefangenen 
gezählt, um die angäbe des Curtius zu verbessern? Und soll 
nicht gerade dxirch das „paucioribus captis" die Zähigkeit des Wi- 
derstands der Macedonier geschildert werden, die sich lieber nie- 
derhauen als gefangen nehmen ließen? Oder wenn das deta- 
chement, das so weit in den Libanon entsendet wurde, dem her- 



Nr. 3. 42. Curtius. 191 

ausgeber in den Worten des Schriftstellers zu klein erscheint, ist 
nicht vorauszusetzen , daß der größte theil desselben bei dem 
plötzlichen angriff sich zurückzog ? was er doch auch gethan ha- 
ben muß, um die nachricht überbringen zu können, die hier mit- 
getheilt wird. Ganz willkürlich ist VII, 3, 19 hinter subit von 
Vogel eingeschoben et rubrum mare. Ueberflüssig ist ferner illud 
vor ludibrium in IV, 15, 26, CC1C für C'CC in V, 1, 41; nicht 
nöthig et liberos hinter coniugesque in V, 5, 8 , ebenso wie inqiät 
hinter igitur in V, 7, 4, wo eine deutliche nachahmung oder ge- 
radezu entlehnung aus Liv. I, 57 vorliegt, quo vor duo in VI, 
4, 16, tum vor rex, VI, 7, 27 etc. Dosson endlich hat in der 
Rev. crit. d'histoire et de litterature 1881, nr. 78, schon die hin- 
zusetzung des fit hinter fere in III, 3, 6 getadelt und die ellipse 
durch beispiele vertheidigt ; freilich haben hier schon ältere 
ausgaben fit, aber ohne fere. Auch hinzufügungen andrer, 
welche Vogel aufnimmt, sind nicht immer besserungen. In IV, 
1, 15 wird deinde vor descendit (auch von Hedicke, nach Vin- 
delin) aufgenommen , wenig passend , um so weniger , da in der 
folgenden zeile inde folgt; da allerdings ein wort ausgefallen 
sein muß , und ein Wechsel des subjects eintritt , haben frühere 
herausgeber hier Jpse in Phoenicen descendit drucken lassen, und 
die auslassung von ipse hinter missus erklärt sich wohl auch 
leicht. Und aus eben diesem gründe, nämlich dem Wechsel des 
subjects, läßt man sich denn auch bei Vogel sehr gern die ein- 
schaltung des worts rex hinter explorare in III, 8,17 und des- 
selben worts hinter munire in IV, 12, 24 gefallen (dagegen nicht 
hinter circumire in VI, 5, 17). Auch der zusatz von fisi vor 
viribus in IV, 5, 16, wenngleich von Dosson getadelt, giebt je- 
denfalls eine besserung des sinnes und der sonst wenig geläufigen 
construction ; die stelle, welche dieser anführt, Villi, 2, 25 
(nicht 26), um den bloßen ablativ zu schützen, ist durchaus nicht 
ähnlich. 

Unter den sonstigen textveränderungen Vogel's sind manche 
recht glückliche ; andere sind theils verfehlt, theils unnöthig und 
nur aus der prurigo corrigendi hervorgegangen. Man glaube übri- 
gens ja nicht, daß überall, wo er angiebt „scripsi" eine eigne 
emendation vorliegt ; vielfach bezeichnet er so, was seit längerer 
zeit in den gewöhnlichen ausgaben gelesen wird; so IV, 11, 2 
die hinzufügung von tuet hinter continentia , welche der sinn 



192 42. Curtiue. Nr. 3. 

durchaus erfordert, so die einschaltung von deos vor debitos in 
IV, 13, 13, ferner das ganz nothwendige dubitavere für dubitare 
in X, 6, 17 u. s. w. ; andererseits fehlt öfter bei eignen conjec- 
turen dies scripsi, wie z. b. VI, 2, 6 forte für apse, X, 2, 6 
publici für publice etc. 

Ich würde am liebsten die mir gelungen scheinenden con- 
jecturen vollständig aufführen , aber dazu fehlt mir der platz, 
und ich verspreche mir davon geringen nutzen : so muß ich mich 
mit einigen beispielen begnügen. In IV, 1, 31 las man früher 
velut in medio positis omnibus hostium cuncta agebantur, was wegen 
der Zusammenstellung von omnibus und cuncta unmöglich ist; die 
handschriften haben dis oder edis, daraus macht Hedicke bonis, 
Vogel viel besser praedis. IV, 2, 13 heißt es: idque in Mace- 
donum metum verterunt; für metum schreibt Vogel richtig interitum 
(siehe Hug im Piniol, anz. 1871, p. 172). In IV, 11, 9 giebt 
Hedicke nach den handschriften : Facilius est quaedam vincere 
quam tueri: quam, hercule, expeditius manus nostrae rapiunt quam 
continent! Dagegen Vogel : Facilius est quidem vincere quam tueri 
praedam, quam hercule etc. (ohne ausruf, als relativsatz) •, nur 
hätte das quidem, das an einem ganz ungehörigen platz steht, 
weggelassen werden sollen ; praedam ist nämlich bei der abschrift 
in eine falsche stelle, vor vincere, gerathen und, weil da unver- 
ständlich, in quaedam verwandelt worden. In IV, 7, 26 halte 
ich Vogel's besserung destinaretur. Vatesque für zutreffend ; für 
beachtenswerth (und mit großer belesenheit in Philol. XXX, 
686 vertheidigt) alte — suppurare in VII, 2, 9 , wo die hand- 
schriften liefern: Nisi, quae delata essent , excussissem, valde dis- 
simulatio mea superare potuisset und wo die herausgeber für su- 
perare, das unverständlich ist, suspecta esse, eingesetzt haben, das 
schon wegen des gleich darauf folgenden suspectos, mehr noch 
wegen des sinnes unmöglich ist; dagegen nehme ich an dolor 
soporatus recruduit in VII, 1, 7 (für welches Vogel nach P sup- 
puratus giebt) keinen anstoß, weil das dem recrudescere zu gründe 
liegende bild gänzlich aus dem bewußtsein entschwunden war 
und nur die bedeutung sich wieder erneuern, wieder heftiger 
werden übrig blieb, wie in pugna, seditio, amor recrudescit; selbst 
für die erste stelle würde ich exuberare „um sich greifen , über- 
hand nehmen" vorziehen; es ist gerade ein wort, welches in der 
ersten kaiserzeit mit dieser bedeutung in aufnähme gekommen 



Nr. 3. 42. Curtius. 193 

war (z. b. exuberat umbra Werg. Gr. I, 191, der schatten wird zu 
groß, corpus luxuriat exuberatque Gell. VII, 22, die korpulenz 
nimmt überhand): Alexander will, daß Offenheit zwischen ihm 
und seinem beere bestehe; würde er, so meint er, die schuldigen 
nicht zur Verantwortung gezogen, sondern den verdacht auf ihr 
vergehen in sein herz verschlossen haben , so würde diese seine 
Verstellung — ich brauche ungefähr Vogels eigne worte — im- 
mer weiter bei ihm wurzel gefaßt haben ; gerade das drückt 
exuberare aus, und es liegt auf der band , wie leicht aus diesem 
worte durch die Ungeschicklichkeit eines abschreibers superare 
entstehen konnte. — Ich erwähne von emendationen Vogels 
noch VII, 1, 35 hoc unum militiae ius usurpante für hoc unum 
militiae suae usurpante; VII, 8, 11 morilus hominibusque nostris, wo 
die hinzufügung von hominibusque wegen des folgenden et tempora 
et ingenia cultiora sorlltis geradezu geboten erscheint; VI, 9, 21 
Hos (gladios), si mihi creditis, Philotas in ine acuit, si ipsi (nämlich 
creditis) , acui permisit für das handschriftliche si ipsi admisit, 
woraus man si ipsi admiseritis gemacht hatte; VI, 10, 34 (medi- 
camentum) qaod medicus dare constituerat für das unpassende im- 
perfectum constitueret ; 111,2, 15 cibus, quem occuparunt, satiat für 
occupati parant. In V, 5, 3 tota nocte cum equitibus itineris tanto 
spatio fatigatis ad Araxen prima luce pervenit fehlt offenbar ein 
participium ; Vogel setzt hinter tota nocte hinzu vectus , das aber 
ohne equo nicht gut stehen kann ; warum nicht das üblichere 
profectus ? 

Dagegen halte ich folgende textveränderungen für unnütz, 
weil nicht unbedingt durch die bescbaffenheit der handschriftli- 
chen lesart erfordert. Er setzt IV, 1, 22 tetris (sordibus) für 
aeternis; allerdings hätte der Schriftsteller auch so sagen können, 
er wird es eben nicht gewollt haben ; aeternus wird ja auch sonst 
von dem , was lange und unaufhörlich fortdauert , gebraucht ; 
IV, 12, 11 facies für acies; die für die änderung aus III, 11,4 
herbeigezogene stelle ist ganz andrer art ; es handelt sich da 
um den anblick des heeres, in dem satz des vierten buchs um 
die bestandtheile desselben, was man mit dem kunstausdruck 
ordre de bataille nennt; III, 11, 8 in paucis insignis für in pau- 
cissimis\ wozu die abschwächung? und wozu insignis, da eminens 
vorher gebt ? VI, 4,19 non clausuni mare für non Caspium mare ; 
daß es von manchen nicht für ein von den übrigen abgeson- 



194 42. Curtius. Nr. 3. 

dertes meer gehalten werde, war schon vorher, durch die angäbe 
seines vermeintlichen Zusammenhangs mit der palus Maeotis aus- 
drücklich genug erklärt, konnte also hier nicht als etwas neues 
angebracht werden ; die lesart der handschriften ist völlig rich- 
tig; C'aspium ist hier das gentile ; die Caspier werden IV, 12, 9 
als volk aufgeführt : Curtius sagt daher : einige haben geglaubt, 
daß dies meer nicht ein dem lande der Caspier ausschließlich 
^angehöriges sei, sondern sich aus Indien bis nach Hyrcanien 
hinein erstrecke, oder mit andern worten nur einen theil des 
Indischen Oceans bilde etc. 

Einige andre conjecturen scheinen mir geradezu verfehlt. 
So schreibt Vogel III, 11, 4 egregie regem tuebantur für das, 
was man bisher, allerdings auch nur nach vermuthung, las, und 
was auch Hedicke hat stehen lassen: egregie se tuehantur; es ist 
von der infanterie die rede, welche, mitten in die Perser einge- 
drungen, sich zwar selbst trefflich vertheidigen, aber dem feinde 
nicht schaden thun kann ; der könig dagegen stand, wie nachher 
deutlich gesagt wird, bei der reiterei (17); manschließt es auch 
leicht daraus, daß er mit den um ihn geschaarten begleitern (9) 
in die persische reiterei einbricht. Uebrigens kann auch der 
anfang des satzes, an dessen handschriftlicher Überlieferung eine 
änderung unumgänglich ist , bisher noch nicht in Ordnung ge- 
bracht sein : es tritt ein neues subject ein , da im vorigen ab- 
schnitt von den Parmenio zu hülfe geschickten reitern, in diesem 
von dem flügel des heeres selbst die rede ist, von welchem sie 
detachirt worden sind ; durch das inmissi, das Foß aus dem hand- 
schriftlichen ipsi gemacht hat , wird das nothwendige neue sub- 
ject entfernt, und dies participium kann so, ohne jede Verbin- 
dung , mit circumfusi zusammen nicht stehen bleiben ; es wird 
zu lesen sein: Iamque ipsi in medium Persarum invecti et undique 
circumfusi etc. — Wenn Vogel in III, 3, 5 für die handschrift- 
liche lesart quodve regnum Asiae occupare habuisset, haud ambiguae 
rei, weil vorher die vestis Persica ac vulgaris erwähnt war, ein- 
setzen zu können glaubt, ohne übrigens selbst mit seiner ver- 
muthung das richtige getroffen zu haben zu vertrauen: quodque 
vestem Persicam ac vulgarem habuisset, haud ambigue regnum Asiae, 
wobei zu regnum Asiae aus dem vorigen portendere hinzugedacht 
werden soll, so weicht er doch zu weit von der Überlieferung 
ab und übersieht wohl, daß gerade Curtius eine solche wieder- 



Nr. 3. 43. Griechische geschichte. 195 

holung einer ganzen reihe derselben ausdrücke sorgfältig ver- 
meidet ; die Wahrsager wollen offenbar mit diesen worten , was 
unter fulgor gemeint sei, erklären und das dem Darius in einer 
ihn nicht verletzenden weise andeuten , und da der könig , wie 
man aus späteren stellen sieht, Alexander noch gar nicht zutraut, 
sich zum könig seines ganzen reiches machen zu wollen , sagen 
sie, wie ich glaube : quem vel regnum Asiae occupare statuisse haud 
ambigere se und weiter: quoniam in eotlem habitu quo Dareus 
fuisset, quum cqvpellatus esset rex, in welchen worten ich quo hin- 
zugefügt und esset aus dem in der indirecten rede unstatthaften 
indicativ est gemacht habe. 

Eine neue kritische ausgäbe , welche für spätere arbeiten 
dieser art eine grundlage abgeben könnte , wie es von Hedicke 
unternommen worden ist , hat Vogel nicht liefern wollen ; seine 
annotatio critica schließt diese absieht deutlich aus ; es wird da 
in vielen fällen zwar eine textveränderung angegeben, aber kei- 
nesweges immer, woher die neue lesart stammt, noch auch wor- 
auf die verworfene ältere beruht. Dagegen hat er einen an 
vielen stellen verbesserten und im ganzen sehr wohl lesbaren 
text, wenn auch nicht ohne einige willkürlichkeit, hergestellt; 
und da er in den anmerkungen bereits die im buche vorgenom- 
menen änderungen mehrfach widerruft , läßt sich erwarten , daß 
er bei einem neuen abdruck, was noch mangelhaft oder tadelns- 
werth erscheint, wird verbessern wollen. H, J. Heller. 

43. Adolf Bauer, Themistokles. Studien und beitrage 
zur griechischen historiographie und Quellenkunde. Merseburg 
1881. Verlag von P. Steffenhagen, gr. 8. 173 p. 

Das vorliegende buch hat die bestimmung, „die verschie- 
denen Überlieferungen über Themistokles in ihrer eigenart zu 
charakterisiren, die auffassungen, die zu verschiedenen zeiten gel- 
tung hatten, ausfindig zu machen und so unsere kenntniß in der 
richtung auf die geistesart der verschiedenen autoren und ihrer 
zeit zu bereichern." Diesem zwecke gemäß werden die einzel- 
nen quellen nach einander besprochen, in der art, daß entweder 
einem einzigen autor oder einer gruppe zusammengehöriger au- 
toren ein besonderer abschnitt gewidmet wird. Im wesentlichen 
ist hierbei die chronologische folge eingehalten; nur fällt es auf, 
daß Stesimbrotos erst nach Ktesias an die reihe kommt. 



196 43. Griechische geschichte. Nr. 3 

Als eine hauptaufgabe seiner Untersuchungen bezeichnet 
Bauer die prüfung derjenigen angaben , die über Herodot und 
Thukydides hinaus geboten werden. Er gelangt zu dem resultat, 
daß das neue, was die späteren autoren im vergleich zu den 
großen historikern bieten , fast nur auf Übertreibung ihrer be- 
richte und Schlußfolgerungen aus denselben zurückzuführen sei, 
und glaubt daher annehmen zu dürfen, daß den späteren ein 
wesentlich über Herodot und Thukydides hinausgehendes mate- 
rial nicht zu geböte stand. Daß die späteren die berichte des 
Herodot und des Thukydides oft willkürlich abänderten, kann nun 
freilich nicht in abrede gestellt werden ; von hier ist es aber 
noch ein sehr weiter schritt zu der annähme , daß sie nicht in 
der läge gewesen seien , aus anderen quellen werthvolle nach- 
richten zu entnehmen. Von der unhaltbarkeit dieser ansieht hätte 
sich Bauer leicht überzeugen können, wenn er sich nur die mühe 
genommen hätte, diejenigen nachrichten über Themistokles und 
seine zeit, die uns lediglich durch die späteren autoren übermit- 
telt worden sind, zusammenzustellen. Die angaben des Herodot 
und Thukydides beschränken sich im wesentlichen auf die grün- 
dung der flotte, die anläge des Piraeeus, den antheil des Themi- 
stokles an der besiegung des Xerxes , den Wiederaufbau und 
die befestigung Athens, ostrakismos, proceß und flucht des The- 
mistokles. Dagegen wird weder für das archontat des Themi- 
stokles, noch für den ostrakismos des Aristides und den des The- 
mistokles selbst , noch für die flucht des Themistokles der zeit- 
punet angegeben. Ebenso erfahren wir nichts von dem Schieds- 
spruch des Themistokles bei dem streite der Korinthier und Ker- 
kyräer um Leukas, von seiner Strategie zur zeit des bergwerks- 
gesetzes, dem Widerspruch des Miltiades gegen den antrag auf 
Vermehrung der flotte, der Wirksamkeit des areopag vor der 
Schlacht bei Salamis und von den nach dem kriege mit Xerxes 
gefaßten beschlüssen über die alljährliche Vermehrung der flotte 
um 20 schiffe und die Steuerfreiheit der Metöken. Wenn nun 
die späteren für so wesentliche daten und thatsachen unsere ein- 
zige quelle sind , so wird es ihnen wohl auch möglich gewesen 
sein, uns unabhängig von Herodot und Thukydides manche an- 
dere schätzbare nachricht zu übermitteln. Einer stadtchronik, 
deren existenz Bauer nicht ohne weiteres hätte in abrede stellen 
sollen, bedurften sie hierzu nicht, da sie auch aus den volks- 



Nr. 3. 43. Griechische geschichte. 197 

beschlüsseu manche wichtige thatsache entnehmen konnten. Daß 
ihnen anderweitig nicht bekannte psephismen noch vorlagen, 
zeigt die erwähnung eines kurz vor der schlacht bei Platää ge- 
faßten beschlusses (Plut. Arist. lOfin.), dessen Wortlaut Plutarch 
noch kannte, und soclann der in urkundlicher fassung überlieferte 
name des Leobotes, der im proceß des Themistokles als ankläger 
auftrat (Plut. Them. 23). Außer den Urkunden aber lagen den 
späteren autoren auch litterarische quellen vor, unter denen na- 
mentlich in betracht kommt das werk des Stesimbrotos von 
Thasos über Themistokles, Thukydides und Perikles. Obwohl 
diese schrift eine dem Themistokles feindliche tendeuz verfolgte, 
so ist sie doch keineswegs ohne werth, wofür als beleg die auch 
von Bauer nicht angefochtene nachricht von dem verhalten des 
Miltiades gegen das bergwerksgesetz (Plut. Them. 4) angeführt 
werden mag. Schmidt hat sich in seinem „perikleischen Zeit- 
alter" sogar bemüht, nachzuweisen, daß für das leben des The- 
mistokles Stesimbrotos die hauptquelle Plutarchs war. Wenn 
nun Bauer auch gezeigt hat , daß die gründe , auf die Schmidt 
seine ansieht stützt, häufig nicht zwingend sind, so ist es doch 
sehr übereilt, zu behaupten, daß die neue primärquelle nunmehr 
wieder zu den todten gelegt werden müsse. Bei der Unsicher- 
heit unserer quellenforschung , die gerade von Bauer mit recht 
betont wird, scheint diese behauptung überaus gewagt. Muß 
nicht immer mit der möglichkeit gerechnet werden, daß eine 
nicht im Herodot oder Thukydides enthaltene angäbe, für die 
sich die quelle nicht bestimmen läßt, direct oder indirect auf 
Stesimbrotos zurückgeht? Diese möglichkeit hätte in dem ab- 
schnitt, der sich mit Stesimbrotos beschäftigt, wenigstens hervor- 
gehoben werden sollen ; aixch wäre hier eine eingehende prüfung 
der ansichten Schmidts, namentlich seiner principiellen gründe, 
am platze gewesen. Statt dessen hat sich Bauer darauf be- 
schränkt, in späteren abschnitten gelegentlich nachzuweisen, daß 
in diesem oder jenem falle kein genügender grund vorliege, die 
benutzung des Stesimbrotos anzunehmen 1 ). Es ist klar, daß 

1) Auch in der sehr ausführlichen besprechung, die Bauer den Unter- 
suchungen Schmidts in der Zeitschrift für Österreich, gyrnn. 1881, p. 
107 — 122 gewidmet hat, werden die von Schmidt geltend gemachten 
inneren gründe nicht gewürdigt; namentlich ist dem umstand, daß wir 
sehr wichtige nachrichten über Perikles allein dem Plutarch verdanken, 
keine rechnung getragen. 



198 43. Griechische geschichte. Nr. 3. 

durch ein solches verfahren die für die quellenforschung überaus 
■wichtige Stesimbrotosfrage nicht gefördert wird. Zudem ist die 
polemik gegen Schmidt keineswegs immer gerechtfertigt. Als 
beispiel hierfür möge angeführt werden die in excurs II ent- 
haltene erörterung über das vierte capitel des plutarchischen 
Themistokles. Plutarch berichtet hier über den flottengründungs- 
plan des Themistokles und bemerkt hierbei unter berufung auf 
Stesimbrotos , daß Miltiades sich jenem plane widersetzt habe. 
In dem nämlichen capitel findet sich die im Herodot und Thu- 
kydides nicht enthaltene angäbe, daß Themistokles die erbauung 
von 100 schiffen beantragte. Ref. nahm in Übereinstimmung mit 
Schmidt an, daß hier wiederum Stesimbrotos benutzt sei. Bauer 
bemerkt hiergegen : „weil Thukydides nicht die quelle ist, muß 
es nicht Stesimbrotos sein." Aber auf welchen anderen autor 
sollen wir denn rathen? Da Stesimbrotos gerade in dem bericht 
über diese Verhandlungen für eine thatsache als gewährsmann 
genannt wird und für die benutzung anderer autoren nicht der 
geringste anhaltspunct vorliegt, so liegt es doch nahe genug an- 
zunehmen, daß Plutarch hier wiederum dem Stesimbrotos folgt. 
Warum Bauer gerade bestrebt ist, die am meisten berechtigte 
annähme als durchaus unsicher hinzustellen, ist nicht einzusehen. 
Uebrigens spricht für die benutzung des Stesimbrotos , wie an- 
derweitig gezeigt werden soll, auch ein innerer grund. Wenn 
nun aber die benutzung des Stesimbrotos an einer stelle, an der 
er nicht citirt wird , mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen 
werden kann , so legt dies die vermuthung sehr nahe , daß er 
auch noch für sonstige angaben Plutarchs quelle gewesen ist. 
Die Stesimbrotosfrage kann hiernach keineswegs als erledigt be- 
trachtet werden. 

Durch die irrthümliche Voraussetzung, daß den späteren ein 
über Herodot und Thukydides wesentlich hinausgehendes mate- 
rial nicht zu geböte stand , ist Bauer verleitet worden , an sich 
sehr glaubliche nachrichten lediglich deshalb in frage zu stellen, 
weil sich ihre richtigkeit durch andere Zeugnisse nicht contro- 
liren läßt. So bezweifelt er z. b. ganz ungerechtfertigter weise 
die nachricht (Plut. Them. 11), daß die Athener vor der schlacht 
bei Salamis diejenigen, die nur auf bestimmte zeit verbannt waren, 
zurückgerufen hätten. Die angaben, daß die Athener beim her- 
anrücken des Xerxes den Themistokles und für das folgende 



Nr. 3. 43. Griechische geschichte. 199 

jähr den Aristides zum argarriyoi; av70XQ(t7(OQ ernannt hätten 
(Plut. Arist. 8 und 11), bezeichnet Bauer p. 80, note 1 geradezu 
als Übertragungen aus der zeit des Thukydides. Aber woher 
weiß er denn , daß nicht auch in früherer zeit einem einzigen 
feldherrn unbeschränkte vollmacht übertragen werden konnte? 
Lag eine solche maßregel gerade bei dem krieg mit Xerxes 
nicht außerordentlich nahe? Auch macht die darstellung He- 
rodots durchaus den eindruck, daß erst Themistokles und später 
Aristides ein unumschränktes commando ausübten. Ebenso we- 
nig ist es gerechtfertigt, die angäbe Plutarchs (Them. 7), daß 
Themistokles nur mit widerstreben ein athenisches contingent 
nach dem Tempepasse geführt habe, ohne weiteres zu verwerfen. 
Uebrigens geräth Bauer mit seiner ansieht von der beschaffen- 
heit der späteren Überlieferung selbst in Widerspruch , wenn er 
eine nachricht des Aristoteles von der Wirksamkeit des areopag 
vor der schlacht bei Salamis ohne bedenken aeeeptirt (p. 132) 
und sein bedauern darüber äußert, daß uns nachrichten des Phi- 
lochoros über Themistokles nicht überliefert sind (p. 129). 

Sehr ausführlich erörtert Bauer das verhältniß des Thuky- 
dides zu Herodot, doch erweisen sich auch hier die resultate, 
auf die er das meiste gewicht legt, als unhaltbar. Es ist an- 
erkannt , daß Thukydides an einigen stellen seines geschichts 
werkes verdeckt gegen Herodot polemisirt. Bauer sucht nun 
nachzuweisen , daß dies auch noch an anderen stellen der fall 
ist, die jedoch größtentheils für eine solche annähme nicht den 
mindesten anhält bieten. Höchst seltsam ist die behauptung, 
daß Thukydides , wenn er den peloponnesischen krieg für den 
bedeutendsten erkläre, hiermit sich gegen Herodot wende, der 
den krieg mit Xerxes als den größten bezeichne (VII, 20). 
Thukydides müßte ja in diesem falle ganz vergessen haben, daß 
für Herodot, der allem anschein nach noch vor dem frieden des 
Nikias sein werk ausarbeitete , der peloponnesische krieg gar 
nicht in betracht kommen konnte! Zudem behauptet Herodot 
an der von Bauer angeführten stelle nur , daß unter den bishe- 
rigen heeresrüstungen (ozöloi) die des Xerxes die bedeutendste 
gewesen sei, was doch auch Thukydides zugeben mußte. Ebenso 
unglücklich ist die annähme, daß Thukydides, wenn er im epi- 
taphios das perikleische Athen verherrliche, gegen die anschauung 
von der guten alten zeit polemisire , die auch bei Herodot aus- 



200 43. Griechische geschichte. Nr. 3. 

druck finde in der bemerkung, daß Hellas in den drei genera- 
tionen von Dareios bis Artaxerxes mehr Unglück habe erdulden 
müssen, als in den zwanzig vorhergehenden, theils von den Persern, 
theils durch den kämpf Athens gegen Sparta (VI, 98). Inwie- 
fern in der Verherrlichung des perikleischen Athens ein Widerspruch 
gegen diese bemeikung liegen soll, ist durchaus nicht einzusehen. 
Thukydides ist vielmehr mit Herodot vollkommen einverstanden, 
wenn er I, 23, 1 von dem peloponnesischen kriege sagt: nadr t - 
fAara ts £vpi]rix&q yspsa&ai i§> avTqp r7j 'Eklädi via ol% stega iv 
ioq> XQ° V( P- Woher weiß übrigens der Verfasser, daß Thukydides 
nur für Athener schrieb? 

Andrerseits muß jedoch anerkannt werden, daß Bauers Un- 
tersuchung auch manche zutreffende bemerkung enthält. Mit 
recht wird hervorgehoben , daß die kleinlichen rivalitäten der 
verschiedenen griechischen Staaten , die schon bei Herodot sich 
vordrängen, dem Simonides noch unbekannt sind. Mit den aus- 
führungen über die beurtheilung des Themistokles bei Herodot 
kann man sich fast durchweg einverstanden erklären. Die an- 
gäbe, daß Themistokles sich durch die zweite Sendung an Xerxes 
eine eventuelle Zuflucht in Persien habe sichern wollen, wird 
vom Verfasser mit recht zurückgeführt auf das bestreben, die" 
bereitwillige aufnähme zu erklären, die später dem Themistokles 
am persischen hofe zu theil wurde. Bauer möchte sogar jene 
sendung überhaupt in abrede stellen •, seine bedenken sind jedoch 
nunmehr durch Dunckers sehr wahrscheinliche hypothese be- 
seitigt. 

Am besten gelungen ist der abschnitt, welcher über Ephoros 
handelt. Bauer zeigt hier, daß die abweichungen des Ephoros 
von Herodot und Thukydides sich in vielen fällen erklären 
durch das bestreben , die darstellung effectvoller zu gestalten. 
Besonders wird nachgewiesen, daß Ephoros sich die Verherrli- 
chung des Themistokles in hohem grade angelegen sein ließ, 
was namentlich hervorgeht aus dem von Herodot durchaus ab- 
weichenden bericht Diodors über die zweite sendung des The- 
mistokles an Xerxes. Das unlautere motiv, welches Herodot 
dem Themistokles beilegt , fällt hier weg ; die sendung hatte 
vielmehr lediglich den zweck, Xerxes zum schleunigen abzug zu 
bewegen und so die persischen Streitkräfte zu verringern. Da 
Plutarchs bericht (Them. 16) ganz die nämliche tendenz zeigt, 



Nr. 3. 44. Griechische geschichte. 201 

so muß man Bauer zugeben , daß derselbe nicht , wie Schmidt 
und der ref. früher annahmen, auf den dem Themistokles ab- 
geneigten Stesimbrotos zurückgeht, sondern daß Ephoros seine 
hand im spiele hat, wenn er auch hier schwerlich von Plutarch 
direct benutzt sein mag. 

In dem nämlichen abschnitt macht Bauer beherzigenswerthe 
bemerkungen über die methode der modernen quellenforschung. 
Einen hauptfehler derselben erkennt er mit recht darin, daß man 
häufig die geistige Selbständigkeit der späteren autoren, nament- 
lich des belesenen Plutarch, zu sehr unterschätzt und daher auf 
abweichungen, die in willkürlicher änderung ihren grund haben 
können , zu großes gewicht legt. Nur scheint es mitunter , als 
ob der Verfasser sich schon etwas zu sehr zu dem anderen ex- 
trem hinneigte. Jedenfalls ist auch Bauer im rechte, wenn er 
behauptet, daß Plutarch den Herodot und Thukydides sehr wohl 
kannte. Gleichwohl bleibt es sehr fraglich , ob die zahlreichen 
Übereinstimmungen mit Herodot , die sich in Plutarchs Themi- 
stokles cap. 6 — 18 finden, auf directe benutzung desselben 
zurückzuführen sind , wie Bauer annehmen zu müssen glaubt. 
Die ganze darstellung macht, soweit sie einen vergleich mit He- 
rodot zuläßt, eher den eindruck einer in bestimmter tendenz 
unternommenen Überarbeitung , für die wir Plutarch doch wohl 
nicht verantwortlich machen dürfen. L. Holzapfel. 

44. Francois Lenormant, La Grande - Grece. Pay- 
sages et histoire. Littoral de la mer Jonienne. Tome I. IL 
Paris, A. LeVy 1881. 8. VII, 473; 466 p. 

Die ergebnisse einer Studienreise längs der ostküste Groß- 
griechenlands, unternommen im Oktober 1879, hat der vielge- 
lehrte und mit den vornehmsten culturländern des alterthums 
aus eigner anschauung bekannte Verfasser zu einem größeren 
werk verarbeitet, welches in den vorliegenden theilen die strecke 
von Tarent bis Squillace behandelt. Es ist sowohl für das ge- 
bildete publicum wie für die gelehrte weit bestimmt, lebendig 
und anschaulich geschrieben , der stoff in weitester ausdehnung 
herangezogen : die geschichte der einzelnen orte wird vollständig 
erzählt, nicht bloß die alte, auch die spätere bis in die neueste 
zeit, dazu das leben aller berühmten männer, welche irgend ein- 
mal dort gewirkt haben. Zur abwechslung dienen zahlreiche 
Philo!. Anz. XIII. 14 



202 44. Griechische geschichte. Nr. o, 

abschweifungen verschiedener art, in welchen verf. gelegenheit 
nimmt, eine fülle weitschichtiger kenntnisse zum nutzen der leser 
zu entfalten. So veranlaßt ihn z. b. die erwähnung der ele- 
phanten des Pyrrhos zu einem excurs über die Verwendung die- 
ser thiere in den makedonischen heeren; wer in diesem nichts 
neues finden sollte, dem wird um so reichere belehrung die ge- 
schichte der hauskatze im alterthum bieten, welche der verf. 
bei gelegenheit ihrer darstellung auf tarentinischen bildwerken 
mittheilt. Vor allem ist es die religion der alten Völker, welche 
ihn anzieht und zu ebenso häufigen wie eingehenden auseinan- 
dersetzungen veranlaßt ; nicht viel weniger räum nimmt die dar- 
legung über den Pythagoreismus ein: beide themata sind in 
selbständiger weise behandelt. 

Ein wichtiges ergebniß der mittelalterlichen Studien des 
verf. ist der nachweis, daß die reste und spuren griechischen 
wesens und lebens, welche man jetzt noch in Unteritalien findet, 
mit dem alten Großhellas in keinem Zusammenhang stehen : land 
und volk wurden unter der römischen herrschaft vollständig la- 
tinisirt und erst durch das byzantinische regiment des VIU — IX. 
Jahrhunderts das Griechenthum von neuem zur geltung gebracht, 
welches sich dann auch unter den normannischen fürsten noch 
lange behauptete. Eine andere feststellung von durchgreifender 
Wichtigkeit betrifft den Ortswechsel der küstenbevölkerung : in 
der Griechen- und Römerzeit hart am meer seßhaft, finden wir 
sie jetzt demselben entrückt; der verf. zeigt, daß die Ursache 
in dem (theilweise bekanntlich noch bis in unser Jahrhundert 
hineinreichenden) corsarenunwesen der Moslemim lag, welches 
die küstenstädte unaufhörlich heimsuchte und die geplagte be- 
völkerung nöthigte, ihre sitze landeinwärts zu verlegen. Mit 
wohlthuender wärme schildert er, wie jetzt unter der nationalen 
regierung das viele Jahrhunderte hindurch mißhandelte land wie- 
der aufzublühen beginnt und das berüchtigte brigantenthum Ca- 
labriens allmählich mythisch wird, wie zumal seit dem bestehen 
der dampfstraße längs der ostküste sich neues leben über den 
ruinen regt und die aussieht gegeben ist, daß die städte wieder 
ans meer vorrücken und die reichen schätze, mit welchen die 
natur diese gestade ausgestattet hat, zur verwerthung gelangen; 
aber auch wie eine nur annähernde Wiederkehr der glücklichen 
zustände alter zeit trotz der bestgemeinten absichten und bemü- 



Nr. 3. 44. Griechische geschichte. 203 

hungen erst dann zu erhoffen steht, wenn der fluch der latifun- 
dienwirth schaft gründlich beseitigt wird. 

Auf die archäologischen erhehungen des verf., die nach läge 
der dinge nicht bedeutend ausfallen konnten, einzugehen ist 
nicht unsres amts ; auch seine ansichten über religion und my- 
thologie mögen unbesprochen bleiben, nur die bemerkung können 
wir nicht unterdrücken , daß es ein vergebliches bemühen ist, 
den götterglauben der alten Oinotrer erkunden zu wollen. Namen 
wie Oinotros, Sikelos, Italos, Italia, welche der verf. zu gotthei- 
ten erhebt, bezeichnen ja weiter nichts als hohle personificationen 
von Völkern und landern in der bekannten weise der Griechen: 
mit dem weingott Dionysos in stiergestalt u.dgl. haben sie nichts 
zu schaffen. Auch hinter dem Pan , welchen die münzen von 
Pandosia zeigen, ist nichts besonderes zu suchen: die einwohner 
glaubten in dem namen ihres ortes den des gottes zu finden. 
Etwas mehr bezug auf die geschichte haben die localen heroen- 
mythen , ihren werth schlägt aber der verf. zu hoch an , wenn 
er z. b. die localisirungen der sage von Herakles mit den Ge- 
ryonesrindern auf einen bestimmten umkreis beschränken und 
hierin eine eigenthümlichkeit geschichtlicher art erkennen will: 
man findet dieselben auch an andern orten, welche der held auf 
dem wege von Erytheia nach Mykenai berührt haben konnte, 
und sie dienten gleich den sagen von den heimkehrenden Troia- 
fahrern dem zweck , den einwohnern altgriechische herkunft zu 
vindiciren. Die geschichte der alten colonien Großgriechenlands 
ist nur trümmerhaft überliefert : der verf. hat zu ihrer ergänzung 
in geschickter und oft glücklicher weise die numismatik zu hülfe 
genommen ; einiges neue hätte wohl auch aus den Schriftstellern 
gewonnen werden können. Diese kennt er bedauerlicher weise 
zum theil nur aus veralteten textausgaben, ein übelstand, welcher 
sich hie und da auch in den wichtigsten partien des Werkes, 
den topographischen Untersuchungen bemerklich macht. So ci- 
tirt er aus Livius XXX, 1 9 die Ortsnamen Sypheum , Uffugum 
u. a. , welche jetzt anders (Lymphaeum , Aufugum) geschrieben 
werden , macht darauf hin bei Livius VIII, 24 die conjectur 
Consentiam Sypheumque ex Lucanis, Bruttiorum. Acerinam (womit 
überdies bruttische orte nach Lucanien verlegt werden und um- 
gekehrt) und erfindet eine Stadt Acerina, jetzt Acri, angeblich 
nach den handschriften , die unsres Wissens vielmehr consentiam 

14* 



204 44. Griechische geschichte. Nr. 3. 

ex lucanis sipontumque bruttiorum acrentinam (die ausgaben ac Te- 
rinam) bieten. Ein unglücklicher gedanke andrer art ist die 
identification des ortes Citrezza bei Tarent mit dem Oebalia der 
römischen dichter, einer poetischen bezeichnung der Stadt Tarent 
selbst, in welcher der heros Hyakinthos söhn des Oibalos be- 
sonders verehrt wurde. 

Den Akalandros des Strabon erklärt verf. für verschieden 
von dem des Plinius, jetzt Salandra, Salandrella (im mittelalter 
Chelandra) zwischen Metapont und Herakleia, weil Strabon den 
fluß in das gebiet von Thurioi setzt; wir halten das wegen der 
Unsicherheit der grenzverhältnisse zwischen diesen städten für 
zweifelhaft , jedenfalls aber die namensähnlichkeit mit dem Ra- 
ganello nördlich von Thurioi, auf welchen Lenormant jenen 
deutet, für gar zu gering. Mit recht legt er großes gewicht 
auf die Verbindung östlicher küstenstädte mit westlichen (von 
Metapont mit Poseidonia, Siris mit Pyxus, Kroton mit Pandosia, 
Kroton mit Temesa) , welche auf sehr alten silbermünzen von 
der gattung der incusi zum Vorschein kommt, und schließt dar- 
aus auf das bestehen großer verkehrsstraßen, welche quer durch 
das binnenland liefen; wenn von Sybaris solche münzen 
nicht vorhanden sind, so darf man das aus dem umstand er- 
klären, daß die Stadt colonien und abhängige orte auf der West- 
seite besaß. Daß diese prägung nicht weiter herab als bis um 
520 stattfand, möchten wir bezweifeln : der verf. sieht sich ge- 
nöthigt, das 471 von Mikythos gegründete Pyxus für die er- 
neuerung einer älteren Sybaritencolonie dieses namens zu hal- 
ten, von welcher nirgends etwas gemeldet wird. Die colonien 
von Sybaris sind aller Wahrscheinlichkeit nach damals nicht 
selbständig gewesen und die meinung des verf., jenes ältere 
Pyxus sei 511 mit Sybaris zerstört worden, wird durch den 
umstand widerlegt, daß die der mutterstadt weit näher gelege- 
nen colonien Skidros und Laos die Zufluchtsorte der die Zerstö- 
rung überlebenden Sybariten geworden sind; ein irrthum ist die 
meinung, welche Lenormant mit vielen theilt, als hätte zwischen 
511 und 453 ein anderes Sybaris bestanden, s. Philol. XLI, 
132. Man wird daher (da auch die oinotrische stadt Pyxos 
sich nicht hierherziehen läßt) jene münzen in die zeit zwischen 
471 und der Umwandlung von Siris in Herakleia (433) verlegen 
müssen. 



Nr. 3. 44. Griechische geschichte. 205 

Die blüthe des alten Sybaris schildert verf. in lebhaften 
färben, er erläutert die Ursachen derselben und führt auch die 
anekdoten, welche von dem luxus der einwohner übertriebene 
Vorstellungen machen , durch ansprechende deutung auf ihren 
wahren werth zurück. In scharfsinniger weise erklärt er die 
orientalischen eimiüsse, welche die etruskischen antiken zeigen, 
aus der innigen Verbindung zwischen Sybaris, welches von meer 
zu meer herrschte, und Miletos, dem hauptsitz und Stapelplatz 
einer industrie , welche an orientalische Vorbilder anknüpfte : 
Sybaris vermittelte nach dem verf. den vertrieb der milesischen 
waaren zu den Etruskern. Diese denkt er sich damals schon 
als besitzer Campaniens, was sie freilich den besten nachrichten 
zufolge erst um die zeit des Untergangs von Sybaris geworden 
sind. Die läge der alten stadt wird von dem verf., welcher 
die topographische aufnähme Cavallari's benutzen konnte, besser 
bestimmt als es bisher geschehen ist : unterhalb des punktes, wo 
sich vom Crati (Krathis) der Crati vecchio, ein ausgetrocknetes 
flußbette (Herodots ZrjQo^ KqÜoti^) rechts dem meere zu abzweigt, 
und oberhalb der mündung des Coscile (Sybaris) in den Crati, dessen 
linker zufluß er ist. Dort haben sich theils im Crati selbst theils in 
nächster nähe antike baureste gefunden, welche aus der zeit des alten 
Sybaris zu stammen scheinen. Der verf. fordert die französische re- 
gierung auf, in nachahmung des von England und Deutschland in 
Kleinasien und Olympia gegebenen beispiels großartige ausgra- 
bungen zu veranstalten, von welchen er sich die aufdeckung ei- 
nes neuen Pompeji verspricht. Eine seiner Voraussetzungen ist 
zwar nicht stichhaltig : aus der angäbe Strabons, die Krotoniaten 
hätten 511 den fluß über das zerstörte Sybaris geleitet, schließt 
er , daß bis dahin die zwei flüsse , zwischen welchen die Stadt 
lag , ohne sich zu vereinigen neben einander dem meere zuge- 
flossen und in dem Crati vecchio der ursprüngliche unterlauf 
des Krathis zu finden sei, welchen die Krotoniaten 511 in den 
Sybaris geleitet hätten. Nach Diodors ausdrücklicher angäbe 
haben jedoch sowohl 453 als 446 die zurückgekehrten Sybariten 
sich zwischen beiden Aussen in der alten Stadt angesiedelt und 
erst 444 die colonisten aus Althellas die quelle Thuria aufge- 
sucht, ist also jene abgrabung nur eine vorübergehende gewesen, 
und Strabon setzt das alte Sybaris an den Krathis , womit sich 
die benennung der stadt nach dem Sybaris nur unter der vor- 



206 44. Griechische geschichte. Nr. 3. 

aussetzung vereinigen läßt , daß schon zur zeit ihrer gründung 
im achten Jahrhundert dieser ein zufluß des Krathis gewesen ist. 
Der ansatz des verf. wird aber hiedurch in anderer weise be- 
stätigt: Strabon konnte nur dann oUovvtsg sn). ztjj KyädtSi sa- 
gen, wenn die zwei flüsse sich gleich unterhalb der Stadt verei- 
nigten und er nennt bloß den Krathis , weil dies der hauptfluß 
ist. Auf das neue Sybaris, welches die vou den althellenischen 
zuwanderern verjagten Sybariten 445 am Traeis (Trionto) grün- 
deten , bezieht Lenormant die kleinen silbermünzen mit Pallas- 
kopf und dem namen Sybaris , welche um 400 geschlagen zu 
sein scheinen , ferner Theokrit V, 1 ff . , wo der hirt eines Sy- 
bariten mit dem eines Thuriners Zwiesprache hält. Wir fügen 
auch das Sybaris zu , welches nach dem sechsten Jahrhundert 
in gemeinschaft mit Kroton und Kaulonia die Verfassung und 
gesetzgebung der peloponnesischen Achaier annahm : daß Poly- 
bios es mit Thurioi verwechselt hätte , ist schwer anzunehmen 
und er scheint auch den Vorgang kurz vor , nicht in die zeit 
des Dionysios I. zu setzen. Lenormant bezieht ihn in herkömm- 
licher weise auf das gegen diesen gerichtete bündniß , welches 
erst 393 geschlossen wurde: dies war aber nur ein kriegsbund 
und umfaßte, Lokroi und Tarent ausgenommen, alle Italioten- 
städte , z. b. auch Rhegion, wogegen bei unsrer auffassung von 
Pol. II, 39 es drei Achaiercolonien sind, welche die (417 — 366 
nicht bestehende) demokratie des mutterlandes annahmen. 

Eine eingehende Untersuchung hat verf. der Stadt Pandosia 
und dem Acheron gewidmet, wo der Molosserfürst Alexander 
den tod fand : daß an das flußgebiet des Crati zu denken ist, 
beweist er aus einer münze, welche auf einer seite eine nymphe 
und den namen Pandosia, auf der andern einen jüngling mit 
dem namen Krathis zeigt. Den Acheron erklärt er für den 
jetzt Mucone genannten größten rechten zufluß des Crati mitte 
wegs zwischen Thurioi und Consentia; sollten aber die Achaier 
mitten im gebirge des binnenlandes eine colonie angelegt haben ? 
Der periplus des sogenannten Skylax nennt Pandosia bei der 
beschreibung der Westküste-, der sogenannte Skymnos zwar um- 
gekehrt gelegentlich der ostküste ; aber dieser ist ein der geogra- 
phie unkundiger compilator , der die historisch gemeinte Ver- 
bindung, in welche seine quelle den ort als Achaiercolonie mit 
Kroton , Sybaris (das er als Achaiercolonie Thurioi nennt) und 



Nr. 3. 44. Griechische geschichte. 207 

Metapont gebracht hatte {tavrag '^^aiovg xriaai Xeyovot), irrthüm- 
lich auch auf die geographische läge ausdehnt. Pandosia lag 
an der lucanisch - bruttischen grenze (Liv. VIII, 24); diese bil- 
dete der Laos, die stadt ist also nordwestlich von Consentia zu 
suchen, ebendahin setzt sie Skylax und für den Acheron darf 
man einen der hauptstraße, welche dort über den Apennin nach 
dem jetzigen Paola zum tyrrhenischen meer führt, nahen linken 
zufiuß des Crati ansehen. 

Die römische colonie Castra Hannibalis wird von Lenormant 
mit guten gründen nördlich, nicht südlich, von Squillace, in dem 
jetzigen Roccellata wiedergefunden; auf den stadtnamen Car- 
cinus , welchen Mela an ihrer stelle erwähnt und der verf. auf 
eine altachaische ansiedlung deutet, möchten wir nicht viel geben: 
Mela hat wohl nur den flußnamen Carcinus, welchen er auf der 
reichskarte las, fälsch verstanden. Großes verdienst erwirbt sich 
der verf. um die topographie von Scolacium, indem er die an- 
gaben Cassiodors, eines sohnes dieser stadt, zum ersten mal ver- 
werthet. Er zeigt , daß Squillace genau den platz der Römer- 
stadt einnimmt, eine stunde vom meer entfernt, und weist auch 
den berg Moscius, die quelle Arethusa und die andern von dem 
Gothenkanzler genannten örtlichkeiten überzeugend nach. Die 
alte Griechenstadt Skylletion setzt er mit Wahrscheinlichkeit an 
das cap , welches im innern des golfs vorspringt , entsprechend 
der läge der ähnlich benannten küstenorte, welche sich sämmtlich 
an gefährlichen felsenvorsprüngen befanden. Ebenso ansprechend 
ist seine deutung des Sagraflusses zwischen Kaulonia und Lokroi 
auf den Turbolo, an dessen mündung die straße eine art Ther- 
mopylenpaß bildet. So wird die niederlage der Krotoniaten 
trotz zehnfacher Übermacht begreiflich, zugleich auch der unver- 
änderte fortbestand der machtverhältnisse beider Städte, welchen 
man wegen der späteren ereignisse annehmen muß: die folge 
war , wie bei dem kämpfe des Leonidas vor der übergehung, 
nicht eine Überwältigung der angreifer, sondern ihr rückzug nach 
starkem verlust. 

Weniger selbständig, trotz der verständigen polemik, welche 
er sonst den hypothesen der localantiquare entgegensetzt, ver- 
hält sich der verf. gegenüber den von jenen aufgestellten iden- 
tificationen der oinotrischen orte , welche lediglich auf namens- 
anklängen beruhen. Mit ihnen erklärt er, vielleicht verführt 



208 45. Ethik der Griechen. Nr. 3. 

durch den gleichen fehler deutscher werke, Kyterion für Cutro, 
Siberine für S. Severina, Menekine für Mendicino, Arinthe oder 
Arianthe für Arenzano u. a. , bedenkt aber gleich seinen Vor- 
gängern nicht, daß zur zeit des Milesiers Hekataios, aus welchem 
Stephanos von Byzantion die namen anführt, Oinotrien nur dem 
nachmaligen Lucanien entsprach, während die modernen orte 
zu Bruttien gehören , zum theil auch am meere , nicht wie die 
oinotrischen im binnenlande liegen. San Severina heißt im mit- 
telalter Severiana , wovon das Siberina einer Urkunde nur eine 
entstellung ist; für die identität von Arenzano mit Arinthe die 
läge beider zwischen zwei Aussen geltend zu machen würde er 
unterlassen haben, wenn er Meineke Steph. p. 119. 513 einge- 
sehen hätte. U. 



45. Die ethik der alten Griechen dargestellt von Leo- 
pold Schmidt. Zweiter band. 494 p. 8. Berlin, W. 
Hertz 1882. 

Der zweite band ist dem ersten schnell gefolgt, und so liegt 
ein werk vollendet vor, das an gründlichkeit und gelehrsamkeit 
seinesgleichen sucht. Den werth desselben wird voll und ganz 
erst derjenige ermessen , der wirklich eingehende Studien auf 
dem gebiete der griechischen ethik macht. Referent, der auch 
den ersten band angezeigt und dabei einige wünsche geäußert 
hat, kann dies urtheil mit gutem gewissen aussprechen, muß sich 
aber einem so bedeutenden buche gegenüber auf eine Inhalts- 
angabe und einige bemerkungen beschränken. 

Der Verfasser behandelt die einzelnen pflichtenkreise 
nach altgriechischer auffassung in zehn kapiteln und zeigt uns 
den menschen in seinem Verhältnis zu den g ö 1 1 e r n , zur n a- 
turumgebung, zu den verstorbenen, zur familie, zum 
Staat, zu den mitmenschen und zu sich selbst, von der 
gastfreu ndschaft, von freundschaftund feindschaft, 
von dem menschen und seinem besitz handelt je ein be- 
sonderer abschnitt. Jedem kapitel sind auf p. 455 — 484 an- 
merkungen beigegeben, die einzelne punkte näher erläutern oder 
erörtern. Zwei register machen den beschluß: das erste stellt 
die ethischen ausdrücke der Griechen zusammen, das zweite ist 
ein litteratur- und kulturgeschichtliches register; beide sehr er- 
wünscht und bequem zum nachschlagen. 



Nr. 3. 45. Ethik der Griechen. 209 

Daß der allgemeine und specielle theil mehrfach in einander 
greifen und von dem einen auf den andern zurückverwiesen wer- 
den muß, versteht sich von selbst. Gleichwohl laufen sie nicht 
ineinander und das gleiche oder ähnliche erscheint an verschiedenen 
stellen unter verschiedenen gesichtspunkten. Vergleichen wir z. b. 
den ersten abschnitt des zweiten bandes: „der mensch im Verhältnis 
zu den göttern", mit dem entsprechenden im ersten bände : „die 
religiösen Voraussetzungen des sittlichen", so werden wir sehen, wie 
die allgemeinen ethischen begriffe sich zu den einzelnen pflich- 
tenkreisen stellen. Wir lassen dem autor selbst das wort, der 
klar und bestimmt sagt : „insofern die götter die erhalter der 
sittlichen weltordnung sind, erfüllt der mensch eine Obliegenheit 
gegen sie, indem er dem sittengesetz genüge leistet; insofern sie 
als seine beschirmer und berather in allen Verhältnissen des Ie- 
bens dastehen, haben sie ansprach darauf, daß er ihnen die ge- 
bührenden ehren erweise und den von ihnen gegebenen winken 
die nöthige aufmerksamkeit schenke. Um des ersteren umstandes 
willen erscheint jedes tugendhafte verhalten als ausübung einer 
pflicht gegen die götter; aus dem letzteren entspringt der en- 
gere kreis der religiösen anforderungen, der an dieser stelle 
eine abgesonderte betrachtung erheischt; beide seiten fließen in 
dem begriffe des durch „fromm" zu übersetzenden wortes — 
svaf'ptiu — zusammen, dessen doppelbedeutung früher (bd. 1, p. 
306 — 308) gegenständ der erörterung gewesen ist." Zugleich 
diene dieser satz als beweis , daß die neuerdings auftauchenden 
versuche, ein System der etik aus dem begriff des seinsollenden 
oder sonst einem begriffe voraussetzungslos herauszuspinnen , in 
der geschichte keine stütze finden. Eine ethik ohne religiöse 
basis existiert nur in den köpfen der philosophen, thatsächlich 
ist das sittliche handeln bei allen Völkern durch religiöse motive 
bestimmt worden. 

In welchem umfange und wie eingehend Schmidt die grie- 
chische litteratur durchforscht hat, wurde schon in der anzeige 
des ersten bandes bemerkt. Desgleichen, daß er überall aus 
den ersten quellen selbständig geschöpft hat. Ob irgendeine 
stelle von belang übersehen ist, vermag ich nicht zu sagen. 
Wäre es der fall, so würde es dem ganzen nicht im min- 
desten eintrag thun. Angestellte versuche haben das gegentheil 
ergeben. Wo ich auf den ersten blick eine beweisstelle vermißte 



210 45. Ethik der Griechen. Nr. 3. 

oder hinzufügen zu können meinte, fand ich sie nachher an ei- 
nem andern vielleicht passenderen ort. Unser buch ist keine 
materialsammlung , und wenn ich es eine reiche fundgrube für 
ethische Studien nannte , so will ich , um jedes mißverständnis 
abzuwehren, ausdrücklich hervorheben, daß die ethischen ideen 
in ihrer historischen entwickelung und bezeugung verfolgt und 
nach ihrem innern Zusammenhang dargestellt sind. Wenn ich 
von anderweitigen an das vorliegende werk sich anschließenden 
Studien spreche, so habe ich eine vergleichung mit den sittlichen 
begriffen anderer kulturvölker oder eine weiterführung bis zum 
ende des Hellenismus im äuge; namentlich würden mich Unter- 
suchungen über das Verhältnis der neueren (christlichen) ethik 
zur alten griechischen interessieren. Für dergleichen arbeiten 
haben wir hier eine weit bessere grundlage , als sie die man- 
cherlei Sammlungen von parallelstellen aus den griechischen 
klassikern bieten können. Kommt es doch nicht an auf die ein- 
zelne, ähnlich oder verschieden lautende stelle, sondern auf den 
Zusammenhang, in dem sie steht, auf die grundanschauung, aus 
der sie hervorgegangen ist. 

Der punkte, an denen ein weg aus der alten weit in die 
moderne sich öffnet, giebt es in jedem kapitel. So am ende 
des achten („freundschaft und feindschaft u ) , das mit dem vor- 
hergehenden über die „gastfreundschaft" die fortsetzung des ab- 
schnittes über das „Verhältnis des menschen zu den mitmenschen" 
bildet. Wenn Theophrastos sagt, daß nicht bloß der Hellene 
dem Hellenen, sondern auch der mensch dem menschen ver- 
wandt sei, und Antiochos von Askalon bei Cicero (de fin. V, 
25, 65) fordert, die anhänglichkeit an die nächsten ange- 
hörigen und stammesgenossen solle sich zur Caritas generis humani 
erweitern ; wenn ferner die stoiker mit den übrigen affekten auch 
den haß, die psychologische basis der feindschaft, verwerfen und 
ein Marc Aurel nachdrücklich verlangt, daß die liebe zum men- 
schengeschlecht auch denen , die uns hassen , und den schwer 
fehlenden zu gute komme, da die götter, welche gerechten und 
ungerechten gleichmäßig ihre wohlthaten spenden, hierfür ein 
vorbild geben und da wir selbst nichts weniger als fehlerlos 
sind : so stehen wir mitten im christenthum drin , nur die be- 
gründung ist eine andere, die motive sind verschieden, so 
verschieden als der christengott und die heidnischen götter. Wie 



Nr. 3. 45. Ethik der Griechen. 211 

jene männer die eigentliche grundlage des antiken fe indschafts- 
begriffes aufheben, so hebt das christeuthum auch den antiken 
fr eund schafts begriff auf , und es wäre einer näheren Unter- 
suchung werth , ob und in wieweit der begriff der freundschaft 
im Neuen testament eine stelle hat. — Auf den unterschied der 
griechischen und christlichen anschauung macht Schmidt öfter 
aufmerksam. Wir können ihm größtentheils beistimmen, z. b. 
wenn er sagt, der wahre unterschied zwischen Hellenen und 
Christen bestehe darin , daß der erstere von der Verpflichtung 
gegen den menschen als solchen nur ein „getrübtes bewußtsein" 
hatte. Aber zu dem unmittelbar vorhergehenden möchten wir 
einige bedenken äußern. Der verf. führt die erörterungen des 
Aristoteles aus der Nikomachischen Ethik (TV, 11) über den 
werth des zornmuthes und der sanftmuth an und lobt die weite 
des Standpunktes am Schlüsse der ausführung. „Diese sätze," 
sagt er, „lassen der Verschiedenheit nicht bloß des temperaments, 
sondern auch der sittlichen betrachtungsweise einen so weiten 
Spielraum , daß man ihnen wohl eine gültigkeit für alle Zeiten 
beilegen kann ; denn auch der scheinbare diametrale gegensatz, 
welchen in dieser hinsieht die ford erringen der antiken und die 
der christlichen ethik zu einander bilden, stellt sich näher zu- 
gesehen als ein quantitativer dar. Ist doch die richtschnur, 
welche die fünfte bitte des vateruusers für das verhalten gegen 
den persönlichen beleidiger eines mannes giebt, nicht ohne wei- 
teres auf das gegen den beleidiger seines weiblichen verwandten 
übertragbar u. s w.". Das letztere, ich muß es ehrlich beken- 
nen, verstehe ich nicht recht. Weil Jesus, der Matth. VI, 12 
doch zu seinen Jüngern spricht, diese und mit diesen uns beten 
lehrt: xut aepsg rjfAiv ja öqnuXtjuaTa tjfxwr , mg aal rjfieig uqsijxa- 
fisv rolg o <p siXst a ig rjfxtäv , so soll das nur unter männern 
gelten, die frauen nicht mit einbegriffen sein ? ! Wenn ein mann 
meine „weiblichen verwandten" beleidigt, so kann ich ihm „nicht 
ohne weiteres" vergeben ? ! Das Neue testament wenigstens kennt 
diese Unterscheidung nicht. Wenn Schmidt ferner meint, auch 
der unbedingteste anhänger der bergpredigt könne das gefühl 
des guten sohnes nicht verwerfen, der alle tücke und rohheit 
seiner muthwilligen kameraden geduldig erträgt, aber in eine 
wahre berserkerwuth geräth, sobald jemand über den vater lacht 
und spottet (Goethes Hermann und Dorothea, gesang Euterpe) ; 



212 46. Komische geschieh te. Nr. 3. 

wenn er in dem worte des apostels Paulus : 6 fjliog ftrj inidvstto 
im naQOQyiafjtm iptäv (Ephes. IV, 26) „das berechtigte der zor- 
nigen auf wallung des augenblicks" anerkannt findet: so kann 
ich nicht unbedingt zustimmen und muß darauf hinweisen , daß 
das Neue testament einen sündigen affekt niemals als be- 
rechtigt anerkennt, sondern höchstens entschuldigt. Die dem 
obigen citat unmittelbar vorhergehenden worte: opyifsodc, ttat 
firj a (x uqt dvsz s dürften in Verbindung mit Matth. V, 22: 
nag o ogyi^ofisvog im adeXqw avtov gVoj^ot,' saiai t\j xgCast das 
richtige ergeben. Auf eine weitere ausführung muß ich hier 
verzichten. Ich wollte nur einen der punkte bezeichnen , der 
mich zur weiterführung der angeregten gedankenreihe einladet. 
Andere werden anderes finden, an dem sie mit ihrer kritik und 
ihren Studien einsetzen. Vielfache anregung und gründliche be- 
lehrung wird dem ausgezeichneten buche jeder, der es ganz oder 
abschnittweise durcharbeitet, zu verdanken haben. 

H. F. Müller. 



46. Julius Beloch, der italische bund unter Roms he- 
gemonie. Staatsrechtliche und statistische forschungen mit zwei 
karten. Leipzig, B. G. Teubner 1880. 8. 237 p. 

Der verf. hat in einem äußerlich nicht gerade umfangreichen 
werke sich eine aufgäbe gestellt, deren lösung nicht allein die 
Verarbeitung einer masse von detailuntersuchungen, sondern auch 
umfassende historisch - kritische quellenstudien zur Voraussetzung 
hat. Man hätte daher erwarten sollen , daß der verf. sowohl 
auf die vorhandenen detailforschungen die gebührende rücksicht 
nahm wie seinen Standpunkt den quellen gegenüber klar aus- 
einandersetzte. Zu keinem von beiden jedoch hat sich der verf. 
entschließen können. Zuvörderst sieht er so ziemlich von allem 
demjenigen ab , was seit Niebuhr über diese dinge geschrieben 
worden, ein mangel, der auch von dem recensenten in von 
Sybels historischer Zeitschrift (1882, drittes heft p. 
470) mit recht gerügt worden ist und um so mehr auffallen muß, 
als das buch eine menge neuer, von den gewöhnlichen annah- 
men abweichender, ansichten enthält. Auf denselben eigenthüm- 
lichen dogmatischen Standpunkt stellt sich der verf. bei der be- 
urtheilung der quellen, um deren kritische sichtung er sich keine 
Borge macht, offenbar in der meinung, daß das in den letzten 



Nr. 3. 46. Römische geschiebte. 213 

dezennien hierüber geschriebene von solchen ignorirt werden 
könne, denen, wie ihm, das glück zu theil geworden ist, auf 
dem historischen boden selbst zu wohnen. Allein wie groß auch 
der vortheil sein mag , der daraus dem verf. für die beurthei- 
lung mancher in das gebiet seiner darstellung einschlägigen Ver- 
hältnisse erwächst, so bleiben die literarischen denkmäler doch 
ein feld eigenster Untersuchung, die durch intuition zwar geför- 
dert, aber keineswegs ersetzt werden kann. Aber auch ganz 
abgesehen von kritischen quellenuntersuchungen , erfahren wir 
oft nicht einmal, ob das neue, das uns der verf. mittheilt, über- 
haupt auf irgend eine quelle zurückgeht, da er in der beibrin- 
gung von belegsteilen , wie gleichfalls schon von dem oben ge- 
nannten recensenten mit recht getadelt wurde , geradezu karg 
verfahren ist. Trotz der gerügten mängel verdient aber das 
werk große beachtung, theils weil es im einzelnen eine menge 
trefflicher beobachtungen enthält, theils — und das ist ein be- 
sonders hervorzuhebendes verdienst des buches — weil es seit 
langer zeit das erste werk ist, welches auf dem gebiete der ita- 
lisch-römischen politik bis zu einem gewissen grade zum abschlusse 
gekommen ist. Versuchen wir es, die hauptresultate desselben 
in kürze anzuführen. 

Das buch zerfällt in zehn abschnitte. In dem ersten, be- 
titelt: „der gemeindekatalog des Augustus" sucht der verf. nach- 
zuweisen , daß der beschreibung Italiens im dritten buche der 
plinianischen universalencyclopädie , abgesehen von den küsten- 
orten, ein geographisch-statistisches werk des Augustus zu gründe 
liege. Darnach stellt der verf. zunächst fest, daß Plinius in 
seinem Verzeichnisse nur diejenigen städte als colonien aufge- 
führt hat, die Augustus allein oder in gemeinschaft mit Anto- 
nius und Lepidus deducirt hatte ; andererseits liegt uns das ver- 
zeichniß der augusteischen colonien bei Plinius vollständig vor, 
weßhalb alle bei letzterem nicht ausdrücklich als colonien be- 
zeichneten städte aus der liste der augusteischen colonien zu 
streichen sind. Dagegen fehlt uns ein sicheres kriterium , die 
colonien der triumvirn von denen des Augustus zu unterscheiden. 
Daß in dem werke des Augustus die 46 colonien mit ihrem vol- 
len namen angeführt waren, davon finden sich bei Plinius noch 
manche spuren. In den diesem kapitel angeschlossenen beilagen 
giebt uns der verf. die Verzeichnisse der augusteischen colonien 



214 40. Römische gescbichte. Nr. 3. 

sowie der italischen stadtgemeinden der elf augusteischen re- 
gionen, die übrigens nach dem verf. nichts anderes sind als 
die offizielle feststellung der alten landesgrenzen. Leider ist es 
hier unmöglich, die ergebnisse dieser recht hübschen Untersuchung 
im detail anzuführen. Auch das folgende capitel über „die tri- 
buseintheilung Italiens" enthält manche neue ansichten, die viel 
bestechendes haben , aber auch manchem widersprach begegnen 
dürften, und zwar um so mehr, als gerade bei der behandlung 
dieser der verf. die forschungen anderer gelehrten fast ganz un- 
berücksichtigt gelassen hat. Wo der römische staat anfängt, 
aus dem dunkel der vorzeit an das licht der geschichte zu treten, 
finden wir nach Belochs ansieht Stadt und land in 21 distrikte 
getheilt, eine künstlich geschaffene und ausschließlich lokale 
eintheilung , wobei die vertheilung des ager Romanus unter 
die 17 tribus rusticae nur etwa für die hälfte mit genü- 
gender Sicherheit bestimmt werden kann. Die Ursprüngliche 
tribuszahl zu verändern hat man sich in Rom nur schwer ent- 
schließen können. Erst nach der annexion und assignation des 
vejentischen gebiets, als keine wähl mehr blieb, wenn man nicht 
das lokale prinzip der tribuseintheilung ganz und gar zerstören 
wollte, errichtete man vier neue tribus. Seit dieser zeit hat ein 
Jahrhundert lang die einsetzung neuer tribus mit der erweite- 
rung der grenzen des römischen gebietes schritt gehalten , ob- 
wohl auch jetzt der satz noch gültig geblieben ist, neue tribus 
nur aus den an römische bürger viritim vertheilten distrikten 
zu bilden, die gemeinden dagegen, welche vollständig in den 
römischen bürgerverband aufgenommen wurden , einer schon be- 
stehenden tribus zuzutheilen. Mit der Schließung der tribuszahl 
35 mußte das lokale prinzip aufgegeben werden. Denn wenn 
man auch bei aufnähme der cives sine suffragio in den bürger- 
verband noch größere , räumlich geschlossene distrikte bildete 
und neu gegründete colonien womöglich den benachbarten tribus 
zuwies , so mußte man doch, da die geographische läge der co- 
lonien in den bei weitem meisten fällen ein solches verfahren 
unmöglich machte, das lokale prinzip im wesentlichen verlassen. 
Die ertheilung der civität an die italischen bundesgenossen mußte 
das bild der Italia tributim descripta natürlich von grund a\is 
verändern. Die lex Iulia bestimmte 8 unter den landtribus zur 
einzeichnung der neubürger, später (im jähre 84) werden sie 



Nr. 3. 46. Komische geschichte. 215 

auf alle landtribus vertheilt. Zwei tabellen sollen zeigen , wie 
die im socialkriege den Eömern treu gebliebenen bundesgenossen 
in alle 31 landtribus vertheilt wurden, und von den nicht treu 
gebliebenen dasselbe mit wenigen ausnahmen gleichfalls nach- 
weisbar sei. Gegen diese ausführungen hat man mit recht be- 
denken erhoben ; ich beschränke mich darauf hierbei auf v. Sy- 
bels historische Zeitschrift 1882, 3. heft, p. 469 und 470 zu 
verweisen. 

Capitel III handelt von dem ager Romanus. Bei der be- 
stimmung der ursprünglichen grenzen desselben geht der verf. 
von dem fest der Ambarvalien aus. Aber schon der beginn 
der historischen zeit zeigt uns ein von diesen alten grenzen 
verschiedenes bild, welches der verf. gleichfalls festzustellen sucht. 
Die erste gebietserweiterung seit der königszeit ist die erobe- 
rung der mark von Labicum und Bola in den jähren 418 und 
415 v. Chr. Die bedeutendste erweiterung in der folge tritt 
ein im Latinerkrieg. Wenn bei der besprechung der hierbei 
eintretenden staatsrechtlichen Veränderungen der verf. für die Städte 
Aricia , Lanuvium , Pedum und Nomentum die ertheilung der 
vollen civität annimmt, so ist er an dieser stelle uns die gründe 
hierfür schuldig geblieben. Offenbar stützt er sich hierbei, ohne 
seine quelle anzugeben , auf Vilatte (de propagatione civitatis 
Bomanae p. 18) und Clason , (Bömische geschichte II, p. 266\ 
welche für die genannten Städte die volle civität aus dem um- 
stände folgern, daß Livius, während er von den übrigen nament- 
lich erwähnten Städten ausdrücklich hervorhebe , die ihnen er- 
theilte civität sei sine svffragio gewesen, dies bei Lanuvium, 
Aricia, Nomentum und Pedum unterlasse. Dieses argument be- 
wegt sich aber in einem bedenklichen zirkel: es stützt sich auf 
die annähme einer genauigkeit im ausdrucke, während doch schon 
der umstand , daß Livius bei den zuerst genannten städten den 
beisatz : cum svffragio wegläßt, eine ungenauigkeit ist, wie wir 
denn auch sonst bei Livius bei bezeichnung von dergleichen 
rechtsverhältnissen die größte nachlässigkeit finden (vgl. des re- 
censenten Latium und Bom p. 399 ff.). Der verf. verfolgt dann 
chronologisch die weiteren gebietsvergrößerungen im zweiten und 
dritten Samniterkrieg , und von da geographisch nach den ein- 
zelnen ländern. Zuletzt versucht er den flächenraum der ver- 
schiedenen gebiete im anschluß an die heutigen diöcesan- 



216 46. Römische geschichte. Nr. 3. 

grenzen zu ermitteln, wobei er von der behauptung ausgeht, 
daß in allen fällen, wo es noch möglich ist, die ausdehnung der 
alten Stadtgebiete mit den diöcesen zu vergleichen, wir die über- 
raschendste Übereinstimmung finden. Der verf. wird sich bei 
diesem schlußverfahren das bedenkliche desselben wohl selbst 
kaum verhehlt haben. 

In capitel IV spricht der verf. von der bevölkerung Italiens. 
Ausgehend von den überlieferten censuszahlen , welche er ent- 
gegen neueren ansichten als acht nachzuweisen sucht, verfolgt 
er die entwicklung der populationsverhältnisse des römischen 
gebiets bis zum ende des socialkriegs, von wo an die aufnähme 
aller Italiker in den römischen bürgerverband eine weitere Un- 
tersuchung unmöglich macht. Bei der berechnung der zahl der 
bundesgenossen stützt sich verf. auf die von Polybius II, 24 
überlieferten zahlen, wobei er im gegensatz zu Schweighäuser 
und Mommsen für die ansieht Niebuhrs eintritt, daß die von 
Polybius überlieferten zahlen die ganze überhaupt den einzelnen 
italischen Völkern zu geböte stehende Wehrkraft mit einrechnung 
der schon im felde stehenden truppen bedeuten. Aus diesen 
zahlen ermittelt der verf. für die zeit des Hannibal'schen krieges 
eine gesammtbevölkerung Italiens von etwa 6 l /ä millionen freier 
einwohner, sowie die volksdichtigkeit in den einzelnen ländern. 

In capitel V spricht Beloch von den coneiliabula, fora und 
coloniae. Als um den anfang des dritten Jahrhunderts die tribus- 
zahl temporär und 50 jähre später definitiv geschlossen worden 
war, und in folge dessen die tribus allmählich ihre administra- 
tive bedeutung verloren, traten in letzterer beziehung an ihre 
stelle die coneiliabula. Ursprünglich bezeichnet das wort die 
dingstätte des gaus, später dient es im offiziellen Sprachgebrauch 
als bezeichnung der landgemeinden ohne stadtrecht des römischen 
gebiets. Seit dem socialkrieg wurden die coneiliabula fast aus- 
nahmslos von den nachbargemeinden absorbiert, wogegen sie im 
diesseitigen Gallien in der regel zu munieipien erhoben wurden. 
Ueber ihre Organisation sind wir nur unvollkommen unterrichtet. 
— Im gegensatz zu den coneiliabula, welche landgemeinden ohne 
städtischen mittelpunkt sind, sind die fora von vorn herein stä- 
dtische ansiedlungen. Ihre gründung hängt ursprünglich auf 
das engste zusammen mit dem bau der italischen heerstraßen 
(das älteste forum ist Forum Appii im Volskerlande). Das erste 



Nr. 3. 46. Römische geschiente. 217 

forum, welches nachweislich ohne beziehung auf eine straßen- 
anlage gegründet wurde, ist Forum Subertanum. Nach dem so- 
cialkrieg sind wie die conciliabula so auch die fora größtenteils 
den nachbargemeinden attribuirt worden. Von den fora und 
conciliabula sind die colonieen der ältesten gattung verschieden 
durch die vorausbestimmte anzahl der landempfänger, den feier- 
lichen akt der griindung in militärischen formen , die limitation 
des gebiets, besonders aber durch den festungscharakter und die 
läge am meere. Was der verf. im folgenden von der entwick- 
lung des colonialrechts p. 112 (2. absatz) an sagt, entbehrt voll- 
ständig der klarheit, durch welche sonst das buch sich vorteil- 
haft auszeichnet. 

Capitel VI behandelt die schwierige und verwickelte muni- 
cipienfrage, und zwar, wie es dem recensenten scheint, in wenig 
befriedigender weise , ganz abgesehen von dem verschiedenen 
Standpunkt, den man in dieser frage sonst einnehmen mag. Denn 
hier macht sich der mangel an kritischer Sichtung des Stoffes 
und der auch sonst im ganzen buche hervortretende dogmatische 
Charakter der darstellung noch viel mehr als in den übrigen 
abschnitten fühlbar. Es würde zu weit führen, wollte man dies 
überall im einzelnen nachweisen. Schon die Unterscheidung von 
municipia foederata, municipien cäritischen rechts und municipien 
ohne Selbstverwaltung wird man sich so ohne weiteres kaum ge- 
fallen lassen, und das für die aufstellung von municipia foederata 
angeführte beweismoment ist mehr als fraglich; denn daraus, 
daß in den capenatischen inschriften der kaiserzeit Capena ein 
municipium foederatum genannt wird , auf eine in der früheren 
zeit bestandene municipiengattung dieses namens zu schließen, 
würde selbst dann noch ein gewaltiges wagniß sein , wenn man 
es auch nicht wahrscheinlich machen könnte , daß die genannte 
bezeichnung auf eine Vermischung eines ursprünglich alten zwi- 
schen Rom und der erwähnten Stadt bestehenden foedus mit dem 
späteren municipalverhältnisse, in welches seit dem socialkriege 
alle italischen Städte getreten waren, zurückzuführen sei. Ue- 
berhaupt hat der verf. bezüglich der ganzen entwicklung des 
municipalrechts weder das rein rechtliche noch das historische 
moment, wie dies bei M. Voigt und A. W. Zumpt (vgl. dessen 
studia Romana, insbesondere p. 342 und 343) mit dem reich- 
haltigsten materiale bebandelt worden ist, in gebührender weise 
Philolog. Anz. X11I. 1 ö 



218 46. Kölnische geschichte. Nr. 3. 

gewürdigt. Ich erlaube mir nur auf die von Zumpt ganz aus- 
führlich begründete thatsache aufmerksam zu machen, daß der 
römische Staat in der früheren zeit niemals das volle bürgerrecht 
sofort an ganze städte , sondern immer nur au einzelne oder 
höchstens an bevorzugte bevölkerungsclassen verliehen hat. Von 
diesem gesiehtspunkte ausgehend wird man dann auch die Stel- 
lung Gabiis und Tusculums sowie einer reihe anderer städte we- 
sentlich verschieden auffassen müssen. Was der verf. dagegen 
über die innere Organisation der municipien sowie über die prä- 
fekturen sagt, ist richtig und klar auseinandergesetzt. Darnach 
sind die letzteren ihm mit recht nichts anderes als durch Zu- 
sammenlegung einer anzahl bürgergemeinden gebildete gerichts- 
und Verwaltungsbezirke. Doch hätte rec. auch hier ein näheres 
eingehen auf die ursprüngliche entstehung dieser einrichtung 
gewünscht. 

Capitel VII handelt von den kolonien latinischen rechts. 
Wenn der verf. hier beginnt: „die grundlage aller staatsrecht- 
lichen beziehungen zwischen Rom und Latium bildet bis zum 
socialkriege das Cassische bündniß", so hätte er uns zunächst 
doch über die natur dieses bündnisses genauer unterrichten müs- 
sen; denn einmal sind diese bundesverhältnisse an und für sich 
nicht so einfacher und unbestrittener natur, wie uns der verf. 
glauben machen will, dann aber haben dieselben historisch manche 
Wandelungen, insbesondere seit 390, durchgemacht, so daß hier 
vor allem eine kritisch - historische Untersuchung geboten war. 
Wenn der verf. den ausdruck Prisci Latini nach dem vorgange 
Schweglers mit Plinius auf die Latiner des cassischen bündnisses 
bis 338 v. Chr. bezieht , so mußte in einer neueren arbeit sich 
doch wenigstens eine andeutung der thatsache finden, daß diese 
Unterscheidung durchaus nicht mit der tradition stimmt, welche 
Prisci Latini nur für die königszeit kennt. Den kern des neuen 
Latiums bildeten nach dem verf. die sieben kolonien Signia, 
Norba, Ardea, Circei, Sutrium, Nepete und Setia. Im ganzen 
waren es 35. Die mehrzahl der ansiedier derselben bestand 
aus römischen bürgern, die nach des verf.'s ansieht ihr römisches 
bürgerrecht mit dem lateinischen nicht ungern deßhalb ver- 
tauschten, weil das erstere in den weit entlegenen kolonieen prak- 
tisch werthlos war. Conubium und commercium nimmt verf. nicht 
nur zwischen den kolonien und Rom , sondern auch unterein- 



Nr. 3. 46. Komische geschichte. 219 

ander an. Den ausdruck XII coloniae bei Cicero (pro Caec. 
35, 102) bezieht der verf. mit Savigny gegen Mommsen, der 
darunter die seit 268 gegründeten zwölf jüngsten latinischen 
kolonieen versteht, auf die zwölf kolonieen, welche nach Livius 
(27, 9; 29, 15) im jähre 209 v. Chr. alle weiteren leistungen 
an geld und mannschaft verweigert hatten und in folge davon 
in ihrer Souveränität bedeutend beschränkt worden waren. Es 
erheben sich aber gegen diese an und für sich ansprechende an- 
sieht manche bedenken, die auch schon zum theil früher geltend 
gemacht worden sind. 

In dem über die italischen bundesgenossen han- 
delnden VIII. capitel stellt der verf. zunächst den ganz richtigen 
satz auf, daß die Verfassung Roms den weitgehendsten einfluß 
auf die politische entwicklung der bundesstaaten geübt habe und 
daß es daher gekommen sei, daß zur zeit des socialkrieges jede 
einzelne italische stadtgemeinde kaum etwas anderes gewesen 
sei als ein mehr oder minder getreues abbild der führenden 
Stadt. Was die italischen Verfassungen der einwirkung Roms 
vor allem verdanken , ist die allgemeine annähme des prineips 
der collegialität und der niederen magistraturen ; doch hat sich 
diese entwicklung in sehr verschiedenen bahnen bewegt, was 
der verf. bei den städten der einzelnen länder nachzuweisen 
sucht. Die zahl der bundesgenössischen städte berechnet er zur 
zeit des Hannibalischen krieges auf mindestens 135, wobei selbst- 
verständlich die Rom inkorporirten gemeinden nicht mitgerech- 
net sind. 

In dem darauf folgenden capitel über den alt - latinischen 
bund berührt der verf. ein gebiet, in welchem es vor allem ei- 
ner eingehenden Untersuchung der gemeinen tradition bedurft 
hätte. Zwar unterzieht er die uns von Dionys (V, 61) über- 
lieferte liste der 30 alt-latinischen gemeinden einer eingehenden 
kritik, deren resultat im wesentlichen mit den ergebnissen Ihnos 
und des recensenten (vgl. dessen Latium und Rom p. 208—227) 
übereinstimmt, allein die weitere beweisführung, daß die weili- 
inschrift von Nemi bei Priscian ein vollständiges verzeich- 
niß der lateinischen bundesstädte enthalten habe, sowie die da- 
tirung dieses dokuments schwebt ohne eine analyse der quellen 
und ohne eine genaue und eingehende darstellung der entwick- 
lung der bundesverhältnisse an der hand der tradition vollständig 

15* 



220 46. Römische beschichte. Nr. 3. 

in der luft. Auch in betreff der vielumstrittenen frage von der 
ächtheit beziehungsweise dem alter des ersten carthagischen han- 
delsvertrags kann sich rec. mit der methode des Verfassers kei- 
neswegs einverstanden erklären. Indem er für die ächtheit des 
Vertrags und die Polybianische datirung desselben eintritt und 
sich dadurch mit einer ganzen reihe moderner forscher in Wi- 
derspruch setzt, hätte er die sehr gewichtigen gegnerischen ar- 
gumente doch wenigstens einigermaßen würdigen müssen. Dies 
vollständige absehen von allen früheren wissenschaftlichen ar- 
beiten macht fast den eindruck , als ob der verf. alles bis jetzt 
darüber geschriebene für vollständig verlorene arbeit halte. Dem 
resultat der Untersuchung jedoch, daß zur zeit des cassianischen 
bundesvertrags Latium außer Eom nicht mehr als 10 oder 11 
autonome gemeinden gezählt, kann rec. um so mehr beistimmen, 
als er bei seiner Untersuchung hierüber zu einem fast gleichen 
ergebniß gelangt war. Mit der darstellung der weiteren ent- 
wicklung der lateinischen bundesstädte jedoch , die es ganz un- 
klar läßt, ob diese entwicklung mit Rom oder gegen Rom sich 
vollzogen hat, kann sich rec. in keiner weise einverstanden er- 
klären. Die von Clason und dem rec. für Tibur und Präneste 
(für letztere Stadt auch schon von Niebuhr) aus verschiedenen 
indicien gefolgerte äquische nationalität bestreitet Beloch mit 
sehr schwachen gründen. Wenn er nicht bestreiten kann, daß 
Tibur und Präneste schon früher dem lateinischen bunde gegen- 
über eine Sonderstellung eingenommen und daß beiden Städten, 
um diese Stellung auf die dauer behaupten zu können, kein an- 
deres mittel übrig geblieben sei als anschluß an die benachbarten 
Aequer, ohne welchen das erscheinen der Aequer im herzen 
Latiums auf dem Algidus militärisch unmöglich gewesen sei , so 
ist doch damit die sache im wesen zugegeben Waren die 
städte lateinisch , so war doch bei den hauptsächlich auf raub 
abzielenden kriegszügen des genannten Volkes zu allererst ein 
kämpf mit den zunächst gelegenen städten zu erwarten, ehe sich 
ihr angriff auf das entferntere Rom richtete, und weder neutra- 
lität, noch selbst äußerer anschluß, den Beloch annimmt, hätte 
Tibur und Präneste vor Verheerung ihres gebietes retten können. 
Ferner zugegeben, ein solcher anschluß hätte stattgefunden, wa- 
rum ist denn in der tradition nirgends von demselben die rede? 
warum ist denn nicht, wie nach dem gallischen brande, von 



Nr. 3. 46. Römische geschiente. 221 

einem angriffe der genannten städte auf Rom die rede? Daraus, 
daß die tradition dies verschweigt, scheint doch hervorzugehen, 
daß sie sich dieselben ganz in den händen der Aequer dachte. 
Dazu kommt, daß nach dem gallischen brande der name der 
Aequer plötzlich verschwindet, und daß dieselben kämpfe, welche 
die Römer vorher mit den Aequern geführt hatten, jetzt nur 
noch gegen Tibur und Präneste gerichtet sind. Daß sich in 
Präneste nur lateinische inschriften gefunden haben und keine 
oskischen, beweist für die ursprüngliche hier herrschende natio- 
nalität desselben gar nichts, da für eine solche erscheinung eine 
reine anderer Ursachen sich denken läßt, wie z. b. die von dem 
rec. aufgestellte annähme , daß der bevölkerungsuntersatz hier 
wie in einem großen theil des Volskergebietes lateinisch war 
und die herrschende classe der äquischen nationalität angehörte, 
die dann sehr bald die lateinische spräche annahm. 

Bei der erörterung über das foedus Cassianum vom jähre 
493 v. Chr. (cap 10 ,,dus italische bundesrecht") übersieht Be- 
loch zunächst, daß die von Dionys überlieferten Vertragsbestim- 
mungen sowohl der tradition wie den sacralen einrichtungen 
des bundes widersprechen. Die Dionys'schen bestimmungen setzen 
ein bundesverhältniß zwischen sämmtlichen lateinischen bundes- 
städten einerseits und Rom andererseits, also zwischen zwei 
contrahenten voraus. Dem stehen aber die von Dionys selbst 
über die festfeier auf dem Albanerberge überlieferten Satzungen 
auf das bestimmteste entgegen. Da bei der genannten feier 
Rom nur vorort ist , und sämmtliche Staaten , Rom inbegriffen, 
gleichen antheil an dem feste haben, so muß dem entsprechend 
der ursprüngliche bund — denn sacrale einrichtungen werden 
immer am zähesten festgehalten — ein alle städte mit gleichem 
rechte umfassendes bündniß gewesen sein. Und damit stimmt 
auch die tradition überein, welche Rom als vorort, ja sogar als 
gebietende stadt gegenüber den einzelnen latinischen städten auf- 
faßt (vgl. Liv. II, 53; III, 19, 8; II, 30: Dionys VIII, 15, 
IX, 60, IX, 67). Die in dem von Dionys aufbewahrten soge- 
nannten Cassianischen bündniß überlieferten bestimmungen ge- 
hören vielmehr dem vertrage vom jähre 358 an, wo die Rom 
allmählich entfremdeten und unter sich verbündeten lateinischen 
städte ein vorübergehendes schutzbündniß mit Rom gegen die 
gallischen Überfälle geschlossen hatten. Daß spätere vertrage 



222 46. Römische geschichte. Nr. 3. 

dann ähnliche bestimmungen wie dieser letztere enthielt, beweist 
gegen unsere datirung nichts. Denn da er später für den alten 
cassianschen vertrag gehalten und als solcher bezeichnet wurde, 
wurden die formen desselben für andere vertrage typisch, was 
bei der Verschiedenheit der Verhältnisse wie in dem vertrag mit 
Astypaläa (105 v. Chr.) eine geradezu komische Wirkung her- 
vorbringt. 

Im weiteren verlauf seiner erörterungen über das italische 
bundesrecht sucht der verf. nachzuweisen, daß alle foedera mit 
Rom zunächst zu militärischen zwecken geschlossen worden seien. 
Aus dem recht über krieg und frieden leitet sich dann ein an- 
deres hoheitsrecht, die Vertretung des bundes nach außen, sowie 
die weitere folge ab , daß Streitigkeiten zwischen den einzelnen 
bundesgliedern nicht mehr durch Waffengewalt, sondern durch 
Schiedsgerichte zum austrag gebracht wurden , und damit hängt 
wieder zusammen, daß Rom auch bei gewaltsamen inneren Um- 
wälzungen und verfassungsconflikten eingriff. Unter demselben 
gesichtspunkt ist auch Roms Oberaufsicht über die wege und 
chausseen sowie über handel und verkehr aufzufassen. In allen 
anderen beziehungen aber waren die glieder der eidgenossen- 
schaft vollkommen souverän. Bundesbehörden gab es außer den 
vier italischen oder flottenquästoren nicht, vielmehr versehen die 
römischen magistrate als solche auch die leitung der bundesan- 
gelegenheiten. Die bundesstaaten hatten das recht des commer- 
cium, d. h. das recht freizügigkeitsverträge mit einander abzu- 
schließen Die bewilligung des conubium hing nur von dem be- 
schluß des römischen volkes ab ; ebenso stand der zugang zum 
römischen bürgerrechte offen. Diese ausführungen stützen sich 
jedoch mehr auf vermuthungen als auf bestimmte Zeugnisse, weß- 
halb es schwierig ist, hier in detailerörterungen einzutreten. — 
Der dem werk hinzugefügte geographische index sowie zwei die 
territorialverhältnisse veranschaulichende karten sind eine dan- 
kenswerthe beigäbe. 

Die von dem rec. gemachten ausstände und entgegnungen 
wollen übrigens den werth des buches keineswegs beeinträchtigen 
oder herabsetzen ; wie in des verf. Campanien, so liegt auch in 
diesem werke eine gediegene, auf reifem nachdenken beruhende 
leistung vor, die auch bei einem prinzipiell vielfach verschiedenen 
Standpunkte auf gerechte Würdigung anspruch hat und deßhalb 



Nr. 3. 47. Römische geschichte. 223 

allen freunden römischer alterthumskunde auf das beste empfohlen 
werden kann. M. Zoeller. 



47. H. Schiller, geschichte der römischen kaiserzeit. I. 
band, I. abtheilung : Von Caesars tod bis zur erhebung Vespa- 
sians. Gotha, Perthes 1883 8. 

Es gibt wenige epochen in der ganzen alten geschichte, 
die trotz ihrer vorzüglichen quellen so wenig bekannt sind, wie 
die Römische kaisergeschichte. — Schon allein die schriftlichen 
quellen sind vorzüglich ; wenn wir auch nicht wie bei der ge- 
schichte des peloponnesischen krieges das werk eines zeitgenös- 
sischen geschichtschreibers ersten ranges besitzen, so haben doch 
männer die den geschilderten ereignissen nahe standen, wie Pli- 
nius , Tacitus , Sueton , Plutarch und Ammianus Marcellinus — 
um von geringeren zu schweigen — die geschichte römischer 
kaiser geschrieben. Dazukommt aber noch ein umstand, der die 
römische kaiserzeit von allen anderen epochen des alterthums unter- 
scheidet: daß was über diese zeit geschrieben ist wird hier 
in einem umfang durch dasjenige ergänzt, was aus dieser zeit 
erhalten ist, wie er sich sonst nirgends im alterthume nachweisen 
läßt. Die reste des alterthums die wir noch heutzutage mit 
händen greifen können, stammen zum größten theil aus der kai- 
serzeit. Von ganz besonderer Wichtigkeit aber für den histo- 
riker sind die inschriften dieser zeit , gegen welche die der re- 
publicanischen periode , qualitativ und quantitativ unverhältniß- 
mäßig zurücktreten. Für die kaiserzeit besitzen wir inschriftlich 
nicht nur die öffentlichen aktenstücke, Staatsverträge, reden und 
Urkunden und briefe der kaiser, protokolle der behörden , weih- 
inschriften, rechnungen , inventare , sondern auch solche massen 
von privaten inschriften , daß es kaum irgend ein ereigniß des 
menschlichen lebens von der geburt bis zum grabe gibt , das 
sich nicht auf das unmittelbarste in den inschriften wiederspie- 
gelt. Das leben der einzelnen, der communen und provinzen, 
von denen uns die historiker wenig oder gar nichts zu erzählen 
wissen, sehen wir gleichsam mit unseren äugen und fühlen hier 
das warme leben pulsiren, wie kaum sonst bei irgend einer pe- 
riode des alterthumes Die hülfsmittel sind also ebenso groß ? 
als der reiz der bisher immer noch ungelösten aufgäbe. An 
neueren versuchen fehlt es allerdings durchaus nicht: Hoeck, 



224 47. Römische geschichte. Nr. 3. 

Peter , Merivale , Duruy , Champigny , Hertzberg haben in den 
letzten Jahrzehnten die geschichte der römischen kaiser geschrie- 
ben. Wie verschieden auch ihr ausgangs- und Standpunkt ge- 
wesen, keiner hat den ansprächen genügt, die heutzutage an ein 
derartiges unternehmen gestellt werden müssen. — Es ließ sich 
also erwarten, daß neue versuche gemacht würden, und diese er- 
wartung ist , ehe man es hoffen durfte , erfüllt worden. Fast 
gleichzeitig mit dem dritten , die kaisergeschichte enthaltenden, 
bände von Rankes Weltgeschichte, erschien auch der anfang von 
Schillers geschichte der römischen kaiserzeit. In der ersten ab- 
theilung des ersten bandes behandelt der verf. nach einer kurzen 
Übersicht über die quellen und die bisherigen darstellungen im 
ersten buche die kämpfe um die monarchie (1. die Vorbereitung 
des triumvirats, 2. das triumvirat); das zweite buch (der Prin- 
zipat) schildert zunächst die konstituirung und Weiterbildung des 
Prinzipats bis auf Vitellius und schließt mit allgemeinen ab- 
schnitten über municipalwesen , handel , industrie , die sittlichen 
und gesellschaftlichen Verhältnisse, erziehung und Unterricht, re- 
ligion und philosophie, litteratur und kunst dieser periode. 

Um die frage beantworten zu können wie weit der verf. 
seine aufgäbe gelöst hat, müssen wir noch einmal zurückkommen 
auf jene oben erwähnten hülfsmittel, die nachrichten der antiken 
historiker und die reste des alterthums selbst, beide ergänzen 
und erklären sich gegenseitig; jedoch so, daß wir durch einsei- 
tige benutzung dieses oder jenes hülfsmittels zwei wesentlich ver- 
schiedene bilder jener zeit erhalten würden. — Wer den Schrift- 
stellern und namentlich dem Tacitus folgt, erhält den eindruck einer 
zeit die sich überlebt hat, bei der als gut nur die nachklänge einer bes- 
sern vergangenen periode anerkannt werden, kurz eines absterbens 
das sich durch Jahrhunderte hindurchzieht, während die reste und 
inschriften des alterthumes zeugniß ablegen von dem frischen leben 
der bis dahin arg mishandelten provinzen, namentlich in den la- 
teinischen ländern des Westens und den gesunden zuständen ei- 
nes bildungs- und schönheitsfrohen Zeitalters, das sich in litte- 
rarischer, künstlerischer und technischer beziehung des reichen 
erbes der vorhergehenden epochen erfreute. Bisher hatte man 
fast ausschließlich aus der einen quelle geschöpft; was von die- 
ser seite zu hoffen war, das hatten Tillemont und später Dru- 
raann und Hoeck gethan durch Sammlung und Sichtung des 



Nr. 3. 47. Römische geschichte. 225 

schriftstellerischen materials, so daß ein neuerer bearbeiter wohl 
manche einzelfrage anders beantworten , aber auf diesem wege 
doch nicht weit über seine Vorgänger hinausgelangen konnte. 
Es kam also nicht darauf an , ein neues mosaik aus den erzäh- 
lungen des Tacitus, Sueton u. s. w. zusammenzusetzen; die auf- 
gäbe unserer zeit ist , kann vielmehr die sein , dieses düstere 
bild , das nicht falsch sondern nur einseitig ist , zu rectificiren 
durch die noch erhaltenen reste des alterthums namentlich die 
inschriften. Und grade das inschriftliche und numismatische 
material zum ersten male für seine kaisergeschichte in größerem 
umfange verwerthet zu haben, iat ein hauptverdienst des verf. — 
Er hat sich dabei vorzugsweise an die neueren Sammlungen der 
inschriften und epigraphischen abhandlungen gehalten und man 
begreift, daß er eine benutzung der älteren Sammlungen von 
Gruter und Muratori ablehnt. Ganz zu entbehren sind dieselben 
natürlich erst, wenn die neueren Sammlungen vollständig an ihre 
stelle getreten sind. Allein wie die Verhältnisse jetzt einmal 
liegen, so würden die zu hoffenden resultate so wenig im Ver- 
hältnisse zu der arbeit gestanden haben , daß man vom prakti- 
schen Standpunkt die getroffene entscheidung nur billigen kann. 
Vielleicht würde es sich sogar empfohlen haben, den inschriften 
noch einen größeren räum einzuräumen, denn hier und da fehlt 
doch die eine oder andere inschrift , die wenn auch nicht ab- 
solut nothwendig , doch als stütze des gesagten wünschenswerth 
wäre, nur ungern vermissen wir z b. bei der Varusschlacht den 
bekannten grabstein des M. Caelius (Brambach C. J. Eh. 209. 
Wilmanns 1451a) oder bei der Zerstörung Jerusalems, da wo 
die abhandlung von Renier erwähnt wird , die inschrift des A. 
Larcius Lepidus (Wilmanns) 1146 u. s w. Doch über die grenzen 
des hier zulässigen und erlaubten kann man natürlich streiten. 
"Während also die wichtigsten reste des alterthumes selbst, die 
inschriften und münzen, hier zum ersten male für die kaiserge- 
schichte verwerthet sind, kann man das von den anderen nicht 
in gleicher weise behaupten. Es giebt keine zeit des altei-thu- 
mes, die noch so direct wie die kaiserzeit zu uns redete durch 
ihre stolzen triumphbögen, durch ihre technisch vollendeten 
Straßen-, brücken- und hafenanlagen, durch die mächtigen ruinen 
von tempeln, palästen, öffentlichen bauten in Rom und den römi- 
schen provinzialstädten , die fast alle der kaiserzeit angehören ; 



226 47. Römische geschichte. Nr. 3. 

diese wichtigen zeugen für leben, Ordnung, technik und majestät 
der kaiserzeit sind nur sehr mangelhaft verwerthet. Es fehlen 
dem bilde, welches der verf. vor uns entrollt, jene warmen lo- 
caltöne , durch welche z. b. Treitschke seine Schilderungen zu 
beleben versteht, wenn er seine persönliche anschauung der ört- 
lichkeit, oder den unmittelbaren eindruck, den der gegenständ 
selbst auf ihn gemacht hat , auch direct auf den leser wirken 
läßt. Nach dem vorliegenden buche scheint es fast, als ob der 
verf. niemals den boden Italiens betreten. Ueberhaupt macht 
der verf. in künstlerischer beziehung an sich nur sehr geringe 
ansprüche. Es ist schwer eine Uias nach Homer zu schreiben, 
aber fast ebenso schwer eine kaisergeschichte nach Tacitus •, und 
die anforderungen steigern sich bei einem verf. der sich in be- 
wußten gegensatz zu Tacitus stellt. — Der verf. schreibt aller- 
dings verständig und verständlich, allein es fehlt ihm die gäbe 
den leser zu packen , so daß derselbe auch wider seinen willen 
dem ström der erzählung zu folgen gezwungen wird. Sein eigenes 
raisonnement oder auch nur einen allgemeinen gedanken aus- 
zusprechen , der die fülle des details verständlich machen soll, 
vermeidet der verf. nach möglichkeit. Thatsachen nichts als 
thatsachen bilden den inhalt des buches ! Das mag in den äu- 
gen mancher ein lob sein, andere werden es mit mehr recht 
für einen tadel halten. Man braucht sich noch keineswegs in 
gemeinplätze und allgemeine phrasen zu verlieren , und kann 
doch seinem leser zuweilen einmal einen vor- oder rückblick 
gönnen oder ihm einen fingerzeig geben, um die zerstreuten ein- 
zelheiten zusammenzufassen. — Dieser mangel tritt namentlich 
im anfang des Werkes sehr deutlich zn tage. Schillers kaiser- 
geschichte will ein selbständiges werk sein, nicht die fortsetzung 
irgend eines anderen ; dann können wir aber doch eine einlei- 
tung erwarten, um so mehr als die hier vertretene auffassung der 
kaisergeschichte der bis jetzt herrschenden taciteischen entgegen- 
tritt. In der einleitung mußte doch wenigstens die frage auf- 
geworfen werden, wann die kaiserzeit beginnt, ob mit Augustus, 
oder Julius Caesar, oder vielleicht gar schon mit Sulla? Noch 
mehr aber vermißt man eine prinzipielle Würdigung des kaiser- 
thums selbst und seiner Stellung in der Weltgeschichte. Es war 
zu zeigen, daß das kaiserthum nicht einem spiel des zufalls seine 
entstehung verdankt und sich bei einiger geschicklichkeit von 



Nr. 3. 47. Römische geschichte. 227 

Seiten der gegner auch hätte vermeiden lassen; es mußte im 
einzelnen ausgeführt werden, wie in der letzten zeit der repu- 
blik alles mit unwiderstehlicher wucht auf diese entwickelung 
hindrängte , welche momente schließlich bei der entscheidung 
den ausschlag gaben , wie dann dieses neue prinzip selbst in 
kritischen augenblicken trotz des politischen Ungeschicks und 
des todes seiner Vertreter bloß durch seine eigene Schwerkraft 
sich aufrecht erhielt. Doch nicht nur die historische nothwen- 
digkeit , auch die berechtigung des kaiserthumes mußte gezeigt 
werden. ,,Das kaiserreich war der friede" und das gesunde 
leben das sich in den provinzen unter dem schütze dieses frie- 
dens entwickelte, ist die beste apologie des kaiserthums, welche 
die geschichte kennt und anerkennt. 

Statt dessen führt uns der verf. im eingang gleich mitten 
in die wirren nach der ermordung Caesars ; es war doch we- 
nigstens ein überblick nothwendig über die politische läge, über 
die verschiedenen parteien , ihre ziele und Vertreter. Der verf. 
läßt also den Vorhang aufziehen und das stück beginnen , ohne 
personenzettel zu vertheilen und die ouverture abzuwarten. In 
ähnlicher weise war auch bei der regierung des Tiberius ein 
eigener abschnitt über Tacitus und Tiberius nothwendig; wenn 
auch kaum zu erwarten war, daß der verf. bei seinem princi- 
piellen Standpunkt, der sich in diesem werke und noch mehr in 
seiner früher erschienenen geschichte Neros ausspricht, dem Ta- 
citus gerecht geworden wäre. 

"Wenn ich noch einige details herausgreifen soll , so ver- 
misse ich zunächst in der vorausgeschickten litteraturübersicht 
die nothwendigen ergänzungen zu unseren inschriftensammlungen 
nemlich zum C. I. G. gehört Lebas - Waddington , zum C. I. L. 
die französischen Sammlungen von Boissieu und Allmer; unter 
den neueren darstellungen fehlen die werke von Beule* und 
Champigny ; beide sind allerdings tendenzschriften wenn auch 
in sehr verschiedenem sinne ; aber die ähnlichkeiten zwischen 
der zeit des Augustus und Napoleons III. sind in der that so 
groß , daß Schillers bild dieser zeit an leben sehr gewonnen 
haben würde , wenn er einige gedanken und parallelen von 
Beule* sich angeeignet hätte. 

Das bild des Augustus zeigt hier überhaupt ziemlich abge- 
blaßte färbe. Die früher so oft behandelte psychologische frage, 



228 47. Römische geschichte. Nr. 3. 

wie aus dem blutdürstigen triumvirn Augustus der spätere gü- 
tige und milde herrscher geworden sei, wird weder aufgeworfen 
noch beantwortet ; weil der verf. die extreme hier abzuschwächen 
bemüht ist Die frage, welcher der triumvirn moralisch die größte 
schuld trage an den greueln der proscriptionen, wird abgewiesen. 
Von dem wüthen des Octavian beim ende des perusinischen bür- 
gerkrieges gegen die einwohner gibt der verf. nur ein schwaches 
bild, p. 83: ,, durch einen unglücklichen zufall ging die Stadt 
in flammen auf ; die bewohner wurden geschont, nur die Caesar- 
mörder und die decurionen mußten sterben " Das klingt aller- 
dings sehr harmlos, und giebt keinen begriff von der erzählung 
die sich bei Dio 48, 14, Sueton Oct. 15, Velleius 2, 74, Ap- 
pian 5, 48 findet, daß Augustus kalten blutes 300 der vornehm- 
sten bürger, um die manen des Divus Iulius zu sühnen, am 
altar desselben habe abschlachten lassen. Dieses blutbad ist so 
ungeheuerlich , daß jene historiker die in der kaiserzeit lebten, 
es nur unter reserve mitzutheilen wagen ; aber unwahrscheinlich 
ist es deßhalb durchaus nicht. Menschenopfer haben sich bei 
den Römern und Etruskern verhältnißmäßig lange gehalten, auch 
bildete bekanntlich der aberglaube beim Augustus einen hervor- 
stechenden charakterzug ; und während der verwildernden bürger- 
kriege war den betheiligten allmählich der maaßstab des erlaubten 
verloren gegangen, und es ist psychologisch recht wohl verständ- 
lich, daß der jugendliche sieger dem Caesar wie Achilles dem 
Patroklos eine grausige menschenhekatombe dargebracht habe. 

Mit bezug auf das ende des kaisers Claudius 1 ) hält er im 
gegensatz zu Ranke an der gewöhnlichen ansieht fest, daß der 
kaiser vergiftet wurde. Glewiß mit vollem recht. Weniger kann 
man ihm beistimmen in bezug auf den neronischen brand (p. 359) 
und die Christenverfolgung. Der verf. vertritt hier seine alte 
ansieht von der Unschuld Neros in vollem umfang wie früher. 
Die auffassung des christenthums und seiner anfange ist ent- 
schieden kühler als bei Ranke, mit recht verschmäht Schiller 
diese auffassung durch einige phrasen zu beschönigen , denn es 
ist ein schlimmes ding um den ausdruck „des enthusiasmus, na- 
mentlich wenn keiner da ist." Das hätte ihn aber doch nicht 
abhalten sollen die geburt Christi auch bei der regierung des Au- 

1) Ein wunderbarer druckfehler ist p. 830 stehen geblieben von 
der zensur die Claudius begleitete (statt bekleidete). 



Nr. 3. 48. Römische beschichte. 229 

gustus zu erwähnen und die chronologische frage etwas einge- 
hender zu behandeln. — Bedenklich scheint dem rec. schließ- 
lich noch das in der vorrede gegebene versprechen in dem zwei- 
ten theile des ersten bandes die kaisergeschichte bis auf Diocle- 
tian hinabzuführen ; denn es wäre doch entschieden ein mißver- 
hältniß den jähren 43 v. Chr. — 68 n. Chr. denselben räum zu 
gestatten, wie der doppelten zeit von 68 — 284 n. Chr., welche 
die glücklichste periode des kaiserreichs umfaßt — 

Doch ich breche ab mit diesen einzelheiten, die nicht dazu 
dienen sollen, das verdienst und die arbeit des verf. zu verklei- 
nern. Den höchsten ansprüchen zu genügen, lehnt der verf. be- 
scheiden ab in der vorrede; dennoch bezeichnet seine kaiserge- 
schichte einen wesentlichen fortschritt und wird bald für alle 
ein unentbehrliches hülfsmittel sein, die sich mit dem Studium 
dieser periode beschäftigen wollen. 



48. P. Willems, le droit public romain depuis la fon- 
dation de Rome jusqu'ä Jusdnien ou les antiquite's romaines en- 
visa^des au point de vue des institutions politiques. 4. Edition. 
Louvain, Charles Peters 1880. 666 p. 

Verf. unterscheidet in beziehung auf die behandlung der 
römischen staatsalterthümer zwei verschiedene methoden : die di- 
daktische, wie er sie nennt, und die historische. Erstere — von 
Becker und Mommsen angewandt — betrachtet jede einzelne in- 
stitution für sich isolirt von ihrem Ursprung bis zu ihrem unter- 
gang. Sie hat den einen hauptnachtheil, daß sie kein „wahres 
und reelles gesammtbild der Verfassung (de Vensemble des in- 
stitutions politiques) in den verschiedenen perioden der römischen 
geschichte darbietet. Die „historische" methode andererseits, 
nach der z. b. Langes werk gearbeitet ist, veranschaulicht zwar 
die gesammtheit der institutionen in ihrer schrittweisen entwick- 
lung , allein, strenge durchgeführt, kommt dabei nicht sowohl 
eine alterthumskunde , als vielmehr eine politische geschichte 
Roms heraus. Verf glaubt nun beide methoden combiniren zu 
können. Er scheidet die betrachtung der staatlichen institutionen 
Roms nach zwei großen epochen : 1) königs- und republikanische 
zeit, 2) kaiserzeit; wobei die erstere epoche wieder in zwei ab- 
schnitte zerfällt : „une periode de formation" und „une piriode de 
Constitution definitive." Im einzelnen kommt dann in einem ersten 



230 48. Komische geschiente. Nr. 3. 

theile die entstehung und entwicklung der römischen Institutionen 
(la gönhse et le diveloppement Mstorique des institutions romaines) 
zur darstellung, indem der reihe nach die Organisation des altpa- 
tricischen Staates, die servianischen reformen und die politischen 
resultate des Streites zwischen patriciat und plebs behandelt wer- 
den. Daran schließt sich in einem zweiten theil „ein systema- 
tisches expose der republikanischen institutionen, wie sie sich in 
der epoche ihrer große und Vollendung darstellen." Ein dritter 
theil endlich behandelt das Staatsrecht der kaiserzeit und wird 
seinerseits wieder — trotz der polemik des verf. gegen den 
„exces de dogmatisme" Mommsens — nach den Schlagwörtern 
„dyarchie" und „monarchie" in zwei abtheilungen gegliedert. 

Es liegt auf der hand , daß diese eintheilung keineswegs 
eine glückliche ist. Nirgends kommen die einzelnen institutionen 
in ihrer individuellen eigenart und in ihren geschichtlichen Wand- 
lungen zu wirklich klarer anschauung. Dem chronologischen 
Schema zu liebe wird einerseits zusammengehöriges auseinander- 
gerissen , andererseits werden dieselben dinge mit lästigen Wie- 
derholungen mehrmals behandelt. So kann der verf. , um die 
Organisation des patricischen Staates verständlich zu machen, im 
ersten theile nicht umhin, auf die bedeutung des bürgerrechts, 
der comitien u. s. w. in kürze einzugehen, während die ausführ- 
lichere systematische behandlung der betreffenden rechtsver- 
hältnisse und institutionen erst im zweiten theile folgt. Nach- 
dem wir z. b. gehört, daß der bürger der königszeit das jus 
commercii, connubii etc. besaß, wird das bürgerrecht mit seinen 
verschiedenen attributen in dem die periode der „Constitution de- 
finitive" behandelnden theile von neuem dargestellt nur unter hin- 
zufügung des details, wobei man nicht begreift, warum wir über 
dieses zum verständniß nothwendige detail erst hier etwas zu 
hören bekommen. Als ob die begriffe des iustum matrimonium, 
der patria potestas , des dominium ex iure Quiritium, der res man- 
cipi etc. mit der „piriode de formation" gar nichts zu schaffen 
hätten! — Nachdem ferner im ersten theil bereits von curiat- 
comitien die rede gewesen, hinkt die begriffliche feststellung des 
wesens der comitia im unterschied von contio und concilium erst 
im zweiten nach ; und so ließe sich an einer fülle von weiteren 
beispielen belegen , daß der logische aufbau des vorliegenden 
Staatsrechtes außerordentlich viel zu wünschen übrig läßt. Es 



Nr. 3. 48. Römische beschichte. 231 

fehlt dem Verfasser — und mau sieht das auch seinen begriff- 
lichen formulirungen an — die gäbe plastischer gestaltung, die 
wir an Mommsens Staatsrecht bewundern , ein mangel der sich 
auch noch nach einer andern seite hin bemerklich macht oder 
vielmehr mit einer anderen schwäche des verf. zusammenhängt. 
Wir meinen eine gewisse Unfähigkeit, das wesentliche vom un- 
wesentlichen zu scheiden , so daß nicht selten ganz unwichtige 
dinge in ungehöriger breite erörtert werden , während der plan 
des buches auch das wichtigste nur in mehr oder minder apho- 
ristischer weise zu behandeln gestattet. 

Enthält doch das werk in einem, wenn auch starken bände 
weit mehr als ein bloßes Staatsrecht, wie der titel vermuthen 
lassen sollte. Ein gutes stück civilrecht, Völkerrecht, der cultus 
in seinen beziehungen zum öffentlichen leben, die ganze Verwal- 
tung , die gerichtsorganisation und die finanzen kommen gleich- 
falls zur darstellung , während andererseits nicht wie in andern 
handbüchern die diocletianische zeit den abschluß bildet, son- 
dern erst die Justinians. Es ist klar, daß die dadurch bedingte 
gedrängtheit der darstellung selten ein tieferes eindringen , eine 
genauere motivirung oder ein sorgfältiges abwägen des in den 
einzelnen fragen erreichten grades geschichtlicher Sicherheit ge_ 
stattet. Daher ist denn auch dem ganzen ein stark dogmatischer 
zug aufgeprägt und im gründe wenig mehr geboten, als eine 
einfache wiedergäbe der wirklichen oder vermeintlichen resultate 
bisheriger forschung. Dabei verdient jedoch entschiedene aner- 
kennung die ungewöhnliche Sorgfalt, mit der die gesammte 
neuere und neueste literatur, insbesondere die deutsche, bis auf 
kleinere und entlegenere publikationen herab verwerthet ist ; 
und insoferne darf der äußere erfolg des werkes — es liegt 
nemlich bereits die vierte aufläge vor — als ein wohl gerecht- 
fertigter bezeichnet werden , wenn auch allerdings dieser erfolg 
wesentlich mit dadurch bedingt sein mag , daß das werk seiner 
ganzen anläge nach weniger für den engen kreis der eigentli- 
chen fachgenossen, als vielmehr dem bedürfniß der studierenden 
zu dienen bestimmt ist. Freilich dürfte gerade für diese des 
gebotenen da und dort zu wenig sein. So ist doch z. b. gewiß 
gar nichts damit gedient, wenn in der literarhistorischen Über- 
sicht am anfang die bedeutung Niebuhrs kurzweg mit der be- 
merkung cbprakterisirt wird , daß er „die methode Wolffs auf 



232 49. Römische geschieht©. Nr. 3. 

das Studium der römischen Institutionen angewandt", oder wenn 
Rubino einfach genannt wird, ohne daß sein gerade für die me- 
thodische behandlung der Verfassungsgeschichte in der folgezeit 
so wichtiger Standpunkt auch nur mit einem worte angedeutet 
würde ! Daß übrigens das buch aixch nicht frei ist von positiven 
irrthümern und fehlerhaften angaben, sei nur nebenbei bemerkt. 
Näher darauf einzugehen, ist um so weniger nöthig, als kaum 
zu befürchten steht, daß dieselben bei uns irgend unheil stiften 
könnten. Wir besitzen jetzt grade für das bedürfniß der ler- 
nenden in dem werke Madvigs ein hülfsmittel, mit dem Willems 
die coneurrenz nicht bestehen kann Robert Pöhlmann. 



49. J. N. Madvig: die Verfassung und Verwaltung des 
römischen Staates. Erster band 1881. 596 p. Zweiter band 
1882. 805 p. Leipzig, Teubner. 8. 

Das große werk Madvigs — die reife frucht einer mehr als 
fünfzigjährigen beschäftigung mit dem römischen alterthum — 
ist unter den denkbar ungünstigsten äußeren umständen zur aus- 
führung gekommen, da sich der greise verf. seit mehr als einem 
lustrum durch fast völlige erblindung die arbeit unsäglich er- 
schwert sah. Trotzdem liegt , wenn auch gewisse mängel im 
einzelnen unter diesen Verhältnissen unvermeidlich waren , im 
großen und ganzen eine mustergültige leistung vor, die in hohem 
grade das bietet, was der Verfasser selbst sich als ziel vor äugen 
gestellt: „ein zusammenhängendes und wahres, durch innere 
klarheit und Übersichtlichkeit befriedigendes bild des römischen 
Staates , wie sein wesen sich geschichtlich in bestimmten formen 
und öffentlichen einrichtungen entfaltete , in einer gestalt und 
Vollständigkeit, die sowohl dem mit dem Studium der römischen 
literatur beschäftigten philologen genügen könnten , als dem Hi- 
storiker und dem wissenschaftlich gebildeten manne , der mit 
ernsthaftem interesse das große phänomen betrachtet, welches 
jener staat in der entwicklung des menschengeschlechtes und 
der bürgerlichen einrichtungen darbietet." Dabei beansprucht 
das buch keineswegs, einen absoluten ersatz für die anderen 
handbücher der römischen staatsalterthümer zu gewähren , ver- 
weist vielmehr ausdrücklich zu seiner ergänzung z b. auf die 
arbeit Marquardts hin, schon aus dem gründe, weil Madvig auf 
die anführung der neueren literatur durchgängig verzichtet und 



Nr. 3. 49. Römische geschiclite. 233 

sich im wesentlichen auf die darlegung der unmittelbar aus der 
eigenen umfassenden Quellenforschung gewonnenen ergebnisse 
beschränkt. 

Was diese darlegung selbst betrifft, so beruht ihr haupf 
vorzug auf der außerordentlichen besonnenheit und gewissen- 
haftigkeit, mit der Madvig überall die grenze zwischen wissen 
und nichtwissen genau abzustecken bemüht ist , auf der schar- 
fen und klaren analyse dessen , was wirklich in den quellen 
überliefert ist, wo die zweifei oder die nothwendigkeit ausfüllen- 
der vermuthungen beginnen ; wenn auch freilich andererseits 
nicht geleugnet werden kann , daß in folge der abneigung des 
verf. gegen weitergehende kombinationen und hypothesen die 
systematischen partieen des werkes einigen eintrag erleiden. 
Um die in den einzelnen Institutionen verkörperten rechtsbe- 
griffe erschöpfend zur darstellung zu bringen, bedarf es nun eben 
einmal fast auf schritt und tritt der die lücken der Überlieferung 
ergänzenden construction , und wir können es in dieser allge- 
meinheit nimmermehr zugeben, wenn über das, was Mommsens 
Staatsrecht in genannter hinsieht geleistet hat, kurzweg mit 
der bemerkung abgeurtheilt wird, daß „hier die in der Wirklich- 
keit hervortretenden formen und einriebtungen aus allgemeinen 
dem bewußtsein der Römer untergeschobenen begriffen und theo- 
rien, zumal so unbestimmten, wie collegialität u. s. w., abgeleitet 
werden." Es dürfte wohl kaum allgemeinere billigung finden, 
wenn so wieder in frage gestellt wird , was wir als eine der be- 
deutendsten errungenschaften des Mommsenschen Staatsrechtes 
betrachten; das verdienst, gewisse principielle momente des rö- 
mischen Staatsrechts, wie Souveränität der gemeinde, collegialität, 
annuität der beamten , begriffe, die nichts weniger als „un- 
bestimmt" sind , gewissermaßen als wurzelbegriffe erkannt und 
klargelegt zu haben, von denen aus eine ganze fülle staatsrecht- 
licher einzelheiten , die früher jeder inneren organischen einheit 
zu entbehren schienen , licht und Zusammenhang erhielten. Es 
mag sich wohl aus der wesentlich philologischen bildung des 
verf. erklären, daß er keine große neigung zeigt, sich tiefer in 
publicistische probleme zu versenken. Allein eine solche nei- 
gung hat doch gerade bei bearbeitern des Staatsrechts eine nicht 
zu unterschätzende bedeutung. In der natur des Stoffes selbst 
liegt ja eine gewisse innere nöthigung zu jener art der behand- 
Philol. Anz. XIII. 16 



234 49. Römische geschichte. Nr. 3. 

]ung, die Bernays in seiner kritik des Mommsenschen Staatsrechts 
treffend als eine „casuistische debatte" bezeichnet hat, insoferne 
als die volle tragweite jeder Institution nur in ihrem zusammen- 
gehen und zusammenstoßen mit anderen institutionen ermessen 
wird und daher eine darstellung des Staatsrechts sich auch in 
abwägender erörterung des für und wider auf die vernünftiger 
weise denkbaren collisionsfälle einlassen muß, für welche unsere 
lückenhafte geschichtliche tradition zufällig keinen beleg bietet. 
Allerdings kann hier des guten leicht zu viel geschehen, und 
es ist an sich wohl begreiflich und mag vielfach beifall finden, 
daß verf. sich gerade auf diesem wege mit außerordentlicher be- 
hutsamkeit und Zurückhaltung bewegt. Allein nach unserem ge- 
fühl würde es — schon im interesse einer lebendigeren gestal- 
tung des Stoffes — immerhin vorzuziehen gewesen sein, wenn 
er sich in genannter hinsieht eine weniger strenge reserve auf- 
erlegt hätte. — Freilich verdankt anderseits dieser selbstbeschrän- 
kung das werk den vorzug, völlig frei zu sein von allen schiefen 
und gekünstelten Spekulationen, wie sie Madvig unter bezugnahme 
auf die theoretische construetion der kaiserlichen Staatsverfassung 
bei Mommsen dem letzteren vielleicht nicht so ganz mit unrecht 
zum Vorwurf macht. 

Was die gliederung des inhalts angeht, so ist der ausgangs- 
punkt Madvigs ein anderer , als der Mommsens , da nach seiner 
ansieht eine darstellung des römischen Staatsrechts, die mit über- 
gehung des volkes und Senates mit der magistratur anfängt, der 
nöthigen grundlage entbehrt. Darüber ließe sich streiten ! Doch 
mag es immerhin von dem gesichtspunkte aus, daß der Staat sich 
als das organisirte volk darstellt, wohl motivirt erscheinen, wenn 
— nach einer kvirzen geographisch - ethnographischen einleitung 
über land und volk und die allgemeinen Voraussetzungen der ent- 
wicklung des letzteren — zuerst von dem begriff des römischen volkes 
und der römischen bürgerschaft gehandelt wird, wie er sich im 
gegensatz zu den „Peregrinen", d. h. bundesgenossen und Lati- 
nern , im besonderen gestaltet hat ; wobei zugleich die mannig- 
fachen durch das institut der civitas sine suffragio, der municipal- 
und colonialverfassung u. s. w. bedingten abstufungen innerhalb 
der bürgerschaft selbst in ihrem wesen und werden mit großer 
klarheit geschildert werden. Auf dieser grundlage baut sich das 
zweite kapitel auf, welches die „innere Ordnung", insbesondere 



Nr. 3. 49. Römische geschichte. 235 

die ständische gliederung des römischen volkes behandelt. In 
erster linie kommt dabei in frage das ursprüngliche verhältniß 
zwischen patriciat und plebs , und verf. bekennt sich mit recht 
zu der neuerdings unbegreiflicher weise angefochtenen auffas- 
sung, wonach ersteres die „ursprünglich freien und vollberech- 
tigten bürger" umfaßte, letztere die „ursprünglich politisch un- 
berechtigten aber — im gegensatz zur clientel — an kein ge- 
schlecht gebundenen neubürger." Weniger einverstanden sind 
wir mit der darauf folgenden darstellung der stamm- und be- 
zirkstribus , der curien - , classen - und centurienordnung , welch' 
letztere z. b. in allzuengem anschluß an die tradition zu wenig 
in ihrer ursprünglichen gewiß wesentlich militärischen bedeutung 
gewürdigt wird. — Den abschluß des capitels bildet dagegen 
eine umfassende und alle in frage kommenden gesichtspunkte 
scharf beleuchtende erörterung der socialen, politischen und recht- 
lichen Stellung der verschiedenen stände; wobei wir es allerdings 
nicht gerechtfertigt finden, daß z. b. der so wenig hervortretenden 
Masse der tribuni aerarii eine längere ausführung und eine eigene 
hypothese gewidmet wird , während der verf. über das so emi- 
nent wichtige colonat mit wenigen zeilen hinweggeht und sich 
mit der constatirung unserer unkenntniß der entstehung dessel- 
ben begnügt, ohne auch nur mit einem worte der neueren zum theil 
doch gewiß sehr beachtenswerthen erklärungsversuche zu gedenken. 
Nachdem so das volk nach seinen verschiedenen bestand- 
theilen charakterisirt ist, folgt die darstellung seiner Organisation 
als staat und zwar zunächst (cap. 3 — 5 ) im Zeitalter der repu- 
blik. Voran steht auch hier , nach einer dogmatisch - geschicht- 
lichen einleitung über die regierungsform und die vertheilung 
der Staatsgewalt im allgemeinen , das volk , als ausgangspunkt 
und oberster träger der staatlichen gewalt, dessen wille in drei- 
facher form zum ausdruck kommt: Comitia curiata, centuriata, tri- 
buta. Verf. verzichtet darauf, über das wesen und die Wirksam- 
keit der curiatcomitien in der vorrepublikanischen zeit zu einem 
klaren und bestimmten resultate zu gelangen. Was die beiden 
letzteren formen betrifft, so werden im gegensatz zu den comitia 
centuriata als den auf der consularischen initiative beruhenden 
Versammlungen des gesammtpopulus die comitia tributa ihrem ur- 
sprünglichen charakter nach als ausschließlich plebeische von 
dem „eigentlichen Volksmagistrat", den tribunen, abgehaltene ver- 

16* 



236 49. Komische geschickte. Nr. 3. 

Sammlungen aufgefaßt, während die eventuelle berufung durch 
consuln zum zweck der ädilen- und quästorenwahlen einer spä- 
teren zeit angehört. Mit großer vorsieht wird die frage der ur- 
sprünglichen richterlichen und legislativen competenz der tribut- 
comitien erörtert, insbesondere in ihrem verhältniß zu senat und 
patriciat, wobei speciell die richtige auffassung der patrum aueto- 
ritas als bestätigungsrecht des patricischen bestandtheils des Se- 
nats hervorzuheben ist. Den beschluß bildet die darlegung der 
modalitäten bei der Verhandlung und abstimmung , sowie der 
publikation der gesetze. 

Es folgt der senat als dasjenige organ der Staatsgewalt, 
welchem die „allgemeine und dauernde leitung und lenkung des 
Staats" zustand (cap. 4) und endlich als abschluß dieses theiles 
ein kapitel (5) über die republikanischen obrigkeiten und beam- 
ten, rnagistratus. In letzterem hat die durch die ganze anläge 
des werkes ausgeprägte tendenz , die geschichtliche entwicklung 
der Verfassung in ihrer totalität zu veranschaulichen , zu übel- 
ständen geführt, die sich freilich nur dann vermeiden lassen, 
wenn man, wie das Mommsensche Staatsrecht, ohne rücksicht auf 
die übliche eintheilung in königs-, republikanische und kaiserzeit 
einzig die sachliche Zusammengehörigkeit zum eintheilungsprineip 
nimmt und jede institution abgeschlossen für sich zur darstellung 
bringt. Indem verf. den umgekehrten weg einschlägt, ist er zu 
manchen Wiederholungen genöthigt, da sich an dieser stelle nur 
die thätigkeit einzelner magistrate , wie der tribunen und ädilen 
erschöpfend behandeln ließ, bei der besprechung der andern vie- 
les dem der kaiserzeit gewidmeten abschnitte vorbehalten bleiben 
mußte. Was die feststellung der competenz und des wesens der 
verschiedenen Magistraturen betrifft, so hat die schon angedeutete, 
an sich ja so berechtigte scheu, durch allzubestimmte formuli- 
rungen dem stoff gewalt anzuthun , den verf. wohl etwas hinter 
dem erreichbaren ziele zurückbleiben lassen , indem so mancher 
punkt minder vag und unbestimmt hätte gefaßt werden können, 
als es hier geschehen ist. Besser bewährt sich dagegen die me- 
thode des verf. in dem letzten theile des ersten bandes, welcher 
das kaiserthum, seine formen und centralen regierungsorgane be- 
handelt und eine besondere klarheit und Übersichtlichkeit ge- 
wonnen hat durch die art und weise , wie hier drei große ent- 
wicklungsperioden scharf auseinandergehalten weiden : eine erste 



Nr. 3. 49. Römische geschickte. 237 

mit einer monarchischen regierung, die wenn auch thatsächlich 
ungebunden und oft tyrannisch , dennoch gleichsam ihr wesen 
unter dem bewahrten scheine republikanischer Institutionen und 
erinnerungen birgt, so daß die disharmonie zwischen dem über- 
lieferten und dem neuen , welches das ganze noch nicht durch- 
drungen oder bestimmte gestalt erhalten hat, überall zum Vor- 
schein kommt ; eine dritte , (seit Diokletian und Constantin) die 
das bild einer gleichartigen reichsorganisation zeigt mit conse- 
quent durchgeführten verwaltungsformen in ausgeprägt despoti- 
scher gestalt , unter der eine im ganzen politisch gleichberech- 
tigte (oder , wenn man will , gleich rechtlose) bevölkerung lebt, 
mit zwei in den verschiedenen reichstheilen besonders hervortre- 
tenden und in der Verwaltung ungefähr in gleichem maße an- 
erkannten nationalitäten und kulturformen , der römischen und 
griechischen , das ganze durchdrungen von einer neuen religion 
und Weltanschauung; — endlich zwischen diesen beiden epochen 
eine unter Hadrian sich ankündigende , unter den Antoninen 
fühlbarere und alsdann über den ausgang des zweiten Jahrhun- 
derts und das ganze dritte Jahrhundert ausgedehnte zeit des 
Übergangs und der ausgleichung. Auf eine theoretische con- 
struktion der neuen „aus einem rein thatsächlichen zustande sich 
entwickelnden, auf der anerkannten nothwendigkeit beruhenden" 
staatsform verzichtet der verf. , indem er , für die ältere zeit 
wenigstens , die existenz „jeder einigermaßen consequenten con- 
stitutionellen theorie" leugnet und der ansieht ist, daß in betreff 
dieser zeit die versuche begrifflicher bestimmung und begrenzung 
der gerechtsame sich in hohle und widersprechende Spitzfindig- 
keiten auflösen. Namentlich erklärt er den versuch, die ver- 
schiedenen dem kaiser übertragenen Specialgewalten in begriff- 
lichem zusammenhange darzustellen, für nicht gelungen, nebenbei 
auch aus dem gründe , weil dieser versuch die proconsularische 
gewalt zum ausgangspunkt nimmt, während Madvig geneigt ist, 
den kernpunkt der Vorstellung von der regentengewalt vielmehr 
in der consularischen macht zu suchen , wofür er freilich kaum 
auf Zustimmung rechnen darf. Denn die stelle des Cassius Dio 
LIV, 10 auf die sich Madvig stützt, und wo es allerdings heißt 
7Tjv i^ovai'av ir\v täv ikutojp 8ia ßiov eXaßsv , beruht nach 
Mommsens unzweifelhaft richtiger beobachtung auf einem irrthum. 
Ihr steht das urkundliche zeugniß des Augustus selbst ent- 



238 49. Römische geschichte. Nr. 3. 

gegen, in Monumentum Ancyranum 3, 9: vnateiav uoi zöre Si- 
Sofisvrjv aai iviavaiov v.o.) 8iä ßiov ob x i8s^äfxi]v. — Was das 
verhältniß zum senat betrifft, so wird dasselbe dahin definirt, 
daß der senat nebst den republikanischen magistraten formell 
die hergebrachte republikanische administrative und seit Tiberius 
zugleich die gesetzgebende gewalt vertrat, aber auf beiden ge- 
bieten thatsächlich nur das organ des kaiserlichen willens 
war. Dieß thatsächliche verhältniß sei einer schiefen auf- 
fassung ausgesetzt , wenn man von einer zwischen dem kaiser 
und dem senate getheilten regierung, von einer dyarchie, redet. 
Der zweite band , der sich dem ersten würdig anschließt, 
handelt zunächst von den theilen des reiches und ihrer Verfas- 
sung und Verwaltung, wobei insbesondere das communale leben 
nach all' seinen rechtlichen seiten zur anschauung kommt (cap. 7.) 
Auch hier überall dieselbe besonnenheit und vorsieht des ur- 
theils ; so z. b. in der frage der provincialvertretungen der kai- 
serzeit, deren gewöhnlich zu hoch geschätzte bedeutung hier auf 
das richtige maß reducirt wird; oder in der frage nach dem 
charakter der römischen collegia, wo mit recht die übertriebene 
betonung der religiösen seite bekämpft wird. — Getheilteren 
beifall mag vielleicht das nächste kapitel (8) über das rechts- 
wesen finden , insoferne als es den einen zu viel , den an- 
dern zu wenig bieten wird. Uns scheinen die einem verfas- 
sungsgeschichtlichen werke naturgemäß gezogenen schranken im 
großen und ganzen richtig innegehalten. Madvig will selbst- 
verständlich nicht das rechtssystem selbst in seiner ganz speciellen 
entfaltung zur darstellung bringen, sondern das römische rechts- 
wesen in seiner allgemeinheit als Staatsinstitution, die einen ge- 
ordneten rechtszustand schaffen und erhalten will, so daß es er- 
sichtlich wird, auf welchem wege der inhalt des rechtes festge- 
setzt und entwickelt ward , (privatrechtliche und strafrechtliche 
gesetzgebung) und wie der staat es sich angelegen sein ließ, daß 
der einzelne sein recht finde und er selbst gegen verbrechen 
geschützt sei. Nur soweit gewisse eigenthümlichkeiten der rechts- 
auffassung und des Systems, besonders des familienrechts, in en- 
gerer beziehung zur sittlichen grundlage des Staates und zum 
politischen leben selbst stehen , sind natürlich auch sie berück- 
sichtigt worden. Mehr, als sein titel besagt, bietet das folgende 
(9.) kapitel über den Staatshaushalt, das finanz- und geldwesen, 



Nr. 3. 49. Römische geschichte. 239 

insofern als hier im anschluß an die erörterung über den ager 
publicm auch die ganze agrargesetzgebung in ihrer geschichtli- 
chen entwicklung zur darstellung kommt. Freilich befriedigt 
uns gerade diese letztere partie am wenigsten , da dem verf. 
offenbar die nationalökonomische seite der hier in betracht kom- 
menden fragen nicht geläufig genug ist. — Die frage z. b. , ob 
die lex de modo agri von 367 sich nur auf den ager publicus oder 
auf den agrarbesitz überhaupt bezieht , kann doch wohl nicht 
ohne jede wirthschaftspolitische erwägung entschieden werden. 
Nebenbei bemerkt ist es nicht recht begreiflich, wie Madvig die 
letztere erklärungsweise aus dem gründe verwerfen kann , weil 
eine derartige beschränkung des eigenthumserwerbs dem aristo- 
kratisch - timokratischen charakter des römischen Staates wider- 
streiten würde ; — nachdem doch auch bei der von ihm ver- 
tretenen auftässung das gesetz, wie er selbst ein paar Seiten vor- 
her betont, ein entschieden demokratisches gepräge zeigt! — 
In dem das geldwesen behandelnden theile dieses capitels hat 
sich ein offenbares versehen an der stelle eingeschlichen, wo von 
dem verhältniß des silbers zum gold im alterthum (= 11,9: 1) 
im vergleich zur neuzeit (= 15,5: 1) die rede ist und mit recht 
hervorgehoben wird, daß das gold theurer geworden ist. Trotz- 
dem spricht der verf. unmittelbar darauf die behauptung aus, 
daß „zur Zahlung einer gewissen in silber angegebenen summe, 
wenn die Zahlung in gold überhaupt geschehen konnte , im al- 
terthum weniger gold erforderlich war, als heutzutage, und 
zur Zahlung einer gewissen in gold festgesetzten summe mehr 
silber als heutigen tages." Das umgekehrte ist natürlich in bei- 
den fällen das richtige. — Was die sehr klar und übersichtlich 
gehaltene erörterung der steuerverfassung betrifft, so möchte ge- 
gen dieselbe nur das eine einzuwenden sein , daß sie sich viel- 
leicht etwas allzu enge an Savigny anschließt und über die ge- 
gen einzelne aufstellungen desselben erhobenen bedenken etwas 
zu unbekümmert hinweggeht. Dagegen beruht das nächste das 
kriegs- und wehrwesen behandelnde kapitel zum theil auf eige- 
nen Specialuntersuchungen , die Madvig schon in den siebziger 
jahren publizirt hat. Der durchgehende charakter des werkes 
zeigt sich auch hier z. b. in dem verzichte, von der einrichtung 
des servianischen heeres ein klares bild zu gewinnen, sowie in 
dem umstände , daß nicht die problematischen Verhältnisse der 



240 50. Alte musik. Nr. 3. 

früheren zeiten, sondern die epoche zum ausgangspunkt genom- 
men wird , für welche Zeugnisse , wie die Schilderung eines Po- 
lybius vorliegen. Eine sehr verständige das wesentlichste klar 
und scharf hervorhebende Übersicht liefern endlich die beiden 
letzten kapitel über die öffentliche gottesverehrung (cap. 11) und 
über die verschiedenen einrichtungen zum allgemeinen besten 
(cap. 12) d. h. über sittlichkeits- und mäßigkeitspolizei, gesund- 
heits- und baupolizei, Verkehrs- und unterrichtswesen. 

Zum Schlüsse sei hier noch auf den besonders für den ler- 
nenden werthvollen umstand hingewiesen, daß der verf. den 
einzelnen kapiteln meist ein kurzes expose über die für die be- 
treffenden gebiete in befrackt kommenden quellen vorausschickt, 
wie denn auch das ganze werk mit einem exkurs über Livius 
und Dionysius v. Halikarnaß ,,als träger der Überlieferung über 
das älteste und alte Rom" abschließt. Robert Pöhlmann. 

50. W. Brambach, das tonsystem und die tonarten des 
christlichen abendlandes im mittelalter, ihre beziehungen zur 
griechisch-römischen musik und ihre entwicklung bis auf die 
schule Guidos von Arezzo. Mit einer Wiederherstellung der mu- 
siktheorie Bernos von Reichenau nach einer Karlsruher hand- 
schrift. Leipzig, B. G. Teubner 1881. gr. 8. 53 p. 

Der durch seine metrischen arbeiten, noch mehr aber durch 
seine „neugestaltung der lateinischen Orthographie" bekannte verf. 
hat sich mit vorliegendem schriftchen zum ersten mal auf einem 
gebiet versucht, vor welchem die große mehrzahl der philologen 
eine unüberwindliche scheu zu haben scheint. Der auffällige 
mangel an monographien und detailforschungen auf dem noch 
so dunklen gebiete der griechisch-römischen und ältesten mittel- 
alterlichen musik läßt sich kaum anders, als aus der allgemein 
verbreiteten irrigen meinung erklären, als gehörten zu derartigen 
forschungen nicht blos die eingehendsten theoretisch-musikalischen 
Vorkenntnisse, sondern vor allem fast übermenschliche geduld, 
sich in dem scheinbar wüsten gewirr von transpositionsscalen 
und octavengattungen zurechtzufinden. Ref. gesteht von vorn- 
herein zu, daß durch den mangel an korrekten, auf handschrift- 
lichen vergleichen beruhenden ausgaben der musiker Untersuchun- 
gen auf dem gebiet der griechisch - römischen musik äußerst er- 
schwert sind, die sache selbst aber ist entschieden leichter zu 



Nr. S. 50. Alte musik. 241 

verstehen und einfacher als allgemein angenommen wird. Zudem, 
ist durch die arbeiten von Boeckh , Bellermann, Ambros, West- 
phal, Paul, Kiemami und anderen, insbesondere aber durch Ge- 
vaerts Histoire et theorie de la mushjue de l'antiquite" (Gand 
1875 et 1881) der weg gebahnt und für detailforschungen ein 
so überaus reiches feld geschaffen worden , wie auf wenig an- 
deren gebieten der philologie ; und so muß denn jeder ernste 
versuch in den einzelnen zweigen dieser Wissenschaft licht zu 
schaffen von vornherein als besonders dankenswerth erscheinen. 

Schon von diesem Standpunkt aus darf man die Brambach'sche 
schrift als ein erfreuliches zeichen zunehmenden interesses an 
musikgeschichtlichen forschungen auf dem gebiete der harmonik 
mit freude begrüßen. Das thema selbst freilich, das sich der 
Verfasser zum Vorwurf genommen hat, ist, — wenigstens wie der 
titel ankündigt — , ein so umfangreiches , zum theil so schwie- 
riges, daß man auf den ersten blick die Unmöglichkeit erkennen 
muß, all' die angeregten fragen auf den 53 octav-seiten des 
werkchens erschöpfend zu behandeln. Es enthält dasselbe viel- 
mehr keineswegs eine erschöpfende darstellung der tonarten, des 
toiisystems , der beziehungen der christlichen abendländischen 
musik zur griechisch-römischen und die entwicklung jener von 
einem neuen und bisher unbekannten Standpunkte aus aufgefaßt, 
sondern es werden nur einige wenige punkte aus jenem großen 
gebiete einer kritischen erwägung unterzogen. 

Die einleitung gibt eine kurze übersieht über die haupt- 
momente der entwicklung der musikalischen theorie vom VII — 
XI. Jahrhundert, nachdem vorher der thätigkeit Guidos von 
Arezzo und seines Zeitgenossen Berno von Reichenau gedacht 
ist. Die bei dieser gelegenheit ausgesprochene ansieht, daß Guidos 
bedeutung in der musikgeschichte „nicht seinen erfindungen son- 
dern einem eigenthümüchen zusammenwirken glücklicher um- 
stände" zuzuschreiben sei, theilt ref. durchaus nicht. Durch rein 
zufälliges zusammenwirken glücklicher umstände ist noch kein 
manu zu wahrhafter bedeutung in der kunstgeschichte gelangt, 
ist noch in keiner kunst eine neue kunstepoche begründet worden. 
Die Verdienste Guidos sind am verständigsten von Ambros ge- 
würdigt worden; ich verweise auf Musikgeschichte II", p. 144 flg. 

In dem ersten abschnitt handelt Brambach über zahl und 
uamen der kirchentöne. Ausgehend von der behauptung 



242 50. Alte musik. Nr. 3. 

Fetis' (bist, de la mus. IV, p. 155), daß der tonumfang der vor- 
gregorianischen kirchengesänge sicli nicht in die ältesten vier 
(authentischen) tonarten einfügen lasse, hält er den heiligen Am- 
brosius entgegen der allgemeinen annähme nicht für den be- 
gründer derselben. Wer indessen jene ursprünglichen vier kir- 
chentöne fixiert, oder, wie grade jene und nicht vier andere in 
den allgemeinen gebrauch gekommen seien, gibt er nirgends an ; 
im folgenden ist nur von der erweiterung der ursprünglichen 
vier (also als bereits vorhanden angenommenen töne) als einer 
änderung in der theorie, aber nicht in der praxis, die rede. Vor 
allem aber widerspricht meines erachtens die thatsache, daß vor- 
gregorianische kirchengesänge sich nicht in den umfang der 
t. authentici fügen , immer noch nicht der annähme , Ambrosius 
habe diese vier töne fixiert. Wenn ferner Brambach (p. 24) 
vermuthet, Ambrosius' thätigkeit habe sich n u r auf die formen 
der liturgie, die äußere gestaltung des kirchengesanges(?) , die 
Verwendung des doppelchores bezogen , so ist diese vermuthung 
absolut nichtig, so lange nicht der beweis dafür auf das strengste 
geführt und dargethan ist, daß man mit völligem unrecht seit 
uralten zeiten von „ambrosianischem kirchengesänge" gesprochen 
hat und noch spricht. Denn wenn nach Brambachs vermuthung 
die thätigkeit des Ambrosius sich nur auf solch' äußerliche dinge 
erstreckt hätte , dann spräche man sicher mit unrecht von am- 
brosianischem „gesange" ; der gesang selbst wäre dann eben 
nichtambrosianisch gewesen, und nur das ,, äußere des 
gesanges" (eine merkwürdige unklare bezeichnung !) ambrosianisch. 
Auch in diesem punkte billige ich vollkommen, was Ambros II, 
p. 19 und 59 sagt (vgl. auch Forkel Geschichte der musik II, 
p. 163). 

Was die zahl resp. zählungsweise der alten tonarten anbetrifft, 
so halte ich die frage, wann man anfing anstatt vier haupt- und vier 
nebentonarten überhaupt acht tonarten zu zählen , für ziemlich 
irrelevant. Zu den anfangs allein für sich bestehenden vier ty- 
pischen grundformen gesellten sich, aus ihnen gebildet, vier ne- 
benformen mit denselben intervallenunterschieden. Die zusam- 
mengehörigen formen wurden naturgemäß in der reihenfolge ne- 
ben einandergestellt , und man zählte offenbar in frühester zeit 
(VIII. und IX. Jahrhundert) IV töne authentici, IV töne plagii, 
bis man die sache mechanischer ausübend und die tonarten einfach 



Nr. 3. 50. Alte musik. 243 

der reihe nach zählend zur zählungsweise I— VIII dadurch ge- 
langte, daß man den plagalen ton von seinem authentischen als 
selbständigen trennte und als zweiten ton bezeichnete. Selbst- 
verständlich wurde damit der ursprüngliche begriff der haupt- 
und nebentonarteu nicht verwischt, und Hucbald , wie jeder an- 
dere denkende musiker jener seit scheidet, trotzdem er die Zäh- 
lung I — VIII kennt, haupt- und nebentonart. Dasselbe gilt von 
Berno von Eeichenau , dem die Zählung I — VIII wohlbekannt 
ist; daneben aber theilt er die tonarten in superiores (I, III, V, 
VII) und inferiores (II, IV, VI, VIII) ein. Die bezeichnungeu 
selbst : superiores und inferiores sind vortrefflich gewählt , da sie 
das wesen der tonarten sowohl ihrer läge als ihrer bedeutung 
und Wichtigkeit nach bestimmen. 

Der übrige theil des ersten abschnittes , so wie anhang I, 
p. 37 flg. beschäftigt sich mit den nameu der kirchentöne, ins- 
besondere mit den sprachlichen misbildungen , wie „tetrardus", 
,,dem eine nachlässige, plebejische Sprechweise zu gründe liegt", 
,,autentus", „plagis", „plagaUs" u. s. w. Die bezeichnung der mit- 
teltöne als parapteres leitet der verf. (p. 39) von nanunTtoov ab 
(= ,, Hügel eines kirchengebäudes"). Wenn er aber diesen aus- 
druck damit erklärt, die parapteres seien tonarten, die den übri- 
gen acht zur seite ständen, , .gewissermaßen deren flügel bildeten", 
so ist diese erklärung entschieden viel zu weit. Sie umfaßt 
nämlich auch die plagalen tonarten , die doch wohl sicher mit 
recht als die s e i t e n tonarten der authentischen bezeichnet wer- 
den. Franchinus Gafor (Mus. pract. I, 7) dehnirt die parapteres 
fauch mixti genannt) so : Mixtus tonus dicitur, si authenticus est, 
cpium vel totum gravius sui plagalis attigerit tetrachordum vel duas 
saltem eins chordas. Also parapteres sind die mischung eines au- 
thentischen tones mit seinem plagalen. Der tonus commixtus wird 
von demselben gewährsmann so erklärt: commixtus tonus dicitur 
si authenticus est , quum in eo species alterius quam sui collateralis 
disponitur. Das wesentliche der mischtöne im allgemeinen besteht 
also in dem übergreifen in andere töne, sei es in die verwandte 
plagale tonart (tomis mixtus), sei es in eine beliebige andere, au- 
ßer der plagalen, so daß also in jedem falle ein übergehen in 
eine andere tonart stattfindet, und speciell bei den toni mixti ein 
hinabsteigen zu der tiefer liegenden plagalen tonart. Daher 
sagt Hucbald mit recht: „parapteres dicti eo, quod Her prae- 



244 50. Alte musik. Nr. 3. 

parant versibus descendendi." Hieraus ergibt sich meines 
erachtens unzweifelhaft, daß Hucbald den ausdruck parapteres 
als mit „pr aeparant" zusammenhängend auffaßt; sagt er doch : 
p. dicti eo, quod . . . d h. = parapteres werden sie genannt, 
weil sie u. s.w. Sollte also nicht vielleicht in parapteres eine 
durch silbenverkehrung entstandene sprachliche misgestaltung von 
„praeparantes" vorliegen? Sicherlich sind derartige abstruse bil- 
dungen im mittelalter nichts seltenes (vgl. autentus, tetrardus etc.). 
Doch sei dem, wie ihm wolle ; jedenfalls mußte Brambach seine 
ableitung von nagünitnov so begründen: parapteres sind „flügel- 
töne", weil sie von einer authentischen, die den festen unbeweg- 
lichen bestandtheil der tonart, gewissermaßen den rümpf, bildet, 
hinübergreifen in eine tiefere , oder höhere tonart , der sie sich 
dadurch anfügen, wie etwa die flügel eines kirchengebäudes dem 
hauptschiff angefügt sind. Mitteltöne werden sie genannt, weil 
sie in der mitte zweier tonarten stehen , beiden angehören und 
deshalb leicht den Übergang von einem ton zum anderen vor- 
bereiten. 

Der zweite abschnitt handelt von dem Ursprung der kir- 
chentöne. Der verf. wendet sich gegen die von Ambros II, 13 
vertretene ansieht, der heilige Ambrosius habe mit bedacht aus 
den tonieitern des klassischen alterthums eine hauptskala ausge- 
wählt : d e f g a h c 4 d' , welcher zunächst drei weitere skalen 
e — e', f — f, g — g' an die seite getreten seien. „Wäre dies rich- 
tig", meint der verf., „so kann Ambrosius seine tonreihe unmög- 
lich aus dem zeitgenössischen Skalensystem der heidnischen musik 
entlehnt haben." Gewiß, aus dem skalensystem nicht ; denn auf 
der stufe d stand, wie Brambach richtig bemerkt, die lydische 
transpositionsskala mit b, statt h; wohl aber ist es möglich, daß 
Ambrosius seine grundskala aus der reihe der allgemein ge- 
bräuchlichen und praktisch bequem liegenden oetavengattungen 
in ihrer Übertragung auf die tonstufen der lydischen scala nahm. 
Der erste kirchenton repräsentirt unzweifelhaft die phrygische 
oetavengattung , die für den gesang (vgl. Brambach p. 1 6 und 
das zeugnis des Arist. Quint. p. 25 ed. Meibom) die brauch- 
barste war. Dieser meinung ist auch Brambach ; wenn er aber 
behauptet von einer grundskala wie die antike (aeolische) oeta- 
venreihe A~ a— a' war, hätte man in praxi zur zeit der römi- 
schen kaiser nichts gewußt, so ist dies eine behauptung, die erst 



Nr. 3. 50. Alte musik. 245 

des beweises bedarf, und die meines eraclitens in ihrem ganzen um- 
fange sich kaum wird beweisen lassen. Die natur der sache 
und insbesondere die art, wie das antike tonsystem entstand, 
verlangt sicher grade das entgegengesetzte : d. h. das Vorhan- 
densein einer grundskala. Ebenso wenig ist mir ein innerer 
grund erfindlich, weshalb grade drei stufen : es d c der phrygi- 
schen tonreihe / — f (transposition der reihe d — d' um l 1 /^ ton, 
nach Bellermann) angesetzt wurden. Denn abgesehen davon, 
daß die Bellermann'sche entwicklung dieser transpositionsskala 
der hier Brambach folgt , ihre große bedenken hat , und nichts 
weniger als unbestritten ist (vg^. Paul, Boetius p. XX flg.), so 
erscheint ein solcher zusatz doch recht willkürlich. So sehr ich 
also Brambach zunächst beipflichte, daß die phrygische tonleiter 
als basis der neu zu schaffenden kirchentöne angenommen wurde, 
weil sie die zum gesang geeignetste war, so scheint mir doch 
die Brambach'sche darstelluug wie dies geschah, nicht ohne er- 
hebliche bedenken. Ich meine: will man den Ursprung der kir- 
chentöne, — die sicherlich den antiken tonarten entnommen sind, 
erforschen , so muß man von der tonart ausgehen , die dem an- 
tiken und christlichen System gemeinsam ist : von der aeolischen 
oder hypodorischen tonart : AHcdefga. Gleichwie durch 
transposition dieser skala auf jede tonstufe derselben sich die 
antiken tonarten ergaben, so sind durch ähnliche transpositionen 
auch die kirchentonarten entstanden. Bildete man die intervalle der 
aeolischen skala auf dem fünften ton (hypate meson) derselben : so 
ergab sich die tonreihe : efisgahc'd' e' . Diese tonleiter, im um- 
fang der aeolischen urskala dargestellt, lautete : A H c d e fis g a, 
und dies in die skala ohne Vorzeichen übertragen , ergab den 
ersten kirchenton : d e f g a li c' d' . Wiederholte man dasselbe 
verfahren eine stufe tiefer (Lichanos hypaton) so erhielt man: 
d e f g a h & d' =ABcdefga = e f g a h c' d' e' 
d. i. den zweiten authentischen ton. Dieselbe transposition wie- 
derum eine stufe tiefer ergab den dritten , und noch eine stufe 
tiefer , den vierten authentischen ton , von denen dann die be- 
treffenden plagalen tonarten leicht gebildet werden konnten. 
Die vier haupttonarten sind also nichts anderes, als durch trans- 
positionsskalen gebildete und auf die tonstufen der lydischen 
skala übertragene octavengattungen. Zu erwägen bleibt dabei nur 
eines : weshalb grade die hypate meson zur ersten transpositions- 



246 50. Alte musik. Nr. 3. 

stufe gewählt wurde. Außer dem praktischen gründe, daß grade 
die transposition auf dieser stufe die für den gesang bequemste 
tonlage (phrygische skala) ergab , läßt sich dafür noch geltend 
machen, daß die aeolische skala A — a sehr nahe beziehung zu 
dem in der kaiserzeit gebräuchlichen avazij/.tu u.(xtidf,oXov des 
Euklid hat : AHcdefga mit darauffolgendem avvtjfApirmv 
und öteftvjTifVeoi'-system. Mittel- und ausgangspunkt dieses Sy- 
stems war aber der ton E. Wie in dem einfachen heptachord 
die mese der hauptton war , so entwickelte sich im System des 
Euklid aus dem meson- tetrachord efga durch ansetzen des 
tieferen tetrachordes und des proslambanomenos die reihe A H 
c d e f g a — eine reihe, die identisch mit der aeolischen oc- 
tavengattung war. Das bewußtsein von der Wichtigkeit dieser 
hypate meson konnte niemals entschwinden , so lange dieses Sy- 
stem beibehalten blieb ; und damit ist auch theoretisch erklärt, 
weshalb grade diese transpositionsstufe zur bildung des ersten 
kirchentones gewählt wurde, während das rückwärtsschreiten der 
transpositionsstufe bei bildung der übrigen authentischen töne 
sein treffendes analogon in der sich rückwärts verschiebenden 
nomenclatur der kirchentonarten hat. Doch noch eine andere 
folgerung ergiebt sich daraus : nicht die phrygische skala ist in 
allererster liuie der ausgangspunkt der christlichen tonarten, son- 
dern die alte normaltonleiter der Griechen ; sie ist der gemein- 
same boden, auf dem sowohl die antiken, als die christlichen 
tonarten erwuchsen, sie hat sich auch dem namen nach unver- 
ändert zu allen zeiten erhalten , sie bildet die brücke von der 
antiken zur mittelalterlichen musik. 

Das von den kirchentönen abhängige tetrachordsystern, ins- 
besondere die lateinischen bezeichnungen der tetrachorde, die be- 
deutung der toni finales, die antike und mittelalterliche bindungs- 
und trennungsweise der tetrachorde, die bedeutung des Boetius 1 ) 
für die mittelalterliche musik. insbesondere sein einfluß auf Huc- 
bald wird in aller kürze im nächsten paragraphen (3) behandelt, 
ohne daß neue resultate dabei zu tage gefördert werden. Daß 
man zu Hucbalds zeiten von der alten theorie abwich und den 

1) Diese Schreibart ist die handschriftlich verbürgte und auch 
durch Ennodius VII, 13, Cassiod. I, 45 und II, 40 ebenso wie durch 
Hucbald , Guido u. a. sichergestellt. Brambach schreibt noch Boe- 
thius; zur frage selbst vgl. Paul, Boetius p. XLVI flg. insbesondere an- 
merk. 2, p. XLVII. 



Nr. 3. 50. Alte musik. 247 

proslambanomenos in das tetrachordsystem einfügte, und mit dem 
unzertrennbaren tetrachord der finales d e f g das mit hilfe des 
proslambanomenos neugebildete tetrachordum gravium vereinigt 
wurde, daß ferner eine neue Verwirrung durcb die hinzufügung 
des r eintrat, und man deshalb statt des bisherigen nach art 
des synemmenon gebildeten tetrachord - Systems ein in der weise 
des avattjfjia dts^svyftevav gebildetes (TABc\def g) ge- 
brauchte, ist auch anderweitig bekannt. Als nun in der schule 
Oddos (X. Jahrhundert) das b rotuudum in gebrauch kam, wurde 
die tetrachordeintheilung eine bedeutungslose theoretische Spie- 
lerei , und das octavensystem trat als die natürliche grundlage 
der skalenbildung an die stelle des tetrachordes. Damit war 
auch der noch bis zum heutigen tage gebräuchlichen intervallen- 
bezeichnung der weg gebahnt, bis endlich Guido von Arezzo, der 
erste und größte musikalische praktiker, die letzten schritte that, 
um das tetrachordsystem völlig zu beseitigen. Auf der stufe 
des Übergangs zu dieser neuen theorie stehen Hermannus Con- 
tractus (vgl. Brambach p. 30) und der Hirsebauer abt Wilhelm, 
während Berno von Eeichenau (vgl. p. 22) bereits entschiedener 
anhänger des octavensystems ist und in dieser beziehung Guido 
von Arezzo offenbar nahe steht. 

Damit sind wir zur besprechung des letzten abschnittes „die 
theorie Bernos" oder wie der titel genau sagt : „Wiederherstel- 
lung der theorie Berno's" gelangt. Die letzte bezeichnung be- 
zieht sich offenbar auf die bereits von Riemann (Studien zur ge- 
schichte der notenschrift p. 37) ausgesprochene thatsache, daß 
Bernos Tonarius durch eine anzahl größere interpolationen seine 
ursprüngliche gestalt verloren hat. Neue beweise gibt hiefür 
Brambach p. 33. An dieser stelle sind denn auch die interpo- 
lationen wie der echte kern übersichtlich zusammengestellt. Was 
nun die zusätze der moderni selbst betrifft, so scheinen sie mir 
freilich nicht der Berno'schen theorie so sehr widersprechend, 
als Brambach meint. In bezug auf die tetrachordbildung ist 
vorhin bereits hervorgehoben worden, daß Berno bereits auf mo- 
dernem Standpunkt steht und dem octavensystem huldigt, wenn- 
gleich er die tetrachordeintheilung noch kennt. Ebenso ist die 
Verschiedenheit in der auffassung der quartengattungen nicht 
sehr bedeutend. Die folge von halb- und ganzton ist bei den 
guarten Bernos genau dieselbe, wie bei den der moderni; nur 



248 50. Alte musik. Nr. 3. 

wählt Berno das tiefere, die modernen das höhere tetrachord zur 
darstellung derselben und Berno bezeichnet dasselbe in abwärts 
gehender, jenein aufwärts steigender reihenfolge, nämlich: Berno: 
d e f g, modern: A H c d; Berno: e f g a, modern: H c de; 
Berno : g a h c, modern : c d e f. Die quartengattungen beider 
parteien sind offenbar identisch, nur ihre bestimmung , und dies 
ist offenbar das unwesentliche, ist verschieden. Ebenso halte 
ich es für eine unwesentliche abweichung, wenn die moderni an 
die stelle der notenzeichen Bernos : A — S die buchstaben A — G 
a—g mit hinzunahme des bei Berno nicht genannten neuen pros- 
lambanomenos F setzen. Im übrigen ist die von Berno aufge- 
stellte theorie der quintengattungen leere Spielerei, höchstens 
nur dem zwecke dienend , das octavensystem (aus quinte und 
quarte bestehend) durch Verknüpfung mit den alten traditionen 
leichter zugänglich zu machen (vgl. Brambach anhang p. 42). 
Bemerkenswert!! und von Brambach nicht hervorgehoben ist, 
daß Berno die ersten beiden quintengattungen durch hinzufü- 
gung eines höheren tones zu der entsprechenden quartengat- 
tung bildet , während er die dritte und vierte quintengattung 
auf andre weise bestimmt : die dritte , von g a h c ausgehend, 
durch hinzufügung eines tones unterhalb (um die den gefürch- 
teten tritonus enthaltende quart /' g a h in der bestimmung der 
quintengattungen zu vermeiden); die vierte indem er von der 
ersten ausgeht. Denn die quart d e f g ist identisch mit ah c d 
(vgl. das oben über die zusätze der moderni in betreff der quar- 
tenbildungen gesagte)-, dieses tetrachord aber war für die be- 
stimmung unbrauchbar, weil es von keinem finalen tone aus ge- 
bildet ist. Ebenso erscheint charakteristisch für die Berno'sche 
theorie, daß zur octavenreihe auch noch der ganze (resp. halbton) 
oberhalb des höchsten tones der octavenreihe und ebenso auch 
der zweite und dritte ton unterhalb des tiefsten gerechnet wird, 
so daß also die Berno'sche skala ähnlichkeit mit dem tonus mixtus 
xind commixtus hat. Naturgemäß mußten durch diese neue theorie 
auch die parapteres allmählich ihre bedeutung verlieren. 

Als quelle der Interpolationen bezeichnet Brambach den 
Anonymus bei Gerbert I, p. 330 — 338 und führt hieraus die 
betreffenden citate an. Ich meine indessen , es sei viel wahr- 
scheinlicher, daß der anonymus Gerberts nicht direct als quelle 



Nr. 3. 51. Geschichte der philologie. 249 

gedient hat, daß vielmehr beide eine aus gemeinsamer quelle ge- 
flossene darstellung der damals allgemein gebräuchlichen musi- 
kalischen theorie enthalten. 

Aus der beschreibung des cod. Durlacensis 36 t, die Bram- 
bach p. 46 gibt , folgt die thatsache der interpolation auf das 
sicherste. Den ersten stellen ist am rande BERN beigeschrieben, 
während die interpolationen durch kreuze mit zugeschriebenem 
M (= moderni) gekenzeichnet sind. Anhang p. 47 flg. gibt 
hiervon ein anschauliches bild. 

Nach dem gesagten formulirt ref. sein gesammturtheil über 
das Brambachsche werkchen folgendermaßen: Brambach's tonsy- 
stem u. s. w. ist eine lesenswerthe und vielfach anregende schrift, 
die zwar in bezug aut die lehre von den kirchentonarten keinen 
besonders bemerkenswerthen fortschritt bedeutet, aber durch die 
genaue und echt philologische darstellung der theorie Berno's, 
insbesondere durch die revision des cod. Durlacensis von blei- 
bendem werthe ist. 

Das äußere des schriftchens ist in jeglicher beziehung kor- 
rekt und tadellos. Heinrich Reimann. 



51. Magistri Petri Poponis colloquia de scholis Herbipo- 
lensibus. Ein beitrag zur Vorgeschichte der Würzburger hoch- 
schule als festgabe zu deren dreihundertjährigem Jubiläum aus 
einer handschrift des XV. Jahrhunderts erstmals herausgegeben 
von dr. G. Schepss. Würzburg, Stuber 1882. 8. 34 p. 1 bl. 
1 mk. 50 pf. 

Der Verfasser der uns vorliegenden hübsch ausgestatteten 
festschrift hat durch seine interessanten mittheilungen eine em- 
pfindliche lücke in der literatur über die Würzburger gelehrten- 
schulen , welche an die stelle der 1413 aufgelösten ersten Uni- 
versität traten, ausgefüllt. Die von Schepss veröffentlichte quel- 
lenschrift — sie entbehrt in beiden handschriften eines titeis — 
stammt aus dem ende des 15. Jahrhunderts und hat einen bis- 
her nicht weiter bekannten magister Popon zum Verfasser, der 
zuerst Schulmeister in Schweinfurt war und durch die intriguen 
eines collegen von dort verdrängt nach Würzburg übersiedelte ; 
hier hat er wahrscheinlich längere zeit an der blühenden dom- 
schule gewirkt. In Würzburg war es auch, wo Popon in sehr 
nahe beziehungen zu Cuspinian trat, wie dies aus der subacriptio 
Philol. Anz. X11I l7 



250 Bibliographie. Nr. 4. 

zu Ovid's Remedia amoris im cod. Vindob. lat. 3111 hervorgeht: 
„et in hoc clauditur hie über scriptus a Iohanne Spiesshamer eo exi- 
stente colaterali in summo civitatis Herbipolensis anno Christi 1491." 
Die äußerst fleißigen Untersuchungen über den inhalt des cod. 
Monac. lat. 18910 geben dem verf. ferner gelegenheit, sich über 
die schriftstellerische thätigkeit des humanisten Peter Luder und 
über dessen abhängigkeit von Maximian, sowie über die Schriften 
von dessen Zeitgenossen Samuel Karoch von Lichtenberg zu ver- 
breiten. Das alle capitel der Colloquia durchziehende grund- 
motiv ist das bestreben, die schule des stiftes Neumünster ge- 
genüber der domschule recht gründlich herunterzusetzen , zu 
welchem zwecke weder schimpf und spott, noch das noch hand- 
greiflichere argument von blutigen raufereien gespart wird. Be- 
züglich des zwischen beiden schulen bestehenden Unterschiedes 
ergisbt sich das resultat, daß die Neumünster- schule in streng 
scholastischer manier die lektüre der classiker ausschloß , wäh- 
rend wir die domschule (ebenso wie die Schweinfurter schule) 
in dieser beziehung ganz auf der seite des humanismus finden. 
Die edition der Colloquia ist von Schepss mit fleiß und akribie 
besorgt worden, während eine lange reihe von anmerkungen sehr 
dankenswerthe erklärungen des zum theil schwer verständlichen 
textes, parallelen aus den klassikern und den Schriften von Po- 
pon's Zeitgenossen, namentlich dem oftbenutzten Manuale schola- 
rium liefert. H. Haupt. 



Bibliographie. 

Me*langes Graux Als Charles Graux am 13. Januar 1882 
im alter von 29 jähren , eben zurückgekehrt von einer wissen- 
schaftlichen reise nach Italien und wohl in folge derselben einer 
vielversprechenden Zukunft und der Wissenschaft zu früh entrissen 
wurde, wandte sich ein comite" aus H. Weil, G. Boissier, E. La- 
visse, Alfred Croiset, L. Havet bestehend, mit der bitte um bei- 
trage zu einer sammelschrift an die dem verstorbenen persönlich 
bekannten gelehrten, um das andenken des jungen philologen 
zu ehren. Die erbetenen beitrage liefen zahlreich ein, aber erst 
jetzt, nach langer pause scheint das buch, für das sich in Frank- 
reich lange kein Verleger fand, seiner Vollendung entgegenzugehen. 
Die Verlagshandlung Ernest Thorin in Paris versendet einen pro- 
spect zur subscription mit dem verzeichniß der Verfasser und 
ihrer beitrage. 80 gelehrte (darunter fast die hälfte Nichtfran- 
zoaen), namen vom besten klänge aus allen ländern haben den 



Nr. 4. Bibliographie. 251 

mannigfachen inhalt zu dem buche geliefert , das allerdings ge- 
eignet ist dem verstorbenen ein bleibendes andenken zu sichern. 
Neben den Franzosen (z. b. Boissier, Brdal, Delisle, Desjardins, 
Egger, Ruelle , Weil) finden sich 14 deutsche, ferner dänische, 
holländische, schwedische, schweizer, belgische, italienische, grie- 
chische , russische , ungarische , portugiesische, amerikanische ge- 
lehrte vertreten, namen wie Mommsen , Madvig , Cobet , Compa- 
retti, Cavallin leuchten hervor. Ein genaues inhaltsverzeichniß 
wird nach erscheinen des bandes hier gegeben werden. 

Die Schlett er' sehe buchhandlung (E. Franck's antiquariat) 
versendet Catal. no. 9, den RAnz. nr. 47 bespricht. 

Ausgegeben sind: verzeichniß von Fues's verlag in Leipzig, 
schritten von Zeller, K. A. Schmid, Forbiger und anderen enthal- 
tend ; — Verlag von Paul Nif in Stuttgart, illustrirte werke 
von Lh.om.ond, Ziegler, Reinhardt und anderen enthaltend ; — von 
Otto Spamer'' s schulbibliotheken ; — von Schulbüchern aus dem 
veilage der Weidmann 1 sehen buchhandluug in Berlin. Preis- 
herabsetzung wichtiger werke aus dem Verlage von Mayer und 
Müller in Berlin. 

C atalog e der antiquare: verzeichniß no. 299 des antiquari- 
schen bücher -lagers der Otto'schen buchhandlung in Erfurt; — 
IX. verzeichniß antiquarischer bücher von Carl Steyer in Cannstadt. 

Verzeichniß der wichtigeren Publikationen auf dem gebiete der alter- 
tbumswissenschaft. 1883. III. 
396 Anthologia lyrica curavit Th. Bergk. Ed. III ex poetarum 
lyricorum graecorum ed. IV expressa. Leipzig, Teubner 1883. 8. V, 
383 p. 3 mk. 

397. Aristoteles Organon. Uebers. u. erläut. von/. H. von Kirch- 
mann. 5 theile in 1 bd. Heidelberg, Weiß 1883. 8. 6 mk. (Bd. 1. 
XII, 82 p. Bd. 2. XX, 150 p. Bd. 3. XXXI, 103 p. Bd. 4. XXXVI, 
205 p. Bd. 5, XXVI, 66 p ). Kirchmann, J. H. v., erläuterungen zu 
dein Organon des Aristoteles. 5 theile in 1 bd. Heidelberg, Weiß 
1883. 8. (Bd. 1. V, 114 p. Bd. 1. VII, 260 p. Bd. 3. VII, 190 p. 
Bd. 4. VI, 180 p. Bd. 5. VI, 64 p.). 

398. Aristoxenos von Tarent. Melik und rythmik des classischen 
Hellenenthums. Uebers. und erläutert durch R. Westphal, Leipzig, 
Abel 1283. 8. LXXIV, 508 p. 30 mk. 

399. Bartholomae , Chr., handbuch der altiranischeu dialekte. 
[Kurzgefaßte vergleichende grammatik, lesestücke und glossar.] Leip- 
zig, Breitkopf und Härtel 1883. 8. VII, 272 p. 6 mk. 

400. Banndorf, Otto, vorläufiger bericht über zwei österreichische 
archäologische expeditionen nach Kleinasien. [Aus archäologisch-epi- 
graph. mittheiluDgen aus Oesterreich.] Wien, C. Gerold 1883. 8. 
101 p. 5 tafeln. 3 mk. 

401. Brentano, Franz, offener brief an prof. dr. Ed. Zeller aus 
anlaß seiner schrift über die lehre des Aristoteles von der ewigkeit 
des geistes. Leipzig, Duncker u. Humhlot 1883. 8. 36 p. 1 mk. 

4(»2. Broschtnann , Martin, de yao particulae usu Herodoteo. 
Leipzig 1882. 8. (Dies.). VIII, 89 p. 2 mk. 50 pf. 

403. Buschmann, H., bilder aus dem alten Rom. Leipzig, Teub- 
ner 1883. 8. IV, 283 p. 3 mk. 60 pf. 

17* 



252 Bibliographie. Nr. 4. 

404. Commentaria in Aristotelem Graeca. Edita eonsilio et auc- 
toritate acadeiniae litterarum regiae Borussicae. Vol. XIII, part. 1.2. 
I: Sophoniae in libros Aristotelis de anima paraphrasis. Ed. Mich. 
Hayduch. (VIII, 175 p.). II: Anonymi in Aristotelis categorias pa- 
raphrasis. Ed. Mich. Hayduck. (IV, 86 p.). Berlin, G. Reimer 1883. 
8. 9 mk. 

405. Ewald, Paul, de vocis avvfid^ntcoi apud scriptores Novi Te- 
stamenti vi ac potestate. Coramentatio et biblico-philologica et bi- 
blico-theologica. Leipzig, Hinrichs 1883. 8. 91 p. 3 mk. 

406. Find/y, Heinr., der altrömische kalender. Eine studie. Bu- 
dapest, Kilian 1882. 8. 48 p. 1 mk. 50 pf. (Aus: Ungarische revue). 

407. Friedländer, Jul., ein verzeichniß von griechischen falschen 
münzen, welche aus modernen stempeln geprägt sind, zur warnung 
zusammengestellt. Berlin, Weber 1883. 8. 53 p. 2 mk. 

408. Gerber, A. et A. Greef, lexicon Taciteum. Fase. V. Leip- 
zig. Teubner 1883. 8. (p. 481-576). 

409. Gleditsch, Hugo, die cantica der Sophokleischen tragödien. 
Nach ihrem rythmischen bau besprochen. 2. durch den abdruck des 
textes vermehrte bearbeitung der Sophokleischen strophen des verf. 
Wien, Konegen 1883. XV, 276 p. 6 mk. 

410. Grasberger, Lorenz, die griechischen stichnamen. Ein bei- 
trag zur -Würdigung der alten komödie und des attischen volkswitzes. 
2. aufl. Würzburg, Stahel 1883. 8. IV, 78 p. 2 mk. 60 pf. 

411. Gustaf sso a , Fr., de Apollinari Sidonio emendando. Hel- 
singforsiae 1882. 8. XVIII, 123 p. 2 mk. 50 pf. 

412. Hennen, Gerb., de Hannonis in Poenulo Plautina precationis 
quae fertur recensione altera Punica. Marburg 1882. 8. 42 p. (Diss.j. 

413. Hoer schein» ann , W. , scholia Hephaestionea altera integra 
primum edita. Dorpat, 1882. 4. 30 p. 1 mk. 

414. Homer' s Ilias. Schulausgabe von K F. Ameis. Anhang. 
Heft 7. Erläuterungen zu gesang XIX— XXI von C. Hentze. Leipzig, 
Teubner 1883. 8. 115 p. 1 mk. 50 pf. 

415. Hübner, Emil, grundriß zu Vorlesungen über die griechi- 
sche syntax. Berlin, Hertz 1883. 8. IV, 112 p. 

416. Kekule, Reinh. , zur deutung und Zeitbestimmung des Lao- 
koon mit 2 doppeltafeln im lichtdruck und einigen Zinkätzungen. 
Stuttgart, Spemann 1883. 4. 47 p. 

414. Kleiber, Ludw. , quid Tacitus in dialogo prioribus scripto- 
ribus debeat. Halis 1883. 8. (Berlin, Mayer und Müller). 90 p. 
1 mk. 20 pt. 

418. Kuhfeldt, Ose, de capitoliis imperiiRomani. Berlin, Weid- 
mann 1883. 8. 83 p. 2 mk. 

419. Larfe/d, Guil., Sylloge inscriptionum Boeoticarum dialectum 
populärem exbibentium. Composuit adnotavit apparatu critico in- 
struxit. Praemittitur de dialecti Boeoticae mutationibus dissertatio. 
Berlin, G. Reimer 1883. 8. XXXV, 232 p. 10 mk. 

420. Zivi, Titi ab urbe condita liber XXVIII. Für den schulge- 
brauch erklärt von F. Frieder sdorff. Leipzig, Teubner 1883. 8. VI, 
127 p. 1 mk. 20 pf. 

421. Ludwig, Theod. , de enuntiatorum interrogativorum apud 
Aristophanem usu. Königsberg 1882. 8. Diss. 69 p. 1 mk. 20 pf. 

4^2. Mehlis, C. , studien zur ältesten geschichte der Rheinlande. 
6. abth. hrsg. vom histor. vereine der Pfalz. Mit 2 tafeln. Leipzig, 
Duncker u. Humblot 1883. 8. IV, 64 p. 2 mk. 40 pf. 

423. Münzer, Job., die ethik des Aristoteles und ihr werth auch 
für unsere zeit. Vortrag. Wien 1882. 8. 12 p. 60 pf. 



Nr. 4. Bibliographie. 253 

424. Philaploikos, D., zwei vorschlage zur Vereinfachung des grie- 
chischen Unterrichts. Bautzen, Weller 1882. 8. 15 p. 50 pf. 

425. Piatons Verteidigungsrede des Sokrates und Kriton. Für 
den schulgebrauch erkl. von prof. dr. H. Bertram. Gotha, Perthes 
1882. 8. IV, 90 p. 1 rnk. 

426. Ptuuti T. Macci , comoediae rec. instr. crit. et prol. auxit 
Fr. Ritschi sociis operae adsumptis G. Loewe, G. Goetz, Fr. Schoell. 
Toni. II, fasc. 111. Mercator rec. Fr. Ritschelius. Ed. II a Geo. Goetz 
recognita. Leipzig, Teubner 1883. 8. XIII, 124 p. 3 mk. 60 pf. 

427. Pluturchs ausg. Biographieen. Für den schulgebr. erkl. von 
O. Seyffert u. Fr. Blaß. 3. bdch. : Theniistokles und Perikles. Von 
Frdr. Bloß. 2. verbesserte auü. Leipzig, Teubner 1883. 8. 136 p. 
1 mk. 50 pf. 

428. Rohde, Theod., die münzen des kaisers Aurelianus, seiner frau 
Severina und der fürsten von Palmyra. Als manuscript gedruckt. 3 
abschnitte in 2 bdn. Mikolcz 1881 u. 1882. 8. IV, 429 p. 24 mk. 

429. Röscher, Wilh. Heinr. , Nektar und Ambrosia. Mit einem 
anhang über die grundbedeutung der Aphrodite und Athene. Leipzig, 
Teubner 1883. 8. VIII, 116 p 3 mk. 60 pf. 

4ö0. Rosenberg, Emil, die lyrik des Horaz. Aesthetisch - kultur- 
hist. Studien. Gotha, Perthes 1<*83. 8. IX, 167 p 3 mk. 

431. Sallusti Crispi C. , de bello Iugurthino liber. Für den 
schulgebrauch erklärt, von J. H. Schmalz. Gotha, Perthes 1883. 8. 
IV, 137 p. 1 mk. 20 pf. 

432. Schmeier, Bernh., de translationibus ab homine petitis apud 
Aeschylum et Pindarum commentatio. Königsberg 1882. 8. 78 p. 
1 mk. 20 pf. 

433. Schulin, F., das griechische testament, verglichen mit dem 
römischen. Basel, Detloff 1882. (frogr. z. rektoratsfeier). 60 p. 2mk. 

434. Schulz, Herrn., quae nova Sophocles protulerit nomina com- 
posita. Königsberg 1882. 8. 74 p. 1 mk. 20 pf. 

435. Schwarz, Anton, die königsrede in Sophokles Oedipus Rex 
(v. 216—275). Paderborn, Schöningh 1883. 8. 44 p. 90 pf. 

436. Sophocles Antigone scholarum in usum ed. Fr. Schubert. 
Prag, Tempsky; Leipzig, Freytag 1883. 8. XII, 48 p. 40 pf. 

437. Sophocles' Oedipus auf Kolonos. Für den scbulgebrauch erkl. 
von rektor F. Sartonus. Gotha, Perthes 1882. 8. 111, 66 p. 80 pf. 

438. Stangl, Thomas, Boethiana vel Boethii commentariorum in 
Ciceronis Topica emendationes ex octo codicibus haustas et auctas ob- 
servationibus grammaticiscomposuit. Diss. Monacensis. Gotha, Perthes 
1882. 8. 2 mk. 40 pf. 

439. Stürenburg, Heinr., de Romanorum cladibus Trasumenna et 
CanDensi. Leipzig, Hinrichs 1883. 4. 20 p. 1 mk. 20 pf. 

440. Tacitus, Cornelii, annales für den schulgebrauch erkl. von 
dr. W. Pfitzner. 1. bdch. Buch I. II. Gotha, F. A. Perthes 1883. 
8. IV, 130 p. 1 mk. 20 pf. 

441. — ab excessu divi Augusti libri. Rec. W. Pßtzner. Par- 
ticula I. Gotha, Perthes 1883. 8. 60 pf. 

442. — des C. Cornelius, Agrikola und Germania. Uebers. und 
mit den nöthigsten anmerkungen versehen von C. H. Krauß. Mit 
anhängen für philologisch -gebildete leser. Stuttgart, Metzler 1883. 
8. VI, 92 p. 2 mk. 20 pf. 

443. Texte und Untersuchungen zur geschichte der altchristlichen 
litteratur hrsg. von O. v. Gebhardt und Ad. Harnack. Bd. I. Heft 3 : 
1. Die altercatio Simonis Iudaei et Theophili Christiani nebst Unter- 
suchungen über die antijüdische polemik in der alten kirche. Von 
Adolf Harnack. III, 136 p. 2. Die Acta Archelai und das Diatessaron 



254 Bibliographie. Nr. 4. 

Tatian's. Von Adolf Hamack. p. 137—153. Zur handschriftlichen 
Überlieferung der griechischen apologeten. I. Der Arethascodex Paris. 
Graec. 451. Von Oscar von Gebhardt. p. 154—196. Leipzig, Hinrichs 
1883. 196 p. 6 mk. 

444. Theodulß episcopi Aurelianensis de iudicibus versus ab H. 
Hagen recogn. Bern 1882. 4. XIII, 31 p. 1 mk. 20 pf. 

445. Theophanis cbronographia ed. Carolus de. Boor. Vol. I: 
textum Graecum continens. Leipzig, Teubner 1883. 8. VIII, 503p. 20mk. 

446. Thucydidis de hello Peloponnesiaco libri VIII. Ad optimo- 
rum librorum fidero editos explanavit Ernst Friedr. Poppo. Ed. II 
quam auxit et emendavit Jos. Matth. Stuhl. Vol. IV. Sect. II. Leip- 
zig, Teubner 1883. 8. 230 p. 2 mk. 70 pf. 

447. VergiCs Aeneide für den schulgebrauch bea.rb. von Walther 
Gehhardi. 3. theil. Buch 5. 6 Paderborn, Schöningh 1883. 8. XII, 
183 p. 1 mk. 60 pf. 

448. Waldruann, F., der bernstein im alterthum. Eine historisch- 
philologische skizze. Fellin, (Berlin, Friedländer) 1883. 4. 87 p. 2 mk. 

449. Xenophon^s Anabasis. Für den schulgebrauch erkl. von R. 
Hansen. 1. bdch. Buch 1. 2. Gotha, Perthes 1883. 8. IV, 101 p. 
1 mk. 20 pf. 

450. Ziec/ler, Leo, bruchstücke einer vorhieronymianischen Über- 
setzung des Pentateuch aus einem palimpseste der k. hof- u. Staats- 
bibliothek zu München zum ersten male veröffentlicht. München, li- 
terarhist. anstalt 1883. 4. VI; XXX, 88p. (Mit einer photolith.tafel). 

Skandinavien. 
451- Andrae , P. , Seneca paa sin Villa ved den appiske Vei. 
Et Studie fra via Appia. Kjöbenhavn, Gyldendal 1883. 8. 98 p. 
1 kr. 50 öre. 

452. Propertii elegiae duodecim Suecicis versibus expressit ad- 
notationibusque instruxit A. Friqell. (Upsala universitets arsskrift 
1883 1.) üpsala akad. bokh. 1882. 8. 22 p. 1 kr. 

Niederlande. 

453. Thueydides. Praesertim in usum scholarum recognovit et 
brevi annotatione instruxit Henricus van Heiwerden. Vol. V conti- 
nens üb. VIII et indicem rerum. Traiecti ad Pihenum 1882. 8. IV, 
160 p. 1,40 fl. 

England. 

454. Babrius. Edited with introductory dissertations critical 
notes commentary and lexicon by W. Gunion Rutherford. London, 
Macmillan 1883. 8. 292 p. 12 sh. 6 d. 

455. Renn, A. W. , the greek philosophers. 2 vols. London 
Paul, French u. co. 1883. 8. 862 p. 28 sh. 

456. Duruy, Victor, History of Rome and of the Roman people 
from its origin to the establishement of the Christian empire. Trans- 
lated by W. J. Clarke. Edited by P. J. Mahaffy. London, Kelly 
1883. Part 1. Published monthly. 

457. Euripides Medea edited with introduction and notes by 
A. W. Verrall. London, Macmillan 1883. 12. 160 p. 3 sh. 6 d. 

458. Homers Iliad. Done into english prose by Andrew Lang, 
Walter Leaf and Ernest Myers, London, Macmillan 1883. 8. 490 p. 
12 sh. 6 d. 

459. Liddell, H. G. and R. Scott, a greek english lexicon. 7th 
ed. revised and augmented throughout. London, Frowde 1883. 4. 36 sh. 

460. Perrot, George et Charles Chipiez , a history of art in an- 
cient Egypt illustrated with 598 engravings in the text and 14 steel 
and coloured plates translated and edited by Walter Armstrong. 2 
vols. London, Chapman and Hall 1883. 8. 850 p. 42 sh. 



Nr. 4. Bibliographie. 255 

461. Reber, F. von, History of ancieut art. Translated and au- 
ginented by Joseph Thacher Clarke. With 310 illustrations and a 
glossary of technical terms. London, Low 1883. 500 p. 8 sh. 

462. Suneox, George Augustus, a history of latin literature from 
Ennius to Boethius. London, Longrnans 1883. 8. 2 vols. 930 p. 32 sh. 

463. Hophocl.es translated into enghsh verse by Robert Whttelaw. 
LondoD, Rivingtons lb83. 8. 434 p. 8 sh. 6 d. 

464. Theocritui , translated into english verse by C. S, Calverley. 
2th ed. revised. London, Bell u. Sons 1883. 8. 196 p. 7 sh. 6 d. 

Nordamerika. 

465. Socrates , a trajislation of the Apology Crito and parts of 
the Phaedo of Plato an introduction by W. W. Goodivm. New and 
cheaper edition. New York 1883. 12. 2 sh. 6 d. 

Belgien. 

466. (Jollard , Trois universite3 allemandes considerees au point 
de vue de l'enseignement de la philologie classique (Strasbourg, Bonn 
et Leipzig). Louvain, Peters 18ö3. 8. 357 p. 5 frcs. 

Frankreich. 

467. Bordier, Henri, description des peintures et autres orne- 
nients contenus dans les manuscrits grecs de la bibliotheque nationale. 
Paris, Champion 1883. 4. iu 4 livr. ä 7 fr. 50 c. 

468. Breton, Guillaume , Essai sur la poesie philosophique en 
Grece: Xenopbane, Pannenide, Einpe'docle. Paris, Hachette 1883. 8. 
276 p. 4 frcs. 

469. — — , Metamorphoseon libros Ovidius quo consilio susce- 
perit qua arte perlecerit. Paris, Hachette 1883. 8. 77 p. 1 fr. 

47U. Casati, C. Charles, Fortis Etrnria. Origines etrusques du 
droit romain premiere e"tude. Paris, Firmin-Didot u. co. 1883. 8. 21p. 

471. Cuesuris, C. Iulii, commentarii de bello Gallico et de hello 
civili. Nouveile edition avec des notes historiques philologiques et 
litteraires en francais precedee d'une notice litte'raire et suivie de dic- 
tionnaires de geographie comparee par M. Gidel. Paris, Belin 1883. 
12. Xil, 458 p. 

472. — — , Commentaires. Guerres des Gaules. Nouveile edition 
d'apres les meilleurs textes avec une introduction des notes un ap- 
pendice et une carte de la Gaule ancienne par Ch. Lebuigue. Paris, 
Beim 1883. 12. XXIV, 311 p. 

473. Ciceron , discours de, pour le poete Archias. Texte latin 
publie d'apres les travanx les plus recents avec une nouveile colla- 
tion du Gemblacensis un commentaire critique et explicatif une in- 
troduction et un index par Emile Thomas. Paris, Hachette 1883. 8. 
69 p. 1 fr. 

474. Collignon. Max, Bas-reliefs grecs votifs du Musee de la Mar- 
ciana a Venise. Paris, Maisonneuve 1883. 4. VIII, 18 p. 2pl. (Mo- 
numents grecs publies par i'assoc. pour l'encouragement des etudes 
grecques 1881.) 

475. Delisle, Leopold, les tres anciens manuscrits du fonds Libri 
dans les collections d'Ashburnham Place, communication faite ä l'aca- 
detnie des inscriptions le 22 fevrier 1883. Paris 1883. 8. 23 p. 
(Extrait du Journal ,,le Temps" du 25 fevrier 1883). 

476. Du C'ange , Carolus Du Fresne , Glossarium mediae et in- 
fimae Latinitatis, auctum a monachis ordinis S. Benedicti cum supple- 
mentis integris D. P. Carpentarii Adelungi aliorum suisque digessit 
G. A. L. Henzchfl , sequuntur glossarium gallicum tabulae indices 



256 Bibliographie. Nr. 4. 

auctorum et rerum dissertationes. Editio nova aucta pluribus verbis 
alioruno scriptoruin a Leopold Favre. Niort et Paris 1883. 4. Livr. 
1 — 3. (L'ouvrage formera 10 volumes publies en 100 fasc. a 3 fr. 
chacun). 

477. Lenormant, Francois, Histoire ancienne de l'Orient jusqu'aux 
guerres mddiques. 9 ed. revue corrigee, considerablement augmente'e 
et illustree de nombreuses figures d'apres les monuments antiques. 
T. 3. Civilisation moeurs et monumens de l'Egypte. Paris, Levy I 883. 
8. 430 p. 245 gravures, 5 planches dont 2 en Chromolithographie. 

478. Ttte-Live livre 23. 24. 25. Nouvelle edition d'apres les 
travaux les plus recents avec notice souimaires et notes historiques 
litteraires et philologiques par AI. Harant. Paris, Berlin 1883. 12. 
X, 226 p. 

479. Longperier, Adrien de, un portrait de la Pythie delphique. 
Paris 1883. 8. 8 p. avec medaille. (Extrait des meruoires de la so- 
ciete des antiquaires de France t. 42). 

480. Luoece, Oeuvres completes de, avec la traduction franeaise 
de Lnqrange revue avec le plus grand soin par Bianrhet. Paris, Gar- 
nier 1883. 8. XXXII. 397 p. (Bibliotheque latine-francaise). 

481. Martha, Constant, Etudes morales sur l'antiquite. Paris, 
Hachette 1883. 18. 3 fr. 50 c. 

482. Patin, Etüde sur les tragiques grecs. Eschyle. 6 ed. Paris, 
Hachette 1883. 18. VIII, 391 p. 3 fr. 50 c. 

483. Peüisson, Maurice, les Romains aux temps de Pline le Jeune, 
leur vie privee. Paris, Degorce Cadot 1883. 8. XX, 281 p. 2,50 fr. 

484. Regnaud , P. , les parfaits composes en latin. Essai de re- 
stitution du theme indo-europeen du verbe substantif. Lyon 1883. 
4. 16 p. (Extr. des Annales du Musee Gruimet t. XIII). 

485. Schlumberger , G. , Sceaux byzantins le theme de Cherson 
et la Bulgarie. Paris 1883. 8. 19 p. (Extr. des Memoires de la so- 
cie"te des antiquaires de France). 

486. Sudtone, les douze Ce"sars, traduction nouvelle, avec le texte 
latin commentaire historique et un index par Emile Pessonneaux. 6e 
edition. Paris, Charpentier 1883. 18. 8. VII, 648 p. 

487. Vachon, Marius, les ruines de Sanxay. Avec plans des 
ruines 8 gravures dans le texte et 5 photogravures. Dessins de Lan- 
cerot et d'apres les photographies de Pierre Petit. Paris, Baschet 1883. 
8. 41 p. 

488. Wallon,E., Elogesacademiques. 2 voll. Paris 1883. 18. 7 frcs. 

Italien- 

489. Alessandrini , Angelo, Bdma ed il Lazio de! punto di vista 
agrario ed igienico: considerazioni. Roma 1882. 8. 10. 10, 239 p. 

490. Bartolini, Domenico, su l'antica basilica di San Nicola in 
Bari nella Puglia. Osservazioni storiche artistiche ed archeologiche. 
Roma 1882. 8. 38 p. 8 tavv. 

491. Canna, G., dell' umanita di Virgilio. Torino, Loescher 1883. 
8. 51 p. 1,50 lire. 

492. Cernti, Antonio, lettere inedite latine e italiane di Aldo 
Manuzio il giovine. In Archivio Veneto t. XXIV, parte 1. 

493. Cicerone in esiglio: lettere scelte ed Ordinate cronologica- 
mente con note e appendici per cura del pro f. Attdio De Marchi. 
Milano, Briola 1882. 16. IV, 95 p. 0,80 1. 

494. Coen, Achille, di una leggenda relativa alla nascita e alla 
gioventü di Costantino Magno. Roma 1882. 8. 191 p. 

495. Comparetti, Domenico e G. de Petra la villa ercolanese dei 
Pisoni i suoi monumenti e la sua biblioteca, ricerche e notizia. To- 
rino, Loescher 1883. 4. VII, 296 p. 26 tavole. 125 lire. 



Nr. 4. Bibliographie. 257 

496. Fanfani, Pietro , Cento proverbi e motti italiani d'origine 
greca e latina dichiarati. 2a ediz Firenze 1882. 32. 126 p. 1 1. 

497. Lucrezio Caro , Tito, della natura delle cose. Traduzione 
di Francesco de Antonio. Milano, Dumolard 1883. 16. VII, 285p 31. 

498. Ovidio Nusone , P. , le inetuuiorfosi ridotte e annotute per 
le scuole ginnasiali de Francesco d'Ovidio. Napoli, Morano 1883. 16. 
80 p. 1,25 lire. 

499. Rossi, Giambattista de, Note di topografia roraana raccolte 
dalla bocca di Pomponio Leto ecc. Romae 1882, 

500. Ruygieri, Emilio , Storia dei santi padri e dell' antica let- 
teratura della chiesa. Vol. I. Roma 1882. 16. XLV, 432 p. 4,501. 

Spanien. 
491. Luciano. Obras coinpletas de Luciano traducidas dii'ecta- 
niente del griego con argumentos y notas por D. Cristöbal Vidal y 
F. Delyudo. Toino 1. Madrid, Navarro 1882. 8. XXX VIII, 321 p. 
14 reales. 

Beilage A. Schulschriften und programme. 
502. Festschrift zu dem dreihundertjähr. Jubiläum des königl. 
gymnasiums zu Coblenz hrsg. von dem director des gymnasiums dr. 
J. F. Binsfeld. Coblenz 1882. 8. 126 p. — 1. Adversaria critica 
von Bmsfetd, p. 1. — 2. Der trochaeus und die deutsche spräche von 
Becker, p. 17. — 3. Miscella critica von Weidgen, p. 33. — 4. Die 
rose, eines der drei 'Wahrzeichen deutscher dichtung von Finsterwalder, 
p. 51. — 5. Die zablangaben genesis V und XI. Nach dem hebräi- 
schen und nach den siebenzig in ihrer Verwendung für die universale 
Chronologie von Schubach, p. 75. — 6. Erläuterungen zur griechischen 
teinpus- und moduslehre von Conrad, p. 99. — Hierzu: geschichte des 
königl. gymnasiums zu Coblenz von 1582 — 1882. Von Worts. 

Beilage B. Academica und dissertationen. 

Berlin. 503. (Vahlen, Ioannes), (annotationes in Sophoclis Elec- 
tram). Berlin 1883. 4. 14 p. 

Bonn 504. Lübbert, Ed., Prolegomena in Pindari Carmen Py- 
thium nonum. Bonn 1883. 4. 22 p. 

Braunsberg. 505. Dittrich, Frauz , Sixti IV summi pontificis 
ad Paulum III optimum pontificem maximum compositionem defensio. 
Braunsberg 1883. 4. 11p. 

Breslau. 506. Hertz, Martin, Auli Gellii noctinm Atticai'um 
libri III caput III ex rec. et cum apparatu critico. Breslau 1883. 
4. 7 p. 

Erlangen. 507. Luchs, Aug., Emendalionum Livianarum par- 
ticula altera. Erlangen 1882. 4. 13 p. 

508. Alimonakis, Charalampos, Xiog f) y^cog tp rfj uQ/cuoJtjii,. Er- 
langen 1882. 8. 84 p. 

509. Rosenhauer, Job. , Symbolae ad quaestionem de fontibus li- 
bri qui inscribitur de viris illustribus urbis Romae. Campoduni 1882. 
8. 61 p. 

510. Sxaqitd iwTtji , llavcty., Kgmxrtl nc<QctT>jy^afi.g inl twv tli 
iavT<v 12 ßvßXi(x)v Mägxov 'Avrmvivov uvtoxuÜiooos 'Pw/utjs- 'Ev 'A&r,vcas 
1881. 8. 

Göttingen. 511. Sauppe, H. , commentatio de Atheniensium 
ratione suffragii in iudiciis ferendi. Göttingen, Dieterich 1883. 4. 13 p. 

Greifswald. 512. Kießliny, Ad, Coniectaneorum spicilegium. 
Greifswald 1883. 4. 

513. Arnim, Ioannes de, de prologorum Euripideorum arte et 
interpolatione. Gryphiswalde 1882. 8. 106 p. 



258 Bibliographie. Nr. 4. 

514. Halfpap gen. Klotz, Rieh., Quaestiones Servianae. Grypbis- 
waldiae 1882. 8. 54 p. 

515. Liman, Paulus, Foederis Boeotici instituta. Gryphiswaldiae 
1882. 8. 58 p. 

516. Rauch, Paulus, De Posidonio Lucretii Cari auetore in car- 
mine de rerum natura Vi. ib. 18&2. 8. 52 p. 

517. Voigt, Paul, Sorani Epbesii liber de etyinologiis corporis 
humani quatenus restitui possit. ib. 1882. 8. 50 p. 

Halle. 518. Keil, H., observationes criticae in Varronis rerum 
rusticarum libros. Halle 1883. 4. 12 p. 

Jena. 519. Goetz, Georg, observationes criticae. Jenae 1883. 4. 

520. Aristotelis Politicorum libri prirni p. II ex rec. M. Schmidt. 
Jenae 1882. 4. (Ind. lect. hib.). 13 p. 

521. Ahlburg, H., was versteht man unter Charakterbildung und 
wie ist dieselbe seitens der schule zu pflegen. Jena 1882. 8. 100 p. 

522. Becker, Aug., de Rhodiorum primordiis. Lipsiae 1882. 8. 
p. 93-136. 

523. Boclime, Gualterus, Dexippi fragmenta ex Iulio Capitolino 
Trebellio Pollione Georgio Syncello collecta. Lipsiae 1882. 8. 58 p. 

524. Bradke , P. v., über das Mänava-Grhya-Sütra I. Leipzig 
1882. 8. 35 p. 

525. Curäus, Andreas Wilh., der stier des Dionysos. Jena 1882. 
8. 36 p. 

526. Freund, Albin, beitrage zur antiochenischen und zur kon- 
stantinopolitanischen stadtchronik. Jena lb82 8. 53 p. 

527. Gebhardt, Rud , de Supplicum Euripideae interpolationibus. 
Coburg 1882. 8. 63 p. 

528. Hertzsch , Guido, de scriptoribus rerum imperatoris Tiberii 
Oonstantiui. Lipsiae 1882. 8. 40 p. 

529. Rauchen stein, Hans, der feldzug Caesars gegen die Helvetier. 
Eine kritische Untersuchung mit einer vorausgehenden abhandlung 
über die glaubwürdigkeit der commentarien Caesars zum Gallischen 
krieg. Zürich 1882. 8. 102 p. 

530. Scheffter , Ludwig von, über die epochen der etruskischen 
kunst. (Habil.-schrift). Alteuburg 1882. 8. 88 p. 

531. Schneider, Adolf, De L. Cornelii Sisennae historiarum reli- 
quiis. Jenae 1882. 8. 61 p. 

532. Schroeter, Guil. , de Columella Vergilii imitatore. Ienae 
1882. 8. 40 p. 

533. Solbiaky, Ric, de codieibus Propertianis. Lipsiae 1882. 8. 
(p. 139 — 195 der Commentationes philol, lenenses II.) 

Kiel. 534. Foerster, Rieh., de Aristotelis quae feruntur phy- 
siognomicis recensendis. Kiel 1882. 4. 24 p. (Progr.-aead ). 

535. — — , das portrait in der griechischen plastik. Kiel 1882. 
4. (Rede). 

536. Clausen, Friedr., de scholiis veteribus in Aves Aristophanis 
compositis. Kiel 1881. 8. 78 p. 

537. Hempel, Otto, Quaestiones Theocriteae. Kiel 1881. 8. 99 p. 

538. Neumann, Herrn., de Plinii dubii sermonis libris Charisii et 
Prisciani fontibus. Kiel 1881. 8. 

Königsberg. 539. Jordan, H. , Symbolae ad historiam religio- 
num ltalicarum. Regimor.tii 1883. 4. 27 p. 

Leipzig. 540. Hofmann, Rud. Hugo, die praktische Vorbildung 
zum höheren schulamt auf der Universität. Leipzig 1881. 4. 45 p. 

541. Lange, Lud., de diebus ineundi consulatus sollemnibus in- 
terregnorum causa mutflitiR eommentatio. Lipsiae 1882. 4. 36 p. 



Nr. 4. Bibliographie. 259 

542. Bezold, Carl , die große Dariusinschrift am felsen von Be- 
histün. Transscription des Babylonischen textes nebst Übersetzung 
und comnientar. Leipzig 1881. 8. 84 p. 

543. Euler, Carl, de locatione conductione atque einphyteusi 
Graecorum. Gießen 1882. 8. 44 p. 

544. G/aesser, Paul, de Varronianae doctrinae apud Plutarchum 
vestigiis. Leipzig 1 88 1 . 8. (p. 157 - 224 der Leipziger Studien bd. IV.) 

545. Kühn, Richard, der Octavius des Minucius Felix, eine heid- 
nisch - philosophische auifassung vom christenthum. Leipzig 1882. 
8. 71p. 

546. Lange, Guil., de Callimachi Aetiis. Lipsiae 1882. 8. 46 p. 

547. Leutz, Ernst, de versibus apud Bomerum perperam iteratis. 
Bartenstein 1881. 4. 32 p. 

548. Leumann, Ernst, das Aupapätika Sütra. Erstes Upänga der 
Jaina. Einleitung mit inbaltsangabe, text, anmerkungen und glossar. 
I. theil. Leipzig 1882. 8. 5U p. 

549. Lyon, David Gordon, die cylinderinsc.hrift Sargons II. In 
transscribirtem assyrischen grundtext. Mit Übersetzung und commentav. 
Leipzig 1882. 4. 16 p. 

550. Meier, Ewald, Quaestiones Argonauticae. Moguntiae 1882. 
8. 52 p. 

551. Meinck, Ernestus, de epenthesi graeca. Lipsiae 1881. 8. 91. p. 
552 Mirsch, Paulus, de M. Terenti Varronis antiquitatum rerum 

humanarum Jibris XXV. Lipsiae 1882. 8. (Leipziger studien bd. V, 
p. 1-144.) 

553. Neckel, Otto, de nominibus Graecis compositis quorum prior 
pars casuum l'ormas contmet Lipsiae 1882. 8. 68 p. 

554. Neubert, Rud. , de Xenophontis Anabasi et Diodori quae 
est de Cyri expeditione parte bibliothecae (üb. XIV, cap. 19 — 31) 
quaestiones duae. Lipsiae 1881. 8. 48 p. 

555. Hoch, Georg, die schritt des alexandrinischen Dionysius des 
großen „über die natur " Eine altchristliche Widerlegung der atomi- 
stik Demokrits und Epikurs. Leipzig 1882. 8. 60 p. 

556. Schieboldt , Frid. Otto, de imaginatione disquisitio ex Ari- 
stotelis libris repetita. Lipsiae 1882. 8. 70 p. 

557. Schneider, Max., de Dionysii periegetae arte nietrica et 
grammatica capita selecta. Lipsiae 1882. 8. 50 p. 

558. Schubert, Joh. Georg., de proxenia attica. Leipzig 1881. 
8. 56 p. 

559. Stange, Frid. Otto, de re metrica Martiani Capellae. Lips. 
1882. 62 p. 

560. Violet, Franz, der gebrauch der Zahlwörter und Zeitbestim- 
mungen bei Tacitus. Leipzig 1882. 8. (Leipziger Studien V, p. 
145-234). 

561. Voigt, Friedr. Ad., beitrage zur mythologie des Ares und 
der Athene. Leipzig 1881. 8. (Leipziger studien IV, p. 225 315 ) 

562. Weißschuh, Ioannes . de rhotacismo linguae öraecae. Lip- 
siae 1881. 8. 46 p. 

563. Wetzstein, O. B. R., L. Annaeus Seneca quid de natura hu- 
mana censuerit. Neustrelitz 1881. 8. 110 p. 

564. Zäxag, 'Avaaiäoiog I., JtoQ&WTty.ü tig 'Eklnvccg ovyygctrfiag. 
'Ev Atupia 1882. 8. 29 p. 

Lund. 565 — 569. Acta Universitatis Lundensis. Lund's Univer- 
sitets ärskrift. Tomus XV. 1878 - 79. Lund 1878—79. Afdelningen 
for Philosopbi Sprakvetenskap och Bistoria. 4. — No. II. S Linde, 
Quaestiones etymologicae et grammaticae ad exempla dorica atticorum 
scriptorntn relatae. 57 p. Tom. XVT. 1879-80. - No. II. S. J. 



260 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

Cavallin, de Xenophonteo temporum et modorum usu in enuntiationibus 
orationis obliquae primariis ad tempora praeterita relatis. Pars I. 
52 p. — No. III. H. Andersson, de parodo chori in fabulis Aristo- 
phaneis. 39 p. Tom. XVII. - No. II. S. J. Cavallin , de Xenoph. 
etc. Pars III. 45 p. III. J. S. Cavallin, Aoristi infinitivus Homericus 
ad verba dicendi et sentiendi relatiis num futurum tempus significare 
possit. 30 p. 

Marburg. 370. Bormann, Eug. , variae observationes de anti- 
quitate Romana. Marburg 1883. 4. XIV p. 

Münster. 571. Langen, P. , Analectorum Plautinorum parti- 
cula III. Münster 1883. 4. 14 p. 

Neuchatel. 572. Naville, Adrien, la science et l'art. Neuchatel 
1883. 4. 11 p. 

Paris. 573. Brochard , Victor, de assensione stoici quid sense- 
rint. Parisiis. Levrault et Baillieres 1879. 8. 52 p. 

574. Bemaye, S., De htesichoro lyrico. Lutetiae Paris. 1880. 8. 57p. 

575. Oraüx, Charles, de Plutarchi codice manuscripto matritensi 
iniuria neglecto. Paris 1880 8 57 p. 

576. — — , Essai sur les origines des fonds grec de l'Escurial. 
Episode de l'histoire de la renaissance des lettres en Espagne. Paris, 
Vieweg 1880. 8. XXXII, 529 p. 

Kleine philologische zeifung. 

Reden des ministers von Goßler im abgeordnetenhause den 
etat des cultus-ministerium betreffend theilt mit RAnz. no. 48, 
beil. 1, no. 49 beil. 1, no. 50 beil. 2, no. 51 beil. 1, no. 52 
beil. 1, no. 53 beil. 1, no. 54 beil. 1. 

Die Augsb. allg. zeitg. machte 1879, no. 305, auf die be- 
absichtigte herausgäbe eines räsonnirenden Verzeichnisses der 
italienischen handschriften der florentinischen nationalbibliothek 
aufmerksam: was von diesem werk bisher erschienen und wie 
jetzt die weitere fortsetzung unter dem patrocinium des aufsichts- 
rathes des florentinischen instituts für höhere Studien und unter 
leitung des professors Bartoli begonnen und geplant ist, berichtet 
dieselbe zeitung in der beilage zu no, 40 von 1883. 

Ueber die Sammlung Saburoff berichtet dr. A. Milchhöfer in 
der beilage zur Augsb. allg. ztg. 1883, no. 41. 

London, 21 febr. Eine für den bibelforscher wichtige ent- 
deckung ist so eben in Aegypten von den gelehrten des jüngst 
gegründeten Londoner Vereins zur erforschung von Aegypten 
bei Teil el-Maschuta, an der eisenbahn und dem canal zwischen 
Tel-el-Kebir und Ismaila, welches für das alte Eameses gehalten 
wird , gemacht worden. Die in der nähe befindliche eisenbabu- 
station trägt den namen „Rameses." Eine daselbst aufgegrabene 
inschrift ergiebt, daß der ort nicht Rameses, sondern das Pithom 
und Succoth der bibel war. Pithom ist die kirchliche und Suc- 
coth die bürgerliche bezeichnung des tempels und der Stadt. 
Pithom wurde von den Israeliten für Rameses den großen ge- 
baut. Succoth soll die erste Station auf ihrer route nach Pa- 
lästina gewesen sein. Pithom = Succoth findet jetzt seinen 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 261 

platz auf der karte und ein bestimmter punct in der route der 
Israeliten ist festgestellt worden. A. Naville , der berühmte 
schweizerische ägyptologe , leitet die arbeiten der forschungsex- 
pedition. Augsb. allg. ztg. 1883, no. 55. 

Rom, 23. febr. Nach den von wichtigen archäologischen 
resultaten begleiteten ausgrabungen auf der rückseite des Pan- 
theon ist in diesen tagen auf veranlassung des unterrichtsmini- 
sters mit der demolirung der beiden Bernini'schen 
glockenthürme begonnen worden, welche über zwei Jahrhun- 
derte lang die Vorderseite des berühmten bauwerkes verunstaltet 
haben. Man nannte sie die „eselsohren des Bernini" — eine 
bezeichnung, die um so weniger als ungerecht gelten darf, wenn 
man bedenkt, welcher barbarei der berühmte künstler sich dem 
Pantheon gegenüber schuldig gemacht hat. Wenn sich an den 
familiennamen des papstes Urban VIII das bekannte wort ge- 
heftet hat: „Quocl non fecerunt Barbari, fecerunt Barberini", so 
trägt Bernini die hauptschuld daran; denn er war es, welcher 
dem papste den rath gab , zum gusse von kanonen für die En- 
gelsburg und zur errichtung des großen ehernen Baldachins 
über der confession der Peterskirche sich des bronzenen dach- 
stuhles der Pantheon-vorhalle zu bedienen, wie aus der von sei- 
nem söhne verfaßten lebensbeschreibung hervorgeht, wie des ge- 
naueren die Augsb. allg. ztg. 1883, no. 61 mittheilt. 

lieber die brochure: „das höhere Schulwesen Deutschlands 
vom gesichtspuncte des nationalen bedürfnisses, für behörden, 
Schulmänner und familienväter. Von dr. W. Vollhering, real- 
schuldirector, Leipzig, Rudolf Lincke's verlag" enthält der Reichs- 
anz. no. 61 folgendes: die vorliegende kleine schrift beansprucht, 
wie der Verfasser in der einleitung bemerkt , keineswegs durch- 
weg neue gedanken zu bringen ; sie will nur versuchen, verein- 
zelt schon hier und da ausgesprochenes von einem neuen ge- 
sichtspunkte aus zusammenzufassen und zu beleuchten. Der Ver- 
fasser wünscht, weiten kreisen die erörterung der frage nahe zu 
legen: „besteht die schule der jugend wegen, oder ist die Ju- 
gend der schule wegen vorhanden?" Er will, daß die bethei- 
ligten selbst, nicht nur, wie bisher, behörden und schulmänner, 
deren urtheil ja leicht in dieser frage einseitig sein könnte, sich 
in eingehender weise mit der schulfrage beschäftigen mögen. 
Nicht minder wichtig, als die alles bewegende steuerfrage, sei 
die folgende: „wird unserer höheren männlichen jugend auf kür- 
zestem, also billigstem wege noch eine bildung zu theil, die die- 
selbe befähigt, dereinst im kämpfe des lebens sich über die 
menge emporschwingen und auf der höhe sich behaupten zu 
können?" und die weitere frage: „ist es nicht möglich, auch dem 
künftigen handwerker ohne zu großen Zeitaufwand eine höhere bil- 
dung zu gewähren zu seinem eigenen, wie zum vortheile des 
gesammten handwerks und damit auch zum nutzen der ganzen 



262 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

nation?" Diese fragen sind es vornehmlich, welche der Verfasser 
als sachverständiger schulmatm und von seinen erfahrungen auf 
pädagogischem gebiete unterstützt , in der vorliegenden schritt 
erörtert. 

Handschriften des Sinaiklosters. In „Bibliotheque de l'^cole 
des chartes XLIII, 1882, livr. 5. 6, p. 667" berichtet H. Omont 
über die russisch geschriebene beschreibung des prof N. Kan- 
dakoff zu Odessa über seine reise zum Sinaikloster im jähre 1881. 
In dem buche ist auch ein kurzer berieht über die griechischen 
handschriften des klosters gegeben (im ganzen 1303 manuscripte), 
aus denen der Verfasser photographische facsimiles beigefügt hat. 
Omont resumirt kurz über den inhalt derselben und giebt einen 
theil der Kandakoffschen notizen, besonders die wichtigeren ma- 
nuscripte betreffend wieder, darunter vornehmlich datirungen und 
subscriptionen. Ein genauer katalog der handschriften wird von 
prof. Victor Gardthausen in Leipzig — wie die Academy be- 
richtet no. 564 — im verlage der Clarendon Preß in Oxford 
herausgegeben werden. 

Die handschriften von Grottaferrata , bisher noch wenig be- 
kannt, werden jetzt durch den bibliothekar der abtei Antonio 
Eocchi catalogisirt. Die erste 40 seiten starke lieferung ist er- 
schienen unter dem titel: Codices Cryptenses seu abbatiae Cryptae 
Ferratae in Tuscxxlano digesti et illustrati cura et studio D. An- 
tonii Rocchi hieromonachi Basiliani, bibliothecae custodis. Tus- 
culani typis abbatiae Cryptae Ferratae 1882. 4. 1 fasc. 

Göttingen. Die bibliotheken Ashburnham und Ossuna. Lord 
Ashburnham, der söhn des sammler's, hat seine berühmte hand- 
schriftensammlung dem British Museum für 160000 L. St. 
(3,200000 mark) zu kauf angeboten. Der preis gilt bei dem 
werthe der Sammlung für nicht zu hoch ; es sind in ihr die kost- 
baren handschriften des bekannten bibliomanen und bücherdiebes 
Libri, dessen entwendungen in den französischen bibliotheken 
ihm eine traurige berühmheit eintrugen , des französischen bib- 
liophilen Barrois , die bibliothek Stowe oder Buckinghara und 
eine reihe kleinerer erwerbungen enthalten, Sammlungen die sich 
theils durch das hohe alter der manuscripte auszeichnen , theils 
für bestimmte litteraturzweige besonders reich sind, wie die col- 
lection Barrois für französische romanzen und chansons des mit- 
telalters und die bibliothek Buckingham für Angelsächsisch Cel- 
tisch und englische geschichte. Classikerhandschriften finden sich 
verhältnißmäßig wenig, griechische texte der profanlitteratur so 
gut wie gar nicht, lateinische Schriftsteller sind mehr vertreten, 
z. b 9 Sallust-, 10 Virgilhandschriften , aber alte handschriften 
wenig, zu nennen wären ein Cäsar des IX Jahrhunderts, mehrere 
alte manuscripte von Cicero's Somnium Scipionis, Horatii sermo- 
nes (IX. Jahrhundert), lustin (IX. Jahrhundert), Cassiodor histor. 
eccles. (XI. Jahrhundert), Plinius Episteln (IX. Jahrhundert), 



Nr. 4. Kleine philologische zeituug. 263 

Lucanus de bello civ. (IX. Jahrhundert). Eine lateinische Über- 
setzung des Oribasius (VII. Jahrhundert angeblich), Statius The- 
bais (IX. Jahrhundert), ein Sallust (X. Jahrhundert), 2 Virgil- 
handschriften (X. und XI. Jahrhundert) , ein Valerius Maximus 
(VII Jahrhundert), Solin (XI. Jahrhundert) und einiges mehr. — 
Aber sowohl unter den Libri\schen wie Barrois'schen handschrif- 
ten findet sich ein theil aus französischen bibliotheken entwen- 
deter handschriften und Frankreich verlangt jetzt für den fall 
des ankauf's der Ashburnhambibliothek durch das British Museum 
das recht, die ihm ursprünglich eigenen manuscripte zurückkaufen 
zu dürfen. Leopold Üelisle der director der Bibliotheque na- 
tionale , der durch einen bericht an die Academie des inscri- 
ptions diese forderung in anregung brachte , hat in London die 
zahl dieser handschriften auf 160 — 170 festgestellt, freilich dar- 
unter die werthvollsten der bibliothek. Die englische regierung 
und das Britisch museum haben in edeldenkender weise die an- 
spräche Frankreichs anerkannt und sind bereit den rückkauf 
der nachweislich Frankreich gestohlenen handschriften zu ge- 
statten. Die mittel zum kauf der Ashburnhambibliothek wird 
die englische regierung wohl ohne zweifei bewilligen ; die Trustees 
des British Museum haben angelegentlichst den ankauf empfohlen. 
Ebenso wird die französische kammer die geforderten 600000 
francs wohl anstandslos bewilligen. — 

Zu gleicher zeit steht in Spanien die werthvolle bibliothek 
des verstorbenen herzogs von Ossuna (7000 handschriften 35000 
bände) zu verkauf. Deutschland ist mit der familie in Verbin- 
dung getreten, aber auch das ministerium Sagasta sucht die bib- 
liothek Spanien zu erhalten. Ihr preis wird auf 5 millionen 
francs angegeben. 

Von professor dr. J. Kvicala ist ein ,,zur ab wehr" über- 
schrie benes schreiben versandt, in welchem er sich gegen die 
beschuldigung W. Gebhardi's zu Meseritz, er sei ein „fanatischer 
Tscheche und deutschenhasser" ausführlich vertheidigt und wei- 
tere vertheidigung noch in aussieht stellt. 

Gotha. Am 30. november v. j. starb in Gotha der director 
des Gymnasium Ernestinum Joachim Marquardt. Der verstor- 
bene hat während seiner langjährigen gelehrten und pädagogi- 
schen thätigkeit in Berlin, Dan zig, Posen und Gotha sich 
in gleicher weise als 1 ehrer die pietätvolle liebe seiner 
schüler, als gelehrter die bewundernde hochachtung 
seiner fachgenossen, als mensch die aufrichtigste Vereh- 
rung aller, die ihn kannten, erworben. So dürfte der wünsch 
vielseitigen wiederhall finden dem verehrten manne etwa 
in form einer marmorbüste, die in Gotha an passen- 
dem platze ihre aufstellung finden soll, ein blei- 
bendes denkmal zu errichten. — Das unterzeichnete co- 
mite" richtet deshalb an alle f ach ge no s se n, schüler, freunde 



264 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

und Verehrer des verstorbenen die bitte baare beitrage für 
diesen zweck wenn möglich bis zum 1. juni d. j. an den 
mitunterzeichneten prof. v. Kampen (Gotha, Grabenstraße 12) 
einsenden zu wollen , damit nach der höhe der eingekommenen 
summe baldigst beschluß darüber gefaßt werden kann, in welcher 
weise die ausführung eines würdigen denkmals möglich ist. (Fol- 
gen die Unterschriften ) 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Rheinisches museum , herausgegeben von O. Ribheck und F. A. 
Bücheier. XXXVI, 4. Zu der altlateinischen Duenos - inschrift, von 
H. Osthoff, p. 481. — In Herodianum technicum critica (111) edidit 
P. Egenoiff, p. 490. — Ciceros quelle für das erste buch der Tuscu- 
lanen, von P. Corßen, p. 506. Studien zur Chronologie der grie- 

chischen litteraturgeschichte. I. Homer (schluß), von E. Rohde , p. 
524. — Zur entziffurung der messapischen inschrif'ten, von W. Deecke, 
p. 576. — 'O irti Jtjvaiw äywv, von C. Wachsmuth, p. 597. — Mi 8- 
celten: zu griechischen inschriften, von F. Blaß, p. 604. — Epigra- 
phisches auf griechischen vasen (sebluß), von H. Heydemann, p. 617. 

— Inschriften von Olympia, von F. Buecheler, p. 620. — Zu Theokrit, 
von A. Ludwirh , p. 623. — Hieronymus-Sophronius als quelle des 
Hesychius Milesius, von U. Flach, p 624. — Zu Cicero ad Atticum, 
von S. Brandt, p. 630. — Noch einmal der hafen von Pompei, von 
v. Duhn, p 632. — Eine stadtrömische inschrift und die Curatores lo- 
COrum publicorum, von J. Klein, p. 634. 

Bd. XXXVII, hft. 1: Urkundenstudien zur älteren römischen ge- 
schichte, von O. Seeck , p. 1. — Arcadius und das Bachmann'sche 
Jil-ixcv jrjs yQttfxfiauxrjg, von C. Galland, p. 26. — Lucan, Florus und 
Pseudo-Victor, von E. Westerburg, p. 35. — Der verlasser der schrift 
ntoi xößfiov, von Th. Bergk. Mit nachtrag von F B., p. 50. — Be- 
merkungen zur Asinaria des Plautus, von O. Rbbeck, p. 54. — Die 
Nonnus-quelle der Eudocia, von E. Patzig, p. 67. — lieber die auf- 
gaben der lateinischen lexikographie , von E. Wö'fflin , p. 83. — — 
Mise eilen: eine verderbung des textes und der topographie der 
Ilias durch Aristarch (Z. 4), von F. Scholl, p.124. — Alexandros von 
Pherae und die Artemis des komikers Ephippos, von Th. Kock , p. 
130. — Zu Piatons Philebus, von H. GloSl, p. 136. — Handschriftli- 
ches zu Alkiphron, von M. Schanz, p. 139. — Ueber den codex Guel- 
ferbytanus des Tibull, von G. Goetz, p. 141. — Zur handschriftlichen 
Überlieferung der philosophischen Schriften des Apulejus, von E. Rohde, 
p. 146. — Quod mit conjunetiv nach Verbis sentiendi et declarandi, 
von F. Blaß, p. 151. - Nachtrag zu p. 486, von H. Osthoff, p. 152. 

Hft. 2: Römisch-punische vertrage, von G. F. Unger, p. 153. — 
Eudokia, die gattiu des kaisers Theodosios II. als dichterin, von A. 
Ludwich, p. 206. — Zur auslegung der horazischen öden, von F. 
Buecheler, p. 226. — Demosthenica. Scripsit //. van Herweiden , p. 
241. — Ueber den griechischen wortictus, von F Hanßen, p. 252. — 
Zur Aulularia des Plautus, von K. Dzvdzko, p. 261. — Kritische be- 
merkungen zu den Scriptores historiae Augustae, von J. Klein, p. 274. 

— Miscellen: Zu griechischen dichtem, von Th. Kock, p. 292 — 
Der Verfasser der schrift ntul xöa/jov, von F B. , p. 294. — Zu Niko- 
laos von Damascus, von J Asbach, p. 295. — Strabo geogr. VII, p. 
291, von Th. Bergk, p. 298. — Das alter der Plutarchhandschrift 
Laurent, pl. 69, 6, von K. Fuhr, p. 299. — Ueber eine Lucianhand- 
9chrift zu Modena, von J. Somnwrbrodt, p. 299. — Die tradition vom 



Nr. 4. Auszüge aus Zeitschriften. ^65 

tode des Aischylos, von O. Crusius, p. 308. Böotisch *2W|«, von R. 
Meister, p. 312. Ueber die Verlegung des bundesschatzes von Delos 
nach Athen, von G. Busolt, p. 312. — Zum codex Vossianus 86 des 
Cicero, von H Deiter, p. 314. — Zu Varro und den Tironischen noten 
(fortsetzung), von W. Schmitz, p. 317. — Der hafen von Pompei, von 
A. Man, p. 319. 

Hf't. 3: Conjectanea. Scripsit F. Buecheter, p. 321. — Das schema 
der Zweikämpfe auf den älteren griechischen vasenbildern , von P. J. 
Meier, p. 343. — Zur Chronologie des königs Artaxerxes III. Ochos. 
Aus Th. Bergk's nachlaß mitgetheilt von A. Scharfer, p. 355. — Zur 
entzifferung der messapischen inschriften , von W. JJeecke, p. 373. — 
Ueber die ekphrasei* des älteren Philostratus , von A. Kalkmani >, p. 
397. — Marginalien zum Truc-ulentus, von O. Ribhcrk, p. 417. — Die 
lebenszeit des Zosimos, von L. Jeep, p. 425. — Zu Herakleitos Home- 
rischen allegorien. Mit einem anhang zu griechischen dichtem, von 
A. Ludnich, p. 434. — Das verfahren der Athener gegen Mytilene 
nach dem aufstand von 428/7, von L. Ho/znptel, p. 448. — Mise ei- 
len: zu der sage von den Sardinischen heroen, von E. Rnhde, p.465. 

— Stichometrisches, von K Fuhr, p. 468. — Grammatisches, von J. 
Buunuck, p. 472. — Aufhebung der gladiatorenschulen, von H. Use- 
ner, p. 479. - Atacta philologica et archaeologica, scripsit R. Foer- 
ster, p. 480. — Choricii dialexis, scripsit idem, p. 483. — Omare, von 
Th. Aufrecht, p. 484. 

Hft. 4: zur handschriftenkunde und geschiente der philologie, von 
R. Fof-rster, p. 485. — Zur kritik von Cicero's Cato maior, von Chr. 
Lütjohann, p. 496. — Ueber die apophthegmensammlung in den Fro- 
ben'schen Gnomici, von C. Wachsmuth, p. 506. Altes latein , von 

F. Buecheter, p. 516. — Bemerkungen zu den Menaechmi des Plautus, 
von O. Ribbeck, p 531. — Trogus und Timagenes, von A. von Gut- 
schuiid. p. 548. — De particularum quarundam in latinitate Hiero- 
nyrni usu observationes. Scripsit C. Faucker, p. 556. — Zur hand- 
schriftlichen Überlieferung des Tibull, von F. Hüter, p. 567. — Ueber 
die spräche der briefe ad Brutum, von F. Becher, p. 576. — Urkun- 
denstudien zur älteren römischen geschichte. Von O. Seeck , p. 598. 

— Untersuchungen über Diodor's römische geschichte, von E. Meyer, 

p. 610. Miscetlen: zu Aeschylos' Agamemnon, von O. Ribbeck, 

p. 628. — Zu Aeschylus, von iV. Jieck/etn, p. 630. — Ecphantidis 
locus restitutus. Scripsit J. Byivater, p. 633. — Nonnianum. Scripsit 
FL. Seume, p. 633. — Zu Phileas, von G. F. Unger, p. 636. — Zur 
dienstpfheht der athenischen bündner, von G. Busolt, p. 637. — Zu 
Sueton, von G. Becker, p. 642. — Oskisch und pälignisch , von F. 
Buecheter, p. 643. 

Bd. XXXVIII, hft. 1: Epistula Plautina. Scripsit F. Leo, p. 1. — 
Untersuchungen über die skepsis im alterthum. Aenesidem , von 1\ 
Natorp, p. 28. — Petron und Lucan, von F. Weste rburg , p. 92. — 
De Constantini Cephalae anthologia. Scripsit P. Wolters, p. 97. Zu 
Cicero's O r ator, von .F. Heerdegen , p. 120. — Handschriftliches zu 
Dionysios von Halikarnassos und Appianos, von L. Mendelssohn, p. 
126. — — Miscellen : Coniectanea. Scripsit F. B , p. 132. — Zu 
Aeschylos Eumeniden, von A. Ludwich, p. 133. — Zu den fragmenten 
des Sophokles, von N. Weckirin, p. 136. Zu griechischen prosaikern, 
von M Schanz, p. 138 — Ueber eine angebliche lücke im texte des 
Thukydides, von/. M Stahl, p 143. — Ueber Pseudolysias' epitaphios, 
von F. Reuß, p. 148. — Zum Perikleischen plane einer hellenischen 
naiional-versammlung, von G. Busott, p. 150 - Ein mittelalterlicher 
nachahmer des Lucanus, von K. Roßberg, p. 152. — Quamquana und 
tarnen, von B. Riese, p. 154. 

Philol. An». XIII. 18 



266 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

Heft 2: Die Kassiteriden und Albion, von G. F. Unger, p. 157. 

Bemerkungen zum „ersten buche" des Properz, von Th Birt, p. 
197. — Ein musikalisches accentgesetz in der quantitirenden poesie 
der Griechen, von F. Haussen, p. 222. ~ Zu Cicero's Orator II, von 
F. Heerdegen, p. 245. Scenica, von E. Rohde, p. 251. — Ueber 

das lakonische wort xaaarjgaTÖQtv und die 9tjgo/ua)(ia bei den Griechen, 
von .7". Baunack, p. 293. — Miscellen: ein unbeachtetes bruchstöck 
des Ptolemaeus Lagi, von E. Rohde, p. 301. — Zu Philostratus, von 
M. Schanz, p. 305. — Die sprichwörtersammlung des Escurialensis, 
von 0. Cmsius, p. 307. — Die chalkidischen städte während des sa- 
mischen aufstandes, von G. Busoli ', p. 307. — Die kosten des sami- 
schen krieges, von demselben, p. 309. — Die regierung^zeit des königs 
Paerisades I. von Bosporos, von A. Schaefer, p. 310. — Zur Parthenos, 
von H. Heydemann, p. 311. — Addendum epistulae Plautinae, scri- 
psit F. Leo p. 311. — Lexicalischer Zuwachs aus Sorani GyDaeciornm 
vetus translatio latina, von C.v. Paucker, p. 312. — Handschriftliches 
zur Iohannis des Corippus, von G. Loeioe , p. 315. — Berichtigung 
zu p. 145, 316. 

Neue Jahrbücher für phiJologie und pädagogik von A Fleckeisen, 
bd 125, heftl2: 118. Rechtfertigungen zu meiner re^ension des ersten 
buchs der Aristotelischen politik, von Moritz Schmidt, p. 801 ^24. — 
(8.) Zu Stobaios anchologion, von R. Dressler, p. 824. — 119. Zu den 
Theokritosscholien, von Ch Zieqler, p. 825 — 831. - (HO.) Zenon von 
Kitiou , von E. Rohde, p. 831 ' 832. — 120. Zum fünften buche des 
Lucretius, von A. Kannengießer, p. 833 — 837. - 121. Zur Würdigung 
des dichters Tibullus, von L. Grasberaer, p. 838 848. — (7.) Zur 
erklämng der Aeneis (II, 752 ff.), von Th. P.üß, p. 849-858. — 122. 
Zu Tacitus Germania (c. 46), von A. du Mesnil , p. 858. — (73.) Zu 
Cicero's rede pro Milone (29, 79), von E Meyer, p. 859 — 860. — (25) 
Zu Catullus (64, 16), von A. Riese, p. 860. - 123. Anz. von A. Pal- 
mer: Sex. Propertii elegiarum libri IV, (London 1880), von K. P. 
Schulze, p. 861-864. — (98.) Zu Seneca (de benef. II, 12, 2), von H. 
Göll, p. 865. 124. Zu der form prode = prod, pro, von H. Rönsch, 
p. 865-866. — (39.) Noch einmal die Tübinger Nonnoshandschrift, 
von // Flach, p. 867. — (65.) Philologische gelegenheitsschriften, p. 
867-871. — Register der im Jahrgang 1882 beurtheilten schritten und 
abhandlungen, p 872.— Berichtigungen zum Jahrgang 1882, p. 872. — 
Sachregister, p 873—874. — Bitte, von A. Hug, p. 874. 

Bd. 127, heft 1 : 1. Zu den griechischen elegikern, von W. Clemm, 
p. 1 — 18. - Th. Bergk: poetae lyrici graeci, ed. IV, vol. II, (Leipzig 
1882). — 2. Zu der schritt vom staat der Athener, (3, 12), von O. 
Schroeder, p. 18. — 3. Zu Empedokles, von F. Blaß, p. 19—20. — 

4. Anz. v N. Wecklein: über die technik und den Vortrag der chor- 
gesänge des Aeschylus, (Leipzig 1882), von Ch. Muff, p. 21—28. — 

5. Zu Euripides, von F. L. Lentz, p. 29—32. — 6. Zur biographie 
des Thukydides (§. 25), von B. Hirschwälder, p. 32. — 7. Der letzte 
kämpf der Achäer gegen Nabis, von F. Riihl, p. 33 -46. — 8. Epi- 
graphisches, von P. Caner, p. 46—47. — 9. Zu Florus , (I, 37), von 
A. Teuber, p. 48. — 10. Anz. v. E. Pai$: la Sardegna prima del do- 
minio Romano (Rom 1881), von O. Meitzer, p. 49—61. - 11. Zum 
Truculentus des Plautus, von K. Dzia'zko, p.6i— 64. — 12. Zur kritik 
des Propertius , von K. Roßberg, p 65 -77. — 13. Ein druckfehler 
bei Ovidius (trist. IV, 10, 107), 'von S. Brandt, p. 78—79. — 14. Zu 
Xenophons Helleuika, von H. Zarborg, p. 79 — 80. 

Heft 2: 15 Anz. v. A. Boetticher : Olympia, das fest uud seine 
statte, (Berlin 1883), von J. Classen, p. 81-103. — 16. Zu Sophocles 
Antigone (v. 150 f.), von H. Petri, p. 103 -104. — 17. Die änaywyr, 



Nr. 4. Au6züge aus Zeitschriften. 267 

in mordprocessen, von M. Sorof, p. 105 — 113. — 18. Zu Timon von 
Phlius (fr. 49), von .F. Kern, p. 113 — 114. — 19. Das halsband der 
Harmonia und die kröne der Ariadne, von W. Schwarte, p. 115 — 127. 
20 Zu Lukianos, von J. Sommerbrodt, p. 128 - 132. — 21. Zu Gicero's 
reden gegen Verres (IV, §. 41), von Emil Grünauer, p. 132. — 22. 
Quisquiliae Plautinae, von l'h. Hasper, p. 133 — 134. — 23. Anz. von 
H. Kluge: die consecutio temporum, deren grundgesetz und erschei- 
nungen im lateinischen, (Cöthen 1883), von M. Wetzel, p. 135 — 141. 
— 24. Zu ^eneca, von E. Heydenreich, p. 141 — 144. — 25. Inschrift 
von Metapoution, von E. Haler, p. 144. 

Hermes, bd. XVIII, heft 1: R. Hirzel , ein unbeachtetes komoe- 
dienfragment, p. 1. — H Kühlewein, zu dem texte und den hand- 
schnt'ten der hippokratischen abhandlung über was»er, lui't und orte, 
p. 17. — G. Knauck Analecta, p. 28. A Gemoll, die beziebungen 
zwischen Uias und Odyssee, p. 34. — H. Roehl, in Franciscuni Lenor- 
mant inseriptionurn fulsariuni responsio altera, p. 97. — O. Richter, 
Clivus Capitolinus. Ein beitrag zur topographie der stadt Rom , p. 
104. — 31. S' hanz, zu Hermeias, p. 129. — A. Busse, zur textkritik 
der nikomacbischen ethik, p. li>7. — Miscellen: G. Knaack, Menipp 
und Varro, p. 148. — 0. Seeck, zur inscbrift von Hissarlik , p. 150. 
H. Dessau, bemerkung zu einer Inschrift aus Delos, p. 153. — G. 
Kaibel, inscbrift von Thermae, p. 15ü. — Th Mommsen, inscbrift des 
Polhus Felix, p. 158 zu (Jiceros reden, p. 160. 

Litt er arisch es centratb.att für Deutschland. Herausgeber und ver- 
antwortlicher redacteur prof. dr. Fr. Zarncke. Nr. 33, sp. 1111: Statt 
epithalamium (Silv. 1, 2) denuo editum adnotavit quaestionesque ad- 
iecit archaeologicas Auy. Herzog. Leipzig 1881. 8. Breitkopf und 
Härtel. 47 p. 1 mk. 80 pf. Die arbeit macht den eindruck verstän- 
diger Sorgfalt. A R(iese). - Sp. 1112: Tartara, Alexander, Animad- 
versiones in locos nonnullos Valeri Catulli et Titi Livi. Rom 1881. 
8. Löscher. 102 p. Im ganzen anerkennendes inhaltsreferat. A. 
Ryiese). — Sp. 1112: Straub, A. , le cimetiere gallo-romain de Stras- 
bourg. Strasbourg 1881 , Trübner. 136 p. 8. 3 cartes, 17 pl. Aus- 
grabungsberichte. Bu(rsian) — Sp. 1113: Birt, Theod. , das antike 
buchwesen in seinem Verhältnisse zur literatur. Mit beitragen zur text- 
geschichte des Theokrit, Catull, Properz u. a. autoren. Berlin 1882, 
Hertz. VII, 51^ p. 12 mk. Gelehrte scharfsinnige Untersuchung mit 
unanfechtbaren ergebnissen der hauptsache nach. Die terminologie 
der buchtheilung ging aus der papyrusrolle hervor — nur war papy- 
rus nie theurer als pergament, ferner hatte der autor nicht wie Birt 
will gewinn bei der edition. Birt bestimmt den üblichen uuchumtang 
hei prosa- und poesiewerken. Die folgerungen für Theokrit u. s. w. 
sind überzeugend. Auch der annähme des großrollensystems und sei- 
nes ersatzes durch das kleinrollensystem in Alexandrien billigt der 
ref. L. Fr(tedländer). 

No. 34. Sp 1142: Rickenbach, Heinr. v., die insel Sardinien vor 
der herrschaft der Römer. Historisch -archäologische Studien nach 
dr. Hector Pais. Brunn 1882. 8. 39 p. Verlag des Benedictiner- 
ordens. Ein berieht über Pais' buch das eine tüchtige leistung zu 
sein scheint. Sp. 1155: Matz, Friedr. , antike bildwerke in Rom 

mit ausschluß der größeren Sammlungen. Nach des verf. tode weiter- 
geführt u. hrsg. von F v. Du/m. 1 — 3. bd. Leipzig 1881 — 82. Breit- 
kopf u. Härtel. XVI, 352 p. , VII, 484 p. , VI, 348 p. 33 mk. A. 
M(i(chhbfrr) sucht dem leser einen begriff zu geben von der vortreff- 
lichkeit der leistung und der verdienstlichkeit des Unternehmens. Das 
wenige was ihm als unrichtig aufgefallen notirt er kurz. 

No. 35. Sq. 1181: Neumann, Carl, geschiente Roms während des 



2(?8 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

Verfalles der republik. Vom Zeitalter des Scipio Aemilianus bis zu 
Sulla's tode. Aus seinem nachlasse hrsg. von dr. JE Gothein. Breslau 
1881. 8. Koebner. V, 623 p. Die schwächen des buches, ungleich- 
mäßigkeit der behandlung, Vernachlässigung des epigtaphischen und 
antiquarischen materials; die politische darstellung und psychologische 
Charakteristik ist meist vortrefflich. — i>p. 1195: Hermann, Gottfried, 
lateinische bnefe an seinen freund Volkmann, hrsg. v. A. B Volk- 
mann. Heidelberg 1882. 8. Winter. VI, 66 p 2 mk. Per we- 
sentliche inhalt ist auf die liebe Volkmanns zu Friederike Zink be- 
züglich, deren geheimer brautverkehr durch Hermann unterhalten 
wurde. Das ganze ist ein liebliches culturbild. — Sp. 1197: Jae</er, 
Otto Heinr. , die gymnastik der Hellenen Neue bearbeitung mit 6 
taf. bildern. Stuttgart 1881. 8. Heitz. 111, 336 p. 8 mk. Eine 
tendenz- und agitationsschrift gegen das heutige turnen in ungenieß- 
barem stil. 

No. 36. Sp. 1218: Westerburg, Eugen, Untersuchung der sage, daß 
Seneca christ gewesen sei Eine kritische Untersuchung nebst einer 
recension des apokryphen briefwechsels des apostels Paulus mit Seneca. 
Berlin 1881, Großer. 8. III, 52 p. 1 mk. 5U pf. Verf. scheidet die 
briete in zwei gruppen X, XI, XII und 1 — IX, XIII, XIV, erstere sollen 
vorhieronymisch , letztere nach dem 6 Jahrhundert entstanden sein. 
Ferner soll die letztere gruppe mit den acta Pauli die gleiche quelle 
und zwar ebionitischen Ursprungs haben. Die beweise in der feinen 
Untersuchung sind nur zum theil stichhaltig. — Sp. 1220: Fröhlich, 
Franz, die gardetruppen der römischen ivpublik. Aarau 1882, Sauer- 
länder. 50 p. 4. Sorgfältige Untersuchung und dankenswerthe er- 
gänzungzuMarquardts und Mommsens aufstellungen. — Sp. 1234: Du- 
mont, Alb. et Jules Chuptuin, les ceramiques de la Grece propre. Vases 
peints et terres- cuites. Ire partie. Vases peints. Paris 1881, Didot 
et co. 80 p. 10 tab. fol. 90 frcs. A. 3J(iichhöfer) berichtet über 
den inhalt des ersten hef'tes, das die attischen thongetasse Griechen- 
lands vollständig behandelt. Dumont scheidet nach den fundorten 
5 typen mehr empirisch, als begründet; nur die Santorinvasen (an- 
nähernd 2000 jähre v. Chr.) und die Hissarlikvasen eignen sich dazu. 
Im übrigen verkennt Dumont zu sehr den unterschied zwischen fa- 
brikations- und fundort. 

No. 37 Sp. 1263: Culmann, F. W. , etymologische aufsätze und 
grundsätze. V. Umschau auf dem gebiete der vergleichenden Sprach- 
forschung. Straßburg, Schmidt 1882. 8. 48 p. Curiosum wie alle 
Culmannschen schritten. , 

No. 38. Sp. 1298: Braune, Theod., observationes grammaticae et 
criticae ad usnin ita sie tarn (tarnen) adeo particularum Plautinum ac 
Terentianum speetantes. Berlin 1882, Calvary u. co. 63 p. 1 rak. 60 pf. 
Anfängerarbeit in massigem latein ohne überzeugende resultate. 

No 39. Sp. 1316: Festschrift, der 31. generalversammlung des 
gesammtvereins der deutschen geschiebts- und alterthumsvereine zur 
begrüßung dargebracht vom verein für hessische geschichte und landes- 
kunde. Mit einer photolithographie, 3 lithograph. tafeln und 71 holz- 
schnitten. Kassel 1882. 2 bl. 11, 101, 36 p. 4 tafeln. 4. Inhalt: 
Georg Wulff, das Römercastell und das Mithrasheiligthum von Groß- 
Krotzenburg am Main, nebst beitragen zur lösung der frage über die 
architektonische beschaffenheit der Mithrasheiligthümer. 2. Reinhard 
Suchicr, die römischen münzen , Stempel , inschriften und graffite von 
Groß-Krotzenburg und der umgegend von Hanau; die erste abhand- 
lung löst definitiv einen beträchtlichen theil der frage nach dem 
rechtsrheinischen Limes. In Suchier's arbeit ist besonders das Ver- 
zeichnis der lpgionfi- und cohortenstempel hervorzuheben. — Sp. 1328: 



Nr. 4. Auszüge aus zeitschritten. 269 

Heran de Viüefosse, A. et phedenat, H., cachets d'oculistes romains. 
Tome I avec 2 pl. et 19 fig. int^-rcalees dans le texte, dessins de M. 
Falcoz. Tour et Paris 188 , Champion. 8. 210 p Saubere publica- 
tiou, aber wissenschaftlich bis zum Überdruß wenig voraussetzend. 

No. 40. Sp. 1358: Huret, L., de saturnio Latinorum versu. Inest 
reliquiarum quotquot supersunt sylloge. Paris 1880, Vieweg. XII, 
517 p. 8. (Bibliotheque de i'ecole des hautes etudes, fasc. 43). Un- 
nöthig breit, allerdings fleißig. Neue gesicherte resultate für die mes- 
sung des Saturnius sind nicht gewonneu. Jedoch findet sich manches 
irrige, die arsis könne jede beliebige kurze silbe verlängern, nur die 
thesis paenultima dürfe unterdrückt werden u. s. vv. — Sp. 1364: 
Hartnmnn, Otto Ernst, der römische kalender. Aus dem nachlasse des 
verf. hrsg. von Ludwig Lunge, Leipzig 1882, Teubner. 8. XXXI, 
266 p. 8 mk. Hartmann schließt sich im gegensatz zu Mommsen 
möglichst eng an die tradition an. Nach ausführlicher Inhaltsangabe 
drückt referent seine meinung über den werth der Hartmannschen auf- 
stellungen nicht bestimmt aus, er neigt vielmehr zu einem non 
liquet. — 

No 41. Sp. 1380: Chambnlu, Aug., de magistratibus Flaviorum. 
Adiecta est appendix de Titi nomine imperatoris. Boan i 882, Strauß. 
1 mk. 31 p. Lobende anzeige. — Sp. 1389: Tnielmunn, Phil., das 
verbum dare im lateinischen als repräsentant der indoeuropäischen 
■wurzel dha. Leipzig 1882. Teubner. VIII, 134 p. 8. 2 mk. 40 pf. 
Aus den gebrauchsarten des verbums dare zieht Thielmann den Schluß, 
daß die bedeutungen did'övtu (da) und nfhevat (dha) unterschiedslos zu- 
sammengeflossen seien, eine annähme die unmöglich ist, weil dha nie 
zu da werden kann, sondern fa werden muß, ferner ist der unterschied 
6 und d urindoge' manisch. Auch lasseo sich alle Wendungen, die 
Thielmanri als beweise für dhe ansieht, aus der grundbedeutung „ge- 
ben" erklären. Das material über den gebrauch von dare ist lichtvoll 
gruppirt. B(> u)(jni(an). — Sp. 1395: Schnitze, Victor, die katakomben. 
Die altchristlichen grabstätten, ihre geschichte und ihre monumente. 
Mit 1 titelbild und 52 abbild. im texte. Leipzig 1882, Veit u. co. 
X. 342 p. 10 mk. Der Charakter der altchristÜcheu kunst erschließt sich 
dem verf. auf dem wege der volksthümlichen entwicklung in schrittwei- 
ser ablösung vou der antike, ohne beihülfe der theologischen lehre und 
Wissenschaft. Bei dieser richtigen grundanschauung sind die möglichen 
einwände gegen annahmen des verf. nur secundärer art. Ref. bespricht 
die erklärung des namens katacomben, die Symbolik der grabmonu- 
mente. A. Mr. — Sp. 1397: Meyer, Ludw., die römischen katakom- 
ben. Berlin 1882. 8. 72 p. 1 mk. (Sammlung gemeinverständl. 
wissensch. vortrage hrsg. von Virchow und Holtzendorff. heft 387/88.) 
Das buch führt den leser vorzüglich in die unterirdischen labyrinthe 
ein. Der Standpunkt ist der de Rossischr-. A. Mr. 

No. 42. Sp. 1409: The. Revisers and the greek text of the new 
testament. By two members of the New Testament-Company. Lon- 
don 1882, Macmillan u. co. 79 p. 8. 2 mk. 50 pf. Eine verthei- 
digung der Westcott und Nortschen textrecensiou gegen einen angriff 
in der Qnarterly Review. 

No. 43. Sp. 1443: Bergk , Theod. , zur geschichte und topogra- 
phie der Rheinlande in römischer zeit. Mit 1 karte Leipzig 1882, 
Teubner. 8. IV, 188 p. 2 mk. 20 pf. Inhaltsangabe der scharfsin- 
nigen, hin und wieder etwas gewagten Untersuchungen. - Sp. 1444 : 
Grimm, Jul. , der römische brückenkopf in Kastei bei Mainz und die 
dortige Rheinbrücke. Mit planen und Zeichnungen. Mainz 1882. 4. 
IV, 55 p. 4 mk. Der Verfasser weist die pfeilerreste einer brücke 
im Rheinbpft bei Mainz als römisch nach. Sp 1444: Wieseler, Karl, 



270 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

Untersuchungen zur geschiente und religion der alten Germanen in 
Asien und Europa. Mit religionsgeschicbtlichen parallelen. Leipzig 
1881 , Hinrichs. VIT, 176 p. 8. 5 mk. 50 pl. Vollständig irre ge- 
hende Gerrnanoinanie. Sp. 1456: Demostliene , les harangues de. 
Texte grec publie d'apres les travaux les plus recents de laphilologie 
avec un commentaire critique et explicatif etc. par Henri Weit. 2 ed. 
entierement revue et corn^ee. Paris 1881, Hachette et co. LH. 484 p. 
8. Im allgemeinen ist die ausgäbe durch fleißige verwerthung der 
inzwischen erschieneneu litteratur auf der höhe der Wissenschaft ge- 
halten wordeu. Belangreichere erwe.terungen sind die wohlbegrün- 
deten einwände gegen Ungers Chronologie, die entwicklung der an- 
schauurg über die 4. philippika, daß die einzelnen bestandtheile von 
Demosthene^ herrühren, das ganze von einem redactor überarbeitet sei. 
Die emeudation ist ebenfalls mehrfach gefördert worden. £(iaß). 

No 44. Sp. 1477: 1. Schvarcz, Jul., die demokratie. 1. bd. 2. 
hälfte, 3. u. 4. abth. Leipzig 1881/82. Duncker u. Humblot 469— 
749 p. 1,XXV— XCVL 2. Schwicker, Julius Schvarcz uud seine Schrif- 
ten. Budapest 1882, Lauffer. 48 p. 70 pf. Das buch verdient das 
Studium sowohl der philologen als politiker. Es fehlt völlig aber der 
sinn für das historische und die gäbe wesentliches und unwesentliches 
zu scheiden. Das ganze ist eine sehr anziehende kritik der einzelnen 
ereignisse nach dem ruaß4;.be eines ideals der demokratie. Auch die 
quellenkritik fehlt; Schvarcz scheidet durchaus nicht nach werth der 
quellen. Andrerseits stellt er an die quellenkritik unlösbare forde- 
rungen. F. E. — Sp 1488: Niese, Benedictus, die entwicklung der 
Homerischen poesie. Berlin 1882, Weidmann. 8. VI, 261 p. Niese 
läugnet die existenz einer vorhomerischen volkssage. llias und Odyssee 
enthalten in sich allein die vollständige entwicklung des epos bis zu 
den Kyklikern Urilias und Urodyssee waren von mäßigem umfang und 
gedrungenen stils. Allmähliche weiterdichtung führte zu der gegen- 
wärtigen gestalt. Cl(emm) erkennt Scharfsinn und klarheit des buches 
an. giebt aber die resultate nicht zu, sondern behauptet die nothwen- 
digkeit der Voraussetzung der volkssage, läugnet die möglich keit der 
ausscheidung der götterscenen . des freiermordes etc. — Sp 1490: 
Lechner, Max, de pleonasmis Homericis. Pars I. Ansbach 1882. 8. 
31 p. Sehr brauchbare Untersuchungen. Cl(tmm). 

No. 45. Sp. 1518: Ring , Michael, altlateinische Studien. Preß- 
burg !882, Steiner. 142 p. 8. 4 mk. Eine fülle neuer, aber meist 
halt- und werthloser erklärungen zum Arvallied. den salischen frag- 
menten u. s. w. e. s. — Sp. 1519: Tevffel, W. S., geschichte der rö- 
mischen litteratur. 4 aufl. bearb. von Ludw Schwube. Leipzig 1882, 
Teubner. XVI, 1238 p. 14 mk. Anzeige ohne Würdigung der 
leistung. 

No 46. Sp. 1542: Droysen, Hans, Athen und der westen vor der 
sicilischen expedition. Berlin 1882, Hertz. 59 p. 1 mk. 50 pf. Das 
buch behandelt das interessante thema der ersten beziehungen Athens 
zum westen besonnen und vorsichtig. Daß Thukydides angiebt , in 
Athen seien nur mangelhafte Vorstellungen über Sicilien zur zeit der 
expedition verbreitet gewesen, dürfte wohl im gegensatz zu Droysen 
seine richtigkeit haben. G. B(moit) Sp. 1555: Biese. Alt'r. , die 

entwicklung des naturgefühls bei den Griechen. Kiel 1882, Lipsius 
und Tischer. VIII, 145 p. 3 mk. Verf. will die herrschenden vor- 
urtheile über das naturgefühl der alten bekämpfen und kommt zu dem 
durchaus richtigen facit, daß das moderne und antike naturgefühl nur 
graduell nicht diametral verschieden seien. Bu(rsian). 

No. 47. Sp. 1588: Commentationes philologae Ienenses. Edid. Se- 
niinarii pbilol. lenensif! profesaores. Vol. I. Leipzig, Teubner 1881. 



Nr. 4. Auszüge aus Zeitschriften. 271 

IV, 238 p. 5 mk.. Gundermann de Iuli Frontini strategematon libro 
qui fertur quarto behandelt die grundlegender textgestaltung in dau- 
kenswerther weise. — Sarrazin de Theodoro lectore Theophanis fönte 
praecipuo. Theodorus Lector vermittelte tür TheopbaDes den Sokrates 
Sozomenos und Theodoret. — Sauerbrei sucht zu erweisen, daß gleich 
von III, p 245 Dind. an in Zonaras XIV XV Theophanes als haupt- 
quelle benutzt sei. K. J. Naumann). - Sp. 1590: Piauli, T. Maeci, 
Menaechmi in iiftum iectionuui suarum ed. Ioannes Vaklen. Berlin 
18X2, Vahlen IV, 99 p. 8. 2 mk. Die au-gabe soll wesentlich ein 
bild der Überlieferung geben. Der apparat gibt citate der alten, aus- 
wahl handschriftlicher lesarten und empfehlenswerter conjecturen. 
In den text ist nur absolut sicheres aufgenommen. 

No 48. Sp. 1625: Eesychii Miiesii onomatologi quae supersunt 
cum prolegotnenis ed. Ioann. Flach. Accedunt appendix Pseudohesy- 
chirtDa, iudices specimen photolith. cod. A. Leipzig 1882, Teubner. 
LXXI, 263 p. 8. 9 mk. Wesentlich ein biographischer auszug aus 
Suidas, die abgrenzung des Hesychius ist nicht möglicn, die aufnähme 
der artikel aus den Platoscholien ist nicht gerechtfertigt. Betreffs der 
Eudocia hält B(laß) Flachs einwände gegen Pulch für gerechtfertigt. 

— Sp. 1626: M. Minucä Fei tax, Octavius. Rec. •/. J. Corne/issen. 
Leiden 1882, Brill. XX, 7-1 p. Die einzige handschrift ist genügend 
von Laubmann und Halm verwerthet. Dombart hat die conjecturai- 
kritik vielleicht etwas zu wenig vorsichtig geübt. A. E(ußner). — 
Sp. 1631 : Olympia und umgegend. Zwei karten und ein situations- 
plan gez. von Kaupert und Dörpfeld. Hrsg. von E. Curtins und F. 
Adler. Berlin 1882, Weidmann. 48 p. 3 karten. 4 mk. Anzeige 
von Bu{rsitm). 

No. 49. Sp. 1659: Kleinpaul, Rudolf, Rom in wort und bild. Eine 
Schilderung der ewigen stadt und der Campagua. Mit 068 ülustrationen. 
Lieferung 3-26. Leipzig 1682. Schmidt und Günther, p. 41 — 3ü8. 
fol. a 1 mk. Inhaltlich und sachlich ist nur wenig an dem werk aus- 
zusetzen , desto abstoßender wirkt der geschmacklose stil. Bu(rsian). 

— Sp. 1667: Spengel, A. , reformvorschläge zur metrik der lyrischen 
versarten bei Plautus und den übrigen lateinischen scenikern. Berlin 
1882, Weidmann. 8. 429 p. Manch triftiger einwand, manch brauch- 
barer Vorschlag findet sich hier, aber das verfahren des verf. ist nicht 
zu billigen. Aus beschränktem material werden rigorose gesetze con- 
struirt, was nicht paßt wird unter die anapäste verwiesen und hier 
herrscht die größte willkür in prosodie und accent. — Sp. 1688: Halm, 
Karl, über die echtheit der dem Justus Lipsius zugeschriebenen rede. 
Eine literarhistorische Untersuchung. München 1882, Straub. 37 p. 
8. Die echtheit der rede wird zweifellos erwiesen. — Sp. 1672: die 
sammluug Sabouroff. Kunstdenkmale aus Griechenland hrsg. von Ad. 
Furtwängler, 2 bde. Berlin, Asher u. co. 2 bl. 1 color. hth. gr.- 
fol. Ankündigung einer guten ausgäbe der schätze der Sammlung. — 
Sp. 1672: Farbiger, Alb. und Ad. IVinckler, Hellas und Rom, popu- 
läre darstellung des öffentl. und häual. leben« der Griechen und Römer. 
2 abth.: Griechenland im Zeitalter des Perikles. 3. bd. v. Ad. Winck- 
ler. Leipzig 1882, Fues iResland). VI. 691 p. 11 mk. Der verf. 
hat zu Forbigers nachlaß fleißig alles material zusammengetragen, ist 
aber nicht ganz herr desselben geworden. Es finden sich massenhaft 
kleine versehen, Widersprüche und Unebenheiten. Bu{rsian). — Sp. 
1675: Curtius , Ernst, alterthura und gegenwart Gesammelte reden 
und vortrage. 2. bd. Berlin 1882, Hertz. (VII, 347 p. 8.) 4 mk. 
Lobende inhaltsanzeige. 

No. 50. Sp. 1«">95: Gardthnusen, V., Mastarna oder Servius Tul- 
lius. Mit einer einleitung über die ausdehnung des Etruskerreichs. 



272 Aussauge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

Mit 1 tafel. Leipzig 1882, Veit u. co. 48 p. 2 mk. Anerkennendes 
inhaltsreferat, doch scheint dem ref. die begründung der bastardschaft 
des Mastarna nicht gelungen. — Sp. 1708: Anton, H. S., etymologische 
erklärung homerischer Wörter. Theil I. Erfurt 1882, Villaret. VII, 
143 p. 8. Fleißig aber kritiklos, für den Unterricht nicht zu ver- 
wenden, e. s. — Sp. 1708: Cicero's rede für Sextus Roscius aus Ameria. 
Mit den Testimonia veterum und dem Scholiasta Gronovianus hrsg. u. 
erkl. von dr. Gustav Landgraf. 1. hälfte. Erlangen, Deichert 1882. 
8. 117 p. 2 mk. Fleißig und besonnen, nicht überall vollständig. 
A. E(ußner.) 

No. 51. Sp. 1747: Fr. Blaß, über die ausspräche des griechi- 
schen. 2. umgearb. aufl. Berlin 1882, Weidmann. 8. VIII, 109 p. 
3mk. Verteidigung der erasmischen ausspräche, jetzt die brauchbarste 
Sonographie über den gegenständ. Ch^eruni). - Sp. 1748: Schwis- 
thal, Martin, essai sur la valeur phonetique de l'alphabet latin prin- 
cipalement d 'apres les grammairiens de l'epoque imperiale, Paris 
l'-82, Leroux. XI, 110 p. 8. Werthvoll wegen der Sammlung der 
grammatikerstellen für den gegenständ, das vom Verfasser hinzuge- 
fügte ist wenig befriedigend. B{ru)ym{ari). 

No. 52. Sp. 1787: Daub , A., Studien zu den biographika des 
Suidas. Zugleich ein beitrag zur griech. litteraturgeschichte. Frei- 
burg i. Br. 1882, Mohr. 8. 4 mk. Bespricht einzelne litterar-histo- 
rische coujecturen desverf. B(laß). — Sp. 1788: Hug, Arnold, Studien 
aus dem classischen altertbuni. Heft 1. Freiburg i. Br. 1881, Mohr. 
VIII , 2oO p. 8. 4 mk. Anerkennendes inhaltsreferat. B(Uiß). — 
Sp. 1789: Ennodii, Magni Felicis opera omnia. Rec. et commentario 
critico instruxit Gull. Hartel Wien 1882, Gerold. 8. 15 mk. (Cor- 
pus script. ecclesiast. Lat. vol. VI). Lobende besprechung des in der 
ausgäbe geleisteten. A. R(iese). Sp 1793: Andrae, Paul, Via Appia 
deno Historie og Mindesmaerker. 1 bind. Kjobenhavn 1882, Gyl- 
dendal. XIII, 316 p. 8. Frisch geschrieben und populär. C. S. 



Literatur 1883. 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Kuntze, Joh. Emil, Prolegomena zur geschiebte Roms. Oraculum. 
Auspicium. Templum. Regnum. Nebst 4 planen. Leipzig, Kuntze 1882. 
8. 224 p. 

Corpus scriptorum ecclesiasticorum editum consilio et impensis 
academiae liter. caes. Vindohonensis. Vol. VIII. Salviani presbyteri 
Massiliensis opera quae supersunt ex rec. Fr. Fauly. Vindobonae 
1883. 8. C. Gerold. XVI, 354 p. 

Caesaris , C. Iulii, belli Gallici libri VII acc. A. Hirtii über oc- 
tavus rec. Alf. Holder. Freiburg u. Tübingen, J. C. B. Mohr 1882. 
8. 396 p. 

Schvarcz, Julius, die Demokratie von Athen. Leipzig, Duncker u. 
Humblot 1882. 8. 27 mk. p. XXIX- XCV1, p. 1-749. 

Gard/hausen, V., Mastarna oder Servius Tullius. Mit einer ein- 
leitung über die ausdehnung des Etruskerreichs. Mit einer tafel. 
Leipzig, Veit u. comp. 1882. 8. 48 p. 

Benseier, Gustav, der Optimismus des Sokrates bei Xenophon und 
Piaton gegenüber den pessimistischen stimmen in der älteren griechi- 
schen litteratur. Chemnitz 1882. 4. 33 p. (Progr). 

Goebel, Ed., exegetische und kritische beitrage zu Piatons apolo- 
gie und Kriton. Fulda 1882. 4. 

Schmidt. Leopold, das akademische studium des künftigen gym- 
nasiallehrers. Rede. Marburg, Elwert 1882. 8. 21 p. 



Nr. 5. 6. Mai. Juni IS83. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



52. Engelbertus Schneider, De dialecto Megarica. 
Dissertatio inauguralis. Gissae 1882. 8. 

Zu denjenigen griechischen mundarten , von denen wir das 
wenigste wissen, gehört noch immer die von Megara. Die be- 
reicherungen unserer kenntnis , welche forschungen und ausgra- 
bungen während der letzten jähre auf anderen gebieten in so 
erfreulichem maße gebracht haben , sind hier fast ganz ausge- 
blieben. Außer den in Olympia gefundenen fragmenten einer 
wahrscheinlich selinuntischen inschrift (J. G. A. 514) ist kaum 
ein epigraphischer fund der neuesten zeit, der dem Studium des 
megarischen dialektes zu gute gekommen wäre. So erklärt es 
sich, daß die skeptische Schätzung, welche Gustav Meyer (Grie- 
chische grammatik p. XIV) den inschriftlichen quellen dieses dia- 
lektes hat zu theil werden lassen, durch die vorliegende Untersu- 
chung, die fleißige arbeit eines Schülers von Clemm, bestätigt wird. 

Der Verfasser beginnt mit einer genauen Verzeichnung des 
materials, das er verarbeitet hat. Die Inschriften theilt er nicht 
selbst mit , sondern nur die stellen , an denen sie veröffentlicht 
sind. Für die Stadt Megara ist das verzeichniß durch aufnähme 
auch aller in xom) geschriebenen stücke , die durch die bemer- 
kung p. 2 doch kaum motiviert wird, sehr angeschwollen. Ur- 
kunden von irgendwie erheblichem werthe giebt es hier nicht. 
Ebenso wenig sind solche aus den nachbarstädten Pagae und 
Aegosthena erhalten. Von Aegosthena giebt es etwa ein du- 
tzend inschriften aus der zeit, in welcher die Stadt dem boeoti- 
schen bunde angehörte (223— 192 v. Chr.). Eine derselben (Le 
Bas Voy. arch. II, nr. 1) ist, als ganz boeotisch geschrieben, 
Piniol. Anz. XIII. 19 



274 52. Grammatik. Nr. 5. 

hier natürlich ausgeschlossen •, aber auch in mehreren anderen 
(ebenda nr. 2. 3. 4. 5. 7 ä . 10. 11) ist der dialekt so offenbar 
aus boeotischem und megarischem gemischt, daß der Verfasser 
nicht recht hatte sie als denkmäler des letzteren aufzuzählen. 
Daß genitive wie Evneidw, 'AXxlfxco, der gebrauch von sv c. acc. 
(iv neXioqiOQag mehrmals) aus dem boeotischen herübergenom- 
men seien, giebt er weiter unten (p. 58. 51) selber zu. Auch 
die dative avtoi, toi, sv zoi MeXafxnodeioi, iv X)y%r}GToi , welche 
er p. 53 als megarisch anführt, haben mit diesem dialekte gar 
nichts zu thun , sondern sind spuren der boeotischen herrschaft 
über Aegosthena. — Unter den kolonien der Megarer steht in 
erster linie Selinus mit zwei durch alter und umfang doch eini- 
germaßen beträchtlichen denkmälern, dem schon erwähnten J. Gr. A. 
514 und dem seit länger bekannten vom Apollo-tempel, J. G. A. 
515. Schneider hat hier wunderlicherweise die citate nicht nach 
Roehl gegeben, und so ist es ihm in dem einen fall, in dem er 
es gethan hat, begegnet, eine inschrift zweimal anzuführen; 
J. G. A. 517 und Holm, Jahresber. alterthumsw. I, p. 81, sind 
identisch. — Als ursprünglicher name von Mesambria wird, wie 
es scheint (p. 47), Metambria angenommen und das a aus Volks- 
etymologie erklärt, während doch T auf den münzen dieser Stadt 
nur ein fremdartiges zeichen für den laut oa ist (Kirchhoff 
Alph. 3 11, Roehl zu J. G. A. 500). — Zu den kolonien der 
Megarer rechnet der Verfasser auch Astypalaea. Ohne daß ich 
die notiz des Pseudo-Scymnus, auf welcher diese Zusammenstel- 
lung beruht, anfechten möchte, glaube ich doch, daß letztere in 
bezug auf den dialekt nicht gerechtfertigt ist. Es macht einen 
unterschied, ob eine kolonie außerhalb der eigentlich griechischen 
weit gegründet war, wie die inseln und küstenstädte der west- 
lichen meere und des Pontos Euxeinos, oder innerhalb und in 
nächster nachbarschaft derselben, wie die inseln des aegaeischen 
meeres. Jene hielten inmitten einer ungriechischen Umgebung 
die heimischen gewohnheiten der spräche und schrift fest; bei 
diesen erfuhren beide im fortdauernden lebendigen verkehr mit 
griechischen nachbarn eine neue entwickelung. Rhodos, Kos, 
Knidos sind von Argos aus kolonisiert, und doch fehlt es ihrer 
mundart nicht an eigenthümlichkeiten , welche der argivischen 
fremd sind, so daß hier ein besonderer zweig des Dorismus ge- 
bildet ist. Von dem einfluß, den u. a. die nachbarschaft ioni- 



Nr. 5. 52. Grammatik. 275 

scher niederlassungen auf seine entwickelung gehabt zu haben 
scheint, hat schon Ahrens Dial. II, 213 f. gehandelt. Zu diesem 
zweige gehörte auch Astypalaea. Deshalb ist es nicht zu billi- 
gen, wenn Schneider p. 43 die contraction von so zu ev in der 
nominal- und verbalflexion, die sich in Astypalaea iindet (jzevo- 
xQ<tThv± C. J. G. 2489, rrgocavsvftspog C. J. G. 2483, beispiele, die 
er leicht hätte vermehren können) dem megarischen dialekte zu- 
schreibt, wo es sich denn seltsam ausnimmt, wenn solche formen 
mit wirklich megarischen, yvftvaaiaQ^ovvrog , Aa\KO-Aoä.xovq , auf 
derselben seite zusammenstehen , ohne daß die frage , wie es zu 
diesem unterschiede gekommen sei, nur gestellt wird. 

Aus allen inschriften zusammengenommen lernen wir nicht 
viel mehr, als daß das megarische zu der nichtionischen klasse 
der griechischen mundarten gehörte. 

Bei diesem thatbestande war es von vornherein klar , daß 
der Schwerpunkt der Schneider'schen arbeit in den abschnitt 
fallen mußte, der die handschriftliche Überlieferung behandelt. 
Und hier war es ihm wirklich vergönnt gegen alle früheren be- 
arbeiter einen erfreulichen fortschritt zu machen. Durch die 
höchst dankenswerthe liberalität von Velsens wurde er in den 
stand gesetzt die verse aus den Acharnern , welche in megari- 
schem dialekte geschrieben sind, genau so, wie sie im Ravennas 
stehen , und mit vollständiger kollation der wichtigsten anderen 
handschriften abzudrucken. Freilich ist das resultat ein wesent- 
lich negatives. Die Überlieferung ist eben , auch innerhalb der 
besten handschrift, so verwirrt, daß wir eine sichere Vorstellung 
von dem lautbestande des megarischen dialektes auch auf diesem 
wege nicht gewinnen uud deshalb vorläufig überhaupt darauf 
verzichten müssen. Schneider geht die einzelnen capitel der 
laut- und flexionslehre durch, bringt in jedem die epigraphischen 
und handschriftlichen belege zusammen und sucht festzustellen, 
in wie weit die letzteren zu emendieren seien. Vielleicht wäre 
es gut gewesen , den text , so wie er hier constituiert wird , im 
zusammenhange abzudrucken uud neben die im Ravennas über- 
lieferte form zu stellen. Der Verfasser hätte dadurch von seiner 
eigenen ansieht ein zusammenfassendes und anschauliches bild 
gegeben, während man sich so die von ihm geforderten korrek- 
turen einzeln zusammensuchen muß. 

Die hauptfrage ist die nach der behandlung der gedehnten 

19* 



276 52. Grammatik. Nr. 5. 

e- und o-laute. Der Verfasser trifft mit dem referenten zusam- 
men in der Verwunderung darüber, daß Roehl, ohne einen grund 
seines Verfahrens anzugeben, in den inschriften von Selinus i\ 
und co statt der bisher angenommenen undiphthongischen et und 
ov geschrieben hat, und stellt die letzteren wieder her. Die bei- 
spiele von ov (mehr als 10) und si (9) überwiegen im Ravennas 
erheblich über die von a> und // (Schneider p. 60), von welchen 
letzteren sich nur za> 798. 834, tmvtm 790, Ijue* 741. 771 fin- 
den. Wichtiger als das Zahlenverhältnis , das in einer so übel 
zugerichteten Überlieferung nicht allzu viel bedeutet, scheinen 
mir die allgemeinen gründe , besonders die rücksicht auf die 
Verwandtschaft mit Korinth, welche ich bereits in meiner recen- 
sion der Inscriptiones Graecae antiquissimae gegen Roehl geltend ge- 
macht habe. Wenn ich für Tji*tt>, das der Ravennas 2mal neben 
einmaligem ii'fjsvat (775, wo r^evai im Laurentianus) hat, eine 
ausnähme beantragte, so geschah auch dies nicht, um nur der 
majorität rechnung zu tragen, sondern weil sich anderwärts in 
mundarten ? die dem sogenannten milderen dorismns angehören, 
TjfAtv auf inschriften findet l ). Wie die formen reo, tcovtw statt der 
richtigen tov, ravrol in den text gekommen sind, ist leicht zu 
erklären, sei es, daß die reden des Boeotiers in den Acharnern den 
anlaß dazu gegeben haben oder daß ein abschreiber bloß durch das 
streben, so dorisch wie möglich zu schreiben, irre geführt wurde. 
Einen solchen hyperdorischen zug glaube ich nun noch an 
einer anderen stelle in den megarischen Worten bei Aristophanes 
zu erkennen, dianeiväfieg steht v. 751, und Schneider begnügt 
sich, nxwvTi, vixäfAi-g aus I. G. A. 515 daneben zu stellen und 
auf die verschiedene art der contraction hinzuweisen. Aber wenn 
man überhaupt daran glaubt, daß der dialekt einer griechischen 
Stadt aus dem ihrer colonien erkannt werden könne (und in der 
festhaltung dieses prineipes ist referent mit dem Verfasser voll- 
kommen einig) , so darf eine solche Verschiedenheit nicht unbe- 
anstandet bleiben. Die fälle , in welchen ao und «co in der 
verbalflexion zu « werden (wie auf den tafeln von Heraclea 
(fävii 1,117, tnsläo&m 1,127), sind auch sonst nicht allzuhäufig 
neben den entgegenstehenden, in welchen ao, am auch dorisch 

1) Die beispiele, welche ich a. o. (Philol. anz. XIII, [1883], p. 653) 
zusammengestellt habe, ließen sich noch vermehren, u. a. aus dem ei- 
genthümlich gemischten dialekt der jüngeren kretischen inschriften. 



Nr. 5. 53. Grammatik. 277 

zu so werden (vgl. Ahrens Dial. IT, 197). Hier haben wir nun 
die contraction in m aus bester zeit in zwei sicheren beispielen 
überliefert. Was dürfen wir anders thun, als 8iartEivä(iBii danach 
in diantDWfAt^ korrigieren? So gewinnen wir wenigstens noch 
ein merkmal für den megarischen dialekt, das zu dem unbe- 
stimmten begriff ,, dorisch" hinzukommt und zusammen mit dem, frei- 
lich nicht gleich sicheren, t] von ijui festgehalten werden mag, bis ir- 
gend ein glücklicher zufall uns neuen stoff zuführt. Paul Cauer. 

53. Fr. 0. Weise, die griechischen Wörter im latein. Leipzig, 
Hirzel 1882. 4. VIII, 546 p. (Preisschriften, gekrönt und 
herausgegeben von der Jablonowskischen gesellschaft bd. XXIII.) 

Seitdem man erkannt hat , welch' reiches material die mo- 
derne Sprachforschung dem kulturhistoriker bietet, lag es nahe, 
vor allem an der band der fremdwörter einer spräche die frem- 
den einflüsse, die auf die kultur des volkes gewirkt haben, dar- 
zulegen; wie schön mußte sich dieser gedanke gerade bei den 
Römern, die ihre ganze höhere kultur von den Griechen ent- 
lehnten, durchführen lassen! Es wurden auch mehrere versuche 
dazu (z. b. von Beermann, Saalfeld und Tuchhändler) gemacht, 
ohne jedoch irgendwie zu genügen. Dank dem Preisausschreiben 
der Jablonowskischen gesellschaft besitzen wir nun in Weises 
umfänglichem buche eine grundlage , auf welcher die forschung 
sicher weiter bauen kann. 

Die ausführliche einleitung (p. 11 — 86), welche die kenn- 
zeichen der griechischen Wörter nach lautgestaltung , form und 
bildung erschöpfend und durchaus wissenschaftlich erörtert, wird 
nicht zu lang erscheinen , wenn man erwägt , daß der verf. da- 
durch vielen willkürlichen ableitungen , wie sie bei etymologen 
und kulturhistorikern bisher mode waren, einen festen riegel vor- 
geschoben hat. Mit recht verhält er sich zahlreichen angeblichen 
lehnwörtern gegenüber skeptisch ; man betrachte nur die lange 
liste der Wörter, die er für das lateinische reklamiert, auf p. 
75 ff. , wo der leser der bequemlichkeit halber auch eine kurze 
Verweisung auf die stelle des nachweises gerne sähe. Vielleicht 
hätte Weise noch einige andere Wörter diesem Verzeichnisse bei- 
fügen sollen, z. b. supparum und abolla, da aiqagnr und ußolm,' 
„mantel" blos bei Arrian vorkommen, bei dem wir eher entleh- 
mvng aus dem lateinischen voraussetzen dürfen. Halec oder allec 



278 53. Grammatik. Nr. 5. 

kann ein fremdwort sein, ohne daß es mit aXmov etwas zu thun 
hat; die behandlung des suffixes wäre doch sehr merkwürdig. 

Der kulturhistorische theil, welcher von p. 87 bis 325 reicht, 
enthält eine umsichtige und genaue Zusammenstellung der resul- 
tate, indem der Verfasser bei jedem abschnitt darlegt, was die 
Kömer nach Italien schon mitgebracht, was sie sich auf italischem 
boden selbständig errungen und endlich was sie von den Grie- 
chen zu verschiedenen zeiten erhalten haben. Auf den reichen 
inhalt näher einzugehen , gestattet leider der räum nicht ; ver- 
schiedene punkte werden mit den fortschritten der lexikographie 
modifiziert werden müssen, da nicht selten Wörter schon früher 
als Weise annimmt nachweisbar sind, z. b. erwähnt schon Mar- 
tial (13, 69) die catta. Leider geht der verf. auf den histori- 
schen rahmen des römischen Hellenismus nur wenig ein (p. 87 
— 91)-, diese lücke beabsichtigt Saalfeld durch die unter dem 
titel „Italo-Graeca" erscheinenden hefte auszufüllen. 

Im hinblick auf die vortreffliche ausarbeitung der beiden 
ersten theile wollen wir mit Weise wegen des dritten nicht allzu 
streng ins gericht gehen, dürfen aber nicht verhehlen, daß die- 
ser von den vorhergehenden abschnitten erheblich absticht. Es 
ist richtig, daß mit hilfe von Indices verborum nicht wenige 
Wörter früher belegt und auch einige in den lexicis fehlende 
neu hinzugefügt sind ; aber die vorhandenen lexika sind nicht 
vollständig ausgebeutet. Zudem führt der verf. , wo mehrere 
belegstellen vorhanden sind, in der regel blos die älteste an; 
dadurch bekommen wir aber keine Vorstellung, welchen rang 
jedes wort im Sprachschätze einnimmt. Diesem mangel wollte 
der Verfasser abhelfen, indem er durch verschiedenen druck drei 
grade der popularität unterschied, leider sehr inkonsequent: 
Adytum, das nur dichter und poetisierende prosaiker kennen, soll 
volksthümlich sein, ebenso der technische ausdruck acatalectus. 
Weise hätte alle wissenschaftlichen ausdrücke im weitesten sinne 
(namentlich die legionen von „fremdwörtern" bei Plinius) durch 
kleinen druck kennzeichnen und bei den übrigen keine weitere 
Scheidung eintreten lassen sollen , außer daß (etwa durch einen 
stern) die anaS, siQij/jJra auszuscheiden waren. So hätten wir 
ein anschaulicheres bild bekommen. Ich gebe im folgenden zum 
buchstaben A einige nachtrage ; wenn auch die lesarten nicht 
selten schwanken, so gilt doch das gleiche von anderen Wörtern, 



Nr. 5. 53. Grammatik. 279 

die Weise nichts desto weniger aufgenommen hat. Belege in 
glossarien übergehe ich, trotzdem daß sich hier nicht wenig altes 
gut birgt. Zu acedia acediosus Regula Bened. 48 ; acharistum 
Boissier inscr. de Lyon p. 453. 454. Marc. Emp. 8 ; acromaticus 
Not. Bern. 45,100; acronyctus Firm. math. 2, 8 (v. 1. acronychus, 
dxQOVvxiog);? adamenon oder adaminon Apul. herb. 4; adarches 
= adarcha Marcell. Anthol. 910, 57-, adonium Plin. 21, 60; 
aepodixis Not. Tir. p. 152; aetion Curius Fort. art. rhet. 1, 15, 
17, PI. werk des Varro; aetopon Apul. herb. 7; agalma Mart. 
Cap. 6, 567, v. 12; agathodaemon, eine pflanze Apul. herb. 94; 
agenealogetos Tert. praescr. adv. haer. fin. ; agennetos Tert. adv. 
Valent. 35; alethinus Alypius descr. orb. 17, 12. 30; alicacabum 
Theod. Prise. 4, 1; alopecias Plin. 32, 53; alphicus Grell. 4, 2. 
Martial. 9, 96; ambrosiacus Plin. 14, 8; amphibolice Porph. Hör. 
5. 2, 1, 48. Boeth. elench. soph. 2, 2; amphibolös Porph. Hör. 
c. 1, 14, 10; amphigonum Frg. post Censor. 7; arnphitane Plin. 
37, 54 unsicher; amygdalaceus Plin. 26, 69; anabolarium Not. 
Tir. p. 158 (? -adium)\ anachites Plin. 37, 15; anacyclicus Por- 
phyrius Anthol. 31; analectarius Muratori 77, 3 unsicher; anali- 
rnoticus Theod. Prise. 2,24. 2, 2, 11 (v. 1. analepticus) ; analpha- 
betus Fulg. myth. 1, 3 nach Freund?; ananeosis Curius Fort. p. 
113, 22 ff.; andrachne Colum. 10, 376. Marcellus Anthol. 910, 
58; zu ancora ancorago (fisch) Cassiod. var. 12, 4. Not. Bern. 
16, 46; antanaclisis Isid. or. 2, 21, 12; anthemum Plin. 26, 55; 
anthracias Solin. 37, 24; antidiegesis Fortunat. p. 112, 6; anti- 
graphum Not. Tir. p. 155 und subscription bei Jahn, berichte d. 
sächs. gesellsch. 1851, p. 332 ff. , dazu antigrapharius lustin. de 
confirm. dig. ep. 29; antiparagraphe Fortunat. p. 105, 9; anti- 
phona Isid. or. 6, 19, 7. eccl. off. 1, 7. Cass. inst. 2, 2. Cassiod. 
hist. eccl. 10, 9; antistichon Pompeius p. 194, 34 K; antoecoet 
Frg. post. Censor. 2; antoecumene Gromat. p. 61, 22. Probus ad 
Verg. G. 1, 233 dreimal; antonomasivus Serv. Verg. A. 2, 171. 
615. 5, 704. 10,668; antonomastice Osann ep. II, p. 182; apan- 
gelticos Diomed. 426, 16; apithanos Fortun. p. 83, 27; zu apo- 
rior aporiatio Tertull adv. haer. 49 und exaporior 2 Cor. 4, 8 
Fris. Rufin. comm. Orig. in Rom. praef. ; apomnemoneuma Albinus 
p. 553, 1; aporyma Metrol. p. 103, 8.9; archisynagoga Commod. 
apol. 638. Not. Tir. p. 193 ; archisynagogicus Not. Tir. p. 9 ; ascitae 
Aug. haer. 62; nscogephyrun Anon. de rebus bellicis ; aateriace 



280 54. Grammatik. Nr. 5. 

Cels. 5, 14; zu astrum astralis Aug. civ. d. I, p. 201,5 D. Avien. 
phaen. 609 ; asyntheton Rufinianus 20. Isidor. 1, 36,20, -us Mart. 
Cap. 9, 949; aulon Rönsch Itala p. 250; authemerium inschrift 
im Bull. d. I. 1866, p. 66; axenos Frg. ine. trag. 182. 

Außerdem wären oft nebenformen oder ältere belege anzu- 
führen ; in bezug auf letztere bieten besonders die fragmente des 
Varro reichlichen stoff zu nachtragen. Karl Sittl. 



54. Hermann Kluge, die Consecutio temporum. Deren 
grundgesetz und erscheinungen im lateinischen. Cöthen, Schulze 
1883. 8. VIII, 124 p. 2 mk. 

Die hauptgesichtspunkte, welche Kluge bietet, sind folgende: 
er geht aus von allgemeinen erwägungen und sucht die wurzeln 
jener erscheinung nicht auf speciell römischem grund und boden 
sondern in allgemein psychologischen motiven. Die erörterung 
beginnt mit einer betrachtung der in frage kommenden faktoren : 
tempus, modus, art der hypotaxis. Im ganzen hält der verf. an 
der herkömmlichen Scheidung der tempusklassen fest und ist da- 
her genöthigt alle abweichenden beispiele durch besondere psy- 
chologische gründe erklären zu müssen , was eben naturgemäß 
eine sehr subjektive sache ist. Der verf. dieser zeilen, welcher 
gleichzeitig in seiner dissertation „quaestiones syntacticae de elo~ 
cutione Tacitea Sallustiana Velleiana Caesaris" eine theorie der 
consecutio zu begründen versuchte, führt diese unterschiede we- 
sentlich auf eine Verschiedenheit von relativer und absoluter zeit- 
gebung zurück und auf die verschiedene ausprägung dieser bei- 
den arten der temporalen beziehung einerseits in den einzelnen 
Satzgefügen, andererseits nach der Individualität des betreffenden 
Schriftstellers. Was die einzelheiten anlangt, so zweifele ich ob 
die herbeiziehung sprachwissenschaftlicher resultate und zurück- 
gehen auf die bildung der formen für die vorliegende frage för- 
derlich ist. Wenn es hierbei heißt, die conjunetive der praete- 
rita entbehren des temporalen Charakters und dabei auf die hy- 
pothetischen sätze verwiesen wird , möchte ich darauf aufmerk- 
sam machen, daß 1) aus rhetorischen gründen öfter besonders 
bei historikern anstatt des conjunet. imperf. oder plusq. sich die 
betreffenden indicative finden , was nicht denkbar wäre , wenn 
der temporale charakter keine bedeutung hätte. Ferner finden 
wir, um des verf. methode treu zu bleiben , im griechischen ge- 
rade den indicativ der historischen zeiten zum ausdruck der ir- 



Nr. 5. 54. Grammatik. 281 

realität herbeigezogen und selbst innerhalb des lateinischen finden 
wir, um die verschiedenen grade der irrealität zu bezeichnen, 
die temporale differenz beider conjunctive benutzt. Was soll 
man endlich sagen, wenn p. 16 der verf. bei besprechung der 
sogenannten ablehnenden frage sich, um die temporale bedeutung 
des conj. imp. zu leugnen, gerade auf den temporalen unterschied 
zwischen praesens und imperfectum stützt? 

P. 35. 36 wird die rein temporale beziehung zweier hand- 
lungen als die ursprünglichste hingestellt. Es läßt sich aller- 
dings nicht leugnen , daß alle abhängigkeitsverhältnisse zweier 
handlungen eine temporale seite haben und ebenso unzweifelhaft 
ist, daß manche temporale conjunctionen noch andere, causale, 
adversative , modale bedeutungen besitzen , aber diese sache nö- 
thigt uns nicht zur annähme einer entwickelung dieser arten 
der beziehung aus der temporalen , sondern zeigt uns nur , daß 
die verschiedenen arten der beziehung zweier handlungen nicht 
durch eine chinesische mauer von einander geschieden sind, wie 
ja z. b. häufig der temporale Zusammenhang zweier handlungen 
zugleich causal gefaßt werden kann. Schließlich scheint die er- 
wäguug , daß der gesichtspunkt der zeit der allgemeine Hinter- 
grund aller Unterordnungsverhältnisse sei, viel zu abstrakt, als 
daß man sie dem „primitiven menschen", von dem der Verfasser 
gelegentlich spricht (p. 26), als ausgangspunkt zutrauen kann. 

P. 44 endlich finden wir mehrere beispiele aus Cato d. r. r. 
durch welche dargethan werden soll , daß in dem vor der klas- 
sischen periode liegenden sprachzustande das finale und conse- 
cutive gebiet noch nicht scharf geschieden gewesen sei. Ich 
halte es zunächst für unzulässig den Cato im lateinischen eine 
ähnliche rolle spielen zu lassen wie z. b. im griechischen den 
Homer, denn einmal steht Cato der klassischen periode zeitlich 
viel näher als Homer der fertigen spräche und der unterschied 
zwischen archaischer und klassischer spräche besteht im lateini- 
schen mehr in dem bedeutungsunterschied der vocabeln, in dem 
weniger vorgeschrittenen zustande der formenentwickelung und 
im fehlen dessen, was die rhetorik mit sich brachte, als in einer 
zu geringen ausbildung der logischen seite der spräche, die bei 
der höhe des politischen lebens im damaligen Rom und bei der 
rolle, welche die Jurisprudenz spielte, geradezu undenkbar wäre. 
Die Ursache der Kluge'schen beobachtung ist daher nicht in ei- 



282 55. Grammatik. Nr. 5. 

nem unfertigen sprachzustande zu suchen, sondern in allgemeinen 
umständen und in der natur der beispiele. Wenn es nämlich 
schon in der gewöhnlichen darstellung nicht selten fälle giebt, 
wo man sich fragt : wiegt die finale oder die consekutive bedeu- 
tung vor?, so ist dies völlig unvermeidlich in einem buche, wel- 
ches fast nur aus anordnungen besteht, wo es in der natur der 
sache gelegen ist, daß zwei auffassungen gedacht werden können, 
die finale, wenn die absieht des vorschreibenden mehr ins äuge 
gefaßt wird, die consecutive, wenn der erfolg der Vorschrift mehr 
in den Vordergrund gerückt werden soll. Eine solche doppelte 
auftassung wird bei Cato noch dadurch unterstützt, weil er selbst 
unzweifelhaft consecutive nebensätze nicht vorher durch adeo 
u. dgl. signalisiert, vgl. 151 : „si quando non pluet, uti terra sitiat." 
Vgl. ähnliche stellen bei Tacitus Agr. 12 „nox clara et extrema 
Britanniae parte brevis, ut finem atque initium lucis exiguo discrimine 
internoscas" (Agr. 21. h. II, 65. 34. V, 11. ann. III, 55. VI, 
32). Auch aus cap. 15, 6 „ita aedifices, ne villa fundum quaerat, 
neve fundus villam" möchte ich nicht den Schluß auf mangelhafte 
Scheidung des consecutiven und finalen Verhältnisses ziehen, denn 
der satz mit ne kann darin seinen grund haben , daß der autor 
recht eindringlich sein wollte, vgl. z. b. wenn wir deutsch sagen: 
„baue derart, daß ja nicht." Diese auffassung dürfte auch durch 
die große rolle empfohlen werden, die in der betreffenden schrift 
das prohibitive ne spielt. Schließlich würde es wohl auch kei- 
nen anstand haben auf grund von I, 1 : „sie in animo habeto, 
uti ne cupide emas, neve parcas" (cf. XXI, 4, XXXIII, XL VI) 
vor dem ne noch ein ut einzuschieben. Georg Ihm. 

55. Tabellarisches verzeichniß der hauptsächlichsten latei- 
nischen Wörter von schwankender Schreibweise nach den neusten 
ergebnissen zusammengestellt. Gotha, Fr. A. Perthes 1882. 8. 

Mit den bestrebungen eine einheitliche rationelle deutsche 
Orthographie in die schulen einzuführen hat die vor jähren be- 
gonnene reform der lateinischen Orthographie in unsern höheren 
schulen nicht gleichen schritt gehalten. Dort ist das ziel jetzt, 
mögen sich auch einige sonderbundsstaaten noch einige jähre 
sträuben, fast vollständig erreicht, hier aber ist noch alles beim 
alten geblieben , und die barbarische art die lateinischen worte 
durch eine scharf accentuirende ausspräche zu mißhandeln hat 



Nr. 5. 55. Grammatik. 283 

ihr seitenstück in dem gebrauch unbeglaubigter lateinischer wort- 
formen des späteren mittelalters. Selbst in schulgrammatiken 
und Übungsbüchern geht es vielfach noch nach dem alten Schlen- 
drian weiter. Die orthographischen hülfsbücher von Brambach, 
Wagener u. a. , welche den zweck hatten die resultate wissen- 
schaftlicher feststellungen auf diesem gebiete in den schulgebrauch 
einzuführen , haben nicht in der gehofften weise gewirkt , was 
wohl zum theil seinen grund darin gehabt hat, daß ihre anläge 
für den schulgebrauch nicht zweckmäßig ist. Denn in schulen, 
wo man sich noch um die besserung der rechtschreibung be- 
müht, hat man mehrfach es vorgezogen, sich eigne tabellen auf- 
zustellen , um danach zu verfahren. Natürlich haben das nicht 
mehrere schulen zusammen gethan, sondern jede für sich — um 
der lieben freiheit willen ! Diese orthographischen zettel haben 
dann auch ein ganz verschiedenes aussehen, je nachdem die fort- 
schrittlichen ansichten in einem collegium vorwiegen oder zurück- 
treten. Wir glauben nun , daß ein alphabetisches verzeichniß, 
wie das oben verzeichnete, sehr wohl geeignet ist, alle jene mehr 
oder minder localen oder provincialen experimente zu beseitigen 
und bei allgemeiner einführung eine einheitlichere praxis zu för- 
dern. Es ist nach seinem inhalt ausreichend für alle in der 
Schulpraxis vorkommenden Wörter zweifelhafter Schreibweise, ohne 
den äußeren umfang zu überschreiten , den der zweck des ein- 
legens oder einheftens in grammatik resp. Übungsbuch bedingt. 
Eine besondere druckschrift des bezüglichen worttheiles läßt die 
zu wählende form sofort ins äuge fallen und gewährt so eine 
schnelle belehrung. Zwar enthält auch dieser index hie und da 
Verweisungen auf die richtigere alphabetische reihenfolge , doch 
ersieht man sogleich an der stelle, wo die Verweisung steht, aus 
dem druck die entscheidung, welche an der andern stelle ge- 
troffen ist. Es läßt sich — und wir halten das für zweckmäßig 
— bei der anführung zweier gleichberechtigten scripturen beim 
gebrauch an derselben schule in der weise noch eine für die 
lehrer bequeme methode in der handhabung dieser Orthographie 
erzielen , wenn man durch unterstreichen noch eine für die be- 
treffende anstalt festgesetzte norm eine noch engere wähl trifft, 
wie sich das z. b. bei der assimilation in den verbis compositis em- 
pfiehlt. — Ein wesentlicher vorzug des Verzeichnisses ist der, 
daß es als das neuste das annähernd zuverlässigste material bie- 



284 55. Grammatik. Nr. 5. 

tet; seit der publication jener oben erwähnten hülfsbücher hat 
die forschung und beobachtung manche früher empfohlene Schreib- 
art wieder beseitigt und umgekehrt früher angezweifelte Schrei- 
bungen wieder aufgenommen. Die berücksichtigung dieser um- 
stände ist der neuen ausgäbe zu gute gekommen. 

Indem wir auf einige besondere punkte des index eingehen, 
bemerken wir zunächst, daß der verf. nach der formenlehre hin 
sich weiter ausgelegt hat , als man grade in einer Orthographie 
vermuthet, indeß wohl nicht zum schaden des ganzen; ohnehin 
ist die grenze zwischen diesen beiden gebieten an manchen 
punkten schwer zu fixieren. So sind formen wie (sumo) sumpsi, 
sumptum, (adimo) ademptum , (abeo) abii, (alo) altum und alitum; 
(coniunx aber) coniugis, contempsi , contemptum, dextera und dextra, 
reppuli, repperi u. s. w. mitaufgenommen, die wohl mancher lie- 
ber der grammatik zugewiesen sehen möchte. Ferner scheint 
die aufnähme von exlex kaum nöthig : das wort wird vom schüler 
entweder im vocabular gelernt oder dem wörterbuche entnommen. 
— Bei einigen Wörtern hätte es der anführung einer nahezu 
ausgerotteten form (auch als nebenform in klammern) nicht mehr 
bedurft; so bei pellegere und perMeere. — Erklärlicher weise hat 
der compromiß, der zwischen rationeller und gut beglaubigter 
weise zuweilen geschlossen werden mußte , die volle consequenz 
allgemeiner grundsätze gehindert ; wie sich auch ein gleiches bei 
Brambach, L. Müller und Wagener zeigt. So lesen wir genitor, 
genetrix; antemna, antenna aber sollemnis. Für die reihe inprimis 
imprimis in primis möchte mit rücksicht auf die voraufgehende 
anweisung „in compp. vor p = imp. seltener inp" sich als ein- 
facher für den schüler ergeben : „imprimis aber getrennt in pri- 
mis." — Gefreut haben wir uns, daß Boethius trotz der neuesten 
ausgäbe wieder zu seinem rechte gekommen ist. Es soll zum 
schluß nicht unerwähnt bleiben, daß dem index allgemeine, leicht 
faßliche regeln über anfangsbuchstaben (der Verfasser hat den 
romanischen gebrauch adoptiert) und Silbentrennung voraufge- 
schickt sind. — Für eine spätere recension wollen wir noch fol- 
gendes zu bedenken geben : erstens eine anzahl entlegener Wörter 
fortzulassen, wie z. b. holitorius u. ä. , sodann den titel „tabel- 
larisches" verzeichniß in „alphabetisches" zu ändern. Im inter- 
esse der orthographischen reform kann man nur wünschen, daß 
das musterhaft ausgestattete heft, welches der herausgeber einen 



Nr. 5. 56. Epigraphik. 28^ 

„anhang zu jeder grammatik" nennt, wirklich jeder grammatik 
beigelegt werde. L. 



56. Fastorum civitatis Tauromenitanae reliquiae descriptae 
et editae ab Eugenio Bor mann. Praemissae iudici lect. acad. 
Marburg. 1881, N. G. Elwert. 32 p. 4. 

Zu den schon lange bekannten inschriften mit rechnungs- 
urkunden und beamtennamen , welche der boden von Taormina 
geliefert hat, sind in den letzten Jahrzehnten neue funde gleicher 
art gekommen, unter welchen die größte bedeutung dem langen, 
zu etwa zwei drittheilen wohl erhaltenen strategenverzeichniß 
einer marmorstele zukommt. Dieses, 1881 zuerst in Paris von Martin 
und Lafaye gemeinschaftlich veröffentlicht, liegt jetzt, dank den 
von Rieh. Schoene und Johannes Schmidt unterstützten bemü- 
hungen Bormanns in einer wesentlich verbesserten, vollkommen 
zuverlässigen ausgäbe vor uns ; um es aber für wissenschaftliche 
zwecke wahrhaft nutzbar zu machen , mußte erst die Ordnung 
und bedeutung der einzelnen reihen und gruppen ermittelt wer- 
den, eine schwierige , aber vom verf. glücklich gelöste aufgäbe. 
Die für den beschauer linke seite der stele beginnt mit A. moa- 
zayo} 8 tu Tiivtb Itiav und verzeichnet dann 98 eponymen (nach 
des verf. wahrscheinlicher annähme priester) mit je zwei Strate- 
gen ; die schrift ist überall die gleiche , diese seite mithin auf 
einmal niedergeschrieben. Dagegen von den 14 namengruppen 
der rechten seite zeigt jede eine andere schrift, wurde also schon 
zur zeit der treffenden beamten eingetragen; der anscheinend 
dritte Stratege, welcher in den meisten auftritt, erweist sich an 
dem verschlungenen yg , weiches auf den am anfang lesbaren 
zeilen ihm vorausgeht, als grammateus ; die abgekürzten abthei- 
lungsnamen, welche vielen beigegeben sind, möchten wir mit mehr 
entschiedenheit als der verf. auf demen, jedenfalls nicht auf phylen 
beziehen, da ihrer mindestens 21 gewesen sind. Denselben Cha- 
rakter wie die gruppen dieser rechten seite zeigen die wenigen 
ganz oben und ganz unten erhaltenen der mittleren-, dagegen 
treten an deren linken rande in sehr kleiner schrift drei in der 
weise der linken seite behandelte gruppen auf. Als erste und 
älteste dieser reihen erweist sich die der 98 gruppen; ihre unmit- 
telbare fortsetzung bilden, wie der verf. zeigt, die drei in klein- 
ster schrift verzeichneten. Einer erheblich späteren und zugleich 



286 56, Epigraphik. Nr. 5. 

andersartigen Ordnung gehören die 14 der rechten seite an: dies 
ergibt sich dem verf. aus den thatsachen , daß viele namen der 
linken seite, begleitet von gleichen Vatersnamen, auf der rechten 
ohne das iterationszeichen ß' oder / wiederkehren und daß über- 
haupt kein Stratege dieser seite durch eine beigäbe dieser art 
ausgezeichnet wird. Von selbst ergibt sich hieraus, daß die we- 
nigen erhaltenen namen der mittleren seite , welche in großen 
buchstaben geschrieben sind, der letzten zeit angehören. 

Trotz der Überschrift argarayol öt-t ngvze ittmv sind , wie 
der verf. in unwiderleglicher weise darthut, der jähre , welche 
dies verzeichniß umfaßt, nicht 4 — 5mal, sondern genau ebenso 
viele als es eponymen mit strategenpaaren enthält ; die Strategen 
bildeten also ein größeres, aus 8 oder 10 mitgliedern bestehen- 
des collegium, aus welchem alljährlich zwei austraten, um durch 
ebenso viel neu eintretende ersetzt zu werden. Der verf. nimmt 
8ia nivrs irmv = quinto quoque anno und zwar = alle 4 jähre; 
wir glauben jedoch, daß eine distributive auffassung unter diesen 
umständen nicht mehr statthaft, sondern per quinque annos zu er- 
klären ist, so daß diä denselben sinn hat, wie in aoxovTsg diu 
ßiov. Wie dem auch sei , die zwei ältesten beamtenreihen re- 
gierten (98 — |— 3 =) 101 jähre-, dann folgt eine lücke, welche 
der verf. , indem er die mit älteren beamten vollständig gleich- 
namigen der rechten seite als enkel jener erweist, mittelst ebenso 
feiner wie einleuchtender berechnungen auf etwa 30 jähre ver- 
anschlagt; hierauf die 14 jähre der rechten seite; endlich die 
der großgeschriebenen gruppen auf der mittleren seite, nach der 
Schätzung des verf. über 40; im ganzen also etwa 185 und 
darüber. Zu statten kam ihm dabei, daß er durch Benndorf, 
dann Kaibel und Schmidt in den stand gesetzt wurde, von den 
zwei schon bekannten gymnasiarcheninschriften, auf welchen ein 
theil der eponymen wiederkehrt, einen verbesserten und ver- 
mehrten text herzustellen und (unter weglassung der rechnungen) 
zu veröffentlichen ; sein verdienst ist, diese als zwei stücke einer 
einzigen stele erwiesen und ihre anordnung festgestellt zu haben. 

Schwer zu finden und auch durch die scharfsinnige behand- 
lung des verf. , wie uns scheint , noch nicht aufgehellt ist die 
epoche der in der Strategenliste vorliegenden aera. Den gym- 
nasiarchen des 86. jahres Agatharchos söhn Menons findet er 
in einer, wie er zeigt, zwischen 168 und 157 v. Chr. geschrie- 



Nr. 5. 56. Epigraphik. 287 

benen delphischen inschrift wieder, laut welcher der Tauromenier 
Agatharchos söhn Menons zum delphischen proxenos ernannt wird, 
sucht demgemäß, weil letzterer schon vorher ämter und würden 
in seiner heimath bekleidet haben muß, die epoche mehrere jähre 
vor 253/242 und stellt sie auf mitte sommers (in welche ihm 
das neujahr des kalenders von Tauromenion fällt) 263, weil in 
dieses jähr der bündnißv ertrag Hierons mit Rom fällt , in wel- 
chem unter andern von ihm schon vorher besessenen Städten 
auch Tauromenion als sein eigenthum anerkannt wurde (Diodor 
XXIII, 4). Wir würden, weil derselbe im herbst 263 vor- 
läufig vereinbart, endgiltig aber erst im winter 263/2 oder noch 
später abgeschlossen worden ist, das jähr 262/1 wählen, wenn 
wir uns der ansieht des verf. überhaupt anschließen könnten. 
Die vermuthung indeß , die Römer hätten für unterthanenstädte 
eines königs , dessen herrenrecht (y.vQitven) über sie von ihnen 
anerkannt wurde, eine ihren interessen dienliche, d. i. aristokra- 
tische Verfassung ausbedungen, hat wenig für sich ; das bestehen 
z. b. eines collegiums von 10 fünfjährigen Strategen scheint uns 
nothwendig auf einen freistaat hinzuweisen. Wenigstens müßten 
der homonymien mehr nachgewiesen sein als jene einzige, welche 
sehr wohl zwei personen verschiedener zeit angehen kann : im 
42. und 54. jähr erscheint ein erster, im 51. ein zweiter fJhXi- 
azicov (piliöziwvog, im 72. und 84. ein dritter, im 94. jähr ein 
vierter als Stratege; ein (pgvvig 'AnoXlodwQov im 60., ein andrer 
im 80. jähr; ein EvxXsidag Nv/Acpodcögov amtiert im 94., ein 
zweiter im (ungefähr) 138. jähr, ist aber nicht der söhn jenes, 
der einem andern demos angehört. Die Strategen bildeten in 
Tauromenion schwerlich die eigentliche regierung; höchster be- 
amter war sicher nicht bloß in Katana Tyndaris Akragas, son- 
dern wohl in den meisten sicilischen Städten zur Römerzeit der 
proagore , welchen der verf. glücklich in dem bisher nQvzavig 
gedeuteten tzq der rechnungsurkunden von Tauromenion wieder- 
findet; das amt eines Strategen zu bekleiden war nicht jeder- 
manns sache , seit dem vierten Jahrhundert finden wir in den 
meisten fällen eine theilung der politischen thätigkeit durchge- 
führt ; je nach fähigkeit und neigung werfen sich die einen auf 
die militärische , die andern auf die rhetorische und juridische 
seite derselben. Allerdings trifft das (etwa) 132. jähr, in wel- 
chem eine neue Ordnung der Strategie anzuheben scheint, passend 



288 56. Epigraphik. Nr. 5. 

auf den abstand zwischen 263 \mä 134 v. Chr., dem consuljahr 
des Kupilius , welcher die von den sclaven besetzte Stadt ero- 
berte und durch ein gesetz neue einrichtungen ins leben rief; 
doch betraf dieses die jurisdictionsverhältnisse und zwar die des 
gesammten Sicilien , jene vorübergehende sclavenherrschaft aber 
hat doch kaum auf die Verfassung der bürgerschaft einen ein- 
fluß geübt. 

Es scheint daher am räthlichsten , die errichtung des stra- 
tegencollegiums an die erhebung Tauromenions zum freistaat an- 
zuknüpfen. Durch die ermordung des Hieronymos 214 war den 
Städten seines reichs das recht für sich selbst zu sorgen in die 
hand gegeben ; kurze zeit nach ihr sehen wir die nördlich von 
Leontini gelegenen außerhalb des bereiches syrakusischer macht 
(Liv. XXVII, 29, 1)-, Tauromenion, die nördlichste, zugleich 
eine enclave, hat sicher am ersten sich selbständig gemacht ; aus 
dem freiwilligen übertritt zu Marcellus 212 (App. Sicil. 5) er- 
klärt es sich , daß wir die Stadt später in der ehrenstellung ei- 
ner civitas foederata finden. Ist Phileas , dessen söhn Hermon 
im 12. und 29. jähre die Strategie bekleidete, mit Bormann für 
den mechaniker Phileas aus Tauromenion, den gehülfen des Ar- 
chimedes bei dem bau eines riesenschiffes für Hieron, zu halten, 
so paßt 203 und 186 v. Chr. besser zur blüthezeit des sohnes 
als 251 und 234. Der 168/157 zum delphischen proxenos er- 
nannte Agatharchos söhn Menons könnte ein jüngerer bruder des 
' Ayiag Msicorog, welcher im 22. 31. und 43. jähr (uns 193. 
184. 172 v.Chr.), auch wohl vater des ' Ayd&aQ%ag ' Ay<t&aQ%ov 
gewesen sein, welcher im 88. jähr (127 v. Chr.) die Strategie 
bekleidete. Von 214 bis zur austreibung der einwohner und 
gründung der römischen colonie Tauromenium 36 v. Chr. sind 
179 jähre, zwar etwas weniger als nach Bormanns Schätzung 
auf der stele verzeichnet waren ; aber die Überschrift A. aroa- 
zayni 8ia nsvts stscop läßt das ursprüngliche Vorhandensein einer 
zweiten: B. atQnanyoi iviavatoi (oder diu övotv , tgimv st.) auf 
der zerstörten mittleren seite erwarten, welche ohne zweifei sich 
auf die von Bormann für die Strategen der rechten seite nach- 
gewiesene neuorganisation bezog. Diese muß also einige zeit 
vor dem ersten jähr der rechten seite eingetreten sein und, weil 
der mittleren seite jetzt einige gruppen mit größter schrift mehr 
zuzuweisen, noch mehr aber mit kleinster abzusprechen sind, so 



Nr. 5. 57. Griechische lyriker. 289 

dürfen wir mit fug statt 185 oder mehr bloß 179 annehmen. 
Setzen wir die neuordnung in das 128/131. jähr der aera, so 
kommen wir in die zeit der herrschaft des Cinna 87 — 83 v. Chr., 
dessen Parteigänger Siciliens sich sogleich bemächtigten und unter 
Perperna nach dem siege Sullas die insel zu ihrem Stützpunkt 
gegen diesen zu machen suchten. In ihrem interesse lag es, 
durch abkürzung der Strategiedauer die anhänger Sullas aus dem 
regiment zu bringen und neue männer an ihre stelle zu setzen. 

U. 

57. Poetae lyrici Graeci. Eecensuit The od or u s B e r gk. 
Editionis quartae vol. III , poetas melicos continens. Lipsiae 
MDCCCLXXXII. II, 747 p. 8. 

Die editio quarta des großen werkes findet mit diesem bände 
ihren erfreulichen abschluß , durch das verdienst A. Schäfer's 
und E. Hiller's, welche laut der von A. Schäfer geschriebenen 
vorrede die herausgäbe besorgt haben. Bergk, der sich ja bis 
zuletzt einer wunderbaren geistigen frische und produktionskraft 
erfreute, hatte diesen band wie den zweiten im manuscript fertig 
hinterlassen ; die herausgeber hatten und erfüllten nur die auf- 
gäbe , das von Bergk gewollte getreu vorzulegen , ohne eigne 
zuthaten. 

Wie sehr der hochverdiente forscher nach wie vor für seine 
lyriker thätig gewesen ist, zeigt schon der umfang dieses ban- 
des , mit seinem wachsthum von mehr als 1 60 Seiten gegenüber 
der 3. ausgäbe. Dafür machen das wenigste die seither neu ge- 
fundenen fragmente aus : die kleinen ägyptischen , die ref. der 
Sappho und dem Pindar zuwies , Bergk aber namenlos läßt ; 
dann die aus Miller's Melanges und einiges wenige sonst. Die 
hauptsache ist das anwachsen der noten, woran ziemlich jede 
seite theilnimmt. Tbeils waren fremde ergebnisse zu verzeichnen, 
theils die eignen zu berichtigen und zu mehren. Es war ja 
Bergk's lobenswerthe art, gegen die eignen vermuthungen nicht 
minder mißtrauisch zu sein wie gegen die fremden, und immer- 
fort zu streben , an die stelle des guten besseres zu setzen. 

Greifen wir einen von den dichtem heraus, um das gesagte 
zu belegen. Alkaios frg. 5 (zum hymnus auf Hermes) ist be- 
trächtlich erweitert , indem Bergk nicht ohne große Wahrschein- 
lichkeit es auf Alkaios zurückführt, daß Hermes dem wegen der 
Philol. Anz. XIII. 20 



290 57. Griechische lyriker. Nr. 5. 

rinder drohenden Apollon auch noch den köcher von den schul- 
tern gestohlen habe (Horat. Od. I, 10-, schol. Hom. 256). — 
Fragm. 9, 2 a not Kogcovrjag int nia et» v neue vermuthung; 
das. 3 u(iq)i(ßalvEi) jetzt nach Welcker. — Fragm. 13 A hat 
diesen platz, unter den fragm. der hymnen, erst jetzt erhalten 
(vorher 83). Es wird nämlich aus dem ersten buche citirt (in 
dem citat der note ist in dieser aufl. ' AXxalog ngmro^ ausge- 
fallen). Diese Zuweisung wird richtig sein-, hat Alkaios hier 
den homerischen hymnus auf den pythischen Apollon v. 306 f. 
copirt? Freilich der alkäische hymnos auf Apollon war in al- 
käischen Strophen verfaßt ; hier dagegen erkennt Bergk jetzt sap- 
phisches metrum. — Fragm. 13 B (früher 13) jetzt mit Ahrens 
fvntdtllog. — Eine sehr gute conjektur ist 18,9 ayxoivai (taue) 
für ayxvgat; in der note ist Boeckh Seew. 132 statt 152 ge- 
druckt. — 19, 3 f. jetzt efißa v^{ara) d. i. vaiata , aus überlie- 
fertem ipßaivst, eine freilich äußerst unsichere conjektur. — Zu 
fragm. 26 ist aus dem etymologicon Flor. Miller's ein neuer vers 
hinzugekommen : olov (nidov) yäg yag nslzrai aicov. Mit welchem 
rechte freilich Bergk diesen vers hier ansetzt, ist dem ref. völ- 
lig unklar. — In fragm. 32 möchte Bergk jetzt archilochisches 
metrum herstellen (wie in Diffugere nives) , während er dem ref. 
vorwirft, daß er non curans numerorum proprietatem sapphisches 
darin gesucht habe. Auch dies ist uns unverständlich. — 37 A 
jetzt nöliog (Schneidewin) und di^öXm (Schmidt). Eef. hält übri- 
gens in diesem fragm. tbv xaxondtgiSa für unbedingt falsch ; es 
muß xaxonargidav heißen (vgl. £o<po8ognCdctg 37 B), = rov ix xa- 
kbö« natigmv. — 39, 4 f. jetzt: (&sgog) onnorct qilöyiov xatd 
yäv 7isnrd{xevov- navta xatavdvri {^avävco = avaivoa) ; 6 av&si xai 
axolvfiog. ■ — 41,2 ««' öti Olxilaig; den namen Otxig gewinnt 
er sehr schön aus Etym, M. Bvx%tg. Ist aber das dorische ver- 
bum Xcö auch äolisch gewesen? Dazu scheint noixilaig am Schlüsse 
des verses ziemlich sicher überliefert. Daselbst 5 jetzt diigu und dti- 
gav für itsga und izsgav. (V. 4 möchte wohl x s g vaig zu schreiben 
sein, [so auch Meister Dial. I, 42] nach den handschriftlichen spuren 
und nach dem münzvertrage zwischen Mytilene und Phokaia, welche 
inschrift äolisches xsgvav = xigvävai erweist). — 42 jetzt xax- 
££«?«>. — 46 vermißt ref. die erwähnung seiner conjectur (Rhein, 
mus. XXIX, 153) zpoiye ysveo&ai für sfioi yeyevt]0&ai. — 50 ist 
neu eingefügt (früher adesp. 68); das vom ref. im Rhein, mus. 



Nr. 5. 57. Griechische lyriker. 291 

XXXII, 458 festgestellte versmaß, welches unzweideutig für Al- 
kaios spricht, erkennt nun auch Bergk an. Er stellt aus diesen 
in den Volum. Herc. erhaltenen resten in sehr genialer weise 
eine Schilderung des physischen katzenj ammers her, welcher sich 
bisher in der griechischen poesie noch nicht verherrlicht fand. 
Die Überlieferung zwingt nicht gerade zur annähme dieses Sin- 
nes. — 54 AB ergänzt beziehungsweise neu aus dem Etymolog. 
Flor. — Frg. 55 v. 2 und 58 sind von Bergk an ihrem platze 
belassen ; ref. kann seinerseits ebensowenig seine Überzeugung 
ändern, daß jener vers der Sappho, dieser dem Alkman gehört. 
Für 55, 2 beruft sich Bergk (zu Sappho 29) auf Aristoteles 1 
bestimmtes zeugniß , und will dagegen das zeugniß des späten 
scholiasten nicht gelten lassen ; aber der späte scholiast schreibt 
doch wohl aus älteren scholien ab und Aristoteles sagt: 2ancpm 
ntnnitjusv slno.viog tov A\y.a.iov , wo das sinövtog (nicht 
noiqaavzog) ebenso mehrdeutig ist wie Kiyei Rhet. II, 2 dio Xiysi 
oQyt&ixfvog 6 ' AxiXKsvg. — Doch wir brechen ab; das vorste- 
hende kann als probe genügen. 

Zur controverse mit Bergk bieten dem ref. andre dichter 
noch mehr gelegenheit als Alkaios, und wenigstens ein gedieht 
eines andern dichters kann an dieser stelle zur besprechung kom- 
men, nämlich des Simonides lied an Skopas, welches Piaton uns 
erhalten. Ueber die anordnung der stücke, sowie darüber, daß 
das gedieht nur Strophen und keine epoden hatte, schloß ich 
mich in meinem aufsatze über dasselbe (Rhein, mus. XXVIII, 
326 ff.) an Bergk an. Doch behauptete ich nach v. 2 eine lücke 
im betrage von einer Strophe (str. 1, v. 3 — 7 und str. 2, v. 1 — 2), 
und dagegen das Vorhandensein von anfang und Schluß des 
ganzen, woraus dann folgte, daß das gedieht ein epinikion nicht 
sein konnte, sondern nur ein skolion. Jetzt nun gibt auch Bergk 
zu , daß es ein epinikion nicht sei , beläßt es indes unter den 
inlvixot, weil die alten grammatiker es ebenso eingeordnet haben 
könnten, so gut wie sie unter Pindar's epinikien fremdartiges 
gestellt. Hierüber nun lohnt es sich nicht mehr zu streiten, da 
die neue position Bergk's absolut unhaltbar ist. Auch die Voll- 
ständigkeit des gedicktes giebt Bergk jetzt insoweit zu, als er 
lediglich am anfange eine Strophe als fehlend annimmt. Der 
grund ist derselbe , der auch mich zur annähme der lücke mit 
bestimmte : nämlich in dem erhaltenen wird Skopas nirgends mit 

20* 



292 57. Griechische lyriker. Nr. 5. 

namen angeredet. Aher da doch Piaton von v. 1 ausdrücklich 
sagt (343 C) sv&vg ro ttqöjtov rov aopazog, so ist diese annähme 
Bergk's völlig ausgeschlossen. Entweder also ist Skopas in dem 
nach meiner annähme ausgefallenen stücke hinter v. 4 angere- 
det worden, oder überhaupt nicht. Nun wird man sich zu letz- 
terem ungern verstehen; ich fürchte aber, man wird es müssen, 
falls man Platon's hinweisungen durchgängig und voll gerecht 
werden will. Denn die Strophe oldi fioi ipusXEcag, nach meiner 
herstellung die dritte, stand nach Piaton nicht sehr weit vom 
anfange entfernt: 339 D oXiyov tov not^fxatog sig ro ngoo&ev 
ngoelücüt; 344 B Xiysi yäg (iwa rovto (die anfangsverse) öXiya 
dteX&oav. Mir entging das bedenken auch früher nicht; wenn 
ich inconsequenter weise ihm nicht folge gab , so geschah dies 
namentlich auch , weil bei Bergk der anschluß zwischen v. 2 
und 3 nicht genügen kann. Er hält seine fassung auch jetzt 
fest. Nun ist das stück, welches nach v. 2 zu folgen hat, von 
Piaton nur in freierer paraphrase gegeben : inei d/xoiye i^agxn 
bg av fit] xuxog rj (xr]8^ äyav andXa(ivog , tidcog ye ovijasi nöXiv 
8ixav , vyirjg dvtjg xre., wofür das metrum dies sein muß : uu — 

\j u — u u — u u — *_< u — u — u w — >_/ — ; also für 

den anfang bis f^ö' lediglich uu — w . Bergk nun streicht insl 

'i(i. Ǥ.., obwohl dies bei Piaton auch 346 D wiederkehrt (aXXd 
fioi i^agxri), und schreibt weiter og av ij naxog, mit ergänzung 
des (atj zu xaxog aus (iij8s. Ich dagegen meine, daß wir das 
naxog ganz wohl entbehren können, das „genügen" aber nicht; 
darnach schlage ich jetzt vor: äXig og niXiß /w?/t' dyav dnd~ 
Xapivog Eiöwg *' ovaalnoXiv dixav, vyiqg dvrjg (t* ovrjaln. Her- 
mann, t bvaain. Schneidewin). Stand so bei Simonides, so ist, 
glaub 1 ich , der anschluß tadellos und auch die platonische Um- 
schreibung vollkommen erklärt ; denn das xaxög ergab sich schon 
als gegensatz zu dem dya&og in v. 1 von selbst. Somit haben 
wir das gedieht wirklich vollständig, die anrede 2xona Kgeovzog 
OsaaaXw stand in der Überschrift, und Piaton hat sie daher. 
Was soll auch bei einem gedichte rein gnomischen inhalts die 
anrede einer bestimmten person? Ich glaube übrigens, daß diese 
gattung lieder, die sich unmöglich anders als skolien nennen 
läßt, unter Simonides' werken für die alten eine besonders vor- 
nehme stelle einnahm und mehr als irgend eine andre ihm den 
ruf eines großen weisen verschaffte. Ich ziehe ebendahin frg. 57: 



Nr. 5. 58. Pindaros. 293 

7ig hbv alvijoete rocp ntövvog Aivdov vaizav KleößovXov xzs., wo 
ebenso Kleobulos bekämpft wird , wie in dem besprochenen ge- 
dicbte Pittakos; v. 1 möchte vielleicht tCg dt x ahi'jasis zu schrei- 
ben sein. Hier wurde das thema der beschränktheit menschlichen 
könnens behandelt ; es paßt nun vortrefflich dazu, als Schluß ei- 
ner andern Strophe, das von Plutarch namenlos citirte fragment 
(Adesp. 143): %oon£Q (jopntQ mit Gaisford, als maskul. ?) pövov 
cqigvai vevaij (seil, ro etfAUQftti'ov), naQTsgä toviq) xi'xÄttxxi' dvdyxa, 
vergleiche Sim. 57 ende: — — 8s aal ßgozsoi naldfjiai &gav- 
ovn ' fiOiQov qmzög äds ßovXd. 

Doch genug davon. Die besprechung eines buches wie das 
Bergk'sche regt naturgemäß zu der bemühung an , gemäß dem 
gegebenen schönen und ruhmvollen vorbilde auch selbst etwas 
zu der herstellung dieser leider so zertrümmerten und doch so 
reizvollen reste beizusteuern 1 J. F. Blaß. 

58. H. van Herwerden, Pindarica. (Comm. ex suppl. 
anualium philologicorum seorsum expressa.) Lipsiae, B Gr. Teub- 
ner 1882. 32 p. 8 

Bemerkungen zu mehr als 150 stellen, darunter die hälfte 
eigene conjeeturen van Herwerden's , offenbar meistens bei der 
lectüre von Mezger's commentar entstanden. Wenn dieser vom 
verf. mit recht getadelt wird , weil er „multa bonarum litteraram 
splendore indigna" bietet , so verdient van Herwerden seinerseits 
auch bei dieser arbeit den Vorwurf, die leistungen anderer ge- 
lehrter vielfach außer acht gelassen zu haben. Vor allem die 
grundlegende recension Tycho Mommsen's scheint van Herwerden 
überhaupt nicht eingesehen zu haben: das zeigt sich zu Ol. 1,89. 
6, 97. 14, 4. P. 8, 12. ib. 21 (cf. adn. crit. zu Ol. 9, 16 sq.). 

1) Ueber das Pariser Alknianfragrnent hatte ich nicht sprechen 
•wollen ; doch kam ich noch nachträglich durch zufall auf eine stelle 
des Etymologicum Magnum, deren beziehung auf Alkman und zwar 
auf dieses fragment bisher noch allen, auch Bergk , entgangen ist. 
Diese stelle lautet bisher sinnlos so: 'Agaiiaanidrjq • xaicc ßvyxon>)v, 
'AgaiTceatoiidrjs , w? ctotidtjs Gisidrjg, GvyxoTitj tov o. Dies geht ganz of- 
fenbar auf Col. Ol, v. 3 : cUA' o«5cf 'Egcita cutdr/g ; Agcnra ist entweder 
aus 'Egdia oder eher aus Agsra verdorben. Die buchstabenfolge der 
glosse zeigt , daß der Verfasser des Etymologicum bereits 'Agatra — 
las; zugleich aber zeigt die erklärung, daß er das ganze unsinniger 
weise als ein "wort betrachtete; alt demnach ist die glosse in dieser 
fassung nicht. Auf dem papyrus waren mir die buchstaben EP zwei- 
felhaft; nur erneute besichtigung kann entscheiden, ob nicht etwa 
doch \4gh(t dasteht. 



294 58. Pindaros. Nr. 5. 

N. 3, 19. 8, 21. 9, 23; auch hat augenscheinlich Mommsen Ol. 
3, 42 aidoiiotazog gemeint (adn. er. p. 46) , und das neutrum 
im text ist ein druckfehler. Genauere Zusammenstellungen und 
erörterungen über das digamma standen bei J. H. H. Schmidt, 
kunstformen der griechischen poesie IV (1872) 179 ff.; über Ver- 
kürzung langer vokale innerhalb eines Wortes ebenda p. 120 f.; 
über positio debilis , den optativus mit av und die Verkürzung 
des bindevokales im conj. aor. vergleiche die (freilich erst kurz 
vor der arbeit van Herwerdens verfaßte) dissertation von Breyer, 
Analecta Pindarica, Breslau 1880; über die Verkürzungen näv 
und vvv siehe Boeckh not. crit. zu Ol. 2, 93 und P. 3, 66 (wo- 
mit auch die änderung bei van Herwerden zu Ol. 9, 40 sich 
erledigt) ; über die Wortstellung in der Tmesis und über iv in 
äolischen liedern (also nicht P. 4, 127 und J. 1,1) Boßler, De 
praepositionum usu apud Pindarum (1862), p. 71 und 19; an 
vielen stellen wäre ein hinweis auf Boeckh's erklärung am platze 
gewesen. 

Manches hätte van Herwerden besser unterdrückt, weil er 
selber es kaum für richtig hält, z. b. die vermuthungen zu Ol. 
1, 57. P. 3, 101. 8, 29. 74. 78. 9, 23. 29 ; auch den erfolg- 
losen kämpf gegen eamjtai , sanofAsvoi u. s. w. zu Ol. 8, 11. 
Ein rest von etwa 50 stellen soll in folgendem kurz besprochen 
werden. 

Ol. 1, 50 (Mommsen) will van Herwerden däofiara nach 
einer Hesychischen glo&se. Diese periphrastische wendung ist 
ebenso unpindarisch, als [telrj neben xgemv überflüssig. Die bis- 
herigen erklärungen genügen allerdings nicht. Verbinde ai&sv 
mit paXi} (also das komma zu tilgen), auqil mit rgani^atai, xgsmv 
mit devzata (das letzte und feinste fleischgericht) ; xdza in tmesi. 
— ibid. 60 zhagzoe, notov u&avaitov . . . scheint dem erfinder 
selber nicht zu gefallen, notov ist überflüssig und hart neben 
vinzag cmßgoaCav ze sowie avfinozaig. Auch haben sie nicht 
selbviert zovzov ßiov, wohl aber aovov (dasselbe wort von den 
unterweltsqualen Ol. 2, 67). 

Ol. 2, 43 van Herwerden vicov iv di&Xotg. Eichtig ist, daß 
der überlieferte text nicht iuvenum certamina bedeuten kann; es 
sind die novi ludi, cf. N. 9, 11. — ibid. 56 van Herwerden: 
g^ de viv %ymt> tig o'iasi zo fiillov, ozt . . . Dies wird schwer- 
lich jemand verstehen „mortis formidine non agitabitur, quandoqui- 



Nr. 5. 58. Pindaros. 295 

dem . . ." Außer dem mit agsrai (sc. victoris) geschmückten 
nlovzog — viv ist noch ein sidtiai ro fitXXov , eine omqiQoovvq 
erforderlich. — ibid. 62 van Herwerden : xtirav tzuqu öiairav 
mit Madvig, = in illa vita. Verf. anerkennt, daß dies „langui- 
dum" ist. Richtig bemerkt er, daß weder xeivög tenuis noch nagu 
propter sei (auch ist ötaiza bei Pindar nicht lebensunterhalt). 
•/.tiiuv (sie) nagd diaiiav bedeutet „ein eitles leben lang"; vgl. 
P. 11, 63 und Boßler p. 58. ■ — ibid. 87 yugvsrt (imperat.) be- 
seitigt die Schwierigkeit der stelle nicht. — ibid. 9 6 f. avvuvro- 
fiero£ (dXXd ptägycov yug avdgmv tb XaXuyJjaui) &tXcot> xgvcpov 
tt&ipsv (letzteres schon G. Hermann) . . . Eine unzulässige pa- 
renthese. Setze bei Mommsen y.atakaXf t aai (niederschwätzen) für 
zu XaXayJjaai. 

Ol. 6, 12 ivdixov und Ol. 6, 15 ze daiadtviar. Beach- 
tenswerth. — ibid. 97 verlangt van Herwerden mit unrecht das 
praesens ÖgaCoi, vgl. P. 1, 40. 9, 90. 10, 21. Ol. 8, 29. 

Ol. 7,97 van Herwerden xXuvöv. Unrichtig für Pindar ist 
die angäbe, daß xotröv mit xXewov in den handschriften ver- 
wechselt werde. Die siegreiche familie ist eine familia „publica." 

Ol. 10, 7 oysXXcop verdirbt sinn und ausdruck: zwei par- 
ticipia und zwei bilder. 

Ol. 11,16 iyyvuofiai? Nein, vgl. Ol. 2,92; überdies liegt 
ein futurgedanke vor. 

P. 1, 45 verlangt van Herwerden umgekehrt dfxsvasa&ai. 
Doch s. Boeckh n. er. 

P. 3, 22 alcfyvtav heißt freilich nicht, wie man bisher über- 
setzt, spernens, sondern foedans; aber ein grund, da^üXXoav zu 
schreiben, liegt nicht vor. — ibid. 74 noatv statt nozz, ist will- 
kürlich und bis zur unschönheit überflüssig : benutzt das pferd 
nicht bei allen bewegungen seine beine? konnte es etwa im faust- 
kampf siegen? 

P. 4, 3 slctToiöaig, Iv oqiEtXofxsvov. Aber es steht ja doch 
oepga (= Iva) im text und xcand^ovri ist ja kein verb. fin. ! Ein 
arger misgriff. — ibid. 98 : allerdings Mezger mit seinem „mut- 
tersöhnchen" fordert entschiedensten Widerspruch heraus ; allein 
ebensosehr Härtung mit seinem axoztäg und van Herwerden mit 
seinem nozs päg (vgl. ihn selbst z. P. 5, 112). Ueber noltog 
siehe J. H. H. Schmidt, Synonymik der griechischen spräche no. 
91. — ibid. 126 fxoi (Bergk) urttyiot (Härtung) ohne zwingenden 



296 58. Pindaros. Nr. 5. 

grund und schwerfälliger. — ibid. 142 q*i> (statt ßovg) ein über- 
flüssiges wort, noch dazu in abgeschwächter bedeutung. — ibid. 
173 dfAtaa&ivttg oder (NB.!) dg(l)fAvua&£vt8g dXnüg ? Die bis- 
herigen erklärungen sind freilich unzulässig, alxd ist bei Pindar 
stets heldenkampf (im concretesten sinn), wonach auch Ol. 
1, 112 zu erklären und Ol. 9 fin. zu behandeln ist. So heißt 
aiösa&evrsg dlxdv „hochachtend heldenkampf." — ibid. 199 nach 
Koraes dpnloov. Ist neben dem s(xßalilv überflüssig, auch die 
ausdrucksweise weitläufig und das wort schwerlich zu dfinvodv 
verderbt. Allerdings von „verschnaufen" kann nicht die rede 
sein, trefflich aber vom tiefen, starken athemholen beim beginn 
der arbeit. Also wohl dp nvodv 8' qgmsg 'ianaaaav. — ibid. 
213 r' dyavcp für nag 1 avrcp sachlich unbegründet, avzog ähn- 
lich vs. 135. 169. 250 [wohl zu lesen xlsxpsv rs Mtjöeia alv 
(instr.) avrä rdv TlsXiao no&dv (nemlich das Vließ)]. — ■ ibid. 
275 rovroo y\ y' ist flickwort; der gen. auf 00 nicht zulässig, 
vgl. Herrn, dial. P. p. XL — ibid. 283 ogqiavi^ei ph (=liberam 
servatf) xaxäg yXäaaav (paevvdv bnög ist ebenso unmöglich wie 
die mit recht angegriffene hergebrachte erklärung. yXmaaa wie 
oxp (auch qiaevtd, cf. Schmidt, Synonymik I, 584 und 592) müs- 
sen auf einen dichter, chor, muse u. ä. (hier Damophilos) gehen. 
Wohl iyxvgaaig snarovrasrijg, ßtorä | bgqiavC^ei psv xaxä ylcüaaav 
qiasvvdv bnög — sein liederarmes leben in der Verbannung. 
vßgl^mv ist nicht insolens, sondern nefarius, wie vßgig bei Pindar 
überall frevel, gewaltthat (im concretesten sinn; die vßgig 
der esel P. 10, 36 ist ihr lautes geschrei in der svyctfxia) — 
gerader gegensatz zu dya&oig. 

P. 5, 16 f. $xoov avyysvsg \ dvatolaiv \ aidoiozarov . . . will- 
kürlich, ysgag ist bei Pindar der (concrete) siegespreis. Lies 
h'xsig t' iyysvij | oqs&alpbv aidoiötarov ysgag d. h. habesque genti- 
licium oculum (im sinne von Ol. 2, 10) clarissimum praemium (vic- 
toriae); und dazu kommt zweitens (vs. 19 ff.) das lied. — ibid. 
39 tbv [lovodgvov ivnöv beachtenswerth — ibid. 113 ntXz\iiXfii 
(nvodV) ögövov willkürlich, auch der hinweis auf revolution 
übermäßig deutlich. 

P. 6, 29 tgiycov coli. P. 5, 103 (vbov qsigßsiai) unrichtig, 
denn vojjfxa ist der einzelne gedanke. cpngsiv steht wie P. 
4, 102. 

P. 8, 8 f. dfieih^ov xagdlag nötav intXday sc. aliis, oder(!) 



Nr. 5. 58. Pindaros. 297 

äfisilt/og xagdiäig xü-iog i/zeXdß'Q (intr.) ; beides unzulässig. Vgl. 
ivie'rai Union II. 16, 449 ; von „aliis" ist nicht die rede, sondern 
von einem, der sein herz mit rachegedanken füllt, naliynotog 
(in ganz demselben gegensatz) N. 4, 96. — ibid. 77 aXloz" 1 aX- 
Xov vtzsq&s (sc. äXXovl?) ßdXXcop , äXXov #' vnb yeiomv (sc. ßäX- 
Xco) = modo hunc modo illum alii supeme iniciens aut (!) manibus 
eins subiciens. — ibid. 94 ziya oder (!) noT^tm für yvcoua will- 
kürlich. Die yvcöfAu ist vielmehr die Sinnesart des menschen. 

P. 9, 67 hätte van Herwerden das überflüssige aisi für rjdij 
nicht vorgeschlagen, wenn er den gebrauch von ifj8>] bei Pindar 
verfolgt hätte. — ibid. 113 o'iov evqwv (quo invento) . . . nao- 
de'voißi, nglv (iiaov a^ao (Bergk), eXsv \ coxvruzov yccfiov — un- 
zulässig nicht blos wegen der construction von tzqiv, sondern 1) 
weil er nicht t'Xer., sondern evger yäpov, 2) weil svoeh bei Pindar 
nicht = ersinnen ist (auch nicht Ol. 4, 4). 

P. 10, 38 doonoig (mit Bergk) oder nözoig. Daß sie essen, 
ist schon durch Sutcuzo angedeutet; an trinkgelage im gegensatz 
dazu zu denken, liegt kein grund vor. zoonoi sind vielmehr die 
(musikalischen) weisen, cf. Ol. 3, 4. 10, 77. 14, 17. 

Die verwickelte stelle P. 11, 41 ff. löst van Herwerden 
höchst prosaisch ; er schreibt : Moiaa, to de zior, ei fxia&olo avv- 
i&sv nugiysiv cpcovdv vndgyvgov ulXot" 1 <xXXq> } nciov.c>yt\i?.v r t net- 
to) nv&oii'xop to ys pvp tj &oaav8aiq>. — uiaOog ist überdies 
nicht das honorar des dichters, vgl. N. 7, 63 ; J. 1,47; P. 1, 77. 
Heimsoeth, Ehein. mus. V, 15. von Leutsch, ind. aest. Gott. 1862. 

N. 1, 46 %dvog (bei Hesych , = erzo/ia) für igovog. Der 
%o6vog , welcher so oft bei Pindar fast personificiert erscheint, 
ist in der that bei dem erstickungstode bestimmend ; könnte der 
erstickende mit dem aropia oder "^dvog den lebensodem anonvelv, 
so würde er eben gar nicht nöthig haben zu ersticken. 

N. 3, 33 Xelufins (für yiya&t) Flr^t-hg ava^ f nsgiaXXov (für 
vnigaXXov) . . . Bei Pindar wird Xd^7zco nur von sachlichem 
subjekt gesagt, desgl. la^nqög. Ueber sv siehe Boßler p. 21. Zu 
vnigaXXov vgl. die vielen pindarischen coraposita mit vnig und 
Boßler p. 32. 49. — ibid. 72 f. dvtjg, y?goov (für rgitov !) iv na- 
Xm*4$mai fie'gog txuaiog o'iov. Doch zgitov [j-sgog ist gesichert durch 
P. 4, 65 und 12, 11. txuGTog (norn. masc. sing.) ist neben ?i9»o» 
und 'ixnusv schwerfällig. iXdco = addere ist unmöglich ; viel- 
mehr ist es intransitiv , ugeidg acc. der richtung. Es sind mei- 



298 58. Pindaros. Nr. 5. 

nes erachtens vier lebensalter, nicht drei und eine allgemeine 
tugend gemeint. — ibid. 79 tbp-(9) aoidi/xov (= virum darum t). 
Recht hat van Herwerden darin, daß Hegau nicht = spuma ist; 
bei Pindar ist es „naß", wasser. (Atfxiy^evop und xtgvuftiia sind 
jedenfalls zwei handlungen; es handelt sich um den mischtrank 
von honig -J- milch -f- wasser (-j- wein -|- mehl). 

N. 4, 38 xaraßciiveiv ist nicht = descendere, sondern (ad 
finem) pervenire. — ibid. 67 rdv ovgavov. So anfänglich auch 
Härtung, der dagegen einwendet, daß aq,tL,6ntioi nicht dazu 
passe, doch cf. IL 10, 578. 

N. 6, 10 sxnorietv statt in ns8icav unzulässig, ßiov ixno- 
vhiv würde ganz anderes bedeuten, ägovga ist nicht = neSiov. 
Schmidt, Synonymik no. 96 f. 

N. 7, 15 svqi] iig . . . xXviaig doiSaig wohl richtig. 

N. 8, 5 imxvguv weither herbeigeholt, überdies bei Pindar 
nicht cum genitivo, auch nicht OL 6, 7. — - ibid. 21 oipov 8e fxofi- 
qp « r'. Fallen neider über den tadel her, ihn zu verzehren ? Sind 
Pindars kcyui das oxpov, so ist die that des siegers das Seinvw. 
— ibid. 27 naXu^&r], Doch wird ja nicbt Aias, sondern Odys- 
seus oder das volk durch dieses blut verunehrt. näXa&v? 

N. 9, 23 igvxoixevoi. Vielmehr ist vöatog bei Pindar stets 
= zug, nemlich festzug oder Seefahrt (P. 1, 35 nach Boßler zu 
ändern, aber hiernach zu erklären; P. 4, 196 qitliav röaroio 
fxoigav ist nicht amicam reditus fortunam, sondern amicam expe- 
ditionis societatem, vgl. auch Ol. 6, 79. P. 4, 127. N. 10, 53). 
igsi'dofiui heißt (schol. zu Aristoph. Pax 25) sich sputen. — 
ibid. 28 dvaßaXXifiep wohl richtig. — ibid. 37 drei vermuthungen 
für ßovXeveai , das trotz allem durch frg. 258 Boeckh gesichert 
ist. Vielmehr mag der anstoß durch die änderung rgtxpcu t- lirto 
gehoben werden. 

N. 10, 13 6 8' olßwv qiegrarog. Daß ytgzazog trotz Her- 
mann, Boeckh, Dissen, Härtung u. s. w. Zeus ist, beweist die 
genaue parallele J. 6, init. Dort ist ferner [(tztjXOsv 'HgaxXtioig 
yotaig parallel dem oXßcp Ixsro hier. — ibid. 50 ov ftuiifA st 
acpiair, der erwägung werth. — ibid. 70 axäxps für s7Ää|e, wel- 
ches durch P. 4, 23 geschützt ist. — N. 11, 5 Xoißaig dyana- 
^üuerni wohl richtig. 

J. 3, 54 Tnzmt für vctpmv. Was bedeutet dann rar sc. dXxüv? 



Nr. 5. 59. Aischylos. 299 

Ich verauthe xafitav, cf. P. 1,78.80. 8,48. Der blutige heldeu- 
kampf (oben zu P. 4, 173) des Aias ist ein makel für die Grie- 
chen , seitdem er in später nacht um sein schwert ermattet hin- 
sank. L Bornemann. 

59. Peter Dettweiler, über den freieren gebrauch 
der zusammengesetzten adjektiva bei Aeschylus. 2. theil. Progr. 
des großherz. gymn. in Gießen 1882/83. 40 p. 4. 

Unserer besprechung des ersten theils in XIII, 2, p. 99 — 
102 lassen wir die des zweiten theils folgen. Dieser behandelt 
diejenigen Zusammensetzungen , welche auf dem streben nach 
wortfülle beruhen. Wir können mit diesen gesichtspunkten, we- 
nigstens im hinblick auf die arten, welche darunter gebracht werden, 
nicht recht einverstanden sein. Wir lassen uns die drei ersten 
arten gefallen, welche wir kurz durch die drei beispiele o£r- 
uoXnu oificoyftara , nodämsi ntgißaXöüv faXy.tvyta.ti , XavxrjQt] Tor^a. 
andeuten wollen : im vierten abschnitt aber werden solche com- 
posita aufgezählt, welche „dem einfachen adjektiv gegenüber noch 
ein charakteristisches moment zur ausmalung des Substantivs, zu 
welchem das ganze als epitheton gehört enthalten" (^«Xxjjiaroi 
xeodaovsg), im fünften solche fälle, bei denen „der einfache ad- 
jectivbegriff in der Zusammensetzung einen zusatz erhält, welcher 
dazu dient, das zugehörige Substantiv zu beleben und zu besee- 
len." Wir glauben , daß die plastische veranschaulichung und 
sinnliche belebung der begriffe für den dichter ein weit höherer 
gesichtspunkt ist als die fülle des ausdrucks. Auch für die bei- 
spiele der drei ersten abschnitte lassen wir das bloße streben 
nach wortfülle nicht durchweg gelten. Es mag richtig sein bei 
vielen beispielen, die mit -t'jQrig, -yorog, -yw'U'i -cpqwv, -f'ö//?, -oxp, 
mxp, wnr^, -nnög zusammengesetzt sind, und doch unterscheidet 
sich niaarjorjg von niaaristg durch eine veranschaulichende en- 
dung. Aber uyornnuoi &i]Qeg lassen wir nur dem begriffe, nicht 
dem poetischen werthe nach gleich ayoioi dljoeg sein; nicht das 
streben nach wortfülle , sondern das bedürfnis dichterischer ver- 
anschaulichung hat dort uynornuoi geschaffen. 

Im einzelnen hat der verf . auch in dieser abhandlung manche 
verkehrte auffassung berichtigt und bisher unerklärte ausdrücke 
erläutert. Mit recht verwirft er für vvxzlnl.ayy.Tu HsXBV(*ara 
Cho. 732 die erkläruug „nachts umherschweifend" ; er erklärt 



300 60. Euripides. Nr. 5. 

es „nachts verschlagend, herumirrenlassend". Wir denken, hesser 
„nachts beunruhigend , die ruhe und stille der nacht störend" ; 
dies paßt auch am besten für vvxTi'nlayxra 8t(^ata ebd. 511, 
und vvxTinXayxTog si>vij Ag. 12 ist ein lager , bei dem durch 
stürm und regen die nachtruhe gestört ist ; an ein herumirren 
des Wächters wird nicht gedacht. Es ist lobenswerth , daß der 
verf. die erklärung von poroQQv&fAovg döfxovg Suppl. 928 ernst- 
lich in angriff genommen hat. Er deutet es „einsame Verhält- 
nisse bietend". Vielleicht „gemacher, in denen ihr für euch al- 
lein geordnet seid". Manche einwendungen möchten wir gegen 
die erklärungen des letzten abschnitts erheben. So wird zu 
Prom. 952 asuvöozofiog 6 fiv&ög sanv und Suppl. 915 l£ slev- 
degocTOfiov ylmaorjg bemerkt : „nicht bloß die zunge ist slsv&e- 
QÖaTO[xog, sondern auch die rede hat einen ehrwürdigen mund". 
Wir können (STÖfia nur von dem mund des sprechenden verste- 
hen. Weiterhin heißt es : „ähnlich wie in eXev&sQÖatof*og ylööaaa 
nur von einem theile das ausgesagt wird , was dem ganzen zu- 
kommt, haben die rippen der beiden feindlichen brüder dieselben 
anldypa: ofxoonXuypa 7i\evQc6[iaTu Sept. 807". Vielmehr „sie 
stammen aus denselben 07tXd%yva u , was auch nur wieder von 
der person übertragen ist. In betreff des vielbesprochenen o.n- 
7sgog (fang Ag. 263 meint der verf., die bedeutung „ein ge- 
rücht , das noch keine flügel hat , das noch nicht flügge , noch 
nicht reif ist", werde man jetzt doch als erwiesen annehmen 
müssen. Wir können uns mit dieser abstrusen und weither ge- 
holten, schwer verständlichen erklärung in keiner weise befreun- 
den. Die einfache, natürliche deutung gibt der gegensatz zu 
dem träume, von dem der chor vorher spricht: der träum- 
gott ist beflügelt; ante q o g qi d 1 1 ;g ist die künde, die 
nicht beflügelt, nicht geträumt ist. 

N. Wechlein. 



60. Georg Schmid, Euripidea. St. Petersburger Jour- 
nal des ministeriums der Volksaufklärung. Klassische abtheilung. 
1883. p. 433-458. 

Obwohl die abhandlung von Gr. Schmid in einer Zeitschrift 
erschienen ist, dürfte eine besondere anzeige hier am platze sein, 
da die Zeitschrift dem philologischen publikum ferner liegt , wie 
ein von S. d. i. von dem gleichen Verfasser in derselben 



Nr. 5. 60. Euripides. 301 

Zeitschrift im jähre 1880 veröffentlichter aufsatz dein ref. und 
vielleicht auch noch vielen anderen bisher unbekannt geblieben 
ist. Nachdem mir derselbe jetzt von befreundeter seite zuge- 
schickt worden, theile ich daraus mit, daß eine reihe von stellen 
der Alkestis, des Hippolytos, der Andromache, der Troades und 
des Rhesos behandelt und vorzugsweise gegen änderungsversuche 
von Nauck in schütz genommen wird, was an vielen stellen mit 
erfolg geschieht. Auch die ansprechende vermuthung zu Tro. 
627 xänsxoxpdfJT]'!' vsxqw sei erwähnt. Die vorliegende abhand- 
lung beschäftigt sich mit dem Ion, zu welchem stücke der verf. 
schon früher proben scharfsinniger kritik geboten. Wie er ehe- 
dem die interpolation und Überarbeitung des prologs zu erweisen 
versucht hat, so will er jetzt das gleiche von dem Schlüsse des 
Stücks, der deus ex machina-^artie .darthun. Wir geben zu, daß 
gerade diese partien leicht eine Überarbeitung erfahren konnten-, 
da aber die argumentation zwar manches beherzigenswerthe, aber 
nichts zweifelloses und zur Überzeugung zwingendes vorbringt, 
gehen wir über die heikle frage lieber stillschweigend hinweg 
und wenden uns den erfreulichen ergebnissen der abhandlung 
zu. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird v. 805 als interpolation 
bezeichnet. Ebenso annehmbar sind die vorschlage zu 1185 o 
q>rjoi , zu 1187 sldsv , zu 1293 y.ani\inQr^g, Die zu 27 propo- 
nierte änderung gXinsv cog &avovfievov (für &avovfi,irq>) ist fast 
zu einfach, um glaublich zu erscheinen. Sollte es vielleicht ur- 
sprünglich 7smcp TTQOddipaa'' tjl&sv mg &avovnivm geheißen haben? 
Es kann aber auch thnev einfach in dem sinne „ließ den schmuck 
zurück" genommen werden. Bei de^ änderung von 523 axpo- 
fiai aov Qvatä^mv ■ rupiu ö' eiQiaam cfila wird der zusatz ?«/<« 
8' . . q>ila zwecklos. Der gedanke von xov qvgiu^co , rayta. S 1 
svgiaxco qn'Xa ist doch klar und darf nicht zerstört werden. Man 
findet denselben gedanken „mein thun darf nicht als qv6iät,HV 
erscheinen, da ich nur mein eigenthum mir zueigne" Aesch. Suppl. 
918 ; der ausdruck allerdings würde bestimmter und richtiger, 
wenn es z«ju« <5' svqi'cxwv aym wie bei Aeschylus hieße. Sehr 
geschickt wird 737 jovg aovg nalaiovg ixyovovg avTÖ^&orag in 
tovg ytjg naXaiovg X7g\ verwandelt und damit der hauptanstoß 
des verses beseitigt. Aber doch fragt es sich, ob man den vers 
nicht als eine nachträgliche ergänzung zu betrachten habe. 
Ebenso möchte man der änderung von 755 nXV lj ti &ea(j>üioiai 



302 61. Thukydides. Nr. 5. 

dsanntäv voatl; beifall spenden, wenn nur das vertrauliche 8«- 
gjio7kv (tj 88<57tot<jöv „etwas von deiner herrschaft") hier ebenso 
am platze wäre wie 751. Man erwartet &naq(iToiai Xofy'ov voam. 
Die Verbesserung cpag/täxotg i&vrjn-AOfji;* scheint, so leicht sie ist, 
unnöthig zu sein. Das präsens knüpft unmittelbar an die ent- 
deckung des anschlages an : „da seht ihr, man will mich tödten" ; 
wenn das imperf. gesetzt wird, erwartet man eine längere erzäh- 
lung. N. WecMein. 



61. Georg Osberger, kritische bemerkungen zu Thu- 
kydides in : Festgruß dem rector des gymnasiums zu Nürnberg 
oberstudienrath dr. Heinr. Heerwagen . . . dargebracht von den 
lehrern der Studienanstalten Nürnberg und Fürth. Erlangen 
1882. 8. p. 59—90. 

In dieser abhandlung werden zuerst zwei stellen besprochen, 
wo verkehrte zahlen überliefert sind. Schon längst ist das miß- 
verhältniß beobachtet worden , welches zwischen den 3000 ho- 
pliten der Korinthier in 30 schiffen I, 27, 2 und den 2000 ho- 
pliten in den 75 schiffen der vereinigten flotte der Korinthier 
und ihrer bundesgenossen I, 29, 1 besteht , ohne daß man an 
den überlieferten zahlangaben ernstlichen anstoß genommen hätte. 
Osberger macht mit recht darauf aufmerksam, daß das rgia^iXint. 
der erstem stelle fehlerhaft sein muß. Er will statt dessen yl- 
Xioi lesen. Was dort gestanden hat, ist mit Sicherheit nicht 
zu ermitteln. Genau entsprechen würden den 2000 hopliten in 

75 schiffen 800 in 30 schiffen. Mit gleichem rechte spricht sich 
Osberger gegen die versuche aus III, 26, 1 ovo aal reaoagd- 
novra t>avg gegenüber der III, 16, 3. 25, 1. 69, 1 angegebenen 
zahl von 40 schiffen zu rechtfertigen, indem er zeigt, daß die- 
selbe zahl um 13 vermehrt auch der summe von 53 schiffen III, 

76 zu gründe liegt. Wenn er nun mit Krüger und van Her- 
werden ovo xa) tilgt, so bleibt es doch räthselhaft, wie dies in 
den text gekommen sei. Vielleicht ist die ganze zahl als zusatz 
eines erklärers zu betrachten, der zu den III, 16, 3. 25, 1 be- 
zeichneten 40 schiffen die beiden III, 5, 4 und III, 25, 1 erwähnten 
trieren hinzuzählte. Mit der behandlung der übrigen stellen 
können wir uns in keiner weise einverstanden erklären. III, 
114, 3 will Osberger die den ersten theil des zwischen den 
Amprakioten und Akarnanen geschlossenen Vertrages bezeich- 



Nr. 6. 61. Thukydides. 303 

nenden worte mazs fii'jze '4[ingaxioozag fisrd 'Axagvävcov azga- 
zevsiv inl TlsXonovvriatovg \ir\zs 'Axagvävag fiszn ' Afingaximzüv 
in ' ddqvai'ovg, ßotj&siv 8s zrj aXfojlmv umändern in atazs fi/jzs 
' Aftngaxtojzag [isza IlsXonovvtjaioop azgazsvsiv im ' Axagrävag 
xai 'Afjiyiloxnvg ^trjzs ' Axagiävag xal ' AßCpil6)[ovg fiszot. ' A&q- 
vaiav in' 'Afingaxtcözag , ßnij&stv 8s zy aXXrjlmv. Wenn man 
den fehlem der Überlieferung , die man oft nur deshalb findet, 
weil man anstatt sich in den gedanken des Schriftstellers hinein- 
zudenken ihm die eigenen vorgefaßten anschauungen aufzwängen 
will , gleich mit derartigen schrankenlosen auf die handschrift- 
liche tradition keine rücksicht nehmenden Umänderungen abzu- 
helfen sich gestattet, so läßt sich freilich alles ohne alle Schwie- 
rigkeit corrigieren , aber wir werden dann schließlich zu einem 
texte des Thukydides gelangen , in welchem die überlieferte 
form kaum mehr wiederzuerkennen ist. Derartiges kann auch 
durch den hinweis auf die abweichungen der inschriftlichen und 
handschriftlichen Überlieferung von V, 47, 1 — 8 nicht gerecht- 
fertigt werden. Die stelle bedarf nicht der emendation, sondern 
des richtigen Verständnisses. Die Akarnanen und Amprakioten 
sagen sich gegenseitigen schütz ihres gebietes gegen die Pelo- 
ponnesier und Athener in der weise zu, daß eine gemeinsame 
aggressive action ausdrücklich ausgeschlossen wird, sie verpflich- 
ten sich gegenüber den beiden kriegführenden parteien zu einer 
gegenseitigen defensive ohne gemeinsame offensive. Es steht 
daher ßoij&sTv im gegensatz zu ntgazsvsiv , wie auch seine Stel- 
lung andeutet, und in voller ausführung würde die in ßoq&siv 
8s z}] dXlrjlcov enthaltene bestimmung lauten: ßotjdsfp 8s zovg 
' Afingaximzag zr\ ' Axagvävav in) IlsXonovvqaiovg xal zovg 'Axag- 
parag zrj ' Afingaximzmv in'' ' A&tjraiovg. Daß die Amphilocher 
nicht neben den Akarnanen in dieser Vertragsbestimmung er- 
scheinen liegt wohl daran , daß sie in abhängigkeit von diesen 
standen (vgl II, 68, 7), wie sie denn auch nicht II, 9, 4 neben 
den Akarnanen als bundesgenossen der Athener aufgeführt wer- 
den. III, 115, 3 z7]g ftsv ydg ytjg avzöüv ol 2vgaxöaioi ixgd- 
zovv berechtigt das avzmv an und für sich zu keinem anstoß 
und deshalb liefert auch der vergleich mit III, 86, 3 kei- 
nen zwingenden beweis dafür, daß statt desselben szi zu lesen 
sei. I, 91, 1 z(jüt> 8s o.\X<av dquxtovfisrcav xal aacpäg xarr/yo- 



304 61. Thukydides. Nr. 5. 

Qovvtav ort. zsi^szat würde, wenn auch Classens erklärung un- 
haltbar wäre, doch die vorgeschlagene emendation zwv 8s %V[t- 
ftaftw statt zcöv 8s alloov gar keine Wahrscheinlichkeit haben. 
Zu tadeln ist allerdings an Classens erklärung, daß ihm oi 
aquxvovfitvoi diejenigen sind, welche von Athen kamen; man 
muß die übrigen ankömmlinge überhaupt verstehen ; denn hören 
konnte man ja auch außerhalb Athens von dem mauerbau und 
Athener werden darüber in Sparta nicht berichtet haben. VI, 
43 xai innuycoyw ftiä zgiaxovza dyovay Innsag wird mit unrecht 
mnsag bezweifelt und dafür Innozo^özag vorgeschlagen. Wenn 
es in der rede des Syrakusaners Athenagoras VI, 37, 1 von 
den Athenern heißt oig y- miazapai ov&' Innovg axolov&t'jaov- 
zag, so beweist das nichts gegen Innsag, da wir hier möglicher- 
weise eine rhetorische Übertreibung vor uns haben ; dann aber 
kann auch hier sowohl wie VI, 64, 1 cicpiai ö' ov nagovrcov In- 
nsmv die Verneinung von dem verstanden werden , was nur in 
unbedeutendem , nicht in anschlag kommendem maße vorhanden 
ist. Gerade so steht II, 25, 1 dv&Qoonoov ovh svovzüjv und I, 
141, 3 ovzs l8ia ovzs iv xoivco XQyftazä iaztv avzolg , obwohl 
§ 4 folgt dno zwv avzäv Sanavcovzsg. Zudem ist die zahl von 
30 reitern so gering, daß sie kaum im gefechte verwendet wor- 
den sein können ; wie sich denn auch in der weitern erzählung 
des Thukydides davon keine spur findet; man wird sie vielmehr 
zu andern dienstleistungen (als Ordonnanzen u. dergl.) gebraucht 
haben. Wenn endlich die 30 reiter VI, 98, 1 bei der summe 
von 650 reitern nicht mitgerechnet sind , so ist zu beachten, 
daß dort nur die damals zusammengebrachten reiter (%vvsXsytj- 
aav heißt es) berücksichtigt werden, die dann auch wirklich zum 
kämpfe verwendet worden sind. Die von Osberger als gefälsch- 
ter zusatz betrachtete parenthetische bemerkung xcoglg 8s avzolg 
ol iv rioziSaia, zoia^iXiot qoav II, 31, 2 steht zwar nicht in di- 
rectem zusammenhange mit dem zu erläuternden hauptsatze ozga- 
zoneSöv zs ßtyiazov 8rj zovzo ä&ooov ' A&i]vumov iyivszo, hat aber 
eine gewisse beziehung zu der diesem beigegebenen begründung 
äxfiia^ovotjg izi zqg nölswg xal o'vnco vevocqxviag , indem erst 
durch die hinzufügung dieser notiz , die als nebensächlich eben 
in parenthese steht, der volle unifang der dx/xt] bezeichnet wird. 
Wenn Osberger die erwähnung vermißt, daß Phormion mit sei- 
nen 1600 hopliten (vgl. I, 64, 2. 65, 3. II, 29, 6) aus der 



Nr. 5. 61. Thukydides. 305 

Chalkidike zurückgewesen sei, so hängt diese auslassung mit dem un- 
vollendeten zustand des geschichtswerkes des Thukydides zusammen. 
II, 70, 3 i^sX&slv avzovg xal naiSag xal yvvalxag xal zovg inixovQOvg 
l;vv ivi Ifxaziqp, yvvalxag 8s %vv 8voiv an der in bequemer und lässiger 
form angefügten ausnähme yvvalxag 8s %vv Svoiv anstoß zu neh- 
men ist pedantisch ; die worte zu tilgen geht schon deshalb nicht 
an, weil dadurch die sachliche Übereinstimmung mit Diod. XII, 
46, 6 aufgehoben wird. Wenn Osberger bei yvvalxag den ar- 
tikel vermißt, weil das wort hier allein und nicht in der Ver- 
bindung naiSsg xal yvvalxsg stehe, und die dem widersprechende 
stelle III, 68, 3 yvvalxag 8s Tjv8oan68iGav nicht gelten lassen 
will, weil Müller-Strübing dieselbe mit recht als interpoliert be- 
zeichnet habe, so sieht man keinen grund, warum yvvalxsg nicht 
ebenso gut allein als in der Verbindung naiSsg aal yvvalxsg des 
artikels entbehren könne, und die stelle III, 68, 3 ist von Mül- 
ler-Strübing ohne allen grund deshalb verdächtigt worden, weil 
die hier erwähnten weiber Sklavinnen gewesen seien und des- 
halb nicht mehr zu solchen hätten gemacht werden können, 
denn auch sklaven kann man zu kriegsgefangenen machen, wie 
denn auch Thukydides selbst VIII, 28, 4 av8Qano8a 8ovla und 
ilevdsQa unterscheidet. Auch III, 26, 1 ig zi\v ' Azzixi]v ... iai- 
ßuXov , onooq ol ' A&r\valoi ufiqozsQco&ev &ogvßov[isvoi tjaaov zalg 
vavalv ig trjv MvziXtjvTjv xaranXsovaaig imßotj&TJGcoaiv gibt bei 
richtiger auffassung zu keinem zweifei anlaß. Die Athener sol- 
len durch den einfall in Attika abgehalten werden mit einer 
größern flotte nach Mytilene zu segeln und ihrem dortigen heere 
beistand zu leisten ; uucpozsQco&sv dogvßovusvoi heißt „von zwei 
seiten, durch den krieg auf Lesbos und den einfall in Attika, 
bedrängt"; hätte jener sie allein in anspruch genommen, so wür- 
den sie eben von einer größern hülfesendung nicht abgehalten 
worden sein. Wunderlich ist es, wenn in den folgenden worten 
vnsQ FLavoaviov zov TlXsiOzodv anzog vliog das viiog deshalb ge- 
tilgt wird, weil es sich weder, wie II, 95, 3. 100, 2. 3, um ei- 
nen makedonischen könig handele noch auch, wie I, 111, 1. 
VI, 54, 6, dem namen des vaters ein attribut folge, und wenn 
kurz vorher ztjg iaßollqg zavzijg in den worten rjyslzo 8s trjg 
iaßoXijg zavztjg KlsoustTjg deshalb beseitigt worden soll, weil 
Thukydides sonst in den berichten über die einfalle in Attika 
Lysio&at absolut gebrauche und iaßoXJ/g qysladai nur in i/yslzo 
Piniol. Anz. XIII. 21 



306 62. Sokrates. Nr. 5. 

ztjg il~68ov ravzTjg II, 10, 3 eine parallele finde; gerade dies 
beispiel beweist, daß auch qyeho zrjg ioßoXijg %avvt\g nicht zu 
beanstanden ist. Nicht besser sind die gründe, wodurch in dem- 
selben satze die unächtheit von naiQog de ddeXqiog &v darge- 
than werden soll. X. 

62. Dr. Gustav Benseier, der Optimismus des Sokrates 
bei Xenophon und Piaton gegenüber den pessimistischen stimmen 
in der älteren griechischen litteratur. (Beigabe zum programm 
des königl. gymnasiums zu Chemnitz.) 1882. 33 p. 4. 

Hält man es sich während der lectüre dieser interessanten 
abhaudlung recht gegenwärtig , daß pessimismus (im absoluten 
sinne) — worauf auch der verf. p. 1 7 hindeutet — die ansieht 
ist, nach welcher in unserer weit die unlust nothwendig und 
immer die lust überwiegt, so muß sich die Wahrnehmung auf- 
drängen, daß ein großer theil der hier in ungeheurer zahl ge- 
häuften citate durchaus nicht zum beweise dessen dienen kann, 
was der verf. zu beweisen gedenkt, daß nämlich „bis zum auf- 
treten des Sokrates mehr und mehr eine pessimistische Welt- 
anschauung in der griechischen litteratur ausdruck findet". 
Nicht beweisend wären zunächst offenbar alle diejenigen citate, 
welche nur eine klage über die große zahl der mit dem er- 
dendasein verbundenen übel enthalten, sowie diejenigen, welche 
im gegensatze zu diesem einen zustand ungemischten glückes 
sei es auf einem gesonderten sitze der seeligen sei es in einem 
entschwundenen goldenen Zeitalter ausmalen; nicht beweisend 
ferner alle noch so erschütternden darstellungen eines über ein- 
zelne verhängten unseeligen geschickes, nicht beweisend alle 
hinweise auf die heillosigkeit bloßer zeitzustände, nicht be- 
weisend sogar der ausdruck der Verzweiflung an der Zukunft 
eines bestimmten Staates, des entschiedenen Unglaubens an 
die möglichkeit eines gedeihlichen ablaufes einer bestimmten ent- 
wickelung. Umgekehrt ist auch die leugnung des werthes vieler 
dinge, denen ein hoher werth beigelegt zu werden pflegt, noch 
gar kein untrügliches zeichen einer pessimistischen Weltanschauung, 
während die hervorhebung der Unbeständigkeit des menschen- 
schicksals , der unentrinnbarkeit des Verhängnisses wenigstens 
nicht unbedingt, Schilderungen aber, welche eine bestimmte art 
von Übeln als die vergleichsweise schlimmste erweisen wollen, 



Nr. 5. 62. Sokrates. 307 

gar nicht mehr zur sache gehören dürften. Ist ferner der Schluß 
von den avfißeßtjMÖra auf das wesen logisch ganz unzulässig, 
so werden z. b. weiberverachtung und leugnung allgemein gil- 
tiger sittlicher ideale nicht für hinreichende beweise einer pes- 
simistischen denkweise gelten können, und überdies lehrt ja das 
nahe liegende beispiel E. v. Hartmanns , daß der pessimismus 
als solcher nicht mit nothwendigkeit auf diese consequenzen 
führt. Sehr weit entfernt könnte auch der von eigentlichem 
pessimismus sein, der im hinblicke auf die physischen und mo- 
ralischen übel , namentlich aber auf das mißverhältnis von ver- 
dienst und glück in dieser weit von der Schwierigkeit oder Un- 
möglichkeit einer theodicaea spricht oder eine göttliche weltre- 
gierung geradezu leugnet. Ganz verwirrend ist es schließlich, 
wenn der verf. in seiner behandlung der Sophisten skepsis und 
pessimismus vielfach zusammenwirft, da der letztere doch viel- 
mehr ein sehr entschiedener dogmatismus ist ; als solcher aber 
durfte er wieder nicht mit dem materialismus identificiert oder 
als eine consequenz desselben hingestellt werden. 

Machen wir nun die bienach nothwendig erscheinenden und 
noch manche andere abstriche (so scheinen mir, um auch etwas ein- 
zelnes hervorzuheben, einige ausspräche Heraklits nnd auch Demo- 
krits falsch gedeutet), so würde die zahl der belege ganz ungemein 
zusammenschrumpfen, freilich, wie wir zugeben, noch lange nicht 
völlig verschwinden. Allein auch unter den dann noch blei- 
benden aussprüchen müßten , wo irgend möglich, kundgebungen 
einer vorübergehenden Stimmung, absichtliche poetische Übertrei- 
bungen , tendenziös erscheinende darstellungen sorgfältig von 
solchen gesondert werden, die nur als aufrichtige bekennt- 
nisse eines „bewußten" pessimismus aufgefaßt werden können. 
Namentlich aber dürften Stimmungen und gesinnungen , welche 
ein dramatischer dichter seinen personen leiht, hier gewiß 
nicht ohne weiteres als beweismaterial verwandt werden; auch 
was der chor sagt , soll keineswegs immer eine allgemein und 
uneingeschränkt geltende Wahrheit sein, und auch in den reden 
der homerischen personen gehört vieles nur zur situations- 
und charakterzeichnung und darf nicht als ausdruck einer dem 
dichter oder dem allgemeinen zeitbewußtsein feststehenden mei- 
nung angesehen werden. Wäre eine solche Scheidung vorge- 
nommen, so hätten sich dem verf. gewiß sehr viele der bei 

21* 



308 63. Platou. Nr. 5,. 

Euripides nachgewiesenen Widersprüche nicht als Widersprüche 
des dichters selbst dargestellt. Was aber auch nach der genaue- 
sten Sichtung noch zurückbleiben mag, das mag immerhin noch 
eine interessante litterar- und cultur-historische verwerthung zu- 
lassen, könnte jedoch, wie mir scheint, nicht zu dem ergeh nisse füh- 
ren, daß die lebensanschauungen des Homer und Hesiod und auch 
die des Sophokles und Euripides nicht grundverschieden wären. 
In dem zweiten abschnitte, der uns den Sokrates im kämpfe 
gegen „den pessimismus seiner Volksgenossen", als den begrün- 
der einer entschieden optimistischen lehre vorführen soll, wird 
zwischen eigentlich sokratischem und platonischem nicht streng 
geschieden. Nun aber erscheint doch die platonische philosophie 
eben nicht in dem sinne optimistisch wie die leibnitzische oder 
hegelsche und in ihrer art selbst die plotinische. Die natur- 
nothwendigkeit, welche das übel bedingt, erscheint ja bei Plato 
nicht als das eigene werk der Vernunft, sondern als etwas von 
dieser unabhängiges , das die idee in der erscheinung hemmt 
und entstellt, dessen widerstand überwunden werden muß und 
doch durch das zureden der Vernunft nicht vollständig 
überwunden werden kann. Es hätte also wenigstens der ernste 
versuch gemacht werden müssen , die hergebrachte auffassung, 
nach welcher der Piatonismus eben dualismus ist, zu widerlegen 
und durch eine richtigere zu ersetzen. H. v. Kleist. 

63. Observationes criticae in Piatonis dialogos, von dr. 
0. Apelt. Programm. Weimar 1880. 8. 

Dieses programm behandelt 33 Platonische stellen theils 
kritisch, theils exegetisch. Es zeichnet sich im allgemeinen durch 
recht gesunden sinn aus. So liefert es p. 9 f. eine recht gute 
erklärung von Polit. 278 B, einer stelle, deren Schwierigkeiten 
noch nicht genau erkannt waren. Es kommt dabei besonders 
auf die fassung der letzten worte ro pisv stsqov v.tl. an , für 
welche Apelt das rechte Verständnis eröffnet, indem er to fisv 
und ro de adverbiell faßt und nun deutet: Comparatione littera- 
rum saepe instituta discipuli eo adducuntur, ut unamquamque litte- 
ram et diversam appellent, quatenus (oo?) diversa est ab aliis 
(non a se ipsa), et eandem, quatenus una eademque est secum ipsa 
(non cum aliis). Ich habe dazu nur zu bemerken, daß in dieser 
sinnesangabe die worte de) Kittn xavra übergangen sind und 



Nr. 5. 63. Piaton. 309 

daß sie mir allerdings auch keinen scharfen sinn zu ergeben 
scheinen. An der stelle, wo sie stehen, gehören sie zu ag ral- 
tov iavzq) (ov); dort sind sie aber müßig, denn was soll es hei- 
ßen , daß ein lautzeichen stets in derselben weise sich 
selbst gleich ist? Sie gehören dem sinne nach zu nQooayo- 
Qsvso&at: der schüler soll sie stets in derselben weise, d. i. mit 
unfehlbarer Sicherheit zu benennen wissen. Wir werden also 
umstellen oder ändern müssen. 

P. 5 f. sind einige stellen aus dem Sisyphus behandelt. 
Zunächst 389 D, wo Apelt statt des handschriftlichen firj sidsvat 
[i7]8e ßov)sie6&ai nm övvurov tw pt] imorafjbtvty tteq] aviäv evi- 
dent richtig conjiciert fit] sivai azX. Indeß scheint mir in den 
von Apelt angeführten Worten unmittelbar vorher noch ein fehler 
zu stecken. Dort wird die kunst des feldherrn und des Steuer- 
manns als beispiel angezogen und gefragt: rov fit] iniazd^tsvov 
(jit]8srsQtt jovtbiv oiei £%eiv av rt ßovlsvso&ai tzeqi tobitav iov 
steqov, o ii noiTjTsov Eit] avzw, onmg r\ C7Qa7t]yt]7E0v t] xvßsQvt]- 
ieov Exsivoo av7w tw fit] ini67UfAZvq) ftr^s ö7Qct7t]yeiv fiijzs xvßeovüv. 
Eine Übersetzung wird den fehler ans licht bringen : wenn je- 
mand von beiden künsten nichts versteht und wenn er eine von 
beiden ausüben sollte (denn so, mit condicionalem sinne, ist doch 
offenbar der satz o ti noit]7sov xri. zu verstehen) , glaubst du, 
daß er einen rath zu ertheilen vermöchte, wie er selbst, der 
weder ein heer zu führen, noch ein schiff zu lenken versteht, 
ein heer führen oder ein schiff lenken soll? Die worte ixeCvcp 
av7w in ihrer scharfen betonung setzen einen gegensatz voraus, 
durch welchen der gedanke verdorben wird. "Wem sie einen 
rath ertheilen , ob sich selbst oder anderen , wer den rath b e- 
f'oigt, das ist hier gleichgültig, wo gefragt wird, ob sie ei- 
nen brauchbaren rath zu ersinnen wissen. Ich denke es ist 
klar, daß ixsitcp avita . . . xvßegväv ein glossem ist, welches 
die beziehung des vorhergehenden pronomens avzw erklären 
sollte. — In demselben Sisyphus 391 C acceptiert Apelt Su- 
semihls coDJectur fisWöv7cov statt fttj ovzav und verbessert 
einige zeilen weiter oi><5' 6 fit] 7vy%dt>(ov sehr ansprechend in 
ovdupfi 7vyi<xvwv. Verlangt dann aber nicht der gedanke, mit 
auslassung von nsgl vor zmv pe'kXovTmv zu schreiben: ovdelg av 
foi iä>v (xe\7,6v7(üv ßovXtvo^Etog 7vy%droi? Die entstehung des 
negl wäre leicht erklärlich: man glaubte TÖtv fiOh'ii-Twr mit 



310 63. Piaton. Nr. 5. 

ßovlevoftsvog verbinden zu müssen. Im zusammenhange liegt 
aber der nachdruck nicht darauf, daß jemand über zukünftiges 
einen rath ersinnt, sondern darauf ob er bei ertheilung 
eines rathes das zukünftige richtig erfaßt. Ferner möchte 
ich die frage aufwerfen: ist der iambische rhythmus in ov8s)g 
av oiV svßovXog ovr" 1 v — v äv&gcönmv eti zufällig? 

In der stelle Respbl. 430 E: xgetttco 8t] avtov Xfyovzsg 
(sc. thv aoocpQova wie aus i) amqigoGvvt] ziemlich hart zu ergänzen 
ist) ovx ofö' ovtiva tgonov vertheidigt Apelt das Xiyovtsg , wel- 
ches von Schneider, Stallbaum, Hermann, Schleiermacher gebil- 
ligt ist, gegen Madvigs conjectur qiaivovta, welche sich auf die lesart 
der meisten Codices stützt. Er fügt dann als erklärung hinzu 
(p. 11) xgsirtco 8t) — tgonov nihil esse nisi interpretationern ety- 
mologicam ad praegressam vocem syxgatsia pertinentem. Piaton 
habe dabei ausnahmsweise einmal gesundes etymologisches ur- 
theil gezeigt. Ich glaube eine genauere erwägung des Zusam- 
menhanges wird uns zur Verwerfung dieser Interpretation führen. 
Welchen zweck sollte hier eine etymologische erklärung haben? 
Ferner findet zwar Apelt es leicht, in den ausdrücken ini&v- 
[iiäv iyxgdtsia und xgeittoav avtov die begriffe sni&vpiiäv und 
avtov gleichzusetzen ; Piaton aber identificiert sie keineswegs. 
Er hält eine ausführliche erklärung von Kgdttcov avtov für 
nöthig (was wäre das wohl für ein erklärender zusatz, der we- 
gen seiner dunkelheit einer ausführlicheren erklärung bedürfte 
als das durch ihn angeblich erklärte ?) und in dieser erläuterung 
(430 E — 431 B) kommt weder das wort noch der be- 
griff ini&vfiiai vor! Endlich unterscheidet Piaton die aus- 
drücke sm&VfAiöHv iyxgätsia und xgeittcov avtov ausdrücklich 
als zwei verschiedene definitionen der oooygoovvt] resp. des acö- 
qiQwv von einander; denn er hält es für erforderlich für jede 
von beiden einzeln nachzuweisen, daß nach ihr auch seinem 
idealstaate das prädicat der acoqigoavvt] zukomme, für dieses bis 
431 B, für jenes von xai fit)v xai bis zum ende des kapitels, 
wo noch besonders das xai in ovxovv x « / xavxa ogag ivovxa 
aoi iv ty nolsi beweist, daß er von zwei begriffen spricht. 
Demnach scheint mir auch jetzt der Platonische text noch nicht 
ganz in Ordnung zu sein : zwischen iyxgätsia und Kgsittco 8t] 
vermisse ich die andeutung, daß eine neue von den landläufi- 
gen erklärungen des begrifies nmcfgom'ry folgt. 



Nr. 5. 64. Plutarchos. 311 

Auf die behandlung noch anderer aufstellungen Apelts 
kann hier nicht eingegangen werden ; ich will nur hinzufügen, 
daß ich ihm fast überall beitrete. Th. Becher. 



64. Otto Siemon, Quo modo Plutarchus Thucydidem 
legerit. Berolini 1881. (Dissertatio inauguralis). 8. 2 bl. 66 p. 
Der Verfasser des uns vorliegenden schriftchens will durch 
die Vereinigung der sämmtlichen parallelstellen des Thucydides 
und Plutarch den nachweis liefern, daß der letztere nicht nur 
in den moralischen Schriften, sondern auch in den biographieen 
den Thucydides in umfassender weise direkt benutzt hat. Im 
ersten theile werden zweiundzwanzig aus Thucydides geschöpfte 
stellen der Moralia nebst dem gegenüberstehenden texte des 
Thucydides abgedruckt und besprochen , welche beweisen , daß 
Plutarch das ganze werk des Thucydides mit aufmerksamkeit 
gelesen und eine entschiedene Vorliebe für dasselbe gefaßt hatte. 
Im zweiten theile stellt der verf. eine reihe von stellen der 
Plutarchischen biographieen des Cimon , Aristides , Pericles, Ni- 
cias, Themistocles und Alcibiades mit den entsprechenden stü- 
cken des Thucydides zusammen, dessen indirekte benutzung durch 
Vermittlung des Ephorus oder anderer späterer schriftsteiler 
ebenso wie die hypothese Adolf Schmidt's über Stesimbrotus der 
Verfasser durchaus von der hand weist. Ueberall, wo irgend 
welche ähnlichkeit des ausdrucks zwischen Plutarch und Thu- 
cydides besteht, bezeichnet der Verfasser diesen als die vorläge 
der biographieen und leitet die in den bericht des Thucydides 
eingestreuten oder mit ihm im Widerspruche stehenden angaben 
aus secundärquellen des Plutarch ab , über dessen schriftstelle- 
rische technik er ein äußerst günstiges urtheil fällt : „ Vitas pa- 
rallelas" heißt es am Schlüsse „Plutarchus ita composuit, ut mul- 
torum scriptorum libris perlectis , quae ei idonea visa sunt , inde de- 
sumeret atque contexeret .... Res non tales quales invenit ex auc- 
toribus repetivit sed propria arte suoque iudicio iis in scribendo usus 
est" (p. 63 sequ.). 

Für die beurtheilung des werthes der abhandlung kommt 
vorwiegend die von ausserordentlichem fleiße zeugende Sammlung 
in betracht, da die sich ihnen anschließenden erörterungen fast 
durchweg auf einen hinweis auf die nahe Verwandtschaft des 
ausdrucks beider schriftsteiler sich beschränken und ein tieferes 



312 65. Soranos. Nr. 5. 

eingehen auf die hier in betracht kommenden quellenkritischen 
hypothesen, namentlich über die benutzung des Ephorus durch 
Plutarch vermissen lassen. Abgesehen davon, daß der verf. 
keine einzige stelle des Diodor - Ephoros , wo dieser mit Thucy- ' 
dides und Plutarch verglichen werden konnte, mittheilt, hat er 
sich auch augenscheinlich keine feste maxime hinsichtlich der 
frage, wo direkte, wo indirekte benutzung des Thucydides an- 
zunehmen sei , gebildet. Und doch hätte gerade nach dieser 
richtung hin die Untersuchung des verf. sehr fruchtbar werden 
können , wenn er an den Veränderungen , welche Plutarch an 
den ihm vorliegenden texte des Thucydides vorgenommen , Plu- 
tarchs methode der quellenbenutzung studirt und damit ein si- 
cheres kriterium für die Scheidung der aus Thucydides entlehn- 
ten stücke von dem eigenthum der anderen gewährsmänner des 
Plutarch, namentlich des Ephorus, zu gewinnen versucht hätte. 
Trotz dieser ausstellungen stehen wir nicht an, Siemon's 
abhandlung, besonders wegen des in ihr übersichtlich zusammen- 
gestellten umfangreichen materials, als einen wichtigen beitrag 
zur Plutarchlitteratur zu bezeichnen, welcher seinen zweck, den 
selbständigen schriftstellerischen antheil des Plutarch an den 
aus einer reichen fülle von quellen zusammengetragenen biogra- 
phieen zu erweisen, in der hauptsache erreicht hat. 

Hermann Haupt. 

65. Sorani gynaeciorum vetus translatio latina nunc pri- 
mum edita cum additis graeci textus reliquiis a Dietzio repertis 
atque ad ipsum codicem Parisiensem nunc recognitis a Valen- 
tino Eose. (Cum 2 tabul. lith.). Lipsiae, Teubner 1882. 8. 
[XX und 422 p.]. 

Der durch seine Anecdota graeco - latina sowie durch seine 
ausgaben des Anthimus , des Plinius junior und des Cassius 
Felix um die werke der alten mediciner verdiente gelehrte ver- 
öffentlicht in dem vorliegenden buche 1) ein ineditum, nämlich 
eine lateinische bearbeitung des einzigen uns erhaltenen werkes 
des griechischen arztes Soranus, unter dem titel : Gynaecia Mu- 
se i o n i s ex graecis Sorani in latinum translata sermonem p. 1 
— 168. Der text dieser das original abkürzenden Übersetzung 
ist nach den vom herausgeber selbst abgeschriebenen oder ver- 
glichenen handschriften in Brüssel, Florenz und Kopenhagen, 



Nr. 5. 65. Soranos. 313 

die nicht selten stark von einander abweichen , mit besonnener 
kritik festgestellt und die Varianten unter dem text beigegeben. 
Der Übersetzer nennt sich in der vorrede Muscio (oder Mustio) 
und stammte nach seinem Sprachgebrauch zu schließen aus Afrika, 
wie Caelius Aurelianus und Cassius Felix . die gleichfalls grie- 
chische ärzte übersetzten (p. IV). Der werth der Übersetzung 
besteht nicht nur darin, daß mit hilfe derselben der griechische 
text, der an mehreren stellen lückenhaft oder verderbt ist, er- 
gänzt oder verbessert werden kann , sondern sie verdiente auch 
deswegen der Vergessenheit , in der sie bisher begraben lag, 
entrissen zu werden, weil sie, wie die Übersetzung des Oribasius, 
als ein denkmal aus der zeit des Verfalls und des Übergangs 
der lateinischen spräche in die romanischen ein sprachgeschicht- 
liches interesse in ansprach nehmen kann. In richtiger Würdi- 
gung dieses ihres Charakters hat der herausgeber in dankens- 
werther weise in einem index die wichtigsten sprachlichen er- 
scheinungen zusammengestellt. Ein ganz besonderes interesse 
aber gewinnt die arbeit des Muscio als das original der bisher 
unter dem namen des Mooxtcov herausgegebenen (Basil. 1566. 
Vienn. 1793) schrift Hsg) tksv yvvaiy.eicov na&mv. Wie nämlich 
Rose p. IV nachweist , ist der griechische Moschion nichts als 
eine Übersetzung des lateinischen Muscio , der selbst nur ein 
Übersetzer des Soranus ist. 

2) Eine neue ausgäbe der von Fr. R. Dietz in einer Pariser 
handschrift (cod. gr. 2153) entdeckten und 1838 zum ersten male 
herausgegebenen schrift des Soranus 7jbqI ywatHsimv. Rose hat 
hiebei nicht nur die arbeiten seiner Vorgänger, besonders des 
Holländers Ermerins, der den Soranus 1869 mit einer lateini- 
schen Übersetzung vielfach verbessert herausgegeben, oft aber 
auch den text willkürlich geändert hatte, sorgfältig benutzt, son- 
dern auch die Pariser handschrift , nicht ohne gewinn für die 
feststellung des textes , selbst noch einmal nachverglichen. Da 
er außerdem an zahlreichen stellen durch glückliche konjekturen 
die Überlieferung der handschrift verbessert, sich aber von dem 
fehler, in den Ermerins so oft verfallen ist, ohne genügenden 
grund von der handschriftlichen Überlieferung abzugehen, durch- 
weg frei gehalten hat, so muß die neue ausgäbe als ein ent- 
schiedener fortschritt in der gestaltung des textes bezeichnet 
werden und es ist nur zu bedauern, daß der druck desselben 



314 65. Soranos. Nr. 5. 

an nicht wenigen stellen durch den ausfall einzelner oder meh- 
rerer worte entstellt ist. So ist zu verbessern: p. 173, 18 
(itvtoi y s statt psvioi, p. 186, 15 zag ?jlixiag xal zag aXXag 
n b q laz da s ig xal zo nozs statt rag tjXixiag xal zo nozs, p. 
192,29 zq? nlsiova rtjg wqisXsiag zijv ßXdßip statt zw nXsiota 
zqv ßhißrjv, p.195, 7 sxa&dg&tjöav an ag sun o 8 tat co g statt ixa- 
&äQ&Tjaar ) p. 204, 7 zu ig unsxpi'uig statt dnsipiaig, p. 204, 25 
fTjcpszmoav al yvvaixsg iv zoig nXtjaiaafxoig statt t'i]Cps'zojoav 
al yvvaixeg, p. 212, 10 i^ovaiag v n dg^ovz a statt i^ovaiag } 
p. 235, 16 zu io%ia xal zo sniy d azgiov, p. 275, 11 cbg ngog 
rjfjiäg statt ngog tjfiäg, p. 290, 13 zip Sidroiav aizov statt zyv 
Sidvoiar, p. 292,12 o%t]fiaztXovGi zo ßgicpog statt a^fjiazi^ovai, 
p. 314,10 7707« [AW oli], nozs 8 s zo ozöpiov avztjg statt nozs 
(isr oX)] , p. 357, 4 zmv SioStv&qaofis'i'oiv vnb z ov i^ßgvov %co- 
qicop statt 7c5>' Stodtv&tjnofAnwr, p. 375, 7 maavzcog 8s xal statt 
maavztag 8s. An folgenden stellen scheint der herausgeber dem 
refer. ohne grund von der handschriftlichen Überlieferung abge- 
wichen zu sein, indem er p. 173, 25 rita statt zivag, p. 205, 1 
zo anigpia statt zu. ansgfiazu , p. 252, 10 Xenzovg xal %vo(£>8eig 
aXag statt Xsnzcv xal ivoä8sg ulag (cf. p. 292, 11), p. 259, 26 
zgiqsiv statt zgstpsadui, p. 275, 21 %alwovg statt %a\tt>d, p. 281,8 
nagai'ziog statt nagnizia, p. 297, 24 axsvaaziov statt xazaaxsva- 
aziov schrieb. 

Dagegen wären an andern stellen die von Ermerins vorge- 
schlagenen Verbesserungen der handschriftlichen tradition vorzu- 
ziehen gewesen: p. 189, 16 ngoßsßrjx/sza statt nagaßsßi]xöza, 
ib. v. 23 ngoxaXsh statt ngoaxaXsiv, p. 194, 26 l8g<äza ngoxa- 
Isiaftai statt ngoaxaXsh, p. 197, 19 dXiß^aofjsfov und ib. v. 21 
dnolsaoizog 1 p. 199, 20 (tslävzsgov statt usXavmzegov wie p. 334, 
17. An beiden stellen ist (tsXarözsgov [sie) überliefert; das eine 
mal nimmt Rose usXavmzsgov , das andere mal die übliche form 
(xsXävzsgov in den text auf; p. 202,11 unölrfetv statt anölsiyptv 
vgl. 231, 17. 232, 2. 311,1. 313, 4; p. 237,7 iaxsnda&oo statt 
oxendo&co , wie das unmittelbar darauf folgende ai>sw%&(o be- 
weist, p. 244, 25 fjgfftojzs'govg statt Tjgepozsgovg, ebenso p. 253, 
13 eifiogqiozf'gat' statt svfiogcpcozf'gav, p. 295, 13 a'izia statt ai- 
ria. — Daß bei der schlechten Überlieferung des textes auch 
jetzt noch für die kritik manches zu thun bleibt, ist begreiflich ; 
so ist, um auch unsrerseits ein scherflein zur Verbesserung des 



Nr. 5. 65. Soranos. 315 

textes beizutragen, p. 173,7 mit leichter änderung zuschreiben: 
Ösi yäg dv8Qc68ovg zhtjnadsiag zrj ßovXoptvr} zoaoizov fiädrj^a 
naQuXafieip, p. 194, 5 ist mit ausscbeidung des glossems vytsitfjv 
zu schreiben: xa) zaTg &t]Xa'aig zö xa&olov awofiorayslv rtjv 
nagöevlav, p. 195,16 ist die ungewöhnliche form naQunolsadrjvai 
beizubehalten , da die spräche Sorans auch sonst manches von 
den klassischen autoren abweichende hat, p. 196, 6 vermuthe 
ich sv z?]QTJaet xeu yvXaxfi psvovaai, p. 198, 20 v/ovoiv statt 
fyovcui, p. 239,21 övasqyov statt SvGt-Qyovg, p. 253, 9 anoaqny- 
%&iv statt dnoGcpiy&sv, p. 258, 7 ddixsl scheint glossem zu xa- 
xoaznfiayov, p. 274, 23 yscpalrj statt xsqalr t v, p. 283, 3 nugsozi 
statt ngoGSGzi, p. 289, 16 8iä zb vno zwv cpaQ[A.ttxa)v zbv Gzö\iayov 
fzoze Ttäa'isiv , p. 355, 22 urze-niaag statt ärzsQsioag. Von den 
störenden druck- und accentfehlern will ich nur die auffallend- 
sten anführen: p. 174, 24 lies Gvvrj&sg n, ebenso p. 214,9 lies 
ovv?]&8g, p 256, 12 lies avza.Qy.sg, p. 175, 7 lies yQrjGzofiuösiag, 
p. 195, 6 lies Gzgayymg ebenso p. 196, 3 cf. p. 207,4, p. 210, 
9 lies sqirjliv , welche form des acc. sich oft bei Galen findet, 
während eine form sqtjliv unerhört ist, p. 235, 14 lies avans- 
nzüo&cu, p. 253, 7 lies iniQglxpai, p. 256, 18 lies Maxsdövsg, 
p. 277, 4 lies xdzco&ev, p. 290, 4 lies (xtjze statt nözt, p. 295, 
22 lies ßfä, p. 313, 7 lies ).snz6q>vUog, p. 327, 8 lies &ll\piv 
wie p. 373, 24 und 282, 22, p. 337, 1 lies zivog, p. 350, 22 
lies zolg, p. 373, 16 lies ?} statt tj, p. 376, 18 lies nazsipv^&ai. 
Um schließlich auch auf den der ausgäbe beigegebenen 
Index graecus zu kommen, so ist im interesse der lexikographie 
nur zu bedauern , daß derselbe nicht noch ausführlicher ist. 
Denn wie die werke der griechischen ärzte überhaupt so ist auch 
die schrift Sorans , die nicht nur eine große anaahl bei andern 
autoren nicht vorkommender termini technici, sondern auch sonst 
manchen eigenthümlichen ausdruck enthält, in lexikographischer 
hinsieht bei weitem noch nicht so ausgebeutet, wie zu wünschen 
wäre. Eine um so willkommenere Vorarbeit wird dem lexiko- 
graphen der erwähnte index sein , in dem meiner ansieht nach 
folgende ausdrücke nicht fehlen sollten : ußagtjg 1,41. dßorftrjzog 
II, 42. ddiazvncozog I, 59. d\r]&siv I, 93. dvana^nzsov I, 98. 
ävÜQQonog II, 87 und dvaggöncog II, 48. dvsnt^tXrjzog I, 88. 
dvsvsQyi]Gia I, 106. dvoazifxog I, 91. unsgidluGzog II, 60. ano- 
8ozinog I, 38. a7r(>r',9f<T//oe I, 33. unoyoQZi^n I, 40. davM.?m>ia 



316 66. Paroemiographen. Nr. 5. 

I, 61. ßQcoftoo8i]g I, 91. ydatga I, 9. diäXctfjtßdvm (= doceo) II, 
44. SisKTvXooa und 8tsntvX(oaig I, 46. 8mXaaiovog I, 91. 8vg8is- 
yegiog vnvog I, 88. öt>sa&>axÄ?7TO£ II, 29. SvgnagäStKrog II, 62. 
dygaegiygcupog I, 78. Svgs^vßmzog I, 102. xara t^v avrrjp lni~ 
ßoXtjv (= eadem ratione) I, 36. intfiovoog I, 109. imarayiv I, 91. 
svanoxQtrog I, 1. evxopiatog II, 62. xataiönjaig II, 29. xaono- 
yovta I, 42. xara^TtffjUos I, 73. nsv&tjaig I, 43. Tzagaaijiisioatsov 

II, 53. naQsveiqavra rrjv %£iQa II, 60. 770«ooo I, 95. TZgosTtxoff I, 
33. Tzpoi" oXCyov I, 91. agoasvoco I, 96. ntiXmoig I, 48. cvficpö- 
tijg I, 10. arißaQcärsQog Xoyog I, 2. ovvanaQii^m I, 125. crwa- 
vaXt]\pia I, 29. cn^stzotzt««;«) I, 38. avvojvv/xsa) I, 60. to rexor 
(= mater) II, 54. 6r. Helmreich. 

Q6. Maximilianus Warnkroß, De Paroemiographis 
capita duo. Dissertatio inauguralis .... Gryphiswaldiae 
MDCCCLXXXI. 8. 62 p. 

Die von E. Miller in den Melanges de litterature grecque 
(Paris 1868) aus einer Athoshandschrift veröffentlichten samm. 
lungen von Sprichwörtern haben bisher nicht die genügende be- 
achtung gefunden. A. Fresenius (de X?<-swv Aristoph. et Suet. 
excerptis Byzantinis p. 8) machte darauf aufmerksam , daß die- 
selben auch in dem miscellancodex Laur. 80, 13 enthalten seien. 
Alsdann gab Ch. Graux in der Eevue de philologie II, 219 ff. 
nachricht von einem Escurialensis (J£ — / — 20), in welchem jene 
Sammlungen gleichfalls benutzt waren. Es war eine verdienst- 
liche aufgäbe , dieses neue material mit dem Göttinger Corpus 
Paroemiographorum zu vergleichen und zu untersuchen, ob sich 
daraus vielleicht für die feststellung der art der Überlieferung 
und des Zusammenhangs der erhaltenen Sammlungen etwas ge- 
winnen läßt. Man muß dem Verfasser obiger dissertation dank 
wissen, daß er die lösung dieser aufgäbe unternommen und die 
beschäftigung mit der paroemiographischen litteratur der Griechen 
wieder in fluß gebracht hat, die seit Vollendung des Corpus Par- 
oemiographorum fast ganz brach gelegen hat. Warnkroß hat 
durch seine sorgfältige arbeit eine neue grundlage geschaffen 
für weitere Untersuchungen über die quellen der paroemiographi- 
schen litteratur und über das Verhältnis der verschiedenen Samm- 
lungen zu einander. Zwar tragen nicht alle seine resultate den 
gleichen grad von Sicherheit an sich , manche punkte müssen 



Nr. 5. 66. Paroemiographen. 317 

vorläufig* noch unentschieden bleiben und bedürfen einer gründ- 
licheren prüfung. Wer aber das corpus der paroemiographen 
kennt, der weiß auch, welche Schwierigkeiten da zu überwinden 
sind, welcher Schutthaufen da wegzuräumen ist. Es ist zu hof- 
fen, daß die gegebene anregung nicht fruchtlos sein wird. 

Das erste capitel handelt über Zenobios. Warnkroß 
sucht nachzuweisen, daß die drei ersten Sammlungen in M (Miller 
Melanges p. 349 — 375) allein den echten und ursprünglichen 
Zenobios repräsentiren und daß die übrigen schon früher be- 
kannten handschriften vielfach interpolirt sind. Die vierte Samm- 
lung (Miller, p. 376 — 384) hat Warnkroß von seiner Untersu- 
chung über Zenobios mit recht ausgeschlossen , denn sie zeigt 
einen ganz andern charakter. Ich vermuthe , daß wir in ihr 
den anfang des echten werkes des sogenannten Diogenian haben. 
Von ihr sind zu trennen die excerpte p. 382 — 384, die nicht 
aus paroemiographischer quelle sondern, was bisher nicht be- 
merkt wurde, aus dem lexicon des Pausanias stammen. 
Dagegen scheinen die Sammlungen I — III allerdings zusammen- 
zugehören : an der spitze der ersten steht als Überschrift (Zr\v6)- 
ßtov innofXT] rwv TaggaCov xat /Jidv/xav nagoifjuäv. Da nach 
dem zeugnis des Suidas das werk des Zenobios aus drei büchern 
bestand , so liegt es nahe , eben in diesen drei Sammlungen des 
M die drei bücher des Zenobios zu sehen. Alle vier Sammlun- 
gen in derselben form und in demselben umfange lagen auch 
den Schreibern des Laurentianus (L) und des Escurialensis (2") 
vor. Eine ganz andere Überlieferung zeigen die handschriften 
P(arisinus) B(odleianus) V(aticanus) : in ihnen ist keine spur 
der ursprünglichen drei bücher vorhanden, die einzelnen Sprich- 
wörter folgen in alphabetischer reihe auf einander, während sie 
in ML in allen drei büchern bunt durch einander gehen. Daß 
die handschriften ML in der that die ursprüngliche form des 
Zenobianischen werkes erhalten haben und daß die aphabetische 
anordnung nicht von Zenobios herrührt, kann keinem zweifei 
unterliegen. Aber nicht blos in der form, auch im umfang difife- 
rirt der „echte" Zenobios bedeutend vom „unechten" : in M beträgt 
die zahl der Sprichwörter aller drei Sammlungen 372, der Pari- 
sinus, den Schneidewin und Leutsch bei ihrer ausgäbe zu gründe 
legten, enthält 552 Sprichwörter, der Bodleianus gar 959. Ob 
nun wirklich alles, was sich nur in PBV findet und in¥ fehlt, 



318 66. Paroemiographen. Nr. 5. 

als interpolirt und nicht - zenobianisch gelten muß, das scheint 
mir nicht sicher und ausgemacht. Warnkroß' ansieht scheint 
eine stütze zu haben an den numerirten Verzeichnissen vor jeder 
der drei Sammlungen in M (siehe Miller p. 348). Solche Ver- 
zeichnisse und inhaltsangaben pflegen auf gute alte zeit zurück- 
zugehen. Dies gilt aber von diesen nicht ; denn auch L hat 
solche Verzeichnisse , die aber nur diejenigen Sprichwörter ent- 
halten, welche in den Sammlungen des (stark verkürzten) L selbst 
vorkommen. Ein endgiltiges urtheil wird hierüber erst möglich 
sein, wenn wir über den Laurentianus und Escurialensis genauer 
unterrichtet sein werden. Innerhalb der einzelnen parömien 
scheint auch die Überlieferung in M stark verkürzt und von dem 
original weit entfernt zu sein. Noch größer ist die Verkürzung 
in L, wo auch die zahl der Sprichwörter vermindert ist. 

Im zweiten capitel spricht Warnkroß über Lukillos 
Tarrhaios. Der nachweis, daß die hauptsächlichste (vielleicht 
einzige) quelle des Zenobios Tarrhaios war und daß dieser nicht 
wie man bisher annahm älter sondern jünger als Didymos ge- 
wesen , ist unanfechtbar. Didymos schrieb mgl nagoi/iimv in 
13 büchern, Lukillos nur in 3 büchern. Zenobios nahm sich 
also das werk des letzteren zum muster, er gab gewissermaßen 
eine neue aufläge des Tarrhaios, etwa wie Hesych vom lexicon 
des Diogenian. Didymos wurde von Zenobios selbst vielleicht 
gar nicht benutzt , die wenigen stellen , an denen er citirt 
ist , lassen darauf schließen , daß Zenobios die citate bereits in 
seiner quelle d. h. bei Tarrhaios vorgefunden hat. Außer bei 
den paroemiographen erscheint das werk des Lukillos noch be- 
nutzt bei Stephanos von Byzanz und in den scholien zu Piaton. 
Die Sprichwörter die bei Stephanos erwähnt werden, verdankt 
derselbe wahrscheinlich dem werke des Philon Byblios negt no- 
Xemr, der in einer anderen schrift (nsgl diacpOQoav ai}fxaivoixiv<ov) 
ein vollständiges excerpt aus des Lukillos vorrede brachte, das 
von Eustathios erhalten ist. Mit recht erklärt sich Warnkroß 
bei dieser gelegenheit gegen Valckenaer's behauptung , daß die 
von Eustathios benutzte schrift des Erennios Philon von einem 
späteren falscher mit benutzung der erhaltenen schrift des Am- 
monios verfaßt sei. Das Verhältnis wird vielmehr das umge- 
kehrte gewesen sein : Ammonios , oder wer sonst der Verfasser 
der schrift tzbqI ofioiwv Kai SiacpOQOOP l^sco* war, schrieb die 



Nr. 5. 66. Paroemiographen. 319 

schrif't des Philon aus. Nicht ganz kann ich mich einverstanden 
erklären mit Warnkroß 1 ausführungen über die Plato-scholien. 
In diesen ist, wie er durch vergleichung mit Zenobios nachweist, 
das werk des Tarrhaios direkt benutzt. Aber er macht einen 
unterschied zwischen den paroemien, die nur im Miller'schen Ze- 
nobios vorkommen , und denen die sich nur in anderen hand- 
schriften oder gar nicht bei Zenobios finden. Alle paroemien, 
die in M fehlen, behauptet Warnkroß, hat der scholiast nicht 
aus Lukillos sondern aus einem andern autor: diesen erkennt 
er mit Naber und Mettauer in dem platonischen lexicographen 
Boethos. Mir scheint diese Scheidung nicht begründet, ich glaube, 
daß alle wirklichen paroemien in den scholien aus Tarrhaios ent- 
lehnt sind. Denn selbst wenn der umfang der drei Sammlungen 
in M dem ursprünglichen Zenobios entspräche , so folgt doch 
daraus nichts für das werk des Tarrhaios. Schon der titel Zrjvo- 
ßiov inixo\K7] muß uns hindern, Zenobios und Tarrhaios vollständig 
zu identificiren. Daß der scholiast oder Photios paroemien aus Boethos 
hat, ist nicht bewiesen, wir wissen auch nicht, ob Boethos über- 
haupt in seinen platonischen lexica Sprichwörter erklärt hat. 
Ich behalte mir vor auf diese frage an einem andern orte zu- 
rückzukommen und habe über einzelnes in Warnkroß' arbeit 
noch folgendes zu bemerken. P. 24 anm. 45 verweist Warn- 
kroß wegen der Übereinstimmung des Ailios Dionysios bei Eust. 
p. 589, 41 mit Diog. I, 63 (Bodleianus) auf Naber Proleg. p. 
1 8 (Aelius autem Dionysius plura e Diogeniano in lexicon transtulit). 
Naber dachte dabei jedenfalls nur an das lexicon des Diogenian, 
und auch dies wurde von Ailios Dionysios nicht benutzt. Auch 
Pausanias hat nicht aus Diogenian sondern aus erster quelle 
geschöpft : die Übereinstimmung mit dem echten Zenobios und 
mit Diogenian beruht überall auf benutzung derselben quelle 
d. h. des Tarrhaios. Der unechte Zenobios ist bisweilen aus 
Pausanias interpolirt: dies ergibt sich aus Zenob. III, 59 und 
Eust. p. 368, 41. — P. 35 behauptet Warnkroß ganz ohne 
grund , in Zenob. II, 91 (P) seien die worte "Innaoog yäq Tig 
xtX. aus schob Plat. Phaed. 108 D interpolirt. Der arg ver- 
kürzte L (Plut. I, 25) und der sehr ungleichmäßige Bodleianus 
beweisen gar nichts. Gerade diese wörtliche Übereinstimmung 
mit schob Plat. zeigt klar, daß wir hier in P die ursprüngliche 
form der paroemie haben. Allerdings nicht die vollständige : 



320 67. Paroemiographen. Nr. 5. 

diese haben wir, wenn wir P und L verbinden; P hat den er- 
sten, L den zweiten theil der paroemie erhalten. — P. 54 findet 
sich ein auffallendes mißverständnis. Die gelehrte erklärung 
des Sprichworts ZagSävtog yiX(Oi: in schol. Rep. 337 A schließt 
mit den Worten ^nots ovv rb Ofitjgiyöv , o&ev xal ?) nagoifiia 
t'acog SQQitj, fieC8?jöe ög &vftcp aagbäviov (xdXa ?olov, roi> an" 1 at- 
rmv xwv %8il<x>v ysXtora xai f^^XQ 1 70 ^ asaijgevat yiyvofisvov ötipiaivsi. 
Warnkroß übersetzt quamobrem Homericwm illud . . . non possit 
explicari rov an aircöv xtX. u , bemerkt aber ganz richtig, daß 
diese erklärung der homerischen worte die allgemein übliche im 
alterthum war. Auch Tarrhaios weist sie nicht zurück, sondern 
billigt sie, denn ^jporg, das Warnkroß mit „non" übersetzt, heißt 
in der spräche der grammatiker und namentlich der scholiasten 
„vielleicht, wahrscheinlich". Leopold Colin. 

67 Fritz Scholl, zu den sogenannten Proverbia Alex- 
andrina des Pseudo-Plutarch. (Aus der festschrift zur 36. phi- 
lologenversammlung zu Karlsruhe. Freiburg i./Br. 1882. p. 
39—57). 

Von den im cod. Laur. 80, 13 enthaltenen sprichwörter- 
sammlungen ist bisher nur eine edirt worden (CPGI, 321 — 342). 
Sie trägt die Unterschrift TTkoviägyov nagoipiui aig l^Xs^avdgetg 
i%Q(äi>70. Dieser seltsame titel hat zu einer controverse anlaß 
gegeben. Während Schneidewin u. a. die Sammlung dem Chae- 
roneer absprachen, vertheidigte H. Weber die Überlieferung. 
Nun wird eine derartige thätigkeit des Plutarch allerdings auch 
sonst bezeugt : der sogenannte Lamprias-katalog nennt unter den 
Plutarchischen Schriften auch zwei über Sprichwörter, nagoipimv 
ßißlia ß' (no. 55) und nsgl iäv nag' 'Ale^avögevai TzugotfiKÖv 
(no. 142). Aber dies zeugnis kann nicht in betracht kommen, 
da in dem katalog auch unechte schritten vorkommen. Und 
auch wenn die angaben des katalogs richtig sind , so ist damit 
die echtheit der Sammlung in L und die richtigkeit jener sub- 
scriptio doch nicht bewiesen. Auf die differenz im titel (nagoi- 
fiiai aig 'AXs^avdgeig i^gwvzo statt negl rmv nag' 'u4ls£ai>dgevoi 
nagoi/jüäp) ist wohl wenig gewicht zu legen. In hohem maße 
verdächtig ist aber, wie Scholl ausführt, daß der inhalt der 
Sammlung ihrem titel gar nicht entspricht. Man merkt nichts 
von besonderem Alexandrinerwitz, es sind lauter gemeingrie- 



Nr. 5. 67. Paroemiographen. 321 

chische paroemien. Unter 'Als^avdQslii können aber nur die ein- 
wohner von Alexandria verstanden werden. Daß damit schrift- 
steiler gemeint sein könnten , wie Scholl beiläufig bemerkt , ist 
nicht denkbar '), Selbst wenn also Plutarch über alexandri- 
nische Sprichwörter schrieb , so kann jene Sammlung in L die 
betreffende schrift nicht sein. Ein anderer beweis liegt darin, 
daß sie der 3. Sammlung in der Miller'schen handschrift ent- 
spricht. Sie ist also ein theil des Zenobios, wenn, wie Miller 
und Warnkroß annehmen, die Sammlungen I — III in M die drei 
bücher des Zenobios sind. Scholl erklärt sich nicht unbedingt 
für diese au sieht. Doch findet er mit Warnkroß eine gute 
stütze derselben in dem umstände, daß innerhalb der drei Samm- 
lungen kein Sprichwort doppelt vorkommt, mit vier ausnahmen. 
Diese müssen, zumal sie in L nur einmal stehen, in M interpo- 
lirt sein 2 ). An diesen umstand knüpft Scholl einige sehr beach- 
tenswerthe bemerkungen über weitere interpolationen in der 3. 
Sammlung des M , deren ergebnis er dahin zusammenfaßt , daß 
„das mehr von M (gegenüber L) mindestens größtenteils auf 
interpolation aus einer alphabetischen Sammlung beruht". Mit 
geringerem erfolg, wie mir scheint, sucht Scholl solche interpo- 
lationen auch in den M und L gemeinsamen partien nachzu- 
weisen. Interessant sind die beobachtungen über die Zusammen- 
gehörigkeit von Sprichwörter - reihen , die aus denselben Schrift- 
stellern entlehnt sind. Weitere Untersuchungen nach dieser rich- 
tung hin sind wünschenswerth und dürften fruchtbringend sein. 
Am Schlüsse gibt Scholl auf grund einer genauen collation des 
L zu vielen stellen des Pseudo - Plutarch die richtigen lesarten. 
Man erkennt aus diesen mittheilungen die völlige unzuverlässig- 
keit der Gronov'schen abschrift, auf welche sich alle späteren 
herausgeber stützten. Z. b. Plut. I, 67 lautet am schluß nach 

1) Auch in der glosse des Antiatt. 91, 14 ist mit 'Alt^avdgds nicht 
auf Schriftsteller sondern auf den dialekt der Alexandriner bezug ge- 
nommen, wie sich aus Aristoph. Byz. b. Eust. p. 1761, 30 ergibt, der 
dieselben formen {Ik&yotsav etc.) für chalkidisch erklärt; andere be- 
zeichnen sie als asianisch (Herakl. b. Eust. p. 1759, 35) oder böotisch 
(Et. Mg. 282, 35. 426, 3) oder eaböisch (Bachm. An. Gr. II, 200). 

2) Jedoch sind nicht alle vier am ende der 3. Sammlung inter- 
polirt, wie Warnkroß (p. 11) annimmt, xgiog ra Toorftla und aftdt ra 
TikXrivot; haben ihre richtigen stellen in II, ka und III, kß' und sind 
interpolirt in III, qo' und goa ; dagegen sind dqvag nvg und nti ng 
iv Kvdwvos in III, /u' und /ua interpolirt und stehen richtig in III, 
goß' und Qoy', wie sich aus vergleichung mit L ergibt. 

Philol. Anz. XIII. ' 22 



322 68. Paroemiographen. Nr. 5. 

Gronov's lesung : ttbqI romotg y.vxsoii' ng iptjcpog olor legt] xal 
axirTjTog vemg t'OfAi^ofisvtj, in Wirklichkeit : naga loviotg yag xel- 
tai tig xpqqog oiov hga aal axirrjiog ösöör vofii^o/jif'rt], wie schol. 
Plat. Legg. 739 A. Leopold Cohn. 

68. H. Jungblut, Quaestionum de paroemiographis pars 
prior. De Zenobio. (Dissert. Hai. 1882). 8. 

Das Studium der griechischen paroemiographen ist in den 
letzten Jahrzehnten, wo doch in so manchem entlegeneren winkel 
aufgeräumt ist, in auffälligster weise vernachlässigt worden, ob- 
gleich durch die entdeckung der athoischen Zenobios-handschrift 
für die textkritischen und litterar - historischen probleme eine 
ganz neue basis gewonnen war. Außer den andeutungen Mil- 
lers und Naucks trefflichem aufsatz (M6\. III, 151) sind nur 
vereinzelte beitrage zur erklärung und kritik geliefert worden. 
Erst das jähr 1881 brachte eine revision der ganzen frage in 
der Greifswalder dissertation von M. Warnkroß, deren resultate 
in der kurz darauf erschienenen Untersuchung Jungbluts einer 
gründlichen kritik unterzogen und vielfach berichtigt und ergänzt 
worden sind. 

Jungblut folgt seinem Vorgänger schritt für schritt und han- 
delt demnach zuerst über den werth und die herkunft der hand- 
schriften (p. 1 — 21), dann über die quellen und entstehungs- 
weise der Zenobianischen Sammlung (p. 21 — 42). Den anfang 
macht eine gedrängte Übersicht der handschriftlichen hülfsmittel, 
zum theil im anschluß an Warnkroß. Wie Miller und Warn- 
kroß erkennt auch Jungblut in den drei ersten , nicht alphabe- 
tisch geordneten sprichwörterreihen des Millerschen Athous (M) 
und Laurentianus (L) die ältere gestalt der nach Suidas drei 
bücher umfassenden Zenobianischen epitome, in der alphabetisch 
geordneten redaction der Vulgärhandschriften die arbeit eines 
diaskeuasten •, doch hält er von den argumenten seines Vorgän- 
gers nicht viel und findet den hauptbeweis darin, daß die Sprich- 
wörter der athoischen recension, mit berücksichtigung der ersten 
buchstaben alphabetisch geordnet, im großen ganzen der reihen- 
folge der vulgär - recension entsprechen. Diese an sich beach- 
tenswerthe thatsache beweist aber nicht ganz das, was sie nach 
Jungblut beweisen soll, sondern zeigt nur mit evidenz , daß die 
den vulgärhand Schriften zu gründe liegende recension geordnet 



Nr. 5. 68. Paroemiographen. 323 

war wie die athoische. Ueber die Zusammengehörigkeit der drei 
ersten Sprichwörter - reihen des Athous können doch nur innere 
kriterien entscheiden Zu den von Warnkroß vorgebrachten 
wird eine genauere Untersuchung über die quellen und compo- 
situm der Sammlungen , wie sie neuerdings von F. Schoell be- 
gonnen ist, werthvolle nachtrage liefern. 

Erheblicher weicht Jungblut von Warnkroß ab in der Schä- 
tzung der athoischen recension. Warnkroß sieht nämlich in ihr 
nahezu die ursprüngliche gestalt des Zenobius und behauptet 
unter anderem, daß sie alle von Zenobios aufgenommenen Sprich- 
wörter umfasse und daß der bedeutende Überschuß von ca. 600 
Sprichwörtern durch interpolation in die Vulgärhandschriften ge- 
drungen sei. Jungblut opponirt p. 11 sq. sehr mit recht dage- 
gen und vindicirt einer anzahl von artikelu die in A fehlen, 
Zenobianischen Ursprung. Die frage nach der herkunft der 
„interpolationen" (die doch wohl bedeutender sind, als Jungblut 
annimmt) ist noch eine offene. Ref. hofft an anderer stelle zu 
zeigen , daß in den vulgärhandschriften uuter den einzelnen 
buchstaben sprichwörterreihen aus einer alphabetisch genau ge- 
ordneten , der vierten athoischen entsprechenden Sammlung mit 
den Zenobianischen verbunden sind , oder mit andern worten : 
daß der den vulgärhandschriften zu gründe liegende archetypus, 
wie der Athous, mit dem werke des Zenobios noch andere Samm- 
lungen zu einer art von corpus paroemiographorum vereinigte. 

Bei der musterung der vulgärhandschriften bekämpft Jung- 
blut zunächst (p. 13 sqq.) die Überschätzung des Bodleianus (B) 
auf kosten des Parisinus (P) und macht darauf aufmerksam, daß 
in P die einzelnen artikel meist viel reichhaltiger sind als in B. 
Das entschieden verkehrte urtheil, was Warnkroß hierüber ab- 
gegeben hat , läßt sich nur dadurch erklären , daß er die bei 
solchen Untersuchungen unentbehrliche ausgäbe Gaisfords nicht 
benutzte und die hier und da nicht ganz präcisen angaben des 
Göttinger corpus irrig zu gunsten von B auslegte (vgl. Warn- 
kroß p. 13 adn. 23). 

Den beschluß macht Jungblut p. 17 sqq. mit einer prüfung 
der unter dem namen des Diogenian überlieferten Sammlung. 
Er kommt im gegensatz zu Warnkroß und M. Schmidt zu dem 
resultat , daß sie völlig identisch ist mit dem vulgär- 
Zenobius. Zur erklärung der Überschrift beruft er sich auf 

22* 



324 68. Paroemiographen. Nr. 5. 

den Parisinus 1773, wo der mit dem titel Tiagoiftiai StjfimSeig 
versehenen Zenobianischen Sammlung eine abhandlung des Dio- 
genian — Jioyeviarov nsgl nagoifiimv — vorhergeht: aus einer 
contamination beider titel seien dann die nagoifiiai SqficöSsig ix 
tijg dioysviavov avvttyojy'rjg entstanden (p. 21). Diese vermu- 
thung scheint dem ref. völlig einleuchtend ; an ein besonderes 
paroemiographisches werk des Diogenian wird man also nicht 
mehr glauben dürfen. Eine andere frage ist aber, ob die man- 
ches besondere bietende Pseudo- Diogenianische Sammlung nicht 
aus dem lexicon des Diogenian interpolirt ist, woher wohl 
auch die abhandlung nsgl tragoifiimi' stammt. 

Auch über die quellen der Zenobianischen epitome ist 
Jungblut in Hauptpunkten anderer meinung als sein Vorgänger. 
Warnkroß war von der thatsache ausgegangen, daß die Samm- 
lung des Lucillus Tarrhaeus, wie die des Zenobios, drei bücher 
enthielt, während die Didymeische 13 bücher stark war. Da- 
nach glaubt er , Zenobios habe lediglich die selbst wieder aus 
Didymos abgeleitete Sammlung des Lucill excerpirt und erklärte 
den überlieferten titel inirofirj imv TaQgalov v. a\ /Ji8v(iov tzkq- 
otfxiäv für einen ungenauen ausdruck nach art der bekannten 
grammatikerunsitte. Im gegensatz dazu hebt Jungblut p. 23 
hervor , daß eine derartige ungenauigkeit bei gelegentlichem ci- 
tiren wohl begreiflich, in einer Überschrift aber kaum wahr- 
scheinlich, jedesfalls noch nicht belegt ist und hält an der streng 
wörtlichen interpretation fest. Mit leichter mühe weist er so- 
dann die Scheinargumente zurück , die Warnkroß für die von 
ihm angenommene indirecte benutzung des Didymus durch Ze- 
nobius aus den Didymusfragmenten abgeleitet hatte. Ebenso 
widerlegt er mit guten gründen die behauptung seines Vorgän- 
gers, daß die mit Zenobios verwandten partien bei Stephanos v. 
Byzanz und in den Platoscholien aus Lucill allein geschöpft 
seien-, ausschlaggebend sind hier die beiden p. 31 und 35 scharf- 
sinnig behandelten stellen, an denen die ansieht des Lucill sich 
mit dem übrigen material nicht recht verträgt oder geradezu 
widerlegt wird. Damit fallen alle weiteren combinationen, 
durch welche Warnkroß Lucill als einzige quelle des Zenobios 
hatte wahrscheinlich machen wollen. Es bleibt dabei , daß Ze- 
nobios seine Sammlung aus zwei quellen, Lucill und Didymos, 
compilirt hat. 



Nr. 6. Bibliographie. 325 

Man wird demnach alle hauptresultate dieser soliden und 
besonnenen arbeit ohne wesentlichen abzug anerkennen müssen 
und kann nur wünschen , daß verf. die p. 42 in aussieht ge- 
stellte , durchaus unumgängliche Untersuchung über die paroe- 
miographischen bestände der späteren lexicographen recht bald 
in angriff nimmt. 

Form ixnd ausdruck des schrif'tchens ist schlicht und an- 
spruchslos ; hier und da hätte verf. seinen ansichten vielleicht 
etwas mehr relief geben können. Sehr wohlthuend berührt der 
ruhige, rein sachliche ton der polemik. O. Crusius. 



Bibliographie. 

In England beabsichtigt der bibliograph Cornelius Walford 
,,a dictionary of periodical literature" zu bearbeiten. Er schätzt 
die zahl der zu verzeichnenden periodica auf 30000. — Sein 
plan ist vier perioden zu scheiden 1) 1500 — 12. aug. 1712 (da- 
tum der ersten Newspaper Stamp Act), 2) 1712 — June 1855 
(Final repeal of Newspaper Stamp Acts) 3) 1855 — 1. jan. 
1882 (Newspaper Libel and Kegistration Act). 4) Spätere zeit, 
und dem inhalt nach in 6 classen zu sondern. 1) Newspapers 
2) Periodicals (Magazines embracing Science Litterature Art So- 
ciety etc., Reviews, Essays not political), 3) Academy Publications 
(learned Societies and Book Clubs), 4) Ephemerides (Annuals, Alma- 
nachs Yearbooks Indexes), 5) Biographical, Bibliographical (Memoire, 
Biographies, Histories of Journals or magazines, Reprints of ditto, 
Reprints of collected articles from Newspapers etc. Polemics 
and Criticisms Prosecutions for Libel, Works on the Liberty of 
the Preß Acts of Parliaments etc. History of Printing. 6) Per- 
sonnel (Editors etc. Publishers, Pen-names and Pseudonyms). 
Die anläge ist so großartig, daß man an der ausführbarkeit des 
Unternehmens zweifeln möchte. 

Erras, Buchhandlung in Frankfurt kataloge nr. 36. 37 ge- 
schichte zeigt an Staatsanz. nr. 63 und nr. 39 ebendas. nr. 100. 

Joseph Baer in Frankfurt am Main. Catalog nr. 124 Auetores 
Graeci, grammatik, literaturgeschichte bespricht Staatsanz. nr. 68. 
Dazu unter dem titel : ,,auswahl von größeren Serien von für wissen- 
schaftliche institute unentbehrlichen werken aus allen fächern," 
650 nummeru , wovon anzeige ebendas. nr. 100: die werke in- 
teressant. — Ferner nr. 126 schul- und Universitätsschriften, s. 
ebendas. nr. 108. 

Antiquarischer anzeiger nr. 10 der MwMer'schen buchhand- 
lung in Breslau angezeigt im Staatsanz. nr. 81. 

Ausgegeben ist: Jahresbericht der Herder'achen verlags- 
handlung in Freiburg i. Br. vom jähre 1882. Verzeichniß 



326 Bibliographie. Nr. 6. 

von schul- und lehrbüchern der Nicolai 'sehen Verlagsbuchhand- 
lung in Berlin, märz 1883; — Verlag von Leo Woerl in Würz- 
burg : katholische Studien von Starnminger. 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in 
Leipzig 1883, no. 1: Bericht über die Bibliotheca scriptorum 
Graecorum et Romanorum Teubneriana ; dann Imhoof- Blumer, 
portraitköpfe auf griechischen münzen ; — Jos. Wex , K. Bayr, 
die metra der alten Griechen und Römer im umriß erklärt und 
übersichtlich dargestellt. — Erster bericht über die im jähre 
1883 erschienenen neuigkeiten, neuen auflagen und fortsetzungen. 

Cataloge der antiquare: Ludwig Bamberg in Greifswald, anti- 
quarischer catalog no. 53 und no. 54; — S. Calvary u. co. in 
Berlin, catalog no CLXX ; antiquarischer anzeiger der DietricK- 
schen sort.-buchhandlung (A. Hoyer) in Göttingen 1883; — an- 
tiquarischer catalog der Ed. GWte'schen buch- und antiquariats- 
handluug (A. Winkler) in Berlin; — antiquarisches verzeichniß 
no. 161 von List u. Franche in Leipzig, enthaltend die biblio- 
theken von K. Halm in München und J. Marquardt in Gotha ; 
— Adalbert Rente's antiquariat in Göttingen, catalog no. 64; — 
X. verzeichniß antiquarischer bücher von Carl Steyer in Cannstadt. 

Verzeichniß der wichtigeren publikationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft. 1883. III. 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

577. Acta Thomae graece partim cum novis codieibus contulit 
partim primus ed., latine rec. praefatus est indices adiecit Max Bonnet. 
Leipzig, Mendelssohn 1883. 8. XXVII, 220 p. 5 mk. (Supplementum 
codicis apoeryphi I.) 

578. Aischylos Agamemnon erklärt von F. W. Schneidewin. 2. 
aufl. besorgt von Otto Hense. Berlin, Weidmann 1883. 8. XVI, 
218 p. 2 mk. 25 pf. 

579. Ansems, Bernhard, bedeutung und gebrauch von dia bei 
Homer. Diss. München, Stahl 1883. 8. 79 p. 1 mk. 50 pf. 

580. Band, Osk. , die attischen Diasien. Ein beitrag zur grie- 
chischen heortologie. Berlin, Gaertner 1883. 4. 23 p. 1 mk. (Progr.). 

581. Bn-ger, F., über die heerstraßen des römischen reichs. II. 
Die meilensteine. Berlin, Gärtner 1883. 4. 21 p. 1 mk. (Progr.). 

582. Bernays , Jac. , über die unter Philon's werken stehende 
schrift über die unzerstörbarkeit des weitaus. Berlin, Dümmler 1883. 
4. 82 p. 4 mk. (Aus abhandl. der Berliner akad. d. wiss.). 

583. Blaß, Priedr. , de Geminö et Posidonio. Kiel , univ. buch- 
handlung 1883. 4. 25 p. 1 mk. 20 pf. 

584. Bohn , Ose. , über die heimath der Prätorianer. Berlin, 
Gärtner 1883. 4. 24 p. 1 mk. (Progr.). 

585. Braumann , Gust. , die prineipes der Gallier und Germanen 
bei Caesar und Tacitus. Berlin , W. Weber 1883. 4. 44 p. 1 mk. 
(Progr.). 

586. Caesarts, C. Julii, de bello Gallico. Für den schulgebrauch 
erkl. von Rud. Menge. Bdch. I. Buch 1. 2. Mit einer karte von Gallien. 
Ausg. A. (Mit untergesetzten anm.). Gotha, Perthes 1883. 8. VIII, 
124 p. 1 mk. 30 pf. Ausgabe B. Anm. in bes. heft. Ebda. 57 u. 
66 p. 1 mk. 30 pf. 

587. — — , commentarii de bello Gallico. Scholarum in usum ed. 



Nr. 6. Bibliographie. 327 

Ign. Prammer. Adiecta est tabula qua Galliae antiquae situs descri- 
bitur. Prag u. Leipzig, Tempsky u. Freytag 1883. 8. XXX, 164 p. 
3 mk. 60 pf. 

588. Ciceronis, M. Tullii, orationes selectae XIV. Ed. XXI eruen- 
datior quam post editioues Ernestii Seyfferti Ecksteinii curavit Otto 
Heine. Halle, Waisenbaus 1883. 8. VIII, 396 p. 2 mk. 40 pf. 

589. — — , Tusculanarum disputationum libri V. Für den schul- 
gebraucb erklärt von L. W. Hasper. 1. bdch. Bucb I u. II. Ausg. 
A mit unterges. aumerk. Gotba, Perthes 1883. 8. IV, 114p. Ausg. 
B. Aumerk. in besond. beft. IV, 64 u. 48 p. 1 mk. 20 pf. 

590. Curtius Ernst u. J. A. Kaupert, karten von Attika. Auf 
veranl. des kais. deutseben arebäol. instituts und mit Unterstützung 
des königl. preuß. minist, der geistl. Unterrichts- und medizinalangel. 
. . . aufgenommen durch Offiziere und beamte des königl. preuß. groß, 
generalstabes mit erläut. text. 2. heft. 4 karten chromolith. imp.-fol. 
Mit text von Arthur Milehhöfer. Berlin, Reimer 1883. 4. 49 p. 
ä 12 mk. 

591. Demosthenes ausgewählte reden. Für den schulgebrauch 
erkl. von Studienrektor J. Sorget. 1. bdehn. Die drei olynthischen 
reden und die erste rede gegen Philippos entb. Ausg. A. Text und 
kommentar in 1 bd. Gotha, Perthes 1883. 8. IV, 95 p. lmk. 20pf. 
Ausg. B. Gesondert in 2 heften. IV, 29 u. 65 p. 1 mk. 20 pf. 

592. Diels, Herrn., Tbeophrastea. Berlin, Gärtner 1883. 4. 28p. 
Progr. 1 mk. 

593. Dissertationes philologicae Halenses. Vol. V, pars 1. De 
seviris Augustalibus. Scripsit Jo. Schmidt. Adiecta est tabula. Halle, 
Niemeyer 1878. VIII, 132 p. pars 2. Ebda. p. 135—364. 8. 

594. Edler, Otto, quaestiones Sertorianae. Herford 1880. 8. 
(Diss. inaug.). Berlin, W. Weber. 42 p. 1 mk. 

595. Eilger, G., die zusätze zu dem prooemium der Hesiodischen 
theogonie. Vers 36-115. Berlin, Gärtner 1883. 4. 20 p. Progr. lmk. 

596. Goebel, Ed., exegetische und kritische beitrage zu Piatons 
apologie und kriton. Fulda 1882. 4. 20 p. (Paderborn, Schoe- 
ningb). 80 pf. 

597. Grünwald, Eug., quae ratio intercedere videatur inter Quin- 
tiliani institutionem oratoriam et Taciti dialogum. Diss. Berlin, 
Mayer u. Müller 1883. 8. 1 mk. 20 pf. 

598. Herrlich, S., das verbrechen gegen das leben nach attischem 
recht. Berlin, Gärtner 1883. 4. 22 p. 1 mk. 

599. Horatius Flaccus. Q. Erkl. v. Herrn. Schütz. Theil 3: epi- 
steln. Berlin, Weidmann 1883. 8. XII, 369 p. 3 mk. 

600. Ihm, Georg, quaestiones syntacticae de elocutione Tacitea 
comparato Caesaris Sallusti Vellei usu loquendi. Gießen, Ricker 1882. 
8. 77 p. 1 mk. 60 pf. 

601. Isaei orationes cum fragmentis a Dionysio Halicarnassensi 
servatis ed. H. Buermann. Berlin, Weidmann 1883. 8. XIV, 156p. 

602. K/att, M. , chronologische beitrage zur geschichte des achäi- 
seben bundes. Berlin, Gärtner 1883. 4. 42 p. 1 mk. (Progr.). 

603. Kleist, Hugo von, Plotinische Studien. 1. heft: Studien zur 
IV. enneade. [IV, 1. 2. 3, 1 — 17. 4, 14. 4, 18—29 ine. 5, 6.] Hei- 
delberg, Weiß 1883. 2 mk. 80 pf. 

604. Lim, T., ab urbe condita libri. Recogn. H. J. Mueller. 
Pars V, libros XXIII et XXIV continens. Berlin, Weidmann 1883. 
8. X, 80 p. 75 pf. 

605. — — — — erkl. von W. Weißenborn. 4. bd. Heft 3. 
Bucb XXIII. 7. aufl. v. H. J. Müller. Berlin, Weidmann 1883. 8. 
III, 119 p. 1 mk. 20 pf. 



328 Bibliographie. Nr. 6. 

606. Livi , T. , Scholarum in usum ed. Anton Zingerle. Pars 
IV, lib. XXVI— XXX. Prag Tempsky u. Leipzig Freytag 1883. 8. 
XXIV, 223 p. 1 mk. 20 pf. 

607. Matthias, Franz, Quaestionum Blandinianarum capita III. Ha- 
lis Sax. 1882. 8. 72 p. Berlin (Mayer u. Müller). 1 mk. 20 pf. 

608. Milchhöfer, Arthur, die anfange der kunst in Griechenland. 
Studien mit zahlreichen abbildungen. Leipzig, Brockhaus 1883. 8. 
VII, 247 p. 6 mk. 

609. Moll, Ludw., de temporibus epistularum Tullianarum. Quae- 
stiones selectae. Diss. inaug. Berlin (Mayer und Müller) 1883. 8. 
57 p. 1 mk. 20 pf. 

610. Münzel, Bob., de Apollodori ntol &twv libris. Diss. Bonn, 
Behrendt 1883. 8. 39 p. 1 mk. 

611. Nitsche , Wilh., der rhetor Menandros und die scholien zu 
Demosthenes. Berlin, Gärtner 1883. 4. 26 p. 1 mk. 

612. Onyx, der, von Schaffhausen. Jubiläumsschrift des histor.- 
antiquar. Vereins. Schaffhausen. Zürich, Hofer 1883. fol. 

613. Ovidü Nasonis, P., carmina seleota. Scholarum in usum ed. 
Henr. Steph. Sedlmayer. Prag, Tempsky; Leipzig, Freytag 1883. 8. 
XVIII, 139 p. 80 pf. 

614. Paucker , Carl, supplementum lexicorum Latinorum (circa 
8 fasc). Fase. I. Berlin, Calvary u. co. 1883. 8. 96 p. 3 mk. 

615. — — , Vorarbeiten zur lateinischen Sprachgeschichte. 3 
theile. I. Materialien zur lateinischen wortbildungsgeschichte. II. 
Uebersicht des der sogenannten silbernen latinität eigenthümlichen 
Wortschatzes. III. Kleinere Studien. Lexicalisches und syntactisches. 
Berlin, Calvary 1883. 8. 1. liefg. 8. Theil 1, p. 1-69. Theil 2, 
p. 1—16. 3 mk. 

616. Piatons apologie des Sokrates und Kriton. Für den schul- 
gebr. bearb. von Ed. Goebel. Paderborn , F. Schoeningh 1883. 8. 
XVI, 112 p. 1 mk. 20 pf. 

617. — ausgewählte dialoge. Erkl. von gymn.-dir. C. Schmelzer. 
3. bd.: Phädo. Berlin, Weidmann 1883. 8. 118 p. 1 mk. 20 pf. 

618. Properz, elegien des. Von Karl Ludw. von Knebel. Neue 
ausg. Leipzig, Reclam 1883. 8. 128 p. 60 pf. (Reclams universal- 
bibliothek no. 1730). 

619. Moehl, Herrn., Imagines inscriptionum Graecarum antiquis- 
simarum in usum scholarum composuit. Berlin , Reimer 1883. 4. 
III, 72 p. 4 mk. 

620. Schiche, Theod. , zu Cicero's briefen an Attikus II. Berlin, 
Gärtner 1883. 4. 24 p. 1 mk. 

621. Sophocles. Erkl. v. F. W. Schneidewin. 5. bdeh.: Elektra. 
8. aufl. besorgt von Aug. Nauck. Berlin, Weidmann 1882. 8. 185 p. 
1 mk. 50 pf. 

622. Schroeter , Rob. , quas formas norainum themata sigmatica 
in vocabulis compositis Graecis induant. Diss. Cöthen 1883. 8. 
95 p. Leipzig, Hinrichs. 1 mk. 

623. Shidien, altitalische hrsg. von C. Pauli. Heft 1. Hannover, 
Hahn 1883. 8. VIII, 72 p. 3 mk. 

624. Tiedle, H., Nonniana. Berlin, Gärtner 1883. 4. 24 p. 1 mk. 

625. Vergilt Moronis, P. , Aeneis. Für den schulgebr. erkl. von 
Osk. Brosin. 1. bdeh. Buch 1 — 3 in 2. ausg. : mit kommentar unter 
dem text und separat, Gotha, Perthes 1883. 8. VIII, 252 p., VIII, 
63 p. u. 183 p. 2 mk. 40 pf. 

626. Vergib gedichte. Erkl. von Th. Ladewig. 1. bdeh.: Bu- 
colica und Georgica. 7. aufl. von dir. Carl Schaper. Berlin, Weid- 
mann 1882. 8. VIII, 211 p. 1 mk. 80 pf. 



Nr. 6. Bibliographie, 329 

627. Zahn, Theodr., forschungen zur geschickte des neutestamentl. 
Canons und der altchristlichen litteratur. 2 theil: der evangelien- 
conimentar des Theophilus von Antiochien.- Erlangen, Deichert 1883. 
8. IV, 302 p. 8 mk. 

Skandinavien. 

628. Lyth, P. G. , det republikanska Rom. Handbok i romersk 
tornkunskap. Stockholm, Fr. Skoglund 1883. 8. 64 p. 75 öre. 

England. 

629. Bentley , Rieh., dissertations on the epistles of Phalaris 
Themistocles , Socrates, Euripides and the fable's of Aesop. Edited 
with an introduetion and notes by the late W. Wagner. London, 
Bell 1883. 12. 620 p. 5 sh. 

630. Gardner, P. , the types of greek coins: an archaeological 
essay. Cambridge 1883. fol. 350 p. 31 sh. 6 d. 

631. Geddes, W. D , Flosculi Graeci Boreales sive antbologia 
Graeca Aberdonensis. London, Macmillan 1882. 8. 264 p. 6 sh. 

632. Plato Theaetetus with a revised text and engl, notes by 
Lewis Campbell. Second edition, London, Frowde 1883. 8. 296 p. 
10 sh. 6 d. 

633. Sophocles seven plays. In english verse by Lewis Campbell. 
London, Paul, Trench and co. 1883. 8. 7 sh. 6 d. 

Frankreich. 

634. Beaudouin, Edouard, Etüde sur le Ius italicum. Paris, 
Larose et Forcel 1883. 8. 143 p. 

635. Cons, H., de Atace thesim propon. Paris, Thorin 1883. 8. 
These. 109 p. et carte. 

636. Earipide , Alceste. Texte grec entierement revu sur les 
meilleurs e'ditions aecompagne d'un commentaire et precede d'une no- 
tice sur Euripide d'une analyse litteiaire et d'un index bibliograplii- 
que par Ed. Gasc-Desfosses. Paris, Belin 1883. 12. 155 p. 

637. Gebelin, J., Quid rei militaris doctrina renascentibus litteris 
antiquitati debuerit. Bordeaux, These 1881. 8. 62 p. 

638. L'Olivier, Emmanuel, la methode de Piaton. Piaton expli- 
que par lui-meme premiere partie : les atomes. Paris 1883. 12. 70 p. 

639. Robert, Charles et Rene Cagnat, epigraphie gallo - romaine 
delaMoselle. 2 fasc. Paris, Champion 1883. 4. VI, 34 p. etplanche. 

Italien. 

640. Cortese , Iosephus, de M. Porcii Catonis vita operibus et 
lingua. Savonae 1882. 8. 165 p. 

641. — — , Grammatica Catoniana. Savonae 1882. 8. 27 p. 

642. Fantac/uzzi , Gius.. sulla necropoli dell' epoca romana fuori 
porta Santa Caterina in Asti. Torino, Paravia 1882. 8. 22 p. 

643. Finzi, Giuseppe, l'asino nella leggenda e nella letteratura. 
Conferenze ecc. Torino, Paravia 1883. 8. 43 p. 1 mk. 50 pf. 

644. Gutta, Michele, morfologia greca: osservazioni sulla decli- 
nazione dei nomi con tema in «. Torino, Loescher 1882. 16. 24 p. 

645. Land, Vittorio , metrica dei Greci e dei Romani. Milano, 
Hoepli 1882. 16. 124 p. 1 mk. 50 pf (Manuali Hoepli). 

646. LarrzelloW , Biagio , di un antico sepolcreto presso Chieti. 
Chieti 1882. 16. 21 p. (Dal Giornale di Chieti anno II.) 

647. Lupatelli, Angelo , Indicazione degli oggetti piü importanti 
che si trovano nei musei di antichita etrusca romana e medievale esi- 
stenti nella universita di Perugia con un appendice sull' apogeo 
etrusco dei Volunni pressa la villa dei Palazzone. Perugia, Boneom- 
pagni 1882. 16. 86 p. 1 lire. 



330 Bibliographie. Nr. 6. 

648. Mai, Angelo, Epistolario; primo saggio di conto lettere ine- 
dite pnbblicate per cura di G. Cozza-Luzi. Bergamo, Bolis 1883. 16. 
XIV, 189 p. 3,50 lire. 

649. Morosi, Giuseppe, il significato della leggenda della guerra 
troiana. Torino, Loescher 1882. 31 p. 8. (Dalla Rivista di filo- 
logia XI.) 

650 Morselli, E., il denione di Socrate. Milano-Torino , Duino- 
lard 1882. 8. 14 p. (Dalla Riv. di filosofia scientif. II.) 

651. Pinto, Giuseppe, Roma, l'agro roma.no e i centri abitabili. 
Studio 2a ediz. aümeat. Roma , Loescher 1882. 8. 198 p. con 
carta. 3 lire. 

652. Piatone dialoghi tradotti da Ruggiero Bonghi. vol. IV. 
Roma, Bocca 1883. 16. 263 p. 3 lire 40 c. 

653. Sappa, Mercurino, Ovidio amorista citazioui ed appunti. 
Torino, Loescher 1883. 8. 28 p. (Dalla Rivista di filologia XI.) 

654. Sirabone, geografia dell' Italia antica tradotta e corredata 
di una introduzione e note per uso delle scuole classiche da G. Sot- 
tili. Vol. I. Pisa, Nostri 1882. 8. 185 p. 3 lire. 

655. Trülini, Septimii Augusti, Pompeiana fasc. 1. Aesii 1882. 
16. 36 p. 2 1. 

656. Vannucci, Atto, Proverbi latini illuatrati. Vol. III. Milano, 
Brigola 1883. 8. IV, 351 p. 6 lire. 

657. Zanotti, Francesco Maria, la filosofia morale di Aristotile: 
compendio con note e passi scelti dell' etica Nicomachea per cura di 
L. Ferri e Fr. Zambaldi. 2 ediz. Torino , Paravia 1883. 16. VII, 
190 p., 84 p. 1,80 1. 

Spanien. 

658. Pindaro, odas de, tracucidas en verso castellano con carta 
prologo y notas por Ignacio Montes de Oca, obispo de Linares (Mejico). 
Madrid, Navarro 1883. 8. XXIII, 366 p. 14 real. (Biblioteca clä- 
sica vol. 57.) 

Rußland. 

659. Mahaffy, D. P., zur geschiente der klassischen periode der 
griechischen litteratur. Uebersetzung von A. Wesselowski. 1. band: 
poesie. (Ais beilage: Aufsätze des prof. Sayce überHomer's gedichte.) 
Moskau 1882. 8. VII, 460 + 32 p. (russisch). 

Beilage B. Academica und dissertationen. 

Königsberg. 660. Jordan, Henr., Quaestiones orthographicae 
Latinae. Königsberg 1882. 4. 5 p. 

661. Crueger, Oscar, de locorum Theognideorum apud veteres 
scriptores extantium ad textuin poetae emendandum pretio. Regi- 
montii 1882. 8. 82 p. 

663. David, Elieser, Dialecti Laconicae monumenta epigraphica. 
ib. 1882. 8. 38 p. 

663. Dirichlet, Georg Lejeune , de equitibus Atticis. ib. 1882. 
8. 40 p. 

664. Güterbock , Bruno G. , bemerkungen über die lateinischen 
lehnwörter im irischen. Theill: zur lautlehre. Leipzig 1882. 8. 106 p. 

665. Hecht, Rud., de etymologiis apud poetas Graecos obviis. 
Regimontii 1882. 8. 96 p. 

666. Kuehn, Carl, de pugna ranarum et inurium quae in Batra- 
chomyomachia describitur observationes criticae. ib. 1883. 8. 52 p. 

667. Kuhfeldt, Oscar, de Capitoliis imperii Romani. Berlin 1882. 
8. 28 p. 1 ). 

1) Vollständiger im Weidmann'schen verlage erschienen, vgl. no. 
418 dieses Verzeichnisses. 



Nr. 6. Bibliographie. 331 

668. Ludwig, Theodor, de enuntiatorum interrogativorum apud 
Aristopbanern usu. Regimontii 1882. 8. 69 p. 

669. Reiter, Hugo, Quaestiones Varronianae grammaticae. Regi- 
montii 1882. 8. 122 p. 

670. Schmeier, Bernardus, de translationibus ab homine petitis 
apud Aescbylum et Pindarum conimentatio. ibid. 1882. 78 p. 

671. Schultz, Hermann, Quae nova Sophocles protulerit nomina 
composita. ibid 1882. 8. 74 p. 

Rostock. 672. Kaibel, Georg, Eniendationes in Atheuaeum. 
Rostock 1883. 4. (Ind. lectt.). 

Straßburg 1881/82. 673. Der rektorat*wechsi>l an der kaiser- 
Wilhelms- Universität Straßburg am 1. mai 1885. Straßburg 1882. 
8. 62 p. 

674. Cramer, Adolf, de Manilii qui dicitur elocutione. Argen- 
torati, Trübner 1882. 8. 89 p. 

675. Crohn, Herrn., de Trogi Pompei apud antiquos auctoritate. 
ib. 1882. 8. 56 p. 

676. Erdmann, Martin, de Pseudolysiae epitaphii codicibus. Lip- 
siae, Teubner 1881. 8. 38 p. 

677. Fabricius , Ernst, de arcbitectura Graeca commentatio epi- 
graphica prior. Berlin, Weidmann 1881. 8. 44 p. 

678. Galland, Carolus, de Arcadii qui fertur libro de accentibus. 
ib. 1882. 8. 55 p. 

679. Halbfaß, Willi., die berichte des Platon und Aristoteles 
über Protagoras mit besonderer berücksichtigung seiner erkenntniß- 
theorie. Leipzig, Teubner 1882. 8. 60 p. 

680. Keüerhoff, Eduard, de collocatione verborum Plautina quae- 
stiones selectae. Argentorati 1881. 8. (Aus Studemunds studien II, 
p. 49—84). 

681. Loeffler, Franc. los., de Calphurnio Terentii interprete. Ar- 
gentorati, Trübner 1882. 8. 70 p. 

682. Müllemiefen, Paul, de titulorum Laconicorum dialecto. Ar- 
gentorati, Trübner 1882. 8. 

683. Ilayidas, rtuioyios, r« Trjg Tonoyparf lag iwv tnwnvkttiv @r;ßwy 
vriv tu)v vtutTiowv ((Q%aio).6yojv dnQtvpojfnya. 'Ev \4&r/yatg 1882. 8. 
70 ak xai niva!;. 

684. Ploen, Heinrich, de copiae verborum ditferentiis inter varia 
poesis Romanae antiquioris genera intercedentibus. Argentorati, 
Trübner 1882. 8. 56 p. 

685. Pohl , Aug. , de oratione pro Polystrato Lysiaca. Argento- 
rati, Trübner 1881. 8. 37 p. 

686. Schroeder, Frid., de iteratis apud tragicos Graecos. Argen- 
torati, Trübner 1882. 8. 90 p. 

687. Stamm, Ad., tres canones harmonici edidit. Berolini, Weid- 
mann 1881. 8. 30 p. 

688. Voß, Georgius, de versibus anapaesticis Plautinis. Lipsiae, 
Teubner 1881. 4. 18 p. 

689. Warren , Minton , on the enchtic ne in early latin. Balti- 
more u. Straßburg 1881. 8. 32 p. 

690. Wuest , Georgius, de clausula rhetorica quae praecepit Ci- 
cero quatenus in orationibus secutus sit. Argentorati, Trübner 1881. 
8. (p. 229-328.) ')■ 

1) No. 674. 675. 678. 681. 682. 684. 685. 686. 690 sind auch, zum 
theil in erweiterter form in den dissertationes Argentoratenses selectae, 
no. 689 im American Journal of philology, no. 688 als pi-ogramm, 
no. 680 in Studemunds studien, no. 677 erweitert als eigne schrift 
erschienen. 



332 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

Kleine philologische zeitung. 

Der Reichs-anzeiger nr. 120 veröffentlicht eine auch in die 
Zeitungen übergegangene Verordnung Sr. majestät des königs vom 
21. mai d. j., die feier des 10. novemb. d. j. betreffend, als des 
tages , an dem vor nun 400 jähren dr Martin Luther geboren 
ist : der tag mahne die gesammte evangelische Christenheit , mit 
dank gegen gott der Segnungen zu gedenken, welche Er in der 
reformation dem deutschen volke geschaffen habe. Diese von 
erhabenster stelle kommende aufforderung müssen vor allem gym- 
nasien und Universitäten und in diesen ganz besonders die phi- 
lologen als an sich gerichtet ansehen , weil durch Luther und 
dessen gelehrten genossen Melanchthon das Studium des classi- 
schen alterthums in diese anstalten eingeführt und seit der zeit 
für Förderung wahrer cultur in der deutschen nation von se- 
gensreichster Wirkung gewesen ist. Möge dieser tag und die mit 
ihm verbundene betrachtung dieser Segnungen in allen betref- 
fenden kreisen erkennen lassen, daß die überbürdung der gym- 
nasiallehrer für höhere klassen, insonderheit der wissenschaftlich 
erfolgreich thätigen, zu beseitigen, daß der selbständige privatfleiß 
der älteren schüler zu wecken und zweckmäßig zu leiten sei, ebenso 
erkennen lassen, daß das Studium der hohen Originalität griechi- 
scher literatur und kunst nicht durch französische Oberflächlich- 
keit beschränkt, die bildende erlernung lateinischer spräche 
und stils nicht durch dem gymnasium fremde gegenstände beein- 
trächtigt werden dürfe , daß endlich nur durch richtige Vorbil- 
dung auf dem gymnasium der Universität ermöglicht werde, die 
ihr inwohnende kraft und Wirksamkeit zu voller blüthe zu ent- 
falten, ein ziel nur erreichbar, wenn befreiung der Universitäten 
von den die lehr- und lernfreiheit erdrückenden Staatsexamina 
erkämpft worden ist. — E. v. L. 

Dr. Bück in Stuttgart, Martin Luther, bei Kneble, kurz be- 
sprochen im Staatsanz. nr. 67. — R. Fries, Martin Luther, der 
mann von Gott gesandt. Ein festgruß dargebracht der evange- 
lischen Christenheit der alten und der jungen, zum X. nov. 1883, 
bei Er. Schulze, Berlin, bespricht Reichsanz. nr. 118. 

Johannes Müller, Luthers reformatorische Verdienste um schule 
und- Unterricht, programm des Friedrichsgymnasium in Berlin, 
1883, angezeigt im Staatsanz. nr. 73. 

Ueber die Sammlungen des verstorbenen dr. Puhlmann in 
Berlin , in denen ausgaben des Horaz , Livius und Florus aus 
der bibliothek Melanchthon sich befanden, giebt Reichsanz. nr. 9 6 
nähere mittheilung. 

Von dem Neuen archiv der gesellschaft für äl- 
tere deutsche geschichtskunde zur beförderung einer 
gesamm {ausgäbe der quellenpchrifton deutscher geschichten des 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 333 

mittelalters (Hannover, verlag der Hahnschen buchhaudluug) 
liegt mit dem soeben ausgegebenen 3. heft der 8 band abge- 
schlossen vor Im letzten heft berichtet der herausgeber des 
,, Neuen archivs", prof. W. Wattenbach über das paläographische 
prachtwerk des grafen Bastard. Dieses kostbare werk, das pracht- 
vollste aller über paläographie veröffentlichten , hat den titel : 
„Peintures et Ornaments des manuscrits , classes dans un ordre chro- 
nologique, pour servir a Vhistoire des arts du dessin, depuis le IV e 
siede de Vere chretienne jusqu 1 ä la fin du XVIe." Graf Auguste 
de Bastard begann die Veröffentlichung desselben im jähre 1832, 
welche aber leider im jähre 1848 unterbrochen wurde, sodaß 
das werk unvollendet geblieben, ist. Ein großer theil der zur 
ausgäbe vorbereiteten materialien fiel nämlich einer feuersbrunst 
zum opfer. Daher fehlt der text und die chronologische folge. 
Da ferner die erschienenen lieferungen wegen ihrer großen kost- 
barkeit (die lieferung von 8 tafeln kostete 1800 frcs.) nur an 
sehr wenigen orten zu finden sind, so konnte es der paläogra- 
phie und der kunstgeschichte nur in sehr geringem maße zu 
statten kommen, um so weniger, da fast niemand weiß, was darin 
enthalten ist und wo man ein einzelnes blatt finden kann. Und 
doch giebt kein anderes werk von der pracht karolingischer kalligra- 
phie eine so richtige Vorstellung. Da außerdem auch historische 
notizen und facsimiles von geschichtlich wichtigen handschriften 
darin aufgenommen sind , so ist es sehr dankenswerth , daß von 
Wattenbach hier zum ersten male ein bequemes hülfsmittel zur 
benutzung und citation des werks geboten hat. Zu gründe ge- 
legt sind der inhaltsangabe die beiden exemplare im hiesigen 
kupferstichkabinet und in der königlichen bibliothek. — Daran 
reihen sich eine umfangreiche kritische behandlung der alaman- 
nischen formelsammlungen, von Karl Zeumer, und ein verzeich- 
niß der päpstlichen original-urkunden im Pariser nationalarchiv, 
von S. Löwenfeld bearbeitet, — Reichsanz nr. 99. 

Die Jahrbücher der königlich preußischen kunstsammlungen 
bd. IV, heft 2 enthalten eine abhandlung von Th. Mommsen über 
die excerptenhandschrift des Petrus Donatus aus der Hamilton- 
sammlung. Der größtenteils im jähre 1439 geschriebene band 
ist das adversarienbuch eines Italieners, des bischofs von Padua, 
und päpstlichen delegaten Pietro Donato. Dem inhalte nach 
sind diese kollektaneen, dem redner zufolge, im allgemeinen ohne 
wesentliche bedeutung : die kurze römische chronik des Rufius 
Festus, die schritt Frontins über die römischen Wasserleitungen, 
Varro's preis des italienischen weizens, nach Macrobius, einzelne 
ciceronische und cassiodorische briefe , Stammbäume der Catonen 
und der Scipionen wechseln mit gedichten Virgils , aber auch 
des Petrarca und eines gewissen Franciscus Fianus. Im Vor- 
dergründe des interesses stehen die Inschriften , darunter (wahr- 
scheinlich nur durch diese handschrift erhalten) diejenige, welche 



334 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

die künde von dem umbau der thermen in Reims durch Con- 
stantin den großen aufbewahrt hat. Von diesen inschriften ist 
jedoch das meiste aus der Sammlung des Cyriacus von Ancona, 
des vaters der epigraphischen Wissenschaft, entlehnt, und darauf 
beruht der werth der handschrift in einer hinsieht, denn wenn 
wir auch nicht gerade neue denkmäler daraus kennen lernen, 
so ist sie vielleicht unter ihren geschwistern die reinste und 
schon als geschichtliches denkmal dieser sammelepoche von In- 
teresse. In anderer beziehung ist sie deshalb sehr bemerkens- 
werth, weil, wie sich herausgestellt hat, Cyriacus, der zu Donato 
in freundschaftlichen beziehungen stand , sie mit eigenhändigen 
eintragungen versehen hat. Das meiste interesse erwecken jedoch 
seine Zeichnungen athenischer monumente, ganz besonders die 
frontansicht des Parthenon (die , gleichwie eine tafel mit proben 
der handschrift des Cyriacus, in lichtdruck facsimilirt, dem heft 
beiliegt). Diese Zeichnung ist neben anderen zwar bereits in 
dem barberinischen Zeichenbuch des architekten Giuliano da San- 
gallo reproduzirt und aus diesem mehrfach publizirt; auch über- 
läßt der vortragende kundigeren die entscheidung darüber, ob 
aus der neu gefundenen , ziemlich schlechten Originalzeichnung 
des Cyriacus für die herstellung dieses höchsten kunstwerks des 
alterthums sich ein realer gewinn ziehen lassen werde ; immer- 
hin aber dürfe man sagen , daß , wenn die trümmer des gewal- 
tigen Originals der höchste schätz des britischen museums sind, 
die älteste gesammtansicht, die von dem Parthenon existirt und 
am 6. april 1436 aufgenommen worden ist, nicht den letzten 
schmuck der Berliner Sammlungen bilde. (Zu bemerken ist da- 
bei freilich, daß die mitgetheilte Zeichnung wenig nach einer 
Originalaufnahme aussieht, vielmehr in jeder beziehung höchst 
naiv und inkorrekt ist, ganz abgesehen von der phantastischen 
giebelgruppe : eine vor zwei sich bäumenden rossen stehende, 
von einer schaar von geflügelten amoren umgebene weibliche 
figur darstellend , die doch mit den erhaltenen resten der Elgin 
marbles sich in absolut keinen Zusammenhang bringen läßt.) 
Reichsanz. nr. 116. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Litterarisches centralblatt für Deutschland. Herausgeber und ver- 
antwortlicher redacteur prof. dr. Fr. Zarncke. Nr. 1. Kühn, Rieh., 
der Octavius des Minucius Felix. Eine heidnisch -philosophische auf- 
fassuug vom christenthum. Leipzig 1882. 8. Roßberg. VIII, 71 p. 
— Geldner, Karl, studien zum Avesta. 1. heft. Straßburg i. Eis. 
1882, Trübner. IX, 181 p. 5 mk. — Spiegel, Fr., vergleichende gram- 
matik der alt-eranischen sprachen. Leipzig 1882, Engelmann. IV, 
559 p. 8. 14 mk. — Miller, Anton , die Alexanderschlacht nach 
Strabo. 1. theil. Festgabe ... an die Iulia Maximilianea zu Würz- 
burg , . . . . gewidmet von der .... studienanstalt Würzburg. 
Würzburg 1882, Stahel. 66 p. 4. 2 mk. 50 pf. K. J. Nau- 
mann). — Bursian, Conrad, der rhetor Menandros und seine Schriften. 



Nr. G. Auszüge aus Zeitschriften. 335 

München 1882, Franz. 152 p. 4. 5 mk. (Abh. d. bayr. akad. der 
wiss. I cX. bd. XVI, III. abth.). B(laß). — Sittl, Karl, die Wiederho- 
lungen in der Odyssee. Ein beitrag zur homerischen frage. Gekrönte 
preisschrift. München 1882, Ackermann. 191 p. 8. 4 mk. C'((emm). 

— Halset/, Charles S. , an Etymology of Latin and Greck. Boston 
1882, Ginn, Heath u. co. XX, 252 p. 8. M{eye)r. — Härder, Franz, 
index copiosus ad K. Lachmanni commentarium in T. Lucretii Cari 
de rerum natura libros. Berlin 1882 , G. Reimer. 62 p. 8. 1 mk. 
A. R(iese). — Tartara, Alexander, anirnadversiones in locos nonnullos 
Valerii Catulli et Titi Li vi. Iterum emendatiores editae. Rom 1882, 
Loescher. 102 p. 8. A. R(iese). 

No. 2. Madvig, J. N. , die Verfassung und Verwaltung des römi- 
schen Staates. 2. bd. Leipzig 1882, Teubner. X, 805 p. 16 mk. 
F. R{ühl). — Faust, Ad., homerische Studien. Straßburg 1882, Trüb- 
ner. 41 p. 8. 1- mk. Cl{emm). — ■ Holte, Johs., de monumentis ad 
Odysseam pertinentibus capita selecta. Berlin 1882, Mayer u. Müller. 
70 p. 8. C/(emm). — Pliiß, Haus Theodor, Horazstudien. Alte und 
neue aufsätze über Horazische lyrik. Leipzig 1882, Teubner. XII, 
367 p. 8. 6 mk. A. R(iese). — Kolster, W. H. , Vergil's eklogen 
in ihrer strophischen gliederung nachgewiesen mit commentar. Leip- 
zig 1882, Teubner. 8. XIII, 226 p. 4 mk. 80 pf. A. R{iese). 

No. 3. Stnerh , Carl, sprechen iuud singen. Zwei populäre vor- 
trage .... Wien 1881 , Seidel u. söhn. 48 [p. 1 mk. 20 pf. — 
A'iamy, Rud., architektonik auf historischer und aesthetischer grund- 
lage. Unter künstlerischer mitwiikung von A. Haupt. 1. bd. Han- 
nover 1881 , Helwing. 1. abth.: die architektur als kunst. Aesthe- 
tische forschungen. X, 194 p. 4 mk. — 2. abth. : architektonik des 
orientalischen alterthnms. (X, 330 p.). 8 mk. 80 pf. H.J(anitschek) 

No. 4. lohannis Euchaitorum metropolitae quae in codice Vati- 
cano Graeco 676 supersunt Johannes Bolliq . . . descripsit Paulus de 
Laijarde edidit. Goettingen 1882, Dieterich. XVI, 228 p. 4. 10 mk. 

— Aristidis Quintiliani de musica libri III. Cum brevi annotatione 
diagrammatis proprie sie dictis figuris scholiis cet. codicum mss. 
Edidit Alb. Iahnius. Accedunt binae tabulae lithogr. Berlin 1882, 
Calvary u. co. LH, 97 p. 8. 6 mk. A. R(iese). — Archivio paleo- 
grafico italiano diretto da Ernesto Monaci. Vol. I, fasc. I. Rom 1882, 
Martelli. 3 bl. 14 tavv. fol. 17,50 lire. Ad. Förster). 

No. 5. — No. 6. Salviani presbyteri Massiliensis opera omnia. 
Rec. et comment. critico instruxit Fr. Pauly. Wien 1883 , Gerold's 
söhn. XVI, 359 p. 7 mk. (Corpus Script, ecclesiast. Latinor. Vol. 
VIII). — Schanz, Martin, beitrage zur historischen syntax der grie- 
chischen spräche. Würzburg 1882, Stuber. IV, 371p. 8. 5 mk. e. s. 

— Q. Horatii Flacei , carmina öden und epoden des Horaz. Mit an- 
merkungen von Lucian Müller. Giessen 1882, Ricker. XVI, 228 p. 
8. 2 mk. 40 pf. A. R(iese). — C. Iuli Caesaris belli Gallici libri VII. 
Accessit A. Hirti über oetavus. Rec. Alfr. Ho/der. Freiburg i. Br. 
1882, Mohr. Vn, 396 p. 8. 15 mk. A. E{ußner). — Gilbert, Gu- 
stav, handbuch der griechischen staatsalterthümer. Bd. I. Der staat 
der Lakedaimonier und der Athener. Leipzig 1881, Teubner. VIII, 
432 p. 5 mk. 60 pf. B{laß). 

No. 7. Renan, Ernest, Marc-Aurele et la fin du monde antique. 
Paris 1882, C. Levy. VI, 648 p. 8. — Neumann, Carl, das Zeitalter 
der punischen kriege. Aus seinem nachlasse hrsg. und ergänzt von 
Gustav Faltin. Breslau, Koebner 1883. 8. VII, 598 p. 12 mk. S. 

— Hahn, Theophilus, on the science of language. Address at South 
African Public Library. Capstadt 1882, Michaelis. 37 p. 8. G. v. 
d. G(abelentz). — Cohn, Leop., de Aristophane Byzantio et Suetonio. 



336 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

Tranquillo Eustathi auctoribus. Leipzig 1881, Teubner. 90 p. 2 mk. 

— Poetae Latini minores. Rec. et emend. Aemil. Baehrens. Vol. IV". 
Leipzig 1883, Teubner. 445 p. 8. 4 mk. 20 pf. A. JR{iese). — Ces- 
nola, Alex. Palma di , Salaminia (Cyprus). The history treasures and 
antiquities of Salamis in the Island of Cyprus. With an introduction 
by Samuel Birch and with upwards of 700 illustr. and map of an- 
cient Cyprus. London 1882, Trübner u. co. XL VIII, 329 p. 4. 
Bu{rsian). — Der onyx von Schaffhausen. Jubiläumsschrift des hi- 
storisch-antiquarischen Vereins Schaffhausen. Zürich 1882, Hofer. 4 
tafeln buntdruck u. 5 p. text fol. 8 frcs. H. H. 

No. 8. Bruchstücke einer vorhieronymianischen Übersetzung des 
Pentateuch aus einem Palimpseste der k. hof- u. Staatsbibliothek zum 
ersten male veröffentlicht von Leo Ziegler. Mit einer photolithogr. 
tafel. München 1883, Liter.-art. anstalt. XXX, 87 p. 4. E. R. - 
Schult^', Victor, der theologische ertrag der katakombenforschung. 
Zur orientirung und zur abwehr. Leipzig 1882, Drescher. IV, 30 p. 
8. — Gerstenecker, Joh., der krieg des Othon und Vitellius in Italien 
im jähre 69. Beiträge zur erklärung des Tacitus und Plutarch. Mün- 
chen 1882, Straub. 81 p. 8. F. B{ühl). - Weber. Albr., das Sap- 
tacatakaun des Häla. Leipzig 1881, Brockhaus. LXIII, 597 p. 8. 
(Abhandlungen für die künde des Morgenlandes VII, 4). 32 mk. H. 
J. — Kopp, W. , geschichte der griechischen litteratur für höhere 
lehranstalten und zum Selbststudium. 3. gänzl. umgearbeitete aufläge 
hrsg. von F. G. Hubert. Berlin 1882, Springer. XII, 230 p. 8. 3 mk. 
Bu{rsian). 

No. 9. Asana, Jamaspii Dastur Minocheherij Jamasp pahlavi, gu- 
jaräti and english dictionary. Vol. III. Bombay 1882 , Karani. 
(London, Trübner u. co.). XXVIII, p. 441-762. 8. Bthl. {Bothlingk). 

— Lycophronis Alexandra rec. Ed. Seheer. Vol. I: Alexandra cum 
paraphrasibus ad codicum fidem recensita et emendata, indices sub- 
iecti. Berlin 1881, Weidmann. XXXII, 148 p. 8. 5 mk. A. L(ud- 
wi)ch. — rQU/Aficcuxri rJJ? äkßavixijs ykaiaßyg xcacc rijv roaxixtjy dW- 
ktxrov cvvTuxfttiß« vno Kiovarayri vo v XQKSio<f>ooic¥ov, Ev Kwv- 
cxavnvovndl.il 1882. 165 p. 8. und 'Akßavixov äkrfctßijTtiQiov xam 16 iy 
'Ekkiiöt ufÄiXovfitvov dkßavixbv idiwftct . . vno A. r. K o v lo v o iwtov. 
'Ev 'A&rjvaig 1882. 164 p. 8. G. M{eije)r. — C, Plinii Secundi na- 
turalis historia. D. Detlef sen rec. Vol. VI, Index I deorum et homi- 
num. Index II locorum. Berlin 1882, Weidmann. XXIX, 307 p. 8. 
4 mk. — Marquardt , Joachim, das privatleben der Römer. 2. theil. 
Mit 23 holzschnitten. Leipzig 1882, Hirzel. XII, p. 373-858. 8. 
10 mk. (Marqtcardt und Mommsen , handbuch der römischen alter- 
thümer 7. bd ). Bu(rsian). 

Philologische rundsch.au, 1882, nr. 18: J. Caesar, quaestiones ad 
.Aristophanis Avec spectantes, anzeige von E. Ziegeler. — /. Kvicala, 
studien zu Euripides, anzeige von Th. Barthold. — C. F. W. Mueller, 
Ciceronis scripta. P. II, v. 1, anzeige von Adler. — H. Schliemann, 
von Th. Schreiber. 

Nr. 19: E. Abel, Orphei Lithica, angezeigt von A. Rzach. — 
Ivc. Bruns, Plato's Gesetze, von K. J. Liebhold. — L. Behrendt, Über- 
setzung des Horaz, angezeigt von E. Kräh. — jP. Trentin , Ciceronis 
Epistolae selectae, von M. J. Hellen. — Ciceron lettres choisies, ange- 
zeigt von J. T. — /. Jung, die romanischen landschaften des römischen 
reichs, angezeigt von G. Egelhanf. — Ed. Cuq , de quelques inscri- 
ptions relatives a Tadministration de Diocletien ; l'examinator per Ita- 
Jiane : magister seorarum cognitionum, angezeigt von /. Jung. 



Nr. 7. 8. Juli. August 1888. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



69. Poetae lyrici Graeci. Eecensuit Theodorus Bergk. 
Editionis quartae vol. II, poetas elegiacos et iambographos con- 
tinens. Lipsiae, Teubner 1882. 522 p. gr. 8. 

Der vorliegende band gebort zu dem litterariscben vermächt- 
niß des großen kritikers , dessen Poetae lyrici den eigentlichen 
mittelpunct seiner vielseitigen arbeiten bilden, er ist nebst dem 
eben erscbienenen dritten tbeile der würdige und für alle zeiten 
wertbvolle abschluß eines der Wissenschaft gewidmeten lebens. 
Von der rastlosen thätigkeit Bergks legt ziemlich jede seite der 
neuen ausgäbe zeugniß ab, welche um 107 seiten stärker ist als 
die dritte, und die ergänzungen und berichtigungen sind ebenso 
bedeutend wie zahlreich. Die Vollendung des druckes nach dem 
tode des Verfassers muß mit unendlichen Schwierigkeiten ver- 
knüpft gewesen sein, weil häufig auf einer und derselben seite 
an 5, 6 verschiedenen stellen zusätze und Umarbeitungen erfolgt 
sind und es gebührt dem herausgeber um so größerer dank, je 
sorgfältiger er seine aufgäbe gelöst hat. Wie sehr Bergk selbst 
auf vervollkomnung seines werkes bedacht war , tritt zwar we- 
niger augenfällig aber desto bezeichnender hervor in kleinigkeiten, 
wie in der berichtigung von citaten oder druckfehlern , in der 
hinzufügung oder weglassung kurzer begründungen und in der 
besserung am ausdruck, letzteres mehr zu anfang und in der 
mitte des bandes als gegen ende , fast durchweg aber in den 
einleitungen zu den einzelnen abschnitten. Bergk hatte beim 
lateinschreiben und sprechen stets lieblingsausdrücke, mit denen 
er von zeit zu zeit wechselte , stehend gebrauchte er aber das 
ceterum, das auch in den Poetae lyrici hunderte von malen vor- 
Philol. Anz. XIII. 28 



338 69. Griechische lyriker. • Nr. 7. 

kommt und das mit seinem ganzen wesen verwandt ist: leicht 
fand er an einer eigenen oder fremden entdeckung noch etwas 
auszusetzen ; sein Scharfsinn , seine immense gelehrsamkeit und 
seine fruchtbare combinationsgabe drängten immer noch etwas 
neues hervor und die gäbe rückhaltloser anerkennung war ihm 
versagt geblieben; außer von Gottfried Hermann, Boeckh und 
seinem Schwiegervater Meineke ließ er sich nicht leicht von je- 
mand imponiren, aber auch diesen gegenüber prüfte er wie über- 
all selbst und sein zum widersprach geneigter sinn trat wie in 
großen literarischen fehden so in stiller arbeit und auf dem ka- 
theder zu tage. Aber in diesem bände hat er sein ceterum oft 
weggelassen (vgl. Phocylid. fragm. 15, 16, Pseudophoc. v. 21. 
36. 42 u. o.) oder durch atque und ähnliches ersetzt, wenngleich 
es noch immer unzählige male vorkommt: dafür zeigt er in ed. 
IV eine passion für das wort testificabor, das ein fast sicheres 
anzeichen eines neuen Zusatzes bildet. 

Um den in ed. IV vorliegenden fortschritt einigermaßen zu 
veranschaulichen , folge zuerst die angäbe der neu hinzu ge- 
kommenen fragmente. Nächst einem zweifelhaften Hipparcheum 
ist in erster linie zu nennen fragm. 7 des Sophocles nach dem 
funde vom Aesculaptempel zu Athen bei Cumanudes 14&. V, 340, 
das Dittenberger dem Sophocles abspricht, während Bergk es 
mit Kaibel Ehein. mus. XXXIV für acht hält. Ein ebendort 
gefundenes gedieht des Diophantus schließt sich an, ein aus der- 
selben quelle stammender paian des Macedonius (?) wird im 
dritten bände folgen. Außerordentlich schwach ist die gewähr 
für die echtheit des dichternamens in dem unter Ion als fragm. 
13 behandelten schol. Eurip. Androm. 631 , während das aus 
Miller MeT 364 entnommene fragm. 15 ebendaselbst eine si- 
chere bereicherung bietet. Von hier an sind Millers Mdlanges 
eine hauptfundgrube für Bergk, die als nächstes neues fragment 
das unter Antimachus p. 1 5 aufgenommene liefern ; in den ende 
fragm. 16 ibid. behandelten resten bei Philodemus iiegl svasß. 
p. 13 ed. Gomperz ist die Wahrscheinlichkeit für den namen 
des autors so gering, daß Bergk mit recht aus ihnen keine be- 
sondere nummer bildet; es könnte mit demselben gründe dem 
Cleomachus zugeschrieben werden. Es folgt nun p. 332 unter 
Demosthenes eine sehr ausführliche erörterung der Kaibelschen 
hypothese, daß das ächte epigramm auf die bei Chäronea ge- 



Nr. 7. 69. Griechische lyriker. 839 

fallenen in der Aiith. Pal. 7, 245 enthalten und aus Deniosth. 
De Cor. 289 verdrängt sei ; Bergk bekämpft diese auffassung, 
welche namentlich Kirchhoff getheilt hat (vgl. auch Philol. anz. 
IV, 274) und meint, mindestens müsse dann der Schluß des epi- 
gramms in der Anth. verloren gegangen und dieser Schluß bei 
Demosth. § 290 erhalten sein. Unter den fragmenten der iam- 
bographie ist neu die Vervollständigung des fragm. 31 A des 
Simonides (ed. III, fragm. 36) aus dem Florent. bei Miller Mel., 
sowie des hinzugekommenen fragm. 31 B aus schol. Lycophr. 
633. Ansprechend ist die p. 459 am Schluß der Simonidea ge- 
äußerte vermuthung , bei Hesych. u. "Exrogeg für ytsmvi'Ötjg zu 
lesen £i(acoiC8tjs) die von Cobet aus Clem. Alex. Paedag. p. 261 
beigebrachten verse stammen sicher wegen der auflösungen aus 
der komödie. Eine wahrscheinliche ergänzung ist dem fragm. 
Hipponax 4 aus Hesychius zu theil geworden ; neu ist ibid. fr. 
20 aus Tzetz. schol. Arist. Plut. 9 bei Herwerden nach Soph. 
0. R., ibid. fragm. 55 B aus Miller Melang. 19, ebendaher Hip- 
pon. fragm. 65, 66, 67, 113 B, 119. Ob in der p. 512 aus 
Diogen. Prov. VI, 47 citirten stelle für 'Hgodnrog zu lesen ist 
'Hgcööag und bei Stob. CXX, 9 für AtcoviSu: 'Hgcovda bleibe 
dahingestellt, desgleichen die am Schluß des fragm. des Aeschrio 
mitgetheilten vermuthungen über Strabo VIII, 378. 

Dies ist der Zuwachs im eigentlichen sinne , der meist dem 
alten bestände unter hinzufügung eines A und B so eingeordnet 
ist, daß keine oder doch keine wesentliche Störung der reihen- 
folge herbeigeführt wird. An dieser ist glücklicher weise auch 
sonst nur unbedeutend gerührt, so bei Aristoteles, Demodocus 
und Archilochus. Aber bei weitem wichtiger als die neuen funde 
ist die auf den alten besitz verwendete mühe; was seit 1866 er- 
schienen ist , hat Bergk in seinen bereich gezogen und selbst 
das entlegenste für seine zwecke durchforscht. Besonders einge- 
hend sind die personennamen in den einleitungen behandelt und 
auf das scheiden mehrerer gleichnamiger dichter, wie z. b. der 
Euenus, große Sorgfalt verwendet, wie sich Bergk überhaupt mit 
zunehmender Vorliebe der historischen forschung hingab. Aber 
darüber kommt keine andere disciplin zu kurz und das anre- 
gende , das Bergks arbeiten haben , liegt nicht bloß in seinem 
schnellen und klaren denken, sondern sehr wesentlich in seiner 
Vielseitigkeit, von der auch die neuen zusätze zeugen. Bald er- 

23* 



340 69. Griechische lyriker. Nr. 7. 

klärt er in ihnen den Ursprung einer Variante, wie Pseudophoc. 
1 8 , bald handelt er über die quantität einer silbe , wie Solon 
37, 3 ; hier erörtert er die von Planudes geübte kritik, wie 
Phocyl. 2. anmerk., dort eine orthographische frage wie Simon. 
Amorg. einl. p. 441, bald macht er eine metrische beobachtung, 
wie zu Solon 37 , bald einen grammatischen excurs , wie über 
fih c. conj. pr. zu Pseudophoc. 21, bald ist es ein handschrift- 
liches compendium , bald eine inschrift , bald ein vasengemälde, 
das er bespricht , und immer so , daß er der sache etwas für 
seinen zweck abgewinnt. Freilich fehlt es ihm nicht an will- 
kürlichkeit und diese tritt bisweilen gerade dadurch hervor, daß 
er ein princip betont. Was Bergk in der dialektkunde leistet, 
ist bekannt ; durch wiederauffinden verschollener worte und for- 
men hat er oft genug glänzend emendirt. Aber es ist ihm zur 
liebhaberei geworden, worte zu schaffen und es genügt ihm, ein 
wort nach dem Sprachgesetz gebildet zu haben, um es ohne wei- 
teres in den text zu setzen, wie Mimnerm. 9 v. 5 axzrjsvrog: ad- 
iectivum hoc auctoritate destitutum , sed probe factum, atque constat, 
quantopere graeci poetae id genus adiectiva frequentaverint , oder 
Pseudophoc. 181 ininaXXaxioig: quod restitui ininaHaxt'oig est 
sane dftdgTVQOv, sed similitudine aliorum adiectivorum, velut inivofi- 
cpidioig dl. tuearis, desgleichen bildet er neue constructionen, wie 
Phocyl. 6 ägxeiG&ai jzap' soig: sane insolentia structurae offendit, 
solet enim hoc verbum, quemodmodum alia eiusdem notionis dativum 
asciscere, sed reeentiores nonnumquam etiam praepositionem addunt, 
velut ayanäv nsgi et apud scholiastam Demosth. nuper ex cod. Pat- 
mio editum dgxovfisvog stti vel ovv legitur, si rede memini - — ; ein 
anderes mal hingegen hat er an einer neubildung eines andern 
ganz dasselbe auszusetzen, was ihm selbst in analogen fällen eine 
empfehlung zu sein schien, wie Pseudoph. 13, wo er die früher 
aufgenommene speciosa correctio von Bernays Ttag&saitjv jetzt 
verwirft : sed formae insolentia in hoc praesertim carmine offendit. 
(Ich bemerke hier, daß die form fiäxagg, welche Bergk ed. IV, 
Solon fragm. 14 aufgenommen hat, sich leicht durch die Um- 
stellung beseitigen läßt OvÖs (läxag nslszai ßgoTog ovdsCg , vgl. 
für die berechtigung umzustellen Bergk zu Mimn. fragm. 1, v. 4). 
Hin und wieder verbessert er auch eine eigene Übereilung; so 
hatte er ed. III zu* Phocyl. 3 v. 2 bemerkt possis ywanuxcov 
conicere, ist aber ed. IV so offen zu gestehen yvraiy. ti'mr si integrum, 



Nr. 7. 69. Griechische lyriker. 341 

ioniee pro yvvutxfcov dictum, quamquam eiusmodi forma auctoritate 
non minus est destituta quam jvvuixucov. Es ist also mehr die 
genialität, als die methode, welche ihn so oft das rechte treffen 
läßt und darum ist die Wiederherstellung grade der desolatesten 
fragmente das feld , auf dem er sich am liebsten und oft mit 
bewundernswerter Virtuosität bewegt. Eine systematische Un- 
tersuchung auf breiter statistischer basis hingegen ist dem be- 
weglichen geiste, der über eine fülle des wissens gebot und was 
er brauchte gleich gegenwärtig hatte , nie so recht nach dem 
herzen gewesen; sie hätte ihn zu sehr eingeschnürt. Darum 
verhält er sich auch solchen arbeiten gegenüber, wie z. b. Ren- 
ners Ueber die mischung der dialecte in der griechischen lyrik 
(Curtius Studien I) ziemlich passiv, er sagt gleich p. 1: Renner 
— cum plurimum ad aequabilem normam omnia redigere studuerit, 
quam mei instituti rationes arcebant , passim tantum viri doctissimi 
mentionem feci. Weiter geht er auf die principielle frage gar 
nicht ein, citirt Renner mehrmals ganz beiläufig, billigt einmal 
dessen resultat (p. 49 über die infinitivform auf sfisvai bei den 
elegikern) und tadelt dasselbe ein anderes mal (p. 57 frustra 
enim Renner contendit äreoog et hie et infra fragm. 40 prima syl- 
laba producta esse pronuntiandum , quod nee rationem habet (??) nee 
usu firmatur), behält sich also immer freie hand. 

Um noch kurz auf Theognis einzugehen, so gilt das Philol. 
XXIX, 680 und überhaupt in dem Jahresbericht über die grie- 
chischen elegiker von der ed. III gesagte im wesentlichen auch 
von ed. IV: nirgends vermißt man die anregende kraft Bergks, 
aber nur zu oft muß man sich mit andeutungen und winken 
begnügen , wo man eine sorgfältige beleuchtung oder auch nur 
eine begründung wünschte. Es lag aber nicht im plane Bergks 
und wohl auch außerhalb der möglichkeit , in einer kritischen 
ausgäbe zugleich die kunstformen und stilarten der verschiedenen 
dichter zu erörtern oder dem verständniß des einzelnen durch 
eine methodische Interpretation zu hülfe zu kommen : und doch 
arbeiten sich gerade bei Theognis die genaue erklärung, die er- 
forschung der poetischen individualität und die kritik, d h. 
außer der textgestaltung selbst die sonderung des ächten und 
unächten , die Verbindung oder trennung der bruchstücke so 
hand in hand , daß diese Operationen gar nicht von einander 
gesondert werden sollten. Hält nun aber die vierte ausgäbe 



342 69. Griechische lyriker. Nr. 7. 

den Standpunkt der dritten im ganzen fest, so zeigt sich im ein- 
zelnen doch gerade auch bei Theognis der ganz bedeutende fort- 
schritt, wie sich von einer sorgfältigen und, wie es bei Bergk 
nicht anders sein kann , durch und durch selbständigen Verar- 
beitung der inzwischen erschienenen besonders reichhaltigen litte- 
ratur erwarten ließ. Die andeutungen erweitern sich nicht selten 
zu wirklichen excursen , deren wichtigsten ich unten noch mit- 
theile, und wenn diese auch meist dogmatischer! oder polemischen 
Charakter haben, so ist ihr werth doch sehr viel höher als der 
so mancher kurz hingeworfenen paradoxen behauptung der frü- 
heren auflagen , nach deren gründen man vergeblich forschte. 
Damit soll die bedeutung ganz kurzer bemerkungen nicht ge- 
schmälert werden, wie z. b. gleich zu v. 4, wo Harteis unmög- 
liches 0' asCam abgewiesen wird mit den Worten quod sv is fxs- 
coig gs vel sv rs as fisaaoig dici oportebat , an denen man gleich 
den meister erkennt; leider aber ist er nicht immer so sachlich. 
Eine reihe solcher excurse wird natürlich dem kitharodischen 
nomos des Terpander zu theil, dessen berechtigung für die ele- 
giker an den verschiedensten stellen , ziemlich ausführlich zu 
Solon fragm. 13 und Theogn. 513, auch hier wieder in abrede 
genommen wird, wie denn auch auf die neuste Pindarausgabe nach 
dieser seite hin zu Theogn. 19 ein kurzer blick fällt; aber etwas 
neues und wesentliches bringen gerade diese excurse nicht, was 
wegen der mannigfachen genauen nachweisungen des nomos im 
Philol. XXIX sehr zu bedauern ist. Es wäre etwas gewonnen 
gewesen , wenn anstatt der energischen Wiederholung seiner be- 
reits Rhein, mus. III ausgesprochenen ansieht Bergk etwa be- 
wiesen hätte, daß einer der Philol. XXIX, 507 ff. zusammenge- 
faßten gesichtspunkte falsch oder Theogn. v. 19 aqigtjyig nicht 
auf den Nomos zu beziehen sei; so aber wird man ebensowenig 
gefördert, als durch den spott über die numerorum virgula divina, 
qua nunc imperita multitudo intempestive uti solet zu Simonid. Am. 
fragm 7, den er aus den früheren ausgaben her beibehalten 
hat, obgleich er nicht mehr zeitgemäß ist. Aber andere excurse 
haben unleugbare bedeutung, wie der zu v. 542 über eine be- 
stimmte form der braehylogie oder zu v. 715 über die adjeetiva 
auf ?'c als communia; der interessanteste ist der zu 1081 über 
die Überlieferung des textes, aus dem ich die wichtigsten sätze 
folgen lasse, zugleich um an einem beispiele zu zeigen, wie we- 



Nr. 7. 69. Griechische lyriker. 343 

sentlich sich ed. IV von III unterscheidet. Nach einer aufzäh- 
lung der Wiederholungen fährt er fort : Puerorum amoris cum ex- 
pers sit prior pars gnomoiogiae (nam v. 253 et 371 parvi sunt 
momenti), in novissima parte satis multa leguntur, quorsum spectat 
censura apud Suidam «XX' iv [iiacp rovrcov naosanag^svai ixiagiai 
xal naidixoi sgcoTsg , quam censuram non Suidas fecit, qui Theo- 
gnidea non usurparit, sed alius quis, cuius in manibus erat Tiaec gnomo- 
logia, neque vero naiSwäv volumen. Hoc ipso volumine etiam tunc 
integro (nam cod. A particidam tantum continet) usus est, qui no- 
vissimam gnomoiogiae partem adornavit, inde delibavit amatoria, velut 
v. 1095 — 6 qui diversis locis repetuntur. Et huius quidem hominis 
industriam inde a v. 949 fruit diesem verse läßt Bergk den zwei- 
ten theil , den Schluß des ersten buches beginnen) usque ad um- 
bilicum gnomoiogiae deprehendimus. Gern würde ich auch auf die 
wichtige erörterung eingehen, welche die adnotatio zu 467 — 96 
erfahren hat , die mit den Worten beginnt Improbavit haec omnia 
Leutsch , Philol. 30 . 622 seqq. — — de proverbio fortasse ille 
quidem rede, aber das ist unmöglich, ohne die frage der ächten 
und unächten bestandtheile zu berühren , die zu weitschichtig 
und so fern sie sich auf innere merkmale , also den kunststil, 
stützt, mit einiger Sicherheit bisher nur für Theognis selbst und 
Solon zu entscheiden ist. Was dagegen die Zusammengehö- 
rigkeit der fragmente betrifft, so ist, um von den nur in den 
anmerkungen ausgesprochenen vermuthungen abzusehen, im texte 
kenntlich gemacht und damit als für Bergk feststehend bezeichnet 
folgendes neue gegen ed. II: 1, v. 19 — 38 sind theile einer und 
zwar der als prooemium dienenden elegie; v. 19 — 26 ist deren 
unvollständig erhaltener anfang , 27 — 30 der anfang der media 
pars, v. 31 — 38 der vollständig erhaltene epilogus. Auf das 
urtheil über 31 — 38 ist ohne zweifei von einfluß gewesen Philol. 
XXIX, 522, obgleich nicht diese stelle, sondern eine andere aus 
dem folgenden bände citirt wird. Ueberhaupt ist Bergk leider 
seiner schon in der kritik von ed. III gerügten zu allgemeinen 
citirmethode getreu geblieben. 2, v. 79 — 86 hat Bergk jetzt 
wieder vereint, während er früher nach 83 trennte, und 83 
joaaovg 8' ov drjeig geschrieben. Auch Ziegler ed. II faßt 79 — 
86 zusammen, was bei Bergk nicht erwähnt ist, behält aber mit 
A zöaaovg ö' ov% sigotg bei. Ich halte die Vereinigung für ver- 
kehrt ; nlaiig und aiSmg sind zwei verschiedene dinge. Ueber 



344 69. Griechische lyriker. Nr. 7. 

den potentialis ohne av hat sehr vollständige litteratur Fritzsche 
zu Theokr. VIII, 20 ed. maj. ; — 3., daß für 237—54 der in ed. III 
vermuthete ausfall eines distichons zurückgenommen wird, be- 
merke ich nur wegen des Philol. XXIX, 682 gesagten, welche 
stelle hier hätte citirt werden müssen. 4., die schon früher nach 
544 statuirte lücke deutet ed. IV durch zwei reihen punkte an 
und meint jetzt, daß anstatt eines distichons (wie ed. III) zwei, 
und zwar den schluß des einen und den anfang des andern ent- 
haltend, ausgefallen sein. 5., v. 903—30, die ed. III mit Bekker 
nach 922 getrennt waren, sind jetzt wieder zu einer elegie ver- 
bunden und in folge dessen ist die vermuthung, daß v. 903 für 
&i]qoov QrjQmv zu schreiben sei, aufgegeben. 6 , die sonst zusam- 
mengefaßten v. 979 — 82 sind in zwei selbständige distiche auf- 
gelöst und zu dem zweck 980 onevöew geschrieben. Die an- 
merkung zu diesem verse ist so kurz gefaßt, daß sie fast unver- 
ständlich wird; der corrector cod. A bezieht sich wohl auf die 
von Ziegler mitgetheilte rasur in 982. Beiläufig sei bemerkt, 
daß zu v. 991. 92 Philol. XXX, 197 zu citiren war; der pen- 
tameter ist wohl sicher verdorben, keine conjectur hat aber bis- 
her dem uXXoig aXXog zu seinem rechte verholfen. Da im hexa- 
meter nur von einem einzigen die rede ist, erwartet man eine 
Umgestaltung, die das neutrum aXXote aXXo in den text bringt; 
passend würde ein gedanke sein wie öeoiaiv 5' aXXora aXXo qpt- 
Xov, doch entfernen sich diese worte zu weit von der Überliefe- 
rung. 7., nach 1082 der alten Zählung ist 41. 42 wiederholt, 
so daß 1081. 2 -f- 41. 42 nur als Variation zu 39 — 42 er- 
scheint. Endlich ist im zweiten buche vor 1239 mit cod. A 
1151. 2 gesetzt, so daß beide eine elegie bilden. In der rei- 
henfolge ist noch geneuert, daß das distichon Ovdha Kvqv' 
(1185. 6 ed. III) vor das andre Novg aya&og (1183. 4 ed. III) 
mit codd. AO gestellt ward , wie den neueren erhebungen über 
den A durchgehends die größte aufmerksamkeit zugewendet ist; 
so wird Jordan namentlich citirt zu v. 104 und seiner beobach- 
tung über einige höchst befremdliche rasuren in A zu 632, wenn 
auch ohne namensnennung , gedacht. Eine eigenthümliche frei- 
heit gestattet sich Bergk in der anwendung der klammern; fort- 
gelassen hat er sie jetzt mit recht 211. 12, wo sie nur mißver- 
ständniß erregten; dagegen schreibt er neue 441 Ovöetg [yäg 
ndvr'] iarl navöXßwg , mit der bemerkung y«Q navt" 1 cancellis 



Nr. 7. 69. Griechische lyriker. 345 

saepsi, videntur haec a correctore inserta ad versum redintegrandum 
etc., und 1331 (wo wirklich eine lücke ist) alSio (t 1 m nal (xaXs), 
Sidovg x<zqiv. 

Die ausbeute , welche neue collationen für die ed. IV er- 
geben haben, ist verhältnismäßig unbedeutend. Ich spreche hier 
nur von den collationen, welche speciell für die ed. IV vorge- 
nommen und noch nicht vorher veröffentlicht waren, denn es 
versteht sich von selbst, daß Bergk alle sonst aus handschriften 
(vgl. Tyrtaeus fr. 8) oder inschriften inzwischen gewonnenen 
resultate gewissenhaft verwerthet hat. Für die ed. IV hat Holder 
ihm den Heidelbergensis, cod. Palat. Gr. 43, verglichen, dessen 
lesarten mit H bezeichnet zuerst in den Pseudophocylidea auf- 
geführt sind. Für diese ist die handschrift indeß nicht von be- 
lang ; mehr verspricht sich Bergk von einer neuen vergleichung 
des Neapolit. J. E. 22 , den Bachmann für seinen Lycophron 
benutzt hat und der seitdem unbeachtet liegt. An mehreren 
stellen der sehr stark umgearbeiteten Pseudophocylidea erscheint 
statt der angäbe B (Barroccianus) in ed. III das zeichen b, 
schwerlich ein druckfehler, da es nur hinter M vorkommt und 
Mb den von Studemund verglichenen Mutinensis bezeichnet-, es 
ist aber nicht ersichtlich, warum B weggefallen ist. Für Xeno- 
phanes ist außer Klein Erot. nichts zu benutzen gewesen und 
der einzige iambus, ed. III als fragm. 9, hier nicht als beson- 
deres fragment behandelt. Zu der p. 111 für v. 15. 16 vor- 
geschlagenen construction aneiaavTag 8s xai sv^aftsvovg ia Sixaia 
dvvao&ai kqtjogsiv ut tu dixuiu dvvacßai nQi]aasiv sit ex participio 
sv^afAevovg suspensum möchte ich bemerken , daß die Verbindung 
der beiden verba schon bei Homer formelhaft ist, Od. XV, 258 
ibv 8s xfyapav Gnivdovt' sv^ofisvov zs doy naget vijt [AeXaivya.s.w , 
daher wohl auch hier sv^UfiSfovg absolut stehen muß. Für den Theo- 
gnis, die hauptsache in diesem theile, ist zu beachten der wegfall 
des K (Marc. 522) der ed. HI seit Zieglers und Ad. Hart's 
nachweis, daß K aus dem Vatic. (Vat. 915) geflossen ist; für 
KO der ed. III erscheint also hier bloß 0. Die gerade im jähre 
1880 besonders reiche litteratur für Theognis hat nur theilweise 
berücksichtigung finden können : Recensionem Theognideorum ab- 
solveram, cum Ziegler denuo (1880) edidit has elegiarurn reliquias, 
quem mox subsecutus est novissimus editor Sitzler (Heidelberg 1880, 
der später in Fleckeisens Jahrbüchern auch beitrage zu den 



346 70. Antiphon. Nr. 7. 

iambographen geliefert hat) ; van der Mey in Mnemosyne nova 
VIII, 807 seq. de nonnullis Theognidis locis commentatus subiecit 
exemplum cod. A. ; denuo examinavit codicem H. Jordan, Hermes 
XV, 523. Nicht recht verständlich ist die notiz in den Addenda : 
Adhibita est collatio codicis A ab A. Klügmanno confecta: vgl. 
Jahrbücher für philologie 1881, p. 452. 672, da diese doch erst 
nach Bergks tode erschienen ist; er muß sie also schon im ma- 
nuscript zur Verfügung gehabt haben. Ich muß es mir versagen, 
auf Theognis näher einzugehen , so viel veranlassung mir auch 
die bemerkung p. 235 gäbe und so gern ich einige der von 
Herrn. Schneidewin, De syllogis Theognideis , Argentorati 1878 
behandelten fragen wieder aufnähme; die anzeige überschreitet 
schon die in dem Phil, anzeiger zu beobachtenden grenzen. Es 
genüge, hinzuzufügen, daß Bergk für Aeschylus eine neue colla- 
tion der Anthologie von Finsler besessen hat; ob sich diese auf 
weiteres erstreckte , ist nicht ersichtlich , aber anzunehmen , da 
die erwähnung einer collation von wenigen versen nur berechtigt 
wäre, wenn sie besonderes böte. Th. Fritzsche. 

70. Frid. Ignatius, De Antiphontis Rhamnusii elocu- 
tione. Gottingae 1882. (Dissertation). 8. 34 p. 

Daß für Antiphon , wie für jeden andern schriftsteiler ein 
wissenschaftliches speziallexikon als sicherste grundlage der kritik 
und Interpretation nothwendig sei, werden wir dem verf. vorlie- 
gender schrift gern zugeben. Indem er aber diese arbeit ge- 
lehrteren und begabteren männern, wie er bescheiden sagt, über- 
läßt, ist er zufrieden material zu einer solchen geliefert zu haben. 
Zum zwecke seiner promotion hat er aus seinen Sammlungen 
60 artikel veröffentlicht , gedenkt aber den noch verbleibenden 
größeren theil in nächster zeit herauszugeben und einen alpha- 
betisch geordneten index sämmtlicher bei Antiphon vorkommen- 
den Wörter hinzuzufügen. Aus letzterer absieht erhellt, daß er 
sich von seiner arbeit einen praktischen gebrauch verspricht; 
dann wäre es aber besser gewesen die artikel von vornherein 
lexikalisch zu ordnen , wenn auch zuvörderst aus leicht begreif- 
lichen gründen nur ein theil derselben erschienen wäre. Wir 
könnten uns indessen die getroffene auswahl , die 126 auf das 
gerichtswesen bezügliche ausdrücke zusammenstellt, wohl gefallen 
lassen, wenn wir in den artikeln selbst eine übersichtliche an- 



\ 

Nr. 7. 70. Antiphon. 347 

Ordnung fänden , die uns über den Sprachgebrauch des redners 
ein klares bild gewährte. Verf. hofft auch wirklich in die „ru- 
dis indigestaque moles" einige Ordnung gebracht zu haben ; refe- 
rent gesteht, daß er sich das in der dissertation vorgefundene 
material erst selbst hat zurecht legen müssen, um eine leidliche 
Übersicht zu gewinnen. Da findet sich zusammengehöriges von 
einander getrennt, unwesentliches in behaglicher breite ausgeführt, 
wesentliches entweder ganz übergangen oder in einem nackten 
citat verborgen. Wenn bei einem Schriftsteller, wie Antiphon, 
von dem uns verhältnismäßig so wenig überliefert ist, die auf- 
gäbe , ein speziallexikon zu schaffen , nicht allzu schwierig er- 
scheint, so konnten wenigstens die veröffentlichten artikel sauber 
ausgearbeitet und dabei zum theil wesentlich gekürzt werden. 

Einen zweck hat der verf. allerdings im äuge gehabt, näm- 
lich die Verschiedenheit des ausdrucks in den einzelnen reden 
zu beobachten , wobei er insbesondere die tetralogien von den 
gerichtlichen reden trennt , gewiß ein richtiger gesichtspunkt, da 
über die echtheit einzelner reden noch nicht das letzte wort 
gesprochen zu sein scheint-, aber indem er in mehreren artikeln 
den stoff nach diesem statistischen prinzip theilt, ist er genöthigt 
dieselbe sachliche erklärung zu wiederholen , überhaupt sachlich 
zusammengehöriges zu trennen. Einfacher wäre es gewesen, am 
anfang oder ende eines längeren artikels den statistischen befund 
kurz anzugeben ; wären dann noch die kritischen versuche in 
anmerkungen verwiesen worden , so würde sich bei möglichst 
knapper ausführung der Sprachgebrauch leicht haben übersehen 
lassen. 

Das gesagte will ich nunmehr durch die besprechung einiger 
artikel begründen. 28. /tixaiog. Die reden sind hier nicht von 
einander getrennt. Der verf. beginnt nach einer kurzen statistischen 
bemerkung, wie ich sie überall gewünscht hätte, (hier: „ubique 
apud Antiphontem") mit dem substantivischen gebrauch des me- 
trums: „ac primum quidem neutri cum articido coniuncto vis subest 
iuris atque iustitiae", unterbricht aber nachher denselben durch den 
adjektivischen und adverbiellen , um später zu ihm zurückzu- 
kehren („redeamus ad usum adiectivi in modum substantivi usurpati"), 
ohne daß auch nur ein unterschied in der bedeutung diese 
trennung rechtfertigte : am Schluß wird der adjektivische gebrauch 
wieder aufgenommen. Sicher ist mit diesem zu beginnen und 



348 70. Antiphon. Nr. 7. 

zwar in den beiden stellen, 77X, 51 und Aß 2, in welchen dY- 
naiog als persönliche eigenschaft sich findet; die citate finden 
sich in dem artikel, aber an stellen, wo sie am allerletzten ver- 
muthet werden sollten. Wichtig ist es ferner, den persönlichen 
und unpersönlichen gebrauch von öixaiov sfoai mit dem infin. 
zu unterscheiden , worauf verf. wohl aufmerksam macht , ohne 
sämmtliche citate darnach zu ordnen. Daß bei dem unpersön- 
lichen dinatov die einfache copula fehlt, darf nicht verschwiegen 
werden. Dem adjektivischen kann der adverbielle gebrauch 
folgen, die Verbindungen des adiect. und adverb. mit synonymis 
sind vom verf. ziemlich vollständig angegeben. Den Schluß 
hat die substantivirung des neutrums zu bilden mit wichtigen 
Unterscheidungen ; denn anders ist der gebrauch in dem satz 
„spot zs ßoq&sTzs ttal zqj 8txaic>j H TIH, 80, als in dem ausdruck 
„naga zö blnaiov Ta 1 und wiederum in „yiyväaxHv ia dixata" 
TIH 8. In der bedeutung „ rechtsmittel " kommt ib öixatov 
77X 24 vor, aber nicht in der anrede „ngtral tcöv 8ixaCcop li 
TIH 85 ; darunter sind ol ta SUaia dixa^ovreg zu verstehen. Daß JTd 
9 mit dem Oxon. xaialaußatsiv dixaiog iatt, nicht mit dem Cripps. 
dinatov iari zu schreiben ist, folgt aus der dabeistehenden copula ; 
nachher das unpersönliche Öixatov ohne dieselbe parallel mit avöaiov, 
welches nur die unpersönliche konstruktion zuließ. Falsche citate 
in dem artikel sind : 77X10 (für KM 10), rß 12 und B8 12. — 7. 
'AnoXXvvai. Es genügt am anfang zu bemerken, daß das verbum 
in den tetralogien nur einmal, Aß 3 (BÖ 10 änolsa&ai A^ vor 
anoXvets sinnlos), in 77X" nirgends vorkommt; da der gebrauch 
in KM und HH der gleiche ist, ist es überflüssig beide reden 
zu trennen. Sämmtliche citate lassen sich leicht in folgende ru- 
briken bringen: 1) in der bedeutung „töten", 2) kriminell a) vom 
richter „verurtheilen" b) vom kläger „die verurtheilung veran- 
lassen" c) intrans. „verloren sein", wegen äneigia, durch falsches 
zeugnis u. s. w. 3) intrans. mit sächlichem Subjekt : 777/ 70 und 
95. Das genus der formen ist vom verf. mit unrecht übersehen 
worden ; mit recht hat er den gegensatz zu anoXvstv und aca- 
£siv hervorgehoben, wozu ich aus 7777 qiet8sa&ai füge, indem ich 
an der lesart des Oxon. q>uaayist>oig eben um des gegensatzes zu 
anoXsaaat willen festhalte; dem anoxpriqiiaaödai würde xaraxpij- 
(jjtaaadai um so mehr zu entsprechen haben, da diaxpqqii&a&at 



Nr. 7. 70. Antiphon. 34 ( J 

als vox media vorausgeht. Noch bemerke ich, daß flH 61 an 
einen privatproceß nicht gedacht werden kann , wie nicht nur 
aus dem ausdruck „xivdvvog fxsyag", sondern noch mehr aus den 
Worten: „xa< zrj nöXsi xy vfxsreoa %Üqiv xctTa&EG&ai" hervorgeht; 
ich glaube auch nicht, daß anoXXvvai von einer verurtheilung 
im civilproceß gesagt werden könnte. — In dem artikel 43, 
Nofiog glaubt der Verfasser besonderen grund zu haben, die re- 
den von einander trennen zu müssen. Abgesehen von der auf- 
falligen thatsache , daß das wort in der ersten tetralogie nicht 
vorkommt , fast scheint es , absichtlich gemieden wird , finde ich 
in den übrigen reden keinen unterschied im gebrauch dieses 
Wortes , das sich bald im Singular bald im plural findet , bald 
konkret ein bestimmtes, oft namentlich angeführtes gesetz be- 
zeichnet, bald im kollektiven sinne, wie unser ,, gesetz" verwen- 
det wird. Wenn der verf. beobachtet haben will , daß in der 
zweiten und dritten tetralogie und der rede KM der singular 
niemals kollektiv vorkommt, so sollte er uns doch im gegensatz 
hierzu diesen gebrauch in den beiden übrigen reden nachweisen, 
was er unterläßt. Mir aber scheint gerade in der dritten tetra- 
logie, a 7, in den Worten „6 väfxog oodcög vfitv riiAmgsTa&ai na- 
gadiöcooiv avröv (vgl. By 9) nicht an ein einzelnes gesetz ge- 
dacht zu sein, ebensowenig KM 31 „ßsßoijütjTac tw ts zs&vsmri 
na.} zw vopq)" (vgl. T1H 80 „sftoi zs ßoq&ehe xai zw dixaia> u ), 
wozu verf. ohne grund bemerkt : „videlicet ei legi qua utitur ac- 
cusator". Wenn einmal einige von Antiphon benutzte gesetze 
nach ihrem inhalt angeführt werden, wäre es konsequenter ge- 
wesen, die sämmtlichen, welche von ihm citiert werden, in eini- 
ger Ordnung zu sammeln. — 17. BdXXsiv. „vox in altera tetra- 
logia frequentissime usurpata nusqtiam de teli missu videtur dicta 
esse quae res potius exprimitur aut verbo aqpt&ttt, quod semel fit (8 5), 
aut saepius verbo aaovzi^siv. ßaXXsiv vero de ictu missilium dici 
solet". Ich beobachte , daß „ßaXXsiv" bei Antiphon , wie sonst 
im griechischen , mit persönlichem objekt und im pass. mit per- 
sönlichem subiect „treffen", absolut dagegen „werfen, schießen" 
im gleichen sinne, wie dxovtt^siv und aqiievai, bedeutet. Den 
beweis dafür liefert mir zunächst Bß 3 : „to nsioaxiov . . . fxsXs- 
tcö*» dxovzi&iv . . . sßaXs jusV, ovv. ansxrsive 8s ov8sva" „der 
knabe warf zwar, aber wurde niemandes mörder". Daß diese 
erklärung die richtige ist, geht aus der entgegnung des anklägers 



350 70. Antiphon. Nr. 7. 

hervor y 5 : „zov (ist* ßaXövtu xal dxovzlaavza (N richtig) ovze 
zgäaai ovze aTroxzsivai cptjoi" ; beide synonyme verba ßdXXstv 
und dxovTi&iv sind gebraucht, weil der gegner das axovii&iv 
und das ßdXXsiv (aber freilich nicht das ßdXXsiv rö [isigdxiov 
y 5 und das ßdXXsiv xal anoxTeivsw y 6) zugegeben hat. Auch 
§ 6 ist iov ßaXövzog bei 8id ttjv dxoXaaiav in demselben sinne 
zu verstehen, wie 8 5 6 dqtslg. Ueber des verf. interpunktion 
in Bß 3 sßaXe fisv ovx, dnixTEivs de ovSs'va" ist kein wort zu 
verlieren. 

Nicht glücklicher sind andere vermuthungen von ihm. Ge- 
wiß hat Blaß TJX 32 richtig £Xs'y%stv si ri tjSixovvto hergestellt; 
was soll dSixovvzai inmitten der imperfecta? Die schwierige 
stelle T1H 94 wird von ihm gelesen: „vvv [*sv ovv yvwgiazal yi- 
yvsa&E rijg Sixqg , tote 8s sixaa zal zcäv fiagzvgcov , vvv psv 
So^aazat zwv oqxodv, tote 8s xgtzal zwv dXq&äJv". „eixaazaC" 
beweist, daß dem verf. der gegensatz nicht klar geworden ist. 
yvcagiazai — 8o^aazai entsprechen sich ebenso genau wie 8ixa- 
GTai — xQiTai als hier synonyme begriffe ; wüßte ich zu erklären, 
wie sich zdöv (lUQTVQtov eingeschlichen hätte, würde ich bei den häu- 
figen beziehungen von dXrj&s'g und Stxaiov einfach schreiben : „vvv 
fisv ovv yvcagiazai yiyvEO&s, tote 8s SixuGTal tö>v 8ixaimv (vgl. 
§ 53 xgizai tüjv Sixatmv), vvv fisv 8o%aaTui, tote 8s xqitcu twv 
äXtj&cöv. rß 7 scheint Ignaz, wenn man aus dem einfachen citat 
p. 2 schließen darf, mit Blaß zu lesen: xal T?jg v/ASTsgag das- 
ßsiag a'iTioi ovTsg avToi cpovsig siai. Es wäre dann mit cpovslg 
etat dasselbe gesagt, wie im vorhergehenden gliede; wie viel 
besser da der allerdings ungewöhnliche ausdruck in der ursprüng- 
lichen lesung : xal z?jg vfiETs'gag EVGsßsiag cpovsig aiai, (Blaß, Att. 
B. I, 118), wenn wir uns entschließen können amoi zu streichen 
oder vielleicht oi avzoi (lateinisch sehr passend eidem „zugleich") 
aufzunehmen. T1H 84 ist ag ti dvooiov ysysvtjzai zu halten, 
dnaiaiov (Dobree) unnöthig, aTonov (Ignatius) geschmacklos. 
FIX 8 behalten wir bei zolg xazrjyogoig xal Tolg inijQsd^ovaiv 
und führen nicht mit Ignatius ein neues wort mit der änderung 
zolg xazqyogoig zolg xuzEnqged^ovaiv ein; zovg fiagzvgag zovg 
xaza/xagzvgovvzag wäre kein dem analoges beispiel. 

Ich schließe mit dem wünsche , daß Ignaz seine fleißige 
Sammlung, das veröffentlichte und das zurückbehaltene, zu einem 
brauchbaren lexicon Antiphonteum (vielleicht in deutscher spräche) 



Nr. 7. 71. Plautus. 351 

verarbeiten möge; kritische versuche möge er möglichst be- 
schränken und dem Oxoniemis die gebührende ehre erweisen. 

K. S. 

71. T. Macci Plauti comoediae. Kecensuit instrumento cri- 
tico et prolegomenis auxit Fridericus Ritschelius sociis operae 
adsumptis Gustavo Loewe , Georgio Goetz , Friderico Schoell. 
Tomi II, fasc. II Amphitruo. Separattitel: T. Macci Plauti Am- 
phitruo. Recensuerunt Georgius Goetz et Gustavus 
Loewe. Lipsiae in aedibus B. G. Teubneri MDCCCLXXXII. 
XII, 131 p. 8. 3 mk. 60 pf. 

Der emsige fleiß , mit dem es Götz und Löwe ermöglicht 
haben, uns in dem Zeitraum von etwa l 1 /^ jähren mit den kri- 
tischen ausgaben von drei Plautinischen stücken, Asinaria , Au- 
lnlaria und dem hier zu besprechenden Amphitruo zu beschenken, 
verdient die höchste anerkennung und den wärmsten dank. Was 
zum lobe der früher theils von Glötz allein theils zusammen mit 
Löwe veröffentlichten stücke von den verschiedensten seiten ge- 
sagt worden ist, gilt in vollem maße auch von der vorliegenden 
ausgäbe des Amphitruo. Dieselbe erfüllt alle ansprüche, welche 
an eine ausgäbe zu stellen sind , die fortan als kritische grund- 
lage zu dienen bestimmt ist. Mit welcher Sorgfalt die heraus- 
geber bemüht gewesen sind , den handschriftlichen apparat mit 
der größtmöglichen Zuverlässigkeit auszustatten , zeigt der be- 
richt über die kritischen hilfsmittel ; man darf danach vertrauen, 
daß man sich überall auf festem, sicherem boden befindet. Die 
citate sind mit bewährter sorgsamkeit und Vollständigkeit ge- 
sammelt; ref. hat nur zu 727 und 863 die Zeugnisse des Acron 
(Hör. C. I, 13, 4 und S. I, 5, 103) vermißt. Auch zur Ver- 
vollständigung des anderweitigen kritischen materials ist nur we- 
nig nachzutragen, wie 690 das von Luchs vermuthete continit, 
818 das (wohl nothwendige) inpudenti Fleckeisens, von dem auch 
1080 unerwähnt geblieben ist, daß er später zu der lesart des 
Pylades zurückgekehrt ist (andrerseits war vor Fleckeisen 302 
Lambin und 783. 785. 1004 Loman zu nennen, auf den auch 
1060 neben Müller hingewiesen werden konnte), die vermuthung 
Spengels, daß akt III bis IV, 2 auszudehnen sei ; nach analogie 
anderer stellen konnte wohl auch 26. 39. 829 auf Langen, 293 



352 71. Plautus. Nr. 7. 

auf Lübbert verwiesen werden ; 882 ist von Braune sie me probri, 
nicht ita sie probri vermuthet worden u. a. 

Das von den herausgebern in der gestaltung des textes be- 
folgte verfahren ist das gleiche wie in den früheren stücken. 
Ueberall zeigen sie sich bedacht, in möglichst engem anschluß 
an die Überlieferung und mit möglichst einfachen mittein einen 
lesbaren text herzustellen. Hinsichtlich der vielfach als eine art 
panacee verwendeten bekannten archaischen formen beobachten 
sie dieselbe besonnene Zurückhaltung wie früher ; nur dem durch 
das akrostichische argumentum bezeugten Alkumenas haben sie 
872 aufnähme gewährt: warum nicht auch 486? Ebenso ver- 
harren sie in der hiatusfrage in der früheren ablehnenden hal- 
tung ; ein nicht unbeträchtlicher theil der von ihnen aufgenomme- 
nen fremden und eigenen conjekturen dient der entfernung über- 
lieferter hiate, von denen nur wenige (272. 275. 386. 575. 1012) 
im text unbeseitigt geblieben sind. Zwar sprechen sie in der 
vorrede die ansieht aus, daß wie der prolog so auch das stück 
selbst von der thätigkeit der diaskeuasten nicht unberührt ge- 
blieben ist 5 doch haben sie mit anerkennenswerther besonnenheit 
im text nur wenig athetesen vorgenommen und sonst nur in den 
anmerkungen ihren verdacht geäußert. Sehr ansehnlich ist die 
zahl der stellen, wo sie zu der von Fleckeisen verlassenen Über- 
lieferung zurückgekehrt sind , die freilich nach der ansieht des 
referenten noch an mancher stelle hätte gewahrt werden müssen. 
Sind z. b. 221 die worte legiones item, wie wohl unzweifel- 
haft, wirklich ein glossem , so ist die entstehung desselben doch 
nur begreiflich , wenn nostras (GL mit Bothe nostros) die ur- 
sprüngliche lesart ist. Schwer denkbar ist es, wie 1061 nam 
ubi pärturiens deos sibi invocat jemand dazu gekommen sein sollte, 
das von GL gestrichene sibi einzuschalten; vermuthlich hat die 
allerdings große Seltenheit der korreption einer positionslangen 
silbe in der vorletzten arsis zur tilgung des sibi hier ebenso 
veranlaßt wie 1131 adsum auxilio, Ampliitruo, tibi et tuis zur Strei- 
chung des et, nach dessen wegfall ein schwerlich statthaftes asyn- 
deton entsteht. 1075 a wird das überlieferte ibo et cognoscam (ut 
cognoscam GL mit Acidalius) genügend geschützt durch die von 
Bailas gramm. Plaut, p. 14 beigebrachten belege. — Von den 
fremden konjeeturen, denen aufnähme gewährt worden ist, fällt 
natürlich Fleckeisen ein sehr großer theil zu; nächst ihm ist 



Nr. 7. 71. Plautus. 353 

unter den neueren kritikern ans häufigsten C. F. W. Müller ver- 
treten. Unter den etwa 50 eigenen , in den text eingesetzten 
vermuthungen sind eine anzahl sehr ansprechend, wie 215 Pro- 
periter (für Propere), 294 die einschaltung von hodie, 408 die von 
^mi male vor malae dolent , 968 qui (für ui), 1061 parturiens (für 
parturit). 

Da nunmehr auch für dieses vortreffliche stück der for- 
schung eine sichere grundlage geschaffen ist, so wird voraussicht- 
lich die mühe der hochverdienten herausgeber von den freunden 
der Plautinischen muse durch verdoppelten eifer, die Wiederher- 
stellung desselben zu fördern, gelohnt werden. Einige bescheidene 
beitrage, gesammelt bei der lektüre dieser editio princeps , wie 
man sie in gewissem sinne nennen kann, gestattet sich ref. hier 
beizusteuern. 350 schreiben G L: Quid apud hasce aedis nego- 
tist [nunc] tibi?: nunc pflegt aber in derartigen fragesätzen nicht 
soweit von quid entfernt zu stehen, sondern in möglichster nähe, 
gewöhnlich folgt es sogar unmittelbar darauf; eine sehr nahe- 
liegende ergänzung des lückenhaften verses ist: tibi? [die] vgl. 
Mgl. 440. Poen. V, 5, 27. Rud. 951. — Sollte 384, wo G L 
Nam „Amphitruonis socium" dudum me esse volui dicere schreiben, 
die handschriftliche lesart socium neme nicht folgendermaßen zu 
ergänzen sein : Nam „Amphitruonis socium [ver]nae" me esse volui 
dicere? — 627 Verum actutum nosces, inquam , me illum servom 
Sosiam: so G L , die handschriften nosces quam illum nosces {in- 
quam nur J) , mit änderung eines buchstaben ergiebt sich ein 
ausreichender sinn: Verum actutum nosces (bezüglich auf das Qui 
malum intellegere quisquam potis est ? des Amphitruo) , quom illum 
nosces s. S. ■ — 958 erscheint die ergänzung ea ego exsoluam [una] 
omnia einfacher als die änderung von exoluam in persoluam. — 
520 Quoii ego hoc iam seipione — GL., es wäre wohl besser 
die überlieferte Wortfolge ego iam hoc (vgl. 779. Aul. 189) bei- 
behalten und nach stellen wie 1030. Mgl. 371. Pers. 786 die 
handschriftliche lesart zu Quo[i po]l ergänzt worden ; pol hat schon 
Camerarius gefunden. — Die 542 aufgenommene vermuthung 
desselben Ut quom absim me ames , me tuam absentem tarnen ist 
außer anderen gründen wegen des vor absentem überlieferten te 
nicht zweiffellos ; dasselbe scheint vielmehr auf eine fassung wie 
die folgende hinzuweisen: Ut quom absim, deames me, ut am[o] 
te absentem tarnen oder me ames, ut amo te absentem tarnen: daß 
Piniol. Anz. XIII. 24 



354 72. Plautus. Nr. 7. 

dasselbe wort au falscher stelle wiederholt wird , ist in unseren 
handschriften nicht selten. Schwerlich richtig ist auch, was G L 
1075 b mit Kießling schreiben: Amphitruo hie [est] quidem erus 
mens, da es in solchen formein regel ist, daß hie quidem {hiquidem) 
zusammenstehen. Nach der Überlieferung widerspricht dieser 
regel allein Ps. 445 meus hie est quidem servos Pseudolus, eine 
stelle , die schon Fleckeisen , dem Lorenz mit recht folgt , durch 
die Umstellung meus est hie quidem berichtigt hat; Merc. 366, 
wo Ritschi mit C D Meus quidem hie pater est schreibt, bietet B 
das richtige: M6us pater hi(c) quidemst vgl. Most. 1063 Erus mens 
hi(c) quidemst. Nie steht est in diesen formein am anfang wie 
bei Fleckeisen. Es ist entweder Amphitruo[st] hie quidem meus 
erus oder Amphitruo hiequidem erus [est] meus zu schreiben. — 
899 möchte sich durch ihre leichtigkeit die ergänzung Quor te 
avortisti? Ita [ingeni] ingenium meumst (vgl. Stich. 126 vostrum in- 
genium ingeni) vor der Umpfenbach'schen Quor te avortisti [quaeso] ? 
— Ita ingenium meumst empfehlen. Die handschriften weisen in 
diesem stücke merkwürdig viele kleine Kicken auf, sodaß es nicht 
allzu kühn ist, eine solche auch 731 anzunehmen, wo die Über- 
lieferung Te heri me vidisse, qui hac noctu in portum advecti sumus 
allerdings nicht unbedingt dazu nöthigt , und zu schreiben : Te 
heri me [et hunc] vidisse usw. vgl. 699 Nam dudum ante lucem et 
istunc et te vidi. O. Seyffert. 

72. Alazon. Ein beitrag zur antiken ethologie und zur 
kenntniß der griechisch-römischen komödie nebst Übersetzung des 
Plautinischen Miles gloriosus von Otto Ribbeck. Leipzig 
1882. 8. VI, 193 p. 4 mk. 40 pf. 

In Verfolgung der absieht, „an dem faden der Theophra- 
stischen Charakterbilder die dort beschriebenen typen, wie sie in 
der antiken komödie und von anderen beobachtern des täglichen 
jebens im alterthum dargestellt sind, nach ihrer historischen ent- 
wicklung und ihren mannigfachen Spielarten nach und nach zu 
reproduciren", behandelt Ribbeck das gegenbild des schon früher 
(Rhein, mus. 31, 387 ff.) von ihm geschilderten t'/geor, den dXn- 
£oü'j', in den beiden ersten kapiteln — „charakter des Alazon" 
und „zur Synonymik'' — des angekündigten buches in einer 
nach inhalt und form als mustergültig zu bezeichnenden weise. 
Ref. verstattet sich nur einige bemerkungen. Wenn es p. 26 



Nr. 7. 72. Plautus. 355 

beißt, Terenz habe die person des kocbes völlig aufgegeben, so 
ist an den kocb Sanga Eun. IV, 7 zu erinnern ; der patruus 
pultiphagonides im Poenulusprolog kann doch unmöglich einen 
miles bezeichnen (p. 35) ; auch nennt sich der Miles gloriosus 
nicht Neptuni nepos (p. 88) , vielmehr Veneria nepos. Für das 
gebahren eines wichtigthuers war p. 52 vielleicht auch die hübsche 
stelle Plaut. Pers. 307 ff. anzuführen (vgl. Cic. de or. I, 246). 
Das dritte capitel ,,der Plautinische Miles gloriosus" — das stück, 
welches alle den charakter des dlu'Ccov bildenden demente zu 
einem in grellen strichen ausgeführten gesammtbilde vereinigt — 
berührt zunächst die frage nach dem Verfasser des griechischen 
Originals („schwerlich Menander") und nach der abfassungszeit 
der lateinischen komödie, für deren entstehung in einer früheren 
periode des Plautus ein weiterer beachtenswerther beweisgrund 
aus dem umstand ermittelt wird, daß der dichter „in der detail- 
lirten darstellung des miles gloriosus schwelgt", während er in 
den nachweisbar späterer zeit angehörigen stücken „die breitere 
ausführung militärischer prahlereien als ein sattsam behandeltes 
thema ablehnt", um dann die komposition des Stückes einer ebenso 
eingehenden wie einsichtigen kritik zu unterwerfen. Auch Rib- 
beck kommt zu dem Schlußresultat, „daß mehrere getrennte ori- 
ginale verschmolzen sein mögen, oder vielmehr theile derselben", 
und findet eine überraschende bestätigung dieser ansieht in einer 
novelle in „tausend und eine nacht", welche das erste der bei- 
den im Miles gloriosus verwendeten motive für sich in so auf- 
fälliger Übereinstimmung behandelt , daß der gedanke an eine 
entlehnung fast unabweisbar erscheint. Nach Ribbeck's meinung 
geht die arabische erzählung auf eine griechische quelle zurück, 
und es ist ja nicht unmöglich , „daß ein arabischer Schriftsteller 
seinen stoff gelegentlich auch einmal , immerhin durch nicht 
mehr nachzuweisende Zwischenglieder, der griechischen bühne 
verdankte". Aber auch das ist denkbar, daß ein lateinischer 
schriftsteiler erkannte, wie sehr sich das erste motiv des Plauti- 
nischen Stückes zu selbständiger behandlung eignet, und dasselbe 
zu einer erzählung gestaltete, welche dann die quelle für die ara- 
bische novelle wurde , und nach den von Ussing in dem jüngst 
erschienenen bände seiner Plautusausgabe (IV, 1, p. 223) gege- 
benen notizen ist diese vermuthung nicht unwahrscheinlich. Träfe 
sie das richtige , so wäre die oben erwähnte Übereinstimmung 

24* 



356 72. Plautus. Nr. 7. 

für die frage, ob die Plautinische koniödie kontaminiert ist oder 
nicht, ohne werth. 

Die bisher erwähnten bestandtheile des buches sind als ein- 
leitung für die den schluß bildende Übersetzung des Miles glo- 
riosus zu betrachten. Dieselbe ist nach der vorrede bereits vor 
27 jahren vollendet und seitdem gelegentlich immer wieder 
durchgefeilt worden. Eibbeck äußert sich selbst sehr bescheiden 
über den werth dieser arbeit; unbedenklich ist ihm zuzugestehen, 
daß die Übersetzung bei treuem anschluß an den Wortlaut, ton 
und Stimmung des Originals in möglichst bequemer Umgangs- 
sprache wiedergiebt: in einzelnen partien ist sie sogar meister- 
sterhaft zu nennen. Dagegen ist ref. der ansieht, daß sich eine 
größere glätte der verse auch ohne eine wesentlich freiere be- 
handlung hätte erzielen lassen und „der Plautinischen art" nicht 
widersprochen haben würde ; jedenfalls sind die verse des Origi- 
nals in ihrer art ganz erheblich wohllautender als zum nicht ge- 
ringen theil die verse der Übersetzung, die bisweilen so beschaffen 
sind, daß es mühe macht, sich mit dem metrum zurechtzufinden. 
Wer vermag wohl , um nur ein beispiel von vielen anzuführen, 
370 aus den Worten „daß ich nicht soll gesehn haben was ich 
gesehn" [quin viderim id quod viderim) ohne weiteres das metrum 
herauszuerkennen? Auch mit Ribbeck's auffassung einzelner 
stellen glaubt ref. nicht übereinstimmen zu dürfen ; z. b. über- 
setzt er 947 Conditio nova luculenta etc. mit „was dir von 
neuem durch meine Vermittlung doch für ein prächtiger antrag 
kommt", aber novus kann hier nur bedeuten „noch nicht da- 
gewesen, unerhört." An einzelnen stellen ist ref. gerade durch 
die Übersetzung die Unrichtigkeit der von Ribbeck zu gründe 
gelegten lesart erst recht klar geworden. So übersetzt er 797 
das von ihm vermuthete ego rectis meis ei dabo mit : „zu seinen 
händen direkt geb' ich ihn jenem"; aber wie kann rectis in 
dieser Verbindung dies bedeuten? Die von Löwe im Ambrosianus 
entzifferten anfangsworte eines in den übrigen handschriften zwi- 
schen 797 und 798 ausgefallenen verses AURIS UE oder UT 
reichen gerade aus, um deutlich erkennen zu lassen, daß auch 
in der zweiten hälfte von 797 vom hören die rede war, wie ich 
bereits Philol. XXIX, 397 f. vermuthet habe ; es ist unzweifelhaft zu 
schreiben: ego rede (so BD) meas Auris utor. In dem vorange- 
henden s/ audis hat Lorenz' Scharfsinn (Phil. XXXII, 419) si 



Nr. 7. 73. Statius. 357 

audes = sodes erkannt, in dem davorstehenden verberauit (yerbe- 
raruit, verberatuit) glaube ich jetzt eine form von arbitrari zu er- 
kennen und vermuthe, daß zu schreiben ist : Ne me surdum [esse] 
arbitreris, sodes. O. Seyffert. 

73. Sandström, C. E., Studia critica in Papinium Sta- 
tium. Upsala 1878. Akad. buchh. gr. 8. VIII und 61 p. — 
Desselben: Emendationes in Propertium, Lucanum, Valerium 
Flaccum. Ebendaselbst gr. 8. 44 p. (Upsala, univers. Ärs- 
skrift 1878. Filosofi etc. III und IV) 1 ). 

In dem ersten schriftchen bietet der verf. eine große zahl 
von conjecturen zu Statius, namentlich zu dessen Silvae, die er 
in der regel mit kurzen erläuterungen, selten mit längeren aus- 
einandersetzungen begleitet. Dabei fällt vor allem auf, daß er 
die einschlägige litteratur vielfach gar nicht kennt oder , wenn 
sie ihm bekannt ist , nicht sorgfältig verwerthet. Daher erklärt 
es sich , daß er conjecturen vorbringt , die längst von anderen 
vorgeschlagen worden sind, z. b. Silv. V, 3, 218 „pavorem", wor- 
auf, wie er aus dem commentare von Bährens entnehmen konnte, 
schon Heinsius verfallen war, oder daß er vermuthungen anderen 
zuschreibt als ihren eigentlichen Urhebern, z. b. Silv. I, 2, 122 
„querimur" Hand (richtig Peyraredus) oder Silv. I, 4, 88 „plau- 
debat" Markland (richtig Jortinus). Ja selbst lesarten aus hand- 
schriften führt der verf. als eigene conjecturen an, z. b. Ach. I, 
356 „sexuque", 659 „pendas", 8 1 8 „somnumque", Theb. VIII, 558 
„aversatus". Diese nachlässige benutzung der litteratur bringt 
es weiter mit sich, daß der verf. sich öfters an der emendation 
von stellen versucht, für welche schon längst einleuchtende Ver- 
besserungen vorgeschlagen sind, und zwar ohne dieselben zu er- 
wähnen und zu widerlegen, z. b. Silv. I, 4, 13 „vos terque" (so 
Nohl, „fausteque" Sandström), II, 6, 62 ff. „raptassent" und „Acir" 
(so Madvig, „vastassent" und „quave Latinus ager si" Sandström), 
IV, 4, 66 „haud tarde" (so Barth, Sandström „fugiant" statt 
„subeant".) Auch kümmert sich der verf. oft nicht um die hand- 
schriftliche Überlieferung. So schreibt- er z. b. Silv. IV, 4, 84 
statt „abiisse" : „deusta", weil die ed. Veneta „deesse" hat, als 
ob diese ausgäbe irgend eine gewähr hätte. Endlich sind seine 

1) Vgl. Lit. centralb. 1878, p. 1275; 1879, p. 115; Bursian's jah- 
resb. XIV, 165. 



358 73. Statius. Nr. 7. 

conjecturen nicht aus eingehender lectüre und sorgfältiger erwä- 
gung hervorgegangen; sie sind vielmehr augenblickliche einfalle 
und reproducieren nur den eindruck, welchen einzelne stellen bei 
flüchtigem lesen auf ihn machten. Man darf sich daher nicht 
wundern hier vieles angetastet zu sehen, was sich entsprechend 
erklären läßt. So , um nur einige beispiele anzuführen , Silv. 
I, 1, v. 23 „visus populis" statt „fessus bellis", 25 „e titulo" statt 
,,e vultu" oder gar 28 „liaud minor ad Lagos iret gener aut Cato 
Syrtes", wofür gleich noch ein anderer Vorschlag gegeben wird 
„Haemonia, ad Lagos iret gener aut Cato Syrtesf", für „et minor 
in leges iret gener et Cato castris", nicht „pacis", was von Bährens 
herrührt. Diese beispiele charakterisieren hinreichend die wüste 
art der kritik, die sich um die erklärung der Überlieferung nicht 
kümmert und das, was eben in den sinn kommt, ohne jede er- 
wägung hinstellt. Der verf. hat sich auch von stil und spräche 
des Statius eine Vorstellung gebildet, die ganz unhaltbar ist. 
Er verkennt , daß spräche und stil bei Statius im hohen grade 
maniriertund geschraubt sind, daß sich bei ihm, wie bei seinem 
Vorgänger und muster, Valerius Flaccus, mehrfach verkehrtes und 
geradezu geschmackloses findet. Will man nun dies alles und 
noch dazu etwa, wie der verf. p. II meint „quae ad vulgarem po- 
tius inornatamque et humi repentem orationem pertinent", durch con- 
jectur beseitigen, dann wird man allerdings viel zu thun haben, 
aber nicht den text emendieren , sondern eine Umarbeitung des 
dichters liefern. Die fluch tigkeit , mit welcher das ganze gear- 
beitet ist, zeigt sich auch in den ziemlich zahlreichen versehen, 
die sich besonders in den zahlen finden, dann in den verkehrten 
Schreibweisen, wie „infoecundus, littora, moestus, solatium", nament- 
lich in dem p. 6 und 7 fünfmal vorkommenden „Elaeus". 

Uebrigens erkennen wir gerne an , daß es dem verf. nicht 
an talent und Scharfsinn fehlt. Man findet daher in dem wüste 
einiges , das beachtenswerth oder doch ansprechend ist , z. b. 
Silv. I, praef. 11 „qua avi me reliquerit" ; 1, 102 „Elei scidptor 
Iovis" ; 3, 16 „ante manus artemque", 21 „spumeus .. . saxosaque" 
(vgl. mit Theb. IV, 801); V, 3, 171 „domus", Ach. I, 529 „at 
me", Theb IV, 352 „tepidas", V, 400 „at cuncto" (richtig 0. 
Müller „attoto"), IX, 116 „quae primum foeta", XI, 646 „volvere". 
Auch hat er die interpunction an einigen stellen verbessert. 

Wir wollen hier noch zwei stellen der Silvae kurz behau- 



Nr. 7. 73. Statius. 359 

dein, nämlich I, 4, 61, wo die codd. „Progresmsque" oder „Prae- 
gressusque moras" bieten , wofür Bährens „Egressusque moros", 
Sandströni „Praequestusque moras a schreiben ; ich vermuthe „Prae- 
cisisque moris" ; dann IV, 8, 24, wo in den codd. „mutata" über- 
liefert ist, was Markland und Bährens in „nudata" ändern, wäh- 
rend es Sandström festhält und „a donis" statt „donis" schreibt ; 
näher liegt wohl „mentita". 

Noch weniger bedeutend sind die „Emmdationes" zu Pro- 
pertius , Lucanus und Valerius Flaccus. Was Propertius anbe- 
trifft, so ist der verf. mit der litteratur sehr wenig bekannt. Er 
bringt daher vieles , was längst von anderen vorgeschlagen ist, 
z. b. I, 8, 22 „acerba" (Scaliger); II, 28, 33 f. nach v. 2 ge- 
stellt (Passeratius) ; 29, 23 beginn einer neuen elegie (CTuyetus). 
III, 9, 8 kennt er nicht die conjectur des Lipsius „zma", die 
Passeratius in seiner handschrift las, und schreibt ohne weiteres 
„haec ex quo ducitur illa u \ II, 22, 14 hat er nicht die interpunc- 
tion von Lachmann beachtet und „quare" keck in „gnarum" ge- 
ändert. Von allen vorschlagen sind nur zwei bemerkenswerth : 
11,9,17 „nuptis" statt „nßfes", worin er mit Bährens Mise. Crit. 
86 zusammentrifft, und 25, 2 „saeva vicem", wenngleich schwer- 
lich richtig; alles andere ist verfehlt. Die verzweifelte stelle I, 
20, 48 „rapto corpore" , wofür neuestens Bährens „accito compare" 
vorgeschlagen hat , während Sandström „rapto corpore" beibehält 
und „sonitum . . . fecit u in „comitem . . . civit" ändert, ließe sich 
vielleicht so verbessern, daß man annimmt „corpore" sei, wie dies 
öfters geschehen ist l ) , durch Verwechslung aus „pectore" ent- 
standen. Dies zugegeben ließe sich „rapto" leicht in „rupto" 
verbessern und „rupto pectore" würde die hier kaum entbehrliche 
nähere bestimmung des „sonitum fecit" geben. Das verbum „rum- 
pere" wird nemlich öfters so, wie hier, gebraucht, wo „rupto pec- 
tore sonitum fecit" den wilden schrei bezeichnet, der die brüst 
hätte bersten machen können; man vergleiche Lucr. III, 297, 
Verg Georg. III, 328 (Cop. 27), I, 49, luv. I, 13. Was Lu- 
canus anbetrifft, so finde ich unter den vorgeschlagenen conjee- 
turen nichts, was irgendwie bemerkenswerth wäre. I, 86 „fe- 
licia" gehört Peyraredus, III, 607 „novat", V, 226 „in agro" van 
Jever an. Fast das gleiche gilt von den zahlreichen emeuda- 

1) Vgl. über solche Verwechslungen meine stndien zu Valerius 
Flaccus p. 84 (352). 



360 74. Valerius Flaccus. Nr. 7. 

tionen zu Valerius Flaccus, von welchen sich nur etwa III, 163 
„densa . . . magna" was übrigens schon , wie ich gelegentlich 
nachweisen will, ein Holländer vorgeschlagen hat, 721 „fastigia", 
VI, 152 „saevus tumor" noch hören lassen; VI, 594 wird richtig 
„prior, generis" interpungiert. VI, 582 ist „ante" allerdings auf- 
fällig, aber „tota il gleich „tota mente" zu schreiben ist ganz ver- 
kehrt ; eher könnte man an „inde" denken. VI, 213 steht „nunc" 
schon in der Bononiensis und „at" 21 4 habe ich in den text 
meiner ausgäbe gesetzt, die Sand ström, wie es scheint, gar nicht 
gesehen hat. Karl Schenkl. 



74. Gebbing, Herrn., De C. Valerii Flacci tropis et 
figuris. Marburg 1878, Elwert. 8. 90 p. 1 mk. 20 pf. T ). 

Der verf. spricht sich in dem Vorworte mit recht dahin aus, 
daß bei Valerius vor allem auf eine genaue und sorgfältige er- 
klärung gewicht zu legen ist. Wenn dies auch bei allen Schrift- 
stellern erfordert wird und jede kritik , welche nicht auf einer 
solchen erklärung beruht , scheitern muß , so ist dies doch ganz 
besonders bei Valerius nothwendig , der einerseits die spräche 
nur unvollständig beherrscht, andererseits sie mit einer unglaub- 
lichen kühnheit meistert und daher bei seiner manirierten und 
geschraubten ausdrucksweise so große Schwierigkeiten bereitet. 

Um nun einen beitrag zur richtigen erkenntniß und Wür- 
digung des stiles des Valerius zu liefern, behandelt der verf. den 
gebrauch der tropen und figuren , die in den Argonautica so 
zahlreich sind. Der stoff ist klar und übersichtlich gruppiert 
und in jedem abschnitte das material sorgfältig zusammengestellt. 
So ist denn diese schrift ein werthvoller beitrag zur erklärung 
des Valerius und eine schätzenswerthe Vorarbeit für einen com- 
mentar. Zu der ausarbeitung von commentaren wird man sich 
ja doch entschließen müssen , wenn man die kritik fördern und 
eine ganze reihe von dichtem , die jetzt nicht häufig gelesen 
werden, einem größeren kreise zugänglich machen will. 

Der verf. stimmt der ansieht bei, daß das gedieht des Va- 
lerius uns im halbfertigen zustande vorliegt. Nichts desto we- 
niger will er V, 565 neben 566 festhalten, indem er den Vor- 
schlag von Bährens „volucrum" statt „nitidum u billigt. Aber wie 

1) Vgl. Literar. centralbl. 1879, p. 116; Bursian's Jahresberichte 
XIV, 166. 



Nr. 7. 75. Silius Italicus. 361 

soll „volucrum u in „nitidum il verderbt worden sein und gesetzt 
auch , daß man dem Valerius ein solches bild zutraut , was ich 
nicht billigen kann, so ist doch „volucrum chorus" auffällig. Auch 
IV, 661 ff. kann ich nicht glauben, daß Valerius der stelle end- 
giltig diese form geben wollte ; denn die von Gebbing angeführten 
stellen IV, 333 f. und VI, 296 f. sind doch wesentlich anderer 
art. Es liegt uns der entwurf des dichters vor, der sich in zwei ver- 
schiedenen fassungen versuchte und bei der schließlichen redaction, 
wie es scheint, 662 ausgeschieden haben würde. III, 411 wird 
die gewiß sehr leichte und ansprechende conjectur Burmanns 
„accenderit u gebilligt; aber das überlieferte „ascenderit" ist doch 
nicht schlechterdings zu verwerfen und, wer den Sonnenaufgang 
auf dem meere gesehen hat, muß den ausdruck gewiß passend 
finden; auch heißt es V, 566 „adsurgens nox u . Recht annehm- 
bar ist die conjectur „Sol traxit u statt „subtexit" V, 413; daß 
,,SoZ" hier nicht fehlen kann , habe ich schon in den Studien 
p. 80 (348) hervorgehoben. IV, 439 möchte ich „rebar" nicht 
antasten; „reri" muß doch, wie man aus der etymologie und 
dem particip „ratus" ersieht , die bedeutung „berechnen" gehabt 
haben. Wenn es nun auch so gebraucht sich nicht nachweisen 
läßt, so konnte doch Valerius diese bedeutung aus „ratus" er- 
schlossen oder irgend woher entnommen haben; wir kennen 
ja den Sprachgebrauch zu wenig, um schlechthin zu behaupten, 
daß ,,reri u in dieser bedeutung nicht vorgekommen sei. „sie 11 
geht auf „novimus quae via iussos ferat il zurück und ist daher 
nicht unerträglich, wie Madvig Adv. II, 144 meint. Daß aber 
„reputavi" , was Bährens vorgeschlagen hat , in „rebar sie 11 ver- 
derbt worden sein sollte, ist ganz unglaublich. — P. 75 steht 
„ruptus . . . terrifiei" statt »ruptis . . . terrificique." 

Karl Schenkt. 



75. Barchfeld, Guil., de comparationum usu apud Si- 
lium Italicum. Göttingen 1880 8. Diss. 

Der mangel an poetischer begabung ist bei Silius überall 
in seinem langen gedichte bemerkbar , in der behandlnng des 
Stoffes im ganzen wie im einzelnen , aber nirgends fühlbarer als 
in den vergleichen, in denen der dichter, nicht beengt von dem 
ihm vielleicht durch seine quelle auferlegten zwang seine dich- 
terische kraft frei hätte walten lassen können. Aber wie in der 



362 76. Catullus. Nr. 7. 

form überhaupt , so ist er auch hier fast ganz abhängig von 
Vergil und schon die verhältnißmäßig geringe anzahl seiner ver- 
gleiche (116 in 12216 versen gegenüber 229 bei Statius in 
Achill, und Theb. ; zu Statius vergleiche jetzt Deipster , diss. 
phil. argent. V, p. 85 sqq.) beweist, wie wenig Sil. die poetische 
bedeutung derselben erkannt hatte und wie wenig productiv er 
auch in dieser beziehung war. Unsere dissertation , deren verf. 
das einschlagende material mit fleiß und umsieht gesammelt, gibt 
dafür den besten beweis. Es werden die vergleiche nach um- 
fang, Stoffen, den objeeten der vergleichung besprochen, ihre Ver- 
bindung , ihre völlige oder nur theilweise richtigkeit untersucht. 
Wenn dabei der verf. p. 15 meint, einen hinweis auf die bil- 
dende kunst gefunden zu haben, so irrt er, wie die vergleichung 
der münzen von Akanthus (Friedländer -Sallet, königl. münzca- 
binet nr. 286, tab. IV) mit XI, 248 (pendens cervice) zeigt. So 
wenig originell als im inhalt seiner vergleichungen ist Silius auch 
in der form und Verknüpfung derselben : die imitationes im en- 
geren sinn hat Barchfeld p. 29 sqq. zusammengestellt, p. 13 
ist 1, 468 falsch citiert, p. 14 XIV, 191, p. 25 I, 424; p. 19 
ist bei ceu quum V, 280 übersehen. R. Ehwald. 



76. 0. Harnecker, beitrag zur erklärung des Catull. 
Programm des städtischen progymnasiums zu Friedeberg Nm. 
1879. 4. 22 p. 

77. 0. Harnecker, Catulls carm. LXVIII. Programm 
des städtischen gymnasiums zu Friedeberg Nm. 1881. 4. 14 p. 
(Recensiert von Draheim in der Phil. Wochenschrift 1881, nr. 4, 
p. 108, von K. Roßberg in der Phil, rundschau 1882, nr. 9, p. 
261—263). 

78. 0. Har necker, qua necessitudine coniunetus fuerit 
cum Cicerone Catullus. Programm des städtischen gymnas. zu 
Friedeberg Nm. 1882. 4. 8 p. 

In der ersten abhandlung bespricht Harnecker zuerst Carmen 
II , das schon sehr oft , zuletzt von K. Roßberg in Fleckeisens 
jahrb. 1877, p. 841 zum gegenstände der betrachtung gemacht 
worden ist. Mit recht weist Harnecker die vermuthung dessel- 
ben, daß hinter v. 6 ein punctum zu setzen sei, da mit diesem 
verse der gedanke endige , während die verse 7 und 8 paren- 
thetisch zu fassen seien, als unhaltbar nach. Daß carm. II ferner 



Nr. 7. 76. Catullus. 363 

mit v. 10 geendigt hat, daß die drei hinter diesem gedichte in 
den handschriften befindlichen verse mit demselben nichts zu 
thun haben, sondern daß zwischen carm II und c. III ein lied 
ausgefallen ist und zwar andern inhalts, ist auch für mich eine 
ausgemachte sache. Wie es möglich ist, daß Süß (Catulliana 
p. 2 ff.) für die von Pleitner und Klotz empfohlene Verbindung 
der beiden bruchstücke II b und XIV 1 hat eintreten können, begreift 
man nur schwer, wie aber Bährens den so gewonnenen sinn 
gar in den text seiner ausgäbe hat aufnehmen können , bleibt 
mir und vielen anderen unfaßbar. Mir fallen dabei stets die 
worte Haupts ein , der bei besprechung dieser vorgeschlage- 
nen Verbindung; zu äußern pflegte : diese herren (Pleitner, Klotz, 
u. a ) könnten als motto auf ihre emendationen schreiben: 
si gut forte mearum ineptiarum lectores eritis. Doch zurück zu 
Harnecker. Während ich in meiner anthologie aus den elegi- 
kern der Römer bd. I dem vorschlage von Scholl (Fleckeisens 
jahrb. 1880, p. 493; gefolgt bin und est in den text aufgenom- 
men habe, muß ich nun doch gestehen, daß das von Harnecker 
vorgeschlagene es entschieden den vorzug verdient, da der passer 
angeredet werden muß. In v. 8 behält Harnecker die über- 
lieferte lesart bei, nur daß auch er die alte Verbesserung des 
cum in tum aufnimmt, so daß der gedankengang des liedchens 
wäre : sperling , du die freude meines mädchens — du bist ihr 
trösterlein für ihre hchmerzen. Ja, ich glaube es, wie wird 
(kann, mag) der schwere drang nachlassen ! Könnt mit dir ich 
spielen, wie sie selber, und meine schweren liebessorgen erleich- 
tern ! Auch bei dieser lesart und erklärung bleibt für mich v. 8 
ungeheilt. Tum ist müssig, ja unlateinisch, ut acquiescet als aus- 
ruf unpassend und auch die vom verf. hinzugesetzte erklärung, 
daß der satz ut — arclor das credo fortsetzen und den eigent- 
lichen gedanken „es solaciolum" erläutern soll, kann mich nicht 
überzeugen. 

P. 6 ff. behandelt Harnecker noch einmal c. XLIX. Ver- 
anlaßt nämlich durch die recension von Ellis' Catullcommentar 
durch K. P. Schulze (ZfG. 1877, p. 700 ff.) veröffentlichte 
Harnecker in derselben Zeitschrift 1879, p. 72 ff. eine abhand- 
lung unter dem titel : Catulls carmen 49 , ein beitrag zur klar- 
stellung der beziehungen zwischen Catull und Cicero. Dasselbe 



364 77. Catullus. Nr. 7. 

thema behandelt auch das unter nr. 3 oben angeführte programm 
vom jähre 1882. 

Zwei auffassungen dieses kleinen gedichts stehen sich schroff 
gegenüber. Die älteren erklärer und mit ihnen der verf. neh- 
men an, daß der im gedieht ausgesprochene dank und das Ci- 
cero vom Catull ertheilte lob ernst zu nehmen sei. Harnecker 
(Zeitschr. für gymnas. 1877, p. 80) nennt das carm. 49 ein gra- 
ziöses, launig gehaltenes dankbillet an Cicero. Dieser auffassung 
steht die von Ribbeck (C. Valerius Catullus, eine literar-historische 
skizze , Kiel 1863 p. 22 und p. 52) gegenüber; dieser nämlich 
meint, Catull bedanke sich für einen directen oder indirecten, 
absichtlichen dienst , den die Ciceronianische beredsamkeit ihm 
geleistet habe, in den zweischneidigen, mehr noch schraubenden, 
als geschraubten zeilen. Mit recht nennt derselbe p. 52 die 
ernste auffassung und erklärung Schwabes durchaus unpsycho- 
logisch , des dichters unwürdig und dem ton des gedichtes wi- 
dersprechend. Aehnlich Jahn in der einleitung seiner ausgäbe 
des Orator p. 8 (1869), der annimmt, daß auch im gespräch 
mit den freunden und vor den leuten Cicero seine kritik wird 
schwerlich zurückgehalten haben , was ihm die spöttische dank- 
sagung des Catull (c. 49) eintrug. Während sich Harnecker 
in dem oben genannten aufsatze gegen Eibbeck , Jahn und 
Schulze wendet, versucht er in dieser abhandlung und zwar mit 
mehr glück die beweisgründe von Süß (Catulliana p. 29 ff.) zu 
widerlegen , der von der anordnung der Catullischen gedichte 
ausgehend zu einer ähnlichen auffassung wie die obigen kommt. 
Ich bin mit Harnecker ganz einverstanden, daß aus den umge- 
benden gedichten für c. 49 gar nichts folgt, gebe auch Har- 
necker darin vollständig recht, daß der ein erbärmlicher dichter 
ist, der das, was er sagt und will, errathen läßt aus umliegen- 
dem (p. 7). Gar nichts ergiebt sich aus den Worten Marce 
Tulli, und sehr passend ist von Harnecker auf die worte Ciceros 
in der ersten rede gegen Catilina XI, 27 : etenim si mecum patria, 
si euneta Italia, si respublica loquatur : M. Tulli, quid agist hin- 
gewiesen. Daß die meisten der von Süß vorgebrachten beweise 
nicht stichhaltig sind, ist richtig; wenn aber auch hier p. 10 
der verf. die worte Catulls ganz unschuldige redensarten nennt, 
die geistreich und ganz leise spottend sind , eine art von salon- 
complimenten, so gehen allerdings unsere auffassungen über das 



Nr. 7. 77. Catullus. 365 

gedieht doch auseinander. Daß die verse irgend eine bezic- 
hung auf den proceß des Vatinius oder irgend eines andern 
haben, glaube ich freilich auch nicht, sehe vielmehr mit Jahn 
in einer absprechenden äußerung Ciceros die äußere veranlas- 
sung. Die Wiederholung der worte pessimus omnium poeta in v. 
5 und v. 6 , die Catull von sich braucht, und die bezeichnung 
Ciceros im gegensatz dazu als optimus omnium patronus ist doch 
gewiß nicht ohne grund. Was hindert anzunehmen, daß Cicero 
sich ungünstig über den jungen dichter Catull geäußert , ihn 
pessimus omnium poeta genannt habe? Für dieses anerkennende 
urtheil , das Catull zu ohren kam , stattet er in diesen sieben 
zeilen dem optimus omnium patronus, dem Marcus Tullius Cicero, 
seinen besten dank ab. Wenn Harnecker in der recension der 
römischen elegiker von K.P.Schulze (Zeitschr. für gymn. 1881, 
p. 600 ff.), in welcher er natürlich denselben Standpunkt einnimmt 
wie in seinen anderen Schriften, fragt, ob es kein mittel gegeben 
habe, um Cicero zum bewußtsein seines nichts zu bringen, warum 
Catull Cicero nicht lieber als dichter lächerlich gemacht habe, 
so ist darauf sehr einfach zu erwidern: wollte Catull sich bei 
Cicero für sein anerkennendes urtheil bedanken, so mußte doch 
der spöttische dank auch an die richtige adresse kommen; da 
jener ihn pessimus omnium poeta genannt hatte , den elendesten 
dichter, so muß sich eben dieser dichter doch natürlich bei Ci- 
cero, dem vorzüglichsten anwalte, für sein anerkennendes urtheil 
bedanken. Wie ungeschickt wäre es von Catull gewesen sich 
dafür bei Cicero als dem optimus omnium poeta zu bedanken ! 
Wenn der verf. endlich p. 18 darauf hinweist, daß die verse 
disertissimae etc. von keinem schriftsteiler des alterthums citiert 
werden, was in rücksicht auf die politische beziehung fast ganz 
unmöglich, in rücksicht auf die litterarische sehr schwer erklär- 
bar und seltsam wäre , so wollen ja diese und andere einwen- 
dungen Harneckers nicht viel sagen. — Die hoffnung des verf'., 
daß sich auch andere für seine auffassung des carm. 49 entschei- 
den , wird wohl kaum in erfüllung gehen, da sie verfehlt ist; 
auch Magnus (Jahresberichte des phil. Vereins 1881, p. 362) 
nennt Harnecker's erklärung unrichtig. Selbstverständlich hege 
ich auch nicht im entferntesten den glauben, den verf. durch 
diese wenigen worte überzeugt zu haben , das würde mir auch 
durch viele nicht gelingen. Der irrthum Harnecker's v. 4 die 



366 77. Catullüs. Nr. 7. 

worte : gratias tibi mäximas Catullüs agit allein für sieb zu be- 
trachten und darum harmlos zu fassen, darin ein : ich danke recht 
sehr, das ernst gemeint sein soll, zu sehen und den ton des 
ganzen gedichts zu tibersehen, sitzt, im verf. viel zu tief, um 
ausgerottet zu werden. Ich wenigstens stimme Schulze bei (vgl. 
zeitschr. für gymnas. 1880 in seiner abhandlung betitelt drei 
Catullfragen), der einen solchen dank, wie ihn Catull nach Har- 
necker's meinung dem Cicero hier abstatten soll, mit recht plump 
und witzlos nennt. 

Nachdem ich im vorhergehenden meinen Standpunkt darge- 
legt , kann ich mich über das unter nr. 78 oben genannte pro- 
gramm desselben verf.s kurz fassen. Nach kurzer einleitung, 
in welcher Harnecker die geschichte der frage , die er erörtern 
will, behandelt, sein Verhältnis zu Schulze bespricht, der Zeitschr. 
für gymn. 1880, p. 366 in seinen drei Catullfragen äußert: 
über das Verhältnis , in welchem Catull und Cicero zu einander 
standen, giebt uns nur carm. 49 aufschluß , geht er zu seinem 
thema über : qua necessitudine coniunetus fuerit cum Cicerone Ca- 
tullüs und behandelt dieses in drei abschnitten : I. litterarum 
latinarum illius aetatis historia ; II. res a Cicerone in foro aut 
in re publica gestae; III. carminis 49 aut adiungendi Ms rebus 
aut removendi ab Ulis traetatio. — Niemand von allen, die sich 
mit dieser frage beschäftigt haben, hat — so lesen wir p. 2 — 
die Zeitverhältnisse genau erforscht. Die gewöhnlich aus Cicero 
angeführten stellen ad Att. VII, 2 , 1 ; Orat. 68, 161, 164; 
Tusc. III, 19 fallen in die jähre 50—44, Catull aber starb 54. 
Alsdann wendet sich der verf. gegen das ergebniß Schulze's 
p. 380 : Catull ist also der intimste freund der redner und 
dichter, welche von Cicero bekämpft wurden, und befehdet an- 
dererseits die feinde derselben. Harnecker führt p. 3 diejenigen 
an, welche freunde des Catull und Cicero waren, dann diejenigen, 
welche feinde derselben waren. — Im II. abschnitt p. 4 han- 
delt der verf. darüber : numqua rerum a Cicerone gestarum ad Ca- 
tullum revocari possit , und kommt, nachdem er die von anderen 
aufgestellten ansichten hierüber geprüft hat , p. 5 zum Schlüsse : 
vel aecuratissima temporum aut rerum traetatio nihil profecit. Die 
annähme, daß im carm. 49 auf eine vertheidigung Ciceros ange- 
spielt sei , ist auch meiner ansieht nach , ganz unstatthaft. Im 
III. abschnitt endlich geht Harnecker zum gedieht selbst über, 



Nr. 7. 77. Catullns. 367 

wobei er sich ganz besonders gegen Schulze in den drei Catull- 
fragen und seine erklärung in den römischen elegikern wendet. 
Eigenthümlich ist Harneckers (zeitschr. für gymnas. 1881 , p. 
606 in der recension von Schulze's Römischen elegikern) geäu- 
ßerte forderung , eine solche darstellung nicht in ein Schulbuch 
aufzunehmen. Soll man etwa diejenige aufnehmen, die man für 
unrichtig hält? 

Ich breche hier ab , um noch einmal zum programm von 
1879 (nr. 76) zurückzukehren, in welchem Harnecker p. 19 ff. 
noch einige bemerkungen zum car. 61 des Catull macht. Mit 
recht weist der verf. den von Roßberg (Fleckeisens Jahrbücher 
1877 p. 127) gemachten Vorschlag, 114 — 119 nach 35 zu setzen 
und v. 115 flaminern für flammeum zu schreiben als verfehlt zu- 
rück. Noch leichter war es die mehr als wunderbare conjectur 
Roßbergs ante alis (= alios) für amatis v. 46 aus sprachlichen 
gründen zu widerlegen. Man begreift wirklich nicht die kühn- 
heit derartiger Verbesserungsvorschläge. Am Schlüsse vertheidigt 
der verf. Lachmauns Umstellung des v. 82. Druckfehler, die 
ich nicht weiter anführen will , finden sich zahlreich , unver- 
ständlich bleibt mir p. 19 der satz: der bräutigam selbst 
ist im hause (171), nicht im brautgemach (191. 192); er harrt 
der braut , die im feierlichen zuge unter leitung ihrer mutter 
und ehrwürdiger matronen 186 [kann man aus der nichterwäh- 
nung der brautmutter deren tod schließen?] zu seinem hause ge- 
führt wird? 

In dem 1881 erschienenen programm (nr. 77) behandelt der 
verf. das viel umstrittene gedieht 68 in einer sehr gelungenen 
art und weise, so daß ich ohne bedenken dem urtheile von 
Magnus (Jahresber. des philol. Vereins 1881 , p. 365) beitrete, 
der die gediegenheit und das gesunde urtheil anerkennt. Die 
einwendungen Roßbergs (Philol. rundschau 1882, p. 261 ff.) sind 
nichtig. — Verf. will in dieser abhandlung eine endgiltige ei- 
nigung über cap. 68 versuchen, jedenfalls eine verhältnismäßige 
menge von üblen vermuthungen zurückweisen ; ich meine, daß ihm 
beides gut gelungen ist. Harnecker beginnt mit dem von Schulze 
(drei Catullfragen; versuchten nachweis , daß Catull , Tibull, 
Properz, Ovid und Horaz äußert selten das bloße praenomen ver- 
wenden und erklärt mit recht den von Schulze gezogenen schluß : 
die conjectur Scaligers zu c. 67, 12 Quinte und mit Lachmann 



368 78. Cattillus. Nr. 7. 

68, 11; 30; 66 Mani und Manius zu lesen ist unmöglich, für 
falsch. Somit fällt jeder grund aus dem gebrauche des praeno- 
mens auf die zerschneidung des gedichtes zu schließen. P. 3 
geht Harnecker zum gedichte selbst über, wobei er seine Un- 
tersuchung geschickt in drei gruppen gliedert. I. Das unglück des 
Allius. Da der dichter das unglück, von dem der freund betroffen 
ist, nicht nennt, so muß der versuch gemacht werden, dieses zu 
erschließen. Natürlich ist dieser versuch schon oft gemacht. 
Das, was wir erschließen, muß folgende bedingungen erfüllen: 
a) das von uns erschlossene unglück muß mit den klageworten 
des dichters, die offenbar aus dem briefe des freundes übernom- 
men sind, in einklang zu bringen sein, b) dieses unglück muß 
im epilog 149 ff., wenn nicht erwähnt, so doch angedeutet sein. 
c) die art, wie der dichter dem klagenden freunde antwortet, 
seine bitte um munera et Musarum et Veneris erfüllt, muß diesem 
Unglücke conform sein, darf ihm wenigstens nicht widersprechen. 
Nachdem der verf. gezeigt hat, daß alle bisherigen vermuthungen 
hinfällig sind, versucht Harnecker den nachweis zu führen, daß 
der name , der makellose ruf des Allius in gefahr gewesen sei, 
daß ihm oder seiner familie irgend ein kompromittierendes 
unglück betroffen , das der lästernden Verleumdung thür und 
thor öffnete. Wenn es auch richtig ist , wie Magnus sagt , daß 
man in der frage nach dem unglück des Allius zur gewißheit 
nicht kommen kann, so scheint mir doch von allen aufgestellten 
vermuthungen diese weitaus die beste, weshalb ich ihr auch in 
meiner anthologie gefolgt bin. Die Verbindung von 41 ff. und 
149 ff. ist von Harnecker sehr fein herausgefunden. 

IL Die munera et Musarum et Veneris. In diesem theile 
weist der verf. , indem er die von Ellis angeführten stellen er- 
gänzt, überzeugend nach, daß wir keinesfalls an bücher zu den- 
ken haben , um die Allius den dichter bittet , sondern nur an 
poetische erzeugnisse , einmal mehr allgemein gelehrter , denn 
erotisch — tändelnder art. Allius hat allerdings um lektüre, 
aber nur um Catullische gebeten. Mit den worten : schicke mir, 
was du hast , es ist mir gleich , ob es gelehrte arbeit ist , ob 
tändelei — das sind ja doch deine beiden, gleichsam starken 
Seiten, die fächer, in denen du brillierst, charakterisiert er gleich- 
sam den dichter. 

III. Die einheit von cap. 68 Während die alten ausleger 



Nr. 7. 79. Catullus. 369 

an dem gedieht keinen anstoß nahmen , verfiel Ramler (oder 
Rode) auf eine trennung, die seitdem von vielen verfochten wird. 
Wie ich denke, hahe ich Fleckeisens Jahrbücher 1882, p. 143 f. 
ausgesprochen ; ich stimme mit Magnus, Kießling, Harnecker u. a. 
für die einheit. Roßberg's worte (philol. rundschau 1882, p. 
261), dem beide auffassungen gleich erscheinen, verstehe ich 
nicht. Gut ist v. 32 die erklärung von nam durch annähme 
einer gedankenpause: damit kann ich dich nicht erfreuen; aber 
auch in meinem andern fache kann ich dir nicht so recht dienen, 
denn mein eigentliches heim ist doch nun einmal Rom, hier habe 
ich keinen großen vorrath von büchern. — Nachdem Harnecker 
auch den weitern Zusammenhang klar und deutlich nachgewiesen 
hat, schlägt er p. 10 mit Fröhlich vor die verse 43 — 50 anders 
zu ordnen, worin ich ihm nicht beistimmen kann. S. 11 ff. 
spricht Harnecker über die fabel des an M'. Allius gerichteten 
gedichts, worauf ich hier weite nicht eingehe. C. Jaeoby. 

79. K.P.Schulze, Catullforschungen, in der festschrift zu 
der zweiten saecularfeier des Friedr. - Werder'schen gymnasiums 
in Berlin p. 195 — 214. Berlin, Weidmann. 8. 1881. (Rec. in der 
Philol. Wochenschrift nr. 4. 1882. p. 207 ff. von Draheim, in der 
Philol. rundschau nr. 10. 1882. p. 296—300 von Harnecker). 

Die bisher allgemein übliche annähme, daß Catull selbst 
das uns vorliegende werk zusammengestellt hat, ruft mannigfache 
bedenken wach: 1) wäre die aufnähme der gedichte gegen 
Cäsar und seine günstlinge kurze zeit, nachdem er sich mit ihm 
ausgesöhnt hatte , tactlos gewesen ; 2) fragt Schulze mit recht, 
warum Catull seine gegner bald mit ihrem wahren , bald mit 
erdichtetem namen angreife ; 3) mußte Catull nicht von den 
beiden an Hortensius gerichteten gedichten entweder das eine, 
das ihn als intimen freund des redners hinstellt , oder das an- 
dere, das denselben keck angreift, ausmerzen? Nirgends be- 
merke man in diesen beziehungen spuren einer vom dichter 
selbst veranstalteten redaction; es fehlt, wie der verf. behauptet, 
jedes prineip einer anordnung ; weder sei eine eintheilung nach 
dem metrum zutreffend , noch das von Westphal und Süß ver- 
suchte prineip der variatio. Westphal nimmt nämlich drei nach 
dem metrum gesonderte theile (c. c. 1 — 60; 61 — 68; 96 — 116) 
an, in denen das prineip unverkennbar sei : zwei zusammenge- 
Philol. Anz. XIII. 25 



370 79. Catullua. Nr. 7 

hörige gedichte sind durch ein heterogenes getrennt. Daß dieses 
princip wiederholt von Catull in anwendung gebracht ist, sei 
nicht zu leugnen — hat es doch auch Horaz in den öden an- 
gewendet — , wenn es aber Westphal durch die ganze Samm- 
lung nachweisen wolle , so könne man ihm nicht folgen. Auch 
Süß nimmt drei durch das metrum deutlich gesonderte theile an, 
von denen der erste die kleinen lyrischen gedichte (1 — 60), der 
zweite die Studien nach griechischen mustern (61 — 64), der dritte 
die elegieen und epigramme 65 — 116 enthalte. Indem Schulze 
auch diese annähme mit glück widerlegt, auf die ausführungen 
Bruners in den acta soc. Fennicae, denen sich auch Ellis zum 
theil angeschlossen hat, hinweist, kommt er zum Schluß: Catull 
kann unmöglich die jetzt noch vorhandene Sammlung dem Cor- 
nelius gewidmet haben ; dagegen spricht 1) das wort libellus (carm. 
I, 1), das sich wie lepidus, novus , expolitus auf die äußere form 
bezieht und den geringen umfang des werkes bezeichnet. Durch 
Th. Birt, das antike buchweseu 1882, p. 401 ff. , werden diese 
kurzen ausführungen des verf.'s wesentlich ergänzt, wenn auch 
letzterer daselbst zu anderen resultaten gelangt und vier mono- 
bibla verschiedenen inhalts annimmt. 2) Behauptet Schulze p. 
10, daß die ausdrücke nugae, ineptiae, versus und versiculi nicht 
für die längeren alexandrinischen gedichte passen ; 3) aber auch 
nicht alle kürzeren gedichte (1 — 60) kann er mit carmen 1 dem 
Cornelius gewidmet haben. Nach einer Widerlegung der Bru- 
nerschen annähme zweier liedersammlungen — Bruners abhand- 
lung habe aber bleibenden werth, da er unwiderleglich festgestellt 
zu haben scheint, daß mit carm. 1 nicht die ganze uns vorlie- 
gende Sammlung dem Cornelius gewidmet sein kann und dieses 
gedieht sich nur auf die nugae, d. h. die kleineren lyrischen ge- 
dichte , bezieht — zeigt der verf. , daß das princip der variatio 
für 1-14 durchaus richtig ist; auf diese 14 gedichte passen 
die oben genannten bezeichnungen. Dieses so gewonnene re- 
sultat, das, wie auch Harnecker meint, wohl sicher ist, ist aber 
doch kein neues, und Schulze hätte wohl auf die abhandlung 
von E. v. Leutsch (Philologus 1870, bd. 30, p. 223 ff. und 1876, 
bd. 35, p. 695) verweisen können, wo wir eine ganz ähnliche 
ansieht geäußert finden. Auch Harneckers programm 1879 p. 4. 
konnte angeführt werden. Auch ich glaube nun, daß in der that 
1 — 14 allein herausgegeben und dem Cornelius gewidmet ist. 



Nr. 7. 80. Catullus. 371 

p. 16 ff. beantwortet Schulze noch zwei fragen, die sich ihm 
von selbst aufdrängen : 1 ) sollte Catull außer dieser einen Samm- 
lung keine zweite veranstaltet haben ? 2) wann und von wem ist der 
uns jetzt vorliegende band catullischer poesie zusammengestellt 
worden? dahin, daß er meint, es sei der über Catulli nach dem 
tode des dichters nach und nach von unkundiger band zusam- 
mengestellt. Die zweite frage nach dem Urheber und der zeit 
muß unbeantwortet bleiben. — P. 18 f. giebt Schulze von den 
worten carm. 31, 1 ff. eine richtige, aber keineswegs neue erklä- 
rung ; in den römischen elegikern sind die worte uterque Neptunus 
falsch erklärt. C. Jacoby. 

80. J. Baumann, de arte metrica Catulli. Programm 
des gymnasiums und der realschule zu Landsberg a. W. 1881. 
4. 22 p. (Rec. in der Philol. rundschau 1882, nr. 6, p. 170 ff. 
von Rzach). 

Auf eine kurze einleitung, in welcher Baumann auf den 
umgestaltenden einfluß der griechischen dichter auf die römi- 
schen versmaße hinweist, folgt der erste theil A. de metris, und 
zwar behandelt der verf. cap. I die jambischen metra, a) den 
trimeter iarnbicus acatalectus , b) den trimeter iambicus claudus 
oder choliambus, c) den trimeter iambicus catalecticus unter an- 
gäbe derjenigen gedichte, in denen der dichter das betreffende 
versmaß gebraucht. Cap. II handelt von den galliamben. Hier 
konnte auf den aufsatz von Wilamowitz-Möllendorff im Hermes 
XIV (1879), p. 194—201 betitelt: die galliamben des Kallima- 
chos und Catullus , rücksicht genommen werden. Cap. III be- 
spricht der verf. den größern asklepiadeischen vers und zwar 
wunderbar genug bei dem choriambischen metrum , abgesondert 
von den anderen logaoedischen versen. Ob er auch hierin 
Kirchhoff folgt (vgl. p. 4 am Schlüsse der einleitung), weiß 
ich nicht; eine eigentliche begründung fehlt, da die anfangs- 
worte dafür nicht gelten können. Unter den Römern scheint 
Catull dieses metrum zuerst in anwendung gebracht zu haben ; 
er sowohl als Horaz lassen die basis regelmäßig aus einem spon- 
deus bestehen. Im cap. IV werden die logaoedischen reihen behan- 
delt und zwar zuerst der versus hendecasyllabus oder phalaecius ; daran 
reiht sich der sapphische vers, der glyconeus, der pherecrateus, der 
priapeische vers. Der verf. stellt das auf diese versmasse be- 

25* 



372 80. Catullus. Nr. 7. 

zügliche in fleißiger und übersichtlicher weise zusammen, ohne 
natürlich zu neuen resultaten kommen zu können. Das V. ca- 
pitel ist dem hexameter des Catull gewidmet, dessen eigenthüm- 
lichkeiten in recht verdienstlicher weise besprochen werden. 
Unter den hexametern des Catull sind sehr viele onwdeid£ovt&§ ; 
überhaupt sind die zahl der spondeen groß ; nur aus den spon- 
deen besteht 116, 3. Catull folgt hierin den Alexandrinern. 
Bei der sonstigen benutzung des Theokrit durch Catull ist es 
nicht auffallend, daß carm. 64, 78 — 80 drei versus spondiaci auf 
einander folgen wie Theokr. XIII, 42 — 44. Darauf folgt eine 
besprechung der cäsuren des hexameters; bei den griechischen 
dichtem ist bei weiten am häufigsten die tofiij natu tquov iqo- 
Xaior, der die penthemimeres zunächst kommt. Bei den Römern 
ist die letztere am häufigsten , bei Catull weit öfter zu finden 
als die hephthemimeres. Gegen die annähme L. Müllers, daß 
sich außer in acht versen die toju/) xatä Tfjiror tqüiuiov nicht 
nachweisen lasse, scheint der verf. mit recht aufzutreten. P. 15 
bespricht Baumann den ausgang des hexameters und schließt 
das capitel mit einer betrachtung des pentameters. 

B. De rebus, quae ad prosodiam pertinent. Catull verkürzt 
nicht immer einen vocal vor dem andern ; im gebrauch der ge- 
netive auf ins unterscheidet er sich wesentlich von anderen. 
Da Eitschl Opusc. phil. II, 679 behauptet, daß Catull auch nicht 
ein einziges mal ius gebraucht habe, 67, 23 sich aber sed pater 
illius grati violasse cubile findet, so ist Baumann der ansieht, daß 
hier ein fehler vorliege ; Bährens schreibt mit Muret : ipsius. 
Ist aber eine änderung wirklich nöthig? — Besprochen werden 
p. 18 die mit pro und re zusammengesetzten worte , sowie die 
mit facere, ferner die aus dem griechischen herstammenden. 
Aber Naiasin (64, 287) ist nur conjeetur von Haupt, Eous mit 
e im anlaut entspricht natürlich dem griechischen iqiog. Ferner 
ist natürlich Idomeneosne (64, 172) gen. sing, von Idomeneus, und 
mit synizese zu lesen. An eine besprechung der vocale i und u 
vor kurzem vocal reiht sich eine solche über die synizese. Cap. II 
wird die längung von kurzen auslautenden silben vor muta cum 
liquida besprochen (vgl. 4, 9 Fropontidä trucemve Ponticum sinum) 
woran sich endlich eine behandlung der elision und des hiatus 
reiht. Carl Jacoby. 



Nr. 7. 81. 82. Horatius. 373 

81. Q. Horatii Flacci Carmiua. Iterum recognovit Lu- 
cianus Mueller. Lipsiae , in aed. B. G. Teubneri. 1881. 
LXXVIII und 295 p. 8. 

Der text ist wesentlich der der ersten ausgäbe und stimmt 
mit dieser auch in der äußeren anordnung. Verkürzt hat L. 
Müller bedauerlich den libellus de metris Horatiana mit rück- 
sicht auf sein summarium , das nicht jedem primaner (und auch 
für diese ist das buch ausdrücklich bestimmt) zugänglich ist. 
Dagegen hat der von Ernst Schulze bearbeitete index nominum et 
verum sehr an brauchbarkeit gewonnen , wenngleich nicht alle 
angaben unbedingt zuverlässig sind, vgl. z. b. Pollio und Momm- 
sen R. G. III, 605. Die prolegomena enthalten selbstverständ- 
lich viel interessantes , sind aber ebenso selbstverständlich über- 
würzt mit jenem salze , das mehr an den Borysthenes als an 
Attika erinnert und daher die schmackhaft] gkeit beeinträchtigt. 
Die art wie namentlich Keller auch hier wieder angegriffen wird, 
ist durch nichts gerechtfertigt; insbesondere verletzt der passus 
p. VII: de Ms ne iniquius videar existimare adscribam quae iudicat 
Gregorms Senger in coniectaneis Horatianis Kievae nuper editis ser- 
mone Rossico p. 72 — denn die quelle, aus der diese russische 
autorität geschöpft hat , ist doch vermuthlich der herausgeber 
selbst. Ich theile den stand punct Kellers nicht und bedauere 
die Unterschätzung Bentleys von seiner seife , die aus einer an 
sich berechtigten reaction gegen den zu weit getriebenen Bent- 
leycultus hervorgegangen in das andere extrem umgeschlagen 
ist, meine aber, daß eine ernste und unsäglich mühevolle arbeit, 
deren fruchte wenigstens für die Orthographie selbst Müller zu- 
geben muß und deren dienste für die kritik unbestreitbar sind, 
einem meines wissens noch nicht weiter bekannten philologen 
wie Gregor Senger respect genug einflößen müßte, um sich auf 
sachliche Widerlegung zu beschränken. Th. Fritzsche. 

82. Q. Horatii Flacci Opera a Mauricio Hauptio recognita. 
Editio quarta ab Iohanne Vahleno curata. Lipsiae apud 
S. Hirzelium 1881. 12. 

Haupts text ist eine so musterhafte , bis zu jedem komma 
und jedem anführungszeichen so durchdachte arbeit, daß er dem 
ref. wenigstens mehr anregung bietet, als alle commentare, na- 
türlich mit ausnähme des Bentleyschen. Man ist stets gewiß, 



374 83. Propertius. Nr. % 

daß Haupt gründe gehabt hat, so und nicht anders zu schreiben, 
und diesen gründen nachzugehen ist lohnend. Die revision ei- 
nes derartigen textes ist schwierig ; er soll auf der höhe der 
Wissenschaft erhalten werden und fordert daher nachbesserung •, 
andrerseits bedarf es der äußersten Zurückhaltung, um den kern 
intact zu erhalten. Der herausgeber hat seine aufgäbe würdig 
zu lösen gewußt. Zunächst stimmt seite für seite und zeile für 
zeile der ed. IV mit denen der drei früheren auflagen, und das 
ist geradezu eine nothwendigkeit für alle die, denen das buch 
zum handexemplar geworden ist. Dies war aber nur möglich, 
wenn die Lachmann — Hauptschen anschauungen über cap. III, 
3 und IV, 8 festgehalten wurden ; aus Vahlens sonstiger behand- 
lung der von Haupt noch als interpolirt bezeichneten stellen 
darf man schließen , daß der herausgeber hierin nur eine sehr 
weise concession gemacht hat. Die geringfügigen druckfehler 
der ed. III hat Vahlen fast alle verbessert (so Sat. II, 3, 23 ; 
Sat. II, 8, 76, 91; Ep. I, 15, 39; A. P. 194. 326); übersehen 
ist S. I, 3, 109 rapientes anstatt rapientis, die inconsequenz C. 
I. 16, 22 compesce und II, 20, 22 conpesce, sowie die wichtigere 
in dem verbum aspicere , welches nur dreimal (S. II, 5,5; 6, 
60; Ep. I, 16,6) richtig assimilirt, die übrigen lOmal ohne as- 
similation geschrieben ist, vgl. Keller, Epileg. z. cap. I, 19. 8. 
In einigen interpunctionsfragen kann zweifei obwalten ; so dürfte 
das komma Epod. 6, 7; Sat. I, 5, 45 und 66, II. 5, 13 in ed. 
III und IV zu streichen sein. Die bereicherungen , welche der 
text Vahlen verdankt aufzuzählen , ist nicht dieses ortes ; sie 
gehen in der textbesserung natürlich kaum über einen buchsta- 
ben hinaus (cap. I, 20 tum bibes — tu bibes, Epod. 9 adhuc — 
at hue, ib. mutabit — mutavit, Epod, 1 6 videri — videre u. s. w.) 
ziehen sich aber durch das ganze werk und sind ebenso wichtig 
wie die interpunctionsveränderungen, in denen der herausgeber 
(vgl. Vahlen im Hermes XVII, 271 zu Sat. I, 3, 60) eine be- 
sondere meisterschaft besitzt. Ep. II. 2, 159 hat Haupt Semi- 
kolon, Vahlen komma; das richtige dürfte das kolon sein. Die 
editio IV ist neben der ed. III für die kritik unentbehrlich. 

Th. Fritssche. 



83. Wei d gen, Quaestiones Propertianae. I. Coblenz 1881. 4. 
In der Properzkritik hat sich neuerdings besonders durch 



Nr. 7. 83. Propertius. 375 

Vahlens Vorgang glücklicherweise immer mehr eine conservative 
richtung bahn gebrochen. Mit athetesen, Umstellung, Versetzung 
wird jetzt weniger operirt und auch die recensio erkennt trotz 
Bährens als sichere grundlage die Überlieferung an, wie sie der 
Guelf. repräsentirt und daß dieselbe weit häufiger der interpre- 
tation als der emendation bedarf. Der verf. unserer quaestiones 
hält sich gleichfalls von radicalen versuchen fern, aber trotzdem 
bezweifle ich, daß seine veränderungsvorschläge auch nur an einer 
stelle das richtige treffen. I, 11, 16 (Weidgen ecce pia) ist ac- 
cepta beizubehalten, weil Properz hervorheben will , daß er wie 
Cynthia das treuwort erhalten hätte, vgl. III, 13 (20) 18 am- 
bos una fides auferet. — II, 7, 15 constare = esse kennt die au- 
gusteische dichtersprache nicht. — III, 3, 6 ist vario corde un- 
vereinbar mit fecit. — III, 13 (20) 23. 24 und III, 27 (29) 7 
ist das handschriftlich überlieferte, III, 30 (32) 2 die schlagende 
emendation von Heinsius beizubehalten : zu crimen habes vgl. 
Kuttner, de Prop. elocutione p. 12-, zu nam id. ib. p. 56; facti 
crimina tu mihi habes ist metrisch unstatthaft trotz IV, 3 (4) 14 
und 10 (11) 22. III, 30 (32) eine dialogische composition an- 
zunehmen, wie sie in andern propertianischen gedienten unzwei- 
felhaft vorliegt, geht nicht an wegen v. 27 und 45 ; das tu v. 25 
ist zu erklären wie v 49 ; die conjeetur zu v. 7 : Hoc ut iam spa- 
tiere loco, quoeunque vagaris, Cynthia t ist unverständlich und v. 41 
in tanto superorum examine unhaltbar wegen v. 42. IV. 1, 23 ist 
vetustas der begriff, auf dem der ganze gedanke ruht : famae des 
Guelf ist glossem, dem sich vetuste (sie cod.) aecommodirt hat. 
Bei der besprechung von IV, 10 (11) 5 sq. hat Weidgen wohl 
die Unrichtigkeit der jetzigen fassung nachgewiesen , aber seine 
änderung ist unnöthig. Der verlangte sinn ergibt sich , wenn 
nach mortem (sie Guelf.) und metum mit einem fragezeichen in- 
terpungirt wird. V. 7 ist ista nicht zu ändern; es heißt: worte, 
wie du sie sprichst vgl. e. g. I, 14, 7 ista dinge, die dich ent- 
zücken I, 11, 28 ista littora gestade , wo du weilst IV, 17 (18) 
20 ista das , was dein stolz ist) v. 59 ist Hannihalis spolia . . 
vidi geradezu wunderlich : das speetavi v. 53, das Hertzberg tref- 
fend durch Verweisung auf Plut. Ant. 86 erklärt, kann doch 
nicht im ernst dafür angeführt werden. Haupts besprechung der 
stelle (op. III, 205) halte ich durch Weidgen nicht widerlegt, 
wenngleich die Überlieferung schwerlich intact ist. An v. 69 



376 84. Propertius. Nr. 7. 

anstoß zu nehmen verbietet schon V, 6, 67 sq. — IV, 15, 11 
schlägt Weid gen vor: rescierat Dirce; aber testis erit ist nothwen- 
dig, da das beispiel der Dirce , das Properz anführen will, eine 
mahnung für Cynthia sein soll. Wenn aber Weidgen IV, 18, 
29 gar conjicirt: Hie olim Mavors luctu populavit Achivos, | Atridae 
magno clam stetit ultor Amor, so hat er, abgesehen von vielem 
andern, ganz übersehen, daß mit Hie -luctus der bis dahin all- 
gemein gehaltene gedanke auf den speciellen fall zurückkehrt : 
wie jetzt Marcellus, so waren einst die Griechen vor Troja durch 
plötzlich ausbrechende krankheit, deren veranlassung sie nicht 
kannten und ahnten, hinweggerafft worden. R. Ehwald. 



84. Weid gen, Quaestiones Propertianae. II. Coblenz 
1882. 4. 

Mit nicht besserem erfolg als in part. I behandelt Weidgen in 
dieser fortsetzuug stellen besonders des fünften buches : IV, 18, 31 sq 
scheitert die änderung : at tibi (nautasinas, h.q.t.u...) Hac animae 
. . citae, schon daran, daß Marcellus in der ganzen elegie nicht ange- 
redet wird. IV, 25, 10 conjicirt er: nectemere. V, 1,81. 82 nee . . 
aut . . Iuppiter: Obliquae signa itero alta rotae. 87 dicant 88 canant 
(wozu asira subjeet sein soll) V, 3, 7 fehlt im Neap. nur Bactra 
per ortus. (Weidgen: intrantes Bactra perosa!) V, 4, 55 wo er 
die conjeeturen von Krahner, Madvig, Cornelissen, Leo, Vahlen 
übergeht, schlägt Weidgen vor : si capies, (sc. togam) . . . metuar . . 
und v. 93 sq. Hac vice turpe Iovis . . iniustae (Neap. iniuste ; aber ^ ist 
im Neap. = ae und e). V, 7, 57 Una Clytemnestrae stuprumve 
in Tartara, wo schon die disjunetive partikel die conjeetur un- 
möglich macht, ibid. v. 59 carpta sc. pars Stygii fluminis altera 
(wo bleibt der gegensatz zu v. 57?). V, 9, 24 liest er mit Hein- 
sius : Lucus ubi und schlägt selbst : segregat vor. ibid. 42 aspicite ! 
(Properz hat nur den singular mit folgendem fragesatz). Die 
einzige änderung, die plausibel scheint, ist v. 66 nunc statt vix. 

R. Ehwald. 



85. Ad. Schneider Thuringus, De L. Cornelii Si- 
sennae historiarum reliquiis. Dissertatio lenensis. Ienae, typis 
Iulii Hoßfeld MDCCCLXXXII. 8. 61 p. 

Die fragmente aus des Sisenna historien nehmen unter denen 
der römischen geschichtschreiber in so fern eine Sonderstellung 



Nr. 7. 85. Sisenna. 377 

ein, als aus ihnen Nonius die größte zahl von fragmenten (mehr 
als 120) überliefert hat, die wir überhaupt im Wortlaute von 
einem derselben besitzen. Wie verführerisch ist also der reiz, 
diese disiecta membra in den Zusammenhang der geschichtlichen 
ereignisse einzureihen und so einerseits die in ihrer abgerissen- 
heit meist nichtssagenden worte in historische Zeugnisse zu ver- 
wandeln, andererseits für die erkeuntnis der von den erhaltenen 
autoren benutzten quellen feste anhaltpunkte zu gewinnen ! 
Der Verfasser der vorliegenden Jenenser dissertation hat dem- 
nach den versuch gemacht über das von Popma, Kiene, Riese 
und dem referenten in dieser richtung beigebrachte hinauszu- 
gehn und die sehr zahlreichen fragmente , welche bisher nur 
worte geblieben sind, zu erklären. 

Leider aber ist bekanntlich grade die Überlieferung des 
bundesgenossenkriegs, den Sisenna im dritten und vierten buch 
behandelt hatte und auf den sich also die aus ihnen erhaltenen 
gegen 110 bruchstücke bezogen haben, eine sehr klägliche. Sie 
beschränkt sich auf die epitomatoren des Livius , geringe frag- 
mente des Diodor und auf den ,, höchst oberflächlichen, fehler- 
vollen bericht des Appian" (Ihne, Eömische geschichte V, p. 255) ; 
je detaillierter also die erzählung des Sisenna war und je kürzer 
die ans ihr herausgerissenen stücke sind , oft nicht einmal voll- 
ständige sätze, um so schwerer wird es fallen, in der so knappen 
Überlieferung , welche nur die hauptzüge bietet , die stellen zu 
finden , wo dieselben einzufügen sind. Es liegt hier die sache 
ganz anders als z. b. bei Coelius Antipater, der in vorhandenen 
werken erweislich benutzt ist und in seinen historien eine zeit 
dargestellt hat , für welche wir in jenen ausführliche relationen 
besitzen, sodaß sein von Priscian mitgetheiltes bruchstück Dex- 
timos in dextris scuta iubet habere, welches nach der buchzahl aus 
der erzählung der drei ersten jähre des zweiten punischen krieges 
stammen mußte, in eine evidente beziehung mit einer stelle des 
Livius gesetzt werden konnte (Relliq. I, p. CCXXVIII sq. 153 sq.). 
Für Sisenna entbehren wir durchaus jeder sicheren spur, welche 
in den ebengenannten quellen des bellum sociale auf seine be- 
nutzung deuten könnte. 

Unter solchen umständen ist es nicht zu verwundern, wenn 
der große fleiß , welchen der Verfasser auf diesen theil seiner 
dissertation verwendet hat , nur dürftige resultate geliefert hat. 



378 85. Sisenna. Nr. 7. 

Vieles ist selbstverständlich und bedarf keiner „illustratio" , z. b. 
fragm. 87 (86 bei mir) Neque porta neque ullum foramen erat, 
qua posset eruptio fieri, wo hinzugefügt wird: Fragmentum ad ur- 
bem obsidione cinctam pertinet (p. 51); oder fragm. 37 (43) Ser- 
vulum eius praernio libertatis indvctum magno cum tumultu conven- 
tum in populum produxit armatum , welches fragment Schneider 
umschreibt : Sine dubio Jiaec res ita intellegenda est, ut crimen in 
dominum illius servi deferatur, quo damnetur. Praernio enim liber- 
tatis proposito fieri non potuit, quin servi, qui multis in causis dela- 
tores timebantur, dominos suos caluniniarentur (p. 31). Andere erklä- 
rungen muß ich wenigstens sehr zweifelhaft nennen , trotz der 
bestimmtheit, mit welcher sie gegeben werden , z. b. die zu fr. 
65 (98) Id me neque metu neque calamitatis necessitudine inductum 
facere, wo es beißt (p. 45): Verba ad colloquium, quod inter duces 
utriusque partis de pacis condicionibus factum est , pertinent , und 
dies so begründet wird: Conferri potest Cicero, qui in oratione 
Philippica (12, 11, 27) colloquio tali, quod inter Cn. Pompeium con- 
sulem et P. Vettium Catonem , Marsorum ducem , habitum esset, cum 
ipse Uro in illius fuisset exercitu, se interfuisse narrat. Tum frustra 
eos de pace egisse vel inde apparet , quod Marsi iterum pluribus 
proeliis fracti pacem petierunt (Liv. ep. 76). Oder die zu fr. 94 
(73) Inermos armati, impeditos expediti sine ullo suorum vulnere cunc- 
tos inter ficiunt, welche lautet (p. 52): Verba respondent verbis Ap- 
piani (I, 50fin.), qui fugam Cluentii a Sulla vidi ita describit: 
nagaXvdsiayg de tjjg td^eoog ovo* o dXlog ofiilog sti tov 
KXosvriov nagintivev , uXV ecpevyev ig NäJXav äxö G (i m g , xai 
o ^vllag avioig snöfxevog sxtsivsv ig rgtafivgtovg sv 
tw 8 g o [ACp , xa i r ä> i> IV oo X a i m v a v t o v g fx i ä n v Iq öe^o- 
pii>. eo p, iva fi?j ol noXifjiini aqtiai ovrEaniaotsv srz'govg exiei- 
vev dfiqii ro lg rsi^eaiv ig 8 1 a piv glov g' xat avv roiaSe 
Kloivrtog ayo3ii'C,öusvog eneae. Ebenso urtheile ich über fr. 11 
p. 23, fr. 13 p. 23, fr. 14 und 15 p. 24, fr. 21 p. 26, fr. 27 
p. 27 u a. m. Was nützt der Untersuchung der Überlieferung 
oder der thatsache eine beziehung , welche nur möglich genannt 
werden kann? Hätte der verf. nur